So, noch eins an Ostern – auch wenn ich leider nur ein Review im Nest hatte (danke, Narumi ;o))
Übrigens wurde die Bestrafungsszene im letzten Kapitel auch durch ein Bild aus einem Comic inspiriert – ich glaube, es kam aus „Hochverrat". Der Name des Offiziers war natürlich ein anderer – aber Sen Wan war ein Bauernopfer… nicht weiter wichtig für diese Geschichte.
Was das heutige Kapitel angeht… nun, laßt euch überraschen! Tod würde wahrscheinlich sagen: „OH. DRAMA." ;o)
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Kapitel 58
„Also…", bohrte Luke wieder nach, als er nun mit Leia den Korridor zum nächsten Liftschacht entlangging. Die beiden Wachen waren verschwunden gewesen, als sie aus dem Quartier kamen. „Was war das jetzt mit deiner Hüfte?"
Leia seufzte und knurrte gleichzeitig, was Luke staunen ließ – er hatte nicht gewußt, daß man einen solchen Laut erzeugen konnte. „Ich wurde angeschossen.", gab sie dann unwillig zu.
„Angeschossen?" echote er erschrocken. „Wo? Und wie?"
„Auf Tatooine, in Jabbas Palast.", antwortete sie resignierend. „Eine der Wachen der alten Kröte hat mich erwischt."
„Was hast du überhaupt da drin gemacht?" Er war stehengeblieben und sah sie entsetzt an. „Warum hat Vater dir erlaubt, da mit reinzugehen?"
„Hatternicht.", murmelte sie undeutlich.
„Wie bitte?"
„Ich sagte, das hat er nicht.", knurrte sie. „Tatsächlich hatte er es mir verboten. Ich bin hinterhergeschlichen, als Veers abgelenkt war."
„Und du lebst noch?" sagte er verdutzt.
„In Tat und Wahrheit hat er mich selbst verarztet.", sagte Leia ein wenig verlegen.
„Er hat was?"
Sie nickte. „Er hat zusammen mit der Ärztin - "
„ – Corva - ", warf er ein.
„ – an mir herumgeschnippelt und mir das Pflaster aufgeklebt. Hier." Sie deutete auf ihre Hüfte, und er kicherte.
„Oh, Mann. Ich glaube, das war Strafe genug… komm, der Lift ist gleich hier."
Luke tastete die Sektion ein und lehnte sich vorfreudig an die Wand.
„Warum grinst du so?" erkundigte Leia sich mißtrauisch.
„Och, nur so… Vader hat dich heute schon einmal überrascht, und ich denke, das gelingt ihm gleich ein zweites Mal."
„Hm?"
„Ja – wir sind da. Komm."
Sie traten hinaus in den Gang, und Luke verharrte vor der Tür, die dem Lift gegenüberlag. „Bist du bereit für das Gärtchen?"
Sie stöhnte ein wenig. „Ja, ja. Bin ich." Mittlerweile erwartete sie eine Art Gewächshaus mit einigen Palmen, ein paar Blumen und vielleicht einer Voliere mit drei oder vier Singvögeln, aber sie wollte Luke nicht enttäuschen und nahm sich vor, angemessen beeindruckt zu sein.
„Schließ die Augen.", forderte Luke mit dem begeisterten Ausdruck eines kleinen Kindes, das eine Tante zu einem „geheimen" Lieblingsplatz führt. Leia lächelte unwillkürlich und folgte der Aufforderung. Sie hörte die Tür zischend aufgehen, dann zog Luke sie langsam vorwärts.
„Noch ein paar Schritte – wirst du wohl zulassen! – sind gleich da… momentchen… Achtung, ein kleiner Hügel… gut so. Noch ein klein wenig… Jetzt."
Leia spürte plötzlich Gras unter ihren Füßen, und der Boden federte leicht unter ihrem Gewicht. Eine kleine Rasenfläche? Wie nett… Aber die Luft roch auch frischer – deutlich frischer. Wie in einem Wald oder zumindest auf der Oberfläche eines landwirtschaftlichen Planeten. Interessant. Das war sicher nicht billig.
