Dieses Kapitel birgt den ersten großen Höhe- und Wendepunkt der Geschichte. Ich hätte es gern als Cliffhanger gestaltet beim Posten, hab mir aber beim Schreiben dabei selbst ein Bein gestellt – es ist sehr schlecht zu trennen. Aber es kommen noch mehr Gelegenheiten für ein Fiesiko… ;o)
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Kapitel 39
Der Ball näherte sich seinem Ende, ohne daß noch etwas Besonderes vorgefallen wäre. Aber Vader war sich sicher, daß der Kaiser noch etwas plante. Er konnte es spüren… Palpatine war voller dunkler Vorfreude. Und das Hinauszögern gehörte zu seinem Plan.
Als ein Herold verkündete, daß der Imperator den Ball verlassen wolle und die Gäste lange Reihen eines Spaliers bildeten, wandte er sich Arik zu.
„Bring Max möglichst unauffällig ans andere Ende der Reihe. Schnell!" befahl er, bevor er seinen Platz einnahm. Arik nickte und kam der Aufforderung nach, prüfte im Gehen schon seine Schilde und verstärkte sie nochmals, während er Veers begleitete. Piett, machtblind und ungefährlich, verblieb in Vaders Nähe.
Der Kaiser erhob sich, stützte sich schwer auf seinen Stock und kam langsam die Stufen seines Throns herunter, während der gesamte Saal vor ihm niederkniete und er bedächtig und vorgeblich mühsam die Reihen entlangflanierte, leutselig nach allen Seiten nickend, gefolgt von Mara Jade und den allgegenwärtigen imperialen Gardisten.
Bastard! fluchte Vader stumm, der wie alle anderen mit gesenktem Kopf wartete. Das ist Absicht. Du kannst es nicht lassen, deine Untergebenen auf ihre Plätze zu verweisen, wie, oh glorreicher Herrscher?
Er sah nicht auf, genau wie es befohlen war, und die leistungsstarken Mikrofone und Lautsprecher in seinem Helm folterten ihn mit dem quälend langsam näherkommenden Rascheln der Kutte, dem vorgetäuschten Altmännerschlurfen und dem unrhythmischen Aufsetzen des Gehstocks – bis es schließlich, direkt vor ihm, verstummte.
Jetzt. dachte Vader ergeben. Jetzt ist es soweit. Er wappnete sich innerlich gegen das Kommende, das sicher alles andere als angenehm werden dürfte.
„Erhebt Euch, meine Getreuen.", zischte die Stimme des Kaisers direkt vor ihm. „Ihr alle… bis auf Euch, Vader."
Ah… nicht mehr, ‚mein Freund', hm? Nicht mehr ‚mein Schüler' – und nicht einmal mehr ‚Lord' Vader? dachte der dunkle Lord und verharrte unbeweglich. Und ein ‚Getreuer' bin ich wohl auch nicht mehr? Ich bin gespannt.
„Euch will ich auf beiden Knien vor mir sehen.", fuhr der Imperator genüßlich fort. Die Menge um ihn herum erhob sich langsam und verwirrt, leises, erregtes Gemurmel hob an, wenn auch nicht im direkten Umkreis. Soviel Mut – oder so wenig Verstand – hatte dann doch niemand.
WAS?
„Auf beide Knie, Vader.", wiederholte der Sith leise und drohend. „Sofort."
Dafür wirst du bezahlen, Palpatine. schwor sich Vader, kam dem Befehl aber zähneknirschend nach.
„Ihr habt mir verschwiegen, daß Euer Sohn bereits unter Eurer Kontrolle ist, Vader. Daß Ihr ihn bereits bei Euch habt."
Das Gemurmel schwoll drastisch an. Vader hatte einen Sohn? Vader?!? Der dunkle Lord fluchte lautlos, er sah im Geiste schon die Schlagzeilen, hörte schon die unzähligen Gerüchte und Parolen, die bald kursieren würden, zusammen mit den krudesten Vermutungen. Wie er das wohl geschafft haben könne. Ob er überhaupt noch ein Mann sei oder Manns genug, ihn hochzukriegen. Welche Frau wohl so verzweifelt sein könne, sich mit einem Monster einzulassen, wieviel sie dafür wohl bekommen und ob sie unter Drogen gestanden habe… Padmés Bild schob sich vor sein inneres Auge, sein Engel, seine geliebte Frau, die so voller Zärtlichkeit und Liebe und so schön gewesen war… Elender Bastard! Er konnte gerade noch seine Faust daran hindern, sich vor weißer Wut zu ballen und zwang sich mit viel Mühe dazu, in die demütige Haltung zu gleiten, die von ihm erwartet wurde.
