Kapitel 55
Max…
Vader stützte sich auf einen Ellbogen und blickte lächelnd auf den Mann, der schlafend neben ihm lag. Sein Geliebter. Nein, er war mehr als das. Sein Freund, sein Vertrauter, das fehlende Teil zu seiner Vollkommenheit und seinem Glück. Sein Lächeln wurde spöttisch, als er über sich selbst lachen mußte. Wie das klang… abgedroschen und kitschig, und doch… wie wahr.
Nach der Umarmung hatten sie sich geküßt, mit der Leidenschaft von viel jüngeren Männern und dem ganzen Hunger ihrer einsamen Jahre. Nur, um festzustellen, daß die Küsse ihren Tribut forderten und den Appetit nach mehr nicht nur angeregt, sondern in beinahe unstillbare Höhen getrieben hatten. Beide hatten ihre ganze Beherrschung gebraucht, um dem jeweils anderen die Kleider sorgsam auszuziehen und nicht vom Leib zu reißen, bevor sie sich unter der Dusche (dem Schöpfer sei Dank war sie groß genug) gegenseitig ausgiebig gewaschen hatten. Sie hatten es genossen, sich gegenseitig zu reizen, zu warten, doch dann war ihre Lust nicht mehr kontrollierbar gewesen. Max hatte ihn umgedreht und von hinten genommen, während seine Hand um ihn herumgriff, sein Glied massierte und ihn so innerhalb kürzester Zeit zum Orgasmus brachte. Um genau zu sein, waren sie nahezu gleichzeitig gekommen. Sie hatten sich abgetrocknet und waren auf das Bett umgezogen, hatten sich weiter geküßt – und Vader hatte sich revanchiert, hatte Max' Beine über seine Schultern gelegt und es genossen, die Lust in seinem Gesicht zu beobachten, während er ihn sanft und behutsam durch langsame, tiefe Stöße zum Höhepunkt brachte und dies durch ebenso sanftes Reiben seines Glieds unterstützte. Er wollte ihm Lust bereiten, stellte dabei seine eigene hintenan und hörte erst auf, als er ihn oral ein zweites Mal zum Gipfel gebracht hatte.
Und sein schönstes Geschenk dabei war die Liebe, die Lust in Max' Augen – und daß dieser den Kosenamen geflüstert hatte, als er kam.
Dava…!
Sein Lächeln vertiefte sich, und er strich behutsam eine Strähne des für einen Offizier eigentlich viel zu langen Haares zurück, ohne Max zu wecken. Dava. Ein wenig albern, ich weiß… Max' Stimme klang immer noch deutlich in seinem Kopf. Aber wir soll ich dich sonst nennen? Und nun war diese Ansprache zu etwas geworden, das ihm viel bedeutete. Es war etwas… Eigenes. Das sie verband. Das nur ihnen beiden gehörte. Kostbar und Einzigartig.
Sacht glitt sein Zeigefinger über Veers' sauber gestutzten und klar begrenzten Bart, und einmal mehr staunte er über die Sensation, es zu spüren, die schlichte Empfindung des zugleich drahtigen und weichen Haares unter seiner Haut. Zwanzig Jahre lang hatte er das nicht tun können, unter seinen Händen weder hart noch weich, weder heiß noch kalt gespürt. Er hatte gelernt, damit umzugehen, Stahl zu zerknüllen wie Papier oder feinste Schrauben aufzunehmen und behutsam in eine Bohrung einzudrehen. Seine Kräfte waren ihm geblieben, aber nun hatte er das Geschenk der Empfindung zurück… und er würde es niemals wieder als selbstverständlich hinnehmen. Genausowenig wie das Gefühl, das er für Max empfand.
Mit einer Handbewegung löschte er das Licht, schmiegte sich behutsam an den Schlafenden und atmete tief den Duft ein, der von ihm ausging… Moschus von ihrer Liebe, ein klein wenig frischer Schweiß, und eine holzige, würzige Note des Duschgels, das sie benutzt hatten. Er seufzte wohlig, legte sanft einen Arm über Max' Hüfte und lächelte, als dieser ohne aufzuwachen den Arm vereinnahmte und festhielt.
