Next :)

NickTessFan: Tja, das mit der Beziehung erfahren wir später noch… da hat Sevi sich wohl verplappert. ;)

Trixi: Willkommen ;) Schön, dass es dir gefällt! Ich hoffe natürlich, dass das so bleibt!

Larah: Momentan denkt sie noch nicht so an ihre Frisur… aber später ganz bestimmt ;) Alte Hermine vs. Neue Hermine

ZauBaerin: Immer diese Leserinnen, die nur auf die Beziehungskisten warten, tzes :D Du wirst voll auf deine Kosten kommen, hoffe ich! ;) Guter Gedanke, btw., mit dem Veräppeln der Presse… gucken wir mal, was Hermine dazu einfällt. Sie hat nämlich ähnliche Gedanken ;)

Aber lest weiter :D Was rede ich rum.

12. Arbeit

Lily schenkte Elena einen angeekelten Blick, als diese sich zu ihr an den Gryffindortisch setzte.

„Wie sie schon vor dem Frühstück rumknutschen können, versteh ich echt nicht", zischelte Lily ihrer besten Freundin mit einem weiteren angeekelten Blick in Richtung ihres Bruders zu.

Elena warf einen kurzen Blick zu James und seiner Freundin und verzog dann ebenfalls das Gesicht. Beipflichtend nickend nahm sie sich eine große Portion Porridge.

„Dad sagt, James sei noch viel zu jung für so etwas." Lily warf sich in Pose. „Er sagt, ich soll ein Auge auf ihn haben."

„Küssen ist echt eklig", murmelte Elena nun extra laut und James grinste sie an.

„Dafür bist du auch noch viel zu klein, Zwerg. Und du natürlich auch, Lil."

„Gleiches gilt für sie, Mr. Potter", tönte die samtige Stimme des gefürchteten Zaubertrankprofessors gefährlich sanft hinter seinem Rücken und das junge Paar zuckte augenblicklich auseinander. „10 Punkte Abzug für Gryffindor, wegen ungebührlichen Betragens. Wenn ich sie das nächste Mal erwische, fällt der Punkteabzug empfindlich höher aus. Ist das bei ihnen angekommen?"

„Ja, Sir", fiepste Sarah.

„Mr. Potter?"

James rang sich ein geknurrtes „Ja, Sir" ab und zog einen Flunsch.

Der Professor glitt fledermausartig hinfort und Elena kicherte schadenfroh. Nur Lily sah ihren großen Bruder sehr strafend an.

„Das war schon der dritte Punktabzug in dieser Woche deinetwegen, du Idiot. Wegen dir holen wir den Hauspokal nicht."

„Ach, red keinen Unsinn!" James machte eine wegwerfende Handbewegung. „Jeden Punktabzug, den ich von Snape kriege, holt Ella doch wieder rein. Sie ist doch Snapes neue Lieblingsschülerin."

„Bin ich nicht!"

„Bist du wohl!"

„Bin ich überhaupt nicht!"

Ein Rauschen unterbrach ihren Streit. Die Posteulen kamen.

Die vier Kinder sahen auf, als ein riesiger Uhu Kurs auf sie nahm und in ihrem Brotkorb landete. Auffordernd reckte er Elena sein Bein hin, die ihn mit offenem Mund anstarrte.

„Krass", meldete James sich schließlich zu Wort. „Wem gehört denn das Riesenvieh?"

Der Uhu warf ihm einen bösen Blick zu und wackelte dann unwirsch mit dem Bein.

„So fies wie der guckt, könnte der glatt Snape gehören", murmelte Sarah und Elena zeigte ihr einen Vogel.

Dann nahm sie dem richtigen Vogel rasch den Brief ab und schob ihm zum Dank ihre Cornflakes hin, von denen er sich gnädig bediente. Dann erhob er sich wild flatternd wieder in die Luft, wobei er vermutlich absichtlich Sarah mehrmals ins Gesicht flatterte, was sie mit einem empörten Kreischen kommentierte.

„Der Brief ist von meiner Mom!"

