Kapitel 67
„Was treiben die da drin?" fragte Luke bestimmt zum dreißigsten Mal und starrte zum Falken hinüber.
# Ganz ruhig, mein Junge. Es ist weder Kampfeslärm zu hören, noch wildes Geschrei und Verwünschungen. Vielleicht haben sie es ja doch geschafft, sich ganz zivil zu einigen… #
Luke knurrte. So gern er es glauben würde, es schien ihm doch nahezu unerreichbar – zwei Dickschädel wie diese. Er wandte sich R2 zu. „Kannst du uns nicht ein paar Bilder zeigen? Oder Vids?"
:: Die Hochzeit, noch mal? Für Leia? :: erkundigte sich der kleine Blaue. Diesmal übersetzte Max, sehr zu Lukes Erstaunen.
„Oh ja, gern!"
R2 pfiff bestätigend und spielte dann den kurzen Filmschnipsel als Hologramm ab; sie alle verfolgten ihn neugierig und gebannt.
Leia hatte Tränen in den Augen und wischte sie verstohlen weg, Veers konnte ein sentimentales Lächeln nicht unterdrücken, und Luke musste sich räuspern. Die anderen zeigten weniger Emotion – bis auf 3PO.
„Da bin ja ich!" rief er erstaunt. „Du meine Güte! Warum kann ich mich nicht daran erinnern?"
Luke sah ihn erstaunt an. „Du meinst, du weißt nicht mehr, wer dich gebaut hat?"
Die Fotorezeptoren des Droiden flackerten panisch. „Nein… in der Tat nicht, Master Luke. Ich kann mich an meinen Schöpfer nicht erinnern."
„Das war er." Leia deutete auf den jungen Mann in der Jedirobe, die beinahe etwas zu dunkel ausgefallen war. „Unser Vater."
„Eure Hoheit, ich bin untröstlich, aber - "
„Willst du dein Gedächtnis wiederhaben?" schnitt unverhofft der volle Baß Vaders ihm sein Wort ab. 3PO fuhr herum, so schnell seine eckigen Glieder ihm das erlaubten.
Der dunkle Lord kam gebückt aus der Einstiegsluke des Falken, Solo folgte ihm dichtauf – und machte einen beruhigend entspannten Eindruck.
„Nun, wenn das geht, Mylord…?"
„Ich hätte sehr schlechte Arbeit geleistet, ginge es nicht.", brummte Vader und trat hinter ihn, wo er einige Tasten drückte. „Override Master Signal, Level A."
„Passwort?" kam es mit einer fremden Stimme aus 3POs Mund.
„Wattos Flügel sind zu klein."
„Bestätigt."
Luke prustete, doch er verstummte, als der Droide kurz schwankte. „Wie wird mir… oh… oh… oh! Oh du meine Güte! Master A-"
Eine mit schwarzem Leder ummantelte Pranke verschloß rapide, umgehend und effektiv seine Mundöffnung. „Das ist nicht mehr mein Name, 3PO, und du wirst ihn nie wieder aussprechen. ‚Lord Vader' ist vollkommen ausreichend. Verstanden?"
Der Goldene konnte nur nicken. Vader ließ ihn los.
„Wie Ihr wünscht, Master - ", eine kaum merkliche Pause ließ ahnen, dass seine Programmierung und die jüngsten Befehle Vaders, die aufgrund des Overrides plötzlich griffen, miteinander rangen. „ – Vader." Offensichtlich hatte er ‚Anakin' gleich wieder verworfen und auch ‚Skywalker' in Betracht gezogen, bis er bei ‚Vader' landete.
Der dunkle Lord stöhnte, aber er sparte sich eine Korrektur – er kannte 3POs verquere Logikschaltungen.
„Aber, Master Vader – wem gehöre ich denn nun jetzt?" erkundigte sich der Droide dann verwirrt und verzweifelt. „Ihr seid mein Schöpfer, und ich wurde Euch ganz offensichtlich gestohlen. Dann wurden wir an Master Lukes Onkel verkauft und gingen in seinen Besitz über. Und Master Luke hat uns Prinzessin Leia überlassen."