Luke ließ ihre Hände los und trat hinter sie. „Jetzt kannst du die Augen aufmachen."
Sie tat es – und erfuhr dann, warum er hinter ihr stand, als er sie auffing - sie war unwillkürlich zurückgetaumelt. Was um alles in der Welt – Ein Garten? Niemals! Ein Park? Ein Wald? Sie sah, vor sich und zu beiden Seiten, Blumen, Bäume, Wege, die mit aromatisch duftendem Holzhäcksel bestreut waren, kleine Bachläufe, Tümpel und Tiere in den Ästen, hörte jetzt auch den entfernten Gesang von Vögeln.
„Wow.", hauchte sie fassungslos.
„Das trifft es ungefähr." Luke grinste hemmungslos. „Ich habe einen Eingang in der Mitte gewählt – Vater hat mir damals eine der Kopfseiten gezeigt. Dies ist der Erholungsgarten."
„Wie groß…", sie schluckte, „wie groß ist er?"
„Siebenhundert Meter lang, zwei Decks hoch, fünfzig Meter breit. In der Mitte des Schiffes gelegen, um für alle bequem erreichbar zu sein." Luke war so stolz, als habe er Anteil an der Erschaffung gehabt.
„Ich fass es nicht…", flüsterte sie, als sie ein paar Schritte vorging und die Rinde eines Baumes berührte, der mindestens sieben Meter hoch aufragte.
Sie drehte sich zu ihm um, den Kopf leicht schräggelegt. „Das hier hast du Mon Mothma gegenüber verschwiegen."
„Und noch das eine oder andere.", antwortete er gelassen. „Es geht sie auch nichts an."
„Du wolltest nie bleiben, oder?" Es klang ein wenig traurig.
Er zögerte mit der Antwort. „Es gab einen Moment, da wollte ich es… weil ich dachte, Vater hätte mich doch an den Kaiser verkauft. Aber schon als ich auf dem Weg war, war ich mir sicher, daß ich mich täuschen mußte. Ich vertraute ihm, ich hatte gespürt, wieviel ich ihm bedeute."
Sie nickte langsam – einen Teil der Unterhaltung, die dies auflöste, geführt im Tank, hatte sie ja mitbekommen.
„Aber da hattest du mir schon die Koordinaten des Stützpunktes gegeben, und es gab kein Zurück für mich. Ich wollte nicht, daß du denkst, ich hätte dich hintergangen, denn nichts lag mir ferner. Und so wollte ich nur meinen Geburtstag mit meinen alten Freunden feiern… und dann zurückkehren. Heimlich und leise." Daß er sich schon auf der Feier fremd gefühlt hatte, daß sein Platz nicht mehr dort war und nie wieder sein würde, verschwieg er ihr.
„Irgendwie… war mir das klar, nachdem du zusammengebrochen bist.", sagte sie.
„Nachdem ich zusammengebrochen bin?" echote er erstaunt. Sie dürfte sich nicht mehr daran erinnern!
„Ja. Ich muß wohl an dem Abend doch ein Gläschen zuviel erwischt haben, denn ich hatte Mühe, das Gespräch nachzuvollziehen am nächsten Morgen… aber ich fühlte irgendwie, daß du nicht mehr zu uns gehörst."
Luke holte tief Luft und ließ sie langsam wieder entweichen. „Dann habe ich dir umso mehr zu danken, daß du mir geholfen hast."
Nun grinste sie schwach. „Ich hatte keine andere Wahl. Vader hatte sehr überzeugende Argumente…"
Er lachte leise. „Ja, so ist er, mein Papi. Komm, gehen wir ein wenig – erzähl mir, was ich verpaßt habe, ja?"
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Luke stellte verschiedenes fest während dieses Spaziergangs.
Erstens: Leia war ihm vertrauter, als sie sein sollte – selbst gemessen an der Intensität, die ihre Freundschaft begleitete, obwohl sie sich erst seit relativ kurzer Zeit kannten. Die Macht flüsterte ihm zu, daß da mehr war, aber ganz sicher war er sich nicht. Er mußte wirklich dringend seinen Vater danach fragen.
