„Ich kann dich nicht gehen lassen, Starlord."
Peter blinzelte und er hatte Schwierigkeiten, diese Situation einzuordnen.
Hatte Ronan dies gerade wirklich gesagt, oder hatte ihm sein Verstand einen Streich gespielt?
Noch immer bewegte er sich auf ihn zu, doch Quill war unfähig sich zu bewegen. Er war wie versteinert, obwohl jegliche Faser seines Körpers danach schrie, sich dem Fluchtinstinkt hinzugeben.
Peter wollte sich umdrehen und laufen. So weit er konnte. Vermutlich sollte er es auch, doch sein Körper wollte nicht gehorchen.
Was …
Es war die gleiche Situation wie auf der Brücke.
Sein Herz raste und er hatte das Gefühl zu ersticken, denn er bekam keine Luft. Adrenalin brannte in seinen Adern und die Panik stand ihm ins Gesicht geschrieben.
„Was …?", keuchte er und fühlte sich wie ein Fisch auf dem Trockenen, als er den Mann vor sich nur mit großen Augen anstarren konnte.
„Glaubst du, ich hätte dich am Leben gelassen, wenn du mir nicht mehr von Nutzen bist?", konterte Ronan mit einer Gegenfrage und war direkt vor ihm stehen geblieben, wobei er den Hammer, der noch immer so bedrohlich pulsierte, neben sich hielt. Jederzeit bereit zuzuschlagen.
Ein Schauer überfiel Peters Körper und er bekam Gänsehaut bei diesem Gedanken.
Wieso war sein Plan nicht aufgegangen?
Er hätte es verhindern können.
Er hätte sich mehr anstrengen müssen …
Das Blut Unzähliger klebte an seinen Fingern.
Wieder übermannten ihn diese Schuldgefühle und er schloss die Augen, ließ den Kopf nach vorne fallen.
„Bring es endlich hinter dich.", murmelte er und ballte die Hände zu Fäusten.
Er hatte nie solche Gedanken gehegt. Bei Gott, nein, er hatte sie immer vermieden, sie verdrängt. Doch jetzt war der Wunsch, alles zu beenden, unglaublich mächtig.
Wieder hob er den Kopf an, aber nur soweit, dass sein Blick auf den Stein fiel, der sich auf der ihm zugewandten Seite des Hammers befand. Er war in eine kleine Einkerbung eingelassen und erst jetzt hatte Peter die Möglichkeit, ihn sich genauer anzusehen.
Der Stein pulsierte, fast so, als sei er lebendig.
Dieses winzige Ding hatte so viel Leid und Verdammnis gebracht.
Was wäre gewesen, wenn sie ihn beim Collector gelassen hätten?
Nein, er wusste genau, was passiert wäre. Sie wären jetzt in der gleichen Situation. Ronan wäre im Besitz des Steins und er würde auf der Verliererseite stehen.
Jegliches Szenario, welches ihm in den Sinn kam, hätte das gleiche Ende gefunden. Immer hatte Ronan den Stein. Und immer würde Xandar unter der gewaltigen Macht erzittert.
Das 'Was wäre wenn -' brachte ihn aber auch nicht weiter.
Seine Gedanken kreisten um die vielen Personen, die an dem Tag ihr Leben verloren hatten. An jene Leben, die jegliche Hoffnung in ihn und seinen Plan gelegt hatten. An seine Freunde - Drax, Gamora, Groot – und an Rocket und Yondu.
Und an die Planeten, die noch folgen würden.
Nein! Er konnte nicht aufgeben. Er durfte nicht. Ronan würde nicht aufhören, niemals. Macht war etwas tödliches.
Nein, er würde gewiss nicht aufhören.
Es stand zu viel auf dem Spiel und er würde nicht noch einmal denselben Fehler begehen.
„Ich werde dich nicht töten.", drang die Stimme des Monsters zu ihm durch und als er nun wieder in sein Gesicht blickte, wurde ihm allemal bewusst, dass alles von ihm abhing. Quill hatte sich niemals als Held bezeichnet und würde es auch jetzt nicht, doch wenn er nicht noch einmal versuchte, diesen Wahnsinnigen zur Strecke zu bringen, wer dann?
„Noch nicht.", ergänzte Ronan und seine Stimme war so kalt, dass Peter seine Worte nicht einmal anzweifelte.
„Was willst du, Ronan?", zischte Quill leise, hatte sein Feuer wiedergefunden und erwiderte den harten Blick seines Gegenübers.
Nein, er konnte Ronan nicht gewinnen lassen. Das war er den Opfern schuldig.
„Was ich will?", wiederholte der Mann spöttisch und war sichtlich amüsiert über seine Unwissenheit. Er beugte sich zu Peter herab, sodass sie sich auf einer Höhe in die Augen schauen konnten und grinste ihn an.
„Du wirst mir die anderen Steine besorgen. Du willst doch nicht, dass deinen Freunden etwas passiert, oder?"
