Wie versprochen: noch ein Kapitel zu Weihnachten, verbunden mit lieben Grüßen an alle Leser, besonders aber an Nangijala, Yuiko, Tlana Isimi, narumi, Demetra, meine mittlerweile leider einzige (und viel zu unkritische ;o)) Beta Cynon – und, vor allem: meine Liebe, mein Fels, meine Sonne mir gegenüber, die all meine Launen und Macken mit einem Lächeln erträgt. Danke, mein Schatz, für ein wundervolles 2009. Und danke euch allen fürs Lesen und reviewen!

Ach, noch was :o)

Nachdem mir gestern der persönliche Supergau passiert ist, ein Rat an alle Schreibenden: solltet ihr eure Story nur auf einem USB-Stick haben, so zieht diesen never, NEVER EVER einfach so aus dem Rechner, weil ihr – wie ich – etwa irgendeine dödelige Software fürs Handy „nur mal schnell" installieren wollt. Sollte die Story dann noch offen sein, schließt sie never, NEVER EVER, ohne sie vorher woanders zu speichern. Am besten schickt ihr sie vorher auch noch eurer Beta und einem halben Dutzend anderer Leute, damit euch nicht passiert, was mir passiert ist: sie war nämlich weg. WEG. Im Geschichtennirvana, einfach so. Vom Stick verschwunden, in keiner .tmp zu finden, nicht im Papierkorb, nicht über Word-Recovery aufzurufen. Schlicht und ergreifend: WEG.

Einige Schreikrämpfe und Tränen später (nein, es war nicht der Auserwählte, der ist mehrfach gesichert, sondern ein kleines Plotbunny mit bereits zwölf Seiten – nicht viel, ok, aber ich hätte sie nie wieder so zusammenbekommen) hat ein lieber Freund übers Netz den Rat gegeben, sich eine Freeware namens Get Data Back zu laden. Und die hat dann im zweiten Anlauf, nach Setzen sämtlich möglicher Haken, das Wunder vollbracht, die Daten zurückzuholen. Das Rumpeln der Erleichterungslawine dürfte man bis zu ihm hoch nach Norddeutschland gehört haben.

Mann! Für einen Moment war Weihnachten für mich echt gelaufen, glaubt mir… aber ich hab sie wieder, und sobald sie fertig ist (sie soll nur kurz werden (haha, ich kenn mich…)), stell ich sie on. Vielleicht zu Silvester? Mal sehen…

Und wer weiß, wenn meine Muse auch unerwartet Überstunden schiebt – sie tut es leider nicht im richtigen Plot, aber vielleicht ist sie danach wieder in Fahrt. Ich hoffe es! Ich bleibe jedenfalls hartnäckig ;o)


Kapitel 80

Am nächsten Morgen bekam Vader relativ früh Besuch von zweien der Leibwache, die sich diskret erkundigten, was mit Palpatines Leichnam passieren sollte. Der dunkle Lord stutzte ein wenig, als ihm bewusst wurde, dass er sich darüber noch keine Gedanken gemacht hatte – im Gegensatz zu der Frage, wie mit den toten Gardisten verfahren werden sollte.

„Ich denke, ein Staatsbegräbnis ist angebracht.", entschied er dann. „Sucht nach möglichen Präzedenzfällen - "

„Verzeihung, Sire", unterbrach eine der Wachen sehr höflich, „aber es gibt keine. Wir hatten das bereits geprüft."

Vader brummte. „Na schön. Sucht einen vertrauenswürdigen Bestatter" – im alten Jargon hätte dies geheißen: kauft ihn, im neuen… Die Wachen waren sich nicht ganz sicher, ob derjenige danach zu töten sei oder nicht. Aber vielleicht meinte Vader auch nur einen ‚Anti-Palpatine'-eingestellten? – „und lasst ihn herrichten – einbalsamieren oder was weiß ich, auf jeden Fall soll er wirklich nach Herzinfarkt aussehen. Sollte mit der Kutte ja kein Problem sein. Ein Stahlglasdeckel auf den Sarg – ich will nicht, dass jemand ihn berührt oder versucht, sich eine Devotionalie zu sichern. Öffentliche Aufbahrung für… vier Tage. Nein, fünf. Legt genügend Kondolenzbücher aus und sorgt dafür, dass rund um die Uhr ausreichend Wachen vor Ort sind. Friedliche Demonstrationen sind zu gestatten, Auswüchse umgehend bestimmt, aber soweit als möglich friedlich zu unterbinden. Danach ein öffentlicher Trauerzug… nein, streicht den. Dann die Einäscherung und Unterbringung der Urne auf dem Zentralfriedhof."

