Kapitel 68

Die anderen saßen in einem kleinen Konferenzraum zusammen und diskutierten sich die Köpfe heiß.

Als Vader und Leia mit etwas Verspätung zu ihnen gestoßen waren, hatten die anderen sich bereits auf die Stühle verteilt, die in Reihen standen, und einige davon gedreht. Chewbacca hatte einen Tisch bevorzugt, an dem er nun lehnte - und auch Veers stand noch, vorn auf dem Platz des Vortragenden, den Vader später einnehmen würde. Butlerdroiden schwebten summend in Wartestellung, hatten aber schon einiges an Getränken und Snacks gebracht, wie Leia bemerkte – und sehr zu ihrem Amüsement hatten alle Rebellen sich auf Kaf gestürzt… eine Rarität und ein besonderer Leckerbissen für sie alle. Lediglich der Wookiee hatte sich anders entschieden – und starrte nun mit äußerster Verblüffung auf ein Getränk aus seiner Heimat.

Nun aber wandten sie sich alle Vader zu, der vollkommen selbstverständlich zu Veers trat und ihre Blicke erwiderte.

„Gut.", begann er. „Leia braucht eine Erklärung, wo sie so lange war. Da Captain Solo bei ihr ist, klärt sich dieser Punkt von selbst. Folgende Fragen sind offen: Wie und von wem hat sie erfahren, wo Solo ist? Und wie hat sie ihn befreit?"

Leia nickte. „Aber zuerst wüßte ich gern über dich und Mothma Bescheid. Ich denke, das ist wichtig, um den Rest zu verstehen."

Vader seufzte unhörbar. Es fiel ihm nicht leicht, darüber zu sprechen, immer noch nicht.

„Was weißt du über die ‚Petition der Zweitausend'?" fragte er schließlich.

Leia überlegte. „Eine Versammlung von Senatoren, die später zu offiziellen Staatsfeinden erklärt wurden. Wenn ich mich recht erinnere, wurde unter anderem verlangt, daß Palpatine seine Notstandsvollmachten aufgab, das Sektorkontrolldekret außer Kraft setzte, in dem regionalen Gouverneure eingesetzt worden waren und Waffenstillstandsverhandlungen mit den Separatisten aufnahm."

Vader nickte. „Sehr gut. Kennst du Namen?"

Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Namen wurden nie genannt, es wurde immer nur betont, daß es sich um fehlgeleitete Kreaturen gehandelt hat."

Der dunkle Lord steckte die Daumen in den Gürtel, wie so oft – doch diesmal wirkte es auf diejenigen unter den Anwesenden, die ihn kannten, als müsse er sich an sich selbst festhalten. „Die Delegation der Zweitausend, wie sie auch genannt wurde, war der Anfang der Rebellion, Leia. Die Begründer der Rebellion waren auch die Begründer der Delegation – und ihre Namen lauten Bail Organa und Mon Mothma. Gründungsmitglieder der Delegation waren außerdem Fang Zar, Giddean Danu, Bana Bremu und… Padmé Amidala Skywalker."

Leia keuchte überrascht auf – sie kannte die Namen alle. Luke hingegen wunderte sich nur über eines:

„Mutter war Gründungsmitglied der Rebellion?"

„In gewisser Weise – ja." Vader nickte.

„Wußtest du davon?" fragte Leia entsetzt.

„Wußte ich davon?", wiederholte Vader langsam. „Ja – und Nein. Ich war zu diesem Zeitpunkt Repräsentant des Kaisers im Jedirat. Das heißt, ich war – und bin es immer noch, genaugenommen - Ratsmitglied, wurde aber nicht in den Rang eines Meisters erhoben, was ein offener Affront war und mich noch mehr gegen die Jedi aufbrachte. Aber durch diese Nähe zu Palpatine bekam ich viel mit – auch die Bildung dieser Delegation, hinter der er eine Verschwörung der Jedi vermutete. Als eine kleine Abordnung von ihnen einen Termin bei ihm einforderte, wurde ich angewiesen, dem Treffen beizuwohnen und sie zu überprüfen, ihre wahren Absichten aufzudecken."

