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Das folgende Kapitel widme ich dir – du hast es mehr als verdient!
Kapitel 81
Lukes erste ausführlichere Begegnung mit Mara Jade erfolgte später an diesem Tag, bei einem Training, das Vader für seine drei Schüler angesetzt hatte. Der dunkle Lord hatte sich verspätet, und so blieb Zeit für ein paar persönliche Worte.
„Du bist also Vaders Sohn.", stellte sie schlicht fest und reichte ihm die Hand.
„Und du die geheimnisvolle Mara Jade, ‚Hand' des Imperators.", erwiderte Luke lächelnd.
Sie schüttelte den Kopf. „Ich WAR es. Für den alten Kaiser. Was Vader mit mir vorhat, weiß ich noch nicht."
„Macht dein Job dir Spaß?"
Sie zögerte. „Ja. Früher hat er mich wirklich ausgefüllt – aber dein Vater hat mich zum Nachdenken gebracht und mir gezeigt, dass ich nur ausgenutzt wurde. Meine Ausbildung war mangelhaft, und ich war nichts weiter als ein Werkzeug." Sie sah ihn an. „Palpatine war mir gegenüber immer freundlich, aber das war nur Fassade, das weiß ich jetzt."
„Vater ist anders." Es kam Luke ein wenig sonderbar vor, dies zu sagen – als ehemaliger Rebell… und nun Sohn des Kaisers. Er fürchtete, arrogant zu klingen, oder voreingenommen, aber Mara schien das nicht so aufzufassen.
„Ich weiß." Sie seufzte. „Auch wenn es mir erst spät bewusst geworden ist. Ich habe Vader gehasst, Luke, über all die Jahre. Er wurde immer bevorzugt, war sein nahezu unfehlbarer Liebling. Sein Kronprinz. Ich war eifersüchtig auf seine Privilegien – bis ich merkte, dass Vader ebenso ein Sklave war wie ich und alle anderen. Aber dass wiederum ER seine Leute ganz anders behandelte."
Luke hörte aufmerksam zu, ohne sie zu unterbrechen, nickte nur aufmunternd.
„Die Todesschwadron hat einen sonderbaren Ruf.", fuhr Mara fort. „Einerseits geht das Gerücht unter der Bevölkerung, dass ihr Name daher rührt, dass die Lebenserwartung dort deutlich geringer ist als auf jedem anderen Schiff – weil Vader jeden umbringt, der einen Fehler begeht. Andererseits schneiden die Crews seiner Schiffe in jedem internen Vergleich um Lichtjahre besser ab. Sie scheinen motivierter und schlicht BESSER zu sein als alle anderen. Ich fragte mich, ob diese Zahlen gefälscht seien, und bohrte nach. Und stieß auf überraschende Ergebnisse." Sie machte eine kurze Pause, sammelte sich. „Ich stellte fest, dass die Leute sich darum rissen, auf ein Schiff der Schwadron zu kommen, bevorzugt auf die EXECUTOR. Trotz der angeblichen Gefahren. Und das nicht nur, weil diese Schiffe besser ausgestattet sind als jedes andere – auch das war mir übrigens neu und hat mich überrascht. Nein, sie wollten dorthin, weil Vader und seine Offiziere in der Flotte einen hervorragenden Ruf genießen! Sie gelten als hart, aber gerecht, und der Dienst als lehrreicher und interessanter als überall sonst. Vader gilt als „Lehrmeister" der Flotte. Dienst auf einem seiner Schiffe bringt einen weiter und beschleunigt den Weg zum eigenen Kommando. Er weiß, was seine Leute tun – bis hinunter zum kleinsten Mechaniker – und er honoriert es."
Luke schwieg immer noch, aber er lächelte sie an – ruhig und offen. Mara erwiderte es zögernd.
