Kapitel 40
Arik hatte es sich nicht nehmen lassen, die Fähre selbst zur EXECUTOR zu fliegen, während Veers bei dem immer noch bewußtlosen Sithlord im Passagierabteil verblieben war. Piett leistete ihm stumm Gesellschaft und konnte beobachten, wie die Hand seines Freundes immer wieder zuckte, als wolle sie nach der Vaders greifen, es sich jedoch der anwesenden Sturmtruppen wegen verkniff.
„EXECUTOR, hier ST321. ETA in sieben Minuten. Erbitte medizinisches Notfallteam in Lord Vaders Hangar sowie Kontakt mit der persönlichen Ärztin Lord Vaders."
Der Operator an Bord des Flaggschiffes bestätigte knapp, gab die entsprechenden Impulse weiter und verband Arik mit der Krankenstation.
„ST321, hier Corva. Um welche Art von Notfall handelt es sich?"
„Lord Vader hatte einen Herzstillstand, verursacht durch die Machtblitze des Imperators. Zwei Schocks durch den Defibrillator in seinem Anzug haben ihn zurückgeholt, aber er ist bewußtlos und sehr schwach."
Ein unterdrückter, aber äußerst bildreicher Fluch drang durch den Äther. „Verstanden, Arik. Ich bereite alles vor. Bis gleich."
Als sie landeten – so sanft wie bei dem anderen Mal, als sie Luke von Bespin geholt hatten – war eine Intensivstation schon vorbereitet, die Gänge dorthin waren geräumt und Corva nahm bereits im Rennen neben der Antigravliege, die von Pflegern geschoben wurde, erste Scans vor. Arik, Veers und Piett folgten langsamer – es hätte sonderbar ausgesehen, wären sie ebenfalls gerannt.
Für Veers war schon vorgesorgt: Corva hatte Anweisung gegeben, für ihn sterile Kleidung bereitzulegen, so daß er zu ihr hereinkonnte, und Arik nahm sich einfach ebenfalls welche. Corvas entrüsteten Protest tat er ab mit den Worten: „Ich kann mehr spüren als Ihre Scanner, Doktor. Ich kann Ihnen sagen, ob er stabil ist oder nicht, noch bevor sie das Signal erfaßt haben."
Die Ärztin knurrte, fauchte aber nur: „Kommen Sie mir nicht in die Quere!" und arbeitete weiter. Da sie aber alle anderen Helfer hinausgeworfen hatte, egal, ob humanoid oder droidisch, wurden sowohl Max als auch Arik bald für Handlangerdienste eingespannt und mußten als erstes helfen, den dunklen Lord von Maske und Rüstung zu befreien.
Einige Minuten später stand jedoch fest, daß Vader definitiv außer Lebensgefahr war und keine bleibenden Schäden davontragen würde. Alle drei sahen sich über dem mittlerweile künstlich bewußtlos gehaltenen Körper erleichtert an.
„Ihr wißt schon, daß ihr ihn buchstäblich in letzter Sekunde zurückgeholt habt, ja?" fragte Corva ernst.
Arik nickte. „Er war nur noch ein Funke, wo sonst ein Feuer brennt." sagte er leise. „Schwer zu beschreiben. Wir hatten ihn beinahe verloren."
„Verdammter Bastard…!" fluchte die Ärztin und tupfte sanft Schweiß von Vaders Stirn. „Ein Glück, daß Sie sich mit diesem Anzug auskennen, Max…"
Veers war blaß, aber gefaßt. „Er hat mich gefragt, ob das jetzt zur Gewohnheit würde bei mir…" Er versuchte ein Lächeln. „Ich bete zum Schöpfer, daß er damit kein prophetisches Wort getan hat."
„Nicht nur Sie, Max… nicht nur Sie." Corvas Blick schweifte über die Anzeigen der Scanner über dem Biobett. „Sieht gut aus. Wenn ich nicht wüßte, wer hier liegt, würde ich meine Instrumente samt und sonders rekalibrieren lassen. Es ist unglaublich, wie schnell er heilt! Jeden anderen würde ich eine Woche zur Beobachtung hierbehalten – vorausgesetzt, dieser ‚andere' hätte das überhaupt überlebt! – aber ich glaube, ihn müßte ich morgen schon ans Bett ketten, um ihn dazu zu bringen, hierzubleiben." Sie seufzte. „Also schön. Ich erzwinge einige Stunden Schlaf, aber nicht zu viel, sonst killt er mich. Max, denken Sie, Sie könnten ihn überreden, nochmal bei mir reinzuschneien, bevor Sie nach Bast zurückkehren? Nur zur Sicherheit."