„Aber…" Luke sah ihn verwirrt an. „Er ist doch ein Sith, er hätte dich doch nicht gebraucht!"

„Das wußte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, Luke. Er hielt es geheim, schirmte sich rigoros ab. Und für mich war dieser Befehl eine Bestätigung, ein Lob, ein immenser Vertrauensbeweis. Er erhob mich in einen neuen Rang, beförderte mich damit zu einem Vertrauten, zu einem Mitglied seines innersten Kreises. Ich fühlte mich endlich ernstgenommen. Jemand hatte meine Fähigkeiten erkannt, ermunterte mich, meine Ressourcen, meine Begabungen zu nutzen – zum Wohle des Reiches, wie ich dachte."

Luke bewegte sich unruhig auf seinem Stuhl, er fühlte sich beschämt. Vader schüttelte beruhigend den Kopf.

„Keine Sorge, Luke, du hast dich mit dieser Frage nicht blamiert. Ich habe mich damals sehr viel dämlicher angestellt, denn ich tappte in wirklich jede Falle, die er mir gestellt hatte."

„Fallen?"

„Einige. Zum Beispiel versuchte er, einen Keil zwischen mich und Padmé zu treiben. Er hinterbrachte mir, daß Obi-Wan zu einer ‚unschicklichen Zeit' Padmés Apartment verlassen hätte."

Diesmal starrten ihn beide Kinder fassungslos an. „Du meinst, er hatte ein Verhältnis mit Mutter?" fragte Leia atemlos.

„Nein. Heute weiß ich, daß es nicht so war. Aber er war tatsächlich bei ihr gewesen – und sie hatte es mir verschwiegen. Mein ehemaliger Meister versuchte nämlich dasselbe wie Palpatine… nur von der anderen Seite. Aber damals war ich blind vor Zorn. Und als dann die Delegation im Büro des Kanzlers erschien und Padmé bei ihnen war – als Wortführerin…" Er ließ den Rest des Satzes ungesagt.

„Du mußtest also annehmen, sie hätte sich tatsächlich gegen dich gestellt.", sagte Luke leise. „Sie hätte sich mit dem Jedi-Rat gegen dich verschworen."

Vader nickte. „Wie ich schon sagte: Palpatine war sehr geschickt darin, Gift zu versprühen… ich merkte nichts davon. Alles griff ineinander, alle Teile schienen an ihren Platz zu gleiten. Ich glaubte es." Er atmete tief ein, riß sich gewaltsam von diesen Erinnerungen los, indem er begann, langsam durch den Raum zu gehen. „Was nun Mothma angeht… ich habe keine Ahnung, ob sie weiß, wer ich bin. Oder ob sie über dich und Luke Bescheid weiß. Wieviel Bail und Obi-Wan ihr erzählt haben." Er musterte Leia. „Mit ein wenig Glück hat Bail dichtgehalten, und sie weiß von nichts. Sie war immer gegen Padmés Nähe zu mir, hielt es für gefährlich, wegen Palpatine. Außerdem befürwortete sie die Regeln der Jedi, hielt sie für gut und sinnvoll."

Die Prinzessin blinzelte. „Ich glaube, sie weiß es nicht. Jedenfalls hat sie nie Andeutungen in diese Richtung gemacht."

„Gut." Vader nickte. „Das würde uns helfen… später. Wenn sie ihren Gegner nicht wirklich kennt, kann sie nicht vernünftig planen." Er sah zu Leia hinüber. „Tut mir leid, Leia. Du magst sie, nicht wahr?"

