"Mum, was ist hier los? Wieso bin ich gefesselt?" Kim fühlte sich als würde sie den Boden unter ihren Füssen verlieren, während ihre Mutter die Fesseln ihrer Beine öffnete. "Erinnerst du dich nicht, Kimmie? Du wurdest angegriffen und verletzt." "Angegriffen?" Kim versuchte sich zu erinnern doch es gelang ihr nicht. Ann setzte sich neben ihre Tochter während sie nun auch die abgerissenen Gurte an den Handgelenken ihrer Tochter öffnete. "Was ist denn das Letzte an das du dich erinnerst?" "Ich war ... bei dir ... im Krankenhaus und ... und du hast mir eine Spritze gegeben." "Deine Impfung, ja. Weisst du noch was danach passiert ist?" Kim versuchte es doch ab diesem Zeitpunkt wurden ihre Erinnerungen verschwommen. "Ich weiß noch das ich jemanden verfolgt habe, es war dunkel." "Ja, einen Einbrecher. Du und Ron seit ihm nachgelaufen." "Ron ... ja, Ron war auch da und ... und ich habe nach ihm gerufen. Aber sonst ... ich ... ich weiß nicht. Mum, warum kann ich mich micht erinnern?" Die Panik kehrte zurück. Vor ihrem inneren Auge sah sie ihre Hand die sich nach ihrem Freund ausstreckte und da war noch etwas aber es war als konnte sie dieses Etwas nicht ansehen. Als wäre etwas direkt in ihrem Augenwinkel, geradenoch so zu sehen aber wenn sie versuchte sich darauf zu konzentrieren wanderte dieses Etwas nur wieder weiter, gerade weit genug um verborgen zu bleiben. Kim begann zu zittern. Was war nur mit ihr passiert? Die weiche Hand ihrer Mutter auf ihrer Schulter war wie Balsam für Kim und die rothaarige Heldin beruhigte sich wieder und das Bild verblasste. "Schon gut, Schätzchen, erzwing es nicht. Du hast eine Menge durchgemacht und brauchst Ruhe." In der Tat fühlte Kim sich ausgelaugt. Jetzt wo sie wusste das sie in keiner unmittelbaren Gefahr war spürte sie das Brennen ihrer Muskeln und die Schwäche die ihren Körper durchzog. Mit sanftem Druck führte Ann ihre Tochter zurück ins Bett. "Du wurdest verletzt, Kimmie. Schwer verletzt und ... " Die Tränen standen in den Augen der erfahrenen Ärztin. Mit einer Hand strich sie über Kims Wangen und danach über ihre Stirn. Sie beugte sich vor und gab ihrem kleinen Mädchen einen Kuss auf diese. "Wir dachten wir würden dich verlieren. Aber jetzt wird alles wieder gut, du bist in Sicherheit und bald bist du wieder gesund." Kim hörte es kaum noch, kaum hatte ihr Körper die Matratze berührt fühlte sie wie sie in den Schlaff hinüberglitt. Sie war hier sicher, ihre Mutter würde nicht zulassen das ihr etwas geschah. Innerhalb von Sekunden war sie tief und fest eingeschlafen. Hinter der Spiegelscheibe standen einige der Krankenschwestern und tuschelten wild durcheinander. "Was für ein Glück." "Ja, das arme Mädchen hat genug durchgemacht." "Könnt ihrneuch vorstellen wie die Chefin sich gefühlt haben muss?" "Ich hätte das nicht ertragen können, nichtmal einen Tag und sie hat hier fast drei Tage durchgehalten." "Hoffentlich können jetzt beide etwas schlafen." "Wisst ihr, was die kleine angegriffen hat?" "Ich hab gehört ein Hund oder soetwas?" "Aber hat sie nicht diesen Dieb verfolgt? Meint ihr das der vielleicht ..." "Unmöglich, ich hab die Wunden gesehen. Das kann kein Mensch gewesen sein." Die Schwestern waren so in ihr Gespräch vertieft das sie die großgewachsene Frau mit den silbernen Haaren im Schwesternoutfit überhaupt nicht bemerkten als sie dem Raum vollkommen lautlos verließ. Die Pflegerinnen hatten sie nichteinmal richtig wahrgenommen selbst als sie mit ihnen zusammen