Ein sehr langes Kapitel – das längste bisher. Aber eine Trennung war sinnvoll nicht möglich, deshalb bekommt ihr ein schön dickes Bonbon zum Wochenende ;o) Allerdings ist es nur ein Präludium – das Dicke Ende kommt im nächsten Teil :: fiesgrins ::
Narumi:
Das hier ist nur die erste Hälfte, keine Sorge ;o)
Wer übrigens
wissen möchte, wie ich mir Max in seinem „veränderten" Zustand
vorstelle, dem sei YouTube empfohlen (mittlerweile ist der Film
endlich (!) drauf). Sucht nach Ivanhoe 18/24 (ab 0:50) und Ivanhoe
20/24 (ab 2:43). Julian Glover spielt hier König Richard – und
zwar hervorragend und sehr majestätisch. Der Film ist wirklich zu
empfehlen! (Sind auch noch einige andere sehr bekannte Gesichter
dabei, zum Beispiel Sam Neill und John „Gimli" Rhys-Davies)
Ach ja: ich habe ein Forum eingerichtet (Zugriff über meine Profilseite), das „Krähennest" – ich freue mich auf rege Diskussionen :o)
Und ein herzliches Willkommen an Kyana-Morgaine :o)
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Kapitel 38
Stunden später war Luke endlich erfolgreich und entspannt in der angestrebten Meditation – er hatte noch ein wenig Zeit, bis er sein Ziel erreicht hatte.
Die EXECUTOR jedoch trat nun aus dem Hyperraum aus und schwenkte wenig später in den Orbit um Coruscant ein. Vader, Piett, Veers, Arik sowie zehn Wachen nahmen in einem Lambdashuttle Platz, das sie zum kaiserlichen Palast hinunterbrachte und, vorbei an wartenden Fähren, vorrangig Landeerlaubnis sowie einen bevorzugten Platz erhielt. Die Wachen verblieben beim Shuttle, während der dunkle Lord seinen Leuten vorausging und ins Labyrinth der Gänge im Palast eintauchte.
Er kannte sich hier gut aus – besser als die meisten Anderen, und besser, als so manchem lieb war. Er hatte seine eigentliche Ausbildung durch Palpatine hier erhalten, hatte immer wieder Wochen hier verbracht, um zu lernen – keine leichte Schule. Er hatte hier auch gelernt, und zwar sehr schnell, daß der Kaiser alles andere als der väterliche Freund war, als der er sich ihm in den Jahren vor den Klonkriegen immer präsentiert hatte. Vor seinem Fall, vor Palpatines Machtergreifung und Verrat an der alten Ordnung. Aber er lernte viel über die Macht und ihre Anwendung und war begierig, alles davon aufzunehmen und noch mehr zu lernen, viel mehr. Die Bibliothek hier war gewaltig und umfaßte nicht nur Bücher von und über Sith und ihren Orden, sondern auch unzählige Werke über ihre verhaßten Gegner, die Jedi.
Anders als in seinem privaten Refugium Bast und auf seinen Schiffen standen ihm hier jedoch keine Droiden als Sparringspartner zur Verfügung – er trainierte am lebenden Objekt. Offiziell war dies Teil der Ausbildung für die roten Garden, aber hauptsächlich dienten diese Trainingseinheiten dazu, ihn selbst zu schulen, und es spielte für den Kaiser keine Rolle, ob seine Gegner das Training überlebten. Und für ihn auch nicht… anfangs, jedenfalls, in der ersten, bitteren Zeit nach seinem Fall. Später fand er sonderbare Freude daran, sein Wissen weiterzugeben und tatsächlich die Ausbildung der Garden zu übernehmen. Palpatine war es egal – ihm war nur das Ergebnis wichtig, und dazu zählten sowohl ein nicht zu schlagender Padawan als auch hervorragend trainierte Leibwächter. Daß dabei vorsichtige Beziehungen zwischen Vader und manchen der Garden geknüpft wurden, die teilweise schon an Freundschaften heranreichten, war ihm entweder nicht bewußt oder gleichgültig. Eines Tages mochte sich das als tödlicher Fehler erweisen… denn auch Vader verfügte über Begabungen und Talente. Eines davon war sein Charisma und die Fähigkeit, Leute zu führen und hinter sich zu bringen.
