So… heute geht's dann mal weiter :)

ZauBaerin: Tja… so genau wissen wir das noch nicht ;) Aber irgendwann wird's verraten, versprochen :D

Padme.G: Willkommen Padme ;) Und danke schön :) Freut mich, wenn Sevi wie Sevi rüber kommt :D Ich hab immer Angst vor OOC.

Sangali: Ebenfalls herzlich willkommen im Kreis der geouteten ;D Freut mich, dass es dir gefällt! (und hoffentlich bleibt das so) ^^ Also eigentlich mag ich Happy-Ends schon ganz gerne *tüdelü* … Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg ^^ Ich hab bisher 14 Kapitel und an die 25 werden es mit Sicherheit werden. In meinem Kopf ist die ganze Sache schon fertig, aber das muss natürlich auch alles geschrieben werden ^^ Es geht auf jeden Fall weiter :)

Und zwar jetzt *verdrück und Kekse da lass*

8. Vergessen

Hermine tobte. Es war grotesk mit anzusehen, denn sie schien gegen einen unsichtbaren Feind zu kämpfen, sie trat und schlug in die Luft, ihr Körper zuckte wie unter Strom. Die dunklen, samtigen Strähnen waren verklettet, ja, nahezu verfilzt und sie hatte sich entweder auf die Zunge oder auf die Lippe gebissen, denn aus ihrem Mund floss Blut.

Und ganz plötzlich war es vorbei. War ihr Kampf grotesk gewesen, war der völlig apathische Zustand, in den sie jetzt urplötzlich verfiel, nur noch beängstigend. Rasch löste Severus die Mauer auf, schnappte sich einen Trank aus seiner Kiste und setzte sich zu der Frau aufs Bett, lehnte sie aufrecht an sich und flößte ihr den Trank zur Beruhigung des Geistes ein. Die Anspannung verschwand etwas aus ihrem Körper.

„Poppy?"

„Severus? Was kann ich tun?"

„Ich möchte, dass du den Raum so hell wie möglich machst."

„Bitte?"

„Tu, bei Merlins Eiern, gefälligst was ich sage", fauchte er sie an und sie zog den Kopf ein.

Vorsichtig drehte er Hermines Kopf ein wenig, so dass er ihr ins Gesicht sehen konnte. Mit einem raschen Wink seines Zauberstabs heilte er die Wunde an ihrem Mund und strich ihr vorsichtig die Haare aus dem Gesicht. Ihre Augen waren halb geschlossen, aber an den Tränen, die in ihren Wimpern hingen, sah er, dass er sie dort hatte, wo er sie haben wollte. Sie verarbeitete.

Poppy brauchte nur wenige Handgriffe, um den Raum taghell zu machen und mit der Miene eines Soldaten, der auf Befehle wartete, wieder vor Severus erschien.

„Sag Albus Bescheid, dass sie wach ist. Er kann vielleicht helfen." Dumbledore war ein hervorragender Legilimentiker, das wusste Severus aus eigener Erfahrung und mit seinem fröhlich-senilen Gemüt war er sicher geeigneter dafür, Hermine aufzuheitern, als Severus Snape, griesgrämige Fledermaus in Person, es war. Der Unterricht dürfte sowieso schon zu Ende sein.

Poppy nickte artig und eilte davon. Der Zaubertrankmeister entspannte sich etwas, als ihn niemand mehr beobachtete und drückte Hermine etwas enger an sich. Sie roch betörend gut und obwohl sie seine Robe mit Blut und Tränen verschmierte, fühlte er sich gut. Er hatte sie zurückgeholt. Schätzungsweise war das etwas, worauf er einigermaßen stolz sein konnte.

Als sie sich plötzlich verkrampfte und schwach versuchte, von ihm wegzukommen, hielt er sie noch etwas fester.

„Aber, Miss Granger", murmelte er, unfähig von Angesicht zu Angesicht ebenfalls so vertraut mit ihr umzugehen, wie in ihren Gedanken. „Es ist alles in Ordnung. Niemand tut ihnen etwas."

Er streckte sich etwas, um an seinen Zauberstab zu kommen, der auf den Boden gefallen war und levitierte dann einen der stimmungsaufhellenden Tränke zu sich. Kurz überlegte er, ob es der richtige Zeitpunkt war, ihn Hermine zu verabreichen und ließ ihn dann auf dem Nachttischchen stehen und wiegte die junge Frau stattdessen leicht, was eindeutig beruhigend auf sie wirkte.

Nachdenklich betrachtete er sie... sie sah so unglaublich jung aus, obwohl sie nicht mehr viel Ähnlichkeit mit der Alleswisserin mit den buschigen Haaren hatte, die sie während ihrer Schulzeit gewesen war. Die seidigen, dunklen Haare, die ihre Erscheinung so veränderten, machten es ihm schwer, die Frau in seinen Armen mit der Nervensäge von früher in Verbindung zu bringen, es war ihm eher, als sei sie eine Fremde – und dieser Gedanke und das damit zusammenhängende Gefühl waren Snape keineswegs unangenehm. Über ihren Körper, der sich an seinen schmiegte, dachte er lieber nicht zu genau nach, um nicht... über zu reagieren.

