Als verspäteten Nikolaus ein neues Kapitel… und eine fette Entschuldigung für meine lange Abstinenz. Ich habe mittlerweile ein wenig Nachschub geschaffen, aber leider immer noch nicht so viel, wie ich gerne hätte… es wird, aber langsamer, leider. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen… oder so ähnlich.
Ach ja: dieses Kapitel dürfte Yuiko besonders gut gefallen ;o)
Kapitel 79
Veers und Vader waren nicht die letzten, die die Festlichkeiten verließen, aber sie wussten, dass sie sich auf die Männer verlassen konnten. Niemand würde am Tag darauf fehlen, keiner über die Stränge schlagen. Und so zogen sie sich beruhigt und gelassen zurück – zusammen, ganz offen, und in Vaders Quartier.
Veers war mittlerweile umgezogen, wie von Vader geplant, und bewohnte nun Räumlichkeiten ganz in der Nähe, aber oft genug verbrachten sie die Nacht gemeinsam… mal hier und mal da, wie es sich eben ergab. Und ab nun wäre sehr viel weniger Heimlichkeit vonnöten als seither, was sie wussten, da auch sie das eine oder andere aufgeschnappt hatten oder es ihnen berichtet worden war.
„Was hast du morgen vor?" erkundigte sich Veers, während er sich entkleidete und die Uniform ordentlich auf einen Bügel hängte. Längst hatte er Sachen zum Wechseln hier eingelagert, aber es widerstrebte ihm, eigentlich saubere Kleidung nach nur einmaligem Tragen zum Reinigen zu geben.
Vader war im Bad und machte sich eben bereit, unter die Dusche zu gehen. „Mal sehen. Ich denke, ich werde einigen wichtigen Gebäuden mal einen Besuch abstatten – der Senatshalle, der Universität… dem Jeditempel."
„Senatshalle?" Veers riß die Augen auf. „Jeditempel? Beide stehen seit zwanzig Jahren leer und sind versiegelt worden!"
„Ja. Wird Zeit, die Ratten rauszuscheuchen, meinst du nicht auch?"
„Die mit zwei oder mit vier Beinen?" Veers grinste und folgte ihm ins Bad, um die Unterhaltung trotz laufenden Wassers fortführen zu können.
„Sowohl als auch." Vader prustete kurz, als er den Kopf unter den warmen Strahl hielt.
„Du willst also den Jedirat wieder ins Leben rufen und den Tempel bevölkern..."
„Ja – über kurz oder lang auf jeden Fall, wenn auch anders als früher. Ich habe noch keinen Namen für das, was wir dann sind – weder Sith noch Jedi, denke ich, irgendwas dazwischen, beides, keins von beidem."
„Und wo willst du Lehrer hernehmen?"
Vader rieb sich mit Duschgel ein, und ein aromatischer Duft erfüllte den Raum. „Ich habe Kenntnis über ein paar Überlebende, die dafür geeignet sind."
„Du hast WAS? Warum leben die noch?"
„Sprich das böse Wort ruhig aus: Insubordination. Ja. Ich habe den Befehl verweigert, weil diese Jedi den alten Lehren ebenso kritisch gegenüberstehen wie ich. Viele davon sind verheiratet und haben Kinder. Ich werde sie nach und nach aufsuchen und ihnen den Vorschlag machen… vielleicht mit Zarketh zusammen. Sie sollte auch dazugehören, ich werde sie bald aufsuchen. Schon wegen Lukes Hand."
Veers brummte. „Wirst du Order 66 widerrufen?"
Dem Duschgel folgte ein Klecks Shampoo auf die Stoppeln, die den Kopf zierten. „Komm rein und rasier mir den Kopf, wenn du schon da rumstehst. – Ja, ich denke, das werde ich… wenn auch nicht sofort." Er trat einen halben Schritt zur Seite, um Veers Platz zu machen, der sich seiner Wäsche entledigt hatte und zu ihm hereingestiegen war, dann drehte er sich um und legte den Kopf ein wenig zurück, um seinem Partner den Zugriff zu erleichtern. „Erst, wenn ich weiß, ob ich ein paar von ihnen gewinnen kann. Dann, wenn ich die Wiedereröffnung offiziell mache, verkünde ich auch das Ende der Order 66 und werde neue Schüler aufrufen, zu uns zu stoßen. Und noch etwas: ich werde kein Kind der Wiege der Eltern entreißen. Wenn sie so jung kommen wollen oder die Eltern das wollen, wird es Besuchszeiten geben und Ferien. Familie ist wichtig. Es wird nie wieder einen Haufen fehlgeprägter Fanatiker geben, das schwöre ich."