Was er allerdings verabscheute – und das schon immer – waren die Höflinge. Parfümierte, gepuderte, in steife Roben gekleidete Beamte und Schleppenträger, die im Palast allgegenwärtig waren. Es gab ihrer so viele wie Wachen, und je höher Vader in der inneren Rangliste des Imperiums stieg, desto mehr davon suchten auch seine Nähe. Nur allzugern hätte er dem auf brutale Weise ein Ende gemacht, aber Palpatine hatte es ihm verboten – er genoß das Getüttel und Hofieren über alle Maßen. Und Vader? Ihm blieb nichts anderes übrig, als an ihnen seine Geduld zu schulen und zu lernen, die Energien seiner Wut in sich zu speichern, um sie später bei anderen Gelegenheiten freizusetzen. Heute Abend würde er wieder auf diese mühsam erlernte Fähigkeit zurückgreifen müssen.
Sie waren zu spät… um etwa eine halbe Stunde nach dem offiziellen Beginn und somit der Ankunft des Kaisers. Die Hofschranzen waren natürlich schon seit Stunden hier, sie zelebrierten Anlässe wie diesen nach ihren ganz eigenen Ritualen. Übelkeitserregend – die Schleimspuren, die sie dabei hinterließen, waren beinahe sichtbar auf den glattpolierten Böden aus feinstem Tarecca-Marmor, der den Ballsaal mit erlesenen, kostbaren Mustern schmückte.
Die Wachen vor den mehr als doppelt mannshohen, vergoldeten Türen salutierten zackig bei seiner Annäherung und öffneten die Flügel so schnell, daß er seinen Schritt nicht einmal verlangsamen mußte. Vader nahm es kaum zur Kenntnis, er war gewohnt, daß die Wachen hier spurten – wofür er auf drakonische Weise gesorgt hatte, als er noch öfter und länger Zeit im Palast verbracht hatte.
Seine Männer folgten ihm und ließen dabei trotz aller Anspannung neugierig den Blick durch den Saal schweifen – der überladene Prunk in diesem Raum war Legende.
Die vergoldeten Türen waren nur ein bescheidener Anfang. Der Raum hatte sozusagen imperiale Maße – er war über hundert Meter lang. Hier im Anfangsbereich fanden sich Springbrunnen mit Schalen aus purem Gold, in denen seltene und kostbare, farbenfrohe Fische schwammen. Eine Längsseite des Raums war komplett mit Stahlglas versehen und erlaubte einen atemberaubenden Panoramablick auf die tief unter ihnen liegende Stadt und die langsam untergehende Sonne, deren Glanz die Skulpturen umschmeichelte, die überall an den Rändern verteilt standen. Berühmte Bilder der größten Meister hingen hier in solcher Masse beinahe achtlos nebeneinander, das keines davon richtig mehr zur Geltung kam, unterbrochen nur von Kandelabern, die später die Beleuchtung übernehmen würden, unterstützt von den überdimensionierten Kronleuchtern, die unter der Last der echten Edelsteine ächzten, die, sorgsam geschliffen, blitzend das Licht brachen. Sessel, Couches und Chaiselongues waren zusammen mit kleinen Tischen an den Wänden entlang plaziert und luden zum Sitzen und zu Gesprächen ein. Ein Hauptteil des Raumes wurde von einer Tanzfläche mit seitlich angeschlossenem, etwas erhöhtem Orchesterbalkon dominiert, auf der momentan kleine Grüppchen von Gästen plaudernd beieinanderstanden, flankiert von einer langen Schlange derer, die darauf warteten, dem Kaiser die Aufwartung machen zu dürfen. Und dieser thronte im wahrsten Sinn des Wortes an der dem Eingang gegenüberliegenden Schmalseite des Raumes, einige Stufen erhöht auf einem – für seine Verhältnisse bescheidenen – Thron aus wundervoll glänzendem Fijisi-Holz, von dem aus er den ganzen Saal überblicken konnte.
Vader durchquerte mit seinem kleinen Gefolge zügig, aber nicht zu eilig den bereits gut gefüllten Ballsaal und ignorierte die lange Schlange der noch Wartenden. Es hatte auch hier gewisse Vorteile, höchster Gefolgsmann Palpatines zu sein – die Massen der Hofschranzen, Moffs, Gouverneure und ihrer Frauen teilten sich vor ihm wie das Meer, das eine Klippe umfließt.