Ihr Gesicht konnte er nicht mehr sehen, weil sie es in seinem Umhang vergraben hatte, aber er wusste von jener Nacht, dass es schmal geworden war und ihre Wangenknochen dadurch leicht hervor traten, was ihr in Verbindung mit den vollen Lippen, der Blässe und der geraden Nase ein geradezu aristokratisch anmutendes Aussehen gab.

Sie lag völlig ruhig, aber an ihrem etwas abgehackten Atem und dem stetigen, leichten Zittern ihres Körpers erkannte er, dass die Bilder sie verfolgten und sie trotz des Beruhigungstrankes nicht sonderlich beruhigt war.

„Ich bin bei ihnen", murmelte er leise und sie sah ihn urplötzlich an.

Ihre Augen waren noch etwas verschleiert, aber sie sah ihn an und er wusste, dass sie auch wirklich da war. Er hatte sie zurückgeholt.

Es schien anstrengend für sie zu sein, ihn zu fokussieren und so ließ sie ihren Kopf wieder an seine Schulter sinken.

„Wer bist du?", fragte sie mit matter Stimme und er unterdrückte ein Stöhnen.

Hallo, ich bin Severus Snape, dein schlimmster Albtraum.

„Severus Snape... ich war... bin Zaubertrankprofessor in Hogwarts." Er kam sich albern vor.

„Hogwarts... sind wir hier in Hogwarts?"

„Ja."

„War ich schon einmal hier?"

Fast hätte er gelacht.

„Du hast 7 Jahre hier gelebt."

„7 Jahre? Bei dir?"

„Nein. Du warst Schülerin hier." Warum zum Geier duzte er sie nun auch? Er fühlte sich ein wenig wie bei einem Gespräch mit einem Kind. „Kannst du dich gar nicht erinnern?"

„Nein..." Sie schmiegte sich noch etwas enger an ihn und er merkte, dass ihr Zittern abgeflaut war. „Ist das schlimm?"

„Nein... das kriegen wir schon hin." Irgendwie berührte ihn der Gedanke, dass sie sich nicht an all den Ärger mit ihm erinnerte, sondern ihm so völlig unbefangen gegenüber trat. Fast, als wäre sie wirklich eine Fremde.

Falls sie sich erinnerte, wäre dieser Zustand schneller vorbei, als er „Hogwarts" sagen konnte...

„Severus?"

Sie sahen beide auf. Albus kam ihnen strahlend entgegen und schien sich nicht einmal darüber zu wundern, dass Hermine in den Armen des Zaubertrankprofessors lag.

„Hermine... sie sind wach. Welch Freude!"

Sie sah fragend zu Severus auf und er seufzte.

„Albus Dumbledore, Direktor von Hogwarts. Du kennst ihn."

Der Direktor nickte wissend. Er kam noch etwas näher und sah Hermine sanft, aber fest in die Augen.

An der Art, wie sie sich versteifte, erkannte Severus, dass Albus in ihrem Kopf war. Für einen Augenblick wollte er eingreifen, rief sich aber dann zur Ruhe, schließlich hatte er Albus unter anderem dafür rufen lassen. Der Kontakt dauerte nur wenige Sekunden und schon entspannte sie sich wieder und lächelte etwas.

„Albus... schön, dich zu sehen."

„Ich freue mich auch, dass du wieder bei uns bist, Hermine. Wir haben uns große Sorgen gemacht."

Was zum Geier hatte er gemacht?

„Wie geht es Fawkes?"

„Oh, ihm geht es gut. Er ist gerade aus seiner Feuerphase heraus und noch etwas erschöpft... aber ich denke, wenn er wieder auf der Höhe ist, kommt er dich besuchen." Er blinzelte ihr zu. „Aber bis dahin solltest du dich ordentlich ausschlafen, meine Liebe."

Sie nickte und ließ den Kopf wieder sinken. „Wenn ich jetzt schlafe, bin ich wieder dort... das weiß ich..."

„Severus hat bestimmt eines von seinen Zauberwässerchen, das dir helfen kann!"

„Ach Albus... es sind keine Zauberwässerchen. Es ist eine Kunst." Die Erschöpfung in ihrer Stimme war fast greifbar, aber sie klang trotzdem bestimmt und Albus kicherte.

„Also gut. Wie du meinst. Schlaf gut, Hermine." Er nickte Severus mit einem Zwinkern zu und ging wieder.

Severus rief sich einen der Traumlostränke zu sich und hielt ihn Hermine an die Lippen. „Das ist..."

„...Traumlostrank, ich weiß. Baldrian, Affodillwurzel, Wermut, etwas Salbei und ein Schuss Salamanderblut." Sie legte ihre Hand auf seine und gemeinsam hoben sie die Phiole an, sodass sie sie leer trinken konnte.

