Kapitel 52

Leia wandte sich Luke zu, stand lächelnd auf und nahm Vaders Platz am Tank ein. Auch sie legte nun die Hand auf das Stahlglas, das sie voneinander trennte, und freute sich, als Luke die seine von innen dagegenhielt.

Ich bin so froh, daß es dir einigermaßen gutgeht., sagte sie versuchsweise in Gedanken. Sie hatte keine Ahnung, ob er sie hören konnte oder nicht – immerhin hatte sie eben nur Bruchstücke der Unterhaltung zwischen den beiden aufgeschnappt, und niemand war wohl überraschter darüber gewesen als sie selbst. Es war einfach so passiert… sie hatte Vater und Sohn beobachtet und war sich plötzlich sicher gewesen, daß sie miteinander sprachen. Ein Gefühl der Ausgeschlossenheit machte sich breit, Neugier und Trotz stiegen in ihr auf, und ein kindisches ‚ich will wissen, worüber sie reden!' drängte sich an die Oberfläche. Und plötzlich waren da Worte in ihr. Die Überraschung, sie zu hören, brach ihre Konzentration oder besser: ihre unbewußte Handlung, und sie zwang sich selbst wieder zur Ruhe. Luke klang wie immer, aber Vaders Stimme war viel weicher und wärmer als sonst.

Würde Luke sie hören? Wenn ich gewußt hätte, was passieren würde… ich hätte dich in eine Zelle gesteckt. Höchsteigenhändig.

Die Atemmaske verbarg sein Lächeln. Du denkst, du hättest das geschafft?

Triumph und Stolz, vermengt mit unbändiger Freude, ließen ihre Augen strahlen und sie lächeln. Er hörte sie! Sie hörte ihn!

Ich? Nein. Aber Chewie. Er hat uns beide doch quasi adoptiert.

Lukes Gedankenstimme lachte. Er nennt uns nicht umsonst ‚Welpen', wenn er denkt, wir hören es nicht. Ich vermisse ihn. Wie geht es ihm?

Leia grinste. Ich hoffe, das kannst du ihn später selbst fragen.

Ihr Bruder runzelte die Stirn. Wie meinst du das? Und überhaupt, was bei Kenobis Bart machst du eigentlich hier? Ich dachte immer, du haßt Vader bis aufs Blut!

Leia blinzelte kurz, lächelte ein wenig unsicher und ging darüber hinweg, indem sie sich ihren Stuhl heranzog und sich setzte.

Tja… das ist eine komische Sache mit Vader. Ich habe ihn gehaßt, ja. Ich habe ihm auch nicht vertraut.

Und warum bist du dann hier?

Er hat mich überrumpelt., gab sie zu. Er hat irgendwen in die Basis geschickt mit einem Geschenk, um mir zu beweisen, daß er wußte, wo wir sind. Ich weiß immer noch nicht, woher.

Ein Geschenk?, sagte Luke verwirrt.

Eine Blume. Eine alderaanische Blume, in einem Topf. Ich hätte nie gedacht, daß Vader so… zartfühlend sein kann. Wer hätte je gedacht, daß er mir Blumen schickt? Noch dazu welche, die es nicht mehr gibt. Er sagte, sein Gärtner stamme von Alderaan und würde sie züchten. Darth Vader hält sich einen Gärtner? Was für ein skurriler Gedanke.

Luke grinste. Wenn ich hier raus bin, werde ich dir das Gärtchen zeigen, das er betreut. Es wird dir gefallen.

Es gibt hier einen Garten? fragte sie erstaunt.

Die mentale Stimme lachte schallend. Man könnte es so nennen… wenn man sehr untertreibt. Ich werde ihn dir zeigen. Er hat bestimmt nichts dagegen. Wie ging es weiter?

Leia rieb sich nachdenklich die Stirn. Ein Garten an Bord des Flaggschiffes. Was kam als Nächstes?

Er sagte mir, daß du in Gefahr seist. Er wollte wissen, wo du bist, und versuchte, in meinen Geist einzudringen. Ich blockte ihn ab und weigerte mich. Dann befahl er mir, nach Tatooine zu kommen.

Tatooine?, echote Luke, erstaunt über die Vokabel ‚abblocken'. Wie hatte sie das geschafft? Und warum ausgerechnet Tatooine? Wie auch seinen Vater verband ihn Haßliebe mit diesem Planeten. Und warum bist du hingeflogen?