„Gut. Und die Senatshalle? Was hast du mit ihr vor?" Veers fuhr behutsam mit dem Rasierer über Vaders Kopf, bemüht, sich nicht im – zwar flacher gewordenen, aber immer noch vorhandenen - Narbengewebe zu verfangen und seinen Partner zu verletzen.
Vader blinzelte unschuldig. „Was denkst du?"
„Du willst wieder einen Senat einsetzen?" Veers war verblüfft. „Ich denke, du willst Kaiser sein?"
„Ja, aber anders als Palpatine. Ich werde nicht auf Coruscant im Palast verschimmeln, ich will und werde wie seither im Reich unterwegs sein – das ist wichtig und war Palpatines Fehler. Er war nicht präsent, man kannte ihn nur aus den Medien. Mich jedoch kennt jeder. Das werde ich beibehalten. Deshalb der Senat – er wird mich bei der Arbeit unterstützen, mir zuarbeiten, Informationen sammeln, Entscheidungen vorbereiten, Dinge tun, die zeitraubend und aufwendig sind oder Spezialisten erfordern. Und an der Spitze, als mein Ansprechpartner, Kontakt und Sprachrohr, wird wieder ein Kanzler stehen."
„Und wen hast du dafür im Auge?" Er war fertig und legte den Rasierer beiseite.
Vader drehte sich um. „Dich, Geliebter."
Veers wurde blaß und taumelte einen Schritt zurück, glitt auf dem rutschigen Boden beinahe aus und prallte gegen die Wand, sich eben noch fangend. „Das kann ich nicht. Ich bin Offizier, kein Politiker."
„Kannst du wohl. Du wirst phantastisch sein als Kanzler."
„Du schickst mich weg?" flüsterte Max entsetzt.
„Niemals!" Vader trat dicht zu ihm, umarmte ihn und zog ihn an sich, das warme Wasser floß sanft über beide hinweg. „Du wirst immer bei mir sein. Wozu gibt es vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten? Holonet und mehr? Alle paar Wochen schneien wir unangemeldet bei denen rein und klopfen ihnen auf die Finger, und ansonsten wirst du vertrauenswürdige Agenten haben, die ein wenig die Augen offen halten." Er küsste ihn sanft. „Glaubst du wirklich, ich würde dich jemals wieder gehen lassen?"
„Es klang so… für einen Moment."
„Unsinn. Ebensowenig wie ich Firmus gehen lasse. Ihn will ich zum Verteidigungsminister machen. Corva… wenn sie will, kann sie das Ressort Gesundheit und Familie haben. Und irgendwann will ich Leia als Außenministerin. Und nicht zu vergessen: Jix wird Leiter meines Geheimdienstes."
Veers lächelte. „Bleibt alles in der Familie, hm?"
Vader erwiderte es. „Aber natürlich."
„Und Luke?"
„Er ist kein Politiker. Ihn möchte ich zum Leiter der neuen Machtbegabten-Akademie machen. Ich denke, das gefällt ihm besser."
„Ganz sicher. Aber dann wäre er der einzige, der nicht hier auf dem Schiff lebt und arbeitet. Und DAS wird ihm bestimmt nicht gefallen."
„Vermutlich nicht… aber wir werden sehen. Das ist alles noch nicht spruchreif. Und seine Aufgabe wäre sehr wichtig – und er wäre ja nicht allein. Er hätte Arik, vor allem, und Mara – Leia nicht zu vergessen. Und wir würden ja regelmäßig vorbeisehen. Ab und zu würde ich auch ganz gern unterrichten."
„Als Darth Vader?" Veers blinzelte ein paar Tropfen weg. „Oder als Jedi-Heiler Songan Tyee?"
„Hm." Vader brummte nachdenklich. „Vader. Hauptsächlich, zumindest. Ich will damit ja gerade Distanz abbauen und allzu große Furcht nehmen."
„Ist das klug? Es könnte eher dahin führen, dass man dir vorwirft, eine Elite zu züchten."
