Kapitel 29
Nach etwas über sechs Stunden Flug traten sie wieder aus dem Hyperraum aus.
Vjun war ein düsterer Planet – grau, dunkelbraun und dunkelgrün.
„Der Regen hier ist säurehaltig", erklärte Vader, „und das Moos, das beinahe überall wächst, fleischfressend. Kein Ort, der zu einer Wanderung einlädt."
„Klingt ja prickelnd." Luke schauerte. „Warum gehört dir ausgerechnet dieses bezaubernde Fleckchen? Mußte es unbedingt etwas sein, das die düstere Seele von Darth Vader widerspiegelt?" Es war als Scherz gemeint, aber noch, während er es aussprach, überlegte er, wie dicht seine Worte wohl an der Wahrheit waren.
Ein leises Lachen untergrub seine Theorien. „Nein. Vjun ist ein Planet, dessen Einwohner schon immer sehr machtbegabt waren. Irgend etwas hier scheint dies zu fördern – aber noch hat niemand herausgefunden, was.
Außerdem ist Bast Castle ist sehr groß – du wirst kein Bedürfnis haben, hinauszugehen. Glaub mir."
Vader ging in den Annäherungsvektor über, konsultierte den Navigationscomputer und leitete dann den Landevorgang ein.
Daß er nicht übertrieben hatte, wurde bald offenbar. Bast war ein gigantischer Komplex auf einer Bergspitze – und noch zusätzlich dominiert durch einen hohen, schlanken Turm. Es war mehr als ausreichend für sie alle, hier einige Zeit zu verbringen, ohne sich gegenseitig auf die Füße zu treten. Allerdings schien auch die Burg ein eher düsteres Gebäude… angepaßt an den Planeten. Oder den Hausherrn?
Vader dockte in einem Hangar ein, der sich ausreichend groß erwies, um die PRIDE aufzunehmen. Zuvor hatten sie jedoch einige Sicherheitschecks überwinden müssen – und Luke hatte sehr wohl die ungezählten auf sie gerichteten roten Ziellaser bemerkt.
„Zu Fuß kann man sich der Burg längst nicht so einfach nähern." Das Understatement des Jahrhunderts, vermutete Luke – bedachte man allein die Menge der sichtbaren Waffen. „Es sind Selbstschußeinrichtungen im weiten Umkreis aufgestellt, außerdem Hologrammprojektoren, die Schrecknisse und wilde Tiere darstellen und Eindringlinge in Fallgruben drängen. Der Weg selbst verläuft nach einem fixen Schema, das man kennen muß. Weicht man nur einen Schritt davon ab, lösen sich die Fallen aus."
„Klingt ja einladend. Warum all diese Vorkehrungen?"
„Es ist nicht unbedingt ein Geheimnis, daß Bast Castle mir gehört, Luke. Ich bewahre hier all meine wertvollsten Dinge auf – und es ist definitiv sicherer als mein Haus auf Coruscant. Man sollte es eigentlich nicht für möglich halten, aber es gibt immer wieder Idioten, die es für eine gute Idee halten, bei mir einbrechen zu wollen."
Er fuhr alle Systeme herunter und erhob sich. „Komm."
Sein erstes Ziel war der Hangar der PRIDE, wo er die Piloten der TIE-Jäger einwies. Ein Droide würde ihnen ihre Quartiere zeigen – sie waren offensichtlich mehr oder weniger getrennt von ihnen untergebracht. Keine allzu große Überraschung.
„Wer versorgt dies alles in deiner Abwesenheit?" fragte Luke, als er Vader zur Messe folgte.
„Diener. Ich habe einige Leute, die permanent hier leben. Sie werden gut bezahlt dafür, alles penibel in Ordnung zu halten – ich weiß meist nie im Voraus, wann ich komme."
Veers und Arik waren bereits fertig und folgten ihnen – ohne Gepäck. Das würde später geholt werden, wie Vader ihnen sagte.
Der Hangar war großzügig, sauber und aufgeräumt – und ein Durchgang führte wohl zu einem weiteren, der allerdings im Dunkel lag.
„Das zeige ich dir später." meinte Vader, dessen Tonfall auf ein breites Grinsen hindeutete. „Komm. Ich führe euch kurz durchs Haus."
Mit einem Lift gelangten sie in die Eingangshalle, die von einer riesigen Statue des Hausherrn dominiert wurde.