Die Wachen sahen sich an. „Mit allem schuldigen Respekt, Sire…" begann einer der beiden. „Wenn ich vorschlagen dürfte, die Aufbahrung um einen Tag zu verkürzen und stattdessen einen öffentlichen Trauerzug zu genehmigen. Nur ein kurzes Stück…"

„Zu gefährlich.", knurrte Vader. „Ich habe keine Lust, die halbe Armee auf Coruscant zu bündeln, um eine Leiche zu bewachen! Und das wäre notwendig, um den Weg zu sichern… und der Trauerzug würde den Stellenwert des Toten zu sehr steigern. Nein, belasst es bei der Aufbahrung. Und kündigt über die Medien an, dass niemand Regress befürchten muß, wenn er ihm die letzte Ehre erweist. Ich selbst werde mit meinen Leuten den Anfang machen."

„Sire." Die Wachen nickten. „Welcher Religion gehörte Palpatine an, Sire? Nur für den Fall, dass Ihr einen Gottesdienst wünscht."

„Er war Sith, und ich wäre der einzige ‚Priester', der in Frage käme.", versetzte Vader trocken. Er erinnerte sich an Qui-Gons Einäscherung auf Naboo, vor gut dreißig Jahren, und eine leichte Trauer um den viel zu früh verstorbenen Mentor überkam ihn. Wie anders hätte alles kommen können, hätte Qui-Gon länger gelebt…! „Keine Zeremonie. Ein Defilée am Sarg reicht vollkommen aus."

„Sehr wohl. – Wie viele Wachen wünscht Ihr für die Besichtigung des Senats und des Jeditempels, Sire?"

„Die üblichen sind vollkommen ausreichend.", erwiderte Vader irritiert.

„Acht also, Sire."

„Acht? Um der Mächte willen, nein! Vier, höchstens! Und zehn Mann der 501sten, beide Gebäude müssen durchsucht werden."

„Sehr wohl, Sire. Wann wünscht Ihr hinüberzufliegen?"

Vader überlegte kurz. Warum eigentlich nicht…? „Ihn einer Viertelstunde."

„Shuttle und Männer werden Euch erwarten, Sire." Die Wachen salutierten und gingen, und Vader trat an ein Interkom, um Veers und Luke zu benachrichtigen.

Nur wenige Minuten später saßen alle im bereitgestellten, nicht gekennzeichneten Mannschaftsshuttle, und Vader hatte es sich – Kaiser hin oder her – nicht nehmen lassen, wie immer selbst zu fliegen.

Ihr erstes Ziel war das Senatsgebäude. Es wurde von einem Trupp Gardisten bewacht, die zu ihrem Glück ihren Job ernstnahmen, sie bereits vor der Landung anfunkten und penibel befragten. Der Diensthabende ging sogar so weit, Vaders persönlichen Code zu verlangen, bevor er die Landung gestattete – ein Vorgehen, bei dem jeder erwartet hätte, Vader ausrasten zu sehen. Doch stattdessen lobte er den Mann sogar.

Das Gebäude stand seit einigen Jahren leer – seit der Auflösung des Senats kurz vor der Zerstörung Alderaans und des ersten Todessterns. Staub flockte überall, und Ungeziefer hatte sich eingenistet, aber insgesamt war es in gutem Zustand und benötigte nur eine intensive Grundreinigung.

