So… weiter geht's im Drama.

Larah: Willkommen bei den geouteten Mitlesern ;) Freut mich, dass sie dir gefällt! Ich geb mir Mühe, dass das so bleibt :D

NickTessFan: Ne, die Gute hat's nicht leicht. Möglicherweise gibt es auf die drängendste aller Fragen in diesem Chap endlich eine Antwort. Oder vielleicht auch nicht? ;)

ZauBaerin: Dass es Snape nicht kümmert, täuscht. In so einer Situation reagiert er natürlich distanziert – jahrelange Übung und so. Aber so ganz gefühlstot ist der Gute dann doch nicht.

Viel Spaß beim Weiterlesen! ^^

Wahnsinn

Harry erschien erst zwei Stunden später, es war fast vier Uhr morgens, erschöpft und abgespannt in der Krankenstation. Aus einer Platzwunde an seiner Stirn floss noch Blut, das er immer wieder ärgerlich mit dem Ärmel abwischte.

„Habt ihr die Dreckskerle alle gefasst?", knurrte Severus, als er neben Harry an Hermines Bett stand.

Zähneknirschend erlaubte Harry Poppy die Wunde zu säubern und zu heilen.

„Wir haben sie", nickte er dann endlich finster. „Walden Macnair, Rabastan Lestrange und Anthony Travers. Albus ist noch im Ministerium und macht dem Minister Feuer unterm Hintern. Ich schwöre, die drei werden Askaban nicht mehr lebend verlassen..." Er schob Hermine eine Strähne aus dem Gesicht und betrachtete sie ernst.

„Wie schlimm ist es, Professor?"

„Cruciatus in unbekannter Stärke, verschiedene Flüche und körperliche Gewalteinwirkung, sowie mindestens eine Vergewaltigung", zählte der Zaubertrankmeister mit kühler Stimme auf, obwohl es in ihm brodelte.

Harry wurde noch blasser, seine Kiefer mahlten, aber er hatte so etwas erwartet, also nickte er. Eher widerwillig wandte er den Blick von der bewusstlosen Freundin ab und sah Snape an. „Danke", meinte er leise und Severus sah überrascht auf. „Wenn sie uns nicht zu dem Haus geführt hätten, wäre sie jetzt wahrscheinlich tot."

Was vielleicht besser für sie gewesen wäre. Aber Snape sprach es nicht laut aus, sondern nickte nur.

„Ich lasse sie jetzt allein." Er nickte Harry zu und sah Poppy an. „Wenn sie aufwacht, sag mir Bescheid... ich habe einige Tränke, die ihr vielleicht helfen."

Sie nickte und eilig verschwand Severus – im Kreis der Freunde hatte er nichts verloren.

Auf dem Weg hinunter in seinen Kerker betete er zu Merlin und allen ihm bekannten Göttern, dass die Flüche keine irreparablen Schäden angerichtet hatten. Wie würde die kleine Miss Parker es aufnehmen, wenn aus ihrer klügsten Mutter der Welt plötzlich nur noch Gemüse geworden war? Er hoffte, es nie erfahren zu müssen.

Im Kerker angekommen war er versucht, die düsteren Gedanken wegzutrinken, aber er rief sich in Erinnerung, dass er Poppy seine Hilfe zugesagt hatte. Und so setzte er sich an seinen Schreibtisch und korrigierte einige Arbeiten, bis es Zeit für seine erste Stunde war.

Erstklässler. Gryffindor und Slytherin. Ausgerechnet. Die ganze Stunde beäugte er Miss Parker prüfend, aber sie war so eifrig und konzentriert dabei wie immer, also schien sie noch nicht zu wissen, dass ihre Mutter halbtot im Krankenflügel der Schule lag. Und Severus würde sich hüten, es ihr mitzuteilen.

Die schlaflose, angespannte Nacht machte sich bemerkbar und seine Laune war noch schlechter als sonst. Gryffindor verlor Unmengen an Punkten und selbst Slytherin hatte heute nichts zu lachen.

Eine Viertklässlerin aus Hufflepuff brach in Tränen aus, als er sie vor der gesamten Klasse zur Schnecke machte – er warf sie hinaus. Auf heulende Hormonbomben hatte er jetzt überhaupt keine Lust.

Die Siebtklässler bekamen gesammelt eine Strafarbeit, weil zwei von ihnen zu fröhlich zum Unterricht erschienen waren, sie waren Severus unerträglich.

