Dieses Kapitel ist richtig schön lang – aber wenn ich es an einer früheren Stelle getrennt hätte, wäre der Schnitt zu harsch gewesen. Gut für euch, mehr zu lesen :o)
Es ist eines meiner Lieblingskapitel, eins, auf das ich stolz bin (obwohl es vielleicht ein wenig kitschig ist ::g::). :o) Ich hoffe, es gefällt euch ebensogut wie mir!
Sorry übrigens für die Rauten bei Chewbaccas wörtlicher Rede – in meiner Vorlage verwende ich Sternchen, aber die mag diese Seite leider nicht. Und ich will ihn, da er Shyriiwook spricht statt Basic, von den anderen unterscheiden.
Jane: Max hat diesmal leider Pause, aber keine Sorge: er hat eine tragende Rolle in dieser Story, und die wird sich definitiv noch vertiefen!
Yuiko: Dieses Kapitel wird dir garantiert gefallen, das weiß ich jetzt schon ::breitgrins:: Warum Luke den Distanzgriff lernen will? Weil er eine „graue" Technik ist, aber eine sehr wirksame. Man kann damit jemanden außer Gefecht setzen, ohne ihm zu schaden, wenn man sie beherrscht. Im sechsten Teil hat er sie bei einer gamorreanischen Wache in Jabbas Palast angewandt, erinnerst du dich? – Firmus Piett, richtig. Er hat Vaders Sith-Augen in der Krankenstation gesehen, als Max dort nach Hoth verletzt lag – und dieser in der Mechaniker-Verkleidung steckte.
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Kapitel 32
Gleichzeitig, an einem weit entfernten Punkt der Galaxis, beobachteten Leia, Lando und Chewbacca aus ihrem Versteck auf einem der Monde des Planeten, auf dem die Rebellen bis vor kurzem ihr Zwischenlager gehabt hatten, wie einige kleinere imperiale Schiffe aus dem Hyperraum fielen und den Planeten sondierten.
„Das sind nur Aufklärer." stellte Lando verblüfft fest.
„Ja. Und sie sind verdammt spät dran." ergänzte Leia.
Sie sahen sich an.
„Entweder Luke oder R2 haben Vader also verraten, wo wir sind."
Leia runzelte die Stirn. „Ich glaube nicht, daß es Luke war. Er würde es nicht freiwillig verraten, und ich bin mir ziemlich sicher, daß er nicht gefoltert wurde… ich glaube, das hätte ich gespürt. Ich weiß nicht warum, aber…"
# Also war es R2. #, knurrte Chewbacca. # Das hätte ich nicht von ihm gedacht. #
„Wir hätten auch nicht gedacht, daß er desertiert, Chewie." meinte Lando unbehaglich. „Aber das da… ich glaube, die sind nur der Form halber da. Das sind zu wenige. Wenn die erwartet hätten, daß wir noch da sind, wäre die ganze Todesschwadron hier, und nicht nur die paar Clowns da."
# Irgendetwas stimmt da nicht. Irgendwas ist faul… #
„Ja." seufzte Leia. „Aber was?"
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Vader nutzte die Gelegenheit, etwas zu essen, blieb aber im Anzug – er erwartete eine Meldung von Firmus Piett.
Auch fiel ihm auf, daß er seit der Landung R2 nicht mehr gesehen hatte, und machte sich auf, ihn zu suchen.
Er fand ihn im Haupthangar, wo er zwei der Piloten, die immer noch mit der Säuberung und Wartung von Lukes X-Wing beschäftigt waren, Gesellschaft leistete. Offensichtlich verstanden beide Binär fließend, denn sie unterhielten sich angeregt mit dem kleinen Astromech und lachten immer wieder. Für imperiale Piloten erstaunlich, denn keiner ihrer Jäger verwendete die Droiden mehr.
Als er näherkam, salutierten die beiden zackig und respektvoll, lächelten aber dabei.
„Wie geht es voran?" erkundigte sich Vader.
„Gut, Mylord, aber wir lassen uns Zeit. Oder hat es Eile?"
„Nicht daß ich wüßte. Ist er grundsätzlich betriebsbereit?"
„Natürlich." antwortete einer der beiden beinahe entrüstet. „Wir sind Piloten, Mylord. Wir sind immer auf einen Einsatz vorbereitet."
