Kapitel 26
Arik weckte ihn zwei Stunden später durch eine sanfte Berührung. Er hatte ihm im Wohnraum Gesellschaft geleistet – was weitere Wachen vor der Tür ersparte – und die Zeit im Holonet verbracht. So hatte ihn auch eine Nachricht von Vader erreicht, eine Einladung für sie beide. Er schrieb schmunzelnd eine Antwort und ging dann zu seinem neuen Freund.
„Luke?"
„Wassn?" murmelte der schlaftrunken.
„Tut mir leid, dich wecken zu müssen, mein Junge, aber wir sind zum Essen eingeladen… um ehrlich zu sein, habe ich schon zugesagt."
Luke setzte sich auf und rieb sich die Augen. „Essen? Mit wem? Und wie spät ist es überhaupt?"
„Halb sieben. Dein Vater meinte, er würde uns gern in der VIP-Messe treffen… mit General Veers, Admiral Piett und Corva."
„Songan nicht?"
Arik fluchte innerlich – was sagen? Denk schnell! - blieb aber ruhig. „Nein, ich fürchte, er muß auf der Krankenstation bleiben, wenn Corva nicht da ist."
Luke schluckte das zu seiner großen Beruhigung und nickte nur. „Okay… ich dusch mich kurz, ja? Dauert nicht lang."
„Genieß es, mein Freund." Arik lächelte. „Soviel Zeit haben wir auf alle Fälle."
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Und Luke genoß es wirklich. Wasser, das sanft und warm über seinen Körper rann, Schaum und Schmutz gleichermaßen von ihm abspülte – das war etwas ganz anderes als die ewige sonische Dusche, die immer ein leichtes Gefühl der Unreinheit hinterließ, egal, wie oft man sie benutzte. Ein echter Luxus… das allein lohnte fast den Aufenthalt hier… Er grinste. Aufpassen, Junge. Du gewöhnst dich zu schnell an die Standards hier…
Er trat aus der Dusche, trocknete sich ab, rasierte sich und zog sich an, dann ging er zu Cass hinaus, der ihn anlächelte.
„Schon? Wir haben keine Eile, aber das paßt schon. Der Weg ist ohnehin ein wenig weiter."
„Auf diesem Schiff scheint es irgendwie keine kurzen Wege zu geben." grinste Luke.
Arik erwiderte es. „Nein, aber DAS wird dich umhauen. Glaub mir. Dein Vater hat wirklich Stil…"
„Wie meinst du das?"
Der junge Captain wies um sich, während sie lange Gänge entlangschlenderten. „Das ganze Baby hier ist zum Großteil von ihm entworfen. Glaub's oder nicht. Kuat von Kuat hat ein paar verdammt harte Monate hinter sich, in denen ihm ein sehr, sehr wählerischer und eigensinniger Sithlord auf den Zehen stand – mit Änderungswünschen, Anweisungen, Befehlen und Vorschlägen. Der Garten zum Beispiel. Kein anderer Sternzerstörer hat einen so derartig großen. Oder so viele Messen, Sporteinrichtungen, MedCenter, Bibliotheken und sonstige Möglichkeiten zur Zerstreuung. Dein Vater legt allergrößten Wert darauf, daß seine Leute sich wohl fühlen… und das tun sie. Es gilt als absolutes Privileg, auf diesem Schiff stationiert zu sein, und die Leute wissen ganz genau, was sie daran haben."
„Selbst, wenn es bedeutet, unter Darth Vader zu dienen?"
„Gerade WEIL es das bedeutet, Luke. Ja, er hat seine Methoden – es ist nicht alles gelogen, was über ihn gesagt wird, und sein Geduldsfaden kann mitunter wirklich verdammt kurz sein. Er haßt Dummheit und sorgt oft genug dafür, daß sie sich nicht wiederholen kann. Aber trotzdem lieben ihn die Leute. Er ist fair – auch wenn es vielleicht nicht so klingt, wenn er Leute umbringt. Er fördert die Guten, er hat Geduld, wenn man sich bemüht, und er verlangt nichts von seinen Leuten, was er nicht selbst tun würde. Er ist immer vorne dabei – im Gegensatz zu vielen anderen, die lieber aus dem Hintergrund Befehle brüllen." Leiser fuhr er fort: „Luke, dieses Schiff ist seins. Nicht das des Imperators. Und hier ist eine Elite versammelt, die für ihn durchs Feuer gehen würde… mich eingeschlossen."
Er winkte ihn in einen Lift, der sie nicht nur nach oben, sondern quer durchs Schiff beförderte, und sie fuhren eine ganze Weile. Luke hing seinen Gedanken nach. Sein Vater… er spürte, daß er ihm vertrauen konnte. Aber war er wirklich bereit, ihm zu folgen und die Rebellion im Stich zu lassen? Konnte er es? War es der richtige Weg?
