Kapitel 56
„Ich ziehe mir frische Sachen an und bin dann auf der Brücke."
Max hatte sich vollständig angezogen und wollte den Raum verlassen, doch Vader, erst halb fertig, hielt ihn zurück.
„Warte, die äußere Tür wird nicht aufgehen. Ich muß sie dir öffnen."
Veers protestierte nicht, sondern setzte sich in einen Sessel und beobachtete seinen Partner, während sich halb unbewußt ein genießerisches Lächeln auf seine Züge stahl. Doch dann wurde er ernst.
„Dava, versteh die Frage bitte nicht falsch. Macht es dir nichts aus, daß wir gesehen werden könnten, wenn wir zusammen dein Quartier verlassen?"
Vader wandte sich ihm zu, während er den Schulterpanzer befestigte. „Nein.", antwortete er vollkommen ruhig. „Ich habe ausführlich darüber nachgedacht. Deshalb sagte ich auch, du sollst dir ein neues Quartier anweisen lassen – meinst du, das sei weniger auffällig?" Er schwieg einen Moment, legte den Kopf schräg. „Macht es dir etwas aus?"
„Absolut nicht, nein!", versetzte der General fast scharf. „Ich bin stolz und glücklich, mit dir zusammenzusein, und ich bin bereit, dies öffentlich vor der gesamten Flotte stolz zu verkünden. Aber die Gefahr? Wenn der Kaiser erfährt, daß du wieder jemanden hast – Dava, ich habe keine Angst um mich." ergänzte er schnell, als ihm bewußt wurde, wie es gedeutet werden konnte. „Sondern um dich. Er wird es ausnutzen."
„Ja…", sagte Vader leise. „Das würde er, wenn er es erführe. Und deshalb habe ich Angst um dich, denn er würde dir wehtun, um mir zu schaden. Aber er wird es nicht erfahren, und wenn, wird er nicht mehr lange Gelegenheit haben, daraus etwas zu machen."
Veers stand vom Sessel auf und ging zu ihm hinüber. „Ich will dich nicht verlieren, Dava."
„Das wirst du nicht… wenn alles so läuft, wie ich es plane." Vader war ebenso ernst. „Der Kaiser ist sehr stark – aber nach der vollständigen Heilung, selbst jetzt schon, sollte ich stärker sein als er. Und wenn Luke mir hilft, dürfte es keine Probleme geben."
Der General lächelte schwach. „Wenn ich etwas tun kann…"
Der dunkle Lord erwiderte das Lächeln. „Natürlich. – Komm, hilf mir mit der Halsbeuge. Ich will Luke aus diesem Tank raushaben – es gilt einen Spion aus dem Verkehr zu ziehen, und du mußt noch etwas für mich vorbereiten."
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Luke war schon längere Zeit wieder wach und trieb zunehmend ungeduldig im angenehm temperierten Heilgel. Corva war vor einer Weile erschienen, hatte seine Werte überprüft und ihm zufrieden lächelnd signalisiert, daß er bereit sei, dann war sie an ein Com gegangen, sprach offensichtlich mit jemandem, den Luke nicht sehen konnte, und hatte dann den Raum verlassen. Der junge Jedi vermutete, daß sie entweder seinen Vater oder die Brücke rief und daß Vader darauf bestanden hatte, dabeizusein, wenn er aus dem Tank geholt wurde. Nun wartete er und sah immer wieder auf das Chronometer an der Wand gegenüber.
Er fühlte sich gut. Nein, besser als gut. Hervorragend. Das Bacta hatte wahre Wunder an ihm vollbracht – anders und viel besser als das damals auf Hoth, nach dem Angriff durch das Wampa. Dieses hier fühlte sich auch anders an. Es war ein wenig dicker, samtig und warm, mit einem deutlichen Rotstich, nicht so wasserklar und flüssig wie das der Rebellen. Der Tank war groß und stand alleine im Raum, zusammen mit einem Operationstisch und einigen großen Schränken – und nicht zum ersten Mal fragte er sich, ob dies Vaders privater Tank war. Wundern würde es ihn nicht – auch wenn er im Halbdelirium mitbekommen hatte, daß man seine Hovertrage durch einen größeren Raum der Krankenstation geschoben hatte, in denen mehr Tanks wie dieser standen, und das Gel darin hatte ebenso ausgesehen wie dieses. Aber es war ebenso klar, daß sein Vater einen separaten Behandlungsraum haben würde.