Zum Mittagessen ging er gleich gar nicht, er hatte sowieso keinen Hunger. Den ganzen Tag erwartete er angespannt, dass Poppy ihn rief, doch nichts geschah.

In der Projektstunde am Nachmittag ließ er Elena einen vergleichsweise einfachen Trank zur Beruhigung des Geistes brauen – sie wusste nicht, dass dieser Trank für ihre Mutter war.

Von Poppy kam nichts.

Albus kam abends kurz vorbei, um sich wie Harry für Severus' Hilfe zu bedanken, aber dieser wimmelte ihn direkt ab. Er hatte ja quasi nichts getan.

Auch am zweiten und am dritten Tag rief Poppy nicht nach ihm.

Erst am fünften Tag erschien Albus im Kerker, als Severus gerade die Fünftklässler zur Schnecke machte, die äußerst erleichtert über die Unterbrechung waren.

„Severus, Poppy braucht dich. Ich übernehme deine Klasse." Albus nickte ihm zu und Severus eilte mit einem letzten vernichtenden Blick auf seine Schüler aus dem Klassenzimmer. Er hatte nebenan schon vor Tagen ein kleines Paket mit Tränken gepackt, die gegen einige mögliche Folgen des Cruciatusfluches halfen. Dieses schnappte er sich nun und eilte dann hinauf zur Krankenstation.

Die Station war magisch versiegelt, damit kein Schüler herein platzen konnte, ihn ließ das Siegel jedoch durch.

Drinnen empfing Poppy ihn – sie war völlig fertig. „Severus... wie gut, dass du da bist..." Sie war anscheinend den Tränen nahe. „Sie erinnert sich nicht, Severus... sie ist völlig in Panik und ich glaube, sie hat Schmerzen... ich kenne mich doch mit schweren Cruciatusfolgen kaum aus..."

Er schob sie nachdrücklich beiseite und betrat den Krankenraum, wo ihn hohes Wimmern empfing.

Miss Granger kauerte in ihrem Bett, die Knie mit den Armen umschlungen und wimmerte wie ein junger Hund, dem man die Mutter weggenommen hatte. Ihre Haare, deren Glätte und Farbe Severus noch immer sehr irritierten, hingen ihr wirr und ungekämmt ins Gesicht. Dieser verfluchte Bastard. Es war demütigend und verstörend, Superhirn Granger so zu sehen... und Severus ging schwer davon aus, dass der Dreckskerl das gewusst hatte.

Mit äußerster Disziplin erlangte Severus seine Selbstbeherrschung zurück. Jahrelange Übung im Angesicht solcher Grausamkeiten, wie sie Granger angetan worden waren.

„Miss Granger", versuchte er sie anzusprechen, doch sie reagierte nicht.

Eine Nuance schärfer versuchte er es erneut: „Miss Granger!"

„Severus, sie..."

„Ruhe, Poppy." Er baute sich vor dem Bett auf und peitschte der apathischen Hermine ihren Namen fast keifend entgegen.

Das Wimmern verstummte und das Häufchen Mensch erstarrte.

„Viel besser", gab der Professor sich zufrieden. Kurz ließ er seinen Zauberstab über Hermine schweben und sah dann zu Poppy, die mit einer Mischung aus Erstaunen und Misstrauen zusah, was er tat. „Sie hat keine Schmerzen – zumindest keine physischen. Miss Granger befindet sich allerdings in einem Stadium geistiger Zerrüttung – ähnlich wie die Longbottoms."

„Oh Merlin..." Poppy musste sich setzen. „Wie sagen wir das bloß Elena..."

„Gar nicht." Etwas genervt sah er die Krankenschwester an, der nun zwei Tränchen über die Wangen kullerten. „Weil ich Miss Granger vielleicht helfen kann. Ihr Zustand ist noch relativ frisch, die Erinnerungen noch in ihrem Unterbewusstsein vergraben und mit der richtigen Therapie..."

Hermine begann, sich leicht vor und zurück zu wiegen. Als sie auch noch anfing, monoton zu summen, war Severus plötzlich entgegen seiner äußerlichen Zuversicht nicht mehr sicher, dass er Hermine wirklich noch helfen konnte.

„Dann sollte sie vielleicht ins St. Mungos?" Poppy beobachtete ihre Patientin mit unverhohlenem Entsetzen.

Ein abfälliges Schnauben war seine erste Reaktion. „Dann ist sie innerhalb kürzester Zeit wie die Longbottoms. Und jetzt verschwinde, Poppy, ich brauche Ruhe."