Er war etwas perplex ob ihrer plötzlichen Erinnerung für Zaubertrankzutaten – das klang nun wirklich nach der alten Hermine Granger - gegebenenfalls konnte man das aufgreifen.

Als der Trank fast unmittelbar nach der Einnahme zu wirken begann und sie schwer gegen ihn sackte, beeilte er sich, sie ordentlich in ihr Bett zu legen und aus selbigem zu verschwinden.

Kurz verweilte er neben ihrem Bett und sah sie an, dann riss er sich zusammen und ging nach nebenan, wo Poppy auf die Geräusche aus dem Krankenzimmer lauschte.

„Sie schläft", erklärte er überflüssigerweise. „Ein stimmungsaufhellender Trank steht neben ihrem Bett, sollte sie aufwachen und sich nicht wohl fühlen. Wenn es ganz schlimm wird, sag mir Bescheid."

Die Krankenschwester nickte eifrig und strahlte ihn an.

„Grins nicht so", blaffte er sie unwirsch an, was ihr Grinsen nur verstärkte. „Sorg lieber dafür, dass das Zimmer auch hell bleibt, wenn es gleich dunkel wird. Und wenn sie aufwacht, sag mir Bescheid!"

„Natürlich, Severus..."

Ihr Strahlen ging ihm verdammt nochmal auf den Keks und er eilte rasch aus dem Krankenflügel. Es war Zeit fürs Abendessen und so begab er sich auf direktem Weg in die große Halle, denn er hatte Hunger.

Als Albus und Minerva ihn entdeckten, wünschte er, er wäre doch nicht zum Essen gegangen, denn auch sie strahlten ihn nahezu unverschämt an.

„Grinst mich bloß nicht so penetrant an", knurrte er und warf einen beiläufigen Blick zu den Gryffindors, wo Elena schon mit ihrer Potterfreundin saß und sich wild gestikulierend mit ihr unterhielt.

Er hatte die Projektstunde ganz vergessen.

„Ich habe ihr gesagt, dass das Projekt erst einmal ausfallen muss", meinte Albus. „Weil du momentan keine Zeit hast. Sie war überraschend betroffen... mir scheint, du hast eine Freundin gefunden, Severus."

Der knurrte etwas Unverständliches und schaufelte sich Ragout auf den Teller.

Eine faltige Frauenhand auf seinem Arm ließ ihn vor Wut fast explodieren. Nachdrücklich schob er mit der freien Hand Minervas Hand von seinem Arm und starrte sie an.

Sie lächelte. „Du hast da ein Wunder vollbracht, Severus."

„Es war Legilimentik, mehr nicht", fauchte er zurück. „Darf ich jetzt bitte essen?"

„Natürlich." Ihr Lächeln verblasste nicht und der Zaubertrankmeister wäre am liebsten aufgestanden und gegangen.

„Versprich mir, dass du dich heute Nacht endlich mal wieder ausschläfst, Severus", meldete Dumbledore sich zu Wort.

„Der Zustand von Miss Granger ist äußerst instabil, Albus", zischte der Angesprochene. „Wenn du sie gerne bei den Longbottoms einquartieren willst, schlafe ich mich gerne aus. Ich hab nicht um die Ehre gebeten, Lebensretter zu spielen. Jetzt hab ich die Sache am Hals, also lass mich gefälligst selbst entscheiden, was ich tue und wann ich zu schlafen gedenke!"

Er hätte ausrasten können – sein Gift zeigte keinerlei Wirkung. Albus nickte begütigend und wandte sich wieder seinem Himbeerwackelpudding zu. Sie hatten alle zu viel Euphorie-Elixier geschluckt, das musste es sein. Und jetzt nervten sie ihn mit ihrem verdammten Rumgegrinse und verdarben ihm den Appetit.

Finster würgte er sein Ragout hinunter und erkannte doch mit einiger Zufriedenheit, dass die anderen Kollegen Albus und Minerva, die ihn noch immer lächelnd beim Essen betrachtete, beäugten, wie man Verrückte beäugte.

Kaum hatte er seinen Teller geleert, machte er sich eilig auf den Weg in den Kerker, der ihn mit kühler, nahezu himmlischer Ruhe begrüßte.

Aus einer plötzlichen Eingebung heraus begann er in seiner Bibliothek nach Informationen über Cruciatusschäden und Gedächtnisverlust zu suchen.


Als es Zeit für das Frühstück in der großen Halle war, war er nicht viel schlauer. Amnesie war als ein Bestandteil der geistigen Zerrüttung durch Cruciatusflüche bekannt – ein Mittel dagegen hatte jedoch noch niemand gefunden, da die Überlebenden, von denen es ohnehin nur wenige gab, von Anfang an als hoffnungslose Irre abgetan worden waren. Andere Fälle von Amnesie gab es nur spärlich: Gedächtnisverlust als Verdrängung im Falle eines traumatischen Erlebnisses – meistens erholten die Menschen sich von alleine wieder, Hilfsmittel gab es hier nicht; Gedächtnisverlust als Folge eines Unfalls, beispielsweise eines schweren Sturzes – auch hier gab es keinerlei unterstützende Maßnahmen, die Menschen erinnerten sich meist über kurz oder lang von alleine oder galten für den Rest ihres Lebens als „verwirrt". Partiellen Gedächtnisverlust durch übermäßige Einnahme von Drogen – hier hatte einer der Autoren nur spöttisch angemerkt „der Gehalt dieser Erinnerungen sei für den Fortbestand und das Seelenheil des betroffenen Individuums irrelevant" und „sollte das betroffene Individuum dringendes Verlangen nach der Erinnerung verspüren, könne es ja die mitbetroffenen Saufkumpanen um einen Einblick in deren Gedanken bitten". Sehr hilfreich.