Vader nickte und sah zu R2 hinunter. „Wo warst du die beiden Tage? Warum hast du dich uns nicht angeschlossen?"
R2 pfiff etwas und drehte unsicher den Kuppelkopf.
„Natürlich bist du uns willkommen, R2. Was soll denn der Unsinn?" fragte Vader ärgerlich. „Du hast einmal mir gehört – und wem du jetzt folgst, liegt in deinem Ermessen, würde ich sagen. Also betrachte dich als Gast auf der Burg, ja?"
Der Droide gab erleichtert klingende Töne von sich und fragte dann etwas.
„Luke? Er wollte duschen, aber das ist schon eine Weile her. Arik habe ich eben in der Bibliothek gesehen, frag ihn. Weißt du noch, wo sie ist?"
R2 hupte bestätigend und rollte davon.
„War der Jäger sauber?" fragte Vader dann und ließ seinen Blick aufmerksam über den X-Wing gleiten. Nicht unelegant, die Maschine… aber dennoch zog er persönlich die TIE-Serie vor, auch wenn diese den Nachteil hatten, über keinen Schutzschild zu verfügen.
„Er war es, Mylord." Der Pilot grinste.
„War?"
„Wir haben uns die Freiheit genommen, einen Peilsender einzubauen, Mylord. Kein Standardgerät, sondern ein spezielles, mit einem individuellen Code. Wir dachten, Ihr wärt vielleicht interessiert daran, immer zu wissen, wo Euer Sohn ist."
Vader nickte langsam. „Gut mitgedacht, Captain. Sehr gut. Weiß R2 davon?"
Beide Piloten lachten. „Er hat sogar beim Einbau geholfen. Er war ganz begeistert von der Idee."
„Einen der beiden Gegensender verwahrt er." ergänzte einer der beiden. „Er kann ihn damit auch rufen und zu sich holen, wenn die Entfernung nicht zu groß ist."
„Sehr schön." Vader nickte ihnen nochmals zu und ging dann in sein Arbeitszimmer, um auf Pietts Anruf zu warten.
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Er mußte eine ganze Weile warten – bis in die Nacht hinein. Aber das machte ihm nichts aus, er arbeitete in der Zeit einiges Liegengebliebene auf, las und beantwortete Mails und zeichnete die unvermeidlichen Berichte ab, die er als Kommandierender der Flotte täglich im mehrfachen Dutzend bekam.
Als sich Piett schließlich meldete, war es schon nach Mitternacht, doch er fühlte sich nicht müde.
„Lord Vader." Piett salutierte lächelnd, und Vader erwiderte den Gruß freundlich.
„Firmus. Was gibt es zu berichten?"
Er wunderte sich selbst über den mehr oder weniger formlosen Ton, den er seinem Admiral gegenüber anschlug – das war neu, für beide. Ein Freund, dachte er erstaunt. Freunde. Zwanzig Jahre lang war er allein gewesen – und nun hatte er nicht nur einen Sohn, einen Geliebten und einen Padawan, sondern auch zwei weitere Freunde: Firmus und Corva.
„Unsere Aufklärer haben den Rebellenstützpunkt erreicht, ihn aber verlassen vorgefunden – wie erwartet." sagte Piett.
Vader nickte, wenig überrascht. „Damit haben wir hoffentlich der Form genüge getan. Aber Schluß mit den Nettigkeiten – jetzt sind die Chancen wieder ausgeglichen. Ab sofort wird jeder Hinweis wieder ernsthaft verfolgt." Er lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Also, was gibt es sonst zu berichten?"
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Nachdem er das Gespräch mit Firmus beendet hatte, las er einen angefangenen Bericht zu Ende und erhob sich dann gähnend, um zu Bett zu gehen. Doch bevor er das Schlafzimmer erreichte, das er mit Max teilte, hielt er inne. Luke… etwas stimmte nicht mit ihm.
Er öffnete sich der Macht, streckte seine Fühler aus. Ein Alptraum, entschied er und drehte kurzentschlossen ab, um statt seinem das Zimmer Lukes zu betreten, das ein paar Türen weiter lag. Ein wenig wunderte er sich, daß er den Traum nicht sehen konnte – aber vielleicht war das normal. Er hatte nie zuvor versucht, jemandes Träume zu teilen.