Endlich öffnete sich die Tür, und der dunkle Lord trat ein, eine Tasche in der Hand. Luke mußte kurz grinsen, als ihm aufging, daß er sich soeben danach sehnte, Vader zu sehen – nachdem er für Jahre vor ihm geflohen war.
Vater!
So ungeduldig, mein Sohn? Die mentale Stimme klang amüsiert.
Ich will hier raus…! Luke mußte sich beherrschen, nicht zu zappeln wie ein kleines Kind.
Ich weiß, ich kenne das Gefühl. Aber sei froh, daß es Bactatanks gibt… ich hatte damals keinen zur Verfügung.
Der Junge wurde umgehend ruhig und fühlte sich beinahe schuldig und undankbar. Er hatte zwar in Vaders Erinnerungen keinen Tank gesehen, das stimmte, aber er ging davon aus, daß bei der Schwere von dessen Verletzungen –
Es gab sie noch nicht., sagte Vader ruhig.
Aber… wie – was hat dich geheilt?
Die Zeit, mein Sohn. Die Zeit, die Macht und viel Geduld.
Luke schloß entsetzt die Augen. Du meinst, du wurdest sofort in diesen Anzug gesteckt… ohne –
Vader nickte schlicht.
Schöpfer! Wie hast du die Schmerzen ertragen?
Vader zuckte mental die Schultern. Wie ich schon zu Leia sagte: der Schmerz ist unser Freund. Er sagt uns, daß wir noch am Leben sind. Ein kurzes Zögern, dann der Entschluß zur schonungslosen Ehrlichkeit. Und die Rache. Der Gedanke, mich an Obi-Wan zu rächen für das, was er mir angetan hatte. Er sollte dieselben Schmerzen erleiden wie ich. Die Vorstellung gab mir Kraft.
Mit anderen Worten: die dunkle Seite der Macht., flüsterte Luke.
Das ist korrekt., bestätigte Vader leidenschaftslos. Ohne sie hätte ich nicht überlebt.
Luke wurde ein wenig unruhig, und sein Vater hob die Hand.
Keine Sorge, mein Sohn. Das ist nicht dein Weg – ich will dich nicht dorthin führen oder dir weismachen, daß es der bessere Weg sei. Es war der meine, und ich bleibe auf diesem Pfad, aber du bist nicht dafür geschaffen. Du bist licht und sollst licht bleiben. – Aber jetzt genug davon, ich bin hier, um dich aus dem Tank zu holen.
Luke, erleichtert über den Themenwechsel, machte Anstalten, im Tank nach oben zu steigen, so, wie er auf Hoth herausgeklettert war.
Nein, bleib einfach ruhig stehen. Unsere Technik ist anders. Vader wandte sich ab und hob beiläufig die Hand, wies auf ein Schaltpult an der Seite des Raums. Ein Kontrollicht wechselte die Farbe und sprang auf Grün um, und der Tank geriet in Bewegung. Luke bemerkte nun, daß das Glas vor ihm tatsächlich aus zwei Schichten bestand – der Tank aus zwei ineinandergeschachtelten Röhren, dessen innere sich nun hob. Er fühlte, wie etwas gegen seine Füße drückte, und als er nach unten sah, bemerkte er unter einem recht groben Gitter ein zweites mit etwas Abstand, dieses jedoch ungleich feinmaschiger, wie ein Filter. Offensichtlich hatte es die Aufgabe, Haare, Hautschuppen und ähnlichen organischen Müll aus dem Bacta zu sieben.
Der innere Tank schob sich langsam aus dem äußeren, und das kostbare Gel floß rückstandslos durch den Filter ab. Tatsächlich war Luke nicht einmal feucht, als der Behälter seine volle Höhe erreicht hatte.