„Und? Was sagt sie?" Lily drängte sich näher zu der Freundin. „Wo hat sie gesteckt?"

Rasch überflog Elena die Zeilen und sah dann enttäuscht drein. „Keine Ahnung. Sie sagt nur, dass momentan alles etwas chaotisch ist. Und sie hat Urlaub genommen. Sie will mir alles später in Ruhe erzählen."

Lily sah beunruhigt aus. „Meinst du, es ist etwas passiert?"

„Ich weiß nicht. Normalerweise nimmt sie sich Zeit, um Briefe ausführlich zu beantworten."

James beugte sich über den Tisch und grinste. „Vielleicht hat sie Stress mit einem Mann."

Wütend blitzte Elena ihn dafür an. „Meine Mom hat keinen Stress mit Männern! Irgendetwas ist bei ihr nicht in Ordnung, okay?"

„Hey, okay. Beruhig dich. Du kannst sie ja einfach ein bisschen löchern. Irgendwann wird sie dir schon sagen, was los ist."


Besorgt beobachtete Severus vom Lehrertisch aus, wie sich Elenas Miene bei der Lektüre des Briefes von freudig zu unruhig wandelte. Anscheinend war der Brief nicht in Hermines üblicher Art abgefasst und das Mädchen war zu intelligent, um sich hinters Licht führen zu lassen. Sie würden nicht viel Zeit haben, um Hermine wieder herzustellen, bevor Elena anfing, wirklich unangenehme Fragen zu stellen. Davon war Severus nun überzeugt.

Er hatte das Gespräch am Abend zuvor abgebrochen. Die neuen Aspekte hatten Hermine hinreichend verwirrt und angestrengt und so hatte er sich näherer Erläuterungen schlicht und ergreifend verweigert. Sie würde es ohnehin demnächst in ihren Erinnerungen sehen, sobald sie chronologisch dort angekommen waren.

Für die Nacht hatte er ihr nur ein leichtes Schlafmittel gegeben, das, anders als der Traumlostrank, Träume sehr wohl zu ließ, sie jedoch abmilderte. Der Trank war seine eigene Entwicklung, die er zunächst nur für sich selber und nach dem Krieg für jeden bereitgestellt hatte. Hätte er damals noch Kontakt zu der jungen Gryffindor gehabt, hätte ihr der Trank vielleicht schon frühzeitiger bei der Verarbeitung zumindest ihrer damaligen Erinnerungen helfen können.

Niemand wusste besser um die heilende Kraft von Träumen als Severus. Das Problem war, sie in ein heilendes Stadium zu kriegen. Albträume, wie sie nach schweren Traumata der Fall waren, wirkten destruktiv auf den Organismus und halfen nicht beim Verarbeiten. Anders war es jedoch nach Severus' Erfahrung, wenn der träumende Geist wusste, dass der Traum auch wirklich nur das war. Der Muggelbegriff dafür war „luzides Träumen". Sein Trank ermöglichte dies, was sonst nur mit besonders viel Übung erreicht werden konnte, wortwörtlich im Schlaf. Dadurch konnte der Träumer die Traumsituation mit gesundem Abstand betrachten und auch in sie eingreifen. Die Hilflosigkeit, durch die Albträume oft in ihrem Schrecken bestärkt wurden, wurde so ausgeschaltet.

Nur einmal hatte er Hermine wecken müssen, weil der Schrecken überhand ergriffen hatte. Der Rest der Nacht war zumindest für ihn ruhig gewesen. Sie hatte am Morgen noch nicht viel zu ihrer Nacht gesagt, sondern hatte sich nur schweigend an ihr Frühstück gesetzt.

Er hatte sie mit den Büchern für Verwandlung der Klassen 1-7 versorgt und war gegangen. Winky hatte die Anweisung, in seinen Räumen zu bleiben und ein Auge auf Hermine zu werfen. Der kleine Hauself war noch so von Schuldgefühlen zerfressen, dass sie an jenem Abend im Hauptquartier nicht reagiert hatte, dass sie Hermine vermutlich nicht eine Sekunde aus den Augen lassen und ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen würde.