Leise betrat er Lukes Zimmer und aktivierte durch sein Eintreten ein schwaches Nachtlicht, das er zwar nicht gebraucht hätte, das er aber dennoch begrüßte – er wußte nicht, ob Luke dunkelsichtig war.
Sein Sohn lag auf dem Rücken, fest in seine Decken gezurrt – offensichtlich hatte er sich zuvor unruhig gewälzt und so darin verfangen. Kein Wunder, daß er Alpträume hatte.
Er setzte sich aufs Bett und legte ihm sanft eine Hand auf die Schulter. Als Luke nicht reagierte, rüttelte er ihn behutsam.
„Luke… wach auf, mein Sohn. Du hast einen Alptraum."
Der Junge erwachte schlagartig und schoß hoch, doch noch in seinem Traum gefangen, zuckte er panisch zurück, als er Vader vor sich sah, und neuer Schweiß trat auf seine Stirn.
„Nein… nein!" Er rutschte wild strampelnd ans Ende des Bettes zurück, wo er sich mit weit aufgerissenen Augen an das Kopfteil preßte - weg von der schwarzen, maskierten Gestalt vor ihm.
Vader war mindestens ebenso erschrocken über diese Reaktion. „Luke, ich bin es… dein Vater. Es ist alles gut… du hattest einen Alptraum." sagte er behutsam, gänzlich aus seiner üblichen Rolle fallend. Er versuchte, die Angst zu übersehen, die in Lukes Augen stand, die schiere Panik… vor ihm. Vor Darth Vader, dem Feind der Rebellion, dem Monster, dem Bösen schlechthin. Wollte glauben, daß sie nur aus einem Alptraum kam… und vergehen würde.
Einmal mehr verfluchte er die Maske, erwog kurz, sie abzunehmen – verwarf die Idee aber gleich wieder, als ihm aufging, daß jetzt wohl nicht der richtige Augenblick für eine Demaskierung war. Und für die Eröffnung, daß er verheimlicht hatte, geheilt zu sein.
Nur langsam wurde Lukes Blick wieder klarer, als er zu sich kam. „Vater…?"
„Ja, Luke." Jahrelange Übung half ihm, seine Tonlage und Stimme zu kontrollieren, ruhig zu halten. Beruhigend. Und tiefe Erleichterung überflutete ihn, als er langsam, zögernd, die Panik weichen sah, fühlte, wie sein Sohn sich entspannte, ruhiger wurde. Und er senkte seine Schilde vor seinem Sohn so weit, daß dieser es spüren konnte. Seine Besorgnis, seine Gefühle für ihn. Seine Liebe.
„Was machst du hier?" Luke befreite sich fahrig aus seinen Decken und wischte sich den Schweiß vom Gesicht. Er sah Vader an, ein wenig unsicher… angstvoll. Oder besser: entsetzt? Aber warum? Vader war sicher, daß sein Sohn empfing, was er ausstrahlte. Daß er wußte, wie es in ihm aussah. Was also…
„Ich habe gespürt, daß etwas mit dir nicht in Ordnung war. Du hattest einen Alptraum.", erklärte er dann ruhig.
Luke lachte freudlos. „Könnte man so sagen. Eine Erinnerung trifft es besser."
„Möchtest du darüber reden?" erkundigte Vader sich. „Mir hat das als Kind geholfen, den Schrecken zu vertreiben."
Sein Sohn starrte ihn an. „Naja… du kommst drin vor. In gewisser Weise." Er zog das Kopfkissen unter seinem Hinterteil hervor und stopfte es hinter sich – daß er damit Vaders Blick auswich, mochte ein Zufall sein.
Vader zog eine Augenbraue hoch. „Ah?"
„Ja. Als ich auf Dagobah war, schickte Yoda mich unter die Wurzeln eines Baumes. Dort traf ich auf… dich. Oder besser: ein Bild von dir."
Vader atmete tief ein. „Oh. DAS." Jetzt wurde ihm Lukes Reaktion klar. Vollkommen klar.
Nun war es an Luke, die Stirn zu runzeln. „Woher weißt du- "
„Zunächst: das war nicht ich, Luke. Damit das klar ist. Nicht einmal mein bewußtes Selbst. Ja?"
Luke nickte verwirrt.
„Aber ich habe diese Begegnung damals live erlebt. Ich war in diesem… Bild."
„Wie das?" Mißtrauen schlich sich in Lukes Blick. Hatte sein Vater ihn bespitzelt, beobachtet? Verheimlichte er ihm etwas?