„Nett." meinte Luke trocken. „Und so ähnlich."
„Nicht meine Idee." versetzte Vader ärgerlich. „Der Imperator hat ein Faible für Gigantismus und Statuen. Keine gute Mischung."
„Der Imperator?" echote sein Sohn erstaunt.
„Ja. Die Statue ist ein Geschenk von ihm... ein kleiner Nadelstich, um mich hier, in meinem Refugium, ständig an ihn zu erinnern. Und daß ich in seiner Macht bin."
Er führte sie in den wichtigsten Bereichen der Burg herum, zeigte ihnen Kamin- und Eßzimmer, Bibliothek, Trainingsraum, Medienzentrum, Kartenraum und ihre Schlafzimmer, jedes davon mit großem Bad und luxuriös, aber geschmackvoll ausgestattet.
„Die Burg steht euch offen und zur freien Verfügung, mit allem, was darin ist.", meinte er abschließend. „Jedenfalls, solang ihr die Türen offen findet. Sollte eine verschlossen sein, versucht nicht, hineinzugelangen. Es würde euch nicht bekommen.
Gut. Richtet euch häuslich ein, geht ein wenig herum, kommt an. Ich werde die nächsten Stunden damit verbringen, diverse Dinge zu sichten und zu erledigen, die in meiner Abwesenheit aufgelaufen sind. Wir sehen uns dann zum Abendessen."
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Luke und Arik verständigten sich mit einem Blick und streiften dann erst einmal ziellos durch die Burg – wie Kinder auf einer Schatzsuche. Sie nahmen alles genau in Augenschein, bewunderten die teuren Gemälde an den Wänden – samt und sonders berühmte Werke von großen Meistern, alle einzigartig – ebenso wie die diversen anderen Kunstgegenstände, die scheinbar wahllos verteilt überall anzutreffen waren: hier ein altes Schwert an der Wand, dort eine Kriegsmaske eines berühmten Kriegervolkes, die Statue eines Gottes, eine Schale aus feinstem Porzellan aus einer Manufaktur, die es längst nicht mehr gab oder ein wundervoll geknüpfter Teppich, daumendick, in leuchtenden, lebenden Farben. Und erst die Bibliotheken! Bücher aus Papier waren eine Seltenheit – doch hier standen Tausende von ihnen, in über einem Dutzend Sprachen. Im Gegensatz dazu waren die technischen Einrichtungen sämtlich auf dem allerneusten Stand. Bast Castle war eine Ansammlung von Widersprüchen… wie ihr Herr.
Songan traf sie in einer der Gemäldegalerien – oder besser: in einem der langen Flure, die mit Bildern bestückt waren.
„Da seid ihr ja. Kommt mit, ihr beiden, ich möchte einen Test mit euch machen."
„Einen Test?" Arik runzelte die Stirn, als sie ihm folgten.
„Ja – euer Midichlorianwert."
„Unser was, bitte?"
„Unsere Machtbegabung." erklärte Luke. „Warum Arik, Songan?"
„Machtbegabung?" murmelte der junge Captain. „Ich bin nicht machtbegabt…"
Der Heiler lächelte. „General Veers schien Grund zur Annahme des Gegenteils zu haben, Captain. Wir werden sehen."
Er führte sie in eine Krankenstation, die jedes Medcenter hätte vor Neid erblassen lassen. Nun – kein Wunder bei der Disposition des wichtigsten Bewohners. MediDroiden standen parat, waren aber noch deaktiviert, und Songan beließ es dabei. Er schien sich gut auszukennen, denn er ging zielstrebig zu einem der Schränke, holte Testgeräte und Lanzetten und fuhr einen Computer hoch.
„Wer will zuerst?"
Luke zuckte die Schultern und trat vor.
„Ihre Hand, bitte."
Songan ergriff einen Finger der gereichten Hand, entnahm mit Hilfe einer Lanzette einen Tropfen Blut und tupfte ihn auf ein Feld eines Testgeräts. Dann übermittelte er das Ergebnis an den Computer und beobachtete neugierig den Monitor.
„Achtzehntausendsiebenhundert. Holla." Songan pfiff leise.
„Wieviel hat mein Vater?" fragte Luke neugierig.
„Niemand weiß es. Die Skala geht, wie Sie sehen, bis zwanzigtausend. Aber es wird vermutet, daß sein Wert über vierzigtausend liegt."
Beide blinzelten ungläubig. „Wow."