„Nicht grübeln, Goldbein.", grinste Han und klopfte dem Droiden auf die Schulter. „Bleibt alles in der Familie."
„Ich möchte, dass du bei Leia bleibst.", sagte Vader ruhig. „R2 hingegen bleibt bei mir und Luke."
„Du schickst mich weg?", fragte Leia sofort und entsetzt.
„Ich möchte, dass du in Sicherheit bist, Leia."
„Wo wäre ich sicherer als hier?", schoß sie zurück. „Und außerdem wissen wir noch nicht, wer hinter dem Anschlag auf Luke steckt. Es könnte", sie schluckte, weil sie es ungern zugab, „durchaus jemand von unseren Leuten sein."
Vader nickte langsam, für ihn war diese Vermutung ein alter Hut. „Ich weiß, Leia. Ich gebe zu, dass du an Bord der EXECUTOR vermutlich sicherer wärst als irgendwo sonst, selbst wenn sie während des Angriffs über Coruscant hängt. Aber leider brauche ich dich noch aus einem anderen Grund bei den Rebellen."
„Als Spion?" Ihre Stimme klang eher traurig als zynisch, tatsächlich fühlte sie sich hin- und hergerissen, was ihre Loyalität anging.
„Nenn es Verbindungsoffizier.", sagte er ruhig. „Mein nächstes Ziel ist der Kaiser – mit den Rebellen befasse ich mich anschließend. Und dabei hängt dann viel von deren Verhalten ab… deshalb brauche ich dich dort, meine Tochter. Ich habe dir bereits gesagt, dass ich durchaus bereit bin, zu verhandeln und die Karten neu zu mischen, aber ich fürchte, dass Mon Mothma aufgrund unserer alten Feindschaft nicht dazu bereit sein wird. Du wirst vermitteln müssen – und es wird keine leichte Aufgabe sein."
„Eure alte Feindschaft?", echote sie neugierig. „Erzähl mir davon. Ich sollte es wissen, um entsprechend agieren zu können."
Vader wechselte einen Blick mit Veers. Wohin sollen wir gehen? Das zu erzählen – und danach zu besprechen, welche Abenteuer sie in der Zwischenzeit angeblich erlebt hat, wird eine Weile dauern.
Spielt es wirklich noch eine Rolle, ob ein paar Rebellen mehr durch diese Gänge wandeln?, fragte Max amüsiert zurück. Außerdem gehören Leia, Solo und der Wookiee zusammen, das ist allgemein bekannt. Und da nun offiziell ist, dass Leia auf deiner Seite ist…
Vader grollte. Mittlerweile dürfte sich weitläufig herumgesprochen haben, dass sie meine Tochter ist. Wir waren vorhin nicht wirklich vorsichtig.
Na also. Veers dachte nach. Ein paar Meter den Gang hinunter ist ein Piloten-Briefingraum. Wie wäre es mit dem?
Klingt… passend. Gut. Geh voraus.
Leia hatte den stummen Wortwechsel nun schon mit weniger Schwierigkeiten mitbekommen und lächelte vor sich hin. Luke wunderte sich zwar ein wenig, aber nicht sehr – er wusste ja um die Freundschaft der beiden Männer, auch wenn ihm neu war, dass sie sich duzten. Die anderen hatten anhand des Blickkontakts zumindest geahnt, dass Vader einmal mehr irgendwelche mystischen Tricks praktizierte, warteten aber stumm.
„Wir ziehen um.", verkündete Veers dann laut. „In einen Besprechungsraum ein paar Meter weiter. Bitte folgen Sie mir."
Der General ging voraus und öffnete die Tür, dann steuerte er ruhig den entsprechenden Raum an, während Arik automatisch eine Flanke sicherte, wie er es gelernt hatte, und Luke dasselbe auf der anderen Seite tat, ihn unwillkürlich imitierend. Hütehunde, dachte er grinsend.
Vader folgte mit Leia am Schluß der Gruppe mit ein wenig Abstand.