Vader stand da und wartete geduldig, bis der Behälter zur Gänze emporgestiegen war und sich nun hydraulisch ein wenig zur Seite bewegte und wieder senkte – auf eine zweite Öffnung im Boden neben dem Tank, die sich nun auftat. Der Tank rastete ein, und über der Öffnung erschien nun ein Duschkopf, aus dem angenehm warmes Wasser über den Patienten rann.
Obwohl Bacta nicht am Körper haftet, haben die meisten Leute danach das Bedürfnis, sich zu reinigen., erklärte Vader. Seifen sind allerdings der Wirkung nicht zuträglich, Wasser allein hingegen schadet nicht. Du bist gleich fertig. Wenn die Dusche endet, nimm das Atemgerät ab, es verbleibt im Tank.
In Ordnung. Luke zog es bereits vorher ab, reckte sein Gesicht nach oben und rubbelte über die Haut und durch sein Haar. Sein Vater hatte recht, es fühlte sich besser an, unter der Dusche zu stehen.
Das Wasser versiegte, und der innere Tank fuhr nun ebenfalls nach oben, entließ Luke nun in die Krankenstation.
Vader stand vor ihm, hatte irgendwoher ein großes Badetuch in die Hand gezogen und reichte es ihm nun. Dankbar und ein wenig fröstelnd nahm er es entgegen und rieb sich trocken. „Danke.", sagte er lächelnd.
„Ich habe dir Kleidung mitgebracht." Vader wies auf die große Tasche, die er auf dem Behandlungstisch abgelegt hatte. „Es ist absichtlich keine Uniform, sondern neutrale Standardkleidung, allerdings in Schwarz."
„Absichtlich?" Luke sah ihn fragend an, während er den Inhalt der Tasche überprüfte, zuerst einen Extrabeutel mit Stiefeln herausholte und dann nach der Wäsche griff. Im Tank hatte er eine Mischung aus Badehose und Windel getragen, da er über längere Zeit darin verbleiben mußte. Diese streifte er nun ohne Scheu ab und warf sie in einen Abfallverwerter, bevor er sich nochmals abtrocknete und die frischen Sachen überzog.
„In der Tat… und auch die Farbe ist durchaus kein Zufall. Ich will deine Nähe zu mir verdeutlichen, aber nicht den – zumindest derzeit – falschen Eindruck erwecken, du seist den imperialen Truppen beigetreten."
„Weihst du mich ein, oder soll ich mich natürlich verhalten, wenn es soweit ist?" Ein jungenhaftes Grinsen zeigte Vader, daß die Frage nicht despektierlich gemeint war. Die Kleider paßten hervorragend; nun holte er die Stiefel und die Haken, mit denen er sich das Anziehen erleichterte, aus dem Beutel. Sie waren neu, aber entweder hatte Vader seine Maße in den Computer des Quartiermeisters eingespeist, oder er hatte ein verdammt gutes Augenmaß – sie paßten ebenfalls wie angegossen.
„Vertraust du mir?" antwortete Vader mit einer Gegenfrage.
Luke sah erstaunt zu ihm auf. „Ich hoffe, du weißt, daß diese Frage mittlerweile rein rethorisch ist, oder? Die Antwort ist ja."
„Gut. Dann möchte ich dir noch nicht sagen, worum es geht." Er drehte sich zu einem Com neben der Tür und gab eine Nummer ein, die Verbindung war ohne Bildübertragung, nur Ton.
„Brücke, Veers.", meldete sich Max' vertraute Stimme.
„Ist alles bereit, General?" verlangte Vader ohne Einleitung zu wissen. Na gut, dachte Luke, melden muß er sich wohl nicht…
„Wie angeordnet, Mylord. In zehn Minuten, im Auditorium.", kam die gelassene Antwort.
„Sehr gut. Treffen Sie mich dort."
„Verstanden. Veers Ende."
Luke sah ihn an, lächelnd, die Hände in die Hüften gestemmt. „Ich bin gespannt."
„Ich auch." versetzte Vader. „Komm."