„Ich wollte ihn Euch präsentieren, wenn ich ihn umgedreht habe, Meister."
„Und wann wäre das wohl gewesen, Vader?" ätzte der Kaiser. „Gleichzeitig mit den Köpfen der Rebellion, auf einem Silbertablett?"
Na bitte. Er hatte keine gescheiten Argumente – aber er war der Kaiser, er hatte Recht; er war beleidigt und statuierte ein Exempel.
Der Kaiser drückte Mara den Stock in die Hand und hob dann die Hände, um ohne Vorwarnung Machtblitze auf Vader abzufeuern. Geballte Energie in Form von blauen Blitzen zuckte über ihn hinweg, fand den Weg durch seine Panzerung und drang wie tausend Nadeln tief in sein Fleisch. Vader unterdrückte ein Stöhnen und rang um Beherrschung. Sich zu wehren kam nicht in Frage… wenn er seinen Plan durchziehen und seine Tarnung aufrechterhalten wollte, mußte er dies ertragen – oder besser: erleiden.
„Das hier soll Euch daran erinnern, wo Euer Platz ist, Vader. Ihr seid meine rechte Hand, meine Augen und Ohren im Reich, aber sie nutzen mir nichts, wenn sie blind und taub sind. Wenn meine Augen nicht mehr sehen und meine Ohren nicht mehr hören, müssen sie ausgetauscht werden. Habt Ihr das verstanden?"
„Ja, Meister." preßte der dunkle Lord hervor, wie es von ihm erwartet wurde. Die Drohung war eine Farce. Palpatine brauchte ihn und seine Fähigkeiten – ohne ihn, Vader, würde das Reich zusammenbrechen, und der Kaiser wußte das. Aber offensichtlich war er weder laut noch demütig genug gewesen, denn erneut tanzten Blitze über seinen Körper, stärker als zuvor. Die Umstehenden beobachteten angstvoll und entsetzt, wie die Gestalt des gefürchteten dunklen Lords unter den Blitzen sichtlich gebeutelt wurde und wankte – aber kein Laut des Schmerzes war zu hören, was dem Kaiser merklich mißfiel.
„Ich sagte: habt Ihr verstanden?"
„Ja, Meister." Der Schmerz brachte die gewünschte Schwäche in seine Stimme, und es kostete ihn alle Kraft, seine mörderische Wut zu maskieren. Aber die Demut fehlte noch immer… und wieder drangen die Energiestöße aus des Kaisers Händen, fraßen sich unerbittlich in jede noch so kleine Lücke in seiner Panzerung, verursachten tragischerweise einen Kurzschluß in seinem Lebenserhaltungssystem, was wiederum durch eine Verkettung unglücklicher Umstände eine Rückkopplung über die Sensoren in seinen Körper auslöste – und ihn ohnmächtig zur Seite fallen ließ. Letzte Funken knisterten noch über die schwarze Panzerung und funkelten wie blaue Sterne über einem gefallenen Ritter.
Eine Ohnmacht? Überrascht von seinem unerwarteten Sieg starrte Palpatine auf den bewußtlosen Körper zu seinen Füßen. Eine wundervolle Demütigung. Oh, das würde wehtun… vor allem, wenn es morgen in allen Zeitungen stand. Er würde höchstpersönlich dafür Sorge tragen, daß die Gerüchte ihren Weg fanden. Vader, der große, mächtige Darth Vader!, am Boden. Einzigartig! Oh, er würde leiden…!
Er nahm seinen Stock aus Maras Händen zurück und verließ den Saal, ohne sich nochmals umzudrehen, voll des Triumphes – und nicht bemerkend, daß sein Schüler nicht mehr atmete, daß das stete Geräusch des Beatmers verstummt war.
Er hinterließ eine schweigende, vor Angst erstarrte Masse – denn wenn selbst Darth Vader nicht vor einer solch drakonischen Strafe des Kaisers sicher war, war keines ihrer Leben auch nur einen Pfifferling wert. Und genau diese Erkenntnis war Sinn und Zweck der Aktion gewesen.