„Das war der Moment, an dem ich nachzudenken begann. Ich verglich es mit den Zuständen bei Hofe. Das einzige, was dem nahekam, war die Leibgarde, aber das ist ein derart eingeschworener Haufen, daß man als Außenstehender keinerlei Einblick bekommt. Und selbst dort wird Vaders Name mit Respekt genannt." Sie knurrte. „Vader hinten, Vader vorn, ich konnte den Namen bald nicht mehr hören! Es schien, als ob jeder, der ihm ein wenig näherkam, eine gänzlich andere Meinung von ihm hatte als die, die im Volk kursiert. Sicher, ja, man hat Angst vor ihm und einen höllischen Respekt, und die Gerüchte über drakonische Strafen und sogar Morde sind nicht alle erfunden… aber das schien schlicht unterzugehen, verglichen mit all dem anderen… die Möglichkeiten, die Ausstattung seiner Schiffe, dem gegenseitigen Respekt, den – ja, den Freiheiten, die seine Leute genießen! Freiheiten, die bei Mißbrauch oder groben Fehlern schwer bestraft werden, ja. Aber dennoch scheint es den meisten erstrebenswert."
Luke nickte. Als sie schwieg, sagte er ruhig: „Ich verstehe genau, was du meinst. Ich war bei der Rebellion, wie du weißt – nicht lange zwar, aber es genügte, um ein… gewisses Bild aufzubauen. Zuvor – naja, auf Tatooine kriegt man nicht so viel vom Imperium mit. Man sieht ab und zu einige Sturmtruppen patrouillieren, aber Vader oder Palpatine… das waren die großen Herren von Coruscant, und das wiederum war so weit weg wie die nächste Galaxis. Für die meisten im Outer Rim, jedenfalls. Und was man von Vader hörte, entsprach in etwa dem Bild, das du zuvor gezeichnet hast – abgesehen natürlich von den Propagandafilmen auf den imperialen Kanälen, denen aber ohnehin niemand glaubt. Deshalb war ich ungefähr genauso überrascht wie du, als ich ihn dann tatsächlich kennenlernte… und sah, wie er mit seinen Leuten umging. Und wie diese auf ihn reagierten. Nicht nur seine Offiziere, sondern auch der Rest."
Mara seufzte und ließ sich im Schneidersitz auf den Matten nieder, Luke folgte – recht angetan von ihr mittlerweile. Sie war schön – schöner als die meisten Frauen, die er kannte. Und sie war machtbegabt und eine Kämpferin, wie Leia.
„Ich wurde regelrecht eifersüchtig, Luke.", gestand sie ihm schließlich. „Ich wollte das auch für mich. Ich wollte Teil davon sein, jemanden haben, auf den ich mich wirklich verlassen konnte. Jemand, der mich nicht verleugnete, wenn es ihm in den Kram paßte, der mich nicht auf Himmelfahrtkommandos schickte und dem es dabei völlig egal war, ob ich lebend zurückkehrte. Sicher, ich hatte Freiheiten, von denen andere nur träumten. Ich bekam die beste Ausrüstung, Palpatine öffnete mir alle Türen, ebnete Wege. Aber ich war nie mehr als ein Werkzeug. Ein Haustier. Er nannte mich seine Tochter, aber nur, weil ich machtbegabt war und ihn vergötterte. Er nannte mich Tochter, aber sein Favorit war dennoch ein anderer. Und ich merkte erst spät, daß er uns gegeneinander aufhetzte."
Luke legte den Kopf ein wenig schräg. „Aber Vater wurde ebenso benutzt. Und oft gestraft – auf unmenschliche Weise."
„Oh ja, Palpatine liebte es, andere leiden zu lassen. Was das angeht, hatte ich einigermaßen Glück." Ihr Ton war kühl, aber nicht feindselig gegenüber Luke, sondern eher analytisch. „Er hat mir nie wirklich bleibenden Schaden zugefügt oder mich lebensgefährlich verletzt. Dein Vater hingegen…" Sie zog eine Grimasse. „Ich muß zugeben, daß es mich befriedigt hat, davon zu erfahren, wenn es wieder einmal soweit war. Es schien mir… ausgleichende Gerechtigkeit zu sein."
Luke zuckte die Schultern und lächelte schwach. „Vorbei."
Sie nickte langsam. „Ja. Vorbei. Ich bin hier, ich habe mich ihm unterstellt – ich habe ihm bei seinem Verrat geholfen und selbst alles verraten, woran ich glaubte."