Die Metallteile seiner Rüstung waren auf Hochglanz poliert, er hielt sich beinahe schon auf arrogante Weise aufrecht, und sein Schritt war weitausgreifend, hart und stolz – was durch das dramatisch hinter ihm aufwallende Cape noch verstärkt wurde. Seine hochgewachsene, düstere Erscheinung war mehr als beeindruckend – und er wußte es und nutzte es bei solchen Gelegenheiten schamlos aus.
Vor dem Thron kniete er in einer fließenden, eleganten Bewegung nieder und senkte den Kopf, der Mantel legte sich wie Avrilflügel um ihn herum. Veers, Piett und Cass – in Galauniform - taten es ihm in seinem Rücken, nebeneinander, in einer Reihe, gleich.
„Lord Vader. Wie schön, dass Ihr doch noch den Weg zu uns gefunden habt." Die Stimme des Kaisers tropfte wie giftiger Sirup in die plötzliche Stille.
„Mein Dienst an Euch ist meine höchste Pflicht, Meister." antwortete Vader demütig und sanft, ohne den Blick zu heben. Er wusste, dass eine Antwort von ihm erwartet wurde – und er wusste auch, dass er heute noch für seinen Ungehorsam bezahlen würde. Aber noch nicht sofort… erst später. Er modifizierte seine mentalen Schilde so weit, dass ein wenig Angst und Unwohlsein durchblitzten – wenn der Kaiser gar nichts spüren würde, wäre das mehr als verdächtig. Und es war eine Angst, die er tatsächlich empfand, wie er erstaunt feststellte. Nun, da er einen Sohn hatte, hing er mehr am Leben als je zuvor.
Der Kaiser ließ Vader und seine Begleiter zappeln. Er wandte sich an einen der Höflinge, der neben ihm stand, und unterhielt sich leise mit ihm – nein, mit ihr, denn in der Antwort erkannte Vader die Stimme Mara Jades. Er konnte nicht verstehen, worüber gesprochen worden war, und es war ihm auch egal, doch Jade schien nicht begeistert zu sein – soviel spürte er. Sie war vom Kaiser in der Macht unterwiesen worden, aber zumindest ihre telepathischen Fähigkeiten waren nicht besonders beeindruckend, wie er feststellte. Oder lag es an ihm, an seiner natürlichen Begabung, die nun durch die Heilung noch potenziert worden war? Aber selbst Ariks Schilde waren dichter, wie er befriedigt feststellte, als er es kurz wagte, nach hinten zu sondieren. Er erschien machtblind wie alle um ihn herum, und er maskierte auch geschickt Max' Gefühle. Sehr gut.
Max… er tat ihm leid, so lange knien zu müssen mit gerade verheilten Beinen. Aber darauf hatte Palpatine noch nie Rücksicht genommen, im Gegenteil. Er liebte es, andere leiden zu lassen. Auch ihn, Vader, hatte er schon immer absichtlich lange knien lassen, vor allem, als der Anzug noch neu gewesen war. Und minderwertig. Und für den Kaiser war er das immer noch – Palpatine musste davon ausgehen, dass auch er Schmerzen litt. Es war eine Ankündigung, erkannte er. Eine Drohung. Ein dunkles Versprechen. Er würde seine Strafe noch bekommen – und dazu zählten weder, dass er hatte erscheinen müssen, dass er würde tanzen müssen und auch nicht, dass er sich stundenlang dummes Geplapper von aufgeblasenen Moffs und Höflingen würde anhören müssen.
„Erhebt Euch, mein Freund.", sagte der Kaiser liebenswürdig, mit einem Ausdruck in der Stimme, als täte es ihm leid, sie so lange hatte warten zu lassen. Freund, ha! So naiv war er nur vor seinem Fall gewesen, in dieses Wort Hoffnung zu setzen. Vader schob sich empor und achtete darauf, es ein wenig steif erscheinen zu lassen, ungelenk, wie vor seiner Heilung. Seine Schilde waren nun dicht – sein Stolz hatte es schon immer verhindert, andere merken zu lassen, daß er Schmerzen litt.