Seine Tochter starrte auf ihre ineinandergekrallten Hände hinunter – auch sie schien sich nicht besonders wohlzufühlen. „Ja und nein. Ich mochte sie. Sie hat mir immer geholfen, mich immer unterstützt, betonte oft unsere Gemeinsamkeiten – sie war die jüngste Senatorin, die jemals aufgenommen wurde… bis ich kam. Ich war NOCH jünger als sie. Aber mittlerweile, mit dem neusten Wissen und aus ein wenig Distanz betrachtet…" Sie sah auf und Vader an. „Ich frage mich, ob sie für mich nicht genau das ist, was der Imperator für dich war. Der Mentor, der sich einen Hund heranzieht, den er benutzt. Den er auf Wild ansetzt – und der im Notfall verheizt werden kann. Sie ist immer zurückgezogen, immer in der sicheren Basis, nie an der Front, wie ich. Nur zu offiziellen Anlässen tritt sie ins Licht – wie die meisten anderen unserer Anführer auch, mit Ausnahme von Carlist Rieekan. Und manchmal auch Admiral Ackbar."

Vader biß sich auf die Lippe, dann seufzte er. „So ungern ich es sage, aber der Kaiser kann nicht als Monster pauschalisiert werden."

„WAS?"

„Nein. Tretet mental einen Schritt zurück und betrachtet das Ganze mit neutralen Augen. Er hat das Reich geeint. Wir haben tatsächlich endlich Frieden – mit Ausnahme der Rebellenangriffe. Den meisten Planeten geht es recht gut. Er hat Schulen gegründet und Krankenhäuser gebaut. Er hat die Wirtschaft angekurbelt und für zumindest bescheidenen Wohlstand gesorgt."

„Vater!" protestierte Leia, und Luke ergänzte entsetzt: „Warum verteidigst du dieses Scheusal, das für so viel Leid und Verderben gesorgt hat – in der ganzen Galaxis? Das für eine Monstrosität wie den Todesstern und die Vernichtung Alderaans verantwortlich ist, das ohne nachzudenken auch Yavin 4 vernichtet hätte, um die Rebellion zu zerschlagen?"

Vader schloß kurz die Augen, seine Muskeln spannten sich sämtlich an, sein Körper richtete sich auf. Obwohl er sich nicht bewegt hatte, wirkte er plötzlich düsterer und gefährlicher als noch in der Minute davor. Eine dräuende schwarze Wolke schien ihn zu umgeben, und sein plötzlich aufflammender Zorn hüllte ihn ein wie sein Mantel. Calrissian wich unruhig einmal mehr zurück, Chewie knurrte leise, und Solo schluckte unbehaglich. Veers und Arik warfen sich einen besorgten Blick zu; einzig Luke und Leia hielten seinem Blick stand.

Vaders Stimme war wie ein Eishauch, als er weitersprach. „Auch ich bin ein solches Scheusal, Luke. Auch mir kannst du Genozid vorwerfen, auch ich bin für Hunderttausende von Toten verantwortlich, habe viele davon selbst getötet, und einige auf nicht sehr angenehme Weise. Ich habe gefoltert und drakonische Strafen verhängt; ganze Planeten erzittern allein bei Nennung meines Namens! Nach dieser Definition unterscheidet mich nicht das Geringste vom Kaiser!"

Einen langen Moment herrschte unbehagliche Stille. Selbst seine Kinder wurden nun brutal mit der Nase darauf gestoßen, wer und was ihr Vater war, und starrten ihn blaß und angstvoll an – und er ragte über ihnen auf wie Nemesis persönlich.

Überraschenderweise war es ausgerechnet Solo, der das Ruder herumriß. „Das ist nicht wahr, Mann."

Der dunkle Lord fuhr in einem Wirbel aus Schwarz herum, bereit, zu töten. Aber der Schmuggler sah ihn furchtlos an.

„Eklären Sie das!" knurrte Vader.

Solo zuckte die Schultern. „Das haben Sie mir doch selbst vorhin erzählt. Sie hätten die Rebellion schon mehrfach leicht zerschlagen können – Sie haben es nicht getan."

„Pure Taktik! Die Zeit war noch nicht reif!"

„Bestimmt, zum Teil. Dann Leia – Sie hätten Sie töten können damals auf dem Todesstern. Sie hätten sie eigentlich töten MÜSSEN. Sie haben es nicht getan."

„Ich brauchte sie als Lockvogel, um mich zu den Rebellen zu führen!"

Solo winkte ab. „Ah, bah. Erzählen Sie mir doch nicht, Sie hätten nicht längst herausgefunden gehabt, wo die steckten."