„Es ist nur solange Verrat, bis man gewonnen hat." Luke grinste. „Und jetzt habt ihr einen Fehler korrigiert." Er wurde ernst. „Vater mißfiel vieles an Palpatines Politik, aber er sagte mir oft genug, daß es auch viel Gutes darunter gab. Schulen und Krankenhäuser, zum Beispiel. Sicherheit – auch wenn es oft genug in Willkür und Korruption ausartete weiter draußen. Er hat lange genug zugesehen, er hat gelernt, er hat Ideen und Visionen. Ich behaupte nicht, daß unter seiner Herrschaft alles eitel Sonnenschein wird – kein Herrscher kann über ein so großes Reich mit Milde regieren. Aber ich wage zu behaupten, daß es besser werden wird."
„Wir wollen's hoffen.", knurrte Mara. „Aber der Krieg ist noch nicht vorbei."
Die Tür öffnete sich, und Vader und Arik traten ein, in eine angeregte Unterhaltung vertieft, bereit für das Training.
„Nein.", antwortete Luke ernst und in düsterer Vorahnung, sah den beiden entgegen und erhob sich geschmeidig. „Er hat noch nicht einmal richtig angefangen."
Die nächsten Tage verliefen relativ ruhig, langsam pendelte sich eine Art Rhythmus ein. Die EXECUTOR verblieb im Orbit über Coruscant, Vader reiste zwischen ihr und dem Palast hin und her, führte Gespräche mit den verschiedensten Gruppierungen, persönlich oder über das Holonet. Die Stimmung im Reich war erstaunlich entspannt – nur wenige Anschläge erschütterten das noch junge neue Imperium; Vader hatte deutlich mehr erwartet und im Vorfeld für höhere Sicherheitsstandards gesorgt, so dass jeder Vorfall einigermaßen schnell in den Griff zu bekommen war.
Deserteure gab es ebenfalls, doch auch recht wenige. Der übelste Vorfall ereignete sich auf einem der kleineren Sternzerstörer – die Hälfte der Besatzung rebellierte und versuchte, das Kommando an sich zu reißen, die Vadertreuen Offiziere und der Rest hingegen lieferten ihnen einen erbitterten Kampf. Am Ende waren über dreihundert Tote zu beklagen, knapp zweihundert zum Teil schwerverletzte Imperiumstreue mussten das Großschiff verloren geben und retteten sich mit Mannschaftstransportern in einen nahegelegenen Stützpunkt.
Luke hingegen lernte. Er ließ sich in die Strukturen des Reiches und der Flotte einweisen, sprach lange und ausführlich mit Veers und Piett, mit Kir Kanos und anderen Offizieren, die zunächst ein wenig misstrauisch und vorsichtig waren, aber auftauten, als sie sein echtes Interesse spürten und das Gefühl, ausgehorcht zu werden, schwand. Auch mit Arik und Mara trainierte er in jeder freien Minute – mit ihnen oder gegen Droiden, die sein Vater zur Verfügung stellte. Vader gesellte sich zu ihnen, wann immer er konnte, aber seine Zeit war knapp bemessen – so viel war zu regeln, zu bedenken, zu besprechen, zu planen. Er setzte innerhalb der ersten Woche ein gutes Drittel des Hofstaats an die Luft, straffte die Organisation und beförderte andere, die zu ehrlich gewesen waren, um unter Palpatine aufzusteigen. Der Hof brummte vor Aufregung wie ein Bienenstock, doch als Vader zunehmend gereizter wurde, wagte es niemand, offen in Opposition zu gehen.
Er rief nacheinander die ‚Hände' zu sich und befragte jeden von ihnen hochnotpeinlich und genau. Einige davon erlitten Unfälle und verschwanden – was nicht weiter auffiel, weil kaum jemand von ihnen gewusst hatte.
Mit den Mitgliedern der Roten Garde führte er ebenfalls ausführliche Gespräche – in Gruppen und einzeln. Viele von ihnen kannten Vader gut und akzeptierten ihn als einen der ihren, die anderen, neueren, vertrauten dem Wort ihrer Kameraden und taten es ebenfalls. Der Unterschied zu früher war nun, dass sie loyal gegenüber dem Mann waren – nicht gegenüber dem Amt.