Weil ich mir Sorgen um dich machte. Ich hatte das unbestimmte Gefühl, daß du in Schwierigkeiten steckst. Und er schien zu wissen, daß es so war. Ich verriet niemandem, wo ich hinwollte, oder warum, als ich flog. Ich nahm Chewie, Lando und 3PO und flog los. Ich sollte mich in Mos Eisley mit jemandem treffen. In einer Bar.

In einer Bar? In Mos Eisley? Ich glaube, ich muß ein ernstes Wörtchen mit ihm reden, wenn ich hier raus bin. Das ist eine gefährliche Stadt!, sagte Luke aufgebracht.

Leia entschied, ihm nicht zu verraten, daß sie alleine in die Bar gegangen war. Nun… General Veers wartete dort auf mich, mit einer Art Leibwächter. Ich fühlte mich auf den Arm genommen und wollte wieder gehen, aber Veers sagte mir, er würde mich zu Vader bringen. Ich war einverstanden.

Luke riß die Augen auf. Hier stand eine der größten Imperiumsgegnerinnen der Jetztzeit und erklärte freimütig, dem Wort eines imperialen Generals soweit geglaubt zu haben, um ihn auf eine Reise sonstwohin zu begleiten?

General Veers ist ein überaus ehrenhafter und sehr freundlicher Mann., sagte er vorsichtig. Ich kenne ihn mittlerweile gut genug, um ihm mein Leben anzuvertrauen. Aber du… du bist ihm doch zuvor nie begegnet. Warum hast du ihm geglaubt?

Leia zuckte wieder mit den Schultern. Ich weiß nicht. Ein Gefühl… ich wußte, daß er ehrlich war.

Luke hörte langsam kleine Glöckchen klingeln. Abblocken seines Vaters. Gefühle. Mehr Gefühle. Er mußte unbedingt seinen Vater danach fragen… der sich ohnehin ebenfalls sonderbar verhielt, was Leia anging. Später. Aber sobald wie möglich, entschied er.

Und dann?

Beide Männer boten an, nein, schlugen dringend vor, noch jemanden mitzunehmen. Der Leibwächter bestand sogar auf Chewie, was mich wunderte. Wir würden die Jundland-Wüste streifen, und es sei klüger -

Die Jundland-Wüste? Das wird ja immer besser!, unterbrach Luke erbost.

Es ist nichts passiert., beruhigte Leia. Wir hatten Waffen dabei. Veers bot mir sogar an, zu fahren, und Chewie saß hintendrin. Wirklich eigenartig… Nun, wir fuhren zu einer Farm bei Anchorhead, wo wir auf Vader trafen.

Anchorhead…, flüsterte Luke ahnungsvoll. Leia nickte.

Vader kniete vor einigen Gräbern, als ich kam. Von einem der Steine war der Sand abgewischt worden. Als er meine Neugier bemerkte, sagte er mir, sie sei deine Großmutter gewesen.

Shmi.

Ja. Leia nickte. Vader war allein gekommen. Keine Wachen, keine Piloten, nichts. Und er zeigte sich mir ganz offen in diesem Gespräch. Ich fand sogar heraus, daß sie…, sie zögerte, daß sie seine Mutter war.

Luke schloß kurz die Augen. Du weißt es also.

Ja., bestätigte sie.

Und? Haßt du mich nun?

Idiot., schalt sie. Wäre ich sonst wohl hier? Warum sollte ich dich hassen? Selbst wenn sich mein Gefühl ihm gegenüber nicht geändert hätte – was es hat, und das ist das erste- und einzige Mal, daß ich das zugeben werde! Und auch nur in Gedanken – könntest du schließlich nichts dafür. Niemand kann sich seine Eltern aussuchen.

Er hat meine Mutter wirklich geliebt, Leia., sagte Luke sanft. Ich weiß es. Und er leidet immer noch sehr unter ihrem Verlust. Aber erzähle weiter.

Sie lächelte ein wenig. Er köderte mich erneut.

Wie das?

Er ging einen Handel mit mir ein. Deinen Aufenthaltsort gegen Han.

Luke zappelte kurz vor Aufregung, was einen 2-1B auf den Plan rief, der ihn freundlich ermahnte, sich nicht aufzuregen, und sich dann wieder zurückzog.

Han? Er wußte, wo Han war?

Sie lachte trocken. Besser. Wenn ich das richtig verstanden habe, hatte er das von vorneherein gesteuert. Boba Fett hatte wohl Anweisung, ihn bei Jabba abzuliefern, aber darauf zu achten, daß er im Karbonit blieb. Wie es aussieht, hatte Vader nie vor, ihn für länger dort zu halten. Fetts Belohnung bestand in der doppelten Bezahlung.