Der General nickte grimmig. „Und wenn ich ihn mit einem lebenden Pelzmantel aus Ysalamiri behängen muß."
„Also schön. Dann erlöst mal den armen Admiral vor der Tür und holt euch auch eine Mütze voll Schlaf. Sein Zustand ist stabil, keine Sorge. Ihr verpaßt nichts."
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Luke sah sich in dem Raum um, der ihm als Schlafplatz zugewiesen worden war. Er teilte ihn sich mit einem anderen Piloten, den er noch nicht kannte, und außer einem Doppelstockbett und zwei Spinden paßte nicht mehr viel hinein.
Klasse., dachte er bei sich, als er sich unter dem kalten Licht der nackten Beleuchtung langsam um sich selbst drehte. Du bist doch wirklich der größte Trottel unter zwei Sonnen. Warum bist du eigentlich hier, du Depp?
Das Gespräch mit Mon Mothma morgen früh würde auch spannend werden… unter Umständen mußte er wieder die Macht einsetzen, wenn er verhindern wollte, daß es für ihn zu sehr zur Inquisition wurde und sie zu viel erfuhr. Sie hatte ihn mit Fragen überschwemmt, und er hatte sie nur mühsam auf den Folgetag vertrösten können.
Warum hat Vader Sie gerettet? Was haben Sie von ihm erfahren, was der Allianz nützlich sein könnte? Was hat er Ihnen angeboten? Warum sind Sie hier?
Ja… warum bin ich eigentlich hier?
Er würde sie anlügen müssen. Das war das einfachste. Er war der einzige Jedi weit und breit, und niemand würde es jemals bemerken. Nur: was sollte er ihr erzählen? Vielleicht eine Mischung aus beidem – daß Vader dachte, er, Luke, sei nützlich für ihn, und er jetzt durch eine Verkettung glücklicher Umstände entkommen konnte?
Er seufzte. An Schlaf war nicht zu denken – er würde die Nacht darauf verwenden, sich eine plausible Geschichte einfallen zu lassen.
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Die Führerin der Allianz, die ehemalige Senatorin von Chandrila, Mon Mothma, hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, ihren Tagesrhythmus nach der Coruscanter Palastzeit auszurichten – egal, wo die Rebellenbasis sich gerade befand. Das hatte den Vorteil, dass sie unter Umständen die Schlagzeilen der Morgenmagazine vor ihren Untergebenen bekam… und entsprechend handeln konnte.
Heute morgen jedenfalls verschluckte sie sich kräftig an ihrem Kaf und las hustend und mit tränenden Augen die Meldung ungläubig ein zweites Mal, bevor sie ihre Tasse stehenließ und zu General Crix Madine hinübereilte, der, ebenfalls schon wach, an seinem Schreibtisch ein Zimmer weiter saß. Sie waren ein Liebespaar, was aber nur wenigen Rebellen bekannt war. Madine, ein ehemaliger Imperiumsoffizier, war vor einiger Zeit zu den Rebellen gestoßen und hatte wertvolles Wissen mitgebracht, was ihn innerhalb der Allianzhierarchie schnell aufsteigen ließ – jedoch war er nicht allzu beliebt bei den Leuten, da er sich, wie Mothma, ein wenig zu sehr abgesetzt hatte und hoch und nahezu unerreichbar über allem schwebte.
„Sperr das Holonet!"
Madine sah die sichtlich erregte Rebellenchefin erstaunt an, drehte sich jedoch ohne weitere Fragen zu seinem Terminal und nahm die notwendigen Handgriffe vor. „Schon wieder? Was hast du diesmal Gefährliches entdeckt?"
„Gefährlich? Im Gegenteil! Nützlich!" Sie zeigte das Lächeln einer Schlange vor dem Beutetier. „Hier, schau dir das an!" Sie reichte ihm ein Datapad, auf dem einige Schlagzeilen zu lesen waren.
„'Glamouröser Auftakt in die Ballsaison' – Mon, ich bin wirklich nicht an einer Liste der High Society und der Beschreibung ihrer Abendroben interessiert…"
„Nicht das! Darunter!"
Madine las weiter und suchte die Meldung, die sie offensichtlich meinte. „'Skandal um den dunklen Lord – Imperator lässt Milde walten' – das?"