Der Kaiser lächelte, scheinbar höchst zufrieden, und hob dann die Hand. Mara Jade, eine der sogenannten „Hände" des Imperators, in einem tief ausgeschnittenen Abendkleid aus grüner Seide, trat neben ihn.
„Ihr habt die Ehre, mein Schüler, mit meiner Ziehtochter den Ball eröffnen zu dürfen."
Ehre? Vader schnaubte innerlich und sah zu, wie sie nun elegant die Stufen zu ihm herunterschritt. Was war daran ehrenhaft, wenn es die einzig mögliche Option war? Palpatines Ziehtochter und Palpatines Stellvertreter, was lag näher, wenn der alte Mann selbst nicht mehr tanzen wollte? Alles andere wäre ein offener Affront gewesen – und Vader war ein klein wenig beruhigter, als ihm klarwurde, dass er die Gunst des Kaisers wohl nicht ganz verloren hatte. Im letzten Jahr hatte er noch selbst die Ehrenrunde gedreht, langsam und scheinbar gebrechlich. Dazu passte, dass er in letzter Zeit einen Gehstock benutzte, aber Vader war sich sicher, dass dieser nur der Tarnung diente. Er war ein Sithlord, verdammt noch mal, und wenn er wollte, konnte er mit dem halben Raum hier den Boden wischen. Yoda hatte früher denselben Trick benutzt… eine erstaunliche Parallele.
Offensichtlich war es diese Ankündigung gewesen, die die Hand des Imperators so verärgert hatte. Daß sie mit ihm tanzen musste. Mara legte mit einem falschen, süßen Lächeln ihre Hand in seine gepanzerte Pranke und wartete darauf, dass er sie auf die Tanzfläche führte, was er nach einer Verneigung zum Kaiser hin auch tun wollte, doch dieser hielt ihn nochmals auf.
„Wollt Ihr mir nicht Eure Begleiter vorstellen, Lord Vader?"
Vaders Herz setzte einen Schlag aus. Er hatte gehofft, darum herumzukommen, denn Palpatine vergaß niemals ein Gesicht. Nach außen hin bewahrte er jedoch die Contenance und verneigte sich zustimmend.
„Wie Ihr wünscht, Meister. Darf ich Euch vorstellen: meine Stellvertreter, Admiral Firmus Piett, Kommandeur der EXECUTOR und der Todesschwadron, General Maximilian Veers, Kommandeur der Infanterie der EXECUTOR und der Todesschwadron, und mein Adjutant, Captain Arik Cass, ein vielversprechender junger Offizier."
Die drei Männer verneigten sich nochmals tief vor Palpatine, und er entließ sie nach einem tiefgehenden Mustern – und erfreulicherweise sagte er nichts zu Veers' Bart oder seinen für einen Offizier unorthodox langen Haaren. Vader betete, daß Ariks Schilde hielten, aber nichts im Kaiser ließ erkennen, daß er etwas Besonderes in ihm gespürt hatte. Er verneigte sich nochmals kurz und führte Mara dann auf die Tanzfläche. Seine Männer reihten sich seitlich in die Zuschauer ein, und um ihn und Mara herum bildete sich ein großer, erwartungsvoller Kreis.
Ein erneutes Seufzen. Was glaubten die alle? Daß er, nur weil er eine Rüstung trug, sich bewegte wie ein Bantha, auf seinen Mantel latschte und es ihn beim ersten Walzerschritt auf die Fresse schlug? Oder daß er tanzte wie ein Bauerntrampel aus dem Outer Rim – was er, bei genauerer Betrachtung, auch war – und nur den Tatooine Twostep beherrschte? Und vielleicht wäre das auch so, wenn nicht der Jediorden – überaus gründlich, wie in allem – im Rahmen der diplomatischen Ausbildung auch großen Wert auf Gesellschaftstänze gelegt hätte. Tatsache war: er tanzte eigentlich sogar recht gern – und gut, wie die meisten Kämpfer. Bei beidem, Tanz und Kampf, kam es auf Körperbeherrschung und Rhythmus an, beides erforderte Gespür und ein Gefühl für die Reaktionen des Gegners – hier: Partners, also: wo war der Unterschied? Außer dem Offensichtlichen, dass das zugegeben gutaussehende Wesen an seiner Hand eine giftige Viper war? Was sie wiederum beinahe wieder zu einem Gegner machte. Wenn auch nicht jetzt und hier.