„Keine Ahnung. Ich wurde ohne Vorankündigung, ohne Warnung in diese Begegnung geworfen wie in eine Vision – ich sah dich, ich sah… mein Imago. Den Beginn, den Kampf. Und…" Vader erschauerte in der Erinnerung. „Ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt, geköpft zu werden. Es… tut weh."
„Oh, Scheiße." murmelte Luke, der ahnte, daß das eine Untertreibung war, gelinde gesagt. Und er konnte spüren, daß Vader die Wahrheit sagte – daß er nicht absichtlich beobachtet hatte, zufällig und doch eher unfreiwillig Zeuge gewesen war. Und schon gar nicht verantwortlich dafür. „Vater – tut mir leid. Ich hatte ja keine Ahnung…"
„Du kannst ja nichts dafür." beruhigte Vader. „Und ich weiß nicht, wer oder was für diese Vision verantwortlich war – auch wenn ich stark den kleinen grünen Giftzwerg im Verdacht habe, der dir vor Augen führen wollte, was aus dir werden könnte, wenn du der dunklen Seite nachgibst – freilich ohne dir zu verraten, was das wirklich zu bedeuten hat – was dich mit Darth Vader verbindet."
Luke starrte ihn an. „Daß ich werde wie du?" Er sah noch deutlich sein eigenes Gesicht in Vaders aufgeplatztem Helm wieder. Den Rauch, der daraus aufstieg, das zerstörte Auge.
„Ja… und nein. Du hast viel von mir geerbt, das ist wahr, auch meinen Zorn und meine Ungeduld. Aber so wie ich… nein. Das würdest du nicht werden. Meine Intention damals war eine andere. Es war nicht Machtstreben – ich wollte nur deine Mutter retten. Palpatine war, so dachte ich, mein einziger Weg, Padmé vor dem Tod zu bewahren. Daß er mich betrog, merkte ich zu spät… und da war ich bereits gefallen und gefangen."
Luke hörte ihm zu, ein wenig entspannter nun. Auch Vader entspannte sich nun etwas, die Angst, die Sorge, daß er Luke verloren haben könnte, wich.
„Aber, mein Sohn: Palpatine will dich. Wenn wir ihn nicht stoppen, wird er alles darein setzen, dich auf die dunkle Seite zu ziehen. Du bist nicht so stark wie ich, aber stärker als die meisten. Ich bin eine potentielle Gefahr für ihn – zumal mein eigentlicher Grund, der mich damals hat fallen lassen, seit zwanzig Jahren nicht mehr existiert. Mich tot zu sehen und dich als Schüler zu haben – das ist sein Ziel."
Lukes Augen weiteten sich erschrocken. „Nein… das will ich nicht!"
„Keine Sorge. Ich werde nicht zulassen, daß er dich bekommt." beruhigte Vader.
„Nein, das ist es nicht!" Luke schüttelte vehement den Kopf und fiel seinem Vater dann vollkommen überraschend um den Hals. „Ich will nicht, daß du stirbst!"
Der dunkle Lord war wie vom Donner gerührt und saß wie erstarrt. Erst nach einem Moment wagte er es, die Umarmung zu erwidern. „Das wird nicht geschehen, Luke… nicht, wenn ich es verhindern kann. Aber ich brauche dich. Sobald du ausgebildet bist. Zu zweit können wir Palpatine besiegen." Langsam, ebenso vorsichtig wie unsicher, strich er ihm über den Rücken, genoß das Gefühl, seinen Sohn zu halten, der sich vertrauensvoll an ihn schmiegte. „Aber noch haben wir ein wenig Zeit, Luke. Noch ist Zeit."
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Der junge Jedi war schweißgebadet, aber sein Herz hatte aufgehört, zu rasen, und sein Blutdruck war wieder in normalen Bereichen angelangt.
Seine spontane, erste Reaktion tat ihm leid – er hatte Vaders Schmerz gespürt, hatte gefühlt, wie verletzt er gewesen war, als er vor ihm zurückschreckte. Aber wer wird schon gern vom Hauptdarsteller seines Alptraums geweckt?