„Du siehst etwas angespannt aus, Severus", sprach Albus ihn von rechts an.

Links von Severus saß Prof. Sprout und schnaubte bei der Bemerkung laut und spottend durch die Nase.

„Ich bitte dich, Albus", erwiderte der Zaubertrankmeister ölig. „Ich bin doch wohl ein Ausbund an Ausgeglichenheit und Entspannung. Wie immer."

„Läuft mit deinem Projekt alles zu deiner Zufriedenheit?"

Fast hätte Severus gelacht. Hermine war jetzt also offiziell sein Projekt. Na wundervoll. Doch er nickte nur und trank seine Tasse Kaffee in einem Zug aus.

„Ich muss in den Unterricht."

Albus sah ihn ernst an. „Du solltest Mr. Potter dringend über deine Fortschritte informieren. Er hat mich mehrmals gefragt, aber ich bin nicht ausreichend informiert und wollte ihm deshalb keine falschen Hoffnungen machen."

„Du arbeitest mit Harry Potter zusammen, Severus?", schaltete Prof. Bingley sich interessiert ein. „Worum geht es? Ich würde ihn unwahrscheinlich gerne einmal treffen. Kannst du das einrichten?"

„Sehe ich aus wie eine Datingagentur?", zischte Severus entsetzt. „Schleimen sie sich gefälligst ohne meine Unterstützung bei Potter ein!" Damit knallte er seine Kaffeetasse fester als nötig auf den Tisch und sauste mit wehendem Umhang davon.

Empört sah Prof. Bingley ihm nach. Albus tätschelte ihm väterlich die Hand.

„Stör dich nicht dran, Charles. Er hat momentan viel Stress."


Gegen 2 Uhr nachmittags trudelte ein riesiger, eleganter Uhu bei den Potters ein, der einen versiegelten Brief bei sich trug. Das Siegel zeigte eine Schlange, die sich um ein schnörkeliges S wandt.

Harry ahnte, wem Siegel und Vogel gehörten, und öffnete den Brief hastig, während Ginny dem Vogel einige Eulenkekse zuwarf.

Mrs. Potter, Mr. Potter,

es wird Sie vermutlich freuen zu hören, dass Miss Granger erwacht ist. Ihre körperliche Verfassung ist besser als ihre geistige, sie erwachte mit nahezu völliger Amnesie. Die einzigen ihr verbliebenen Erinnerungen waren die an die Unglücksnacht und jene von vor 13 Jahren. Momentan arbeiten wir daran, ihre Erinnerungen zurück zu holen. Sie macht gute Fortschritte, ebenso in der Bewältigung ihrer Erlebnisse.

Ich muss Sie jedoch darauf hinweisen, dass Miss Granger auf gar keinen Fall in der Lage ist, einer eindringlichen Befragung ihrer Tochter Stand zu halten. Miss Parker schöpft trotz der brieflichen Antwort ihrer Mutter Verdacht, dass etwas nicht stimmt.

Aus diesem Grund bitte ich Sie, sich der Miss Parker anzunehmen und ihr eine glaubwürdige Erklärung zu geben, warum ihre Mutter momentan verhindert ist. Denken Sie sich etwas aus.

Ich denke, dass es zudem sinnig wäre, wenn Sie Miss Granger bald möglichst besuchen würden. Wie wäre es mit morgen Abend?

Des Weiteren wäre es nett, wenn Sie ein Fotoalbum von Miss Granger mitbringen würden. Da Miss Granger nicht nur ihre Vergangenheit, sondern auch die meisten Menschen vergessen hat, die sie kannte, wäre es sinnvoll, ihrer Erinnerung mit einigen Fotos auf die Sprünge zu helfen.

Am besten bringen Sie einfach alles mit, was Ihrer Meinung nach für ihren Erinnerungsprozess nützlich wäre.

Versuchen Sie, unauffällig ins Schloss zu kommen. Mr. Potter zumindest dürfte dies aufgrund seines großen Erfahrungsschatzes in diesen Dingen nicht schwer fallen.