Sie widersprach überraschenderweise nicht einmal, sondern schlich einfach davon. Der Zaubertrankmeister kramte einen sinneserweiternden Trank aus seinem mitgebrachten Paket und flößte ihn Hermine ein.

An der Art, wie sich ihre trüben Pupillen weiteten, erkannte er, dass der Trank wirkte.

„Legilimens..."

Er tauchte in ihre Gedanken ein.

Im Gegensatz zu den Gedankengängen normaler Menschen war es hier fast wie ein einer Wüste. Zwischendurch berührte Severus ein Gedankenfetzen ohne Zusammenhang, haltlos und flüchtig, der jedoch so schnell verschwand, wie er aufgetaucht war.

Miss Granger war nicht hier – soweit man das sagen konnte – immerhin befand er sich gerade in ihrem Kopf.

Sie hatte sich völlig in sich zurückgezogen – die Reaktion eines starken Charakters auf den anhaltenden Schmerz, wo schwächere einfach zerbrachen und im Extremfall einfach starben.

Die Longbottoms hatten sich in sich verloren – für sie kam alle Hilfe zu spät, davon war er überzeugt – aber für Hermine bestand noch eine Chance, auch dessen war er sich sicher.

Severus Snape begab sich auf die Suche nach der Frau, die einst seine Schülerin und später so etwas wie eine Partnerin gewesen war.

Die Gedankenfetzen, die ihm begegneten, waren wirr und wurden düsterer, je weiter er vordrang, die meisten waren aus jener Nacht vor 5 Tagen – er bemühte sich, nicht zu genau hinzugucken, aber drum herum kam er kaum. Er sah Macnair, wie er sich über Hermine beugte, geifernd mit wildem Blick. Rabastan Lestrange mit dem Zauberstab in der Hand, der auf Hermine wies. Lestrange, wie er über sie herfiel. Lestrange, wie er sie schlug. Und immer wieder Lestrange.

Hermines ganz persönlicher Albtraum.

Plötzlich fiel Severus ein Fetzen auf, der irgendwie anders war. Auch er zeigte Lestrange, aber irgendetwas... Severus sah genauer hin und erstarrte. Es war eine alte Erinnerung, Lestrange hatte kürzeres Haar, sah gesünder aus und trug seine Todesserrobe. Ein Blick aus dem Krieg, 13 Jahre alt und trotzdem so präsent wie die neuen. Wieso Lestrange? Hermine hatte gegen viele Todesser gekämpft, das wusste er, er war schließlich dabei gewesen.

Der nächste Fetzen war wieder ein neuer. Macnair, der sich an Hermine verging. Er also auch.

Severus packte langsam aber sicher die eiskalte Wut. In seiner Zeit bei den Todessern hatte er oft Vergewaltigungen mit ansehen müssen, aber damals hatte es ihn nur oberflächlich berührt. Es war Krieg und im Krieg gab es Opfer. So Leid ihm auch jedes einzelne tat – er hatte nicht die Zeit und Muße gehabt, sich intensiv emotional mit ihrem Leid zu beschäftigen. Das hier aber war kein Krieg.

Das hier war Spaß für die drei Männer. Nur Spaß. Eine Nachmittagsbeschäftigung.

Er tastete sich weiter vor und erstarrte abermals. Es war wieder eine Kriegsszene aufgetaucht. Nachts im Verbotenen Wald. Seltsamerweise waren da nur Lestrange und Hermine. Lestrange, wie er über die vielleicht 20 Jährige her fiel...


Mit einem Ruck löste Severus sich aus Hermines Gedanken und fiel keuchend zurück auf das Bett neben ihrem, nass geschwitzt wie nach einem Kampf.

In seinen Ohren klingelte es, das Blut raste durch seinen Körper.

Aus den Augenwinkeln der noch immer reglosen Hermine kullerten ein paar Tränen. Er sollte sich darüber freuen – sie zeigte immerhin schon eine Reaktion.

Aber die Bilder... die Bilder beherrschten ihn und plötzlich fügte sich alles zu einem Bild zusammen. Lestrange hatte Hermine schon einmal in die Finger gekriegt – damals, im Krieg. Severus stöhnte leise. Vor 12 Jahren und etwas mehr als 9 Monaten.

Jetzt hatte Hermine eine 12 jährige Tochter mit pechschwarzem Haar – mit der Haarfarbe eines Lestrange. Er vergrub den Kopf in den Händen, unfähig Hermine anzusehen. In seinem Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander. Wie hatte sie das ertragen? Wie war sie entkommen? Wie hatte sie das Kind auch nur einen Moment lang ansehen können... und wie, bei Merlin, wie konnte sie dieses Kind so lieben, es von allem Schlechten fernhalten, ihm eine Familie sein, obwohl es sie jeden Tag, jede Sekunde daran erinnerte, was sie hatte ertragen müssen?