Mit gemischten Gefühlen betrat Vader Palpatines Büro – das später einmal Veers gehören sollte. Hier wurde Darth Vader geboren, damals, vor über zwanzig Jahren, hier hatte er sich gegen seine alten Meister aufgelehnt, einen ihrer mächtigsten angegriffen und verstümmelt – und ihre Herrschaft gegen eine andere eingetauscht, nahtlos und fließend von einer Sklaverei in die nächste, das zweite Mal in seinem Leben. Er war danach noch viele Male hiergewesen, aber es ließ ihn nie unberührt.

Max kannte die Geschichte durch seine Erzählung, er konnte sein Unbehagen nachvollziehen und hielt sich ruhig zurück, doch Luke ahnte nichts davon. Er betrat den Raum unbefangen und sah sich neugierig um. Zwar hatte der Raum eine böse Aura und strahlte Bosheit und Düsternis aus, aber er war sehr elegant eingerichtet.

„Ich lasse alles neu machen.", beschloß Vader laut und heftig. „Nichts hier soll mehr an den vorigen Benutzer erinnern." Luke sah ihn verwundert an.

„Warum? Ist doch todschick alles, und in gutem Zustand?"

Vader schüttelte den Kopf. „Nein. Alles hier erinnert mich an den größten Fehler meines Lebens. Hier wurde ich erschaffen. Hier offenbarte Palpatine sich mir. Hier begann das Ende."

„Oh.", machte Luke leise. In seinem Kopf formten sich unwillkürlich Bilder, Erinnerungen seines Vaters an diesen schicksalhaften Tag. Palpatine, der innerhalb von Sekunden drei Ratsmitglieder tötete, der sich mit Mace Windu ein furioses Duell lieferte. Anakin Skywalker in seinem größten Gewissenskonflikt, gefangen zwischen geschworenem Gehorsam gegenüber seinen Meistern – und der größten Angst seines Lebens, Padmé zu verlieren, wenn seine Vision wahr würde – und ohne Möglichkeit, sie zu retten, wenn der einzige stürbe, der das Geheimnis kannte, den Tod selbst zu besiegen. Anakin Skywalker, der seine Seele verkaufte, der allzu leicht und allzu schnell verriet, was man über Jahre versucht hatte, ihm beizubringen – an denjenigen, der all die Jahre mit Bedacht und sorgsam Zweifel gesät hatte. Zweifel an einem fehlerhaften, verknöcherten System, das auf seine Weise ebenso grausam war wie die neue Abhängigkeit, in die er sich freiwillig begab. Wenn nicht noch grausamer.

„Oh.", wiederholte er, noch leiser, und sah sich erneut um, den Raum nun mit gänzlich anderen Augen betrachtend. Dann riß er sich zusammen. „Warum gibst du Max nicht einfach ein anderes Büro?"

„Das geht nicht, Sohn."

„Warum nicht? Es gibt doch genug andere Räume hier?"

Vader grinste trotz seiner düsteren Laune. Er verließ den Raum durch eine Seitentür, folgte einem kurzen Flur ohne weitere Türen und betrat einen anderen, exakt runden Raum, in dem ebenfalls ein Schreibtisch stand – und im Zentrum des Raumes ein sonderbar geformtes… Podest? mit drei Sitzplätzen, dessen mittleren er nun einnahm. „Komm doch mal her.", sagte er zu Luke, der ihm mit Veers gefolgt war. „Stell dich neben mich – du auch, Max, auf die andere Seite."

Nachdem beide diesem Befehl gefolgt waren und ihn fragend ansahen, betätigte er eine Taste – und plötzlich stiegen sie in die Höhe, über ihnen öffnete sich ein Durchlaß und gab den Blick in die gigantische Kugel der Senatshalle frei. Und sie stiegen immer noch höher, bis sie sich schließlich fast im Zentrum der Kugel befanden.

Luke grinste immer breiter, je höher sie stiegen, und Max suchte unwillkürlich Halt am Tisch. „Netter Trick, ich muß schon sagen."

„Liebes bisschen…" murmelte Veers und sah ein wenig unbehaglich in die Tiefe. „Ich kann von Glück sagen, dass ich schwindelfrei bin."