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Das Auditorium kannte er noch nicht, stellte Luke wenige Minuten später und viele hundert Meter tiefer im Schiff fest – nun, kein Wunder bei einem Koloß von derart gigantischen Ausmaßen. Es war eine Art Versammlungshalle, ein Oval, das in der Höhe über drei Etagen ging. Die Galerien waren unbesetzt, doch auf der Hauptebene waren an die hundert Offiziere versammelt – die meisten in Grau, wenige in Schwarz gekleidet. Luke kannte sich mit den imperialen Rängen nicht aus, aber es schienen einige verschiedene darunter zu sein. Vor der in Reih und Glied angetretenen Truppe standen Maximilian Veers und Firmus Piett, und als Vader eintraf und sich vor ihnen postierte, salutierte der ganze Haufen wie ein Mann – ein Bild, das jedem Kasernenhofschleifer Tränen des Stolzes in die Augen getrieben hätte. Das war jedenfalls das, was Luke dazu einfiel – aber gleichzeitig konnte er nicht umhin, ein wenig Bewunderung zu empfinden, Stolz auf die augenscheinliche Mühelosigkeit, mit der sein Vater alles im Griff hatte, und Verständnis, daß es bei so Vielen ohne Disziplin nicht ging. Und wenn er genau darüber nachdachte, war es genau das, was ihn bei den Rebellen immer gestört hatte. Es ging locker zu, ja, mit flachen Hierarchien, aber es fehlte der rechte Zug im entscheidenden Moment. Wenn er sich an das Chaos und die Hektik auf Yavin IV vor dem Angriff auf den Todesstern erinnerte… er war sich sicher, daß das hier ganz anders aussehen würde.
Er war instinktiv ein wenig im Hintergrund verblieben, wo er nun Gesellschaft von Wrenga Jixton erhielt, der zwei große Holzkästen in der Hand hielt, während vorn Piett und Veers vorgetreten waren, nochmals salutierten und Meldung machten. So genau verstand Luke es nicht, weil Jix ihn leise ansprach.
„Hi, Vetter. Schön zu sehen, daß du wieder in ganzen Stücken bist. Das letzte Mal hast du nicht so knusprig ausgesehen…" Jix trug heute eine makellose Uniform mit beeindruckendem Ordensspiegel und wichtig aussehenden Abzeichen, das lange Haar war ordentlich zu einem Zopf geflochten. Er sah fremd aus ohne seine verwaschene Schmugglerhose und die ärmellose Lederjacke auf nacktem Oberkörper.
Luke erwiderte sein Grinsen und fragte ebenso flüsternd: „Was gibt das hier eigentlich?"
„Eine Ordensverleihung. Hier, nimm den Kasten." Er drückte ihm einen der beiden Holzkästen in die Hand. „Wenn du gerufen wirst, tritt vor. Wenn es an die eigentliche Verleihung geht – du wirst erkennen, wann – öffne den Kasten mit dem Deckel zu dir hin, so daß dein Vater bequem hineingreifen kann. Alles klar?"
„Nein.", knurrte Luke. „Aber ich soll ja auch nur reagieren."
„Recht so… recht so." Jix grinste und spähte nach vorn. Die beiden hohen Offiziere waren mittlerweile an Vaders rechte Seite getreten, Gesichter zu den Versammelten. „Wart's ab… und jetzt hör zu, jetzt beginnt der interessante Teil."
Vader stand vollkommen entspannt vor seinen Offizieren, wie es schien, – und die wiederum wirkten, wie es das Protokoll wollte, wie Statuen. In der ersten Reihe konnte Luke nun auch Arik entdecken – und einige Kameradroiden, die rings um das Oval schwirrten und die Zeremonie wohl für den Rest der Besatzung aufnahmen.
„Männer.", begann Vader nun, und sein voller Baß drang problemlos durch das gesamte Auditorium. „Es ist Pflicht und Lebensaufgabe eines Soldaten, eines Offiziers, zu dienen. Wir alle, ich, ihr, eure Kameraden an Bord dieser Schiffe und an anderen Orten, dienen dem Imperium. Wir erwarten für unseren Dienst keine besondere Belohnung – das Fortbestehen des Imperiums, sein Wohlergehen und das seiner Diener und Bewohner, die Kameradschaft innerhalb der Truppe, ist Belohnung genug für unseren Dienst." Die Akustik hier drin ist wirklich fantastisch, dachte Luke beeindruckt, und wie den Offizieren lief ihm eine leichte Gänsehaut den Rücken hinunter – nicht nur wegen der beeindruckenden Stimme seines Vaters, sondern auch wegen dem, was er sagte… und vor allem, wie er es sagte. Er hatte wirklich die Gabe, diese Banalitäten und Platitüden so zu verpacken, daß jeder, der ihm lauschte, automatisch um einige Zentimeter wuchs und mit stolzgeschwellter Brust dastand.
