Kapitel 66
Vader sah amüsiert auf den Mann hinunter, den es im Wortsinn auf den Hosenboden gesetzt hatte. Tatendurstig erhob er sich, auf der Suche nach weiteren Dingen, die er reparieren konnte.
„Aber… seit wann…", stammelte Solo.
„Seit ihrer Geburt.", versetzte Vader trocken.
„Verdammt, Vader!" knurrte der Schmuggler und lief rot an. „Seit wann weiß sie es – und seit wann wissen SIE es?"
Vader zupfte prüfend an einer abenteuerlich geflickten Kabelkupplung und begann, sie auseinanderzureißen – samt den gelegten Leitungen, die zwei Aggregate verbanden.
„HE!" protestierte Solo und sprang auf. „Das ist eine meiner besseren Modifikationen!"
„Und eine, die sich noch verbessern lässt.", kommentierte der dunkle Lord. „Sie haben die Direktleitung von da nach da gelegt", er deutete, „um einen Energieverlust in diesem Konverter hier zu vermeiden, richtig?"
„Ja…" Der Schmuggler fuhr sich vollkommen perplex durch die Haare. Woher wusste er das? „Aber warum - "
„Gut. Die Idee an sich ist nicht schlecht, aber sie ist instabil, denn genau dafür ist der Konverter da. Ich wette, der Kasten hier links ist alle paar Tage ausgefallen oder lief unrund."
„Richtig, aber - "
„Schön. Wenn Sie die Kupplung HIER einsetzen", er deutete wiederum, während er schon daran arbeitete, „läuft das Ganze absolut stabil und steigert außerdem noch die Leistung um mindestens sieben Prozent. Wenn nicht zehn."
War es denn zu fassen? Darth Vader, der Mann, der als größter Schlächter des Universums galt, als größter Feind der Allianz, der ihn gejagt und in Karbonit eingefroren hatte, stand an Bord seines Schiffes und reparierte es?
„Seit wann, Vader?" wiederholte er müde und lehnte sich gegen eine Wand, während er nicht ohne Faszination dem besten Mechaniker zusah, den er je bei der Arbeit beobachten durfte.
„Leia? Noch nicht sehr lange. Um ehrlich zu sein, ahnte ich es erst wenige Stunden, bevor Sie aus dem Karbonit geholt wurden. Und sie erfuhr es einige Tage später, hier an Bord."
„Wie hat sie reagiert?", entfuhr es ihm, bevor sein Gehirn ihm mitteilte, dass die Frage nicht sonderlich diplomatisch war.
„Ich war nicht dabei.", antwortete der dunkle Lord gelassen und ruhig. „Sie fand es zusammen mit Luke heraus. Ich wollte noch damit warten, es ihr zu sagen – ich fand, sie sei noch nicht ganz bereit dazu. Aber als sie es wusste, akzeptierte sie es erstaunlich schnell."
„Mit Luke? Genau. Wie passt der denn nun ins Bild? Sie haben uns als Lockvögel benutzt, um Luke nach Bespin zu bekommen, haben ihm dort eine Hand abegeschlagen und danach Ihr Leben riskiert, um seins zu retten, wie ich hörte."
Vader nickte und ließ ein anderes Werkzeug in seine Hand fliegen. „Luke ist mein Sohn. Es sind Zwillinge."
„Zwillinge?"
Der behelmte Kopf drehte sich langsam zu ihm und musterte ihn amüsiert. „Sie wissen schon, was Zwillinge sind, oder?"
„Verdammt, Vader, natürlich weiß ich das!" knurrte Solo. „Aber ich meine, wie…" Er wedelte mit der Hand in einer unbestimmten Geste vor Vaders Rüstung. „Es heißt, Sie seien ein halber Cyborg. Wie…"
Vader wandte sich wieder den Kabeln vor ihm zu. „Denken Sie, ich sei so geboren worden?" fragte er bitter. „Schalten Sie wenigstens einmal im Leben Ihr Hirn ein, bevor Sie den Mund aufmachen, Solo! Wie alt sind die beiden?"
Er stutzte, als ihm bewusst wurde, dass er das nicht wusste. „Äh… um die zwanzig?"
„Beinahe. Sie wurden am Imperiumstag geboren, am Tag der Machtübernahme Palpatines - der auch die Geburtsstunde von Darth Vader markiert. Seit diesem Tag bin ich auf diesen Anzug angewiesen. Erst seit diesem Tag, Solo."