Die Potters wussten es. Und Albus... er wusste es auch. „Es gibt keinen Vater, Severus. Und ich möchte nicht, dass du das Mädchen jemals zu ihrem Vater befragst."

Es ging immer nur um Elena, hatte Albus gesagt. Natürlich. Severus zweifelte nicht daran, dass Lestrange sich ohne weiteres an dem Kind vergreifen würde, um Hermine gefügig zu machen, ob es nun seines war oder nicht. Vielleicht würde er sogar versuchen, Ansprüche geltend zu machen, dem Gesetz nach konnte er verlangen als Vater anerkannt zu werden, da Hermine ihn nicht der Vergewaltigung angezeigt hatte.

Ob Elena es wusste? - Nein, entschied er, sie würde es nicht wissen. Sie wäre nicht so unbeschwert, wenn sie wüsste, was ihre Existenz für ihre Mutter bedeutete. Vermutlich war auch das ein Grund für Hermine gewesen, die Sache nicht breit zu treten – das Seelenheil ihrer Tochter.

Severus versuchte sich Elena als Tochter eines Lestrange vorzustellen, aber es gelang ihm nicht.

„Severus?"

Poppys Stimme ließ ihn hochschrecken und ihr entfuhr ein leiser Schreckenslaut, als sie das totenblasse Gesicht des Zaubertrankprofessors sah. Sie setzte sich neben ihn und legte eine Hand auf seine Schulter.

„Kann ich irgendetwas für dich tun, Severus?" Sie hatte sich anscheinend gefasst.

Er stierte sie kurz an und schüttelte dann den Kopf. „Ich mache gleich weiter. Wir können uns keine Verzögerung mehr erlauben. Ihr läuft die Zeit davon."

Poppy sah zu Hermine, die in sich zusammen gesunken war und die Augen geschlossen hatte.

„Sie hat geweint", sagte sie leise, als sie die Träne sah, die noch in den dichten Wimpern der Bewusstlosen hing. „Ist das gut oder schlecht?"

Severus straffte sich. „Gut", erwiderte er fest. „Empfindungen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Sie muss verarbeiten, was passiert ist, sie muss aus sich heraus kommen."

Die Krankenschwester erhob sich und decke Hermine fürsorglich wieder zu. Dann sah sie Severus ernst an. „Severus... ganz ehrlich... wie viele Menschen hast du getroffen, die aus diesem Zustand wieder aufgewacht sind?"

Er kniff die Augen zusammen und sagte dann ehrlich: „Keinen."

Die alte Frau nickte. Ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen und mit einer gemurmelten Entschuldigung lief sie wieder hinaus. Mit leerem Blick sah Severus ihr nach und griff dann wie automatisch in sein Paket, wo er den Trank zur Beruhigung des Geistes hervor holte, den Elena hergestellt hatte. Er hatte drei Phiolen davon und mit einer leisen Entschuldigung an Hermine leerte er eine in einem Zug.

Als der Trank zu wirken begann, ging es ihm besser und er war bereit für eine neue Runde. Wieder flößte er Hermine etwas von dem sinneserweiternden Trank ein und tauchte ab in ihre Gedankenwelt.

Diesmal ignorierte er die Schreckensbilder, die immer mehr wurden, je weiter er vordrang, standhaft und drängte sich energisch weiter vor, bis er vor eine Mauer stieß und quasi aus ihren Gedanken katapultiert wurde.

Keuchend starrte er die Frau vor sich an. Sie hatte sich tatsächlich hinter einer Okklumentikmauer verschanzt, mit der sie sich vor all den düsteren und schmerzhaften Erinnerungen schützte, die ihn in ihren Gedanken umgaben.

„Biest", knurrte er und rieb sich die Stirn. Jetzt durfte er also erstmal die verdammte Mauer einreißen. In seinen Ärger mischte sich ein Teil Bewunderung. Miss Granger hatte ihre Hausaufgaben wie immer gemacht, wenn sie sogar unter dem Cruciatus eine so perfekte Mauer schaffen konnte. Und vielleicht war das der Schlüssel zu einer Heilung, die den Longbottoms verwehrt geblieben war. Diesmal drang er wesentlich vorsichtiger in ihre Gedanken ein und zu der Mauer vor, klopfte quasi leicht an und erhielt doch keine Antwort.