Tatsache war, dass Psychologie in Magierkreisen eindeutig ein zu vernachlässigtes Fach war.

Severus wusste, er konnte sich nicht ausnehmen, denn auch er neigte dazu, alle Wehwehchen mit einem Trank oder einer Salbe zu kurieren. Wenn es ihm schlecht ging, benutzte er entweder Whisky oder einen stimmungsaufhellenden Trank – Ursachenforschung betrieb er aus Mangel an Lust und Bedarf nie.

Tatsache war aber auch, dass Miss Granger eine Art Therapie brauchte, um irgendwie zu ihrem alten Leben zurückkehren zu können. Also blieb ihm wahrscheinlich nur die Möglichkeit, selbst zu versuchen, ihr Gedächtnis zu fördern. Ihre Fähigkeit, sich exakt an Zaubertrankrezepte zu erinnern, konnte hierbei sicherlich helfen. Zusätzlich würden regelmäßige Legilimentikeinheiten helfen, verschüttete Erinnerungen wieder ans Tageslicht zu bringen – Severus würde wohl oder übel Albus bitten müssen, dass zu übernehmen... oder ihm genau zu erklären, was er getan hatte, als er Miss Granger innerhalb von Sekunden dazu gebracht hatte, sich an ihn und Fawkes zu erinnern.

Nachdenklich sah Severus Snape aus seinem Schlafzimmerfenster. Draußen war es noch finstere Nacht, der Himmel war bewölkt. Das neue Jahr schien zumindest vom Wetter her nicht besser zu werden als das alte. Wäre ja auch ein Wunder.

Seine Gedanken wanderten wieder zu seinem Schlachtplan. Legilimentik, Zaubertränke... er würde sie in den Kerker schaffen müssen, um mit ihr die Tränke zu brauen. Der Gedanke, eine verwirrte Hermine Granger in seinem Kerker zu haben, versetzte ihn nicht gerade in Hochstimmung. Aber er konnte sie schlecht im Krankenflügel lassen – dort hatte er sie nicht unter Beobachtung und konnte nicht einschreiten, falls sie versuchte, sich erneut zurück zu ziehen. Außerdem fand er es nicht besonders angenehm, Legilimentiksitzungen unter Poppys neugieriger Nase vorzunehmen. In seinem vertrauten Umfeld war er einfach entspannter.

Er verschränkte die Arme vor der Brust und wanderte langsam in der schmalen Küche auf und ab. Es würde nicht reichen, sie ein paar Stunden am Tag mit Tränken und Legilimentik zu beschäftigen. Sie brauchte eine Aufgabe, die ihren Intellekt forderte.

Etwas Wichtiges durfte es allerdings auch nicht sein – bei ihrer Labilität konnte da zu viel schief gehen.

Ein unwilliges Schnauben durchbrach seine Gedanken und kurz war er irritiert, bis ihm klar wurde, dass er selbst geschnaubt hatte.

,Ganz toll, Severus. Redest von einer verwirrten Granger und bist dabei selber schon senil.' Er schüttelte den Kopf über sich selbst, doch rasch kehrten seine Gedanken zu dem Grund des Schnaubens zurück: Es war reine Utopie zu glauben, er könne Granger therapieren. Er konnte mit ihr Tränke brauen und in ihre Gedanken eindringen, aber er hatte nichts, mit dem er sie wirklich beschäftigen konnte. Und es gab keinen schlimmeren Feind für einen ohnehin labilen Menschen als zur Untätigkeit verdammt zu sein.

Eher aus Hilflosigkeit, denn aus wirklicher Suche nach Anregungen wanderte er durch seine Wohnung.

Hausarbeiten korrigieren? - Nein, zumindest am Anfang in jedem Fall zu anspruchsvoll.

Aufräumen, staubwischen? - Miss Granger würde sich bedanken, wie ein Hauself behandelt zu werden.

Sein Blick blieb an seiner umfassenden Bibliothek hängen. Lesen. Lesen würde ihren Intellekt fördern, ihre Erinnerungen an Gelerntes wachrufen und ihr trotz allem dabei noch etwas bringen – denn Severus bezweifelte stark, dass Hermine einige seiner Werke kannte – er hatte einige seltene und kostbare Exemplare angesammelt.

