So – zur Feier des Tages ein weiteres Kapitel: ich habe nämlich soeben Palpatine übern Jordan befördert ;o) Lesen werdet ihr das in Kapitel 74 (plusminus eins, ich bin noch nicht ganz durch mit dem einteilen) – bin schon sehr gespannt, was ihr sagt – Beta Cynon ist jedenfalls begeistert :o)
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Kapitel 60
Die Geschichte, die Vader erzählte, war inhaltlich die gleiche wie bei Luke – und dennoch nicht dieselbe, denn Leia konnte, während er sprach, sein Gesicht sehen. Sie sah Schmerz darübergleiten, bemerkte Wut und Verzweiflung in seinen Augen ebenso wie Trauer – aber auch Freude und Hoffnung. Auch erzählte er ihr ein wenig mehr über ihre Mutter, weil er spürte, daß sie alles über Padmé wissen wollte.
Und wie Luke war sie binnen Momenten gefangen von seiner Erzählung, litt mit ihm, fühlte mit ihm, freute sich mit ihm. Und das Band zwischen ihnen festigte sich, wurde kräftiger und stärker.
Er schien vergessen zu haben, daß er die Maske nicht trug – oder er schämte sich der Emotionen nicht, die über sein Gesicht glitten – und Leias Gesicht war irgendwann tränenfeucht. Nie hätte sie geahnt, wieviel Schmerz hinter der finsteren Gestalt steckte, wieviel Leid er hatte ertragen müssen – daß sein Handeln Grund und Ursache hätte. Es war so einfach gewesen, ihn als das gesichtslose Böse zu sehen, die Maske zu hassen, ohne darüber nachzudenken, was dahintersteckte… oder wer und warum.
Sie hatte längst ihren Becher beiseitegestellt und seine Hand ergriffen, was ihn schlucken ließ und kurz ebenfalls Tränen der Freude in seine Augen trieb. Er blinzelte sie jedoch entschieden beiseite und erzählte weiter. Und nun, am Ende der Geschichte, saßen sie immer noch so, Leias Hände um eine seiner gepanzerten Pranken gespannt, zu aufgewühlt, um zu sprechen. Leias Schilde waren jedoch gesenkt, und so konnte er spüren, was in ihr vorging – Scham, Freude, Zorn auf den Kaiser… und ein ganz klein wenig auf die Rebellion. Aber dieser Teil war so gering, so unterschwellig, daß er ihr selbst vermutlich nicht einmal bewußt war.
Leia sah ihren Vater an, als sähe sie ihn zum Ersten Mal – und in gewisser Weise traf dies auch zu. Sie verstand die Notwendigkeit der Maskerade, aber sie selbst würde nie wieder den dunklen Lord als gesichtslosen Gegner sehen können… und zum ersten Mal wünschte sie sich, an seiner Seite stehen zu können, für die Galaxis, zum Wohle aller… falls das möglich war.
Vader erwiderte ihren Blick mit einem Lächeln, das ein wenig traurig wurde, als er ihre Gedanken las. Ein hehres Ziel… doch so gern er es erfüllt sehen würde - so viel konnte doch dazwischenkommen und es verhindern. Dinge, die vorhersehbar oder wahrscheinlich waren, wie die Weigerung Mon Mothmas oder die Feindseligkeit Han Solos, aber auch weder plan- noch verhinderbare Dinge… und die haßte er am meisten.
„Noch einen Kaf?" fragte er sanft, als das Schweigen drohte, drückend zu werden.
„Gern." Sie lächelte und reichte ihm ihren Becher, obwohl sie seine Hand ungern loszulassen schien.
Er erwiderte das Lächeln und erhob sich lederknarrend, um zum Replikator zu gehen.
Als er dort auf das Befüllen der Becher wartete, öffnete sich unverhofft die innere Schleuse, und Max trat ein, ein Datenpad in der Hand. Er sah überrascht zu Leia, lächelte aber und nickte ihr zu, bevor er Vader entdeckte und zu ihm hinüberging.
Und Leia erwiderte das Lächeln automatisch – sie mochte Veers recht gern – bevor ihr aufging, was hier eben passiert war. Nur zwei Menschen an Bord dieses Schiffes konnten den Raum betreten, hatte Vader gesagt. Seine Ärztin – und seine Liebe. Ihr Lächeln erfror im Schock, und sie riß die Augen auf, als sie begriff.