Und? Luke mußte sich gewaltsam daran hindern, wieder das Zappeln anzufangen.

Wir flogen zu Jabbas Palast. Mit Vaders Shuttle. Alle vier. Dort stießen seine Leute zu uns – er hatte eindeutig alles geplant und gut vorbereitet. Sie stürmten den Palast.

Das hätte ich gern gesehen! Lukes Augen glänzten. Jabba ist für so viele Verbrechen verantwortlich… nicht nur auf Tatooine, im ganzen Outer Rim.

Du solltest besser sagen: er war., korrigierte sie. Er lebt nicht mehr.

Gut. Lukes mentale Stimme war überraschend kühl.

Der ganze Palast wurde gesprengt, soweit ich hörte. Chewie holte Han aus dem Karbonit und brachte ihn heraus. Jabba versuchte, Vader in eine Rancorgrube zu befördern. Kein sehr guter Plan… aber so etwas habe ich noch nie gesehen. Er… schwebte.

In Luke machte sich Sohnesstolz breit. Auch das hätte ich gern gesehen…

Leia erwog kurz, ihm zu erzählen, daß sie angeschossen worden war, aber sie hielt es für klüger, ihm das zu verschweigen.

Danach flogen wir zur EXECUTOR. An Bord verabreichte Vader Han Augentropfen gegen die Karbonitblindheit, dann bot er Chewie an, die Yacht zu benutzen, die Veers auf Tattooine geflogen hatte, um zum Falken zurückzukommen. Er nahm an, ich blieb an Bord, um mit nach Desevro zu fliegen. Chewie und die anderen wollten mit dem Falken nachkommen.

Die sich öffnende Tür unterbrach die Unterhaltung. Arik – heute in einer weißen Stahlplastikuniform, den Helm jedoch noch in der Hand - trat ein, nickte Leia freundlich zu und kam zum Tank, um Luke zuzulächeln. Offensichtlich wurde er von Vader gewarnt, daß Leia ihn würde hören können, wenn er ihn in Gedanken ansprach, denn er beschränkte sich auf diesen schlichten Gruß, bevor er sich wieder der Prinzessin zuwandte.

„Lord Vader schickt mich, Euch zu holen.", sagte er. „Er meinte, eine halbe Stunde sei mehr als genug für den Moment, und ihr würdet Euch sicher später noch komfortabler unterhalten können, aber er wird jetzt mit den Befragungen anfangen. Ihr hättet die Wahl – hierzubleiben und darauf zu verzichten, oder mich zu begleiten."

Leia erschrak ein wenig. „Eine halbe Stunde? Ist es wirklich schon so lange?"

Arik grinste. „Allerdings. Und seine Geduld neigt sich wirklich dem Ende zu."

„Es ist schon doppelt so lang, wie er uns zugestanden hat…", meinte sie schuldbewußt. „Ich komme. Bis später, Luke."

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Vader strich unruhig wie ein gefangenes Raubtier im Vorraum des Zellentraktes auf und ab. Er bedauerte es bereits, so nachsichtig mit seinen Kindern gewesen zu sein, denn jede verstreichende Minute machte ihn gereizter. Als Leia mit Arik eintraf, mußte er sich sehr zurückhalten, um sie nicht anzuknurren. Daß sie schuldbewußt aussah, linderte seinen Zorn etwas.

„Fangen wir an.", sagte er beherrscht. Er unterließ es absichtlich, eine Strategie mit ihr abzusprechen – er war neugierig, wie sie sich verhalten würde.

Sie nickte nur, was ihn erstaunte. Er gab Arik ein Zeichen; dieser nickte, setzte den Helm auf und brachte seine Waffe in Position, bevor er die paar Meter zur ersten Tür ging, sie öffnete und zackig beiseite trat, in Hab-Acht-Stellung. Vader rauschte in einer skurrilen Mischung aus majestätisch und drohend an ihm vorbei und blieb in der Zelle stehen. Der abrupte Halt brachte das Cape, das sich eben noch dramatisch hinter ihm gebauscht hatte, sanft zur Ruhe und ließ es weich um seine langen Beine fallen.