Und zweitens: Es war wohl ein mittleres Wunder geschehen, denn Leia schien in Darth Vader tatsächlich nicht mehr den Feind Nummer Eins zu sehen, sondern sogar einen gewissen Respekt ihm gegenüber zu empfinden – und etwas, das darüber hinausging. Bewunderung? Anerkennung seiner Fähigkeiten? Rücksicht auf die Verwandschaft mit Luke und dessen Gefühlen für ihn? Oder war da mehr? Jedenfalls war da nur noch sehr geringer Spott und kaum noch Abneigung in ihrer Stimme, wenn sie über ihn sprach. Und nach dem, was sie erzählte, hatte sie wohl bereits einige Stunden mit ihm verbracht, ohne das Bedürfnis zu hegen, ihm an die gutgepanzerte Gurgel zu gehen. Auch schien sie nichts dagegen zu haben, hier auf seinem Flaggschiff zu Gast zu sein – und wenn ihn seine Gefühle nicht trogen, hatte sie tatsächlich nicht vor, Informationen darüber an die Rebellen weiterzugeben. Und was sie sonst noch erzählte, über die gemeinsam geführten Verhöre und die Gespräche danach… sein Vater schien sie zu mögen. Und mehr als das. Noch ein Steinchen im Puzzle…
„Was ist jetzt eigentlich mit dem Spion?" fragte Leia plötzlich und sah ihn neugierig an. Sie saßen mittlerweile auf einer Wiese vor einem größeren Teich und sahen einigen Wasservögeln zu, die gemächlich vor sich hindümpelten und ab und zu nach Futter gründelten. „Hat Vader schon eine Spur?"
Er warf ihr einen prüfenden Blick zu, gab aber seine entspannte Haltung – leicht zurückgelehnt, auf beide Hände gestützt, die Beine an den Knöcheln überkreuzt – nicht auf.
„Mehr als das. Er wurde gefunden… und…" Er unterbrach sich und suchte nach einem Wort mit weniger Brutalität.
„Eliminiert." Leia zog einen Flunsch, schien aber nicht wirklich aufgebracht. „Er hatte es mir angekündigt."
Ihr Bruder nickte langsam. „Es geschah direkt im Anschluß an die Ordensverleihung. Der Spion war unter den Offizieren. Für einen Moment habe ich mir wirklich Sorgen gemacht."
Leia riß unwillkürlich ebenfalls die Augen auf, sie wußte sofort, worauf Luke anspielte. „Schöpfer… er muß seinen Leuten wirklich vertrauen!"
„Das tut er… und wohl zu Recht." Luke nickte, nicht ohne Stolz. „Mehr noch: diese Aktion hat ihnen nochmals deutlich gemacht, welchen Status die EXECUTOR, die ganze Todesschwadron und sie als Anführer haben."
Leia schwieg einen Moment und riß gedankenverloren einen langen Grashalm aus, um damit zu spielen, ihr Blick ging ins Leere. „Ich beneide ihn darum…", sagte sie dann leise.
„Worum?" fragte Luke erstaunt.
„Diese Gabe, zu führen, zu herrschen… Verflucht, für uns Rebellen ist er der größte Mörder der Galaxis, und in unserer Vorstellung gilt er als das brutalste Raubtier aller Zeiten – eiskalt, berechnend und gnadenlos." Ihre Stimme wurde immer ärgerlicher. „Aber je länger ich hier bin, je mehr ich hinter die Kulissen sehe, desto menschlicher wird er. Desto mehr achte ich ihn. Obwohl ich das gar nicht will! Aber hier – der Garten. Die Bactatanks, die allen zur Verfügung stehen. Die Anerkennung, die seine Leute erfahren. Und der wahnsinnige Respekt, den man ihm entgegenbringt… Ich habe selbst gesehen, was seine Leute für ihn tun. Was er für seine Leute tut. Und daß sie ihn wirklich schätzen… ungeachtet seines Rufs außerhalb des Imperiums."
