Nur ein kurzes Kapitel heute – aber das nächste ist lang und läßt sich nicht unterteilen.

Viel Vorlauf hab ich leider nicht mehr… nur noch fünf Kapitel… meine Muse ist leider immer noch extrem arbeitsunlustig :o( Aber keine Sorge, ich will die Story zu Ende schreiben. Dazu hänge ich viel zu sehr an ihr :o) Ihr könnt euch nur raussuchen, was ihr wollt: ein Cut nach dem ersten großen Höhepunkt und erst wieder Updates, wenn ich mehr Vorlauf habe, oder unregelmäßige Updates, wenn ich Material genug für ein Kapitel habe. Laßt es mich wissen :o)

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Kapitel 70

Vader, in der Holokammer, seufzte, als Luke seine Barrieren hochzog – gekonnt und durchaus effektiv, wie er feststellte. Sein Sohn war fast soweit. Er hatte sein letztes Gespräch so schnell wie möglich beendet und dann gelauscht, ebenso wie seine Tochter und sein Padawan.

„Geht wieder schlafen.", sagte er sanft zu beiden. „Ich werde mit ihm reden… spätestens morgen. Soll er sich erst einmal wieder beruhigen."

Arik murmelte zustimmend und war sofort wieder eingeschlafen. Leia schien etwas besorgter.

„Meinst du, er driftet auf die dunkle Seite ab?" erkundigte sie sich vorsichtig.

„Nein.", beruhigte Vader. „Aber ihr drei seid weder Jedi noch Sith, nicht rein das eine oder andere oder so scharf abgegrenzt wie früher. Ihr werdet zwischen beiden Extremen wandeln, euch sowohl lichter als auch dunkler Kraft bedienen. Luke kennt die Grenze genau, und ich werde nicht zulassen, dass er sie dauerhaft überschreitet. Mach dir keine Sorgen."

„Wenn du meinst…", murmelte sie, nicht überzeugt.

„Ganz sicher. Oh, und sollte Kenobi bei dir auftauchen…"

„Bei mir?"

„Natürlich. Er und Yoda haben euch ja mit Vorsatz zu Bail und Owen gebracht. Er weiß von dir – und könnte sehr wohl versuchen, dich gegen mich zu kehren."

„Ich kratze ihm die Augen aus, wenn er das tut!" fauchte sie. „Wie kann er es wagen, nach all dem, was er dir angetan hat!"

Vader lächelte. „Wie es scheint, werde ich nicht nur auf Luke achten müssen. – Nein… ich hatte mir überlegt, dass es vielleicht klüger wäre, ihm noch nicht zu sagen, dass du weißt, dass ich dein Vater bin – und dass du bei mir bist."

„Warum?"

„Ein Gefühl… eine Vorahnung. Yoda und Bail waren gute Freunde, und dadurch kannte und schätzte er auch Mothma."

„Hm." Sie brummte. „Du meinst, ich soll ihn anlügen?"

Er lachte leise. „Das wäre eine Bezeichnung. Du könntest es aber auch Theaterspielen nennen."

„Oder Diplomatie.", ergänzte sie trocken. „Gut, einverstanden."

„Sehr schön. Ich rechne damit, dass er irgendwann morgen bei dir aufkreuzt, wenn er seine Wunden geleckt hat."

Leia gähnte. „Ist gut. Ich werde ihn gebührend überrascht empfangen."

Vader strich ihr mental über den Kopf und die Wange. „Danke. Schlaf jetzt weiter, Prinzessin. Wir sehen uns morgen früh."

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Er hatte kaum das Gespräch beendet und sich dem nächsten Anruf auf seiner Liste zugewandt, als auch vor ihm eine geisterhafte Gestalt auftauchte.

„Hatte ich Euch nicht gesagt, Ihr solltet Euch von meinem Schiff fernhalten, alter Mann?" knurrte er, ließ aber deutlich hören, dass er amüsiert war.

„Du hast gelauscht.", stellte Kenobi fest. Er schien sich wieder ein wenig gefangen zu haben und versuchte, souverän zu wirken.

„Es ist kaum zu überhören, wenn jemand mit soviel Potential wie mein Sohn", er betonte den Verwandtschaftsgrad mit nicht eben wenig Bosheit, „einen solchen Wutanfall bekommt."

„Ist er bei dir?" kam es sofort.

„Hier? Jetzt? Schaut Euch doch um. Seht Ihr ihn irgendwo? Ich bin an Bord der EXECUTOR, Kenobi. Wo habt Ihr ihn gesehen?"

„In einem Wald…", murmelte der Geist.

„Und warum erstaunt Euch das? Dachtet Ihr wirklich, ich hätte ihn irgendwo in Ketten geschlagen oder in eine Zelle gesperrt? Meinen eigenen Sohn?"

„Du hast ihn wirklich erfolgreich umgedreht, Darth, gratuliere.", sagte Kenobi bitter.