Firmus Piett, der nahebei gestanden hatte, verbarg mühsam sein Entsetzen und hielt Ausschau nach Cass und Veers, die eilig näherkamen, sobald der Kaiser außer Sicht war. Alle drei knieten nun neben Vader, während der Rest der Ballgäste ängstlich Abstand hielt, aber sensationslüstern in Sichtweite blieb.
„Der Beatmer hat ausgesetzt…" stellte Arik entsetzt fest. „Er wird ersticken!"
Max versuchte, das Gerät wieder in Gang zu setzen, scheiterte jedoch und fluchte herzhaft. Er überschlug im Kopf die Werte, die er auswendig kannte: Restsauerstoff nach Aussetzen der Beatmung. Länge des Weges bis zum Hangar. Vaders Gewicht – und die Möglichkeiten, ihn so schnell wie möglich dorthin zu bringen.
Verdammt.
„In einen Nebenraum.", flüsterte er so leise, daß nur seine beiden Freunde es hören konnten. „Ich muß ihm den Helm abnehmen. In diesem Zustand schafft er es nicht lebend in den Hangar."
„Ich kann ein wenig tricksen, denke ich…" antwortete Arik ebenso. „Admiral, helfen Sie mir. Sie links, ich rechts. General, gehen Sie voraus, finden Sie einen Raum und leeren Sie ihn…"
Veers nickte, während Cass und Piett je einen Arm nahmen und Vader hochzogen. Arik setzte vorsichtig die Macht ein, um das Gewicht zu verringern, und versuchte, sobald Vader ‚stand', seine Füße so zu bewegen, als ginge er aus eigener Kraft, wenn auch langsam. Es schien zu klappen – und sie bewegten sich langsam zum Ausgang, verfolgt von den starrenden Augen der Meute – die sie umgaben wie lauernde, hungrige Raubtiere, die ihr Alphatier verletzt sehen und ihre Chance wittern.
Veers war vorausgeeilt, hatte die Tür zum erstbesten Raum nach dem Ballsaal geöffnet und setzte die Galauniform mitsamt dem beeindruckenden Ordensspiegel, die er heute trug, seine geübte Kommandostimme und die gesammelte Erfahrung seiner Jahre als Offizier ein, um die darin befindlichen Ballgäste zu verscheuchen – mit solchem Erfolg, dass diese eilig herausstolperten und keine Widerworte wagten.
„Wir verlieren ihn!" flüsterte Arik plötzlich panisch, als sie nur noch wenige Schritte von dem Raum entfernt waren. „Er stirbt!" Piett sah ihn fragend an und beschleunigte als einzige Antwort seine Schritte. „Ich fühle es. Seine Präsenz in der Macht wird schwächer… und sehr schnell." erklärte der junge Captain.
Veers hatte die Zeit genutzt, um ihr Shuttle zu benachrichtigen und die Piloten anzuweisen, alles startklar zu machen und sofortige Starterlaubnis zu bewirken – und eine Hovertrage zu ihnen zu schicken. Nun, als er Ariks Worte hörte, wurde er blaß.
„Nicht, wenn ich es verhindern kann!"
Halb setzten, halb legten sie den dunklen Lord in eine Chaiselongue, und Veers betätigte mit fliegenden Fingern die Tasten, die das Vakuum des Helms lösten, aufmerksam beobachtet von Arik, der dieses Wissen für etwaige künftige Notfälle sorgsam speicherte. Gemeinsam nahmen sie ihm Helm und Maske ab, während Piett vor der Tür Aufstellung nahm, auf ihre Leute wartend und den Raum absichernd und Veers sich wortlos vorbeugte und mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung begann, die jedoch keinen Erfolg fruchtete.
„Herzstillstand.", stellte Arik plötzlich fest, mühsam nach Beherrschung ringend – was ihm umso schwerer fiel, da er fühlte, wie das Band, das zwischen ihnen bestand, immer schwächer wurde. Die sich lösende Verbindung war schmerzhaft, sie riß an ihm, als würde ihm selbst ein Glied abgetrennt.
Der General versuchte es mit einer Herzmassage, spürte aber nichts und sah auch nicht, dass sich etwas änderte. Er sah Arik an, der den Kopf schüttelte. „Nein. Keine Reaktion."