beobachtet hatte wie die Chefärztin sich um ihre Tochter gekümmert hatte. "Kein Mensch ..." flüsterte sie als sie die Gänge entlang ging. Es war mitten in der Nacht als Kim plötzlich in ihrem Bett hochschreckte. Es gab in ihrem Zimmer keine Fenster aber trotzdem wusste sie das es Nacht sein musste. In dem winzigen Moment den sie brauchte um völlig aufzuwachen sah sie es. Das Bild das ihr zuvor entglitten war, an das sie sich nicht ganz erinnern konnte. Nein, sie WOLLTE sich nicht erinnern, und in diesem winzigen Augenblick verstand sie auch warum. Sie sah es, das Bild war plötzlich in ihrem Traum erschienen und hatte sie so erschreckt das sie aufgewacht war. Zähne, ein Abgrund aus Messerscharfen Zähnen der nach ihr griff und sie zu verschlingen drohte. Der Moment der Klarheit verflog und mit ihm die Erinnerung, das furchtbare Bild verschwand wieder aus Kims Bewusstsein. Doch sie Angst war geblieben, wie ein Echo halte es noch Sekunden lang nach. Kim verstand es nicht. Warum war sie plötzlich aufgeschreckt? Hatte sie einen Alptraum gehabt? Und was war dieses seltsame Gefühl das sie hatte? Wie ein Kribbeln ganz tief unter ihrer Haut, in ihren Knochen. Die rothaarige Heldin sah sich um doch es gab nichts in diesem Raum was sie beunruhigen sollte, von den medizinischen Geräten einmal abgesehen die immernoch rythmisch piepten. Kim legte sich wieder hin und versuchte zu verstehen was sie gefühlt hatte, sie wusste es war etwas Wichtiges doch gleichzeitig wusste sie auch das sie es eben nicht wissen wollte. Doch warum? Warum hatte sie dieses unbedingte Gefühl das es besser war zu Vergessen? Geht es ihnen gut, Miss Possible? klang eine leicht verzerrte Frauenstimme aus einem der Lautsprecher bei der Tür. "Ja ähm, danke. Nur ... nur eim Alptraum, denke ich." Das Letzte war zu leise als das es die Nachtschwester verstehen konnte. Versuchen sie zu schlafen, Miss Possible. Sie brauche Ruhe. "Was ... wissen sie vielleicht was mit mir passiert ist?" Tut mir Leid, Miss, aber das sollten sie wohl besser mit der Chefin besprechen. Ich kann ihnen nur sagen das sie uns allen hier einen ziemlichen Schrecken eingejagt haben und das wir froh sind das es ihnen wieder besser geht. Schlafen sie gut. Die Lautsprecher verstummten und ließen Kim mit ihren Gedanken alleine. Nur das leise Piepen der Geräte uns das Tropfen ihrer Infusion halten durch die Dunkelheit. "War wahrscheinlich wirklich nur ein Alptraum." flüsterte sie zu sich selbst bevor sie die Decke nahm sie sich über den Kopf zog und versuchte wieder einzuschlafen. Zuerst spuckten ihr noch immer unzählige Fragen durch den Kopf, doch nach und nach verschwanden diese und Kim konnte weiterschlafen und diesesmal erwartete sie eine tiefe traumlose Ruhe. In einem anderen Teil der Stadt zersprang die Frontscheibe eines kleinen Spielzeugladens als eine Mülltonne auf diese geworfen wurde. Der Alarm ging augenblicklich los doch schon eine Sekunde später wurde die Sirene einfach aus der Wand gerissen und verstummte als die Stromversorgung abbrach. Eine bucklige Gestalt schleudere das Gerät auf den Boden. "Sschhhht!" Die Gestalt hielt sich einen Finger vor den Mund. Dabei war es kaum zu erkennen ob es dieser wirklich war, denn der ganze Kopf war mit alten, inzwischen völlig vergilbten Bandagen umwickelt. Nur der Bereich um den Mund herum war nicht gelb, sondern inzwischen schwarz von dem getrockneten Blut das in den Stoff eingezogen war. "Du weckst Eliza noch auf." Die Scherben