Über Vaders Gesicht glitt ein ganzer Sturm von Gefühlen innerhalb weniger Sekunden. Angefangen bei schlichter, reiner Freude, als er Max eintreten sah, über Verwunderung, was ihn persönlich herführte, gefolgt von Sorge über den Grund, Erschrecken, als er sich an Leia erinnerte und Entsetzen und Ärger bei einem Blick zu ihr und ihrer scheinbar ablehnenden Reaktion.
Er ließ die Becher stehen und ging zu Max, der Vaders Reaktion wohl wahrgenommen und mit zunehmender Besorgnis verfolgt hatte, um ihn zu umarmen und zu küssen. Leia würdigte er keines Blickes, als er dann mit größter Ruhe fragte: „Was führt dich persönlich her? Ist etwas passiert?"
„Nein.", antwortete Max, der den Kuß zärtlich erwidert hatte, sich seiner Bedeutung und Wichtigkeit deutlich bewußt, und hielt seine Stimme ebenfalls vollkommen ruhig und neutral. „Ich wollte dir dies hier nur nicht über das Netz übermitteln, da ich weiß, daß du es vertraulich halten möchtest. Hier sind die ersten Rückrufe deiner Liste – man hält sich bereit, mit dir zu sprechen." Er überreichte seinem Freund das Pad, der es entgegennahm, aktivierte und überflog.
„So viele?" entfuhr es ihm überrascht und erfreut. „Das ist gut… das ist wundervoll. Danke, Max."
„Ich dachte mir, daß du dich vielleicht sofort darum kümmern wolltest, aber ich wußte, daß du mit deinen Kindern unterwegs bist und wollte nicht stören – deshalb fand ich, es sei am Besten, es hier zu hinterlegen. Dein Pod hat die übliche Markierung."
Vader nickte und warf einen kurzen, prüfenden Blick zu Leia, der überraschend kühl war. Er war verletzt, das war deutlich zu sehen. Und die Prinzessin saß immer noch reglos da, blaß und fassungslos, nicht wissend, wie sie reagieren sollte.
Max wußte, wie wichtig die Gespräche für ihn waren, deshalb legte er ihm leicht eine Hand auf den Arm.
„Geh, sprich mit ihnen.", sagte er sanft. „Ich kümmere mich um Leia."
Vaders Augen verengten sich abschätzend, dann nickte er knapp und griff nach seiner Maske, um sie anzulegen.
Erklär es ihr, wenn sie fragt., wies er Max an, der nur stumm nickte.
Es dauerte nur wenige Sekunden, bis Darth Vader zurück war. Mit einem letzten Zögern, als warte oder hoffe er auf etwas, ruhte sein Blick auf Leia, dann stürmte er ohne Gruß aus dem Zimmer und verschwand.
Veers sah ihm einen Moment nach, dann nahm er die zwei frisch gefüllten Becher Kaf und reichte Leia ohne zu zögern den Richtigen. Als sie ihn verblüfft ansah, lächelte er und setzte sich aufs Bett, ihr gegenüber.
„Davas Tasse.", sagte er schlicht, hob sie hoch und nahm einen Schluck daraus. Aus irgendeinem Grund trieb ihr diese schlichte, selbstverständliche Handlung – aus einer bereits benutzten Tasse zu trinken – die Schamröte ins Gesicht. Aber Veers ließ ihr keine Zeit zur Rechtfertigung.
„Wenn Sie jetzt glauben sollten, Ihr Vater sei plötzlich zur Schwuchtel mutiert", begann er mit wohl absichtlich harten und beleidigenden Worten, wenngleich auch in völlig ruhigem Tonfall und mit freundlichem Gesichtsausdruck, „muß ich Sie enttäuschen. Dasselbe gilt, wenn Sie denken, er habe aus völliger Verzweiflung nach einem Strohhalm gegriffen, weil er sonst niemanden abbekäme – Monster und Schlächter, der er ist. Auch das trifft nicht zu. Ebensowenig wie die etwaige Annahme, er hätte Ihre Mutter nicht geliebt und all die Jahre eine Lüge gelebt."
„Aber ich habe nicht - ", begann sie defensiv.