„Ja – aber es muß bedacht werden, daß Midichloriane nur in lebendem Fleisch existieren. Ein hoher Wert allein sagt wenig aus, wenn Gliedmaßen fehlen. Arik, wollen Sie?"
Der Captain trat vor und bot seinen Finger dar. „Aber ich habe nie Anzeichen gezeigt…"
„Keine präkognitiven Erfahrungen? Ahnungen? Wahrträume?"
„Naja – hat die nicht jeder?"
Songan grinste. „Nein. Wer sagt's denn – Neun-acht. Klingt nicht berauschend, ist aber guter Durchschnitt. Vergessen Sie nicht, daß Luke als Lord Vaders Sohn jenseits der Normalwerte steht."
„Und was bedeutet das jetzt?" wollte Arik ein wenig unruhig wissen. Er kannte Order 66 so gut wie jeder seiner Kameraden.
Songan drehte sich zu ihm und sah ihn ernst an, doch seine Augen lächelten. „Das bedeutet, daß Lord Vader jetzt zwei statt einem Schüler unterrichten wird – und zwar als erstes darin, wie man Schilde errichtet, um seine Begabung zu vertuschen. Keine Sorge, Arik. Die Uhren laufen jetzt und hier anders als noch vor einigen Monaten."
„Ich weiß, Sir. Danke." sagte er ehrlich und erntete ein Lächeln.
„Wo waren Sie eigentlich während des Fluges?" fragte Luke neugierig. „Ich habe Sie gar nicht gesehen."
Songan lächelte. „Nett, vermißt zu werden. Nun bin ich hier. Und wir werden uns die nächste Zeit sicher sehr häufig sehen." Er schaltete den Computer ab. „Ich gehe zu Max. Wir sehen uns später."
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Vader kehrte in Max' Räume zurück, wo er den General dösend auf dem breiten Doppelbett fand. Lächelnd setzte er sich daneben und küßte ihn sanft auf die Stirn.
„Ah, du bist zurück." Veers erwiderte das Lächeln und setzte sich auf. „Und? Was kam bei dem Test heraus?"
„Lukes Werte sind sehr hoch. Zwar nicht jenseits der Grenzen wie meine, aber knapp darunter. Und Arik liegt im guten Durchschnitt. Sonderbar, dass ich ihn nicht gespürt habe… er muß eine Naturbegabung sein, was Schilde angeht."
„Hab ich mir's doch gedacht. Und nun?"
„Nun werde ich die beiden ausbilden. Zunächst ihre Schilde, dann die Grundzüge. Luke hat ja schon das eine oder andere gelernt, aber es klaffen riesige Lücken. Logischerweise." Er schwieg einen Moment. „Arik sorgte sich zunächst – wegen Order 66."
„Kannst du es ihm verdenken?"
„Nein. Natürlich nicht." Vader seufzte. „Das Dumme ist nur: wenn ich morgen vom Kaiser einen Befehl erhalten sollte, wieder auf die Jagd zu gehen – sollte irgendwo in der Galaxis ein Jedi auftauchen – ich müßte ihn befolgen."
„Und würdest du denjenigen töten?" fragte Veers ruhig.
Vader atmete tief ein und dachte nach. „Vermutlich… ja. Es käme darauf an, um wen es sich handelt, denke ich. Auf sein Alter… und seine Denkweise."
„Wie meinst du das?"
„Es gab einige, die der starren Doktrin nicht so verbissen folgten, die mir während des Unterrichts Freiräume gewährten, Verständnis zeigten. Die mitdachten und die Regeln für überholt hielten. Oder schlicht für falsch. Wie das Zölibat, zum Beispiel. Ich weiß von einer Handvoll, daß sie Familien hatten… heimlich. Sie würde ich verschonen. Andere jedoch, die blind und dumm alles nachplapperten, nie in Frage stellten, was die Meister sagten, sie für unfehlbar hielten… sie würde ich vermutlich töten. Denn sie würden bei einer Neugründung des Ordens darauf bestehen, all die alten Fehler zu wiederholen. Und das darf nicht passieren."
Vaders Stimme war ruhig und bestimmt. Er war immer noch ein Sith, erkannte Veers. Oder doch zumindest zum Teil. Er bewegte sich zwischen beiden Extremen…
„Du rechnest damit, daß der Orden wiederersteht?" erkundigte er sich dann überrascht.