Der Schmuggler, dessen Hirn in Wahrheit auf Hochtouren arbeitete, aber auf einer anderen Schiene lief, verlor den Halt und musste sich setzen, als Informationen zusammenrückten wie Puzzleteile und plötzlich bündig ineinandergriffen. „Moment. Luke Skywalker ist Ihr Sohn – dann sind Sie Anakin Skywalker! Der Held ohne Furcht! Oh Mann – als Kind habe ich Sie vergöttert, wissen Sie das? Ich klebte vor dem Bildschirm, wenn über eines Ihrer Abenteuer berichtet wurde… Anakin Skywalker lebt… ich fass es nicht…!" Er hockte auf dem Boden und starrte mit einer Mischung aus Faszination, Begeisterung und Abscheu zum Idol seiner Kindheit auf.
„Nein, Captain." Vaders Stimme war überraschend sanft, aber hart und bestimmt. „Anakin Skywalker ist tot, er starb am Imperiumstag auf Mustafar. Ich bin und bleibe Darth Vader, und meine Kinder wissen und akzeptieren das."
Solo starrte ihn an. „Sie lieben sie beide, nicht wahr?" fragte er langsam. Langsam begann die Mauer, die er gegen Vader errichtet hatte, zu bröckeln, begann er, die Person hinter der Maske zu sehen.
„Ja, Captain. Ich liebe sie – und sie lieben mich. Und deshalb werde ich auch Leias Wunsch akzeptieren und zulassen, dass sie Sie zum Partner wählt."
„WAS?"
„Sie haben richtig gehört. Ich werde mich nicht in die Beziehungen meiner Kinder mischen, und sie sich nicht in meine – aber die Umstände erzwingen dennoch gewisse… Konditionen."
„Konditionen.", echote Solo misstrauisch. „Sie meinen, Sie bringen mich um, wenn ich mich nicht als würdig erweise, he?"
„Selbstverständlich, Captain, aber nicht nur. Wenn Sie Leia lieben - "
„Das tue ich!"
„Gut. Wenn Sie sie lieben, werden Sie sie beschützen und nicht zulassen, dass ihr etwas geschieht. Nicht wahr?"
„Aber natürlich!"
„Das wollte ich hören. Setzen wir uns, Captain. Wir haben einiges zu beprechen."
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Draußen hatte sich der Rest mittlerweile auf den Kisten niedergelassen und schwieg eine Weile. Teils aus Unsicherheit, teils – wie bei Veers – aus noch nicht ganz abgekühlter Wut. Selbst C-3PO war ungewöhnlich still, er hatte nur kurze Grüße mit R2 ausgetauscht und sich dann stumm neben der Gruppe platziert. Wenn es nicht so menschlich klänge, könnte man sagen: er war eingeschüchtert.
# Es tut mir leid, General. # wiederholte Chewbacca schließlich. # Wenn ich geahnt hätte, was er vorhat, hätte ich besser aufgepasst und es verhindert. #
„Danke, Chewbacca." Veers nickte ihm in ehrlicher Anerkennung zu, nachdem 3PO übersetzt hatte. „Es ist ja nichts passiert – und niemand von uns hat wirklich damit gerechnet. Aber ich wollte die Friedlichkeit des Treffens deutlich machen, indem ich allein kam, ohne Wachen."
# Ich weiß das zu schätzen, glauben Sie mir. # versicherte der Wookie. Nachdenklich sah er zu Luke und Leia. # Gibt es… Neuigkeiten? #
Max grinste. „Ja. Beide."
# Gut. #
Calrissian verfolgte das Gespräch verwirrt, wagte aber nicht zu fragen. Und Luke starrte Chewbacca verdutzt an, ebenso wie Leia.
„Du wusstest es?"
# Schon eine ganze Weile, Welpe. Seit Tatooine. Sein Geruch ist mit eurem eindeutig verwandt. Und ihr beide wart mir ohnehin schon lange klar. #
„Warum hast du nie etwas gesagt?" wollte Leia wissen.