Er musterte sie, während sie Tanzhaltung einnahmen und darauf warteten, daß die Musik einsetzte. Das Grün ihres Kleides entsprach exakt dem Ton ihrer Augen und paßte hervorragend zu ihrem seidig roten Haar, der Stoff war von erlesener Qualität, der Schnitt schlicht und zeitlos. Sie war zweifellos eine der schönsten Frauen hier im Saal, und doch ließ sie ihn vollkommen kalt. Einem Vergleich mit Padmé hatte bislang noch keine Frau standgehalten – für ihn war sie das wundervollste Wesen aller Welten gewesen. Ein Engel. Sein Engel. Die ihm einen großartigen Sohn geschenkt hatte.
Das Orchester begann zu spielen, ein Walzer, wie es üblich war. Amüsiert bemerkte er, wie seine Tanzpartnerin sich versteifte, als er begann, sich jedoch überrascht und recht schnell wieder entspannte, als er ihr weder auf die Füße trat noch sonst einen Formfehler beging, sondern sie im Gegenteil sicher und entspannt durch den Saal steuerte. Sein langes Cape wehte hinter ihm her, schwang elegant um sie beide herum und bildete quasi eine natürliche Barriere, die die anderen Paare, die sich nun langsam zu ihnen gesellten, auf Abstand hielt.
Nicht nur Mara war überrascht. Vader spürte unzählige Augen ungläubig auf ihm ruhen, als sie sich drehten und langsam durch den Raum bewegten. Als Antwort beschloß er, den Platz, den man ihnen aus Respekt oder Furcht gewährte, auszunutzen, und flocht einige dramatische und durchaus beeindruckend aussehende Figuren ein, die Mara entweder kannte oder eine große Emphatie bewies, indem sie sich mühelos seiner Führung überließ und jede Bewegung fließend mitmachte. Sie lächelte sogar, als sie das Staunen der anderen Gäste bemerkte, und schien den Tanz langsam zu genießen.
Als das erste Stück endete, verneigte Vader sich formvollendet vor seiner Partnerin, die höflich mit einem Hofknicks erwiderte. Beide knurrten innerlich über diese aufgezwungene Artigkeit, fügten sich aber. Und beiden hatte es – obwohl sie es nicht laut zugeben würden – mehr gefallen als gedacht.
Der schwarze Lord bot Mara wieder seinen Arm, um sie zum Kaiser zurückzubringen, aber der winkte lächelnd ab. „Nein, nein, amüsiert euch, meine Kinder!"
Innerliches Stöhnen auf beiden Seiten, als sie sich unschlüssig ein Stück weit vom Thron entfernten und dann stehenblieben. Stumm.
„Habt Ihr einen Wunsch, Mara?" fragte Vader schließlich im Bemühen, höflich zu sein. Er wusste, dass jede Kleinigkeit seines Verhaltens dem Kaiser zugetragen werden würde.
„Ja. Euren Kopf auf einer Lanze.", fauchte die Rothaarige.
„Charmant wie immer.", versetzte Vader ungerührt. „Manche Wünsche sind unerfüllbar, Dame. Champagner, stattdessen?" Er winkte einem Kellner und nahm ein Glas für sie von dessen Tablett. Erstaunlicherweise trank sie wirklich daraus, statt es ihm ins Gesicht – oder auf die Maske – zu schütten.
„Schade, dass Euer Sohn Euch nicht begleitet hat. Ich hätte dieses Wunderwesen gerne kennengelernt, nun, nachdem er endlich bei Euch ist."
Er sah sie prüfend an. Zwischen dem Spott und dem scheinbar beiläufigen Hieb, dass sie bereits Bescheid wusste, blitzte echtes Interesse durch... und soviel persönliche Neugier, dass vielleicht doch etwas unter ihnen blieb. Eventuell. Oder sie ihn das glauben lassen wollte.
„Er ist noch nicht soweit." meinte er deshalb nur ruhig. „Aber vielleicht könntet Ihr mir den Namen desjenigen nennen, der unserem Meister verraten hat, dass er bei mir ist… damit ich mich bei ihm bedanken kann." ergänzte er zynisch.