Leia, die zum ersten Mal sozusagen hinter den Kulissen stand und nicht derjenige in der Zelle war, konnte nicht anders, sie mußte grinsen. So machte er es also, der Bastard. Nichts weiter als ein sorgfältig inszeniertes Theater! Und keine Frage – der arme Tropf in der Zelle würde sich innerhalb von Sekundenbruchteilen in ein zitterndes Bündel verwandeln, wenn er sich mit der kalten Erhabenheit des dunklen Lords konfrontiert sah. Das wiederum war nicht gespielt – die Macht, die er spürbar ausstrahlte, umgab ihn wie ein magnetisches Feld. Während seine Feinde davor zurückschreckten, davon abgestoßen wurden, zog es seine Vertrauten regelrecht an, hüllte sie ein und gab ihnen Kraft… Veers, Corva, Cass. Und nun auch Luke, wie es schien. Und – so sehr sie sich auch dagegen wehrte – auch sie selbst fühlte bereits einen Sog. Auch sie begann bereits, seiner Macht zu erliegen – sah sie doch in ihrem einstmals größten Feind einen Verbündeten, einen… Freund? Jedenfalls war er nicht mehr das Monster, das sie zuvor in ihm gesehen hatte. Er war menschlicher geworden, doch nicht weniger machtvoll, im Gegenteil. Es war leichter, eine tumbe Tötungsmaschine zu hassen, die nur diesen einen Zweck erfüllte, stur wie ein Panzer alles niederwalzend, was im Weg stand. Es war viel schwerer, jemanden zu hassen, der Gründe für seine Handlungen zu haben schien. Der nicht nur bloßer Befehlsempfänger war, sondern eigene Ziele verfolgte. Der vielleicht sogar, auf gewisse Weise, im Recht war.

Verflucht, was war los mit ihr? Leia schüttelte sich kurz und heftig, um klar zu werden, setzte ihre beste arrogante Prinzessinnenmiene auf und folgte Vader in die Zelle.

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Die wenigen Sekunden, die Vader an Vorsprung gehabt hatte, hatten ausgereicht, um dem Insassen alle Hoffnung zu nehmen – wie sie geahnt hatte. Ein kleines Häuflein Mensch hockte auf der ungepolsterten Pritsche der Zelle und starrte blaß und panisch zu der schwarzen Statue auf, die sich vor ihm aufgebaut hatte.

Vader regte sich nicht einmal, als Leia nun nach ihm die Zelle betrat, aber dem Gefangenen schien es neue Hoffnung zu geben – für einen Moment, bevor die Verwirrung ihn übermannte. Die Prinzessin war als eine der Führerinnen der Allianz bekannt und ein erklärter Gegner des Imperiums. Was also tat sie hier? Und eine Gefangene war sie ganz offensichtlich nicht, sie bewegte sich frei, ohne Fesseln und ohne eine Wache.

„Name?"

Selbst Leia zuckte kurz zusammen, als der tiefe Baß unvermutet in die Stille schnitt. Der Mann vor ihnen bebte, als sei er geschlagen worden… aber er schwieg. Ganz offensichtlich war er geschult worden, was im Falle einer Gefangennahme zu tun sei – aber ob in dieser Schulung als schlimmster anzunehmender Fall auch Darth Vader vorgekommen war?

Die regelmäßigen Atemzüge des maschinengleichen Hünen waren das einzige Geräusch für einige Sekunden, bis Vader wieder sprach.

„Schweigen ist tapfer… aber dumm. Es gibt Wege, zu erfahren, was ich wissen will."

Ein leises Wimmern ertönte vor ihnen, aber die einzige Antwort war ein Kopfschütteln.

Vader hob leicht die Hand, eine Geste, die von dem Sturmtruppensoldaten vor der Tür wiederholt wurde. Kurze Zeit später gesellte sich zu Vaders Atem eine weitere Geräuschkomponente hinzu, die Leia gut kannte: das charakteristische Summen eines imperialen Verhördroiden, der in die Zelle schwebte. Sie rang um Fassung und bemühte sich, ruhig zu bleiben. Ihre eigenen ‚Befragungen' an Bord des Todessterns gehörten zu ihren schlimmsten Erinnerungen. Was hatte Vader vor?

„Nein…!" Der Gefangene versuchte, auf der Pritsche nach hinten auszuweichen, was natürlich sinnlos war. „Bitte! Nein! Prinzessin… laßt nicht zu, daß er… keine Folter! Bitte!"

Leias Blick zuckte zwischen dem Gefangenen und Vader hin und her, doch noch schwieg sie.

„Name?", wiederholte der dunkle Lord beinahe gelangweilt.

„Jessa Linis.", flüsterte der Mann angstvoll.

„Ihre Aufgabe in dieser Gruppe?"