Luke grinste schief. „Willkommen im Club. Jetzt verstehst du, was ich meinte, hm?"
Sie nickte widerwillig. „Ich hätte nie gedacht, daß ich das mal sage. Und ich hätte nie gedacht, daß ich vollkommen entspannt an Bord seines Flaggschiffes sitze und drauf warte, daß mein herzallerliebster Schmuggler seinen Hintern herbewegt – und das einzige, was mich dabei aufregt, die Tatsache ist, daß er es nicht eilig zu haben scheint!" Sie ließ sich ins Gras zurücksinken und starrte an die Decke, das einzige, was die Illusion eines Waldes trübte. „Oder daß Darth Vader mich selbst verarztet – und eine solch echte Besorgnis an den Tag legt, wenn ich in Gefahr bin. Daß er mir ein Quartier dieser Qualität zur Verfügung stellt mit nur zwei Alibiwachen davor und freiem Zugriff auf die imperialen Datenbanken."
Luke wartete und sah sie nur an. Er wußte, daß sie noch nicht fertig war.
„Ich habe mit ihm zusammengearbeitet in den letzten Stunden… und es hat mir nichts ausgemacht, im Gegenteil.", fuhr sie auch fort. „Er hat mich mit vollendeter Höflichkeit und Freundlichkeit behandelt – und…" Sie stockte, das folgende auszusprechen. Ihr Kopf drehte sich zu Luke, und sie sah ihn eindringlich an. „Das bleibt unter uns, verstanden?"
Luke hob die Schwurhand. „Ich werde niemandem etwas sagen – und ich hoffe, du behältst ebenso für dich, was du hier gesehen und erlebt hast." Er leistete den Schwur mit Ernst, aber er behielt für sich, daß er keine Ahnung hatte, ob sein Vater soeben nicht zuhörte – auch wenn er ihn nicht spüren konnte.
Sie erwiderte seine Geste, dann reichte sie ihm die Hand zur Besiegelung. „Ich schwöre. – Nun… ich kann mir jetzt durchaus vorstellen, mit ihm auch in Zukunft zusammenzuarbeiten. Er hat auch schon etwas Derartiges angedeutet… daß man verhandeln könne. Daß dieser Krieg endlich ein Ende findet." Ihre Stimme wurde sehnsuchtsvoll. „Frieden… endlich Frieden, Luke."
Beide wußten, ohne es auszusprechen, daß ein solcher Frieden nie würde sofort oder auch nur schnell kommen können – zu groß war das Reich, zu weitläufig seine Ausdehnung. Aber wenn es einer schaffen konnte, Stabilität überall hinzutragen und zu gewährleisten, daß sie eingehalten wurde, dann Vader.
Einen Moment lang schwiegen beide und hingen ihren Gedanken nach.
Der junge Jedi legte sich ebenfalls auf den Rücken, die Hände unter dem Kopf. Er hatte wie Leia empfunden, kurz nach Bespin, als er sich an den Gedanken zu gewöhnen versuchte, daß Vader sein Vater war – und nicht das Monster, für das er ihn gehalten hatte. Er konnte sie verstehen – ihre Frustration, ihre Verwirrung, ihre Ungläubigkeit. Aber er freute sich, daß sie sich ihm geöffnet hatte, ihm eine Chance gab.
„Er wird ihn töten, nicht wahr, Luke?"
Der Angesprochene blinzelte, aus seinen Überlegungen gerissen, und wandte den Kopf zu ihr. „Wen?"
„Den Kaiser." Leia starrte immer noch an die Decke, durch das Blätterdach über ihnen hindurch.
„Ja."
„Wirst du ihm helfen?"
Er hatte noch nie darüber nachgedacht, wurde ihm klar. „Natürlich werde ich das." Keine Frage. Aber war er schon soweit? Würde er stark genug sein, um wirklich eine Hilfe zu sein? Würden sie es schaffen? Der Kaiser war sehr mächtig… Er war schließlich nicht umsonst Vaders Meister.