Arik musterte ihn und erriet seine Gedanken. „Laß dir Zeit. Nimm sie dir. Das wird die wichtigste Entscheidung in deinem Leben sein – aber laß dir gesagt sein: wenn ICH Vaders Sohn wäre, ich würde keine Minute zögern." Er grinste, irgendwie vorfreudig und… wie ein Schuljunge, der sich auf einen Streich freut? „So. Wir sind da."
Die Türen öffneten sich vor ihm, und Luke zuckte unwillkürlich zurück.
„Heiliger Bantha!"
„Ich wußte, es würde dir gefallen." Arik grinste und trat hinaus – in das scheinbare Nichts. Sicher, der Boden war noch da, aber er war so schwarz wie das All – und vor ihm war nur Leere – ein Durastahlfenster einer Größe, wie er es noch nie gesehen hatte! Luke folgte Cass vorsichtig und sah sich um.
Es war eine Art Blase, eingepaßt in die Hülle im Turm, der zur Brücke hinaufführte. Vor, beziehungsweise unter ihm, erstreckte sich das gigantische Schiff in seiner ganzen Pracht und Schönheit – ein atemberaubender Anblick. Und Vader hatte offensichtlich extra für diesen Anlaß Anweisung gegeben, aus dem Hyperraum zu fallen, so daß der Rahmen für dieses Juwel ein Collier aus Sternen und Novae war, eingebettet in die samtene Schwärze des Alls – auch über ihnen, denn das Fenster wölbte sich auch ihren Köpfen.
Neben ihm war ein Tisch aufgestellt, auf dem für fünf Personen gedeckt war, ein sechster Platz war – natürlich – leer. Sein Vater war bereits anwesend, ebenso wie General Veers und Admiral Piett. Sie saßen am Tisch und unterhielten sich ruhig und angeregt, verstummten jedoch bei ihrem Eintreffen und nahmen Lukes Schock und folgende Begeisterung amüsiert zur Kenntnis.
Vader lehnte sich zurück, die Hände ruhig auf dem Tisch. „Gefällt es dir?"
„Es ist umwerfend!" platzte Luke heraus und kam näher, setzte sich auf einen Wink Vaders zu dessen rechter Hand. Links neben ihm saß Veers, neben diesem Piett. Cass nahm neben Luke Platz, und so blieb der Stuhl gegenüber Vader an der zweiten Stirnseite noch für Corva frei – die just in diesem Moment ankam und erst einmal herzhaft fluchte, als sie den Lift verließ.
„Ich HASSE diese Lounge!" Ein wenig blaß um die Nase setzte sie sich und nahm dankbar zur Kenntnis, daß man sie mit dem Rücken zur Aussicht plaziert hatte. „Ah. Das ist besser."
„Wußte ich doch." Vaders Tonfall ließ ein Lächeln erahnen. „Aber ich wollte Luke das nicht vorenthalten. Es wird für eine Weile das letzte Mal sein, daß wir hier so zusammen sitzen können."
Vader löste einen Sensor in der Tischplatte aus. Menschliche Stewards betraten die Lounge durch eine Tür, die ihm bislang noch nicht aufgefallen war und servierten den ersten Gang, eine Suppe.
„Warum?" fragte Luke überrascht, als sie wieder allein waren.
„Wir werden nach Vjun fliegen. Dort liegt Bast Castle, das mir gehört – der ganze Planet, um genau zu sein."
„Moment. Dir gehört ein kompletter Planet?" Lukes Kopf ruckte ungläubig vor.
„Nicht nur der eine." Vader schmunzelte. „Aber die anderen sind zum größten Teil nicht bewohnbar. Es sind meist Minenkolonien, die von Droiden betrieben werden."
Sein Sohn staunte mit großen Augen. Ihm war nicht bewußt gewesen, wie reich sein Vater wirklich war.
„Ich habe Firmus schon Anweisung gegeben, einen entsprechenden Kurs zu setzen – er wird uns auf eine Route bringen, die die restliche Reise einigermaßen verkürzt. Begleiten werden uns General Veers, Captain Cass und Songan."
„Und warum?"
„Wir haben dort mehr Ruhe. Ich kann dir deine Fragen beantworten, dich ein wenig im Umgang mit der Macht trainieren – wir können uns einfach besser kennenlernen, und ich dachte, du würdest dich in etwas privaterer Umgebung vielleicht wohler fühlen als hier. Und Max kann in aller Ruhe nach seinen Beinen sehen, zusammen mit Songan. Bei ihm sind jetzt Gehübungen fällig."
Luke dachte darüber nach, dann nickte er. „Klingt in Ordnung für mich."
„Gut, dann ist es beschlossen. Wir starten morgen."
Die anderen hatten zu essen begonnen, und auch Luke widmete sich nun der Suppe. Doch eine Frage brannte auf seinen Lippen, die er sich nicht verkneifen konnte.
„Kannst du nicht essen?"