Vader hob wütend die Hand, wollte erwidern – und ließ sie wieder sinken, stumm. Solo gestattete sich den Anflug eines Grinsens.

„Dann ich. Nennen Sie das Folter, was Sie mit mir gemacht haben auf Bespin? Kinderkacke. Sie haben mir Schmerzen bereitet, ja, damit Luke das spürt und angelockt wird. Folter war das keine. Und das Karbonit… Mann, ich wollte es ja selbst nicht glauben, aber nachdem ich in Ruhe drüber nachgedacht habe, wurde mir klar, dass Chewie recht hatte: Sie haben mir das Leben gerettet damit. Danke übrigens dafür.", fügte er trocken hinzu.

„Was?" grollte Vader.

„Jo. Und die ganzen anderen Gelegenheiten, bei denen Sie uns gejagt haben… das waren viel zu viele Glücksfälle. Ich kann wirklich nicht glauben, dass sich die imperiale Flotte so dermaßen dämlich anstellt, echt. Es sei denn… es sei denn, sie hat den Befehl dazu. Und zwar vom genialsten Taktiker, den das Reich je gesehen hat."

„Solo…!" knurrte der dunkle Lord drohend.

„Ich bin gleich fertig." Die Mundwinkel des Schmugglers zuckten. „Seit ich weiß, wer Sie sind, ergibt das alles erst einen Sinn. Unter den Vorzeichen Ihrer Geschichte fallen diese ganzen krummen und schiefen Puzzlestücke endlich nahtlos an ihre Plätze. Das ist genial, Mann!"

Vader starrte ihn wortlos an, zwischen Lachen und Verzweiflung schwankend. Noch nie hatte jemand so dermaßen schnell und gründlich seine Methoden durchschaut und ihn entzaubert – und schon gar nicht mit so viel echter Anerkennung dabei.

Er seufzte. „Noch was?"

Solo grinste nun offen. „Ja." Er trat einen Schritt vor, plötzlich ernst werdend, schluckte und sah sich kurz hilfesuchend nach Chewbacca um, bevor er sich wieder gänzlich Vader zuwandte. „Lord Vader, ich bitte hiermit in aller Form und Demut um die Hand Eurer Tochter."

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Luke saß einige Zeit später in einem Trainingsraum auf den Matten und ließ, während er auf die anderen wartete, die Stationen des wohl ereignisreichsten Tags seines Lebens an sich vorüberziehen.

Zuerst hatte sein Vater ihn aus dem Bacta geholt – in dem er steckte, weil er Fehler begangen und die Lage falsch eingeschätzt hatte… und nicht zuletzt, weil er seinem Vater nicht vertraut hatte. Und sowohl beim herausholen als auch schon zuvor, während seines Alptraums, hatte er Vaders Liebe gespürt, war sich nun endlich wahr und wahrhaftig darüber bewusst, was er seinem Vater bedeutete – und umgekehrt.

Dann hatte Leia herausgefunden, dass sie Vaders Tochter war – und somit seine Schwester. Ein neuerlicher Schock – für sie – und eine wundervolle Überraschung – für ihn. Er durfte zusehen, wie sich Vater und Tochter vorsichtig einander annäherten und sich auf einer überraschend stabilen Basis des Vertrauens wiederfanden, die wohl keiner von ihnen erwartet hatte.

Dann war Mara Jade angekommen, die er noch nicht gesehen hatte, vor der aber alle Respekt zu haben schienen – und Sorge um ihre Loyalität.

Han hatte General Veers angegriffen, hatte dank Leias Intervention überlebt – auch ein sonderbarer Punkt: warum reagierte sein Vater so dermaßen heftig auf die Bedrohung eines seiner Offiziere? Selbst wenn sie sich wohl, zumindest im stillen Kämmerlein, duzten? - und ein langes Gespräch mit Vader geführt, das alle Fronten geklärt zu haben schien… und er hatte seinen Vater um Leias Hand gebeten.