Über ihr Gesicht lief eine beinahe unmerkliche Welle des Mitleids - erstaunlich. Sie wusste, dass Vader denjenigen finden und elimieren würde. „Wer auch immer es war… er hatte wohl kaum eine Wahl, oder?" sagte sie überraschend bitter. Kannte sie den Spion etwa? Lag ihr etwas an ihm?
„Wohl nicht.", stimmte er nach einem Moment zu. Wieder musterte er sie. „So widerlich findet Ihr mich doch gar nicht. Gebt es zu."
In ihren Zügen mischte sich Ärger, Hass und Amüsement. Schließlich traten die ersteren beiden in den Hintergrund, und sie grinste kurz. „Nun, wenigstens könnt Ihr tanzen, im Gegensatz zu den meisten hier. Aber wieso sagt Ihr das?"
„Eure Schilde sind ziemlich löchrig.", stellte er schlicht fest. „Ich könnte Euch lehren, sie dichtzubekommen – offensichtlich tut er es ja nicht."
„Das geht nicht!" wehrte sie erschrocken ab. „Er würde das sofort bemerken… und es ist gefährlich, hier darüber zu reden!"
„Keine Sorge. Er weiß, dass wir uns nicht grün sind – er erwartet keinen Smalltalk. Ihr dreht ihm den Rücken zu, mir sieht er nicht an, ob ich spreche – und mental bekommt er nichts von unserer Unterhaltung mit, dafür sorge ich. Entspannt Euch." Er sah zu ihr hinunter. „Noch einen Tanz?"
„Gern.", sagte sie ungefähr so überrascht wie er es von sich selbst war, denn das konnte ihn den Kopf kosten, wenn sie es weitergab…
Stumm nahm er ihr das Glas ab und entsorgte es, dann führte er sie wieder auf die Tanzfläche.
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Auch Luke hatte mittlerweile sein Ziel erreicht. Die Kontrollen, die ihn schon einige Parsec vor dem Planeten orteten, waren offensichtlich informiert und ließen ihn durch, nicht ohne ihn herzlich willkommen zu heißen wie einen verlorenen Sohn – ebenso wie die Techs, die seinen Jäger zum Warten in Empfang nahmen, als er gelandet war und in einen Hangar rollte. Man wies ihm den Weg zur Prinzessin, wodurch er unvermutet in einer riesigen Party landete – und wurde, ehe er sich's versah, hochgehoben und mit dem Gesicht in zotteliges Fell gedrückt. Übermenschlich starke Arme knuddelten ihn und zausten sein Haar, während Wookieeheulen seine Ohren betäubte.
„Mmpf!" protestierte er und keuchte, als er wieder Luft bekam. „Ist ja gut, Chewie, laß mich runter!" Lachend strampelte er und wurde sanft abgesetzt, nur, um sofort von Leia umarmt und geküßt zu werden.
„Luke! Endlich bist du hier!" Sie strahlte über das ganze Gesicht. „Alles Gute zum Geburtstag!"
Er lachte. „Und dir auch! Ich habe leider kein Geschenk für dich, also dachte ich, ich bringe mich selbst…"
„Das ist das schönste Geschenk, das ich bekommen konnte!" Sie lächelte warm, doch dann glitt ein Schatten über ihr Gesicht. „Beinahe." fügte sie leise hinzu, und Luke wußte, daß sie von Han sprach. Doch sie hatte sich schnell wieder im Griff, dank ihrer diplomatischen Ausbildung, und lächelte schon wieder. „Daß du endlich wieder da bist, unversehrt, das ist wundervoll, Luke! Wir brauchen dich hier so sehr – deine Staffel wartet auf ihren Commander, und wir haben junge Piloten, die wir ausbilden müssen… es gibt so viel zu tun, Luke!"
