Sorry für das unüblich späte Update, aber war strubblig und ließ mich nicht auf meinen Account…
----------------------------------------------------------------------
Kapitel 37
Etwa zwei Stunden später stand Vader - umgeben von einer äußerst düsteren Aura, die seine Leute auf noch größerem Abstand hielt als gewöhnlich - auf der Brücke seines im Hyperraum dahinschießenden Flaggschiffs und starrte hinaus in die milchige Weite. Einer der Ingenieure war kurz zuvor bereits der natürlichen Selektion zum Opfer gefallen (dem dunklen Lord weismachen zu wollen, es sei unmöglich, die EXECUTOR länger als ein paar Stunden auf 120 Prozent zu fahren, gehörte eindeutig dazu). Zur etwa selben Zeit entschied Luke auf Burg Bast, dass ein leichtes Abendessen eine gute Idee sei.
Er schlenderte hinunter ins Eßzimmer, traf aber nur Jix dort an, der sich eine der köstlichen Kreationen von Vaders privatem Sternekoch schmecken ließ.
„Wo sind die anderen?" fragte er erstaunt.
„Abgereischt." Jix versuchte, seine Aussprache durch Hinunterschlucken deutlicher zu machen. „Der Alte hat deinen Vater nach Coruscant zitiert – er muß bis morgen Abend Ortszeit dort sein. Eigentlich nicht zu schaffen, aber er muß es versuchen."
„Und das macht er klaglos mit?" Luke sah und hörte man deutlich an, was er davon hielt.
„Wer spricht von klaglos? Aber wenn der Impi nach einem brüllt, tut selbst ein Lord Vader gut daran, zu gehorchen. Dein Altvorderer hängt am Leben, mein Junge, genau wie Du. Und ich kann dir versichern: er ist stin-ke-sauer. Aber sowas von. Wenn es ins Bild passen würde, könnte man sogar ‚er hat gekotzt' sagen, aber das kommt bei ihm irgendwie nicht so richtig passend rüber…"
Luke nickte der Dienerin zu, die ihm einen Teller brachte, und begann zu essen.
„Und warum muß er hin?"
Jix zuckte die Schultern. „Der übliche Firlefanz des Imperiumstages. Eine großartig inszenierte Komödie der Reichen und Wichtigen oder denen, die sich dafür halten, die sich zu diesem Anlaß alle gegenseitig versichern, wie glücklich sie doch sind, dass seine Überheblichkeit über uns alle wacht. Überall auf den Kernwelten gibt es Kleinigkeiten fürs Volk, meist für die Kinder, abends Feuerwerk und auf Coruscant einen Ball. Und auf dem zeigt Palpi sich gern im Kreis seiner Getreuen. Also muß dein Daddy hin, ob es ihm passt oder nicht. Und es passt ihm diesmal gar nicht, glaub mir." Jix kaute schon wieder.
„Wann kommt er zurück?" fragte Luke nach einer nachdenklichen Pause.
„Gleich danach, schätz ich mal. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ihn da auch nur eine Minute länger hält als notwendig. Also in… fünf Tagen, spätestens."
Luke nickte und widmete sich seinem Essen.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Der nächste Tag verging, und Jix machte keine Anstalten, abzureisen. Offensichtlich hatte er beschlossen, auf seinen Nennonkel und Chef zu warten. Und Luke wurde unruhig und zunehmend nervöser.
Als der Agent endlich schlafenzugehen schien, schlich der junge Jedi in den Hangar – der, den Mächten sei Dank, leer war. Er hatte die TIE-Staffel einmal beobachtet, wie sie zu einem Übungsflug abhob, und wusste, was er tun musste, um das magnetische Feld des Hangars zu öffnen. Doch zuerst…
„R2-D2? Bist du hier, R2?"
:: Was gibt's? ::
Der kleine blaue Astromech rollte aus dem angrenzenden Hangar und piepte fragend. Er bewegte sich zwar mittlerweile in der ganzen Burg und leistete ihnen allen auch gern Gesellschaft, aber hier im Hangar schien er sich doch am wohlsten zu fühlen und genoß die Freiheit, tun zu können, was er wollte. Vader hatte ihn mit viel Liebe generalüberholt, gesäubert und repariert, und nun glänzte er wieder wie neu und verfügte wieder über sein komplettes früheres Leistungsspektrum… und noch einige Extras mehr.
„Wo warst du?"
:: Im anderen Hangar, bei den Schiffen aus der Sammlung deines Vaters. Endlich komme ich mal wieder dazu, ein paar intelligente Gespräche zu führen. ::
Luke konnte in den einzelnen Sequenzen nur „Hangar", „Schiffe" und „intelligent unterhalten" ausmachen, war sich aber bei letzterem nicht sicher, ob er es korrekt übersetzt hatte. Sein Binär war immer noch bestenfalls als ‚gebrochen' zu bezeichnen.