Und Noghri kamen, von sich aus, um ihrem Herrn zu helfen. Sie schwärmten durch den Palast, erkundeten jeden Quadratzentimeter davon ebenso wie von der Senatshalle und dem Jeditempel, nachdem sie von Vaders Plänen gehört hatten. Und kleine Gruppen von ihnen wichen weder Vader, noch Luke von der Seite – und auch nicht Max und Firmus, obwohl sie niemand angewiesen hatte, dies zu tun, was die beiden Offiziere erstaunte und erfreute.
Das Leben ging weiter.
Die Festlichkeiten zur Einsetzung des neuen Imperators endeten und verblassten langsam in der Erinnerung, die ersten neuen Systeme baten um Gespräche mit Vader, um sich eventuell dem Imperium anzuschließen. Nur wenige alte hatten sich gelöst – und zu jedermanns Überraschung zog Vader gelassen und stoisch, aber ohne Hast seine Truppen von dort zurück – aber mit ihnen auch konsequent jegliche Annehmlichkeit, die das Imperium mit sich gebracht hatte. Die Anschläge ließen langsam nach, ohne jedoch gänzlich zu versiegen, was auch niemand erwartet hatte – und jeder wusste, dass dies nur die Ruhe vor dem Sturm war. Die Allianz wartete lediglich, sammelte Informationen und Kräfte, und so blieb man wachsam.
Vader blieb erstaunlich entspannt und schien sich schnell in die neue Rolle zu finden – die sich, bei genauerer Betrachtung, nicht einmal so wesentlich von der alten unterschied. Nur gab es jetzt niemandem über ihm mehr, der die Hoffnung erzeugen konnte, Befehle zu negieren. Jetzt endlich war Vaders Wort tatsächlich ultimatives Gesetz, Zeit zu schinden war für Höflinge nicht mehr möglich.
Auch band er zunehmend Veers und Piett in seine Handlungen ein, bereitete sie sanft auf ihre zukünftigen neuen Aufgaben vor – obwohl er nicht vorhatte, sie gänzlich aus ihren Kommandos zu ziehen; er wusste, was diese ihnen bedeuteten. Genausowenig wollte er selbst aufhören, an der Spitze der Flotte zu stehen. Tatsächlich WAR die EXECUTOR der neue imperiale Palast – uneinnehmbar und mobil.
Luke veränderte sich in dieser Zeit – er legte den blauäugigen Bauernjungen gänzlich ab und zeigte sehr viel mehr Ruhe und Gelassenheit. Aber auch äußerlich veränderte er sich. Er ließ sich einen Vollbart wachsen und bürstete seine Haare nach hinten – beides ließ ihn älter, reifer, aber auch kämpferischer erscheinen und trug somit zu dem Bild bei, das er erzeugen wollte. Er hatte sich angewöhnt, eine Uniform zu tragen – um genau zu sein, hatte Vader ihn darum gebeten, um ihn zu schützen. Ein weiterer Offizier ging bei Veranstaltungen unter, jemand, der Zivilkleidung trug, würde auffallen und somit unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Und es störte ihn nicht. Tatsächlich trug er die Uniform mit Stolz – er hatte mittlerweile genug Offiziere kennengelernt, um zu wissen, dass die imperiale Flotte – zumindest die Todesschwadron – besser war als ihr Ruf.
Allerdings legte er die Uniform ab, als er an die Aufgabe ging, die sein Vater ihm übertragen hatte: Kontakt mit überlebenden Jedi aufzunehmen.
„Beginne mit Corran Horn.", hatte Vader ihn angewiesen. „Sein Großvater, Nejaa Halycon, und ich kannten einander gut und vertrauten uns. Er war bereits vor mir verheiratet und hatte einen Sohn – den ich allerdings nicht mehr kennengelernt habe. Nejaa kam leider allzu früh um... nach einer gemeinsamen Mission von ihm und mir auf einem Planeten namens Praesitlyn. Die Aufzeichnungen meines Geheimdienstes besagen, daß Nejaas Frau wieder geheiratet hat und sein Sohn einen anderen Namen erhielt, zweifellos, um ihn zu schützen. Er nannte sich Hal Horn, sein Pflegevater war Rostek Horn, ein Freund Nejaas. Er verbarg alles, was Hal – eigentlich Valin – würde gefährden können, vor dem Imperium. Leider lebt Hal aber ebenfalls nicht mehr. Corran jedoch ist nur ein Jahr jünger als Du."