Kurz fragte er sich, ob er Hermine zutrauen konnte, den ganzen Tag zu lesen... aber wenn sie sich nicht wesentlich verändert hatte in den 13 Jahren würde sie mit Freuden den ganzen Tag mit lesen verbringen.

Mit einem zufriedenen Schnauben zauberte er sich rasch eine Tasse heißen Kaffee und begann darüber nachzudenken, wie er Albus seinen Plan schmackhaft machte, obwohl er kaum glaubte, dass der alte Mann viel Überredung brauchte.

Er hatte den Becher noch nicht ganz leer getrunken, als ihm einfiel, dass es vielleicht klug wäre der Krankenstation vor Beginn des Unterrichts noch einen Besuch abzustatten, denn sein Vertrauen in Poppys Fähigkeiten und ihre Nervenstärke waren begrenzt.

Tatsächlich war Poppy schlicht und ergreifend alt geworden. Im Krieg hatte sie beeindruckende Leistungen gezeigt und vorher in seiner Zeit als Spion hatte sie ihn öfter zusammen geflickt, wenn er von Voldemort „geprüft" worden war.

Das waren allerdings alles körperliche Verletzungen gewesen, für die sie ausgebildet war. Heute war die Sache anders. Poppy hatte schon lange keine aufreibenden Fälle mehr behandeln müssen, sie war alt geworden und sie hatte keinerlei Erfahrungen mit so schweren Cruciatusschäden.

Also ging er lieber gucken.


„Du musst wirklich etwas essen, Hermine", ertönte Poppys Stimme schon durch den Vorhang, der das Bett nun abschirmte, als Severus die Krankenstation durch die Barriere betrat.

„Ich habe wirklich keinen Hunger, Madame", seufzte eine wohlbekannte Stimme etwas genervt.

Severus fragte sich, ob Hermine schon immer „Madame" zu Poppy gesagt hatte oder ob sie sich einfach nicht an irgendwelche Vertraulichkeiten erinnerte.

Bevor er hinter den Vorhang trat, räusperte er sich vernehmlich und Poppy, die gerade etwas sagen wollte, brach ab und lüftete den Vorhang.

„Guten Morgen, Severus... schön, dass du da bist. Vielleicht kannst du Herminchen ja überreden etwas zu essen."

Er schenkte ihr einen langgezogenen Blick mit hochgezogener Augenbraue und rauschte zum Bett, wo Hermine Granger mit verschränkten Armen aufrecht saß und angewidert auf das Tischchen vor sich starrte, auf dem ein liebevolles Frühstück aufgebaut war. Sie sah auf.

„Besuch so früh am Morgen?"

„Das wird nicht zur Gewohnheit, Miss Granger, keiner Sorge." Er musterte sie eindringlich. Sie sah noch bleich aus, aber im Großen und Ganzen schien sie in Ordnung zu sein. „Erinnern sie sich an mich?"

Stirnrunzelnd sah sie ihn an. „Sollte ich das?"

„Ich denke schon."

Nachdenklich lehnte sie sich zurück und rieb sich die Nase. Dann sah sie ihn wieder an. „Nun... wir siezen uns anscheinend – also sind wir keine näheren Bekannten. Madame Pomfrey nannte sie Severus... also müssen sie Severus Snape sein, der mir offensichtlich das Leben gerettet hat."

„Ihre Kombinierungsgabe ist entzückend."

Sie lächelte als sie die Ironie in seinen Worten bemerkte. „Arbeiten sie hier?"

Für einen Moment fragte er sich, was Albus gestern verdammt nochmal gemacht hatte und drang dann kurzentschlossen in ihre Gedanken ein.

Sie war so überrumpelt, dass sie keine Abwehr schuf.

Etwas rabiater, als er es am Tag zuvor getan hatte, grub er sich durch ihre Erinnerungen und klaubte mühsam einige Erinnerungen aus ihrer Schulzeit zusammen. Himmel, war er wirklich so furchtbar gewesen?

„Ja... warst du." Sie hatte sich gefasst und nun hörte er ihre Stimme in seinem Kopf. „Du warst sehr furchtbar."

„Da es anscheinend dazu beiträgt, deine Erinnerung zu wecken, solltest du mir vielleicht für meine Boshaftigkeit danken", dachte er spitz.

„Vielleicht später. Du hättest wenigstens fragen können, ob du in meinen Kopf darfst."

„Damit du mich wieder mit einer Mauer aussperrst? Wir werden jetzt noch öfter Legilimentiksitzungen machen müssen, damit du dich erinnerst. Sonst gehen dir die Erinnerungen irgendwann verloren."

Er spürte ein leises Erschrecken.

„Was passiert dann?"

„Was ist ein Mensch ohne Erinnerungen? Du wirst alles neu lernen müssen, du musst Verbindungen neu aufbauen, Menschen, die dir nahe standen, neu kennen lernen... nichts Wünschenswertes also."

„Und du kannst mir helfen?" Offensichtlich war sie innerhalb ihrer Gedanken klarer und fokussierter als außerhalb.

„Was, denkst du, versuche ich hier gerade?"