„Komm, hilf mir, den X-Wing fertigzumachen, und dann fliegen wir zu Leia."
:: Hast du einen Kurzschluß? Wir sollen hier warten! ::
Die Antwort klang erstaunlich indigniert für eine Maschine. Offensichtlich hielt er nichts von der Idee.
„Los, komm schon!" forderte Luke ihn auf, während er bereits eine Ersatz-Fliegerkombi aus dem Gepäckfach des X-Wing zog und überstreifte, gefolgt von einem Helm und Handschuhen.
:: Nein. ::
„Wie meinst du das, ‚nein'?" echote Luke verdutzt.
:: Das soll heißen, ich komme nicht mit. Wenn du unbedingt wegwillst, musst du allein fliegen. Ich bleibe hier. Übrigens ist das eine der dümmsten Ideen, die du je hattest. Auf deinen Vater habe ich immer gern aufgepasst, aber der wusste auch, was er tat. Meistens, jedenfalls. Bis auf das eine Mal. Und glaub nicht, dass ich ihm nicht sagen werde, dass du durchgebrannt bist! ::
Luke verstand im Wortsinn keinen Ton der offensichtlich zornigen Tirade, aber ihm wurde klar, dass der eigensinnige Blaue ihn nicht begleiten würde, als er wieder im anderen Hangar verschwand und die Tür sich hinter ihm schloß.
„Ich glaube, dir hätte man auch mal den Speicher löschen sollen, nicht nur 3PO…", knurrte Luke verärgert. Aber selbst die Tatsache, dass R2 ihn im Stich ließ, konnte ihn nicht von seinem Vorhaben abbringen. Er ging zu einem Terminal hinüber und tastete den Code für die kurzfristige Deaktivierung des magnetischen Feldes und der Laser im Außenbereich ein, dann stieg er in seinen Jäger, startete ihn und verließ Burg Bast.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
R2 wartete eine Weile, doch als Luke nicht zurückkam, machte er sich auf, Jix zu suchen – der einzige, der noch da war außer den Piloten und dem er zutraute, Vaders Reaktionen einigermaßen einschätzen und beurteilen zu können.
Der Agent saß immer noch vor dem Holonet – entgegen Lukes Annahme hatte er sich nicht schlafen gelegt - und da R2 wußte, daß er kein Binär sprach, stöpselte er sich kurzerhand in die Konsole ein und überlagerte das Bild auf dem Schirm.
„He!" protestierte Jix, der eben einen Artikel über neue Blastertypen las. „Was soll denn das?"
:: Luke ist weg. ::
„Weg? Wie, weg?"
R2 stieß ein elektronisches Seufzen aus. :: Weg. Abgereist. Getürmt. Abgehauen. Geflohen. Brauchst du noch mehr Synonyme, oder reicht das? ::
„Bantha Poodoo…!" fluchte Jix.
:: Was jetzt? ::
„Du bist gut. Woher soll ich das wissen?"
:: Rufen wir Vader an oder nicht? ::
Jix überlegte. „Verflucht noch mal. Wie wir es auch drehen, es bleibt beschissen. Sagen wir es ihm, ist seine Konzentration am Arsch, und er wird jeden Krümel davon für seine kleine Scharade brauchen. Sagen wir es ihm nicht, wird er uns auf kleiner Flamme rösten."
:: Vielleicht nicht. Luke hat den X-Wing genommen. ::
Der Correllianer runzelte die Stirn. „Ja. Und?"
:: In den Jäger wurde ein Peilsender eingebaut, von dem er nichts weiß. Das aktuellste Modell und so versteckt, daß ihn die Rebellen nicht finden werden, es sei denn, sie haben die neusten imperialen Techniken schon geklaut, und das ist unwahrscheinlich, meiner Erfahrung nach. Das Ding ist wirklich brandneu und aus einer Legierung, die ihre Scanner nicht erkennen. ::
„Klingt gut." Jix grinste. „Das heißt, wir können ihn finden."
:: Solange er bei seinem Jäger bleibt, ja. :: bestätigte R2.
Jix nickte langsam. „In Ordnung. Damit ist die Entscheidung gefallen. Wir warten, bis Onkel D auf dem Rückflug ist."
:: Schön. :: R2 summte nachdenklich. :: Ich werde ihn bis dahin regelmäßig tracken, damit wir keine unliebsame Überraschung erleben. Im Hangar ist ein Terminal, dort findest du mich, falls du mich brauchst. ::
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Luke versuchte, als er die Umlaufbahn Vjuns verlassen hatte, Kontakt zu seinen Freunden aufzunehmen, und wählte die Nummer des Falken. Diesmal wurde sein Anruf schneller beantwortet.