Luke grinste in der Erinnerung. Leia hatte vor Freude aufgeschrieen und war Han um den Hals gefallen, während sein Vater – ganz der dunkle Lord – gnädig und mit einem nur halbherzig unterdrückten, hörbaren und sehr unvaderishen Grinsen in der Stimme mit „Ich werde darüber nachdenken, Captain Solo.", geantwortet hatte.

Dann hatten sie besprochen, wie Leia, Chewie und Lando Jabbas Palast zerstört hatten – die offizielle Version für die Rebellen. Besser gesagt: ansatzweise. Der Plan sah vor, dass Lando sich in den Palast einschmuggelte und sich unter den Wachen verbarg, um auszukundschaften, wie die Karbonitplatte bewacht wurde. Leia sollte sich als Kopfgeldjäger verkleiden – als ein Mann namens Boushh, nachdem Vader herausgefunden hatte, dass sie ein paar Brocken Ubeso sprach. Das Original war kurz vorher vom Imperium getötet worden, was aber sogar in der Kopfgeldjägergilde noch nicht bekannt war. Und mit Boba Fetts Hilfe (noch etwas, das alle Anwesenden außer Veers verwunderte, als Vader diesen kurz darüber in Kenntnis setzte und der Mann halb knurrend, halb amüsiert seine Zustimmung gab) hatten sie dann in einer Nachtaktion Han aus dem Karbonit befreit, Sprengladungen überall plaziert und waren geflohen.

Es war ein Husarenstückchen, dessen Glaubwürdigkeit hauptsächlich auf der angeblichen Hilfe Boba Fetts basierte – eine Hilfe, die nie stattgefunden hatte, für die Fett aber gut entlohnt wurde. Verrückt.

Und nun saß er hier und wartete darauf, dass General Veers und Arik sich umzogen – für eine kleine Trainingseinheit. Sie waren mit der Besprechung so früh fertiggeworden, dass Vader sich entschieden hatte, seine Pflichten für eine weitere Stunde ruhen zu lassen. Er hatte ein Abendessen für sie in der VIP-Lounge bestellt und sie eingeladen, einem kleinen Kampftanz, wie er es nannte, als Zuschauer beizuwohnen. Neugierig hatten sie alle zugestimmt – und Luke hatte sich sehr gewundert, als er in seinem Vater eine beinah kindliche Freude und lausbubenhaften Überschwang gespürt hatte. Ganz offensichtlich erwartete sie eine Show.

Hinter ihm, auf einfachen Bänken, saßen die anderen – Leia und Han händchenhaltend, daneben Chewbacca und Lando. Sie unterhielten sich leise, und Luke hörte mit einem Ohr zu – immer noch überwog die schiere Verblüffung in ihnen, hier zu sein, an Bord von Vaders Flaggschiff, im Herzen des Imperiums, so dicht am Feind, wie man es nur sein konnte – und das als freie Männer, nicht als Gefangene!

Auf dem Weg durchs Schiff waren die Neuankömmlinge zwar neugierig gemustert worden, aber niemand sagte etwas. Luke spürte einmal mehr, wie tief das Vertrauen der Leute in Vader sein musste – auch wenn die Geduld der Männer langsam bis zum Anschlag gedehnt schien. Erst Luke, dann Leia, jetzt ein Schmuggler, ein Dandy und ein Wookiee – als Gefangene, gut. Als Kopfgeldjäger, in Ordnung. Aber als Gäste? Das dürfte eine Premiere an Bord eines Sternzerstörers sein.

Eine Tür, die wie Luke wusste, zu einem Umkleideraum führte, öffnete sich, und Veers, Arik und Vader kamen heraus. Er wunderte sich kurz darüber, dass sein Vater bei ihnen gewesen war, vermutete aber, dass sie sich wohl abgesprochen hatten.

Vader blieb am jenseitigen Rand der Matten stehen, während der General und der junge Captain in deren Mitte Aufstellung nahmen, beide nun Trainingskleidung aus dickem Stoff tragend, an den Füßen leichte, knöchelhohe Stiefel. Arik sah zu Luke hinüber und grinste ihm kurz zu, was er automatisch erwiderte.

Das wird lustig., hörte er plötzlich Ariks Stimme in seinem Kopf. Lehn dich zurück und genieß die Show.