„Miss Granger?"

Keine Reaktion.

„Miss Parker?"

Die Mauer schien sich zu verstärken. Falscher Ansatz.

„Miss Granger!"

Na, komm schon!

„Hermine?"

Da war es. Ganz leicht. Severus versuchte, seine Gedanken positiv erscheinen zu lassen. „Hermine... komm zurück. Wir brauchen dich. Elena braucht dich. Harry braucht dich. Ginny braucht dich. Deine Eltern brauchen dich. Die Weasleys brauchen dich. Komm zurück..."

„Wer bist du?"

Er unterdrückte einen Ausruf des Triumphes. „Erinnerst du dich nicht?"

„Will nicht... kann nicht... wer bist du?" Sie klang etwas verwirrt, aber unverkennbar nach ihr.

„Severus Snape... dein Zaubertrankprofessor..."

„Ich habe einen Zaubertrankprofessor?"

Diesmal unterdrückte er eher ein Stöhnen. Sie war total neben der Spur, aber was hatte er erwartet?

„Ich habe dir Unterricht gegeben. Wir haben zusammen gekämpft, für kurze Zeit mit einander gearbeitet. Ich unterrichte deine Tochter. Wir verstehen uns gut, Elena und ich. Sie ist ein liebes Mädchen."

„Elena..." Hermine schien zu überlegen, ob ihr der Name etwas sagte. „Elena?"

„Deine Tochter."

„Tochter..." Wieder kurzes Schweigen. Die Mauer lichtete sich und einige Gedankenfetzen erreichten Severus, Gedankenfetzen über Elena.

Elena, wie sie als Kleinkind einige tapsige Schritte machte und ihrer Mutter in die Arme fiel. Elena, wie sie nachts zu ihrer Mutter ins Bett kroch und sich an sie schmiegte. Elena, wie sie neben ihrer Mutter an einem Kessel stand, der fast so groß war wie sie.

„Elena..."

„Ja... genau die Elena." Bei den Bildern voller Vertrautheit und Wärme versuchte sich wieder das Bild der Vergewaltigung vor seine Augen zu drängen, doch er schob es mit aller Kraft bei Seite. Später.

„Geht es ihr gut?"

Die Frage überraschte Severus und machte ihn zuversichtlich. Das herrschende Gefühl um ihn herum war jetzt Sorge, die die Verwirrung etwas zurück drängte. Elena schien Hermine ein Begriff zu sein.

„Es geht ihr sehr gut. Sie ist völlig sicher und zufrieden. Deine Tochter ist sehr begabt, Hermine."

„Hermine..." Da war sie wieder, die Verwirrung, die alles beherrschte.

„Ja, Hermine. Du musst zurückkommen, Hermine. Wir warten alle auf dich. Elena wartet, verstehst du? Elena wartet."

Die Mauer verstärkte sich etwas.

„Kann nicht... ist Dunkel... tut weh..." Der Schmerz, der ihn nun umgab, traf ihn fast körperlich und zerrte an seinen Nerven.

Er hörte ein Schluchzen und ihm wurde klar, dass es Hermine war, die schluchzte, außerhalb der Gedanken.

„Doch..." Es fiel ihm überraschenderweise im Angesicht ihres Elends nicht schwer, sanft zu klingen. „Doch... du kannst. Du bist stark. Wir helfen dir. Du bist nicht allein. Wenn es weh tut, helfen wir dir. Wenn es dunkel ist, machen wir Licht. Du bist nicht allein, Hermine."

„Allein..."

„Nicht allein... wir sind bei dir."

„Wir?"

„Wir alle. Alle deine Freunde... komm zurück, Hermine..."

„Dunkel..." Wieder erklang ein Schluchzen.

Sie drohte ihm zu entgleiten...

„Hermine... Hermine... geh nicht weg. Elena, denk an Elena!"

„Elena..."

„Elena. Elena braucht dich. Elena liebt dich über alles. Sie will wieder bei dir sein, Hermine. Sie will, dass ihr zusammen seid."

„Zusammen... mit Elena." Sie kam ihm wieder näher und er überlegte verzweifelt, was er noch sagen konnte, um sie bei sich zu halten.

„Ja, Elena, Hermine. Aber sie kann nicht zu dir kommen. Du musst zu ihr kommen. Du kannst zu ihr gehen. Ich kann dich führen. Möchtest du das? Ich führe dich ins Licht, da wo es hell ist."