„Wo werde ich ihn finden?"
Vader lächelte. „Ironischerweise ist er Offizier beim Correllianischen Sicherheitsdienst. Sei offen ihm gegenüber, öffne ihm deinen Geist, wenn er es versucht – er wird der Schlüssel für die Folgenden sein."
Luke runzelte die Stirn. „Ist er als Jedi ausgebildet? Wenn sein Großvater so früh starb, hat vielleicht nicht einmal sein Vater überhaupt erfahren, daß er machtsensitiv ist. Und Corran ist möglicherweise vollkommen ahnungslos."
Vader brummte. „Das ist ein Argument. Und eins, das unter Umständen besagen würde, daß er nicht einmal von seiner Herkunft weiß."
„Weiß er nicht."
Vader fuhr kampfbereit herum, als eine neue, ruhige Stimme sich einmischte, und zündete in derselben fließenden Bewegung sein Lichtschwert – nur, um im gleichen Moment zu erkennen, dass es ihm gegen diesen Gegner nichts helfen würde. Und gleichzeitig unnötig war.
„Nejaa!" rief er erstaunt.
„In der Tat.", entgegnete der Geist gelassen. Er war genauso durscheinend bläulich wie Kenobis Astralform, und er trug wie dieser die traditionellen Jedigewänder. Nun schwebte – oder stand – er vor Vader und musterte ihn neugierig.
„Gute Reflexe, Vader."
Der dunkle Lord knurrte leicht und löschte sein Schwert wieder, um es an den Gürtel zu hängen. „Lebensnotwendig.", entgegnete er. „Aber ich kann mich erinnern, dass du schon früher meine Schnelligkeit bewundert hast."
„Habe ich?" antwortete der Geist überrascht. „Aber Ihr seid ein Sith. Und zu meinen Lebzeiten gab es Euch noch nicht…" Vielleicht lag es daran, dass er als Geist jenseits allen Zugriffs der Sterblichen war – aber er zeigte keine Anzeichen der Feindseligkeit Vader gegenüber. Lediglich Neugier… und ein klein wenig Misstrauen.
„Das ist korrekt." Vader unterdrückte ein Schmunzeln, er war neugierig, ob Halycon es allein herausfand, wer er war.
„Allerdings sieht dieser junge Mann jemandem recht ähnlich, den ich einmal gut kannte." Nejaas Blick glitt zu Luke hinüber. „Euer Padawan?"
„Und mein Sohn." Vader machte keinen Hehl aus seinem Stolz. „Allerdings bilde ich ihn in keiner reinen Form aus. Er wird beides lernen und selbst entscheiden, was er wann sinnvoll anwenden will."
Halycon schwieg einen Moment, während er Luke weiterhin anstarrte und – vielleicht aus alter Gewohnheit, vielleicht aus Neugier – versuchte, in dessen Geist einzudringen. Luke erinnerte sich an seines Vaters Rat und öffnete sich bereitwillig.
Nicht lange, und Nejaa zuckte zurück und fuhr zu Vader herum. „Anakin…?!"
„Der war ich.", antwortete dieser ruhig. „Aber ich habe den Namen abgelegt. Ich bin Darth Vader."
„Aber - " Halycon unterbrach sich, sein Blick zuckte zwischen Vater und Sohn hin und her. „Aber du hast Palpatine getötet und bist an seine Stelle getreten. Du bist nun Meister – und er ist dein Padawan! Aber ich spüre nur geringe Mengen dunkler Macht in ihm…"
„Und das wird auch so bleiben, wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle. Luke und meine anderen Padawane werden sich zwischen beiden Elementen bewegen. Ich werde ihnen nicht verbieten, dunkle Techniken anzuwenden, wenn es sinnvoll oder notwendig ist, aber ich werde sie auf die Gefahren hinweisen und sie daran erinnern, dass es besser für sie ist, dies zu vermeiden. Aber du weißt selbst genau, dass es oft selbst für einen reinen Jedi nicht einfach ist, eine Grenze zu ziehen."