„Ich will nicht weg, Vater.", sagte die Prinzessin. Sie wunderte sich selbst über diese Erkenntnis – und noch mehr über die Tatsache, dass es ihr so leicht fiel, dies auszusprechen. „Ich habe noch so viel zu lernen. Und außerdem - "
„Ja?" fragte er sanft.
Sie zögerte. „Außerdem will ich in deiner Nähe sein, wenn… wenn du…"
Er sah sie an, schweigend und ein wenig gerührt. Was sie sagen wollte, war klar, und es freute ihn mehr, als er zugeben wollte.
Sie erwiderte seinen Blick, in vollem Bewusstsein darüber, dass sie nicht weitersprechen musste. Und staunend nahm sie einmal mehr zur Kenntnis, dass seine Erscheinung ihr keine Angst mehr machte, im Gegenteil.
„Es ist zu gefährlich, Leia. Die Unkenntnis des Kaisers darüber, dass du meine Tochter bist, ist dein stärkster Schutz. Ich kann dich nicht mitnehmen."
„Aber Luke - "
„Er hat ausdrücklich nach ihm verlangt. Ich muß ihn zu ihm bringen. Und Luke ist bereits ein wenig ausgebildet – etwas, was ich bei dir so schnell wie möglich nachholen werde, versprochen. Es ist ja nicht für immer, Leia. Wir müssen zusammenarbeiten, um die Sicherheit des Reiches zu gewährleisten. Nur gemeinsam können wir Frieden erreichen."
„Aber ich könnte auf der EXECUTOR…"
Er blieb stehen, wandte sich ihr zu und legte ihr beide Hände auf die Schultern. „Leia. Prinzessin. Ich werde immer bei dir sein. Unser mentales Band besteht und ist stark und fest, du kannst mich jetzt jederzeit erreichen, wenn du mich brauchst."
„Aber du könntest… sterben.", beendete sie den Satz flüsternd. Um sie herum schlugen Besatzungsmitglieder größtmögliche Bögen auf dem breiten Gang, um nicht in Verdacht zu geraten, zu lauschen, doch beide ignorierten sie – oder nahmen sie schlicht nicht wahr.
Er nickte grimmig. „Ja. Aber die Chancen, dass ich siege, sind hoch, keine Sorge. Und ich werde Hilfe haben."
Sie sah ihn an, einen Funken Hoffnung im Blick, was ihn lächeln machte und ihm dennoch einen Stich versetzte – einen Stich echter Angst. Tatsächlich konnte er wirklich sterben… wenn er sich über- oder den Kaiser unterschätzte.
„Ja. Luke ist bei mir, ich habe das Überraschungsmoment auf meiner Seite – nicht, dass ich ihn angreife, damit rechnet er seit langem, das ist Sith-Brauch und Tradition. Aber er rechnet nicht damit, dass ich geheilt bin und meine alte Kraft – und noch weit mehr! – wiedererlangt habe. Und Mara wird dort sein… und ein Teil der Roten Garden wird mir helfen."
„Mara? Du vertraust ihr?", echote sie entsetzt. „Sie ist seine Pflegetochter!"
„Das war sie, ja. Und ich war, genaugenommen, sein Pflegesohn. Über meine halbe Kindheit und gesamte Jugend hinweg war Palpatine wie ein Vater zu mir – er hatte immer ein offenes Ohr für mich, jederzeit eine offene Tür, immer einen guten und hilfreichen Rat. Er bot und gab mir das, was mir im Tempel fehlte: eine Schulter zum Anlehnen, einen Halt, eine stützende Hand. Ich hatte Glück."
„Glück???"
Er nickte. „Ja. Denn er mußte mich bespaßen, mich umwerben – ich gehörte ihm noch nicht. Nicht ganz und gar. Mara hingegen… sie wurde ihren Eltern genommen, als sie noch sehr klein war. Sie kannte kein anderes Leben als das an seiner Seite. Sie gehörte ihm – wie ein Hund, ein Klon, eine Fähre. Wie alle seine Hände. Sie sind Werkzeuge. Sie werden gepflegt, in Schuß gehalten, mit dem Besten versorgt, damit sie so gut wie möglich funktionieren. Aber eins bekommen sie nie: Wärme. Zuneigung. Liebe."