Sie war belustigt, das merkte er, doch sie schwieg kurz. Dann murmelte sie: „Ich glaub, du bist der einzige Mensch, den ich kenne, der sich nicht geändert hat."

„Wie viele kennst du denn momentan?" Er war boshaft, das wusste er, aber es ärgerte ihn, dass sie so klar zu sein schien, wenn er in ihren Gedanken war und so verwirrt war, wenn sie sich von Angesicht zu Angesicht gegenüber standen.

Doch sie schien die Frage ernst zu nehmen. „Albus, dich, Harry, Madame Pomfrey, Elena... Elena... wie geht es ihr?"

„Jetzt noch gut – aber heute Mittag hat sie zwei Stunden Zaubertränke", knurrte er, „das soll schon so manchem die Laune verdorben haben."

„Einschließlich dem Herrn Professor?"

„Was schon verdorben ist, kann nicht mehr verderben."

„Seit wann bist du so selbstkritisch?"

„Selbstkritisch? Wieso denn selbstkritisch? Hab ich gesagt, dass ich mit diesem Zustand unzufrieden bin?"

„Ich dachte, Unzufriedenheit ist ein Dauerzustand bei dir."

„Wenn du in der wirklichen Welt genauso austeilen würdest, wie hier, wäre die Sache für uns unwesentlich einfacher!" Er konnte nicht anders, als sich über ihre unverblümten Worte zu ärgern. Die Hermine Granger, die er kannte, hätte ihm so etwas nie entgegen geworfen. Die Jahre hatten sie also eindeutig nicht respektvoller gemacht. Zähneknirschend verdrängte er die Gedanken – sie mussten vorankommen. „Also schön. An Albus, mich, Harry, Poppy und Elena erinnerst du dich also. Was ist denn mit Nummer 3 aus dem Goldenen Trio?"

Die Erinnerungen zogen an ihm vorbei, Ronald Weasleys rote Mähne blitzte flüchtig auf und verschwand wieder.

„Da war jemand. Aber ich kann ihn nicht greifen."

Seufzend fing Severus wieder an zu suchen und fand eine sehr interessante Erinnerung – Ronald Weasley und Hermine, Ronald etwa Anfang 20 und Hermine noch mit altbekannter Löwenmähne, befanden sich offensichtlich in einem Krankenzimmer und Weasley sah eindeutig ziemlich wütend aus.

Neugierig fokussierte Severus diese Erinnerung und stieß sie so quasi in Hermines Bewusstsein.

Eine Welle von Trauer und auch Wut überschwemmte ihn.

,Falsche Erinnerung, Sev', funkte es in seinem Kopf, ,ganz falsche Erinnerung!'

„Ron... natürlich. Ronald Weasley. Ich habe ihn seit mehr als 12 Jahren nicht mehr gesehen."

Nun war er doch überrascht und sie schien es zu merken.

„Wir haben uns gestritten."

Er verkniff sich eine sarkastische Bemerkung und sagte stattdessen: „Du musst mir das nicht erzählen."

„Du hast gesagt, ich soll mich erinnern", wies sie ihn zurecht, „du hast gesagt, ich muss mich meinen Gedanken stellen."

Besserwisserin.

„Das hab ich gehört, Severus Snape!"

„Dann berichte über dein Zerwürfnis mit Weasley."

„Wir waren am Ende der Schule zusammen, erinnerst du dich?"

„Es gibt Dinge, an die ich mich erinnern könnte, aber an die ich mich nicht erinnern möchte, Hermine. Das Liebesleben meiner hormongesteuerten Schüler gehört eindeutig dazu. Insbesondere das Liebesleben der Superhelden."

„Du bist so erfrischend freundlich – genau das Richtige für einen Menschen mit Problemen." Nun klang sie eindeutig wütend und Severus hatte den Anstand, etwas betroffen zu sein.

„Entschuldige", murmelte er steif und sie schnaubte.

„Lass gut sein. Du bleibst halt du, ob als Lebensretter oder nicht."

„Treffend formuliert. Also Weasley und du. Soweit..."

„Ja. Im Krieg kämpften wir zusammen, wie du weißt, und dann geschah ja das... Zusammentreffen mit... IHM."

Ihre Stimme in seinem Kopf schien etwas zu zittern und sie schien plötzlich wieder von ihm wegzudriften.

„Hermine!", peitschte er ihr so gut es ihm in Gedanken möglich war, entgegen. „Komm zurück. Es ist alles in Ordnung. Niemand kann dir etwas tun, verstehst du? Er ist nur eine Erinnerung. Du kannst seinen Namen sagen, ohne, dass dir etwas passiert. Er ist fort, Hermine. Die Dementoren weiden ihn momentan bei lebendigem Leibe aus. Lass ihn verrückt werden bei ihnen, aber bleib du hier und reiß dich zusammen. Sprich mit mir. Verstehst du? Sprich mit mir!"

Sie verharrte, unsicher, ängstlich.

„Hermine Granger! Beweis mir, dass du eine Gryffindor bist und stell dich deinen Ängsten, um zu leben! Sonst ziehe ich Gryffindor sofort und unverzüglich mindestens 500 Punkte ab!"