Vader stöhnte innerlich auf bei diesem Namen. „Das ist ein TITEL, alter Mann, nicht mein Vorname. Wißt ihr denn gar nichts über die Sith?"

„Anakin - "

„Und DAS ist nicht mehr mein Name, wie Luke Euch bereits deutlich machte." unterbrach Vader ihn harsch. „Was Luke angeht, so gab es da nichts umzudrehen."

„Was hast du dann getan?" fragte der Alte misstrauisch. „Er ist auf deiner Seite, Sith." Er spie das Wort förmlich aus.

„Ts, ts, ts… soviel Emotion von einem Jedi?" spottete Vader. „Nicht doch. Was ich getan habe? Ganz einfach. Ich habe genau DAS getan, was Ihr vielleicht hättet tun sollen – was ihr alle hättet schon jahrhundertelang tun sollen. Ich habe ihm die Wahrheit gesagt. Ich habe ihm meine Erinnerungen gezeigt – alle. Schonungslos. Unkommentiert. Und ER benutzte das, was Jedi verboten ist: sein Gehirn. Er dachte nach. Er analysierte. Er SAH."

„Und glaubte dir, ganz offensichtlich." Kenobis Stimme war so angewidert, als hätte er etwas Verdorbenes im Mund.

„Ja.", versetzte Vader kalt. „Das tat er. Ich gab ihm die Wahrheit. Ich war für ihn da."

Kenobi wand sich wie unter Schlägen.

„Während IHR ihn dazu bringen wolltet, mich zu töten. Ohne ihm zu verraten, natürlich, daß er damit seinen eigenen Vater umbringen würde. Wie außerordentlich nett. Nein, alter Mann. Damit habt Ihr ihn endgültig verloren… und Eure Macht über ihn."

„Meine Macht über ihn? Wovon sprichst du?" wollte Kenobi heiser wissen. „Ich begehre keine ‚Macht' über ihn! Ich will nur sein Bestes – und das Beste für die Galaxis!"

„Meinen Tod.", stellte Vader pragmatisch fest, dann wurde sein Tonfall schärfer. „Vergeßt es. Diese Chance ist endgültig vertan."

Der Geist starrte ihn an, stumm, mit verengten Augen. „Wir werden sehen.", sagte er schließlich. „Wir werden sehen, Darth…" Und damit löste er sich auf.

Der dunkle Lord gestattete sich ein Lächeln; er wußte, woran Kenobi dachte und empfand Befriedigung in der Gewißheit, ihm mehr als einen Schritt voraus zu sein. „Zu spät, alter Mann…"

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Als Vader später in sein Quartier zurückkehrte, fühlte er sich innerlich unruhig und aufgewühlt. Das lag nicht an den Gesprächen, die er mit seinen Kontakten geführt hatte – wie die ersten waren auch diese in mehr als deutlicher Mehrheit überaus zufriedenstellend ausgefallen. Mehr Planeten und Verbände als erwartet hatten ihm Gefolgschaft geschworen und waren bereit, sich ihm offen zuzuwenden und hinter ihn zu stellen. Es war auch nicht Kenobis Besuch gewesen, nicht gänzlich, jedenfalls. Aber irgend etwas trübte den Augenblick. Etwas war passiert.

Und in dem Augenblick, als er das Sanktuarium betrat, krampfte eine kalte Hand sich um sein Herz.

Veers lag auf dem Bett, zusammengerollt wie eine Kugel, offensichtlich von Schmerzen zerrissen. Er weinte, stumm, verzweifelt, und starrte blicklos an die Wand, ohne zu erkennen zu geben, daß er Vaders Eintreten bemerkt hatte.

„MAX!"

Vader war mit einem Satz bei ihm, setzte sich zu ihm und zog ihn sanft an sich heran, umfing ihn mit starken Armen, gab ihm Halt und wiegte ihn sanft wie ein Kind.

„Was ist passiert, Geliebter?" flüsterte er, die Stimme, durch den Vocoder verzerrt, nicht so sanft, wie er es sich gewünscht hätte. Er verfluchte die Maske, aber er war nicht bereit, Max loszulassen, um sie abzunehmen. „Hast du Schmerzen?"

Veers brauchte einen langen Augenblick, um zu reagieren. Er sah Vader an, hob wie in Zeitlupe die Hand und berührte irgendwie verzweifelt seine Maske, dann schloß er die Augen und klammerte sich an ihn. Und er schwieg immer noch.

Vader sah sich im Raum um, versuchte, die Ursache für Max' Schmerz zu finden. Irgendwann fiel sein Blick auf das Terminal, das aktiviert war – offensichtlich hatte Max Nachrichten abgerufen. Eine davon war noch geöffnet auf dem Schirm.