Ihm wurde heiß und kalt, als ihm bewußt wurde, daß er in der Falle steckte. Verdammt… er hatte nicht bleiben wollen! Wie kam er hier wieder raus? Hielt ihn denn jeder gefangen? Als Leia weiterplapperte und ihm ohne Punkt und Komma aufzählte, was er alles tun sollte in den nächsten Tagen und Wochen, stahl sich der kleine, verräterische Gedanke in seinen Kopf, daß er da bei Vader mehr Freiheiten gehabt hatte… dort konnte er lernen. Hier schienen alle nur von ihm zu fordern, nicht zu geben. Sicher, hier waren seine Freunde, aber… was bekam er dafür zurück? Und außerdem zwangen sie ihn dazu, gegen seinen Vater zu kämpfen… und das konnte er nicht. Nicht mehr.
Verflucht!
Er wurde weitergereicht an Lando, an Wedge, an andere, bekannte, lächelnde Gesichter, lächelte zurück, bekam Getränke und Snacks gereicht und nahm sie dankend an, aber er fühlte sich wie ein Krayt-Drache an einer Leine… gefangen und in die Enge getrieben.
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Der Ball nahm seinen Lauf, und die Gäste waren nun seit einiger Zeit schon sich selbst überlassen – auch der dunkle Lord und seine Begleiter.
Arik trat neben Vader, der nach einigen überraschend angenehmen Tänzen mit Mara ein wenig abseits stand und die Massen der Höflinge beobachtete. Die Anwesenden warfen ihm zwar immer wieder neugierige Blicke zu – es war für die meisten selten bis unmöglich, den gefürchteten schwarzen Lord aus solcher Nähe zu sehen – mieden aber seine direkte Nähe, wenn es ging, oder beeilten sich, ihn zu passieren, ohne es allzu offensichtlich erscheinen zu lassen. Der junge Captain amüsierte sich darüber, aber da er seine Schilde des Kaisers wegen hochgezogen hatte, konnte er ihre Gedanken nicht lesen. Kein großer Verlust in den meisten Fällen, entschied er nach einem Rundblick. Aufgesetztes, hohles Gelächter drang an seine Ohren, und der tatsächliche Inhalt der meisten Gespräche tendierte gegen Null. Viele der anwesenden Damen schienen ihren gesamten Bestand an Make-up aufgetragen zu haben… mit einem Spachtel, vermutlich. Bei einigen drohten die Nähte den wogenden Fleischmassen jederzeit nachzugeben, bei anderen taten einem aufgrund der schreienden Farben oder allzu jugendlichen oder sogenannten „modischen" Schnitte die Augen weh. Bei den Männern hielt sich das den Mächten sei Dank in Grenzen, viele von ihnen waren in Uniform. Hier ließ jedoch oft das Benehmen zu wünschen übrig. Alkohol in rauhen Mengen, Häppchen im Überfluß, rote, glänzende Gesichter und glasige Augen, die in den Ausschnitten der Damen versanken. Es gab nur wenige Ausnahmen davon.
Auch Vader war längst – schon vor vielen Jahren - zu diesem Ergebnis gekommen. Er konzentrierte sich mittlerweile auf diese Ausnahmen, machte sich gedankliche Notizen darüber, wer sich nicht dem Plebs anschloß, höflich war, aber auf Abstand bedacht, wessen Augen klar blieben und ebenso scharf wie die seinen. Und natürlich behielt er seine Begleiter im Blick, bereit, jederzeit einzugreifen, falls es not tat.
„Schau sie dir an." sagte er leise.
Wen? Die bunten Paradiesvögel der Gäste? Arik folgte seinem Blick. Nein - eine beiläufige Geste wies zu Piett, der sich in den Schutz einer großen Pflanze geflüchtet hatte, sich bereits den ganzen Abend am selben Glas Champagner festhielt und Gespräche zwar nicht verweigerte, wenn ihn jemand ansprach, aber selbst keine suchte.
„Der Arme." Der junge Captain sah mitfühlend hinüber. „Er scheint sich ganz und gar nicht wohlzufühlen."
„Stell ihn auf die Brücke eines beliebigen Schiffes, gib ihm zwei Taktikschirme, einen Offizier mit einem kurzen Bericht, und er wird dir eben aus dem Schlaf geweckt eine Schlacht gewinnen. Aber das hier ist nichts für ihn. Ich hätte ihm das gern erspart, aber leider musste ich ihn mitnehmen. Aber Max…" Arik folgte dem unauffälligen Fingerzeig und sah Veers, umringt von einem Pulk Offizieren und schönen Frauen. Er bildete den natürlichen Mittelpunkt, schien von innen heraus zu leuchten, beherrschte die Situation mit der Gelassenheit und Eleganz eines Königs. Er machte mühelos Konversation, lächelte, verneigte sich vor den Damen, nickte den Herren zu, beherrschte all die kleinen Gesten, die auf dem Parkett der Diplomatie notwendig waren.