Luke lachte und sah zu, wie er seine Position bezog.

Arik… ein guter Freund. Sein bester Freund – außer seinem Vater, ihm auf gewisse Weise näher und vertrauter, als ihm jemals jemand gewesen war, selbst auf Tatooine.

Die beiden Kämpfer verneigten sich voreinander und begannen dann übergangslos mit den Lektionen.

Arik war gut, aber Veers war eindeutig besser. Er bewegte sich mit der Eleganz und Mühelosigkeit eines viel jüngeren Mannes, beherrschte die Griffe und Würfe scheinbar im Schlaf und schien durch nichts, was Arik tat, zu überraschen zu sein – während dieser umgekehrt einige Male kurz zögerte und deutlich häufiger durch die Luft flog als Veers. Es schien eine Mischung zu sein aus festen, vorgeschriebenen Abläufen und freien Erwiderungen, denn auch Veers wurde geworfen, rollte sich aber jedes Mal schnell ab und stand mühelos sofort wieder auf den Beinen.

Die Vorführung war nett, aber nicht aufsehenerregend. Übliches Training eben. Dann aber…

„Genug.", schnitt Vaders Baß in eine Übung, und sofort beendeten die beiden die Sequenz, verneigten sich voreinander und traten zurück. Arik ging zu Luke und ließ sich schnell atmend neben ihm nieder, während Vader – in voller Montur, was eigenartig wirkte – seinen Platz einnahm.

Vader hob die Hand, und langsam setzte Musik ein. Trommeln, genauer gesagt, in einem ziehenden, seltsam aufpeitschenden Rhythmus. Die Kontrahenten verneigten sich nicht voreinander, sondern begannen, sich langsam zu bewegen, gemeinsam und wie Spiegelbilder voneinander. Vader ging langsam zwei Schritte seitwärts nach links, Veers folgte mit zwei ebensolchen Schritten nach rechts. Sie gingen aufeinander zu, voneinander weg, bewegten sich links und rechts, ohne einander zu berühren, tanzten miteinander, ganz geballte Kraft und Spannung.

Sie waren annähernd gleich groß und von ähnlicher Statur, auch wenn Veers nicht ganz so breitschultrig war wie sein Vorgesetzter, aber sie harmonierten gut als Partner.

Der Rhythmus änderte sich, wurde dumpfer, drängender, und die Tänzer folgten seinem Zug mit wechselseitigen Sequenzen von Tritten, Hieben und Sprüngen; jeder von ihnen endete nur einen Fingerbreit vor dem Gegner, aber das vollkommen kontrolliert und gezielt. Und langsam steigerte sich das Tempo, die Bewegungen, fließend, mühelos und schnell, wurden zunehmend artistisch. Veers, hochkonzentriert, ließ Vader nicht aus den Augen; der dunkle Lord war ein Wirbel aus Schwarz, seine Rüstung schien ihn in keiner Weise zu beinträchtigen. Und immer noch zog das Tempo an, unglaublicherweise. Veers atmete schneller, schien aber – noch – keine Probleme zu haben, mit Vader mitzuhalten.

So fasziniert Luke von dem Schauspiel war, er konnte es sich nicht verkneifen, sich kurz nach Han umzudrehen.

Der Schmuggler saß und starrte mit offenem Mund – auf beide. Veers, den Mann, den er angegriffen hatte und der sich, das begriff er nun, sehr viel brutaler hätte wehren können… und vermutlich auch mit Leichtigkeit mit tödlichem Ausgang. Und Vader, den alle Welt für einen Cyborg hielt, der sich hier aber mit der Geschmeidigkeit eines Raubtiers bewegte.

Dann, plötzlich, endete das Spektakel recht abrupt. Was es ausgelöst hatte, war nicht zu erkennen, doch der Tanz endete mit einem Knalleffekt: Vader faßte zu und wirbelte Veers durch die Luft, schleuderte ihn in einem schier unglaublichen Wurf hoch über seinen Kopf – und legte ihn überraschend sanft auf den Matten ab, wobei er selbst neben ihm auf ein Knie niederging.