Abermals strömten Gedankenfetzen auf ihn zu, diesmal wirr und ohne Sinn, aber alle hatten eines gemeinsam: Sie waren hell. Hermine, Harry und Ron vor Hogwarts auf den Wiesen am See. Hermine mit ihren Eltern am Strand von Irgendwo. Der Mädchenschlafsaal, in den durch die Fenster das Licht schien. Quidditchturniere in gleißendem Sonnenlicht...

„Ja. Das ist richtig. Genau so hell. Komm mit mir... ich passe auf dich auf. Wir treffen Elena dort wo es hell ist, Hermine."

Dann spürte er ihre Präsenz. Sie war plötzlich da, um ihn herum, bei ihm. Um sie zu halten, übermittelte er ihr möglichst viele Bilder aus seiner eigenen Erinnerung, die mit Helligkeit zu tun hatten. Zugegeben... viele waren es nicht. Aber sie schienen ihr zu helfen.

„Wirst du mit mir kommen, Hermine?"

„Ja."

Endlich. Eine vernünftige Antwort.

„Ich habe Angst."

Noch eine vernünftige Aussage. Er war auf einem guten Weg.

„Du brauchst keine Angst zu haben. Niemand kann dir etwas tun. Es sind nur Erinnerungen, es ist vorbei. Dir wird nie wieder etwas geschehen."

„Aber es ist geschehen... es ist geschehen..." Sie entglitt ihm nicht, aber er hörte das Schluchzen wieder – diesmal krampfhafter. Egal... es war Leben.

Er versuchte, ihr Ruhe zu vermitteln. „Du bist stark, du kannst damit leben, Hermine. Du musst nach vorne sehen, nicht zurück. Du bist jetzt in Sicherheit, du bist frei, alles wird jetzt gut. Du musst nur mit mir kommen und gemeinsam besiegen wir deine Erinnerungen."

Seine pathetische Zuversicht war schon fast eklig, wie er fand und sie verlangte ihm mehr Kraft ab, als jeder Wutanfall es je getan hatte... aber sie schien das zu sein, was Hermines malträtierter Geist brauchte.

Das krampfhafte Schluchzen ebbte etwas ab.

„Wie kann ich dir folgen?"

„Du musst deine Gedanken frei lassen, Hermine. Du musst ihnen erlauben, auf dich einzuströmen. Wenn sie zu viel werden, helfe ich dir, sie zu ordnen. Wenn sie zu stark werden, helfe ich dir, sie abzuschwächen. Du musst mir vertrauen. Du musst sie zulassen."

„Aber wie... ich weiss nicht, wie..."

„Die klügste Mom der Welt weiß nicht wie..." Er hoffte, der Scherz würde sie nicht gleich hinter ihre Mauer katapultieren. „Gib deine Kontrolle auf, Hermine. Denke. Tu, was du immer tust. Denke und komm zurück ins Leben. Denke..."

Und er hatte das letzte „Denke" kaum zu Ende gebracht, als er mit einem dermaßen harten Ruck aus ihren Gedanken geworfen wurde, dass er rittlings auf ihr Bett fiel und benommen liegen blieb.

Im selben Moment fing Hermine an zu schreien und um sich zu schlagen.

Poppy kam herein gestürzt, angstvoll und fassungslos; und hastig rappelte Severus sich auf und brachte sich in Sicherheit. Dann schuf er mit einem Schwenk seines Zauberstabs eine Art unsichtbarer Mauer um Hermines Bett, sodass sie nicht herausfallen konnte und die ihre Schreie etwas abdämpfte.

„Wieso tust du nichts?", rief Poppy entsetzt und zückte ihren Zauberstab, aber Severus hielt mit eisernem Griff ihren Arm fest.

„Lass sie. Sie erinnert sich... sie wird nahezu überrannt von Erinnerungen – wenn sie sich nicht bewegt und kämpft, wird sie vermutlich wahnsinnig."

Sofort erstarrte die Krankenschwester. „Aber sie wird sich verletzen", murmelte sie und der Zaubertrankprofessor zuckte die Achseln.

„Vielleicht. Nichts, was man nicht im Handumdrehen heilen könnte. Solange ihre Psyche heilt, kann ihr Körper ruhig verletzt sein. Darauf kommt es nicht an. Wir können ihr erst helfen, wenn der erste Anfall vorbei ist, sonst machen wir mehr kaputt, als das wir ihr Gutes tun."

Ob das wohl schon alles war? Lasst mir doch ein Review da ;) *dichte*