„Und dennoch", fuhr Vader stolz fort, „sollen besonderer Mut und Tapferkeit auch besonders geehrt werden. Es ist mir eine Ehre und eine Freude, heute vierzehn Männern aus eurem Kreis eine Auszeichnung zu verleihen. - Elf von euch erhalten den Orden „Imperiales Medaillon der Treue" für herausragende Leistungen im Einsatz gegen einen huttischen Verbrecherkönig auf Tatooine beziehungsweise gegen eine Renegatengruppe auf Desevro." Er pausierte einen Moment, ließ seinen Blick über die Runde schweifen. „Der zweite dieser beiden Einsätze war von ganz besonderer Bedeutung - denn der Mann, dessen Leben ihr dabei gerettet habt, der Mann, den ihr dabei aus den Händen der Rebellen befreit habt… war mein Sohn."
Vader verstummte und ließ die Worte wirken, und trotz aller militärischen Disziplin konnte man das mühsam unterdrückte Raunen beinahe hören, und aller Augen richteten sich auf Luke, der nun auf eine kurze, hoheitsvolle Geste des dunklen Lords mit dem erstaunlich schweren Kasten der Orden zu seinem Vater trat.
Ihm war in den letzten Sekunden heiß und kalt geworden, als ihm klar wurde, wo das Ganze hinsteuerte – und er war für einen Moment sehr wütend auf seinen Vater, der ihn derart in eiskaltes Wasser stieß, doch dann freute er sich über die Tatsache, daß auch im Imperium Mut durchaus honoriert zu werden schien… auch wenn er den dunklen Verdacht hatte, daß das nicht alles war, was Vader im Sinn hatte.
Er überlegte fieberhaft. Was würde Leia tun an seiner Stelle? Sie war Diplomatin, sie war für Anlässe wie diesen ausgebildet und würde garantiert nicht mit einem knallroten Kopf dastehen wie ein Bauerntrampel. Daß ihn genau diese rote Rübe den Männern gerade symphatisch machte, kam ihm nicht in den Sinn, als er nun nach vorn trat, betend, nicht zu stolpern. Er erwiderte den Blick der Männer, fing zuerst von Arik ein warmes Lächeln auf, dann ein weiteres von einem Mann in der zweiten Reihe, und noch eins, und noch eins, und noch eins… Und plötzlich schwanden Nervostität und Unsicherheit. Er erwiderte das Lächeln der Männer, ließ wie sein Vater einen Blick über die Anwesenden gleiten und verneigte sich respektvoll – was spontan mit Applaus beantwortet wurde. Und der galt, wie er staunend feststellte, ihm allein.
Gut gemacht., sagte Vaders lächelnde Stimme in seinem Kopf, und auch Piett und Veers lächelten ihm zu, während sie in den Applaus einstimmten.
Vader ließ sie einen Moment lang gewähren, dann, auf eine vergleichsweise kleine Geste, verstummte der Applaus, und er nickte Luke zu, der den Kasten nun öffnete und ihm präsentierte.
Es waren keine Namen darin vermerkt, das konnte Luke sehen, und es gab auch sonst keine Liste. Vader ehrte die Ausgezeichneten auch damit, daß er ihre Namen kannte und sie nun nacheinander aufrief.
Einer nach dem anderen kam nach vorne, salutierte, empfing einen Handschlag (was sicher ebenfalls nicht gerade üblich war, wie Luke an den etwas blasseren Gesichtern von einigen Geehrten ablesen konnte), bekam den Orden, der an einer Metallkette hing, um den Hals gelegt, empfing einen weiteren Handschlag von Piett und Veers, salutierte erneut und kehrte an seinen Platz zurück.
Mit dem Elften trat Jix leise zu Luke, tauschte den leeren Kasten gegen den sonderbarerweise größeren, den er in der Hand gehalten hatte, und verzog sich wieder in den Hintergrund.