Ihm war nun bewusst, dass der Vader aus der Höhle nichts mit seinem Vater zu tun hatte. Den Traum hatte er sehr bewusst erlebt, hatte ihn anders wahrgenommen als beim ersten Mal – und er hatte nichts in der dunklen Gestalt gespürt. Keine Emotionen, nicht einmal Haß, geschweige denn Besorgnis und Liebe, wie sie ihn momentan einhüllte - wie ein sanfter, weicher Mantel. Der Vader, der eben vor ihm saß, hatte auch nichts gemein mit dem Vader aus dem Holonetz – obwohl er wusste, dass es derselbe Mann war. Sein Vater hatte Recht – das Band zwischen ihnen bestand und festigte sich immer mehr. Obwohl Vaders mentale Schilde momentan gesenkt waren und er mehr spürte als sonst, würden sie für ihn nie so dicht sein wie für andere. Sein Vater würde nie ganz seine Gefühle, seine Ängste oder Sorgen vor ihm verbergen können – aber auch nicht, dass er Glück und Freude empfand, beide Extreme etwas, das er vor dem Kaiser tunlichst verbergen musste.
Die letzten Tage, die Gespräche, die Nähe zu seinem Vater hatte seine Einstellung gegenüber Vader komplett verändert. Luke war sich bewusst, dass sein Vater viele Dinge getan hatte und wieder tun würde, die er, Luke, als schrecklich und schlecht empfand, und er war sich ebenso bewusst, dass er das nicht würde ändern können. Aber genauso wusste er, dass Vader ihn liebte und ihm nie wieder Leid zufügen würde. Und er, Luke, hatte nun endlich seinen Vater gefunden. Sein größter Wunsch, den er unerfüllbar glaubte, war wahr geworden. Und so hatte er sich, als der Alptraum ihn widerwillig aus seinen Klauen entließ, erstaunlich schnell entspannen können. Das spontane Bedürfnis, seinen Vater zu umarmen, hatte ihn allerdings selbst kalt erwischt.
Und nun saß er hier, an Vaders breite Brust geschmiegt – etwas, das ihm noch vor wenigen Wochen nicht nur absurd, sondern verrückt erschienen wäre, hätte es ihm jemand prophezeit.
Seine Wange ruhte auf erstaunlich warmem und weichem Leder, dessen Duft ihm angenehm in die Nase stieg, vermischt mit einem Hauch von Öl von den Metallteilen – dem Schulterpanzer, an dem seine Stirn lehnte, der Halsbeuge und der Maske – und dem Eigengeruch seines Vaters, herb, männlich, angenehm. Er atmete tief ein, für einen Moment nur ein glückliches Kind. Unter seinem Kinn befand sich die Schalteinheit des Lebenserhaltungssystems, die Leuchtdioden färbten das umliegende Leder rot und grün ein. Seine Hände, auf Vaders Rücken, streiften den überraschend weichen Stoff des Capes, und er konnte fühlen, dass der ganze Mann nur aus Muskeln zu bestehen schien. Er hörte den kräftigen, regelmäßigen Herzschlag Vaders und musste kurz lächeln, als er sich erinnerte, dass Leia einmal geflucht hatte, Vader habe doch einen Stein in der Brust, kein Herz – höchstens ein mechanisches. Leia. Was würde sie sagen oder denken, wenn sie ihn jetzt so sehen könnte? Er schob den Gedanken beiseite und löste sich ein wenig von Vader, ohne ihn jedoch ganz loszulassen, und sah ihn an. Die Maske barg keinen Schrecken mehr für ihn, und das Geräusch des Beatmers vermittelte eigenartigerweise nun mehr ein Gefühl von Schutz und Sicherheit.
„Vater…"
„Ja?" Vader erwiderte seinen Blick, die Stimme sanft.
Luke lächelte. „Ich wollte nur dieses Wort aussprechen. Vater. Ich habe mir mein ganzes Leben lang einen Vater gewünscht…"
„Und ich…" Vader zögerte, suchte nach Worten. „Ich habe seit über zwanzig Jahren um das Kind getrauert, das ich nie würde haben können. Das Kind, das ich tot glaubte, gestorben mit Padmé. Daß ich dich nun gefunden habe, Luke, dass du bei mir bist, mein Sohn… das ist ein wundervolles Gefühl."
„Ich… ich liebe Dich." Luke kam sich ein wenig komisch vor, als er das sagte, aber gleichzeitig fühlte es sich richtig an.