Vader lachte leise. „Ich glaube, diese Frage hat sich schon die halbe Galaxis gestellt. Gerüchten zufolge stöpsle ich mich abends an einen Energiekonverter an wie ein Droide. Nein, ich kann essen. Das war nicht immer so – direkt nach Mustafar war ich auf intravenöse Nahrung angewiesen, und eine ganze Weile länger konnte ich nur Flüssiges zu mir nehmen – Säfte, Vitamindrinks, Suppen, Breie. Aber mittlerweile kann ich wieder ganz normal essen, dank den Mächten." Um Pietts Lippen spielte ein wissendes Lächeln, das Luke jedoch entging, und auch Veers widmete sich seiner Suppe plötzlich ziemlich intensiv. Cass behielt sein Pokerface bei, und Corva lächelte nur.
„Ich habe bereits gegessen, keine Sorge. Den nächsten Gang?" fragte Vader dann unschuldig, und Luke konnte nur nicken.
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Er lernte einiges an diesem Abend.
Sein Vater verfügte über das Wissen eines Lexikons und war ein hervorragender Unterhalter – und weit davon entfernt, eine dumpfe Kampfmaschine zu sein. Nun, letzteres war ihm bereits bewußt gewesen… wieder erinnerte er sich an die kurze Unterhaltung mit Leia. Aber er hatte nicht gewußt, wie tief das Wissen tatsächlich zu gehen schien. Die Gespräche vermieden tunlichst alles, was mit Imperium oder Rebellion zu tun hatte und berührten ein oder zwei Dutzend andere Bereiche verschiedenster Art, und er schien sich überall auszukennen, ohne daß es aufgesetzt, in irgendeiner Weise besserwisserisch oder überkandidelt wirkte – und ohne daß sich seine Gesprächspartner zurückgesetzt fühlten.
Die Leute hier am Tisch kamen wohl dem am Nächsten, was Han, Leia und Chewbacca für ihn bedeuteten: Freunde. Vertraute. Und auch dies war etwas Besonderes – ein Geschenk, das sein Vater mit ihm teilte. Er zog ihn in seinen engsten Kreis – der noch recht jung zu sein schien. Zumindest fühlte es sich so an – die Männer und Corva kannten sich untereinander, aber nur Veers und Piett schienen vertrauter miteinander zu sein. Aber alle waren gern hier, das konnte er fühlen. Sie waren Teil eines Ganzen geworden – und allen war gemein, daß ihr Respekt vor Vader immens war. Und ihr Vertrauen in ihn schien das noch zu übertreffen.
Noch während des Essens war die EXECUTOR wieder in den Hyperraum gesprungen, und sie waren bald vom milchigen Licht umgeben, das den exquisiten Speisesaal durchdrang, aber es tat dem Appetit keinen Abbruch. Und das Essen war hervorragend.
Nach dem Dessert und einem letzten Glas Wein hob Vader die Tafel auf, doch Luke hatte noch eine Bitte.
„Vater…?" begann er, unsicher, ob sie ihm gewährt würde.
„Ja?" Vaders Stimme war ruhig. Er freute sich über die Anrede und war bereit, seinem Sohn entgegenzukommen, soweit es ging, auch wenn er spürte, daß Luke hier etwas beinahe Unmögliches auf dem Herzen brannte.
„Ich würde gerne Leia sprechen, bevor wir fliegen." Luke war nervös, aber seine Stimme klang fest. „Ich möchte ihr nur sagen, daß sie sich keine Sorgen machen soll. Daß es mir gutgeht."
Die Offiziere um den Tisch schnappten unisono nach Luft und starrten zuerst Luke, dann Vader an.
Der dunkle Lord ignorierte sie, zurückgelehnt in seinen Stuhl, die Arme auf den Lehnen, vorgeblich entspannt. Er musterte Luke eindringlich und nachdenklich.
„Was bedeutet sie dir, mein Sohn?"
Luke schluckte. „Was bedeutet General Veers dir? Admiral Piett, Captain Cass, Corva?"
Die Angesprochenen wechselten Blicke, während Vader langsam nickte. „Ich verstehe. Und du denkst, sie glaubt dir?"
Sein Sohn senkte den Blick. „Vermutlich nicht. Aber ich möchte es versuchen. Und ich schwöre dir, nichts weiter sonst zu sagen."
Die unsichtbaren Augen schienen ihn zu durchbohren, und Vaders Geist streifte prüfend den Seinen, drang rasch und schnell ein und war ebensoschnell wieder draußen, bevor Luke groß zurückschrecken konnte.
„In Ordnung." sagte er knapp und erhob sich geschmeidig. „Ich werde dir morgen in deinem Quartier meine persönliche Leitung freischalten. Sie ist verschlüsselt und abhörsicher." Seine Offiziere staunten, ebenso wie Luke, der schluckte. Das hatte er nicht erwartet.
„Danke, Vater."
„Du bist mein Sohn. Beweise mir, daß du mein Vertrauen verdienst, Luke."
„Das werde ich." antwortete er leise.
Vader nickte ihm knapp zu und verließ die Messe als erster, gefolgt von Veers, Piett und Corva. Nur Cass blieb zurück, legte Luke eine Hand auf die Schulter und meinte lapidar: „Wow."