„Luke!" rief Leia überrascht. „Wo bist du? Ist das dein X-Wing?"
„Ja." Der junge Jedi lächelte. „Mir war langweilig, ich dachte, ich besuch euch mal."
Die Prinzessin runzelte die Stirn. „Weiß Vader davon? Hat er dich gehen lassen?"
„Vader mußte nach Coruscant." wich Luke aus. „Er ist nicht da."
„Verdammt, Luke, bist du geflohen? Ich habe keine Lust, die gesamte imperiale Flotte hierherzu-"
„Leia, beruhige dich! Er weiß nicht einmal, daß ich weg bin, und ich fliege zurück, bevor er wiederkommt. Es besteht kein Risiko. Wirklich!"
Sie lachte, ein wenig hysterisch. „He, reden wir hier vom gleichen Mann? Du weißt schon, Vader – groß, schwärzer als schwarz, Atemprobleme, chronisch schlechte Laune, bringt Leute schon vor dem Frühstück um. Dieser Vader."
Luke seufzte. „Komm schon, Leia. Ich bin allein, niemand weiß, daß ich weg bin. Vader vertraut mir. Niemand wird mich suchen, und niemand wird mich – und euch - finden. Ich schwöre dir, ich werde nicht verfolgt."
„Und dein Schiff?"
„Ich habe vorhin den Schiffscomputer einen Scan fahren lassen. Ist sauber."
Leia knurrte, immer noch unentschlossen. „Ich weiß nicht…"
„Bitte, Leia. Ich will nur meinen Geburtstag mit euch feiern, euch wiedersehen. Dann flieg ich wieder und bin wieder zuhause, bevor er zurückkommt und auch nur ahnt, daß ich weg bin." Falls Jix mich nicht verpfeift, dachte Luke. Aber der wird sich hüten – der riskiert bloß Ärger, wenn rauskommt, daß er gepennt hat, als ich weg bin.
„Deinen Geburtstag?" Leias Augen wurden groß, die Überraschung überlagerte für den Moment sogar das stille Entsetzen über Lukes sorglose Verwendung des Wortes ‚zuhause'. Wo auch immer das für ihn nun sein mochte. „Wann hast du?"
„Am Imperiumstag. Ich wurde sogar an DEM Imperiumstag geboren." Luke seufzte. „Ausgerechnet."
„Aber… ich auch!" stammelte Leia. „Das wußte ich nicht… du hast Recht, das müssen wir wirklich zusammen feiern." Sie grinste. „Also gut. Ich übermittle dir die Koordinaten."
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Sobald Vaders kalte Wut verraucht war – was einige Stunden dauerte – rief er Piett, Veers und Arik zu einer kleinen Besprechung zusammen.
„Ich habe die Ehre", begann er zynisch, „zum Ball des Imperators am Abend des Imperiumstages geladen zu sein. Und ich habe weiterhin die Ehre, ‚einige meiner Männer' mitbringen zu ‚dürfen'. Ich fürchte, damit seid ihr gemeint."
Piett lächelte leicht. „Ich bin schon Moffs und Offizieren begegnet, die einen Mord begangen hätten, um an eine solche Einladung zu kommen. Ich für meinen Teil war immer dem Schöpfer dankbar, nicht hinzumüssen. Das wird sicher… interessant."
„Interessant ist ein Wort dafür. Es gibt noch einige andere." versetzte Vader grimmig. „Seit zwanzig Jahren mußte ich jedes verdammte Jahr dort erscheinen. Und wenn man mich aus dem hinterletzten Spiralarm der Galaxis herbeordert hat.
Na schön. Bügelt eure Galauniform auf, poliert eure Ordensspangen und Stiefel und macht euch ausgehfein. Arik, du nutzt die Zeit bis zur Ankunft bitte außerdem, um weiter an deinen Schilden zu arbeiten. Sie müssen perfekt sein – ich hätte dich lieber auf Bast gelassen, aber ich brauche dich, um Max abzuschirmen. Er und Firmus sind meine Stellvertreter, es wäre sonderbar, würde ich sie nicht mitbringen, nachdem ich den ausdrücklichen Befehl erhalten habe – und Max ist mir mittlerweile zu nahe. Er könnte unwillentlich Gefühle und Gedanken projizieren, die gefährlich für uns alle sind."
„In Ordnung." Arik nickte – äußerlich gelassen, aber ihm wurde heiß und kalt bei dem Gedanken, was passieren würde, sollte er versagen.