„Lies!" drängte sie.
Er klickte den Artikel an und überflog ihn. „WAS? – Nein!"
Sie grinste. „Doch."
„Vader – VADER! – hat einen Sohn?"
„Ganz offensichtlich."
„Aber wie, beim Chaos… ich meine, der Kerl ist doch ein Cyborg! Wie kann er da ein Kind zeugen?"
„Das dachte ich auch - zunächst. Aber überleg doch mal – wann ist er das erste Mal aufgetaucht?"
Madine überlegte. „Mit der Gründung des Imperiums."
„Genau. Wo war er davor?"
Er zuckte die Schultern. „Darauf gibt es keine Antwort. Das fragt sich die halbe Galaxis seit über zwanzig Jahren."
„Genau. Und wer verschwand mit der Gründung des Imperiums?" fragte sie geduldig weiter.
Der General runzelte die Stirn. „Die Jedi?"
„Richtig."
„Moment. Du denkst, dass Vader ein Jedi - ?"
„Ich denke nicht nur, ich bin mir sogar ziemlich sicher. Wer war Protegé Palpatines, bevor er Kaiser wurde?"
Er stöhnte. „Mon! Es ist früh am Morgen, und ich war kein Diplomat, sondern Offizier!" Knurrend grübelte er nach. „Warte… da war so ein junger Bursche, ein Jedi-Lehrling, der irgendwie immer wieder mit ihm zusammen gesehen wurde… wie hieß der doch gleich? Starkiller?"
„Besser." schmunzelte sie. „Anakin… Skywalker."
„Skywalker?" echote er ungläubig. „Etwa wie in… LUKE Skywalker?"
Sie nickte langsam und lächelnd.
„Du meinst – Commander Skywalker ist… VADERS SOHN?"
„Du hast es erfasst, mein Schatz."
„Und was werden wir nun tun?"
Ein weiteres Schlangenlächeln. „Da habe ich schon eine Idee."
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In einer Cafeteria des Stützpunkts saß zur selben Zeit Luke und stöberte ebenfalls im Holonet. Er hatte kein Auge zugetan und gegen Morgen beschlossen, aufzustehen und sich im Netz umzutun, ob er etwas über seinen Vater finden würde.
Und auch er stieß auf den besagten Artikel, der sowohl die Tatsache bekanntgab, daß Vader einen Sohn hatte, als auch, daß er vor dem Kaiser geheimgehalten habe, daß dieser bereits in seiner Gewalt war. Er las ihn, immer wütender werdend, und verfolgte mit einem harten Knoten des Zornes im Bauch die Endlosschleife des Filmschnipsels, der in den Artikel eingebettet war: Vader, der unter den Blitzen des Kaisers vor Schmerzen zuckte und schließlich leblos zur Seite sank.
Darunter stand als Abschluß des Artikels: „In seiner gnadenvollen Güte hat seine Majestät, der glorreiche Imperator Palpatine, die Maßregelung seiner rechten Hand, Lord Darth Vader, in dem Augenblick beendet, als dieser ohnmächtig wurde. Über den Zustand seiner Lordschaft, der von seinen Offizieren umgehend an Bord der EXECUTOR gebracht wurde, ist nichts bekannt. Gerüchte über sein Ableben wurden vom Palast jedoch umgehend dementiert. Wir wünschen Lord Vader im Namen der Redaktion und unserer Leser baldige Genesung."
Maßregelung? Gnade??? Luke starrte ungläubig und wütend auf den Schirm – als dieser plötzlich dunkel wurde und kurz darauf die Startseite des internen Allianznetzes erschien. „He! Was ist denn jetzt los?" rief er erbost. Er versuchte, die externe Seite neu zu laden, bekam aber keine Verbindung.
„Ist das Netz mal wieder weg?" Ein ihm unbekannter Pilot seines Alters schlenderte müde zu ihm herüber, nippte an einer dampfenden Tasse Kaf und starrte auf den Schirm, auf dem sich nur das Logo der Allianz drehte, zwischen einigen Hotlinks für interne Seiten. „Passiert hier laufend. Keine Ahnung… vermutlich brauchen sie die Ressourcen für irgendwas anderes. Angeblich zieht das Netz einen Haufen Energie."
„Das ist doch Banthamist!" fluchte Luke, wobei nicht ganz klar wurde, ob er die Tatsache an sich meinte oder die Richtigkeit der Behauptung in Frage stellte – die der Pilot natürlich nur weitergab.