# Weil dieses Geheimnis nicht mir gehörte. Aber Vader weiß, dass ich es weiß, ich habe mit ihm darüber gesprochen. Er war überrascht. # Chewie lachte. # Vor allem, weil in diesem Fall Wookieesinne zuverlässiger waren als seine Jedikräfte. #
„Äh – wäre es zuviel verlangt, zu fragen, wovon ihr sprecht?" erkundigte Calrissian sich vorsichtig.
Die anderen wechselten einen Blick, Luke nickte. Arik übernahm.
„Baron Calrissian, ich darf Ihnen Leia und Luke… Vader vorstellen."
„WAS?" keuchte der, während die Zwillinge noch überlegten, ob sie gegen den Namen protestieren sollten oder nicht. Einerseits war ihnen der Gedanke sonderbar, denselben Namen zu tragen wie der gefürchtetste Mann der Galaxis, andererseits war es das erste Zeichen der Gemeinsamkeit, der Familie – etwas, das sie verband.
„Lord Vaders Kinder.", fuhr der Captain fort. „Und ich würde Ihnen raten, ihn nicht darauf anzusprechen, unter welchem Namen er lebte, als sie gezeugt wurden, denn natürlich war er damals noch nicht Darth Vader."
„Rülpsender Rancor…!" stöhnte der Ex-Baron. „Und natürlich darf das niemand erfahren, oder?"
„Vollkommen korrekt. Das heißt, an Bord dieses Schiffes ist dies ein offenes Geheimnis – Luke ist offiziell bekanntgegeben worden, Leia wird sich bald herumsprechen, denke ich.", erwiderte Veers ruhig. „Aber wenn es unter den Rebellen bekannt würde… Sie können sich vorstellen, dass das Leben beider Kinder in großer Gefahr wäre."
Calrissian nickte langsam. Natürlich. Vaders Kinder… welch ein Unterpfand wäre das, um den dunklen Lord zu erpressen! Unbezahlbar!
„Hast du Vater früher gekannt?" erkundigte sich Leia bei Chewbacca. „Ich weiß nur, dass er fließend Shyriiwook spricht, also muß er auf Kashyyyk gewesen sein."
# Ich kenne Yoda. # erwiderte der Wookiee. # Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich ihm je als Jedi begegnet bin. Die Klonkriege sind eine Zeit, an die keiner von uns gern zurückdenkt… als Sith war er einige Male dort, das weiß ich. #
„Und was denkst du darüber?" fragte Luke vorsichtig.
# Du meinst, ob ich es ihm nachtrage? # meinte Chewie. # Ja und nein, Luke. Fest steht, dass er sehr, sehr grausam war, brutaler als andere. Aber es war Krieg – er stand auf der einen Seite und wir auf der anderen. Wir brachten uns gegenseitig um, niemand fragte mehr danach, ob es rechtens war oder nicht. Und so wie ich ihn mittlerweile einschätze… so wie er riecht… hatte er wohl gute Gründe. #
„Wie wäre es mit dem Imperator?" brummte Veers. „Der allein ist wohl Grund genug. Aber er war sehr verbittert damals und kompensierte es auf diese Weise – was sicher keine Entschuldigung ist. Er litt sehr darunter, seine Frau verloren zu haben – im Glauben, er selbst habe sie getötet, was nicht wahr ist – und sein ungeborenes Kind ebenfalls. Er hatte starke Schmerzen durch die Prothesen und den Anzug, und er war zeitlebens von einer Sklaverei in die nächste gerutscht. Erst bei den Hutts, dann bei den Jedi und nun beim Kaiser. Er war nie frei… niemals."
Calrissian räusperte sich. Sein Verhältnis zu Vader war gespalten – einerseits hatte er bis zu ihrer Begegnung auf Bespin einen recht hohen Respekt vor ihm gehabt, andererseits trug er ihm nach, über den Tisch gezogen worden zu sein. Wenn auch ein Teil davon sein eigenes Verschulden war, sicher… er war recht blauäugig gewesen. Und sonderbarerweise war der Respekt immer noch da.
„Was meinen Sie mit Prothesen, General? Und warum muß er den Anzug überhaupt tragen?"
Max seufzte unhörbar. „Die Gerüchte über ihn entsprechen zum Teil der Wahrheit. Er ist ein halber Cyborg. Beide Beine bis zu den Knien sind künstlich, und beide Arme bis über die Ellbogen. Drei der Glieder verlor er in einem Duell mit seinem ehemaligen Meister, Obi-Wan Kenobi, das auf Mustafar stattfand."