Veers hob die Hand, zum Zeichen, daß er noch nicht fertig war. „Ihr Vater", sagte er deutlich und betont, „ist der wundervollste Mensch, den ich kenne. Er tut, was er tun muß, weil er keine andere Wahl hat. Wie alle Menschen hängt er am Leben. Sein Job ist grausam, ja, aber er ist auch notwendig – ebenso wie die Aufgabe der Raubtiere in der freien Natur. Und wir alle müssen dankbar sein, daß es ihn gibt – oder besser: daß er diese Stelle ausfüllt. Denn er hat sich, obwohl es nicht so scheint, durchaus noch seine Menschlichkeit dabei bewahrt. Er ist fähig zu lieben, und er tut es." Er schwieg einen Moment, in dem er einen Schluck aus dem Becher nahm und sie eindringlich musterte. „Er hat Ihre Mutter über alles geliebt, Leia. Das weiß ich. Ich nehme nicht - und werde es nie - ihren Platz in seinem Herzen ein, aber ich stehe neben ihr, beinahe gleichberechtigt. Er liebt auch mich – und ich liebe ihn. Obwohl auch ich verheiratet war und einen Sohn habe – und ihn liebe und meine Frau liebte. Und er liebt Sie und Ihren Bruder. Und wenn Sie das jetzt noch nicht wissen, nicht fühlen, trotz Ihrer Kräfte, werden Sie es nie. Und dann haben Sie ihn nicht verdient." Immer noch sah er freundlich aus, gelassen, doch sein Tonfall war hart wie Stahl und ließ sie deutlich spüren, was Vader ihm bedeutete.
„Meine Frau starb vor einigen Jahren.", fuhr er dann fort. „Das ist etwas, das er und ich gemeinsam haben. Ihr Name war Sassa, und ich liebte sie sehr. Sie kam bei einem Unfall ums Leben – während eines gemeinsamen Urlaubs mit der Familie." Er nahm einen weiteren Schluck, der seine Bewegung verschleiern sollte. „Mein Sohn, Zevulon, dient ebenfalls in der Flotte, aber in einem anderen Bereich – ich sehe ihn nur selten." Noch ein Schluck, eine weitere Pause, die Leia jedoch nicht wagte, zu durchbrechen. „Ihr Vater… ich traf ihn das erste Mal, als ich Colonel war, auf Carida. Ich erregte seine Aufmerksamkeit, als ich eine schwierige Mission erfolgreich durchführte. Später dann wurde ich ihm von Großadmiral Thrawn empfohlen, der beeindruckt von meiner Leistung bei dem beständigen Kampf gegen die ‚Schwarze Sonne' war. Aber noch durfte ich nicht unter ihm dienen – statt dessen wurde ich auf Zaloriis stationiert, wo ein neuer Prototyp der AT-AT entwickelt wurde, da ich bereits federführend bei den Basismodellen gewesen war. Allerdings erklärten die Zaloriianer unerwartet ihre Unabhängigkeit vom Imperium, und die ganze Basis kam in ein Gefangenenlager." Er lächelte in der Erinnerung, als er den Becher leerte und in den Händen barg. „Raten Sie mal, wer mich daraus befreit hat."
„Darth Vader.", flüsterte sie.
Er nickte. „Korrekt. Ich weiß noch, was er zu mir sagte, als er mich herausholte – dabei hätte ich nicht einmal gedacht, daß er sich noch an mich erinnerte: ‚Colonel, Sie sind zu wichtig für das Imperium, um in einem Gefangenenlager zu verrotten.'", Er lachte leise. „Dann setzte er sich mit mir zusammen und beendete die Entwicklung des Prototypen – um ihn danach erfolgreich in der Niederschlagung der Revolution der Zaloriianer zu verwenden. Und er ernannte mich zum General, Thrawns Empfehlung folgend."
„Großadmiral Thrawn…", murmelte Leia nachdenklich. „Ich habe noch nie von ihm gehört."
Veers grinste kurz. „Einerseits wundert mich das, andererseits auch wieder nicht. Er ist ein Chiss."
„Ein Chiss? Ein ALIEN ist Großadmiral des Imperiums?" keuchte die Prinzessin.
„In der Tat." Veers schmunzelte. „Der einzige Nichtmensch, der jemals einen solchen Rang einnahm. Mitth'raw'nuruodo, genannt Thrawn, ist einer der fähigsten Offiziere, die ich kenne."