Sich gegenseitig haltend, schliefen bald beide tief und traumlos.
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Auch Luke, im Bacta, träumte. Es war ein Traum, der ihn regelmäßig heimgesucht hatte, ein Traum seiner Kindheit, der sich immer wiederholte, wenn auch nicht immer gleich.
Er sah sich selbst, auf den versandeten Straßen von Anchorhead, auf dem Heimweg von der Schule – um die zehn Jahre alt, gekleidet in einfachste, mehrfach geflickte und staubige Kleider, von denen ihm die Jacke noch deutlich zu groß war. Einige andere Kinder folgten ihm und sangen dabei immer denselben Vers:
Wormie, Wormie, hat keine Mami,
Wormie, Wormie, hat keinen Dad!
Sie hüpften, lachten und spotteten, während sie ihn umrundeten und ihre Kreise immer enger zogen, und er fühlte sich wie ein in die Enge getriebenes Tier. Der Singsang war albern und kindisch, wenn er ihn aus erwachsener Sicht betrachtete, doch dem Kind hatte er mehr als weh getan. Sie alle hatten Eltern, und selbst wenn sie sie verloren hatten, durch Überfälle der Sandleute oder die Grausamkeit der Hutts, so hatten sie sie doch gekannt und wußten von ihnen zu erzählen. Aber er kannte weder das Aussehen seiner Eltern noch ihre Namen – nur Skywalker, das war ihm geblieben, da sein Onkel darauf bestanden hatte, ihn so zu nennen, warum auch immer, und sich geweigert hatte, ihm den Namen Lars zu geben. Wie viel einfacher wäre alles gewesen, hieße er wie sein Vormund! Aber so machte ihn auch das zu einer Kuriosität.
Wormie, Wormie, hat keine Mami,
Wormie, Wormie, hat keinen Dad!
Einmal, Nachts, hatte er den Namen Anakin aufgeschnappt, als sein Onkel und seine Tante sich unterhalten hatten, und dem recht hitzigen Gespräch, das kurz darauf wieder sehr leise weitergeführt worden war, entnommen, daß es sich um seinen Vater handeln mußte… und seither verwahrte er dieses Wissen wie einen kostbaren Schatz tief in seinem Innern, sprach mit niemandem darüber und gab sich Träumen hin, wenn er allein war. Über einen Vater, der irgendwo verborgen lebte und ihn zu sich holen würde, eines Tages, irgendwann. Der ihm richtige Stiefel kaufen würde und Kleider, die noch keine Löcher hatten, wenn er endlich hineingewachsen war – oder vielleicht sogar welche, die ihm wirklich paßten! Der für ihn dasein würde, ihn beschützen und mit ihm Abenteuer erleben.
Im Nachhinein mußte er lächeln über diese absonderliche Mischung aus Kinderwünschen, die so leicht zu erfüllen waren (wenn man Geld hatte, aber die Lars hatten nie besonders viel) und Kinderträumen, die ein Erwachsener, der zu Vernunft gekommen war, dankend ablehnen würde.
Wormie, Wormie, hat keine Mami,
Wormie, Wormie, hat keinen Dad!
Er begann, unruhig zu werden, als er – wie immer in seinem Traum – keinen Ausweg fand, der Ring der Kinder um ihn war zu dicht. Das Bacta verhinderte ein Schwitzen, doch seine Werte veränderten sich so stark, daß der ihn überwachende 2-1B alarmiert näherkam und dem Sauerstoffgemisch, das er atmete, ein leichtes Beruhigungsmittel zufügte.
Wormie, Wormie, hat keine Mami,
Wormie, Wormie, hat keinen Dad!