Halycon schnaubte. „Die Mächte wissen, dass selbst der reinste von uns diese Grenze oft genug überschritten hat. Ohne es zu wollen. Aber warum tust du das? Du widersprichst damit dem, was man dich… hinterher… gelehrt hat." Er klang überrascht.
„Ich erfülle meine Bestimmung.", versetzte Vader schlicht. „Ich bin der Auserwählte. Ich bringe das Gleichgewicht in die Macht."
„Also doch.", murmelte Halycon. „Der Rat wollte es nie wahrhaben…" Er musterte Vader. „Du MUSSTEST also fallen. Nur, um zurückkehren zu können."
„Ich bin nicht zurückgekehrt.", widersprach Vader. „Ich bin und bleibe Sith. Besser gesagt: dort liegt mein Schwerpunkt. Aber ich kann auch heilen und bediene mich der lichten Seite. So wie Luke auch töten kann, wenn es notwendig ist. Und es bereits getan hat."
„Du warst das, oder?", wandte Nejaa sich direkt an Luke, der bislang geschwiegen und nur zugehört hatte – und bei Vaders Bemerkung schmerzlich das Gesicht verzog.
„Ich war was, bitte?" fragte er nun überrascht.
„Du warst derjenige, der den Todesstern zerstörte."
„Scharfsinnig wie je.", brummte Vader leise, aber amüsiert.
Luke nickte, ein wenig unwillig. „Ja, war ich. Es tut mir leid um all die Toten, aber es war notwendig… sonst wären noch viel mehr gestorben."
Halyon lächelte weise und nickte nur, dann wandte er sich wieder an Vader. „Und was wollt ihr von meinem Enkel?"
„Ihn für die neue Akademie gewinnen. Ich, beziehungsweise Luke wird versuchen, einige der Überlebenden zu gewinnen, um zu unterrichten. Und ihre Kinder als Schüler zu bekommen… und später alle, die machtbegabt sind und lernen wollen."
Nejaa grinste nun breit. „Ich begann mich schon zu fragen, warum du keinen von denen jagtest, die Familie hatten. Sie waren dir zu ähnlich, hm?"
Vader zögerte kurz, dann nickte er. „Du warst der Erste, von dem ich erfuhr, dass er sich den Lehren widersetzte in aller Heimlichkeit. Danach begann ich, Nachforschungen anzustellen, und fand heraus, dass du und ich beileibe nicht die einzigen waren. Ich verstehe bis heute nicht, warum es verboten war, warum Jedi zölibatär leben mussten. Und ich werde das abstellen."
Nejaas Mundwinkel zuckten. „Welche Ironie… der, welcher den Orden zerstört hat, erneuert ihn. Zerstörer und Schöpfer in einer Person, wie einer der mythischen alten Götter…"
„Ich bin immer noch Ratsmitglied.", bemerkte Vader trocken.
„Wer sonst lebt noch vom Rat?" erkundigte sich der Geist. „Nur Yoda?"
„Soweit ich weiß, ja."
„Wirst du ihn töten?" Halcyons Stimme war ruhig, ohne Vorwurf oder Haß. Über beides war er lange hinaus.
„Wenn er einem meiner Padawane schaden will – ja.", entgegnete der dunkle Lord ruhig. „Und ich werde zu unterbinden wissen, dass er weiterhin alte Lehren verbreitet. Wenn der Orden neu entsteht, werden wir auch neue Regeln schaffen. Es ist an der Zeit."
Der Geist sah ihn aufmerksam an und setzte sich. „Zum Beispiel?"
„Eben das Verbot von Bindung und Familie abschaffen. Kinder ihren Eltern nicht mehr im Säuglingsalter entreißen. Machtbegabte nicht anzunehmen, weil sie angeblich zu alt sind. Aufhören zu behaupten, wir seien eine Friedenstruppe. Das Wort „Lichtschwertdiplomatie" endgültig zu den Akten legen. Aufhören, nur schwarz oder weiß sehen zu wollen und die vielen Grauschattierungen tolerieren und erforschen. Solche Dinge."