knirschten laut unter seinen Füssen als der vermummte durch den kleinen Laden ging und die Regale durchwühlte. Das Licht das von der Straße in den Laden fiel reichte gerade aus um die nötigsten Konturen zu erkennen, doch das schien den Einbrecher bei seiner Suche nicht zu behindetn. Er durchsuchte ein Regal nach dem anderen und bei den Puppen wurde er schließlich fündig. Er nahm eine von ihnen und sah sie genau an. Es war eine simple Puppe, die nur aus Stoff bestand und keine der neueren aus Kunststoff, die eine fast schon erschreckende Ähnlichkeit mit echten Kindern hatten. Der Kopf der Puppe war rund und flach und darauf war mir Knöpfen und Garn ein lächelndes Gesicht gestickt worden. "Hapie Birsdai to ju, hapie Birsdai to ju ..." murmelte er als er die Puppe spielerisch hin und her schwang. "Ja, du wirst Eliza gefallen." Er stopfte die Puppe in eine der Taschen seines langen Mantels und wollte gerade den Laden verlassen als er im die zwei Polizisten bemerkte die sich ihm mit gezogenen Waffen näherten. "Hände hoch!" brüllte einer von ihnen als sie durch die zerstörte Scheibe stiegen. "Keine Bewegung!" Der vermummte sah die zwei Männer an als verstehe er sie nicht. "Nein, nein, nein, nein, nein." Er schlug mit einer Hand immer wieder gegen seinen Kopf. "ICH SAGTE: KEINE BEWEGUNG! Sie sind festgenommen!" Einer der Polizisten nickte seinem Kollegen zu, der schüttelte zuerst widerwillig den Kopf doch schließlich liess er seine Waffe sinken, zog seine Handschellen hervor und ging langsam auf den offensichtlich geistig Verwirrten zu. Der vermummte sank auf den Boden, die Glasscherben schienen ihn nichtbzu stören. "Nein, nein, nein! Das ist falsch! Das ist falsch!" "Sir, reichen sie mir ihre Hände! Ihre Hän" Plötzlich und ohne Vorwarnung stürzte sich der Vermummte auf den Polizisten mit den Handschellen warf ihn um und schlug seinen Kopf immer wieder und wieder auf mit Glasscherben übersähten Boden. "HA-PIE! BIRS-DAI! TO! JU!" Der zweite Gesetzeshüter konnte nur mit ansehen wie das Gesicht seines Kollegen bei jeder Silbe des Liedes immer wieder und wieder in die Splitter geschlagen wurde bis es nur noch eine blutige unerkenntliche Masse war. Als er sich endlich aus seiner Starre löste war es bereits zu spät um seinem Partner noch zu helfen. Der geschockte Ordnungshüter schoss auf den Mörder, er feuerte sein gesamtes Magazin in dessen Körper und der Verückte fiel rücklings vom Körper des attackierten Polizisten. Sofort eilte sein Kollege zu ihn und versuchte nach dem Puls zu tasten doch er fand keinen. Mit zitternden Fingern griff er nach seinem Funkgerät und brüllte hinein. "OFFICER AM BODEN! OFFICER AM BODEN! EIMEN RETTUNGSWAGEN IN SPONNERSTRE-ARGH!ARGH!" Als der Notarzt und die Verstärkung nur fünf Minuten später den kleinen Laden erreichten war es schon zu spät. Die Körper der zwei Polizisten lagen zerfleischt überall im Inneren des Geschäftes verteilt und der Mörder war bereits einige Straßen weiter und sang fröhlich sein Lied. "Hapie Birsdai to ju, hapie Birsdai to ju. Hapie Birsdai, Eliza, hapie Birsdai to ju." Während die Polizisten den Tatort abriegelten, und Befehle in ihre Funkgeräte brüllten beobachtete eine Frau das Geschehen vom nächsten Häuserdach aus. Ihre langen Haare wehten im Wind und strahlten im schwachen Licht des Mondes. Diesen im Rücken war ihr Gesicht so schwarz wie die Nacht selbst. Lediglich ihre Augen waren deutlich zu erkennen, den sie strahlten in einem unnatürlichen Licht.