Plötzlich war Vader wieder dankbar, daß er die Maske noch trug. Er aktivierte eine der seltener benutzten Fähigkeiten des Visors und zoomte den Bildschirm heran, um die Nachricht lesen zu können.

Sie war kurz – und erschreckend.

„Vater,

ich möchte, daß du es von mir erfährst – zumindest zuerst von mir. Ich bin desertiert und habe die Flotte verlassen, um mich der Allianz anzuschließen. Ich mußte heute mitansehen, wie mein Vorgesetzter einen alten Mann gefoltert hat, nur, weil der Verdacht bestand, daß der arme Alte zu den Rebellen gehört.

Ich konnte nicht länger ertragen, Teil eines Systems zu sein, daß derartige Grausamkeiten zuläßt. Als die Rebellen auftauchten, habe ich dem alten Mann geholfen, zu fliehen.

Verzeih mir, Vater. Ich hoffe, wir werden uns nie persönlich gegenüberstehen müssen.

Ich liebe dich.

Zev."

Oh, verdammt.

Vader schloß die Augen und umfaßte Veers noch fester, schlang sein Cape wie eine Decke um ihn und hielt ihn fest.

„Max, es tut mir so leid… ich hoffe wirklich, wir werden ihm nie gegenüberstehen. Und wenn, werde ich ihn verschonen, das schwöre ich dir. Ich werde ihn schützen, wenn ich es kann."

Veers löste sich ruckartig von ihm und sah ihn an. „Und wenn er dich töten will? Oder Luke? Oder Arik? Was dann?"

„Er ist dein Sohn, Max…", sagte Vader leise.

„Ja, mein Sohn.", antwortete dieser bitter. „Mein verräterischer, desertierter Sohn…" Den ich weniger liebe als dich., fügte er schuldbewußt in Gedanken hinzu.

„Es tut mir so leid, Geliebter." Vader fühlte sich hilflos. „Ich hätte ihn zu uns holen sollen. In die Schwadron."

„Das hätte vermutlich nichts geändert. Es im Gegenteil nur noch schlimmer gemacht. Wenn er von hier desertiert wäre, wie stünden wir dann da?"

Vaders Herz floß über, als er von ‚wir' sprach, und er zog ihn noch näher an sich – doch dann ließ er ihn los und machte Anstalten, den Helm abzunehmen.

Veers packte seine Hand, die Augen geweitet. „Nein… nein, bitte. Laß ihn auf. Ich brauche dich heute stark… ich muß Kraft von dir holen. Ich brauche Darth Vader heute Nacht."

Der dunkle Lord sah ihn an, ein wenig verwirrt und erstaunt. „Du glaubst doch hoffentlich nicht, ich würde dir Vorwürfe machen, oder?"

„Nein." Max schloß die Augen und schüttelte den Kopf. „Die mache ich mir noch nicht einmal selbst. Und auch dir nicht, falls du das annimmst. Ich bin nur unendlich traurig, meinen Sohn verloren zu haben…"

„Aber das hast du doch nicht!"

„Doch. Und du weißt das." Max schloß erneut die Augen und lehnte sich trostsuchend an seinen Partner.

„Leia kann - " setzte Vader an.

„Nein, kann sie nicht.", unterbrach Veers. „Nicht, ohne sich in Gefahr zu bringen. Sie darf nicht zugeben, daß sie mich kennt. Das würde uns alle gefährden."

„Ja.", stimmte Vader sanft zu. „Aber sie kann sich mit ihm anfreunden. Und vielleicht doch vorsichtig versuchen, auf ihn einzuwirken… und ihn in Sicherheit zu bringen, falls es kritisch werden sollte."

„Vielleicht. Ja.", sagte Max nach einer langen Pause, doch seine Stimme klang hoffnungsvoller als zuvor.

„Ich werde mit ihr sprechen morgen früh." Vaders Hand glitt zärtlich durch sein Haar und über seinen Rücken. „Zuerst der Kaiser. Dann die Rebellen… wenn es irgend geht, auf friedlichem Weg, Max. Aber es wird eine Weile dauern."

„Ich weiß…" flüsterte Veers. Wieder glitt seine Hand liebkosend über die Konturen von Vaders Maske. „Schlaf mit mir.", bat er dann.

„So?" kam die erstaunte Gegenfrage. „Im Anzug?"

In Veers' Augen erschien ein leichtes Leuchten, er lächelte schwach. „Ja."

Er brauchte Vaders Lächeln nicht zu sehen, um zu wissen, daß es da war. „General, ich bin entsetzt. Diese Rüstung wurde nicht geschaffen, um romantische Bedürfnisse zu erfüllen – sie soll im Gegenteil Furcht einflößen!" grollte er in seinem besten, drohenden Baß.

Als Antwort vertiefte sich Veers' Lächeln nur noch. „Ich liebe dich, Dava…"

Vader lachte leise und ließ seine Hand tiefer gleiten, um zu beginnen, was Max sich wünschte.