„Und ich dich." Vader zog ihn wieder an sich, froh um die Maske, denn Tränen liefen ihm über die Wangen. „Niemand wird uns mehr trennen, Luke. Nie wieder."
Luke schmiegte sich wieder an ihn, wunderte sich über die Wellen, die von seinem Vater ausgingen, versuchte, sie zu analysieren. „Weinst du?" fragte er schließlich erstaunt.
Vader antwortete nicht gleich, dann änderte sich seine Aura, wurde heiter. „Ich fürchte, ja."
Luke lachte leise. „Darth Vader weint! Meinst du, das glaubt mir jemand, wenn ich das weitererzähle?"
„Nein." kam die trockene Antwort. „Aber ich müsste dir leider trotzdem den Hintern versohlen, wenn du es tätest."
Sein Sohn löste sich nun grinsend, wurde aber gleich wieder ernster. „Bei den Mächten… tut mir leid, Vater. Was musst du nur von mir denken? Ein Milchbubi, der wegen eines Alptraums seinem Papi um den Hals fällt."
„Hm… stimmt eigentlich. Wäre passender gewesen, wenn DU geheult hättest, oder?" neckte Vader. „Keine Sorge, Luke. Es ist mitten in der Nacht, wir sind unter uns, und die Umstände sind… nun ja, besonders. Wir haben zwanzig Jahre verpasst. Du bist mein Sohn – zwischen uns sollte es nichts geben, was peinlich ist."
Lukes Grinsen wurde breiter und fieser. „Ah nein? Und was ist nun mit dem gewissen Nachmittag?"
„Neugier, mein Sohn, ist keine Tugend, die einen Jedi auszeichnet." versetzte sein Vater gespielt streng. „Du solltest dich darin üben – und deshalb werde ich es dir noch nicht verraten."
Der Junge lachte. „Ich hatte ohnehin nicht damit gerechnet, dass du es mir verrätst. Aber du könntest mir etwas Anderes erklären – oder bist du sehr müde?"
„Ich bin es gewohnt, wenig Schlaf zu bekommen." wich Vader aus. „Was möchtest du wissen?"
„Sag mir bitte, woher du wusstest, dass ich bei Yoda war."
„Ich hatte Visionen." kam die Antwort ohne zu zögern. „Eine weitere meiner Begabungen… und keine, die mir lieb ist, das kann ich dir versichern. Nur waren diese etwas anders, denn sie waren keine Zukunftsbilder, sondern sozusagen eine Live-Übertragung."
„Du hattest mehrere?"
„Ja." Vader nickte. "Es begann langsam… nachdem ich erfahren hatte, wer den Todesstern zerstörte, vor wenigen Wochen. Das erste, was ich sah, war dieses Raubtier auf Hoth, das dich aus dem Sattel holte."
Luke zog die Augenbraue hoch. „Das Wampa."
„Heißt das so? Nun… das nächste Bild kam dann ein wenig später, als du wieder zu dir kamst… in der Höhle, mit den Füßen an der Decke."
Sein Sohn nickte, ein Knoten im Magen bei der Erinnerung. „Ich dachte, das sei mein Ende. Aber dann hörte ich die Stimme…"
„…die dir sagte, du solltest dein Lichtschwert an dich ziehen?"
Luke riß die Augen auf. „Das warst du?"
Vader nickte. „Vermutlich dachtest du, es sei Kenobi gewesen." Ohne auf Lukes weiteres Staunen zu achten, sprach er weiter. „Das kam danach – Kenobis sonderbarer Befehl, nach Dagobah zu gehen. Ich fragte mich, ob du dich in deinem Zustand später überhaupt daran würdest erinnern können."
„Aber warum…" Luke zögerte, schluckte dann hinunter, was er hatte sagen wollen in dem vermutlich überflüssigen Bemühen, Vader nicht auf Gedanken zu bringen, die er unwahrscheinlicherweise vielleicht doch noch nicht gehabt hatte.
„Warum ich nicht längst nach Dagobah geflogen bin, um Order 66 an Yoda zu vollziehen?" fragte Vader. Luke nickte. „Um ehrlich zu sein, weiß ich das selbst nicht so genau. Ich hege einen persönlichen, tiefen Groll gegen Yoda, aber wer weiß… vielleicht brauchen wir ihn noch. Er weiß nichts von mir – nicht mehr, als er vor seiner Flucht erfahren hat und was Kenobis Geist vielleicht erfahren und ihm verraten hat. Aber auf jeden Fall weiß er nicht, dass ich von dir weiß und Kontakt zu dir habe. Daß du bei mir bist – freiwillig."