„Mustafar? Aber das ist ein Lavaplanet…", sagte Calrissian verwirrt. „Dort kann man nicht existieren…"
„Es ging um eine Mission. Aber Sie haben Recht – und der Planet, beziehungsweise das Feuer und die Lava dort sind auch verantwortlich für die Notwendigkeit des Anzugs. Er wurde für tot liegengelassen, brennend. Seine gesamte Haut ist verbrannt, seine Lungen, seine Stimmbänder, alles."
„Schöpfer…!" füsterte der Baron, vor dessen geistigem Auge sich eben grausige Bilder formten. „Wie hat er das überleben können?"
Veers lächelte schwach. „Er ist zäh. – Nein, die Macht hat es ihm ermöglicht. Die Macht und der brennende Wunsch nach Rache, Baron. Rache an dem, der ihn verstümmelte und dann zusah, wie er langsam verreckte."
Calrissian war blaß geworden und schluckte trocken. Vader hin, Monster her, niemand hatte so etwas verdient. Mitleid und neues Verständnis stiegen in ihm auf.
„Der Kaiser fand ihn und brachte ihn zu Heilern – und diese passten ihm den Anzug an, den er seither tragen muß."
Der Baron schloß die Augen; er mochte sich nicht einmal ansatzweise vorstellen, welche Schmerzen das verursacht haben mußte. „Kein Wunder.", murmelte er. „Ich glaube, wenn ich DAS hinter mir hätte, wäre ich auch schlecht gelaunt…"
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Vader und Han hatten es nicht bis zur Sitzgelegenheit – dem Spieltisch – geschafft, da der dunkle Lord unterwegs eine weitere schadhafte Stelle entdeckt hatte, die er reparieren wollte. Und um genau zu sein, war da nicht einmal viel Suchen notwendig – der FALKE war ein einziger, riesiger Knoten Flickschusterei.
Eine weitere knappe Bewegung mit der Hand, und der Werkzeugkasten folgte ihnen wie ein Hund. Solo hob bloß noch den Fuß, um ihm auszuweichen, und lehnte sich neben Vader an die Wandung, um ihm zuzusehen. Er hatte in dieser halben Stunde bereits mehr gelernt als in den letzten zehn Jahren – unglaublich, welches Geschick dieses schwarze Ungetüm neben ihm an den Tag legte! Und das mit mechanischen Händen…
„Wie machen Sie das eigentlich?" erkundigte er sich neugierig.
„Was, Captain?" fragte Vader ein wenig abwesend, er steckte mit dem Kopf in der Wandung und untersuchte, wohin eine bestimmte Leitung lief. Daß er so angreifbar wurde, schien ihm egal – oder er rechnete schlicht nicht mehr mit einer entsprechenden Aktion Solos. Und tatsächlich überwog bei diesem mittlerweile die Neugier.
„Die Reparaturen. Ihre Hände sind doch mechanisch, wie ich hörte…"
Vader zog seinen Kopf wieder aus dem Wartungsschacht und zuckte die Schultern. „Training. Erfahrungswerte. Sensoren in den Fingerspitzen, die mit meinen Nervenbahnen verbunden sind." Waren, dachte er. „Reparieren und konstruieren erfreut mich schon seit Kindertagen. Ich kann alles reparieren… wirklich alles. Eine Begabung." Er sah auf seine Hände hinunter. „Anfangs war es verdammt schwierig. Und frustrierend. Ich zerstörte mehr, als ich zusammensetzte… aber ich lernte. Und ich kam recht schnell damit klar. Und heute denke ich schon gar nicht mehr darüber nach." Er begann zu arbeiten, aufmerksam beobachtet von Solo.
„Und was erwarten Sie von mir?"
Vader hielt einen Moment inne. „Ich will, daß Sie Leia mit ihrem Leben beschützen."
„Soweit waren wir schon. Und weiter?"
Der dunkle Lord atmete tief durch. „Ich würde sie gerne bei mir behalten, sie lehren und sie besser kennenlernen – wir haben zwanzig Jahre nachzuholen, müssen unsere Familie erst bilden und formen, zueinander finden. Aber das geht leider nicht… noch nicht. Nicht permanent."
Solo wartete, geduldig und neugierig.