Luke ließ neugierig und aufmerksam den Blick schweifen. „Das also ist die Senatshalle. Beeindruckend, wirklich… jede Loge steht für ein Mitglied, einen Planeten?"

„Ja. Wobei es manchmal Planetenverbände waren oder seltener auch einmal zwei Mitglieder auf einem Planeten. Die Logen sind beweglich und verfügen über dieselbe Technik wie ein Gleiter – die jeweiligen Redner lösten ihre Logen heraus und kamen näher heran. Ich musste ihn nicht allzu oft begleiten, aber ab und zu schon – und immer dann, wenn es… militärische Dinge durchzusetzen galt. Oder Dinge von eminenter Wichtigkeit. Meine Anwesenheit sorgte im Allgemeinen dafür, dass die Sitzungen ruhiger abliefen als üblich."

Vader sah sich um. Auch hier schien alles gut in Schuß zu sein, alle Logen befanden sich an ihren Plätzen, das Licht erhellte jeden Winkel, und die Hydraulik ihrer Plattform lief leise und sanft. „Sehr schön.", murmelte er und ließ die Kanzel wieder sinken. „Grundreinigung, Kammerjäger und zur Sicherheit ein paar Elektriker, dann sollte alles bereit sein. Wenn es soweit ist."

„Wie stellst du dir das in Zukunft vor?" erkundigte sich Max ein wenig unwohl. Er schien sich immer noch nicht mit dem Gedanken angefreundet zu haben, Kanzler zu werden.

„Die ersten paar Sitzungen werden wir gemeinsam abhalten.", erklärte Vader und schlug den Rückweg zum Shuttle ein. „Danach wirst du es vermutlich alleine tun - sie sollen merken, dass wir zusammengehören, du aber mein volles Vertrauen hast. Keine Sorge, Max. Mehr als die Hälfte der Liste steht offen hinter mir. Und wer sich uns in Zukunft anschließt, wird dies aus Überzeugung tun."

Sie hatten das Shuttle erreicht und starteten erneut. Das nächste Ziel, der Jeditempel, lag schnell vor ihnen.

„Ziemlich protzig…" murmelte Luke, als er die Anlage vor sich aufragen sah. „Und riesig."

„Es waren ja auch sehr viele.", erwiderte Vader ruhig. „Aber warum nicht vorhandene Ressourcen nutzen? Die Bibliothek und die Holocrons sind alle noch vorhanden, wenn auch woanders eingelagert – in einem Hochsicherheitstrakt des kaiserlichen Palastes. Die Materialien aus den Werkstätten sind in meiner Obhut, wie ihr wisst. Und alles andere ist noch da… er wird eine Weile sehr, sehr leer sein, das ist mir klar. Wir werden sehen, wie schnell er wieder zum Leben erwacht."

Die Sicherheitsvorkehrungen hier waren ungleich höher als die der Senatshalle. Schon im Anflug mussten sie nicht weniger als drei Passwörter nennen, und nach der Landung wurden sie von zwanzig Elite-Sturmtruppen empfangen, die sie auch ins Gebäude begleiteten.

Vader fühlte sich unwohl hier, das konnte Luke deutlich spüren, auch wenn er sich nach außen hin nichts anmerken ließ.

„Vater?"

Der dunkle Lord schüttelte beruhigend den Kopf. „Ich war nur nicht mehr hier seit der Säuberung. Kein Tag, an den man sich gern erinnert… die Kinder, Luke. Ich bereue die Kinder."

„Ich weiß, Vater.", erwiderte Luke ernst, mit Trauer, aber ohne jeden Groll. „Aber vielleicht wird es bald wieder Jünglinge hier geben."