Der Gesang hörte nicht auf, die Kinder tanzten um ihn herum… doch diesmal endete der Traum anders als sonst. Seither war er immer irgendwann zu Boden gesunken, an eine Hauswand gepreßt, und hatte – meist vergeblich – gegen die aufsteigenden Tränen gekämpft, doch heute…
Obwohl der Singsang die Straßengeräusche übertönte, hörte er es, bevor er seinen Retter sah. Mechanisches Atmen, ruhig, gleichmäßig und beruhigend. Er hob den Kopf, blieb stehen, sah sich suchend um. Die Kinder, überrascht darüber, da sie ihr Opfer bereits besiegt wähnten, stockten einen Moment – und hörten es ebenfalls.
„Er HAT einen Vater.", grollte der vertraute Baß deutlich und klar durch die schattenlose Straße, und die schwarze Gestalt Darth Vaders, die sich ihnen näherte, hatte dieselbe Wirkung wie eine Wompratte, die in eine Herde Eopies einbrach: Entsetzen, dann heillose Flucht.
Binnen weniger Sekunden waren sie allein.
„Geht es dir gut?"
Luke sah blinzelnd zu dem Hünen auf, Vader auf ihn herunter.
Geht es dir gut, Luke?
Abrupt realisierte er, daß die Stimme, die nun drängend klang, mehr war als Bestandteil seines Traums. Er öffnete die Augen, doch der Raum vor dem Tank war leer.
Vater?
Ich höre dich, mein Sohn. Geht es dir gut? Ich spürte… Verwirrung. Angst.
Ich hatte einen Alptraum. Nichts Schlimmes. Habe ich dich geweckt?
Ja, aber das macht nichts. Brauchst du mich? Kann ich etwas für dich tun?
Luke lächelte, als ein schieres Glücksgefühl ihn durchströmte, als die Besorgnis seines Vaters ihn tröstend umhüllte wie ein warmer Mantel. Nein, alles in Ordnung. Schlaf ruhig weiter.
Bist du sicher? Ich kann in zehn Minuten bei dir sein.
Nein, nicht nötig. Es genügt, wenn du hier bist, wenn ich aus dem Tank komme.
Na schön. Vader verstummte einen Moment. Ich kann nicht leugnen, daß ich gerne noch ein wenig weiterschlafen würde… Es fühlt sich an, als sei ich eben erst weggedöst.
Luke staunte. Darth Vader gab eine… Schwäche zu? Die Wunder rissen nicht ab. Kein Problem. Schlaf. Du verpaßt nichts – jedenfalls nicht bei mir.
Dann bis später, mein Sohn.
Bis später, Vater.
Kurze Zeit später schlief auch Luke wieder, und der Medidroide registrierte befriedigt, daß sämtliche Werte seines Patienten wieder im grünen Bereich waren.
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Max erwachte einige Stunden später als Erster und streckte sich gähnend und so behaglich wie eine Felinx – es fehlte nur noch, daß er schnurrte. Er fühlte sich gleichzeitig wohlig müde und wunderbar erholt, und als neben ihm protestierendes Murmeln erklang, beugte er sich nur grinsend hinüber und küßte den nackten Arm, der auf der Decke lag.
Das Kissen dämpfte eine Frage, die undeutlich nach außen drang – und offensichtlich so widerwillig, wie der Inhaber der Stimme gewillt war, die Augen zu öffnen.
„Wie bitte?"
„Wiespätisses?" kam es nur unwesentlich deutlicher – der Fluch, der folgte, als Max Licht machte, war jedoch bereits recht deutlich, auch wenn er kurz darauf von der Decke gedämpft wurde, die über seinen Kopf gezogen wurde.
„Zeit zum Aufstehen." Veers grinste, als er in dem Kleiderberg am Boden seine Unterhose und Socken suchte. „Wenn wir das noch öfter machen, sollte ich mir bei dir ein paar frische Sachen zum Wechseln einlagern."
Unter der Decke brummte es. „Ich räum dir heute abend ein Schrankfach frei. Aber nur, wenn du mir bei dir auch eines freimachst."