Leia schien sonderbarerweise nicht daran zu zweifeln, daß es schaffen würden, ihren Fragen nach zu urteilen – denn die nächste, die prompt kam, lautete: „Und danach?"
„Wie meinst du das, ‚danach'?"
„Wenn der Kaiser tot ist – was wird dann passieren?"
Auch darüber hatte er noch nie nachgedacht. „Nun…", begann er grübelnd, „ich nehme an, mein Vater wird dann Imperator sein."
Sie rollte mit den Augen, was ihm entging. „Ja, das ist anzunehmen. Aber du, was wirst du tun?"
„Bei ihm bleiben?" antwortete er verständnislos. „Ihm helfen?"
„Als was?"
Er zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Als was auch immer er mich braucht – aber ich lerne ja noch. Und in der Politik habe ich keine Erfahrung – und keine Ahnung, ob ich eine Begabung dazu habe."
Wieder schwieg sie einen Moment. „Man sagte mir", begann sie dann leise, „daß ich meine Begabung von meiner Mutter geerbt habe. Sie war ihr ganzes Leben lang in der Politik."
Luke schwieg. Ihm wurde plötzlich klar, daß er von seiner Mutter noch recht wenig wußte – nur, daß sie Königin gewesen war, als sein Vater sie kennengelernt hatte. Noch etwas, was er ihn fragen würde.
„Ich habe in der imperialen Datenbank ein Bild von ihr gefunden.", sagte Leia. „Meinst du, Vader würde es für mich ausdrucken?"
„Ich wüßte nicht, was er dagegen haben sollte.", erwiderte Luke warm. „Ich denke, er kann gut verstehen, was es für dich bedeutet. Er sagte mir, daß Palpatine alle Bilder seiner Frau – meiner Mutter – vernichtet habe, um seine dunklen Gefühle stark zu halten und nicht zu trüben. Erst als R2 zu uns stieß, konnte er sie mir zeigen… er hat Bilder und Vids gespeichert." Vor Lukes geistigem Auge erstand die Szene, die ihn so bewegt hatte. „Er hat ein Vid von ihrer Hochzeit abgespielt. Sie haben auf Naboo geheiratet, heimlich… er hat - " Er unterbrach sich, erinnerte sich gerade noch rechtzeitig daran, daß er besser für sich behielt, daß Darth Vader geweint hatte. „Er war sehr bewegt. Er muß sie wirklich sehr geliebt haben."
Leias Kopf schoß hoch. „Auf Naboo, sagst du?"
„Ja.", sagte Luke verwundert. „Warum?"
„Meine Mutter kam von Naboo…", flüsterte sie.
„Naboo ist groß.", wandte er ein, in einem vergeblichen Versuch, das Ganze abzuschwächen – er spürte, wohin die Reise ging und war sich nicht sicher, ob es wirklich klug war, das Gespräch weiterzuführen. Doch seine Neugier siegte gegen die Vernunft; er setzte sich wieder auf und sah sie an. „Wie hieß sie?"
„Padmé Naberrie…" flüsterte Leia, auch sie ahnte, was keiner von beiden aussprechen wollte. Luke schloß die Augen.
„Wir sollten mit Vater sprechen.", sagte er dann.
Leia nickte nur, sie war blaß geworden.
Vater?
Ja, Luke?, kam es nach einem Moment.
Hast du grade Zeit? Leia und ich würden gern mit dir sprechen.
Stille.
Vater?
Ich bin hier. Ist es das, was ich befürchte?
Ich fürchte, ja. Luke lächelte schief, ein Lächeln, das sich vertiefte, als ein huttischer Fluch ertönte.
Ich komme. Wo seid ihr?
Im Garten. Er sandte ihm ein Bild des Ortes, damit er sie leichter fand.
Gib mir ein paar Minuten. Vaders Stimme klang seltsam tonlos.
Natürlich. Bis gleich.
Ein Seufzen antwortete ihm, dann zog sich die Präsenz seines Vaters wieder zurück.