„Ich möchte, daß Sie Leia vorerst zu den Rebellen zurückbringen. Wir werden uns gemeinsam eine passende Legende ausdenken, wie sie, Chewbacca und Calrissian Jabba überlistet und Sie aus dem Karbonit geholt haben."
„Denken Sie nicht, daß es sich herumgesprochen hat, wer den Palast tatsächlich zerstört hat?" erwiderte Solo skeptisch. „Die Nummer ist ein wenig zu groß für drei Mann."
„Ich habe da schon ein paar Ideen…", brummte Vader. „Und nein, es ist niemand entkommen, der nicht eine Rechnung mit Jabba offen hatte. Boba Fett hat persönlich dafür gesorgt."
„Sie arbeiten gern mit dem zusammen, hm?" knurrte Solo. Er haßte Fett.
„In der Tat. Er ist der Beste. Wir respektieren einander.", sagte Vader ruhig, als würde das alles erklären – und vielleicht tat es das sogar.
„Also… ich bringe Leia zurück, wir lügen Mothma in die Tasche, und mit viel Glück glaubt sie uns sogar. Und dann? Geht der ganze Tanz wieder von vorne los?"
„Unsinn!" knurrte der dunkle Lord ärgerlich und ließ ein anderes Werkzeug in seine Hände fliegen, im Tausch gegen das andere, das scheppernd in die Kiste zurückfiel, was Solo zusammenzucken ließ. „Die Vorzeichen sind doch ganz andere!"
„Aber Sie werden die Jagd doch nicht abbrechen…"
Vader stöhnte. „Solo, meine Güte…! Ich hätte Euch schon seit Jahren erledigen können, glauben Sie mir. Ich wußte oft genug ganz genau, wo ihr euch versteckt. Aber die Zeit war einfach noch nicht gekommen. Und sie ist es auch jetzt nicht."
„Sie wußten…?"
„Natürlich. Oder denken Sie, ich würde meine Hausaufgaben nicht machen? Aber die Aufgabe eines Jägers ist es, zu wissen, wann das Wild schlachtreif ist. Und noch wird die Allianz als Gegengewicht gebraucht. Gäbe es sie nicht, würde die Schwarze Sonne zu mächtig – und DAS will wohl keiner von uns, nicht wahr?"
„Nein.", knurrte Solo. „Wirklich nicht."
„Dann sind wir uns ja einig."
„Also schön. Was dann?"
„Mein nächstes Ziel ist der Kaiser.", sagte Vader ruhig und spannte seinen mächtigen Bizeps an, um eine festsitzende Schraube zu lösen. Solo sah staunend, wie sich das Leder eng um seinen Oberarm schmiegte. „Ich habe noch vier Tage, dann muß ich Luke bei ihm abliefern."
„ABLIEFERN?" keuchte er dann entsetzt.
„Das glauben Sie doch wohl nicht wirklich, oder? Daß ich das tue?"
„Mann… bis vor einer Stunde hätte ich auch noch nicht geglaubt, daß ich bei Ihnen um Leias Hand anhalten muß – und Sie mir das sogar noch gewähren!"
„Das haben Sie auch noch nicht getan, Captain." Vader klang, als würde er grinsen; Solo blinzelte. Unmöglich. Darth Vader grinste nicht. Eher ging die Welt unter.
„Was haben Sie dann mit dem alten Runzelgesicht vor?"
Vader versteifte sich etwas. Bei Jix war er diese flapsigen Sprüche gewöhnt, aber er war viel zu konditioniert darauf, den Kaiser zu verteidigen, um es von anderen einfach so hinzunehmen. Er brauchte einiges an Beherrschung, um ruhig zu antworten.
„Ihn zu töten, natürlich. Das ist der Weg der Sith."
„Natürlich.", brummte der Captain. „Und weil das so einfach ist, haben Sie es auch noch nicht längst schon getan."
„Es gab… gewisse Veränderungen.", teilte Vader ihm ruhig mit, während er geschickt einen Strang Kabel entwirrte und neu ordnete. „Ich bin jetzt in der Lage dazu, es zu schaffen."
„Und dann? Dann sind Sie ja wohl selbst Imperator."
Vaders schwarzer Stahlschädel wandte sich ihm zu. „Ganz genau. Und dann werde ich mich um die Allianz kümmern."