Sie sah ihn mit großen Augen an, eben genau das spürend, was er beschrieb – innerlich und äußerlich, durch seine starken, tröstenden Hände auf ihren Schultern. „Aber wenn sie es nie kannte… wie kann sie es vermissen?"
Vader lächelte traurig. „Sie ist nicht blind, Leia. Sie ist ein Mensch, ein denkendes, fühlendes Wesen. Und sie erinnert sich durchaus an ihre Eltern… Der Auslöser, der Funke im Faß war der Ball. Als ich, um Luke zu schützen, Schmerzen ertrug, die Demütigung hinnahm, klaglos und ruhig. Aus Liebe zu meinem Sohn."
Leias Mund formte stumm ein „Oh".
„Sie sehnt sich nach Wärme und Liebe, Leia, wie alle Wesen. Sie hat endlich erkannt, daß sie benutzt wurde, daß sie nicht mehr für ihn ist als eine Waffe. Sie will sich lösen und wird uns helfen."
„Du bist ganz sicher?"
„Ich habe sie sondiert. Sie meint es ernst. Aber keine Sorge – ich werde mich nicht blind auf sie verlassen und sie weiter überwachen."
„Nimm wenigstens noch Jix mit.", bat sie.
Er dachte darüber nach. „Das ist gar keine schlechte Idee.", murmelte er. „Komm. Die anderen warten auf uns."
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Das Objekt ihrer Überlegungen indes hatte mit Jix eine kleine Tour durchs Schiff hinter sich. Sie hatten sich, freundschaftlich miteinander kabbelnd, verschiedene Sportstätten angesehen, auf der Suche nach etwas, in dem sie sich messen konnten. Er hatte ihr auch den Garten gezeigt (der sie sprachlos machte und zum ersten Mal ihre Maske des Desinteresses bröckeln ließ) – doch auf einen Wettlauf hatten sie beide keine gesteigerte Lust. Für ein echtes Kampftraining hätten sie sich umziehen müssen – dazu waren sie zu faul. Und so landeten sie nach einigen Umwegen schließlich auf einem der Schießstände.
Mara hatte Mühe, sich nicht anmerken zu lassen, wie beeindruckt sie von diesem Schiff war. Allein der Garten! Und die Trainingshallen, ausgestattet mit allem, was notwendig war, um die Besatzung bei guter Laune und hervorragender Gesundheit zu halten!
Und auch dieser Schießstand… nur einer von vielen, wie Jix ihr versicherte, und der Waffenmeister an der Ausgabe ließ sie mit größter Selbstverständlichkeit aus ungefähr zwanzig verschiedenen Arten wählen…
Die Stände selbst waren auf Training und Wettkämpfe ausgelegt, sie boten allen Komfort mit Trefferanzeigen, Schallschutz und Trennungen, die dem Schützen größtmögliche Konzentration erlaubten. Man konnte aus mehreren Zielen wählen – klassische Scheiben in runder, oder aber in humanoider oder tierischer Form, Hologramme und sogar regelrechte Parcours, die Gelände oder Stadt simulierten und in denen auch Gruppen mit Farbmunition gegeneinander antreten konnten. Mara war schlicht und ergreifend sprachlos – und wunderte sich nicht länger über den hohen Standard von Vaders Truppen, die bei allen Imperiumsinternen Wettkämpfen alle anderen weit hinter sich ließen. Es lag also nicht am tödlich brutalen Drill, sondern an echter Motivation und schlichter Freude am Job… Erneut stiegen Zorn und Eifersucht in ihr auf, die sie entschlossen niederrang. Sie konnte es erreichen, sie konnte Teil davon werden. Sie musste Vader nur beweisen, dass es ihr ernst war.