„Hoffentlich, ja – aber keine derart jungen… oder wenn, dann nur mit anderen Regelungen." Vaders Stimme war von Emotion durchtränkt, was noch zunahm, als sie den eigentlichen Tempel jetzt betraten. „Sie sollen den Kontakt zu ihren Familien halten können, Ferien haben und hier nicht gänzlich abgeschottet sein. Sicher, es wird strenge Regeln geben, Gebote und Verbote, aber ich will keine Droiden züchten, sondern verantwortungsvolle, intelligente Persönlichkeiten, die sich über ihr Tun und dessen Konsequenzen bewusst sind. Wenn einer Familie haben möchte – ja! Gern! Das hat es immer gegeben, in aller Heimlichkeit, und es hat funktioniert. Solange die Pflicht nicht darunter leidet, sehe ich kein Hindernis. Und was bei Soldaten funktioniert, wird wohl auch bei Machtbegabten funktionieren."

Sie sahen sich um, Luke und Max aufmerksam, Vader unbehaglich. Dies war einst sein Zuhause gewesen, seine Schule, seine Familie, der Ort, an den er mit seidenen Fesseln gebunden war.

Sie folgten einem der Gänge aus der weitläufigen Eingangshalle, der sie zu Schulungsräumen brachte. Überall waren noch Spuren des Tages der Säuberung zu sehen, Zerstörung, Schäden an Mobiliar und dem Bau selbst – aber keine Leichen. Die hatte man damals weggeschafft, bevor alles versiegelt wurde, und darüber war er froh. Palpatine hatte geplant, aus diesem Gebäudekomplex etwas anderes zu machen, aber es war nie etwas daraus geworden – und auch darüber freute er sich.

Er hatte hier schöne Tage verbracht, aber auch schwere. Er war hier glücklich gewesen, hatte gehofft, seinen Traum – die Sklaven auf Tatooine befreien zu können – verwirklichen zu können, aber er hatte auch lernen müssen, dass er nicht frei in seinen Entscheidungen war, dass man ihn maßregelte und künstlich klein hielt. Ihm Wissen und Fähigkeiten vorenthielt aus Misstrauen, aus schierer Angst, er könne sich gegen den Tempel wenden, aus Angst vor seinen immensen Fähigkeiten, die keiner der Meister wirklich einschätzen konnte. Er hatte den Ritterschlag erhalten, man hatte ihn auf Verlangen des Kanzlers zum Mitglied des Rates erhoben – aber man hatte ihm die Meisterwürde verwehrt. Eine Kränkung, nein, eine Beleidigung, die er bis heute nicht verziehen hatte, und damals nur ein weiterer dicker Tropfen im Faß seines Verdrusses, ein Hieb, der ihn auf seinem Weg zur dunklen Seite vorwärtspeitschte.

Der Weg hatte sie zur Bibliothek geführt, die einigermaßen unversehrt war, wenn auch leergeräumt. Die Werke waren jedoch sichergestellt und würden zurückkehren können. Vaders Blick streifte die Büsten der verlorenen Zwanzig, die immer noch hier standen, und fand Zarketh, die er sofort wiedererkannte. Auch Veers hatte sie entdeckt und lächelte, als er nähertrat und sie betrachtete.

„Zwanzig mutige Seelen.", murmelte Vader, als er Lukes fragenden Blick bemerkte. „Zwanzig, die so ehrlich waren, sich selbst einzugestehen, dass ihr Weg ein anderer war. Die mutig genug waren, diesen Weg auch zu gehen."

Luke verstand und ahnte, wen die Büsten darstellten, als er an ihnen entlangging und sie betrachtete. „Mich wundert, dass du nicht auch hier stehst. Wollten sie keinen Sith in diesen Reihen haben?"

Vader lachte leise und deutete auf eine bestimmte Büste. „Mindestens einer steht hier. Count Dooku, genannt Darth Tyranus, war mein Vorgänger als Palpatines Schüler. Ich tötete ihn auf der INVISIBLE HAND. Eine Büste von mir? Nein – es war schlicht keine Zeit mehr dafür, denn die Säuberung erfolgte nur Stunden nach meinem Fall." Er musterte Dookus Abbild und seufzte. „Wir werden sie stehen lassen – aber meine wird dennoch nicht unter ihnen sein. Schließlich sehe ich mich als Sith oder als Begründer des neuen Weges, nicht als gefallener Jedi."

„Man wird dir noch genügend andere Denkmäler errichten." Veers lächelte. „Überall in der Galaxis."