Veers fluchte. „Dava, wehe, du stirbst mir hier weg…! Wag es nicht, uns mit diesem Monster alleinzulassen!" Er musterte die Tasten auf dem Schaltpaneel. „Dem Schöpfer sei Dank hat er sich damals breitschlagen lassen, alle Funktionen des Anzugs beizubehalten. Das Ding hat einen eingebauten Defibrillator – ich habe keine Ahnung, wie der sich auf seinen veränderten Organismus auswirkt. Aber ich schätze, wir haben keine andere Wahl, nicht wahr? Also los."
Er schloß kurz die Augen, um sich die genaue Reihenfolge der zu betätigenden Tasten ins Gedächtnis zu rufen, und drückte sie dann nacheinander. Noch während er das codierte Signal eingab, hörten beide Männer, wie sich das Spannungsfeld der beiden Kontaktplatten aufbaute, und mit dem Freigeben der letzten Taste wurde die Ladung freigesetzt. Vaders Körper bäumte sich auf.
Arik riß die Augen auf. „Ein leises, mentales Zucken… aber in einiger Entfernung. Nochmal!"
Veers nahm sich nicht einmal die Zeit zu nicken, er war schon wieder an den Kontrollen. Wieder ging ein enormer Ruck durch den Körper des Sithlords, dann tat er einen tiefen Atemzug und begann wieder zu atmen – zeitgleich mit den Kontrollämpchen, die wieder aufleuchteten und die Biosignale bestätigten.
„Er kommt… er kommt zurück! Wir haben ihn!" Arik schluchzte beinahe vor Erleichterung, überwältigt von dem, was er fühlte – niemand hatte ihn auf das Band vorbereitet, das zwischen ihm und seinem Meister entstehen würde, und auf das, was er über dieses Band fühlen würde. Und er war nur der Schüler. Wie musste es Luke da erst ergehen?
Es dauerte noch einen Moment, bis die Lider des dunklen Lords flatterten und er die Augen aufschlug.
„Dava…!" Veers kniete neben dem Sessel nieder, griff nach Vaders Hand, drückte sie. „Den Mächten sei Dank…!"
„Was ist passiert?" fragte Vader schwach.
„Die Machtblitze haben einen Kurzschluß ausgelöst, glaube ich. Soweit ich das zumindest eben sehen konnte… und dann muß es irgendeine Rückkopplung gegeben haben. Der Beatmer hat ausgesetzt, und dann hat dein Herz aufgehört zu schlagen."
Vader lächelte leicht. „Jetzt hast du mir schon zum zweiten Mal das Leben gerettet, Max. Wird das zur Gewohnheit?"
„Ich hoffe nicht." Veers versuchte ein Lächeln. „Aber ich hoffe, dass ich da sein werde, wenn es Not tut. Um helfen zu können. Und ich bete, dass es nie wieder dazu kommt."
Vader nickte schwach. „Das war das letzte Mal, dass er das mit mir machen kann, das schwöre ich. Elender Bastard…" Er ließ den Kopf nach hinten sinken und schloß die Augen.
Piett schlüpfte vorsichtig durch die Tür. „Unsere Männer sind da…" Er sah Vaders reglose Gestalt und erbleichte. „Ist er…?"
„Nein.", beruhigte Veers. „Aber es hat nicht viel gefehlt. Laß uns von hier verschwinden… aber dazu müssen wir ihm die Maske aufsetzen. Dava?"
Vader brummte und öffnete mühsam die Augen. „Ich bin wach, ich bin wach…"
„Entspann dich, wir kümmern uns um alles. Aber die Maske muß drauf."
„In Ordnung…" Er hob müde den Kopf, während Veers ihm die Maske aufsetzte und schloß und dann den Helm hinzufügte. Erleichtert hörte er, wie der Beatmer ansprang.
„Gut – du darfst dich in die Bewusstlosigkeit verabschieden." scherzte er. „Wir bringen dich rauf."
Vader antwortete nicht – er war bereits wieder weggetreten.
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Schmerz!
Welle um Welle überrollten Luke, der es eben noch geschafft hatte, sich ein wenig von den anderen zu entfernen, in eine dunklere Ecke der Halle, bevor er stöhnend und halb ohnmächtig zusammenbrach. Was war das? Was passierte hier?
Er brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass es sein Vater war, der litt, der starb… beinahe, bis er gewaltsam – und durch noch mehr Schmerz – wieder zurückgeholt wurde und die Wellen langsam nachließen. Das Band, begriff er. Das Vater-Sohn-Band der Macht, das zwischen ihnen entstanden war. Es drohte zu zerreißen, wurde dünner und schwand fast komplett… doch dann, plötzlich, war es wieder da. Noch durchscheinend, aber wieder kräftig und fest.