Max blieb kurz die Luft weg, als ihm aufging, was Vader meinte. „Natürlich, gern! Aber mein Quartier ist kleiner, und mein Bett viel schmaler – das reicht nicht für zwei ausgewachsene - " Er unterbrach sich.
Mit einem Seufzen wurde die Decke zurückgeschlagen. Vader kniff die Augen zusammen und blinzelte anklagend ins Licht, als er sich aufsetzte. „Setz dich mit Firmus zusammen und laß dir ein anderes Quartier anweisen, ein größeres. Hier in der Nachbarschaft sollte noch was frei sein – wenn es dich nicht stört, in einem Trakt zu wohnen, der halb öffentlich ist." Er rieb sich die Augen, gähnte herzhaft und stand auf, um mit einer beinahe unverschämten Lässigkeit und Selbstverständlichkeit im Erfrischer zu verschwinden. Kurz darauf lief kurz Wasser, ein Prusten erklang, dann brummte der Rasierer.
Veers starrte ihm ungläubig nach, seine Wäsche in der Hand, bevor er sich daran erinnerte, was er hatte machen wollen, und sich anzog. Er hatte eben seine Uniformhose gefunden und angelegt und war auf der Suche nach seinem Hemd, als das Bordcom summte.
„Es ist Firmus." rief er ins Bad.
„Dann geh ran!" kam die Antwort.
„Aber ich bin – ach, verdammt." Er fuhr sich durch die Haare, drückte den Knopf und nahm den Ruf entgegen, in der Hoffnung, daß Firmus Piett seinen üblichen Gewohnheiten folgte und ein Com benutzte, das niemandem sonst erlaubte, zuzusehen. Und tatsächlich erschien nur Pietts Kopf, der bei seinem Anblick kurz stutzte und dann mühsam ein prustendes Lachen unterdrückte.
„Hab ich euch… geweckt?" fragte er leise und grinste ein wenig anzüglich.
„Nein, wir sind seit zehn Minuten wach, du hast Glück." Max grinste zurück und verschränkte betont lässig die Arme vor der nackten Brust. „Was gibt's?"
„Der Falke hat eben signalisiert, in drei Stunden einzutreffen – wenn ich das richtig verstanden habe, ist der Wookiee allerdings der Meinung, daß vier oder fünf Stunden zutreffender sein könnten."
„Wieso? Was ist los?" Vader kam aus dem Erfrischer und rieb sich mit einem Handtuch den Kopf trocken, während er Firmus fragend ansah. Er war noch immer so nackt wie der Schöpfer ihn geschaffen hatte, und obwohl Piett ihn nur bis zur Brust sehen konnte, schluckte dieser doch sichtlich. Es war nur seinem extremen Vertrauen und seiner Verehrung und Freundschaft für den dunklen Lord zu verdanken, daß seine Stimme vollkommen ruhig und gelassen klang.
„Wie es scheint, hat Calrissian die Wartezeit auf Tatooine darauf verwendet, ‚Verbesserungen' am Schiff vorzunehmen, die aber wohl nicht lange gehalten haben. Das Übersetzungsmodul hatte etwas Mühe, den Worten des Wookiees zu folgen, aber selbst ganz ohne waren deftige Flüche erkennbar. Es hat für einige Lacher auf der Brücke gesorgt, bevor der Comoffizier die Lautstärke drosseln konnte."
Veers und Vader grinsten nun beide breit und schamlos. „Ich glaube nicht, daß Solo meine Hilfe bei der Reparatur annehmen würde.", meinte Vader dann trocken. „Wir warten hier, bis sie eindocken. Sagen Sie der Prinzessin Bescheid."
„Ja, Mylord."
„Noch etwas?"
„Ja, Sir. Corva läßt Euch sagen, daß sie nun bereit ist, Euren Sohn aus dem Tank zu holen. Wann Ihr bereit seid, Mylord."
„Wunderbar." Vader nickte ihm erfreut zu. „Ich werde gleich zu ihr gehen."
Piett lächelte, er hatte nichts anderes erwartet. „Natürlich, Sir. Piett, Ende."