Jix beobachtete sie genau. Er war wachsam, obwohl er einmal mehr die Maske des Clowns aufgesetzt hatte, doch sie bemerkte sehr wohl, dass ihm nicht die kleinste ihrer Bewegungen entging. Und er war, auf seine Weise, ebenso tödlich wie sie – auch wenn er es auch in ihrem Wettbewerb nicht lassen konnte, herumzualbern. Wo ihre Schüsse alle durch ein einziges – das erste – Loch gingen, machte er sich einen Spaß daraus, sein Ziel mit einem nicht minder exakten und auf den Millimeter gleichmäßigen Muster zu verzieren, das keinen Zweifel daran ließ, dass auch er sein Ziel nicht verfehlen würde.
„Du dienst ausschließlich ihm, nicht wahr?" fragte sie ihn ohne Vorrede, als sie später in einer Messe bei einem kleinen Imbiss zusammensassen.
„Wem sonst?" Er grinste breit.
„Dem Kaiser?" fragte sie ein wenig zynisch. Er sah sie an, ernster werdend, und überlegte einen Moment.
„Wenn der Kaiser niest, wünscht das Reich im Chor ‚Gesundheit!'.", sagte er dann.
Sie sah ihn verständnislos an. „Ja. Und?"
„Wenn Vader niest, bekommt die Galaxis eine Erkältung."
Sie konnte ein Lachen nicht unterdrücken und wunderte sich selbst darüber. Ja, er hatte Recht – so albern das Beispiel auch war. Und sie fand ihn… nett. Und darüber wunderte sie sich noch mehr.
„Onkel D ist für mich Anfang und Ende des Universums.", fuhr Jix fort. „Ich habe schon lange gelernt, hinter seine Maske zu schauen – liegt vielleicht daran, dass ich keine Angst vor ihm habe. Ich hab ihm mal das Leben gerettet und ihn dabei von einer ganz anderen Seite kennengelernt – die mir aber nicht weniger Achtung abgerungen hat. Er ließ mich spüren, dass er mich respektiert, trotz meiner Macken, und das imponierte mir und tut es noch. Und ich respektiere ihn. Er hat ein immenses Wissen um das Reich und seine Abläufe, bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Er tut, was getan werden muß, er ist grausam, wenn es nötig ist, aber nie ohne Grund. Er kann durchaus auch loben und motivieren – und er belohnt Treue und Mut. Er ist ein Anführer, ein Herrscher, ein Vorbild. Ich verehre ihn. Ich liebe ihn." Er schwieg einen Augenblick und sah sie an, vollkommen ernst jetzt. „Ich würde für ihn sterben."
Sie erwiderte seinen Blick mit gemischten Gefühlen, schließlich war genau das etwas, das sie vor kurzem noch von sich selbst und über den Kaiser gesagt hätte… aber anders als bei ihr würde Jix seine Meinung nicht ändern, denn das Verhältnis zwischen ihm und Vader war ein ganz anderes. „Und seine Leute?"
Er lächelte. „Schau dich um. Seine Leute würden für ihn durchs Feuer gehen. Alle. Sie haben einen höllischen Respekt vor ihm, was viele als Angst missdeuten. Aber sie verehren ihn. Und er dankt es ihnen… auf seine Weise." Er wies um sich. „Das hier, Süße, ist der Nabel des Universums, um den sich alles dreht. Nicht Coruscant. Nicht der Palast. HIER. Die EXECUTOR."
Mara protestierte nicht einmal gegen die Bezeichnung, sah sich nur um. Die Messe, in der sie saßen, befand sich in der Nähe der Brücke, und so saßen hier alle möglichen Schichten bunt durcheinander, ohne dass es irgendwen gestört hätte. Offiziere an dem Tisch dort drüben, einen Tisch weiter ein Trupp Sturmtruppen, die ihre Helme und Waffen abgelegt hatten, aber sonst in voller Rüstung steckten. Ein paar Meter weiter schienen einige Heiler etwas zu feiern zu haben, und die Piloten am Nebentisch warfen ihrem lärmenden Treiben halb amüsierte, halb ärgerliche Blicke zu. Sie bildeten eine Einheit, sie alle zogen am selben Ende des Strangs – an Vaders Ende. Und in diesem Gedankenbild stand der schwarze Lord mitten unter ihnen und zog mit.