Luke nickte. „Was hast du noch gesehen?"
„Deine Ankunft." antwortete Vader und ergänzte: „Für ein paar Sekunden habe ich mir beinahe Sorgen gemacht."
Luke runzelte die Stirn, bis ihm aufging, daß sein Vater ihn neckte.
„He, ich bin ein guter Pilot! Vielleicht nicht so gut wie du, aber…"
„Ganz sicher nicht." versetzte Vader. „Immerhin hast DU nicht mit neun Jahren das Boonta Eve gewonnen und ein Flaggschiff der Handelsföderation zerstört."
„Nein. Nur den Todesstern… aber da war ich schon ein wenig älter." Luke grinste. „Zählt das?"
Vader lachte. „Auf jeden Fall. Um ehrlich zu sein – wenn du danebengeschossen hättest, hätte ich vielleicht selbst einen Torpedo gesetzt."
„Was?" Luke riß die Augen auf.
„Was ‚was', Sohn? Glaubst du, nur weil ich die rechte Hand des Imperators bin, muß ich seine Spielzeuge gut finden? Im Gegenteil. Ganz im Gegenteil…" Seine Gedanken schweiften ab, als er an die neuere, noch größere Version dieses idiotischen Dings dachte, das über Endor im Bau war. Sollte er Luke schon davon erzählen? Nein. Noch nicht, entschied er. Das hatte noch Zeit. Und wenn alles klappte, wie er es plante, würde der zweite Todesstern – unter seiner Herrschaft – ohnehin nicht fertiggestellt werden.
„Anschließend kam die ‚Jedi habe ich herangebildet achthundert Jahre lang'-Rede, die jeder von uns auswendig kann – mit wechselnden Jahresangaben, natürlich. Und wie sich Yoda weigerte, dich anzunehmen. Weil du zu alt warst." Vader knurrte.
„Das hatte er zu dir auch gesagt, nicht wahr?"
„Ja. Allerdings. Und das ist ein Schwachsinn im Quadrat. Gerade, wenn sie zu alt sind und unentdeckt waren, sollten sie ausgebildet werden, und zwar isoliert und so schnell wie möglich!"
„Wieso?" Luke runzelte die Stirn.
„Weil es lebende Zeitbomben sind, Luke. Ein unausgebildetes, machtbegabtes Wesen ist eine Gefahr für seine Umgebung. Durch starke Emotionen macht die Macht sich selbständig und tut Dinge, die nicht geplant und in den meisten Fällen nicht gewünscht sind. Oder gewünscht und nicht wirklich willkommen. Wenn jemand große Angst hat, zum Beispiel, kann es passieren, daß derjenige, der die Angst auslöst, verletzt wird – oder stirbt. Weil der Bedrängte sich unbewußt wehrt."
„Emotionen – und vor allem solche wie Wut, Angst und Haß – sind die dunkle Seite, sagte Yoda." warf Luke vorsichtig ein.
„Nein. Und ja." Vader seufzte. „Luke, wie schon erklärt: die Macht IST. Die Jedi verleugnen ihre Emotionen. Die Sith bejahen und nutzen sie. Und dadurch, daß die Macht durch Emotionen verstärkt wird, sind sie stärker, schneller, mächtiger. Aber es zehrt an ihnen. Schau den Kaiser an. Seine äußere Erscheinung ist zerstört, seit er damals mit Mace Windu kämpfte."
„Aber welches ist der richtige Weg?" Luke war verwirrt.
„Beide. Keiner. Wer weiß das schon? Das kann man nicht pauschalisieren, meiner Meinung nach. Das muß jeder für sich entscheiden, und von Einsatz zu Einsatz. Wahr ist jedoch: wer einmal seine Emotionen hat fließen lassen und erkennt, daß es leichter geht auf diese Weise, ist versucht, das zu wiederholen. Es erfordert mehr Kraft, ruhig zu bleiben – aber manchmal ist es notwendig. Schau – bei unserem Duell auf Bespin hatten wir vertauschte Rollen. Ich war ruhig – du aggressiv. Und dabei bin ich Sith, und du wurdest von einem sehr erfahrenen Jedimeister unterwiesen. Beide können beides. Wir sind eins, Luke. Wir bedienen uns alle der Macht."