Miss Granger ist bei mir im Kerker. Seien Sie pünktlich um 18 Uhr da, sonst ruinieren Sie meine Tagesplanung.

Damit verbleibend,

Severus Snape

P.S. Miss Parker weiß natürlich nicht, dass ihre Mutter im Schloss ist. Das soll vorerst auch so bleiben."

Mit einem glücklichen Aufschluchzen fiel Ginny ihrem Mann um den Hals. „Oh Merlin, Harry, sie lebt und sie ist bei Bewusstsein!"

Stumm drückte er sie an sich, während ihm Tränen in den Augen standen. Trotz des wenig freundlichen Tonfalls des Briefes empfand er eine tiefe Dankbarkeit für den finsteren Professor, der offensichtlich alles tat, um Hermine zurück ins Reich der Lebenden zu bringen.

„Ich nehme mir für morgen frei", murmelte er schließlich, während Ginny noch an seinem Hals schluchzte. „Wir gehen zu Hermine nach Hause und packen alles ein, was wir tragen können."

Eng aneinander geschmiegt hingen sie für einen Moment ihren Gedanken nach, bis Ginny schließlich aufsah.

„Ich muss Ron absagen. Er wollte morgen vorbei kommen."

Harry presste die Kiefer aufeinander. Ron war noch immer sein Freund, aber das Zerwürfnis mit Hermine hatte eine tiefe Kluft auch in die Freundschaft der beiden Männer getrieben. Sie sahen sich seitdem nicht mehr oft und ihre Beziehung war nicht mehr annähernd so intensiv, wie zu ihrer Schulzeit als alles noch in Ordnung gewesen war. Harry liebte Elena wie seine eigene Tochter und Rons idiotische Abneigung machte ihn wütend. Für gewöhnlich versuchten sie bei ihren seltenen Treffen das Thema „Hermine und Elena" zu vermeiden, aber morgen würde das dann wohl nicht gehen.

„Tu das", stimmte er deshalb schließlich zu. „Hermine geht eindeutig vor. Rons Seelenheil wird keinen Schaden nehmen, wenn er noch eine weitere Woche auf ein Treffen warten muss."

Ginny küsste ihren Mann zärtlich. „Ron ist ein Idiot", sagte sie leise. „Schon immer gewesen und er kann nicht raus aus seiner Haut. Hermine hat das verstanden, Harry. Ich will ihn nicht verteidigen, aber er ist mein Bruder. Und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass er Elena vielleicht eines Tages trifft und merkt, wie ungerecht und ungerechtfertigt seine Vorurteile ihr gegenüber sind."

„Deine Hoffnung in Merlins Ohr." Er zog sie noch enger zu sich. „Hermine lebt und ist auf dem Weg der Besserung. Lass uns das feiern." Neckisch knabberte er an ihrem Ohr und sie ließ sich von seiner gelösten Stimmung mitreißen, euphorisch wie schon lange nicht mehr.


Hermine hätte vor Frust aufschreien können. Heute war eine Lehrerkonferenz und statt ihr zu gestatten, einige einfache Tränke zu brauen, ließ der sadistische Zaubertrankmeister sie einen Wissenstest schreiben, der sich gewaschen hatte. Vor ihr lag ein Stapel Pergamente, ungefähr 15 Blatt. Jeder Bogen war mit fünf bis sieben Fragen beschriftet, zu denen er von ihr jeweils nicht unter einer Seite Pergament forderte. Er hatte sogar gedroht, ihr Hauspunkte abzuziehen!

Liebend gerne hätte sie die Papiere einfach zerfetzt und ihm die Fetzen ins Gesicht gepustet, doch sie wollte es vermeiden, dass er wieder gemein zu ihr war und möglicherweise die Legilimentiksitzung ausfallen ließ. Und so setzte sie sich zu Beginn des Vormittagsunterrichts an ihren Schreibtisch und begann zu schreiben. Zwischendurch brachte Winky ihr Tee und Gebäck, doch Hermine registrierte sie in ihrem Arbeitsrausch kaum.