Vater…?!
„Luke!" rief eine entsetzte Stimme, und freundliche Hände umfassten seine Schultern. „Alles klar? Was ist denn?"
Innerlich fluchend und ohne Antwort erhalten zu haben, sah er auf. Leia.
„Nichts…", wehrte er schwach ab. Verdammt, mußt du ausgerechnet jetzt kommen? Er lauschte weiter nach innen, aber da war nichts… nur die Präsenz seines Vaters, lebendig, geschwächt, aber deutlich vorhanden.
„Nichts?" echote sie mißtrauisch. „Du schreist vor Schmerzen, kippst um und nennst das ‚nichts'?"
„Ich habe geschrieen?" fragte er unangenehm berührt.
„Nicht sehr laut.", gab sie zu, und er atmete auf. „Also, was ist los?"
Er zögerte. Anlügen wollte er sie nicht, aber für die Wahrheit würde sie kein Verständnis haben. Daß Vader fast draufgegangen wäre, hätte sie eher bedauert – bedauert, daß er noch lebte, wohlgemerkt. Mitgefühl konnte er von ihr nicht erwarten, zu viel hatten Vader und das Imperium ihr angetan.
„Ich warte." Sie stemmte die Hände in die Hüften und zeigte wieder einmal die störrische-Prinzessin-Pose, die er nicht leiden konnte.
Ein Seufzen. „Jemand, der mir sehr nahe steht, wäre eben beinahe gestorben. Ich habe es durch die Macht gespürt."
Sie runzelte die Stirn. Die Macht war für sie immer noch etwas sehr Abstraktes – Jedi taten Dinge, die ihr fremd waren, die sie nicht verstehen konnte. Aber wenigstens akzeptierte sie, im Gegensatz zu Han, ihre Existenz. „Ein anderer Jedi?"
Er schüttelte den Kopf. „Nein." Ein Sith. dachte er bei sich und grinste innerlich.
„Aber wie kannst du es dann spüren?"
Stell mir keine Fragen, und ich muß dich nicht anlügen, Leia. flehte er stumm. „Die Macht ist ein Energiefeld, das alle lebenden Dinge erzeugen. Auch du – oder Lando oder Chewie. Alle. Ein Jedi kann Störungen in der Macht spüren. Obi-Wan hat damals die Zerstörung Alderaans gespürt."
„Oh." Sie nickte. „Ist wieder alles in Ordnung?"
„Ja. Geh nur, amüsier dich." Er lächelte schwach. „Ich denke, ich werde schlafen gehen."
„Willst du nicht mit uns feiern? Du hast dich bislang kaum beteiligt, die anderen wundern sich schon."
„Mir ist nicht nach feiern, Leia."
„Was hat er dir angetan, Luke?" fragte sie hitzig. „Was hat dieses Monster dir angetan?"
„Nichts!" schnappte er gereizt zurück. „Rein gar nichts, im Gegenteil! Warum glaubst du mir das nicht? Denkst du, ich säße hier, wenn er mir etwas hätte tun wollen? Er hatte lang genug Gelegenheit dazu! Sehe ich aus, als hätte er mich gefoltert? Mißhandelt? Verhungern lassen? Mich in einem Loch gehalten wie einen Sklaven oder ein Tier?"
Sie riß die Augen auf und wich erschrocken etwas zurück. „Nein… nein. Aber he, das ist Vader!"
„Ja, verdammt! Vader! Und ob du es glaubst oder nicht, Leia, er bringt nicht alle paar Minuten jemanden um!"
Die Prinzessin schüttelte, fassungslos über diesen Ausbruch, ein wenig den Kopf. „Hat er dich auf seine Seite gezogen, Luke? Ist es das? Wirst du uns alle verraten?"
Er stöhnte. „Wäre ich dann hier? Hätte es nicht genügt, deine Koordinaten an ihn weiterzugeben? Ich schwöre dir, Leia, ich habe sie nicht weitergeleitet! Und hätte er mir geholfen, ein neues Lichtschwert zu bauen, wenn er mir Böses wollte? Und hätte es verdammt noch mal diese Farbe, wäre ich ein Sith?" Er hakte aggressiv sein Schwert vom Gürtel und zündete es. Summend stand die leuchtend grüne Klinge zwischen ihnen.