„Keine Sorge." Vader nickte ihm beruhigend zu. „Du bist ein Naturtalent, deine Schilde waren schon vor dem Training besser als Lukes. Immerhin hast du Jahre in meiner unmittelbaren Nähe gedient, ohne daß ich dich gespürt hätte. Der Kaiser erwartet nicht, jemand Machtsensitiven auf dem Ball zu haben, mit Ausnahme von mir und Mara Jade. Falls etwas durchschimmert, wird er denken, es kommt von mir.
Also: wir werden vermutlich zu spät kommen, aber nicht sehr. Es wird einige spöttische Bemerkungen dazu geben – ignoriert sie. Sollte der Kaiser euch ansprechen, seid demütig und ruhig und haltet den Blick gesenkt, bis er euch auffordert, ihn zu heben – das gilt auch für die Aufwartung zu Beginn. Wir werden als erstes zu ihm gehen und vor ihm niederknien. Alle, ihr hinter mir. Blick auf den Boden. Das ist die erste Hürde.
Der Ball danach dürfte leichter werden – wenn auch nicht angenehmer. Versucht, natürlich zu sein… unterhaltet euch, tanzt, wenn ihr wollt.
Wir werden bleiben müssen, bis der Kaiser geht. Dann bilden sich nochmals lange Spaliere, alle Gäste knien nieder, und der Kaiser verläßt durch diese Reihen den Saal. Und da wird es ein Problem geben."
„Problem?" echote Veers beunruhigt. „Was für ein Problem?"
„Ich wurde nicht für meinen Ungehorsam bestraft, als er mich auf Bast anrief. Das heißt, er will es auf dem Ball tun – vor Publikum." erklärte Vader ruhig, aber ernst. „Er wird mich nicht umbringen – er braucht mich noch. Aber er wird mich demütigen… höchstwahrscheinlich wird er die Machtblitze benutzen und mich ein wenig durchschütteln. Du, Max, wirst mit Arik dann möglichst weit weg von mir sein – keine Widerrede. Und Sie, Firmus, können in meiner Nähe bleiben oder sich Max und Arik anschließen. Aber egal, was passiert: ihr werdet nicht eingreifen, bis der Kaiser weg ist, habe ich mich klar ausgedrückt? Für den Kaiser habe ich keine Freunde, nur Untergebene und Feinde. Niemand würde – seinem Verständnis nach – um mich trauern, wenn mir etwas zustieße. Also bleibt, wo ihr seid, bis er weg ist, sonst sind wir alle dran. Verstanden?"
Sie nickten, wenn auch zögernd und bestürzt. Womit rechnete Vader? Was sah er kommen? Was würde passieren…?
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Luke hatte, nachdem er den Lichtsprung gemacht hatte, begonnen, zu meditieren, doch es gelang ihm nicht wirklich. Er fühlte sich verlassen und so allein wie selten zuvor. Daß R2 ihn im Stich gelassen hatte, schmerzte, und er vermißte den Kleinen, der sonst immer ein angenehmer Gesprächs- und Spielpartner für ihn gewesen war.
Und immer wieder schweiften seine Gedanken ab und landeten bei der schwarzen Maske seines Vaters. Tat er das richtige? Machte er einen Fehler? Hätte er doch warten sollen und Vader zur Rede stellen?
Und was würde er seinen Freunden erzählen? Wieviel konnte er ihnen sagen? Leia durfte er nichts von dem wirklichen Verhältnis zwischen Vader und ihm berichten – sie würde nie wieder ein Wort mit ihm wechseln. Han war nicht da. Lando kannte er nicht. Chewbacca… er war sehr verständnisvoll. Vielleicht konnte er mit ihm darüber sprechen? Andererseits… er hatte Han gegenüber eine Lebensschuld, und Vader, sein Vater, war schuld daran, daß der Correlianer in Karbonit eingefroren sonstwo in der Galaxis umherschwebte, in den Klauen von Boba Fett und mit dem Endziel Jabba the Hutt. Nein. Auch dem Wookiee konnte er nichts sagen.
Oh, Mann.
Kurz war er versucht, umzudrehen und wieder zurückzufliegen, aber auch das ging nicht – er hatte die Koordinaten bekommen. Leia würde annehmen, er hätte sie verraten und nur vorgetäuscht, sie besuchen zu wollen, um an diese Daten zu kommen – für Vader. Nein. Er mußte hin, es gab kein Zurück.
Verdammt.
Reiß dich zusammen, Skywalker! schalt er sich selbst aus. Du hast noch eine verdammt lange Reise vor dir. Wenn du so weitermachst, kommst du als nervliches Wrack an. Reiß dich zusammen und meditiere!
Er seufzte, konzentrierte sich und glitt wieder in Trance.