Einen Moment lang herrschte geschockte Stille, dann sprang Leia als erste auf und applaudierte begeistert und wild, Luke und Arik folgten umgehend, dann die anderen.

Vader stand auf und reichte Veers die Hand, der sich lachend hochziehen ließ. Und Luke, der sie immer noch sehr genau beobachtete, sah mit Erstaunen einen warmen Ausdruck in den Augen des Generals, den er nicht genau deuten konnte. Absolutes Vertrauen? Hingabe? Auch. Aber nicht ganz…

Er wurde von Arik aus den Gedanken gerissen, der ihm grinsend den Arm um die Schulter legte. „Na? Willst du das auch lernen?"

„Wenn du mir ein paar Jahre Zeit dazu gibst?" antwortete er ebenso. „Klar. Was war das?"

Arik zuckte die Schultern. „Eigentlich nichts Besonderes. Eine Aneinanderreihung von Sequenzen aus dem imperialen Standard-Kampfprogramm. Du kannst an den Trainings der Anfänger teilnehmen, und du wirst schnell lernen. Keine Sorge."

Luke musterte den General, immer noch nachdenklich. „Veers ist verdammt gut."

„Oh ja, das ist er.", bestätigte Arik stolz, aber er wirkte irgendwie alarmiert. „Er nimmt täglich an den Übungen der Profis teil, oft erteilt er auch selbst Unterricht. Er ist einer unserer Besten – das macht ihn ja so Besonders. Er grenzt sich nicht aus, ist immer mitten unter uns. Genau wie dein Vater." Er klopfte Luke auf dir Schulter. „Ich dusch mich schnell, dann bringen wir die anderen nach oben in die Lounge, ja? Bis gleich."

Luke nickte und sah ihm und Veers nach, die auf dem Weg zu den Duschen waren. Stattdessen trat nun sein Vater zu ihm, dessen Atem ebenfalls ein klein wenig schneller ging, wenn auch nicht sehr – und wiederum strahlte er eine lausbübische Freude aus, die Luke zum Lachen brachte – auch, weil es so gar nicht zum Image des dunklen Lords passen wollte und es sonst vermutlich niemand mitbekam.

„Du hast ganz schön angegeben.", grinste Luke und sah zu ihm auf.

„Ja.", versetzte Vader gelassen. „Und? Ich denke, ich habe mein Ziel erreicht." Er sah zu Han hinüber, der heftig mit Leia diskutierte – offensichtlich aber begeistert.

„Du bist unmöglich." Luke schüttelte den Kopf, aber lächelnd. „Wie geht's jetzt weiter?"

„Ich gehe mich auch frischmachen, muß dann aber wieder meinen Pflichten nachkommen. Du und die anderen, ihr werdet in der VIP-Lounge essen. Max und Arik werden euch begleiten. Ihr könnt euch dort oben so lange aufhalten, wie ihr wollt." Vader verschwieg, dass er ein wenig neugierig war, wie Solo sich verhalten würde – in der Chilloutphase nach dermaßen viel Streß. Wenn er wollte, konnte er sich von den Droiden dort oben mit Alkohol bis zum Anschlag vollpumpen lassen – das allerdings hätte das mittlerweile deutlich bessere Bild, das er von ihm hatte, wieder zunichtegemacht. „Wir sehen uns dann morgen früh wieder. Leia kann sich uns für eine weitere Lehreinheit anschließen, wenn sie möchte, aber dann sollte sie fliegen – und wir machen uns auf den Weg nach Coruscant. Mit normaler Marschgeschwindigkeit werden wir ganz entspannt dort ankommen, vermutlich sogar noch eine Nacht in meinem Haus verbringen können."

„Wie genau - ", begann Luke, doch Vader hob die Hand und blockte seine Frage ab.

„Nicht hier und nicht jetzt, Sohn. Morgen."

Luke nickte widerwillig, und Vader legte ihm die Hand auf die Schulter. „Geduld. Und vertrau mir." Er drückte die Schulter kurz und ging davon, und Luke wandte sich den anderen zu.