„Sicher. Luke wird früher oder später nach Leuten suchen, um sie auszubilden. Ich werde ihn nicht daran hindern."
„Und du? Wirst du dir einen Lehrling suchen?"
„Vielleicht… wir werden sehen. Es sollte immer mindestens einen von uns geben. Die Macht muß im Gleichgewicht sein. Aber beide Seiten müssen verstehen, daß sie von derselben Quelle gespeist werden – es gibt nicht nur schwarz und weiß. Es gibt viele Grautöne, hüben wie drüben. Eigentlich sind wir eins. Vielleicht sollte man auch beides vereinen – sollte ich zusammen mit Luke einen ganz neuen Orden gründen. Sobald der Kaiser tot ist."
Veers dachte darüber nach. „Eine interessante Idee. Und eigentlich eine logische Konsequenz."
Vader nickte. „Aber es ist noch zu früh, das zur Sprache zu bringen. Viel zu früh. Er ist noch nicht bereit. Aber noch haben wir Zeit."
Er sah zu seinem Anzug, der ordentlich auf einen Bügel gehängt am Schrank wartete, daneben Maske, Helm und Stiefel. „Sag mal… könnte ich heute Nacht bei dir schlafen? Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich meine Kammer umrüsten sollte, vom Schlafzimmer ganz zu schweigen. Vielleicht ergibt sich einmal die Notwendigkeit, es Luke zu zeigen."
Veers grinste. „Ich weiß nicht… das Bett ist so schmal. Und vermutlich schnarchst du."
Vader erwiderte das Lächeln. „Danke. Wollen wir nach unten gehen? Ich habe Hunger."
„Gern – aber wollte nicht Darth Vader am Essen teilnehmen statt Songan?"
„Hm… das hatte ich gesagt, ja? Nun… ich denke, er hat einfach zu viel zu tun am ersten Abend. Morgen sehen wir weiter. Ich werde auch das Personal noch einweihen müssen…"
„Warum? Auch das hat Zeit. Warte noch damit." Veers schob seine Beine über den Bettrand und hielt seinem Geliebten die Hände entgegen. „Hilf mir mal."
Vader nahm sie und zog ihn sanft nach oben. „Geht es?" fragte er besorgt.
„Aber natürlich. Schließlich habe ich nicht umsonst seit Tagen diese Bactabinden um die Beine. Das Zeug wirkt wahre Wunder. Ich bin nur ein wenig steif." Max setzte vorsichtig ein Bein vor das andere und überbrückte die kurze Distanz zu seinem Stuhl langsam, aber erstaunlich leicht. Dann drehte er sich vorsichtig und ließ sich in den Stuhl sinken. „Siehst du?" sagte er stolz.
Vader lächelte. „Sehr schön. Dann werden wir das Training jetzt beginnen und schön langsam steigern. Aber zuerst wirst du dich dafür stärken. Auf zum Abendessen, General!"
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Sie trafen nicht als Erste unten ein. Arik und Luke saßen bereits am Tisch und warteten, in ein angeregtes Gespräch vertieft.
„Hallo!" sagte Luke und sah auf. „Ich hoffe, Vater kommt auch gleich. Ich sterbe vor Hunger!"
Vader lächelte bei diesem Ausbruch von jugendlichem Übermut, gab aber Veers einen unsichtbaren Stups.
„Lord Vader läßt sich entschuldigen." übernahm dieser dann auch. „Er meinte, die Durchsicht der Unterlagen würde mehr Zeit in Anspruch nehmen als gedacht."
„Schade." Luke war sichtlich enttäuscht. „Ich hätte gern meinen Wert mit ihm besprochen."
Arik, der eben getrunken hatte, verschluckte sich prompt.
„Den kennt er bereits." sagte Songan. „Ich habe ihn ihm mitgeteilt. Er ist sehr erfreut und möchte so schnell wie möglich mit dem Training für euch beide beginnen. Morgen früh, denke ich."
Sein Sohn strahlte, doch dann wurde er schlagartig ernst. „Oh – ob er wohl ein Reservelichtschwert für mich hat? Ich habe meines ja auf Bespin verloren."
Songan schloß kurz die Augen, eine Welle des Selbstärgers überrollte ihn. „Sicher hat er das. Aber ich denke, er wird wollen, daß Sie sich ein neues bauen. Und Arik auch."
„Ein Lichtschwert bauen? Selbst?" echote Arik, und Luke staunte ebenfalls.