Der Pilot zuckte die Schultern. „Gewöhn dich dran." Er streckte ihm die Hand entgegen. „Ich bin Jin Ralter."
„Luke Skywalker." Der Commander ergriff die Hand und schüttelte sie. „Ralter? Ich kannte einen Dak Ralter… er war mein Bordschütze in der Schlacht von Hoth."
„Mein Cousin." Jin zog eine leichte Grimasse. „Meine Eltern wollten, daß ich die Allianz verlasse und einen sicheren Platz suche, nachdem Dak gefallen war. Sie konnten nicht verstehen, daß ich gerade darum bleiben wollte."
Luke runzelte fragend die Stirn. „Einen sicheren Platz?"
Jin grinste flüchtig. „Daks Eltern – und meine – waren nach Kalist VI deportiert worden. Dak und ich wurden dort geboren. Ein Lager – und mag man noch so lange dort leben – kann nie als Zuhause gelten, oder als „sicherer Platz". Unsere Eltern waren politische Gefangene des Imperiums."
Luke wußte nicht recht, was er sagen sollte. „Oh. Das tut mir leid."
Jin zuckte die Schultern. „Sie leben, immerhin. Was machen deine Eltern?"
„Ich habe nur noch meinen Vater…" Luke zögerte. „Und er kämpft seinen eigenen Kampf." Nun, das war wohl nicht gelogen, nicht wahr?
„Irgendwie tun wir das alle…", meinte Jin. „Bleibt einem ja nichts anderes übrig, wenn man gegen Typen wie den Imp und Vader bestehen will. Wie?"
Luke blieb eine Antwort erspart, als ein sehr junger Rebell neben sie trat und ihn schüchtern ansprach. „Commander Skywalker, Sir? Mon Mothma würde Sie gerne sprechen."
Luke seufzte lautlos. „Ich komme."
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„Nun, Commander, Ihr Bericht. Bitte."
Luke stand nicht nur vor Mon Mothma, sondern auch vor Crix Madine, Carlist Rieekan, Jan Dodonna und Ackbar. Ein wenig abseits saß Leia, die ihn ein wenig sonderbar ansah – nachdenklich, irgendwie. Hatte er nicht ordentlich gearbeitet? Erinnerte sie sich etwa? Er warf ihr kurz einen fragenden Blick zu, aber sie lächelte nur. Innerlich atmete er auf.
„Da gibt es nicht viel zu berichten, Ma'am." Er zwang sich zur Ruhe und legte sich vor seinem geistigen Auge das zurecht, was er sagen wollte, wie ein Sabaccspieler, der sein Blatt sortiert.
„Darth Vader hat Sie gerettet – unser größter Feind. Ist das nicht einen Bericht wert?" fragte Mothma ein wenig schärfer.
„Verzeihung, Ma'am. Ich nahm an, der Kaiser sei unser größter Feind. Und ihm bin ich in der ganzen Zeit nicht begegnet." sagte er artig und bemühte sich, in seine blauen Augen so viel Naivität hineinzulegen, wie sie der Bauernjunge von Tatooine gehabt hatte.
Die ehemalige Senatorin verengte die Augen, während Rieekan ein Schmunzeln hinter einer Hand verbarg und Leia ihn mit gerunzelter Stirn ansah. „Na schön. Warum hat Vader Sie gerettet? Nach Prinzessin Leias Berichten ist er dabei ein nicht unwesentliches Risiko eingegangen."
„Vader ist, wie ich, machtsensitiv. Meine Fähigkeiten waren aber bis vor kurzem ungeschult. Erst Obi-Wan Kenobi hat mir einige Kniffe gezeigt. Als ich begann, die Macht zu nutzen, hat Vader mich wohl gespürt." Na… kommt schon. Fragt ihr mich, wo ich nach Hoth gewesen bin, oder nicht?
„Wie das?"
Schön. Ich hoffe, ihr vergeßt es auch weiterhin. „Man könnte es mit einem großen Raum vergleichen, Ma'am. Für Nichtsensitive ist er dämmrig bis stockfinster. Wer jedoch machtbegabt ist, kann andere unserer Art in diesem Raum sehen, als ob sie eine Laterne trügen." Und wer entsprechend geschult ist, besitzt eine Blendlaterne und bleibt im Dunkeln, wenn er es will…
„Ich verstehe. Er hat also sozusagen gesehen, wie eine neue Laterne entzündet wurde – Sie – und ist diesem Licht nachgegangen. Warum? Gilt Order 66 denn nicht mehr?"