„Nachschuboffizier."

„Gehörte die Gruppe zur Rebellion?"

Der Blick des Mannes flackerte zu Leia hinüber, er leckte sich nervös über die Lippen. „Ich… weiß nicht. Ich glaube nicht."

„Sie wissen es nicht?" grollte Vader. Wieder zuckte der Mann wie unter einem Schlag.

Leia runzelte die Stirn. Bei der Wirkung, die er hatte, brauchte Vader keinen Folterdroiden.

„Prinzessin?" Der schwarze Stahlschädel wandte sich ihr zu.

„Ich habe noch nie von dieser Gruppierung gehört.", antwortete sie wahrheitsgemäß.

Vader nickte knapp. Der Moment der Ablenkung schien in dem Gefangenen eine Veränderung zu bewirken.

„Seid Ihr übergelaufen, Prinzessin?" fragte er und schien selbst erstaunt über seinen Mut.

Vader schien amüsiert, doch er schwieg und wartete Leias Antwort ab.

„Nein!" sagte sie scharf. „Aber ihr habt einen Offizier der Allianz gefangengehalten und gefoltert – und deshalb bin ich ebenfalls daran interessiert, dies aufzuklären!"

„Wir… hatten Anweisung…", begann der Mann defensiv.

„Von wem?" schnappte sie und bewegte sich unwillkürlich einen Schritt nach vorn.

„Kenne ihn nicht.", kam es leise mit gesenktem Kopf. „Nur einmal gesehen."

Vor seinem geistigen Auge entstand unwillkürlich das Bild des Mannes – derselbe, den Vader in den Köpfen der anderen drei Männer gesehen hatte.

„Wer hat ihn geschickt, verdammt?" Noch ein Schritt, die Hände in die Hüften gestemmt. „Und wer hat verlangt, Luke derart zu foltern?"

„Weiß nicht."

„Ihr verwandelt sein Gesicht in eine blutige Masse und wißt nicht, wieso?" fauchte sie. Vader sah es mit Erstaunen.

Der Mann schüttelte verzweifelt den Kopf. „Hab den Boten nur einmal gesehen. Beim ersten Mal. Bot einen Haufen Geld dafür, Skywalker festzuhalten. Bot noch mehr, wenn wir rausbekämen, was er über Va-", er unterbrach sich und sah nervös zu der dunklen Gestalt auf. „Was er über Lord Vader weiß. Und die EXECUTOR. Kam dann nochmal und blieb, bis Skywalker eintraf. Wußte offensichtlich, wann ungefähr. Hat die erste Befragung selbst vorgenommen. Ging dann wieder."

Vader sondierte ihn ungeniert, während er sprach. Der Mann war vollkommen machtblind und fühlte nicht, daß mentale Finger sein Gedächtnis durchblätterten. Dummerweise sagte er die Wahrheit. Und, was noch wichtiger war, er distanzierte sich innerlich von der Folter.

Leia schloß derweilen die Augen, knurrte und stapfte wütend wieder zurück auf ihre alte Position, Vader das Feld überlassend. Ah. Weiter würde sie nicht gehen? Interessant. Vielleicht, wenn er es anbot…?

„Fühlt Euch frei, den Droiden zu benutzen, Prinzessin.", bot er höflich an.

„Nein!" fauchte sie.

Nein also. Na schön.

„Dann sind wir hier fertig.", entschied Vader und verließ die Zelle. Die Augen des Gefangenen weiteten sich ungläubig, ein Schimmer Hoffnung spiegelte sich darin. Würde er am Leben bleiben? Oder war seine Hinrichtung nur aufgeschoben?

Leia folgte ihm, ebenso verwirrt, versuchte aber, sich dies nicht anmerken zu lassen. Als letzter schwebte der Verhördroide aus der Zelle.

„Danke.", sagte sie, als die Tür hinter ihnen wieder eingerastet war.

„Wofür?"

„Daß Ihr ihn habt leben lassen."

Vader zuckte die Schultern. „Er wußte nichts. Und er haßte die Folter. Er sprach sich dagegen aus, wurde aber nicht gehört. Deshalb ließ ich ihn leben."

Sie zog eine Augenbraue hoch. Im Umkehrschluß standen ihr wohl noch üble Momente bevor, sollten sie auf einen kleinen Sadisten stoßen…

„Na schön.", sagte sie nur. „Warum seid Ihr so sicher, daß er nichts wußte?"

„Ich habe ihn sondiert.", sagte Vader gelassen. „Der nächste?"