„Er kommt gleich.", sagte Luke laut, aber sanft. Leia nickte wiederum und starrte auf den Boden.
Er sah sie prüfend und ein wenig besorgt an. „Was denkst du?"
„Ich weiß nicht…", flüsterte sie. „Ich weiß nicht, was ich denken soll. Aber ich glaube, ich wußte es. Irgendwie." Sie sah auf und erwiderte Lukes Blick. „Zuerst ahnte ich, daß du und ich… daß uns etwas verbindet. Liebe… aber nicht so wie bei Han. Das hätte ich mir nie vorstellen können… aber auf jeden Fall mehr als normale Freundschaft." Sie stotterte ganz ungewohnt, suchte nach Worten und fand sie nicht, vielleicht das erste Mal in ihrem Leben.
Er nickte, da er durchaus begriff. Es hatte eine Zeit gegeben, da war er in Leia verliebt gewesen, aber gleichzeitig schien sie ihm unerreichbar… aus Gründen, die er nicht verstand, nicht greifen konnte. Jetzt wußte er, warum.
„Und Vader…", fuhr sie fort, zögernd. „Ich habe ihn gehaßt. Ich wurde erzogen, ihn zu hassen, ihn und das ganze Imperium. Mein Vater - " Sie unterbrach sich, zögerte. „Bail Organa sprach immer nur schlecht von ihm. Er haßte Vader und alles, was er verkörperte… jetzt macht das noch mehr Sinn."
„Vater dachte zwanzig Jahre lang, sein Kind sei tot.", sagte Luke leise. „Und er wußte nichts von Zwillingen. Wenn er bereits ahnt, daß du seine Tochter bist, hat er mir nichts davon gesagt."
Leias Blick wurde trüb, als sie nachdachte. „Ich glaube, es wurde ihm auf Tatooine klar. Am Grab seiner Mutter. Würde zu seinem Verhalten passen… er schwankte kurz während unseres Gesprächs."
„Oh.", machte Luke, seine Augen weiteten sich. Ein Darth Vader, der so die Fassung verlor… das hatte absoluten Seltenheitswert.
„Ja…", sann Leia nach. „Stimmt. Er fragte mich nach meiner Mutter. Ich sagte ihm, daß sie auf Naboo geboren worden sei, und er kannte ihren Namen… und dann fragte er mich, wann ich geboren wurde. Und bei dieser Antwort schwankte er."
„Kann ich mir lebhaft vorstellen.", meinte Luke leise. „Überleg doch mal – er hat dich gejagt, er hat dich gefoltert, und dann wird ihm plötzlich bestätigt, was er nicht wußte – daß er zwei Kinder hat und beiden wehgetan?" In Lukes Geist irrlichterte der Satz, den sie ihm vor Ewigkeiten, wie es schien, an den Kopf geworfen hatte. Wenn ich einen solchen Vater hätte, ich würde mich umbringen! Aber er wollte sie nicht danach fragen – noch wagte er es nicht.
Er spürte die körperliche Annäherung seines – nein, ihres – Vaters und sah ihm entgegen. Leia folgte seinem Blick, einen trotzigen Ausdruck im Gesicht, der ihre Unsicherheit maskierte, und blieb sitzen.
Vader näherte sich ihnen, nicht mit den üblichen langen Schritten, sondern langsamer, fast zögernd – und überraschte sie dann doch beide, indem er sich schweigend neben ihnen im Schneidersitz auf dem Gras niederließ, formlos und familiär. Leia starrte ihn an, ungläubig und überrascht – angenehm überrascht, wie es schien.
„Also, dann…", sagte er dann ruhig. „Nehmt mich auseinander."
„Warum?" platzte Luke heraus. „Seit wann wußtest du es?"
„Tatooine.", antwortete ihr Vater und sah dabei Leia an. Sie nickte.
„Dachte ich mir. Am Grab Eurer - ", sie unterbrach sich, zögerte, fuhr trotzig fort: „Deiner Mutter." Und, noch leiser: „Unserer Großmutter."