Ah – sehr schön. Wie es scheint, hältst du mich wirklich für so naiv, wie ich erscheinen will, was, Mon? „Order 66, Ma'am?" fragte er höflich. „Was ist das?"
Vollblutdiplomatin, die sie war, zuckte sie mit keinem Muskel. „Ein Befehl, der am ersten Imperiumstag vom Kaiser ausgegeben wurde und besagte, daß alle Jedi umgehend zu töten seien."
„Alle Jedi, Ma'am? Wie konnte Ben dann überleben? Und Vader?" Langsam begann es ihm beinahe Spaß zu machen.
„Vader?" hakte sie sofort und scharf nach, in der Hoffnung, ihn bei einem Fehler ertappt zu haben.
Die großen blauen Augen sahen sie unschuldig an. „Ben Kenobi hat mir das erzählt, Ma'am. ‚Ein junger Jedi namens Darth Vader, der mein Schüler war, bis er dem Bösen verfiel…'" zitierte er.
„Soweit wir wissen, war Vader maßgeblich daran beteiligt, die Jedi zu jagen und zu vernichten." erklärte sie kalt und knurrte innerlich. „Obi-Wan Kenobi und Meister Yoda entkamen der Säuberung durch glückliche Umstände."
Autsch. Treibsand voraus. „Ich war Zeuge, wie Vader Ben Kenobi tötete, Ma'am." sagte er und lenkte das Gespräch vorsichtig in eine etwas andere Richtung. „Ich hatte allerdings den Eindruck, es sei eher etwas Persönliches als der Vollzug einer Order."
„Wissen Sie etwas darüber?" hakte sie sofort nach. „Hat Vader Ihnen etwas darüber erzählt?"
„Worüber, Ma'am?" fragte er unschuldig.
„Über die Ursachen seines Streites mit Kenobi. Über das ‚davor'."
„Davor? Vor was, bitte?"
„Bevor er Vader wurde."
Er bemühte sich um große, ungläubige Augen. „Er war nicht immer Vader, Ma'am?" Gleichzeitig versuchte er vorsichtig, sie zu sondieren, aber die langen Jahre der Diplomatie hatten dafür gesorgt, daß sie – obwohl machtblind – recht dichte Schilde hatte. Sein Vater wäre vermutlich problemlos durchgekommen, aber er stieß auf eine Barriere, die zu durchdringen mehr Konzentration erfordert hätte, als er momentan aufbringen konnte.
„Nein." erwiderte sie knapp. Ob sie ihm glaubte, daß er nichts wußte, oder aus anderen Gründen nicht nachhakte, blieb ihm allerdings ebenfalls verschlossen. „Nun schön. Er wollte Sie also offensichtlich nicht töten. Was wollte er dann?"
Luke zuckte die Schultern. „Mich für imperiale Zwecke nutzen? Wenn ich das richtig verstanden habe, ist der Kaiser höchst interessiert daran, mich zu bekommen und auf die dunkle Seite zu ziehen."
„Warum?"
„Ich nehme an, weil ich einer der letzten bin, wie Sie sagten, Ma'am. Wenn es nicht mehr viele von uns gibt, sind die wenigen vermutlich sehr begehrt von beiden Seiten."
„Beide Seiten?" Wieder schlug sie mentale Krallen in eine scheinbar verwundbare Stelle. Und wieder blinzelte er verwirrt.
„Nun, Sie erwähnten doch eben einen Meister Yoda, der, wie Ben, überlebte…?"
„Richtig." Nun sah sie aus, als würde sie gleich die Geduld verlieren. „Also. Es scheint ihm ja offensichtlich nicht gelungen zu sein, Sie zu konvertieren. Sonst wären Sie nicht hier. Oder?"
„Nein." sagte er ruhig und fest. „Ich werde nicht auf die dunkle Seite übertreten. Eher sterbe ich."
Sie nahm das hin und richtete den Blick auf Lukes Lichtschwert. „Er hat Ihnen sogar Ihre Waffe gelassen? Weshalb?"
Luke hob die rechte Hand. „Er hat mir recht eindrucksvoll demonstriert, daß ich ihm mit oder ohne Waffe nicht gefährlich werden kann, Ma'am. Egal, ob Blaster oder Lichtschwert."