Im Gegenstück dazu, im imperialen Palast, gab es sehr genau definierte Hierarchien und Hackordnungen. Listen mit der exakten Höhe von Bestechungsgeldern kursierten ganz offiziell und wurden beinahe täglich aktualisiert. Es war eine sehr, sehr hohe und spitze Pyramide – der Kaiser stand weit über allen. Nach ihm kam eine ganze Weile gar nichts, dann seine Berater, weitere Hofschranzen, Minister, Leibwachen. Wieder eine Weile heiße Luft, und dann tröpfelte der Rest hinterher. Wie kleine Inseln, jede Gruppe für sich autark, alle deutlich voneinander abgegrenzt und eifersüchtig ihr Revier bewachend.
Hier jedoch, auf der EXECUTOR, waren die Strukturen deutlich flacher. Auch hier stand Vader unangefochten an der Spitze, aber seine Position war anerkannt – und nur wenig unter ihm standen seine Stabsoffiziere, die sich auf alle Bereiche verteilten. Und unter denen wiederum standen ihre Abteilungen – und zwar alle nebeneinander, egal, ob Koch, Pilot, Verwaltungsangestellter, Soldat, Heiler oder Helferlein… jeder brauchte jeden. Alle brauchten einander. Ein Pilot war nichts ohne die Mechaniker. Ein Soldat nichts ohne seinen Offizier. Alle mussten essen, ihre Kleider mussten gewaschen werden, alle brauchten Heiler und Zerstreuung in den Sportstätten, die man in Ordnung halten musste. Selbst die Gärtner waren wichtig im großen Getriebe, das das Schiff am laufen hielt. Eine Einheit. Eine Familie. Mit Streitereien und Rangkämpfen, sicherlich, aber das war normal… und Familie hielt zusammen, wenn es hart auf hart ging. Im Palast gab es nur Einzelkämpfer und höchstens Verbündete… aber die musste man kaufen, und sie waren nicht verlässlich. Nein, Jix hatte Recht. Die EXECUTOR war das leuchtende Zentrum des Universums - Coruscant das glitzernde. Katzengold. Aufsehenerregend, aber wertlos.
Der Spion hatte ihr Zeit gegeben, sie nur ruhig beobachtet, als sie ihre Gedanken fließen ließ, und als sie sich ihm nun wieder zuwandte, desillusioniert und müde wirkend, weil ihre Welt in Trümmern lag, erwiderte er den Blick ruhig und ohne Spott. Sie tat ihm leid.
„Und wo ist der Haken?" fragte sie dann.
Jix legte den Kopf ein wenig schräg. „Der Haken ist, dass der Rest der Galaxis das nicht weiß. Daß Vaders Ruf ein denkbar schlechter ist bei der Bevölkerung, die ihn mehr als alles andere fürchtet. Daß der Kaiser ihn zum Mörder gemacht hat. Zum Schlächter. Zur Bestie."
Mara nickte langsam. „Also wird es Krieg geben."
„Nicht unbedingt." Jix gestattete sich ein Lächeln.
„Nein?" echote sie erstaunt.
„Nein. Weißt du, der Kaiser denkt, er sei die Spinne in der Mitte des Netzes. Tatsache ist aber, dass Vader dieses Netz gesponnen hat und es kontrolliert. ER ist derjenige, der die Fäden zucken spürt. ER ist derjenige, der ganz genau weiß, wo das Netz Lücken hat oder schwächelt. ER ist derjenige, der an kritischen Stellen unsichtbare Sicherungsfäden eingewoben hat."
Mara lächelte einmal mehr über seine bildhaften Beispiele, die so frech und doch so passend waren.
„Und die Spinne in der Netzmitte?"
Jix grinste. „Die, meine Schöne, sitzt ohne es zu wissen auf einem blinden Punkt und freut sich über die Ruhe im Reich."
Mara starrte ihn ungläubig an – und lachte schallend los.