Vaders Herz setzte vor Freude einen Schlag aus, als sie die Wahrheit akzeptierte. „Ich versichere euch, ich wußte es nicht früher. Luke spürte ich – seit ich es wußte. Leia…" Er sah sie an, scheinbar ruhig. „Ich hatte keine Ahnung. Wirklich nicht. Ich wußte es nicht, ich spürte es nie. Und doch…"
„Und doch", übernahm Leia, als er schwieg, „und doch hast du mich immer beschützt." Ihre Stimme war leise und widerwillig, aber sie war mutig und ehrlich genug, es zuzugeben, auch wenn es ihr sichtlich schwerfiel, Vader so vertraut anzusprechen.
Er war überrascht, das konnte Luke spüren. Offensichtlich war ihm das selbst noch nie aufgefallen. Er nickte langsam.
„Ja… du hast Recht." Ein Zögern. „Offensichtlich war die Macht schlauer als wir alle. Ich hätte auf sie hören sollen…" Er wandte den Blick Luke zu. „Genau wie über dem Todesstern. Ich spürte die Macht in dir, aber ich kam nicht auf die Idee – ich glaubte, mein Kind sei tot. Wie seine Mutter." Trauer schwang in seiner Stimme mit, die sich auf seine Kinder übertrug.
Sie schwiegen alle drei, niemand wußte etwas zu sagen. Die Situation war surrealistisch und erleichternd zugleich.
Eine Gruppe Soldaten joggte in einiger Entfernung vorbei und glotzte ungläubig auf das Bild, das sich ihnen bot: der dunkle Lord scheinbar entspannt auf einer Wiese sitzend, zusammen mit seinem neugefundenen Sohn und einer Rebellenanführerin. Was sollte das darstellen? Ein Picknick?
Vader sah ihnen nach und seufzte, unternahm aber nichts. „Ich fürchte, da kommt schon der nächste Erklärungsnotstand auf mich zu.", murmelte er.
„Warte noch damit.", meinte Leia ruhig. „Bis in einer Woche."
Vaders Kopf fuhr zu ihr herum. „Was meinst du damit?"
„Bis du den Kaiser besiegt hast.", erwiderte sie und hielt seinem Blick stand.
Er biß sich auf die Lippen, von unbändiger Freude erfüllt. „Danke.", sagte er leise.
„Wofür?" fragte sie ehrlich verdutzt.
„Das weißt du ganz genau… meine Tochter." Sein Ton war sanft und beinahe zärtlich. „Prinzessin."
Überrascht lächelte sie, da sie diesmal die Ansprache durchaus als Liebkosung empfunden hatte – und sich widersinnigerweise darüber freute.
„Du…", begann sie, ein wenig rot im Gesicht, „könntest mir einen Gefallen tun…"
„Welchen?"
„Ich habe ein Bild von Mutter gefunden, in der imperialen Datenbank. Könntest du mir einen Ausdruck machen?"
Vader keuchte auf. „Es gibt ein Bild von ihr?", flüsterte er heiser. „Schöpfer… wenn ich das gewußt hätte…" Er schloß die Augen, senkte den Kopf, rang um Fassung. „Natürlich mache ich dir einen Ausdruck davon.", sagte er dann, als er seine Stimme wiedergefunden hatte. „Und R2 kann sicher einiges auf den Hauptrechner aufspielen, was man auch ausdrucken kann. Er sagte, er hätte noch Bilder aus allen Epochen – angefangen bei unserer ersten Begegnung auf Tatooine, durchgängig bis - " Er stockte. „Bis Mustafar."
„Err… Vater, wirst du bei Leia einen Bluttest machen lassen?" warf Luke ein, der einen Themenwechsel für eine gute Idee hielt.
Vader lächelte, ein wenig gerührt über die Bemühungen seines Sohnes. „Nicht nötig. Corva hat bereits einen gemacht, als sie Leia für die Operation vorbereitet hat."
„Oh? Und?" fragte er neugierig, und auch Leia sah ihn aufmerksam an.
„Fünfzehn-Eins."