„Ich werde es überleben.", knurrte Vader. „Schließlich ziere ich schon jetzt Banknoten."

Sie gingen weiter, umgingen die Bereiche, in denen die Jünglinge gelebt hatten, und erreichten schließlich die Ratshalle in der Spitze des Turmes. Mit Schaudern erinnerte Vader sich daran, dass auch hier Kinder gestorben waren… sie hatten sich versteckt, hatten Schutz gesucht im Schatten der höchsten Instanz, der größten Macht, die sie kannten. Aber außer den Geistern der Toten gab es auch hier keine Spuren mehr – und gegen Geister hatte er im Laufe langer Jahre gelernt, sich zu wehren.

Luke trat an das Stahlglasfenster und sah hinaus. „Beeindruckend. Und so auffallend schlicht."

Der dunkle Lord zuckte die Schultern. „Keine Bindung, kein weltlicher Besitz. Mönche und Nonnen, in gewisser Weise. Wir werden die Regeln lockern, aber nicht gänzlich aufheben. Es soll keiner aufgrund seiner Familie oder seines Hintergrunds bevorzugt oder benachteiligt werden. Protzereien werde ich nicht dulden."

Luke nickte zustimmend und ließ den Blick über die Sessel schweifen. „Welcher war deiner?"

„Dieser." Vader deutete. „Und dieser gehört Yoda." Der gezeigte Sessel war auffallend klein, und Luke grinste unwillkürlich.

„Willst du ihn aufsuchen… und ihn zurückholen?" fragte er behutsam.

„Vielleicht. Aber wenn, wird er sich von einigen alten Zöpfen trennen müssen, denn ich werde diese verknöcherte Haltung nicht mehr zulassen. Im Übrigen sprich besser von UNS oder MIR – ich gedenke, dir über kurz oder lang die Leitung der Akademie anzuvertrauen."

„Mir?" echote Luke baff. „Aber ich lerne doch noch selbst!"

„In der Tat.", erwiderte Vader ruhig und nahm in seinem Sessel Platz – und die Welt ging nicht unter, weil ein Sith im Rat saß. „Und du wirst weiter studieren… für lange Jahre. Aber die Verwaltung, die Koordination, die LEITUNG… das möchte ich dir übertragen."

„Err… danke." Luke war überrascht, aber auch erfreut.

„Natürlich kannst du mich jederzeit fragen – und ich werde auch unterrichten, dich und andere. Und ich möchte mit dir zusammen einige der Überlebenden aufsuchen, um sie einzuladen. Ich werde dir eine Liste mit Adressen geben – versuche, sie zunächst über das Holonet zu erreichen, per Mail oder Anruf. Sie sollen wissen, dass sie nicht in Gefahr sind. Ich werde zunächst nicht in Erscheinung treten – aber mach kein Geheimnis daraus, wenn sie Interesse zeigen."

„Schöpfer…" Luke stöhnte. „Das wäre eher eine Aufgabe für Leia. Ich bin kein Diplomat!"

„Nein, aber eine grundehrliche Haut. Laß es sie spüren. Es sind durchgehend Meister, was bedeutet, dass ihre Empathie ausgeprägt ist und ihre Sinne scharf genug sind."

Der junge Jedi schüttelte den Kopf, aber er lächelte. „In Ordnung, ich kriege das schon irgendwie hin." Er sah zu Max hinüber. „Wie du auch. Ich nehme ohnehin an, dass wir eng zusammenarbeiten werden."

„Nicht nur wir." Max erwiderte das Lächeln. „Auch Firmus, Corva und Jix."

Luke hob fragend die Augenbraue.

„Verteidigungsminister, Gesundheits- und Familienministerin und der Leiter des Geheimdienstes."

„Der reinste Familienbetrieb!" Luke lachte schallend. „Wissen die schon davon?"

„Nein… aber sie werden es bald erfahren." Vaders Tonfall deutete ebenfalls auf ein Lächeln hin, dann erhob er sich. „In Ordnung. Kommt, wir haben einiges zu tun."