„Hat Gryffindor denn 500 Punkte?" Ihre Stimme klang etwas verzagt, aber wieder näher bei ihm.

„Mitnichten. Vielleicht 100..."

„Kann man denn ins Minus gehen?"

„Gryffindor wird als erstes Haus in die Geschichte Hogwarts' eingehen, das ins Minus gehen konnte. Dank Superhirn Granger..."

„Ist ja schon gut."

„Sag mir seinen Namen!"

„Severus, ich..."

„Das ist mein Name, danke. Ich will seinen Namen hören."

Sie wimmerte leise. „Du bist ein Sadist."

„Nein, Hermine, ich bin Lehrer."

„Das ist dasselbe... zumindest in deinem Fall!"

„Hermine, Hermine... erinnerst du dich an das Theater, das alle veranstaltet haben, wenn man ,Voldemort' gesagt hat? Ich erinnere mich, dass du diese Hemmungen nie hattest. Außerdem habe ich gehört, wie du ihn noch genannt hast. Das würde für mindestens 200 Punkte Abzug reichen – vielleicht auch nur 150, weil es Voldemort war. Wolltest du mir nicht eine Geschichte erzählen?"

„Nun, ich hatte das Zusammentreffen mit ihm..."

„Mit...?"

„Mit Rabastan Lestrange, verdammt!" Sie schluchzte leise auf und Severus hielt sich bereit, sie abermals vor dem Abdriften zu bewahren, doch sie schien sich zu halten. „Und es ging alles so schnell… und dann weiß ich nichts mehr... aber als ich aufwachte, war ich nun mal schwanger." Die Worte flossen immer schneller und hastiger. „Und zuerst wollte ich das Kind nicht bekommen, aber ich war mehrere Wochen bewusstlos gewesen und man riet mir von dem Eingriff ab mit Blick auf meine instabile Gesundheit – Lestrange beherrschte den Cruciatus damals schon recht gut... also behielt ich das Kind. Und redete mir ein, nach der Geburt gebe ich es ab und muss es nie wieder sehen, muss IHN nie wieder sehen...und dann wurde sie geboren und sie war so schön, Severus..." Hermine stockte und ihre Stimme veränderte sich ein wenig. Sie wurde sanfter. „Sie lag einfach da und hat mich angeguckt, hilflos und zerbrechlich und sie war doch ein Teil von mir und nur ein kleiner von IHM und als ich sie sah und in den Armen hielt, da konnte ich nicht mehr." Sie stockte erneut, bevor sie weiter sprach. „Ich konnte sie nicht weggeben. Das wäre, als wenn ich mir meinen Arm abschneiden würde, weil ER ihn angefasst hatte. Sie war ein Teil von mir. Also habe ich den anderen gesagt, dass ich sie nicht abgeben würde. Harry und… Ginny? Ja… Ginny... sie waren... nun, geschockt trifft es wohl am besten. Aber sie gaben sich wirklich Mühe, mich zu verstehen, vor allem weil sie ja auch schon Kinder hatten. Aber Ron... Ron hat sich geweigert, sie anzusehen. Als ich ihm versicherte, sie werde als unsere Tochter aufwachsen und nicht als meine mit IHM, hab ich gemerkt, dass er sie gar nicht als unsere Tochter wollte. Er hat sie gehasst, Severus. Vom ersten Augenblick an. Und er hat es gewagt, mir zu drohen. Entweder sie oder er. Für ihn war sie nur das Produkt eines Verbrechens, ein widerlicher Störfaktor, der ihn jeden Tag an den Krieg erinnerte.

Als ich mich ohne zu überlegen für Elena entschieden habe, ist er gegangen und danach habe ich ihn nie wieder gesehen." Hermine atmete tief durch und Severus spürte, dass sie noch immer von zwiespältigen Gefühlen in Bezug auf diesen Weasley geplagt war.

Er spürte Trauer und Wut und bemerkte mit Genugtuung, dass die Wut überwog. Ganz eindeutig. Zuneigung spürte er keine. Seltsamerweise bereitete auch das ihm Genugtuung. Weasley war ein Idiot, das hatte er schon immer gewusst. Er hatte die intelligenteste Frau Englands wegen eines Kindes verlassen, das nichts dafür konnte, was es war.

„Severus?"

„Ich bin hier." Er hätte fast vergessen, dass er sich noch in ihrem Kopf befand.

„Sei bitte ehrlich. Ist Elena wie ER? Zeigt sie Charakterzüge von IHM?" Die Angst wurde fast greifbar, Erinnerungen an Rabastan Lestrange wirbelten hoch und wurden nieder gekämpft.

„Nein, Hermine. Das Einzige, was sie von ihm hat, ist die Haarfarbe. Sie ist ein sehr intelligentes, liebenswürdiges Mädchen. Das Kollegium vergöttert sie und ich muss zugeben, dass sie eine angenehme Person ist, wenn sie nicht gerade mit ihrer Kicherpotterfreundin zusammen hängt. Sie arbeitet effizient und konzentriert und hat glücklicherweise deine penetrante Nervader nicht geerbt. Und sie ist durch und durch Gryffindor – sie ist nahezu unerträglich, wenn sie sich oder jemand anderes ungerecht behandelt fühlt. Grauenhaft."