„Ist er nicht wundervoll?" Vaders Stimme war sanft und zärtlich – erstaunlich, dass der Vokoder solche Laute produzieren konnte.
Arik sah zu dem verliebten Sithlord auf und lächelte. „Ja, Meister."
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Veers, auf der anderen Seite, bedauerte, dass es ihm nicht möglich war, den Abend an Vaders Seite zu verbringen – zu auffällig wäre es gewesen, würde der eherne Einzelgänger Vader plötzlich in Begleitung auftreten. So mischte er sich unter die Gäste, unterhielt sich, sammelte Informationen, die spärlich gesät waren in all dem leeren Geplauder, knüpfte Kontakte zu einigen der Gäste, die gleich ihm nicht aus Geltungsdrang und Lüsternheit hier waren, sondern der Pflicht wegen, und begann, die ersten zarten Fäden eines Netzwerkes zu spannen.
Und immer wieder huschte sein Blick zu Vader, der wie ein schwarzes Phantom durch die Massen glitt, gelangweilt und nur den Befehlen seines Meisters gehorchend. Es gab durchaus Gäste, die es wagten, ihn anzusprechen, aus den verschiedensten Gründen. Manche davon festigten ihr eigenes Netzwerk oder das Vaders, die meisten jedoch wollten einmal für wenige Sekunden im Kielwasser des wohl berühmtesten und gleichzeitig gefürchtetsten Mannes der Galaxis mitschwimmen. Ein Wort, ein Gruß von ihm adelte und öffnete Türen, ein schlichtes Nicken genügte schon, Wege zu ebnen.
Doch was er auch tat, ob er mit jemandem sprach oder stumm und reglos wie eine Statue irgendwo stand, immer strahlte er die kalte, überirdische Majestät aus, die Veers so an ihm bewunderte und die seinen Ruf nicht unwesentlich prägte. Max lächelte leise, und Stolz durchflutete ihn ebenso wie das Glück, diesem Mann täglich nah sein zu dürfen… und ihn besser zu kennen als jeder hier. Vielleicht war es gerade dies, was Veers so viel Stärke und beinahe spürbare Macht ausstrahlen ließ, Macht und ein Charisma, das die Leute anzog, die ihm ebenso nah sein wollten wie er Vader… doch er merkte es nicht. Sein eigener Erfolg war ihm schlicht nicht bewußt.
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Luke, auf seiner eigenen Party, hatte sich ebenfalls an den Rand zurückgezogen und beobachtete das lärmende Treiben vor ihm mit gewissem Unwohlsein. Nicht nur, daß er seinen Vater enttäuschte, wenn er nicht zuhause war, wenn dieser zurückkam – er fühlte sich fremd hier. Es war nicht mehr sein Platz. Er liebte Leia, er vermißte Han und verehrte Chewbacca, aber dies alles hier… das war nicht mehr sein Kampf. Es war nicht so, daß er plötzlich gegen die Rebellion war… oder für das Imperium. Das nicht. Aber er gehörte zu seinem Vater. Blut war dicker als Wasser… das wußte er jetzt.
Wie also kam er hier weg? Sein Blick, der ziellos durch den Raum streifte, blieb auf Mon Mothma hängen, die sich erstaunlicherweise heute unter die Massen gemischt hatte – offensichtlich war Leia bedeutend genug, um ihr diese Ehre zu erweisen. Eine Idee durchzuckte ihn. Vielleicht konnte sie ihn auf eine Mission schicken? Und vielleicht konnte er sich dann irgendwo absetzen… ein anderes Schiff kaufen und nach Vjun zurückkehren?
Kurzentschlossen setzte er sich in Bewegung, schlängelte sich durch die Tanzenden und verneigte sich knapp vor der Führerin der Rebellion, die in Begleitung General Crix Madines war.
„Guten Abend, Mon Mothma. Dürfte ich Sie wohl einen Augenblick sprechen?"