Luke pfiff anerkennend, aber Leia runzelte verwirrt die Stirn, worauf er sich beeilte, es ihr zu erklären. „Fünfzehntausendeinhundert Midichloriane, meint Vater. Sie sind Symbionten – je mehr von ihnen man im Blut hat, desto höher ist die Machtbegabung. Ich habe Achtzehntausendsiebenhundert. Die Skala geht bis Zwanzigtausend."
„Und du?" wollte sie von ihrem Vater wissen.
Vader zuckte die Schultern. „Keine Ahnung." Luke grinste.
„Bitte? Wie meinst du das?"
„Mein Wert sprengt die Skala.", erklärte der dunkle Lord.
„Songan – ein Heiler - vermutet, daß sein Wert über Vierzigtausend liegt.", warf Luke ein.
Diesmal mußte Leia sich ein Grinsen verbeißen und fing einen warnenden – oder bittenden? – Blick von Vader ein. „Das ist… viel.", meinte sie dann trocken, wurde aber schnell wieder ernst. „Und der Kaiser?"
„Ich weiß es nicht.", sagte Vader ehrlich. „Aber man nannte mich den Auserwählten – und damit verbunden scheint die Tatsache zu sein, daß ich der mächtigste Machtnutzer aller Zeiten bin."
„Also sollte es reichen." Leia lächelte. „Und dann? Danach?"
„Danach werde ich Imperator sein.", antwortete Vader ruhig.
„Und weiter? Was ist mit der Allianz?"
„Das, meine Tochter, hängt auch von den Rebellen ab." Er sah sie an, band ihren Blick in den seinen, unsichtbaren, hielt sie mühelos fest, ohne sie jedoch unter Zwang zu nehmen. „Ich sagte dir bereits, daß die Weichen neu gestellt werden können… aber das liegt nicht allein an mir."
„Ich fürchte, Mon Mothma läßt sich nicht auf Verhandlungen mit dir ein.", meinte Luke nachdenklich.
„Mon Mothma würde sich niemals mit mir unterhalten, nein." Vader nickte. „Sie nahm mir die Nähe zu Padmé immer übel… auch und vor allem wegen meiner Nähe zu Palpatine." Er bemerkte, daß Leia sich unruhig bewegte, und beschloß, nun seinerseits das Thema zu wechseln. „Kommt – laßt uns die Wartezeit bis zur Ankunft des Falken sinnvoll verbringen. Ich werde euch unterrichten – Luke und mir bleibt nur noch wenig Zeit." Er sah die beiden an, die nickten, Leia zögerlich, Luke lächelnd. „Sehr schön. Also… Schilde. Deine sind bereits hervorragend, Leia, aber alles läßt sich verbessern. Es gibt mehrere Arten…"
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Die Jogger, die sich, von Neugier getrieben, eine zweite Runde auferlegt hatten, konnten beim erneuten Vorbeilauf nun erstaunt beobachten, wie zwei junge Leute gebannt und lachend einer Erzählung ihres obersten Kommandeurs folgten, die von großzügigen Gesten untermalt war.
„Das glaubt uns kein Mensch…", keuchte einer.
„Wenn er nicht wollte, daß man ihn sieht, würde er sich nicht hierhersetzen…", japste sein Nebenmann.
„Laßt ihn in Ruhe.", empfahl ihr Captain, der hinter ihnen trabte – er war bei der Ordensverleihung dabeigewesen. „Er hat ein wenig Frieden verdient."
Sie sahen sich an; ihr Schweigen gab ihm ihre Zustimmung.
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Eine Anmerkung zu den Midichlorianwerten: ich weiß, daß es Tabellen gibt, wer wieviel hat – aber die ignoriere ich hier mal großzügig, da sie mir so nicht in den Kram passen ;o)
Übrigens werde ich ab jetzt die Frequenz auf drei Tage erhöhen – meine Muse ist in letzter Zeit zwar wieder fleißiger, war aber leider zuvor fauler als erlaubt, so daß mein Vorsprung leider geschrumpft ist. Aber keine Sorge – noch hab ich einige Kapitel ;o)