„Das würde oder wird man so oder so, Max. Machtbegabte sind anders. Waren sie schon immer. Elitär ebenfalls – aber genau das will ich ja ändern, indem ich sie alle in einen Topf werfe und alle aufnehme – auch die älteren und die schwach begabten."
„Warum willst du schwach begabte aufnehmen?" So interessant Max das Gespräch auch fand – er blieb nicht unberührt von der aktuellen Situation und der Tatsache, dass sein Partner ihm eben splitterfasernackt gegenüberstand… und er ebenso nackt war. Von ganz allein gingen seine Hände auf Wanderschaft und fuhren über Vaders breite, haarlose Brust.
„Weil auch sie das Recht dazu haben. Durch die Säuberung sind wir nur noch wenige. Es ist wie bei einem Baum, den man kräftig zurückgeschnitten hat. Was nachtreibt, bedarf besonderer Pflege – auch die zartesten Ästchen." Der dunkle Lord schloß genießerisch die Augen, als Veers' Hände ihren Weg in tiefere Regionen suchten. „Hmmm… sollten wir nicht woanders hingehen? Wo es weicher ist?"
Veers lag eine zotige Antwort auf den Lippen, die er sich gerade noch verkniff. „Später. Erst will ich dich hier… und jetzt."
Vader grinste breit, als er Max' Gedanken aufschnappte, und legte verlangend die Hände auf dessen Schultern. „Ich meinte die Unterlage."
„Ah so?" Veers grinste zurück, während seine Hand begann, sanft zu stimulieren. „Ich habe noch nie mit einem Kaiser geschlafen."
„Ich würde dir auch nicht raten, dich an einem anderen Exemplar dieser Spezies zu vergreifen…", murmelte Vader und unterdrückte ein Stöhnen.
„Weil ich auch so viele kenne." Max lächelte und drehte ihn bestimmt um, bevor er sich an ihn presste und ihn seine Erregung spüren ließ. „Nein. Dieses Geschenk mache ich nur dir…"
Ein paar hundert Meter weiter und einige Decks tiefer, im Auditorium, spürte Luke deutlich seines Vaters Lust, bevor dieser seinen Geist aus Höflichkeit und Diskretion verschloß. Er lächelte – diesmal wusste er genau, wer bei ihm war. Und zu seiner eigenen Verblüffung machte es ihm gar nichts aus. Im Gegenteil. Er fand es… erregend.
Arik, der neben ihm stand, grinste breit – auch er hatte es gespürt.
„Die beiden sind schlimmer als Teenager, die zum ersten Mal verliebt sind."
„Ich freue mich für sie.", meinte Luke. „Ein Lichtblick in diesen Zeiten des Krieges."
„Nicht der einzige." Arik deutete lächelnd auf einige andere Pärchen, und nicht wenige davon gleichgeschlechtlich. Bei Anlässen wie diesem störte sich niemand daran, wenn jemand Händchen hielt oder Küsse tauschte, solange es nicht überhand nahm. Auch Firmus und Corva waren noch da… und Mara und Jix unterhielten sich in einer anderen Ecke angeregt, aber – noch? – auf schickliche Distanz. Aber vielleicht war das nur ihre Art des Flirts.
Luke sah Arik an, der den Blick neugierig und warm erwiderte. „Wann hast du das erste Mal…"
Arik lächelte. „Geküßt? Oder Sex gehabt?" Er lachte leise. „Und mit einem anderen Mann, meinst du wohl. Hm… Auf jeden Fall schon in der Flotte. Manchmal reichen Freundschaften nicht aus, und es geht tiefer… und manchmal ist es nur körperlich und dient als Ventil. Ich habe beides schon erlebt."
Luke hörte ruhig zu, aber eine Augenbraue wanderte langsam nach oben.
„Erlaubt ist, was beiden gefällt, Luke. Wichtig ist, dass gesteckte Grenzen eingehalten werden. Möchte einer nur küssen, ist das in Ordnung und muß akzeptiert werden. Und jedes ‚mehr' muß beiden zusagen. Ich persönlich mag es zuweilen gern ein wenig… härter. Aber das ist Geschmackssache…"
Der junge Jedi ging erst einmal nicht auf das ‚härter' ein. „Und wie ist es so…?"