Der Stoff, den Severus in dem Test abfragte, behandelte die letzten Sitzungen sowie die Schulbücher, die sie schon durchgearbeitet hatte. Zwischendurch hatte er immer wieder Fragen zu Themen eingestreut, die Hermine in ihrer Erinnerungsrekonstruktion noch nicht behandelt hatte und zu ihrer eigenen Frustration konnte sie mehr als die Hälfte dieser Fragen nicht beantworten. Es war, als wäre ihr Wissen tief in ihr eingekerkert – bewacht von grausamen Erinnerungen. Sie wünschte, es wäre umgekehrt – und sie schwor sich, diesen Zustand eines Tages zu erreichen. Das würde eine Menge Arbeit werden, aber vor Arbeit hatte sich eine Hermine Granger noch nie gescheut.

Frage 47 gab ihr gegen 14 Uhr eine gänzlich andere Aufgabe. Sobald sie besagte Aufgabe erreicht hatte, aktivierte sich ein Zauber und ein Denkarium schwebte zu ihr auf den Schreibtisch. Interessiert betrachtete sie es und las dann die Frage:

Frage 47: Das Denkarium enthält einige Erinnerungen, die du in dein aktuell bestehendes Erinnerungsfenster einordnen solltest. Sobald du dir die Erinnerungen angesehen hast, erwarte ich eine Abhandlung von mindestens vier Seiten Pergament über die chronologische Einordnung in dein Leben."

Wenn es nicht so traurig wäre, hätte Hermine darüber gelacht, dass er sich in ihrem Leben mittlerweile wesentlich besser auskannte als sie. Wieder einmal fragte sie sich, wie es kommen konnte, dass sie diesem Mann ohne weiteres so sehr vertraute, dass sie ihr gesamtes Leben vor ihm ausbreitete.

Den Gedanken fortscheuchend beugte sie sich mit einem Seufzen über das Denkarium.

Zu ihrer Überraschung fand sie sich nicht in ihren eigenen Erinnerungen wieder, sondern ganz augenscheinlich in seinen.

In der ersten Erinnerung begleitete sie ihn, wie er durch die Gänge eilte – gemeinsam mit Prof. McGonagall. Vor einer Tür stoppte die Erinnerung. Hermine zog ein abartiger Geruch in die Nase und sie hörte noch die Stimme eines Kindes: „Iiiiih…Trollrotz". Dann war die Erinnerung vorbei.

Sie lächelte. Das war einfach. Halloween in ihrem ersten Schuljahr.

Die nächste Erinnerung folgte auf dem Fuße. Sie brauchte sie kaum anzusehen, um zu wissen, worum es ging. Sie sah das Lehrerzimmer von Hogwarts, einige Lehrer waren anwesend und besonders einer stach besonders ins Auge: Gilderoy Lockhart. Es musste am Anfang des Schuljahres sein, denn die Stimmung war noch gelöst und entspannt.

Die dritte Erinnerung war für sie etwas schwieriger. Severus stand im Schatten in Hogsmeade, wo der Zug gerade gehalten hatte und die Schüler aus den Zügen stürmten. Gespannt spähte Hermine nach einem Zeichen für das Jahr aus und entdeckte schließlich, was sie benötigte: Vier feuerrote Mähnen und einen himmelblauen Umhang. Vier Weasleys und der himmelblaue Umhang, der nur einer Person gehören konnte. Es musste Schulanfang ihres zweiten Hogwartsjahres sein, Ginny war bereits dabei und Ron und Harry waren nicht zu sehen, weil sie mit dem Auto unterwegs waren.

Noch heute konnte Hermine über so viel Dummheit nur den Kopf schütteln.

Die vierte Erinnerung war mehr als kurz. Es war Nacht und Severus stand auf dem Astronomieturm und starrte zum Himmel, wo der Vollmond leuchtete. Dann ertönte von fern ein Heulen. Er wandte sich augenblicklich ab und eilte vom Turm.