„Und Vater hört auf ihn?"
Veers runzelte die Stirn, auch wenn er durchaus und erfreut das ‚Vater' zur Kenntnis nahm. „Warum sollte er nicht?"
„Aber er ist ein Alien!"
„Na und? Ist Ihnen nicht aufgefallen, wie Ihr Vater mit Chewbacca umgeht?"
„Respektvoll und anerkennend.", murmelte sie. „Aber ich dachte, sie würden sich vielleicht von früher kennen…"
„Das mag sein, aber es macht keinen Unterschied. Darth Vader, einst Anakin Skywalker, ist auf Tatooine aufgewachsen, einem Schmelztiegel der Rassen. Er ist im Jeditempel großgeworden und hat in den Klonkriegen gedient. Und überall hat er eines gelernt: Intelligenz ist nicht Rassenabhängig, sondern liegt einzig bei der Person. Und so hält er es heute noch." Veers erhob sich und ging zum Replikator hinüber, um seinen Becher neu zu füllen. „Auch noch eine Tasse?"
„Oh nein, danke – das wäre dann schon die dritte…", stammelte Leia.
„Etwas Stärkeres vielleicht?"
Sie wollte ihn schon anfauchen, als sie das amüsierte Blitzen in seinen Augen sah, und seufzte statt dessen. „Das war nicht nett."
„Vielleicht nicht, nein.", gab er zu, gab Milch in seinen Becher und kehrte zum Bett zurück. „Aber ich will Sie aufrütteln. Ich möchte, daß Sie verstehen. – Also. Ich wurde zum General in den Bodentruppen der Todesschwadron ernannt, wobei Ihr Vater einige ältergediente Colonels überging. Aber niemand stellte aufgrund meiner Leistungen und Verdienste – und nicht zuletzt aus purem Selbstschutz", fügte er selbstironisch hinzu, „die Beförderung in Frage, und seither kommandiere ich unter anderem eine äußerst erfolgreiche AT-AT-Schwadron, und zwar an Bord dieses Schiffes." Er pustete sacht auf die dampfende Oberfläche des Kaf und nippte dann vorsichtig. „Die Erkenntnis, daß ich mich in Darth Vader verliebt hatte, traf mich hingegen vollkommen unerwartet schon vor einiger Zeit. Es entstand aus purer Bewunderung seiner Person und Neugierde, was diesen mysteriösen Mann anging, von dem man beinahe gar nichts wußte – außer den bekannten Tatsachen: daß er der beste Kämpfer des Imperiums ist und einer der besten Piloten der Galaxis. Aber nichts war darüber bekannt, woher er kam, oder was er getan hatte, bevor er auftauchte. Nirgendwo war sein Name verzeichnet, er schien keine Geschichte zu haben, und es gab keine Erklärung, wozu der Anzug diente, oder warum er ihn tragen mußte. Und so begann ich, mich umzuhören und Informationen zu kaufen. Heimlich und vorsichtig. Und je mehr ich über ihn herausfand, desto mehr bewunderte ich ihn. Und schließlich mußte ich mir eingestehen, daß es mehr war als Bewunderung. Ich hatte mich verliebt."
Er lächelte ein wenig schräg und nahm einen weiteren Schluck. „In jeder Armee der Galaxis, in der hauptsächlich Männer dienen, ist gleichgeschlechtliche Liebe oder Sex vollkommen normal und an der Tagesordnung, auch wenn man nicht darüber spricht. Aber Sex ist ein Ventil für vieles, und deshalb regt sich niemand darüber auf. Unter den Rebellen wird das nicht anders sein."
„Ich - nun - " Sie kam ins Stammeln und wurde rot. „Ich habe noch nie etwas davon gesehen oder gehört."
Er zuckte die Schultern. „Wie gesagt: es wird meist diskret gehandhabt, und soweit ich hörte, dienen in der Rebellion mehr Frauen als in der imperialen Flotte – es kann durchaus sein, daß die Quote bei euch niedriger ist als bei uns. Aber dennoch – ich hatte nie angenommen, daß ich eines Tages dazugehören würde. Nach Sassas Tod hatte ich mich damit abgefunden, alleine zu sein. Ich konnte und wollte sie nicht ersetzen, durch niemanden. Bis ich Dava traf."