„Seine ist rot?" Sie erinnerte sich flüchtig an den Kampf zwischen Vader und Kenobi im Hangar des Todessterns, die einzige Gelegenheit, bei der sie Vaders Klinge gesehen hatte.
„Ja. Alle Sith haben rote. Diese Kristalle hier haben sich mich ausgesucht, nicht umgekehrt. Grün ist die Farbe der Jedi-Diplomaten, das hat er mir u-" Er unterbrach sich, als er bemerkte, dass er beinahe Arik verraten hätte. „…mir erklärt. Die roten standen mir nicht einmal zur Auswahl."
Leia starrte ihn eine Weile nachdenklich an. „Es war Vader, den du gespürt hast, nicht wahr?" fragte sie dann leise. „Vorhin."
Er zögerte, nickte schließlich. „Ja."
„Aber… du sagtest, es wäre jemand, der dir nahestünde." tastete sie sich vorsichtig vor.
„Das habe ich." versetzte er knapp und ließ durchblicken, daß er diese Frage nicht ausführlicher beantworten würde.
„Ist er tot?" Ihr Tonfall war hart, wie erwartet.
„Nein. Aber es hat nicht viel gefehlt."
Sie legte den Kopf schräg. „Was ist passiert?"
Er schloß die Augen. „Ich weiß es nicht. Ich kann nur vermuten. Er ist auf Coruscant, beim Kaiser, auf dem Ball zum Imperiumstag. Ich nehme an, dass Palpatine irgendetwas Übles mit ihm gemacht hat." Hatte der Kaiser seinen Vater für Etwas bestraft? Hatte Vader sich vielleicht doch geweigert, ihn, Luke, zu ihm zu bringen? Wenn er bestraft wurde… des Kaisers Unmut erregt hatte… war er doch auf seiner Seite. Oder? Verdammt. Er musste nach Hause.
„Der Kaiser?" Ungläubigkeit zeichnete sich in ihren Augen ab. „Was sollte dieser altersschwache Kerl denn mit Vader anstellen? Hat er seine Kettenhunde im Dutzend auf ihn losgelassen?"
„Selbst das würde Vader nicht sonderlich beeindrucken, glaub mir. Da braucht es stärkere Geschütze." Luke seufzte. „Der Kaiser ist ein Sith, Leia. Er ist Vaders Meister. Und nur er kann ihm wirklich gefährlich werden."
„Ein Sith?" keuchte sie entsetzt und fassungslos auf.
„Wem sonst, glaubst du, würde sich ein Darth Vader jemals unterordnen?" fragte er müde. „Er war schon immer einer, schon, als er noch Senator auf Naboo war. Er hat das alles seit Jahrzehnten geplant… Imperator zu werden war sein Ziel von jeher."
„Aber… aber dann ist alles verloren! Alles umsonst, was wir hier versuchen!" sagte sie fassungslos.
„Wer weiß… vielleicht nicht." erwiderte er kryptisch. „Stell mir keine Fragen mehr, bitte. Auch nicht, warum ich jetzt hier bin. Ja? Vertrau mir einfach, so wie früher. Ich will den Kaiser vernichten, genau wie du."
Sie sah ihn zweifelnd an. „Na schön. Aber du solltest mit Mon Mothma reden."
Er grinste schief. „Alles schon geplant. Morgen früh. – Aber, bitte: behalte für dich, was ich dir eben gesagt habe."
„Das kann ich nicht, Luke." Sie sah ihn ernst an.
Er schloß die Augen. Verdammt. Also wurde er zu etwas gezwungen, was er vermeiden wollte. „Das tut mir wirklich, wirklich leid, Leia…" sagte er sanft, als er seine mentalen Finger ausstreckte, in ihren nahezu ungeschützten Geist eindrang und die Erinnerungen an die letzte halbe Stunde tilgte, wie er es von Vader gelernt hatte. „Aber ich muß es tun."
Leia blinzelte einen Moment später und sah ihn verwirrt an. „Mir ist ein wenig schwindlig."
„Zuviel getrunken? Oder zuwenig?" scherzte Luke gezwungen.
„Eigentlich nicht… was wollte ich eben tun?"
„Mir zeigen, wo ich schlafen kann."
„Oh… richtig. Komm."