Drittes Schuljahr. Die Nacht, in der die Situation mit den Dementoren eskaliert war.

Die nächste Erinnerung konnte Hermine nicht auf Anhieb einordnen – schnell jedoch wurde ihr klar, was das für eine Erinnerung war.

Sie stand neben Severus, der vor dem Denkarium stand und gerade noch einen Gedanken ablegte. Dann sah er auf und sprach in den leeren Raum: „Die Erinnerungen, die jetzt kommen, kannst du nicht einordnen. Sie gehören auch nicht zur Aufgabe. Sieh sie als Belohnung für deine bisherige Arbeit an."

Dann versank alles wieder im Farbstrudel und sie stand plötzlich im Kerker, wo Severus offensichtlich auf jemanden wartete. Es war ein neueres Bild, denn er sah gesünder und ausgeglichener aus, als in den Erinnerungen an ihre Schulzeit.

Plötzlich klopfte es und nach einem kurzen Laut seinerseits öffnete sich die Tür und ein kleines Mädchen kam herein.

Hermine erstarrte. Es war Elena, das erkannte sie sofort.

Sie schien sich nicht unwohl in dem Unterrichtsraum zu fühlen und Hermine erkannte, dass sie sich offensichtlich in der Erinnerung an eine der Projektstunden befand. Gespannt und gerührt beobachtete sie ihr Kind, wie es gewissenhaft seinen Kessel aufbaute, das Buch aufschlug und den knappen Anweisungen des Professors folgte. Bewundernd verfolgte Hermine die präzisen Bewegungen der Kinderhände, die Zutaten abwogen, Notizen machten und umrührten. Als sie neugierig näher kam und das Rezept betrachtete, lächelte sie unwillkürlich. Die Erinnerung, die Severus ihr hier zeigte, war jene an den Tag, an dem Elena mit dem Blutbildenden Serum angefangen hatte.

Der ältere Mann und das junge Mädchen harmonierten sehr gut, wie Hermine mit einem eifersüchtigen kleinen Stich bemerkte. Er forderte sie heraus, ließ sie jedoch nicht vor die Wand fahren, wenn sie mit ihren Fähigkeiten nicht weiter kam. Elena hatte einige Schwierigkeiten im Umgang mit dem Zauberstab und erstaunt verfolgte Hermine, wie er ihr dies nicht zum Fallstrick machte, sondern ihr stattdessen half. Offensichtlich mochte er das Kind wirklich.

Während sie den beiden beim Brauen zusah, schweiften ihre Gedanken ab zu dem Gespräch von vorgestern Abend, als er ihr von seiner Befürchtung erzählt hatte, Elena könnte seine Tochter sein. Wenn sie die beiden so sah, kam ihr der Gedanke gar nicht so abwegig vor. Es wäre für Elena und auch für sie selber einfacher gewesen, wenn es tatsächlich so wäre. Und für einen kurzen Moment packte Hermine die irrsinnige Hoffnung, dass es tatsächlich so war. Hatte sie das überhaupt überprüft? Oder war sie einfach davon ausgegangen, von ihrem Peiniger schwanger zu sein? Sie wusste es nicht mehr. Vielleicht war es in diesem Fall besser, die Wahrheit nicht zu erfahren – einmal nicht alles wissen zu wollen. Sie könnte Severus einfach Recht geben und Elena als seine Tochter ausgeben, ob wahr oder nicht. Er schien das Kind zu mögen und Elena mochte ihn auch. Die Presse hätte nur die Affäre der beiden zu zerfetzen und Elena würde von Hohn und Abscheu verschont bleiben.

In ihrer Versunkenheit bemerkte sie kaum, wie die Szenerie sich wandelte und sie sich plötzlich in der großen Halle auf der Lehrerempore befand. Es war offensichtlich Zeit fürs Frühstück und die Tische waren noch zu einem großen Teil leer. Als sie zum Gryffindortisch hinüberspähte, sah sie jedoch schon ihre Tochter mit einem hübschen kleinen, rothaarigen Mädchen zusammen sitzen. Das musste Lilian Potter sein. Die beiden lachten und waren fröhlich und gestikulierten wild, während sie sich unterhielten.