Arik zuckte die Schultern. „Nicht anders als mit einer Frau, in gewisser Weise. Es kommt auch hier auf die Person an, wenn Gefühl dabei ist." Er trat vorsichtig ein wenig näher. „Möchtest du… es versuchen?"
Luke zögerte unschlüssig, einerseits war er neugierig, andererseits hatte er ein wenig Angst. Aber er schwieg und überließ es seinem Freund, denn er vertraute ihm völlig.
Und Arik, mit dem er längst gewohnt war, nonverbal zu sprechen, lächelte und trat noch ein wenig näher. Er legte die Hände auf Lukes Schultern und fuhr sanft darüber, dann glitt eine Hand noch höher und liebkoste Lukes Wange. Zärtlich strich sein Daumen über Lukes Lippen, die sich unwillkürlich ein wenig öffneten.
„Du kannst jederzeit Stop sagen…" flüsterte Arik und beugte sich langsam vor. „Hab keine Angst, mich zu verletzen – das Tempo bestimmst alleine du. Und wenn du entscheidest, dass es dir nicht gefällt, ist das auch in Ordnung. Ja?"
„Ja…" antwortete Luke heiser, sein Atem ging ein wenig schneller, und er ertappte sich dabei, wie er sich ein wenig nach vorn lehnte, Arik entgegen. Und schon legten sich dessen Lippen sacht auf die seinen, eine Berührung so leicht wie ein Windhauch, und doch jagte es ihm einen Schauer über den Rücken.
„Mehr?" fragte der Captain leise.
Die Antwort überraschte ihn, denn sie bestand aus Händen, die sich auf seine Hüften legten und ihn zwar zögernd, aber doch bestimmt heranzogen. Der folgende Kuß war immer noch keusch und unschuldig, aber deutlich verlangender.
Arik schloß die Augen; seine Lippen öffneten sich leicht. Vorsichtig zupfte er an Lukes Unterlippe, strich sacht mit der Zungenspitze darüber, lockend, einladend, aber nicht fordernd.
Luke erschrak, aber es gefiel ihm, und er wurde neugierig. Auch er öffnete nun die Lippen, seine Zunge suchte vorsichtig Ariks, berührte sie sanft.
Und plötzlich explodierte seine Welt in Farbe und Emotion. Beide wollten es, beide waren bereit dazu, beide waren machtsensitiv und aufeinander eingestimmt – und wurden nun regelrecht von Gefühlen überrollt… obwohl sie noch nichts weiter taten, als einen ersten, zögerlichen Zungenkuß zu tauschen.
„Wow…!" keuchte Luke, als sie sich wieder voneinander lösten.
„Wow, du sagst es…" Auch Arik schnappte nach Luft. „Und DARAUF verzichteten die Jedi freiwillig? Was für Idioten…"
„Du meinst, normalerweise fühlt es sich nicht so an?"
„Nicht mit einem… normalen Menschen." Arik suchte nach einer vorsichtigen Formulierung.
„Oh." Luke schürzte die Lippen. „Dann ist es wirklich doppelt unverständlich… ob Vater das weiß?"
„Vermutlich nicht… Veers ist nicht machtsensitiv, und deine Mutter war es glaube ich auch nicht."
Luke runzelte die Stirn. „Bist du eigentlich sicher, was Max angeht?"
„Wie meinst du das?"
„Naja, die beiden unterhalten sich mental, wie wir."
Arik brummte nachdenklich. „Hm. Vielleicht ein geringer Wert? Möglich ist es."
„Mich wundert, daß Vater das nie geprüft hat." Lukes Blick hing immer noch an Ariks Lippen; seine eigenen brannten in der Erinnerung an den Kuß, so scheu und züchtig er auch gewesen war.
„Ich denke, es interessiert ihn nicht. Er liebt Max, wie er ist."
„Mhm."
Arik musterte ihn amüsiert. „Warst du jemals verliebt?"
Luke schreckte auf. „Was?"
„Ob du jemals verliebt warst." Arik grinste, und Luke wurde rot.
„Nein. Es ergab sich nie. Einmal dachte ich, ich sei es…"
„Wer war es?" erkundigte sich der junge Captain neugierig.
„Leia.", gestand Luke verlegen. „Das Gefühl hielt nicht lange an… jetzt weiß ich auch, warum."
„Irgendwann kommt die oder der richtige, Luke.", tröstete Arik. „Du wirst es wissen, wenn es soweit ist…"