Sie hob fragend die Augenbraue. „Wie meinen Sie das?"
Er bewegte die Finger, was ein leises Klicken und Surren der Servomotoren in der Hand erzeugte. „Er hat mir die rechte Hand abgeschlagen auf Bespin, Ma'am. Diese hier ist künstlich."
Diese Offenbarung erzeugte ein Murmeln unter den Offizieren, die bislang nur ruhig zugehört hatten. Nur Leia schlug sich entsetzt die Hand vor den Mund.
„Aber man hat Sie offensichtlich medizinisch hervorragend versorgt."
„Ein Schüler mit nur einer Hand nutzt einem nicht viel. Ich bekam die Hand gleich nach Bespin, an Bord der EXECUTOR."
„Können Sie uns Details des Flaggschiffs liefern?"
Er starrte sie ungläubig an. „Ma'am, ich war nicht in der Lage, mir dort alles genau anzusehen. Was ich gesehen habe, war überaus beeindruckend – aber soviel kann man auch schon von außen erkennen. Die EXECUTOR ist das beste Schiff des Imperiums. Wir haben nichts Vergleichbares, würde ich sagen."
„Die HOME ONE." warf Ackbar ein wenig vergrätzt ein.
Luke prustete unterdrückt. „Verzeihung, Admiral. Aber das meinen Sie nicht ernst, oder? Ein normaler MC80-Calamari-Kreuzer paßt von der Länge her ungefähr zwölfmal in diesen Supersternzerstörer, ein modifizierter immerhin noch viermal. Über die Kopfzahl der Crew brauchen wir jetzt gar nicht zu reden – und erst recht nicht über die Bewaffnung. Nein, tut mir leid. Ich verstehe nicht viel von Großschiffen, aber die halbe Flotte der Allianz würde vermutlich nicht ausreichen, sich gegen dieses Schiff zu stellen."
„Wie sind Sie also entkommen?"
Er zuckte wieder die Schultern. „Wie sind wir damals vom Todesstern entkommen? Mit viel Glück – und unter Anwendung der Macht in gewissen Momenten. Wie gesagt, Kenobi hat mir ein oder zwei nützliche Tricks gezeigt."
„Ich hoffe doch, Sie planen nicht, diese ‚Tricks' gegen uns einzusetzen, Commander." warf Madine ein. Es sollte wohl scherzhaft klingen, aber er war nicht der Typ, der oft Scherze machte – und ebenso steif wirkte es auch.
„Warum sollte ich, General?" Er lächelte, was von Madine jedoch nicht erwidert wurde.
„Na schön." Mothma sah ein, daß sie hier nicht weiterkam. Wenn der Junge wirklich Vaders Sohn war, hatte er vermutlich von IHM bessere Tricks gelernt, und sie würde nichts erfahren, das er nicht preisgeben wollte – aus welchem Grund auch immer er jetzt hier war. Irrte sie sich jedoch, lag die Vermutung nahe, daß er einfach ein naives Glückskind war. „Wie soll es jetzt weitergehen, Commander?"
Er zuckte wieder einmal die Schultern. „Ich glaube, die Leute hier müssen sich erst einmal wieder daran gewöhnen, daß ich zurück bin, und begreifen, daß ich niemanden verraten habe."
„Haben Sie nicht, nein?" echote Madine bissig. Mothma legte ihm begütigend die Hand auf den Arm.
„Hätte ich das, könnten Sie die Schönheit der EXECUTOR jetzt vermutlich mit eigenen Augen bewundern, General. Sie ist nicht hier, oder? Und auch sonst keine imperialen Schiffe. Mein Jäger wurde vom Schiffscomputer gecheckt – und von Ihren Leuten vermutlich auch. Da ich noch nicht in einer Zelle sitze, gehe ich davon aus, daß Sie ebenfalls nichts gefunden haben." Er zog kurz die Brauen hoch und fuhr dann fort: „Ich würde dennoch vorschlagen, mich zunächst auf eine Außenmission zu schicken, bis sich alle wieder mit meiner Anwesenheit arrangiert haben – um böses Blut zu vermeiden."
Mothma sah ihn einen Moment mit einem undeutbaren Ausdruck an. „Wir werden darüber beratschlagen. Bitte warten Sie draußen, Commander."
Er neigte den Kopf und verließ dann den Raum.
Na also. Lief doch wunderbar…