„Penetrante Nervader?"

„Ja, du weißt schon. Sie hat nicht dieses Gewedel und Gerutsche auf dem Stuhl, das du gezeigt hast, wenn du eine Antwort wusstest..."

„Gewedel und Gerutsche? Du hast mich nie dran genommen! Du hast mich nicht mal gesehen! Natürlich musste ich wedeln!"

Sie war empört und er war eindeutig belustigt.

„Das sollten wir gegebenenfalls ein ander Mal vertiefen, meinst du nicht? Jetzt solltest du vielleicht doch etwas essen, damit du nachher genug Kraft hast, um noch eine Legilimentikrunde zu überstehen."

„Das werden wir noch vertiefen", knurrte sie mit etwas bedrohlichem Unterton.

Er vertrieb seine Belustigung rasch und murmelte, bevor er sich endgültig aus ihrem Kopf zurückzog: „Weasley ist ein Idiot, Hermine. Hätte er sich die Mühe gemacht, Elena kennen zu lernen, würde er sich vor Scham über seine Ignoranz vom Astronomieturm stürzen."

Damit unterbrach er die Verbindung und während Hermine noch die Benommenheit bei Seite zu schieben versuchte, nickte er Poppy, die die ganze Zeit geduldig darauf gewartet hatte, dass man sie wieder wahr nahm, zu und verschwand mit wehenden Roben.

„Hermine?"

Hermine rieb sich die Stirn und sah Madame Pomfrey an, bis sich ihr Gesicht mit einem Lächeln verzog.

„Poppy... ich hab dich nicht gleich erkannt."

„Ist schon gut, Mädelchen." Gerührt tätschelte Poppy ihr den Arm. „Das kriegst du schon in den Griff, wenn der Professor dir weiter so gut hilft, wie bisher. Aber jetzt musst du ein bisschen was essen, ja?"

Die Patientin nickte und begann zu essen.

„Wie geht es jetzt weiter, Poppy?", fragte sie, als sie zu Poppys Zufriedenheit alles aufgegessen hatte. „Ich will niemandem zur Last fallen."

„Aber, Mädelchen, du fällst niemandem zur Last! Du wirst solange hier bleiben, bis es dir wieder völlig gut geht. Elena kann dich besuchen und..."

„Nein!"

Erstaunt sah Poppy auf, als sie den scharfen Ausruf hörte. Hermine sah sie entschuldigend an und wiederholte sanfter: „Nein, Poppy. Elena soll von der ganzen Sache nichts wissen. Ich möchte nicht, dass sie damit belastet wird."

Poppy tätschelte ihrer Patientin liebevoll die Hand. „Wenn du das nicht möchtest, wird sie das nicht erfahren. Sie ist so ein liebes Mädchen, Mädelchen, ganz deine Tochter. Wir haben sie alle furchtbar gern hier."

Hermine brachte ein Lächeln zu Stande. „Das freut mich."

„Nicht wahr? Aber jetzt musst du schlafen, Kindchen, damit es dir schnell wieder gut geht."

Schlafen? Schlafen war schlecht.

„Ich bin nicht müde."

„Aber du bist krank. Und wer krank ist, muss schlafen, die grundlegendste Weisheit bei Krankheiten." Poppy blinzelte ihr zu und machte dann eine ausschweifende Handbewegung durch den Raum. „Ich lasse es hell. Ist dir das Recht?"

„Ja... sehr Recht. Danke, Poppy."

„Schon gut. Schlaf schön." Die alte Krankenschwester wuselte mit dem Tablett aus dem Raum und plötzlich fröstelnd kroch Hermine tiefer unter die Decke.

Sie war allein. Alleinsein war kalt und vor allem gefährlich. In jedem schattigen Plätzchen lauerten Erinnerungen und Schatten.

Ihre Gänsehaut verstärkte sich und sie rollte sich zusammen, obwohl ihre geschundenen Muskeln dagegen protestierten.

Für einen kurzen Moment versuchte sie die Augen zu schließen, doch sofort schien ein schweres Gewicht auf sie zu drücken und sie zu ersticken und so öffnete sie sie rasch wieder, heftig nach Luft schnappend.

Unaufhörlich krochen die Erinnerungen auf sie zu und streckten ihre Finger nach ihr aus. ER war schon immer ein Meister der Angst gewesen. Sie wusste, es war irrational jetzt noch Angst zu haben und sie hasste alles irrationale... aber allein die Erinnerungen machten ihr noch Angst, taten ihr weh. Es war vollkommen klar, dass sie das Gefühl von ihm an sich und in sich nie wieder verlassen würde. Die Nacht würde sie nie wieder willkommen heißen.

So…längstes Chap bisher ^^ So viel zu Ron.