„Klingt gut für mich.", meinte Halcyon. „Riskant, aber gut. Nur – was wirst du tun, wenn einer sich tatsächlich gänzlich für die dunkle Seite entscheidet und dir den Rang streitig macht?"
„Was wohl?", brummte Vader kalt. „Ich werde ihn töten. So lange ich lebe, werde ich der ranghöchste Sith sein, der Meister. Das Gleichgewicht muß gewahrt bleiben. Aber ich werde durchaus dunkle Jedi zulassen. Auch das ist das Gleichgewicht."
„Bin mal gespannt, wie viele der Überlebenden du wirst gewinnen können." Nejaa legte den Kopf ein wenig schief. „Aber ich werde dir helfen, wenn du willst. Mit meinem Enkel und mit einigen anderen, die ich kenne."
„Das würdest du tun?" Vader war ebenso überrascht wie erfreut.
„Das wenige, was ich tun kann – ja. Ich werde einige Gespräche führen, damit man dich zumindest anhört."
„Danke.", sagte Vader aufrichtig, doch dann fiel ihm etwas ein. „Ach, Nejaa…?"
„Ja?"
„Tu mir einen Gefallen und verrate Kenobi noch nichts davon, ja?"
Der Geist grinste. „Wovon? Daß du den Orden neu errichten möchtest – oder dass du geheilt bist?"
„Woher weißt du - ", keuchte der dunkle Lord.
„Ich bin nicht blind, mein Freund. Im Gegensatz zu Obi-Wan, der schon immer nur gesehen hat, was er sehen wollte. Ich hörte, was mit dir passiert ist – Prothesen in allen vier Gliedmaßen. Aber nun durchpulst lebendige Macht deinen gesamten Körper bis in die Zehen und Fingerspitzen, also muß es lebendig sein. Lebendes Fleisch, Adern mit pulsierendem Blut, mit Midichlorianen."
Vader nickte verblüfft.
„Ha!", triumphierte der Geist. „Bin ich gut? Ich bin gut!"
Vader lachte. „Sehr gut – und erstaunlich, dass Kenobi so blind ist."
Halcyon zuckte die Schultern. „Wie gesagt, er trug schon immer Scheuklappen. Ebenso wie Yoda. Könnte lustig werden, wenn du den besuchst."
„Um ehrlich zu sein, weiß ich noch nicht, ob ich es ihm verraten soll. Es hängt davon ab, wie er mir begegnet – und wie er die Neuerungen aufnimmt."
Nejaa nickte. „Kann ich verstehen. An deiner Stelle wäre ich auch vorsichtig – und bei Yoda könnte Altersstarrsinn ebenso eintreten wie Weisheit. – Nun gut. Ich hör mich mal um und gebe dir Bescheid, mit wem ich gesprochen habe, ja?"
„Ich danke dir, Nejaa. Deine Hilfe ist mehr, als ich zu hoffen gewagt habe."
„Schon gut, mein Freund. Wenn du schaffst, was du dir vornimmst, hilfst du uns allen. Bis dann."
Ein Kommentar noch zu Lukes verändertem Äußeren: hier habe ich mich von dem (reichlich sonderbaren, IMHO) und ziemlich unbekannten Sci-Fi-Film „Slipstream" inspierieren lassen. Hamill gibt hier einen Kopfgeldjäger, der verflixt viele Merkmale eines dunklen Jedi zeigt… und, vor allem, immer wieder Anspielungen auf seinen Vater fallen läßt, der wiederum stark an Vader erinnert. Der Film ist wirklich schräg, aber diese kleinen Seitenhiebe sind echt witzig – und Hamill ist erstaunlich gut in dieser Rolle – sie scheint ihm Spaß gemacht zu haben. Er spielt quasi einen Luke, wie er hätte sein können, hätte er seinem Hang zur dunklen Seite nachgegeben – und schick aussehen tut er auch (schicker schwarzer Ledermantel lange vor Matrix ;o) Googelt mal danach!)