Die dritte Erinnerung an Elena jagte Hermine zunächst einen Schock ein. Der Innenhof war mit glitzerndem Eis bedeckt und Severus und sie kamen just in dem Moment hinzu, als Elena sich im Beisein eines Jungen mit strubbeligen schwarzen Haaren, vermutlich James, gerade auf einen Nimbus 2010 schwang. Hermine blieb fast das Herz stehen. Sie wusste und erinnerte sich plötzlich, dass Elena nicht fliegen konnte. Da Hermine selber fliegen und Besen insbesondere hasste, hatte Elena bei ihr keine Möglichkeit gehabt, dies zu lernen und sie hatte auch bei den Potters noch nie ohne Aufsicht auf einem Besen gesessen – schon gar nicht auf einem Rennbesen.

Sie wollte grade unsinnigerweise (schließlich befand sie sich in einer Erinnerung) vorstürzen, um ihre Tochter zu retten, als Severus sich schon mit langen Schritten aus dem Schatten löste und die erschreckt aufquiekende Elena kurzerhand an den Oberarmen von dem Besen hob. Auch James war zusammen gezuckt und starrte Snape entgeistert an, der sich, das schmächtige Mädchen noch hoch haltend, nun wütend an ihn wandte.

„Sind sie völlig übergeschnappt?", fauchte er den Jungen über Elenas Kopf hinweg an und setzte Elena überraschend sanft ab. „Sie hätten Miss Parker umbringen können! Ihre geistige Umnachtung treibt täglich neue Spitzen, Potter! Der Besen ist beschlagnahmt! Und vermerken sie in ihrem Terminkalender schon einmal Nachsitzen für den Rest der Woche!"

Er packte den Besen, der etwas unwillig zuckte, warf James noch einen vernichtenden Blick zu und ging dann mit langen Schritten zurück in Richtung Hermine, die die Szene lächelnd betrachtete.

Die Erinnerung endete und noch immer lächelnd tauchte Hermine aus dem Denkarium auf und wandte sich ihrer Abhandlung und damit wieder dem Fragenkatalog zu.


„Ich habe heute keine Zeit für Legilimens", erklärte Severus ihr einige Zeit später missgelaunt, als er von der Lehrerkonferenz zurück war. „Die Zaubertrank-AG läuft auf Befehl von Albus wieder. Du kannst dich also entweder mit Büchern beschäftigen oder selber etwas in deinen Erinnerungen aufräumen. Heute Abend kommen Potter und seine Angetraute vorbei. Du könntest ja schon mal Erinnerungen an die beiden zusammen sammeln."

Hin und her gerissen zwischen Erleichterung und Enttäuschung nickte Hermine. Einerseits war sie froh, um die gemeinsame Betrachtung ihrer Erinnerungen herum zu kommen, andererseits war sie erpicht darauf, das Ganze so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, um wieder ein einigermaßen normales Leben führen zu können.

Die Ankündigung des Besuchs ihrer Freunde erfreute sie nur bedingt. Es war ihr unangenehm, den beiden in ihrem aktuellen Zustand zu begegnen, andererseits würde es vermutlich eine willkommene Abwechslung zu dem muffeligen Zaubertrankmeister werden.

Seufzend setzte sie sich mit einer Tasse Tee und einem Buch an den Kamin, nachdem Severus zur Projektstunde davon gestürmt war. Fast war sie eifersüchtig darauf, wie viel Zeit er mit ihrer Tochter verbringen konnte, die ihr nicht vergönnt war.

Bald schon jedoch nahmen die Seiten des Buches („Übertragung von Magie auf leblose, unmagische Materie") sie gefangen und sie vergaß ihre Umwelt.

Sev, der alte Oberlehrer. Irgendwie kann er doch nicht raus aus seiner Haut. Demnächst lässt er sie vermutlich seine Vorräte katalogisieren oder Flubberwürmer ausnehmen O.o