„Elf von euch wurden geehrt.", fuhr Vader dann fort, als der letzte auf seinen Platz zurückgekehrt war. „Aber ich sprach von vierzehn. Und diese drei bitte ich nun gemeinsam vorzutreten. Admiral Piett. General Veers. Captain Cass."
Die drei genannten erstarrten für einen Moment, wurden blaß, dann rot, fanden sich aber wie befohlen vor Vader ein, wo sie ebenfalls salutierten.
„Ich habe lange überlegt, wie ich die Tat, die sie vollbracht haben, belohnen und ehren kann." Vaders Blick glitt über die drei hinweg. „Sie haben einen außerordentlichen Mut bewiesen – und doch könnte man sagen, sie waren nur zur rechten Zeit am rechten Ort und haben das einzig mögliche getan. So wenig… und doch so unendlich viel. Denn diese drei Männer haben mir das Leben gerettet."
Und nun tat Vader etwas Außergewöhnliches: er salutierte ebenfalls, gefolgt von allen Anwesenden außer den dreien, denen erneut alles Blut aus dem Gesicht gewichen war. Auf ein erneutes Zeichen öffnete Luke den zweiten Kasten, der außer den Ordensmedaillen, diesmal an einem breiten, kostbaren Stoffband, Offiziersstäbe aus Silber enthielt.
„Admiral Firmus Piett. General Maximilian Veers. Captain Arik Cass.", begann Vader ruhig und sah jeden von ihnen einen Moment lang an. „Ich verleihe Ihnen im Namen des galaktischen Imperiums Orden und Titel „Baron des Imperiums". Verbunden mit diesem Titel ist Landbesitz – und da es mein Leben war, das Sie bewahrt haben, möchte ich auch mein Land mit Ihnen teilen. Jeder von Ihnen erhält ein Herrenhaus mit entsprechendem Land darumherum."
Alle drei, die nun nacheinander den Orden und den Stab empfingen, verstanden, daß dieser Teil mehr eine symbolische Belohnung war, denn auf Vjun gab es nichts von Wert – allerdings eine von beträchtlicher Bedeutung. Vader hatte einen Weg gefunden, den Imperator elegant zu umgehen und doch eine der höchsten Auszeichnungen des Imperiums zu verleihen – indem das Land, das er vergab, sein eigenes war. Der Titel allein jedoch verlieh schon Macht und Einfluß – wenn der Träger es darauf anlegte, konnte er ihm die meisten Türen öffnen, allein durch die diskrete Ergänzung auf den Visitenkarten. Aber das war nebensächlich… es war Vader, der hier den Kaiser indirekt und doch sehr deutlich beleidigte, indem er Männer in höchster Weise ehrte, die ihn gerettet hatten, nachdem der Kaiser ihn angegriffen hatte. Es war nicht ungefährlich – es band sie noch enger an den dunklen Lord… und doch, nachdem diese Ehrung zweifellos auf sämtlichen Schiffen der Todesschwadron zu sehen war und unter Garantie auch seinen Weg in die Medien finden würde, war es paradoxerweise auch ein besonderer Schutz. Ein galaktisches Vabanquespiel… ein imperialer Bluff, elegant, riskant und todsicher. Auf die eine oder andere Weise.
Vader wußte das, ebenso sicher, wie er wußte, daß der Alte kochen würde vor Wut… und doch nichts dagegen machen konnte. Im Gegenteil. Er würde sich sogar noch bei den Dreien persönlich bedanken. Spätestens beim nächsten Imperiumstag… den er nicht mehr erleben würde.
Drei sehr freundschaftliche, warme Handschläge und einen weiteren Salut später, nachdem die frischgebackenen Barone ihre Plätze wieder eingenommen hatten, wandte sich Vader nochmals an die Männer, die darauf warteten, entlassen zu werden – um das Erlebte umgehend mit ihren Kameraden zu diskutieren und zu feiern. Doch der dunkle Lord hatte eine weitere Überraschung in petto.
„Und nun zu etwas weniger Erfreulichem. Wir haben einen Spion an Bord – und er befindet sich hier, unter uns."