„Und er?" fragte sie leise.
Veers lächelte. „Er war wie vom Schlag getroffen. Und wehrte sich nach Kräften… für ungefähr eine Minute. Dann begann er nachzudenken." Er sah sie über den Rand seines Bechers an, als er trank. „Ihr müßt verstehen, daß er für zwanzig Jahre seines Lebens vollkommen allein war. Isoliert in der Masse. Er hatte niemanden, der mit ihm sprach, der mit ihm teilte, der mit ihm über seine Sorgen und Ängste sprach oder sich mit ihm über seine Erfolge freute. Der Kaiser gab ihm Anweisungen und erwartete Bericht und Vollzug, sonst ließ er ihn einfach machen. Recht angenehm, solange alles lief – und das tat es, meist. Aber oft genug äußerst schmerzhaft, wenn etwas schiefging. Doch Palpatine hatte nie ein offenes Ohr für persönliche Belange… Aber wie ich hatte er sich damit abgefunden, allein zu sein. Er hatte den Rest Menschlichkeit tief in sich vergraben, gut gepanzert und geschützt, denn Menschlichkeit verursacht Schmerzen – diese Lektion hatte er zu oft gelernt. Er hatte sich zu der äußeren auch noch eine persönliche Maske der Unnahbarkeit geschaffen, die ebenso undurchdringlich war – und obwohl er von seinen Leuten bewundert und geschätzt wurde und wird, wagte es doch niemand, ihm persönlich näherzukommen."
„Klingt, als seien Sie lebensmüde gewesen, General." Nun lächelte sie auch, das erste Mal, seit Vader das Zimmer verlassen hatte.
„In gewisser Weise." Er nickte, leerte den Becher ein zweitesmal und erhob sich, um ihn auf einen Tisch zu stellen. „Eine Art von Wahnsinn, vielleicht. Ich riskierte alles – und gewann. Ihr Vater war so perplex, daß jemand es wagte, sich ihm derart zu nähern, ihm Freundschaft anzubieten – Liebe gar – daß er das Risiko einging und es mir gestattete."
„Wann war das?" wollte sie wissen, langsam neugierig geworden.
„Vor einem guten halben Jahr… vielleicht auch ein wenig mehr. Es begann als Freundschaft – mit gemeinsam verbrachten Abenden, Gesprächen, gemeinsamen Basteleien und einfachem Teilen von Interessen. Und langsam wurde es mehr, wobei er allein das Tempo bestimmte. Ich für meinen Teil hätte nie geglaubt, auch nur in seine Nähe zu kommen, geschweige denn, mehr von ihm zu haben als ein belangloses Gespräch von Zeit zu Zeit… und nun? Wir lieben uns, Leia. Und ich meine damit Liebe im Wortsinn. Wir ehren und achten den anderen mit all seinen Fehlern und Vorzügen, mit all seinen Stärken und Schwächen, wir fangen einander auf und freuen uns mit dem Anderen." Er sah sie an und kam einem möglichen Zweifel oder Widerspruch zuvor, als er ergänzte: „Oder wie würden Sie es nennen, wenn jemand einen halben Tag – über zwölf Stunden! – an Ihrem Bett verbringt, um mit der Macht ein Knochenpuzzle zu legen – nur, um zu verhindern, daß man Ihre Beine amputieren muß?"
„Er hat was getan?"
„Ich leitete den Angriff der AT-AT auf Hoth, und einer eurer Piloten kollidierte mit meinem Geher. Er prallte direkt ins Cockpit. Meine beiden Piloten starben, ich überlebte schwerverletzt – doch meine Beine waren nicht nur gebrochen, sondern regelrecht zersplittert. Kein Arzt, kein Bactatank der Welt hätte sie heilen können. Es war geplant, sie zu amputieren." Er sah hinunter auf seine gesunden Beine, die in der Uniformhose und den hohen Stiefeln steckten, und wippte kurz auf den Zehen. „Er war damals bereits geheilt und hatte während dieses Prozesses viel gelernt, so daß er sich erbot, es bei mir zu versuchen. Ein Bein allein dauerte über sechs Stunden."
Sie riß die Augen auf. „Er operierte zwölf Stunden lang an Ihnen herum?"