Luke nickte – das erschien ihm plausibel und logischer als alles, was Yoda ihm beigebracht hatte.
„Und dann habe ich nur noch eins gesehen… wie dein X-Wing versank und der großohrige Trottel dich aufgefordert hat, ihn herauszuholen."
„Ich habe es versucht, wirklich! Er war einfach zu schwer…"
„Nein, nicht das Schiff war zu schwer. Die Aufgabe war zu schwer. Du warst noch nicht so weit. Schau – Arik hat heute einen Kasten mit der Macht schweben lassen, den er mit den Händen nicht hätte heben können. Warum? Weil er nicht wußte, was er tatsächlich wog. Die Dinger sehen leicht aus, aber sie wiegen jeder beinahe hundert Kilo. Er sah etwas Kleines, das ihm nicht schwer erschien, und erfüllte die Aufgabe. Du sahst etwas Großes, das dir unmöglich erschien – und scheitertest. Wenn Arik morgen denselben Kasten nochmals schweben läßt und ich ihn anschließend auffordere, ihn hochzuheben, wird er scheitern – aber es vermutlich hinterher wieder schaffen, ihn schweben zu lassen, weil er weiß, daß er es zuvor geschafft hat. Er hat dann das Wesen der Macht verstanden – Größe und Gewicht bedeuten nichts in der Macht. Yoda hat es bei dir andersherum versucht. Deshalb bist du gescheitert."
Wieder nickte Luke, dann lächelte er. „Du solltest Padawane ausbilden, nicht Yoda, glaube ich."
„Wer weiß, mein Sohn, vielleicht werden wir das eines Tages zusammen tun, du und ich. Vielleicht werden wir einen neuen Orden gründen… irgendwann."
„Das wäre fantastisch, Vater!" rief Luke begeistert.
Vader lächelte. „Dann lerne, mein Sohn, damit du Wissen weitergeben kannst… bald. Aber", er grinste, „zu schlafen ist es an der Zeit jetzt für den Padawan. Ausgeruht ein Jedi muß sein, um Neues zu lernen, damit offen ist sein Geist."
„Hör auf!" Luke lachte und warf sein Kissen nach ihm, das Vader mit einem überraschten Lachen fing und zurückwarf. „Deine Methoden sind mir lieber – da lerne ich mehr und schneller."
„Danke." Vader sah ihn erstaunt und erfreut an.
„Nicht dafür. Es ist wahr. – Gute Nacht, Vater." Er legte sich wieder hin und drehte die Decke um, um die trockene und kühlere Seite abzubekommen.
„Gute Nacht, mein Sohn. Schlaf gut." Vader ging zur Tür und löschte mit einer Handbewegung das Licht.
„Du auch, Vater… gute Nacht."
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An anderer Stelle der Galaxis, ungefähr zeitgleich, erwachte Prinzessin Leia ebenfalls aus einem Traum. Sie konnte sich nicht mehr an alles erinnern, nur an das, was sie letztlich geweckt hatte.
Luke und Vader.
Sie würgte in der Erinnerung und preßte die Hand vor den Mund, als die Bilder erneut vor ihr aufstiegen.
Darth Vader, der bei Luke auf dem Bett saß und diesen in einer engen Umarmung hielt. Und damit nicht genug! Luke beugte sich zurück, sah ihn an und sagte:
„Ich… ich liebe Dich." , mit einer Zärtlichkeit in der Stimme und einer Hingabe im Blick, die sie erneut würgen ließ. Und es kam noch dicker.
„Und ich dich. Niemand wird uns mehr trennen, Luke. Nie wieder." erwiderte Vader in ihrem Traum.
Vader und Luke – ein Liebespaar? Sie stolperte aus dem Bett, rannte in den Erfrischer und übergab sich. Was für ein Alptraum!, dachte sie, als sie sich den Mund abwischte und ins Bett zurückwankte. Nachdenklich schüttelte sie ihr Kissen auf. Xel-Früchte. Sie hatte Xel-Früchte gegessen, bevor sie schlafengegangen war. Vermutlich hatte sie die nicht vertragen. Und Ale dazu getrunken. Das mußte es gewesen sein…
Seufzend drehte sie sich um und versuchte, wieder einzuschlafen.
Liebespaar. Lächerlich.
Oder doch nicht?
