Hustend stützte er sich mit einer Hand an der kalten Wand ab und versuchte seine Sinne wieder unter Kontrolle zu bringen. Langsam ließ der Adrenalinstoß nach und ihm wurde schwindelig. Schmerzlich wurde ihm doch wieder bewusst, wie sich sein Körper gegen legliche Art von Bewegung zu sträuben schien. Seine Knie zitterten und man hätte es wohl am ehesten mit dem Begriff „Wackelpudding" beschreiben können.

Er wusste nicht wie weit er gelaufen war, geschweige denn woher er gekommen war. Der Zellentrakt hatte so viele verschiedene Korridore und Gangstrukturen, dass er längst den Überblick verloren hatte.

Hinzu kam noch das unangenehme Gefühl von getrocknetem Blut an seinen Fingern.

Er ballte die Hand zu einer Faust und ein leiser Fluch drang über seine Lippen.

Verdammt!

Er hatte dieses insektoide Wesen verloren und sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch noch verlaufen. Na ja, als wenn er eine Chance gehabt hätte diese Wesen einzuholen. Immerhin waren beide in die genau gegen gesetzte Richtung des jeweilig Anderen gelaufen.

Wenn mich niemand findet, dann verende ich hier in irgendeiner Ecke …

Doch nach reiflicher Überlegung erschien ihm diese Art des Abgangs doch gar nicht so schlecht. Es war besser, als durch seiner Hand zu sterben.

Erst jetzt viel ihm die noch immer herrschende Stille auf.

Kein Alarm.

Wieso zum Teufel hatten sie keinen Alarm geschlagen?

Er hatte mit Scharen von diesen Kreaturen gerechnet.

Oder …

Ronan. Natürlich.

Ja, das war keine Frage. Er wusste Bescheid, dessen war sich Peter sicher. Vermutlich war er gerade auf den Weg hierher und wenn das der Fall war, dann blieb ihm jetzt nicht besonders viel Zeit das Weite zu suchen.

„Ach verdammte Scheiße nochmal!", kam es über seine Lippen und innerlich ermahnte er sich sofort zum Schweigen. Bloß keine Aufmerksamkeit erregen.

Er musste die Anderen finden. Sie mussten alle so schnell wie möglich von diesem Ding runter, bevor Ronan es sich doch noch einmal durch den Kopf gehen ließ, ob die ganze „Am Leben lassen"- Sache eine gute Idee war.

Er zwang sich zum Weitergehen, doch seine Motivation schwand mit jedem Schritt immer mehr, als er an eine weitere Kreuzung von vier Gängen kam.

Welche Richtung jetzt? …

Er schüttelte mit dem Kopf und lief einfach geradeaus. Einen großen Unterschied machte es nicht, alles sah identisch aus. Tür neben Tür.

„Gamora?"

Nichts. Und noch ein Stückchen weiter.

„Drax?"

Er versuchte zu flüstern. Eigentlich total unsinnig.

Mittlerweile wusste wahrscheinlich das ganze Schiff über seine Flucht Bescheid und je länger er brauchte, desto wahrscheinlicher wurde eine weitere Konfrontation.

Erneut kam ihm der Gedanke an den Verlust, den sie erlitten haben und wie immer stellte er sich die Frage, wieso Ronan sie nicht einfach aus dem Weg geräumt hatte. Doch egal wie er es drehte und wendete, eine Antwort wollte ihm einfach nicht einfallen.

„Was hast du vor, Ronan?", nuschelte er zu sich selbst, als er einfach keine plausible Erklärung fand.

Das Alles ergab einfach keinen Sinn.

„Hast du es immer noch nicht verstanden?"

Sein Blut gefror in seinen Adern und erneut hatte er das Gefühl, einen Herzinfarkt zu erleiden. Diese Stimme. Er! Wie hatte er ihn so schnell finden können?!

Haha … er kennt sein Schiff sicherlich besser als ich ...

„Ich bin beeindruckt." Mit den Worten drehte sich Peter langsam um und bereute es sofort. Blaue Augen trafen auf leuchtendes Lila. „Von dir hätte ich diese Kaltblütigkeit am wenigsten erwartet."
Peter wusste, dass er über die Wache sprach, die er mit dem Tablett mühsam erschlagen hatte.

Ich hatte keine Wahl …

„Er stand mir im Weg.", versuchte er in einem festen Ton zu kontern, wollte keine Schwäche zeigen, sich nicht beeinflussen lassen, doch sein Verstand fühlte sich leer an.

Hier stand er nun, unfähig sich zu bewegen und starrte in das amüsierte Gesicht seines Gegenübers.

„Ein wunderbares Gefühl nicht? Diese Macht um über Leben und Tod zu entscheiden."

Krank …

Ihm wurde übel. Diese Worte machten ihn krank.

Nein! So war er nicht.

„Sei still!", schrie er fast unkontrolliert, konnte seine Gefühle nicht länger verleugnen.

Verärgerung.

So etwas musste er sich nicht anhören.

Und doch …

„Ich bin nicht so wie du.", erwiderte er, wohl wissend, worauf das Monster hinauswollte. „Du nervst. Wenn mein Plan aufgegangen wäre ..."

Ein verhöhnendes Lachen unterbrach ihn mitten im Satz und ein sadistisches Grinsen umspielte die Lippen seines Gegenübers.

„Es hat aber nicht funktioniert." Jetzt war der Ernstfall der Situation zurückgekehrt. „Ihr habt versagt."

Ronan's Geduldsfaden schien langsam spröde zu werden, denn er kam einige Schritte auf Peter zu.

Jetzt reibt er mir es auch noch unter die Nase!

Automatisch wich Peter zurück.

„Ich kann dich nicht gehen lassen, Starlord."

Diese Worte waren so einfach.

Verwirrung. Ja, so konnte man seine derzeitige Gefühlslage beschreiben.

Was zum …?