„Nein, Leia. Er heilte mich mit der Macht. Ich begegnete ihm im Traum – vielleicht war es auch eine Zwischenwelt, wer weiß – wo er ein Puzzle ohne Motiv legte. Und so richtete er die Knochensplitter in meinen Beinen – mit der Macht. Zweimal sechs Stunden lang."
„Schöpfer…!"
Veers nickte nur. „Er kann lieben, Leia. Er tut es. Und er liebt auch Sie – und Luke. Mit ganzem Herzen."
„Ich weiß." Sie sah zu ihm auf, und ihre Lippen zitterten, so daß Veers automatisch schon nach einem Taschentuch suchte und ihr reichte. „Ich schäme mich."
„Das ist… nicht notwendig.", meinte er. „Akzeptanz ist das, was wichtig ist."
Sie nickte und schneuzte sich kräftig. „Ja. Ich akzeptiere es. Ich verstehe es sogar. Und ich freue mich, wenn er glücklich ist. Es war nur…"
„Unerwartet?", bot er an, als sie stockte. „Schockierend? Eklig?"
„Die ersten beiden.", gab sie zu. „Aber statt ‚eklig' würde ich lieber ‚fremd' sagen."
„Angenommen." Veers lächelte. „Also, was nun?"
„Ich möchte mich bei ihm entschuldigen.", sagte sie ein wenig kleinlaut.
„Guter Plan. Aber derzeit ist er beschäftigt, und ich weiß nicht, wie lange es dauern wird."
Sie sah ihn fragend an, wagte aber nicht, es laut zu sagen.
„Ich darf es Ihnen erklären." Er schmunzelte. „Die Liste, die ich ihm vorhin gebracht habe, ist Teil seines Netzwerks. Er hat schon vor einigen Tagen begonnen, alte Kontakte zu erneuern, sich bei Leuten in Erinnerung zu bringen. Es sind dies meist alte Kampfgefährten, denen er einmal geholfen hat, die ihm etwas zu verdanken haben – was auch immer – oder ihm sonst noch Gefallen schuldig sind. Einige sind auch schlicht loyal zum Imperium, weil es ihn gibt. Sie anerkennen ihn als den eigentlichen Herrscher, nicht den Kaiser – weil er ihnen in der Vergangenheit geholfen hat oder weil sie die Weitsicht besitzen, zu erkennen, wer die eigentlich mächtigste Figur in diesem verfluchten Spiel ist."
„Und warum fordert er jetzt alte Gefallen ein?"
„Leia…", tadelte Veers sanft. „Denken Sie nach. Warum wohl? Er plant, den Kaiser zu töten. In einer Woche. Wenn er diese Vorbereitungen nicht treffen würde, hätte er einen ausgewachsenen Bürgerkrieg im eigenen Hinterhof, noch bevor die Leiche des Kaisers den Boden berührt."
„Aber – das ist offene Rebellion!" rief sie entsetzt.
Er zuckte mit den Schultern und lächelte. „Im Krieg und in der Liebe sind alle Mittel erlaubt, heißt es. Er nutzt seine Ressourcen. Er wäre dumm, täte er es nicht."
„Wird er gewinnen?"
„Gegen die Aufstände im eigenen Bereich? Oh ja. Sein Netzwerk ist umfassend – und wie Sie gesehen haben, war er selbst überrascht über die Länge der Liste derer, die Bereitschaft signalisieren – jetzt schon. Und er hat noch nicht einmal ein Drittel durch. Sicher, er wird Zugeständnisse machen müssen, aber er wird fest im Sattel sitzen. Fester und sicherer, als der Kaiser es jemals tat. Oder, besser gesagt: anders. Auf gänzlich anderer Basis."
Sie nickte langsam. „Und die Rebellion? Mothma wird egal sein, welche schwarze Kutte an der Spitze steht."
„Das, mein Mädchen", sagte Veers bedächtig, „besprechen Sie am Besten selbst mit ihm."
Erneut nickte sie. „Ich möchte mit ihm sprechen. Über beides."
„Warten Sie hier.", schlug der General vor. „Ich muß ohnehin zur Brücke zurückkehren – ich werde es ihm sagen, sobald er fertig ist." Er verneigte sich knapp und wandte sich zum Gehen.
„Danke, General.", sagte sie leise.
Er lächelte ihr zu. „ICH habe zu danken, Leia. Bis später."