„Natürlich. Soweit ich weiß, war das eine der Grundübungen für Jedi. Ein Lichtschwert ist etwas sehr persönliches. Jedes ist ein Unikat und sagt in seiner Machart viel über seinen Benutzer aus."
Vader dachte kurz an sein eigenes, das oben im sicher durch die Macht verriegelten Schlafzimmer lag. Schlicht, geradlinig und schwarz.
„Holla." Luke pfiff durch die Zähne. „Ist das nicht irre kompliziert?"
„Es ist sicher nicht einfach." Vader lehnte sich zurück, als eine Dienerin die Vorspeise servierte, und begann dann, zu essen. „Aber es ist wichtig. Und unter Lord Vaders Anleitung wird es euch sicher gelingen. Auch wenn ihr die ersten Übungen bestimmt mit Übungsschwertern durchführt."
Arik grinste breit. „Mann! Ich freu mich drauf. Du nicht?"
„Klar! Ich habe bis jetzt ja nur wenig Training gehabt… Aber wie wird mein Vater uns unterrichten? Wird er uns als Jedi ausbilden – oder als Sith?"
„Als Jedi natürlich." antwortete Songan sofort. Dann, langsamer, fügte er hinzu: „Es sei denn, denke ich, Sie wollen auch die andere Seite kennenlernen… und Ihr Vater hält Sie für stabil genug, nicht hinüberzudriften."
Luke schüttelte den Kopf. „Das ergibt keinen Sinn.", murmelte er. „Die ganze Zeit glaubte ich – glaubte jeder, den ich kenne – daß er mich auf die dunkle Seite hinüberziehen wolle. Warum dieser Sinneswandel?"
„Es hat sich viel geändert, seit er erfahren hat, daß Sie leben, Luke." Songan legte den Suppenlöffel beiseite und tupfte sich den Mund mit seiner Serviette ab. „Aber das fragen Sie ihn am Besten selbst."
„Das werde ich." erwiderte sein Sohn und widmete sich nun endlich seinem eigenen Teller.
Vader wechselte einen Blick mit Veers. Er traut mir immer noch nicht.
Geduld, Geliebter. antwortete Max ruhig. Es ist nur eine letzte, kleine Bastion in seinem Kopf, die du einnehmen mußt. Er mag dich. Und er will dich kennenlernen. Das hat er mir selbst gesagt.
Daß er mich mag? fragte Vader amüsiert.
Das leider nicht. Aber daß er dich nicht mehr haßt, immerhin. Und dich nicht mehr fürchtet. Und daß er dich eben kennenlernen will.
Das ist schon mal was. Und daß er mich mag, weiß ich selbst. Er lächelte. Ich kann es spüren. Das Band zwischen uns ist da – und bereits recht stark. Er ist sehr begabt… ich liebe meinen Sohn, Max. Das ist ein sonderbares Gefühl… einen Sohn zu haben.
Ein schönes, hoffe ich.
Natürlich! Aber so… plötzlich und überraschend. Du durftest deinen aufwachsen sehen. Du hast ihm Windeln gewechselt, seine ersten Worte gehört, seine ersten Schritte begleitet, aufgeschlagene Knie verpflastert und schlechte Noten in Empfang nehmen müssen. Du hast ihn begleitet. Ich hingegen bekomme einen erwachsenen Mann serviert…
Naja. Beinahe erwachsen. Max schmunzelte.
Beinahe, in Ordnung. Aber du weißt, was ich meine.
Natürlich. Aber vergiß nicht: du bist sein Vater. Du bist das, was er sich sein Leben lang gewünscht hat. Und wenn er dich mag, wird er deinen Rat annehmen, wird sich in gewisser Weise immer noch formen lassen… wenn es das ist, was du willst.
Will ich das? echote Vader ein wenig traurig. Auch ich muß mich erst in diese Rolle hineinfinden. Wie wird man ein guter Vater? Was tut man? Was sagt man? Was tut man nicht?
Dava… Der Name war wie ein mentales Streicheln. Das kann man nicht lernen. Tu einfach, was du für richtig hältst. Ihr werdet beide lernen müssen.
Vader seufzte und sah zu Luke hinüber, der soeben seinen leeren Suppenteller gegen die Hauptspeise austauschen ließ und mit Arik scherzte. Ich habe in meinem Leben schon so viel falsch gemacht… Ich hoffe, du hast Recht.
