Ein kurzes Intermezzo.

ZauBaerin: Er ist und bleibt ein Oberlehrer ^^

Larah: Ich find den Gedanken auch sympathischer ;) Mal gucken, was sich ergibt :D

NickTessFan: Hermine ist sich aber nicht sicher, ob sie es nicht doch getestet hat. Leider kann sie sich ja momentan noch nicht erinnern. Sie versucht nur, ihre eigene Handlungsweise zu rekonstruieren. Ob das aber nun richtig konstruiert ist oder nicht erfahren wir erst später ;) Und natürlich würde Sevi sich niemals als Goldstück bezeichnen lassen :D Das war rein strategisch, um Hermine bei Laune zu halten, jawohl! ;)

13. Traum(a)

Es knackte und Hermine sah auf. Sie stand nahe dem verbotenen Wald und um sie herum tobte die Schlacht um die Freiheit der magischen Welt. Gerade brach mit lautem Knacken ein Riese röhrend und tobend aus dem Unterholz, gespickt mit den Pfeilen der Zentauren. Sie wich etwas zurück, um nicht in Gefahr zu laufen, unter seine riesigen Plattfüße zu kommen. Aus den Augenwinkeln sah sie im Schein der sinkenden, blassen Märzsonne, wie Molly Weasley von einem Incarcerus-Fluch getroffen wurde und gefesselt zu Boden sank. Rasch lief sie, von dem Ignorier-Zauber geschützt, zu ihr und hob den Fluch auf. Molly konnte sie nicht sehen, war jedoch nur kurz überrascht, murmelte ein „Danke" in den leeren Raum und fuhr fort damit, Flüche um sich zu schmeißen.

Schnell brachte Hermine sich aus der Schusslinie und fuhr fort zu befreien, zu heilen und zu schützen. Einmal erhaschte sie einen kurzen Blick auf Severus, der wie ein Besessener Todesser ausschaltete und sich gleichzeitig verteidigte.

Für einen Moment gestattete sie sich den spöttischen Gedanken, dass er wie ein Löwe kämpfte – im nächsten Moment jedoch wurde sie von einem wuchtigen Fluch ins Kreuz getroffen und fiel auf die Knie.

Als jemand sie dann plötzlich irritiert ansah, erstarrte sie. Sie war sichtbar.

Schon begannen die ringsum kämpfenden Todesser, auch nach ihr Flüche zu werfen.

Sie hatte mit Severus und mit der DA geübt für den Fall, dass dies passieren würde – aber Severus hatte Recht gehabt mit seinen Bedenken: Verteidigung gegen dunkle Künste lag Hermine nicht. Ihre Kompetenz in fast allem machte genau davor Halt.

Und so schlug sie sich mehr schlecht als recht zum Rande des Waldes durch, wo es etwas ruhiger zuging, und entging mehr als einmal nur haarscharf gleißenden, meistens grünen Blitzen. Ihre Skrupel, unverzeihliche Flüche anzuwenden, erschwerten ihr die Sache zudem.

Ein schriller Schrei ließ sie zu dem Schlachtfeld herum fahren und erstarren. McGonagall war in die Knie gegangen und sackte schließlich vorne über.

Hermine wurde kalt. Heftig zitternd und angespannt hastete sie zu den Bäumen und versteckte sich schließlich hinter einer großen Eiche. Sie schalt sich einen Feigling und versuchte, ihrer Panik Herr zu werden, um sich wieder nützlich machen zu können.

Der Ignorierzauber war nun keine Option mehr – er war in seiner Machart zu komplex, als dass sie ihn in aller Eile auf sich selber sprechen könnte und Severus war nicht in Sicht.

Glücklicherweise war sie auch einigermaßen auf diesen Fall vorbereitet. Sie wies mit ihrem Zauberstab auf ihr kleines Umhängetäschchen und rief sich mit einem Accio eine Phiole Cruciatustrank daraus herbei.

Sie hatten im Selbstversuch herausgefunden, dass der Trank auch präventiv half, die Wucht des Fluches abzumildern und dem Trinker die reale Intensität der Schmerzen zu ersparen. Jeder der Kämpfenden auf ihrer Seite besaß mehrere Phiolen dieses Trankes.

Mit einem Zug leerte sie die Phiole und steckte sie, nachdem sie sie wieder verkleinert hatte, wieder ein. Dann fasste sie ihren Zauberstab fester und trat hinter dem Baum hervor.

Dann erstarrte sie. Vor ihr stand ein Mann. Groß, kräftig, schwarzhaarig, in einer schwarzen Robe. Ein Todesser. Rabastan Lestrange. Sie kannte ihn aus einigen Erinnerungen. Auf seinem Gesicht, von dem die Maske im Gefecht schon verloren gegangen war, entstand ein unangenehmes Lächeln und mit erhobenem Zauberstab kam er näher auf sie zu.

„Wen haben wir denn da?" Seine Stimme war tief und klang wie das Knurren eines wütenden Tigers.

Hermine wich zurück und reagierte dann. „Impedimenta!"

Er blockte den Fluch lässig ab. „Ist das alles, was du kannst, Mädchen?" Geschickt schoss er ihr einen Todesfluch direkt vor die Füße und lachte, als sie erschreckt zurück sprang – weiter in den Wald hinein, in den sich die letzten Sonnenstrahlen des Tages nur gedämpft verirrten.

Mit wachsender Panik schoss sie erneut den ersten besten Fluch, der ihr einfiel, auf ihn ab… und sah verzweifelt, wie er in Gelächter ausbrach, über ihren plumpen Versuch, sich mit einem Wabbelbeinfluch gegen einen Todesser zu verteidigen. Dann sprach sie kurzentschlossen einen Protego und rannte los – in den Wald hinein, in der Hoffnung, die Zentauren würden ihr helfen.

Lestrange lachte wieder und folgte ihr dann.

Hermine war keine Sportlerin. Sie war ein Bücherwurm, jemand, der geistige Arbeit liebte – und obwohl sie mit ihrer Figur keinerlei Probleme hatte, war nun mal ihre Kondition nicht die beste. Normalerweise hasste sie rennen… doch nun rannte sie um ihr Leben.

Der Todesser hinter ihr jedoch war viel größer als sie, wesentlich kräftiger und hatte offensichtlich mit dem Laufen weniger Probleme als sie.

Rasch holte er sie ein, während sie trotz der Aufwendung all ihrer Energie langsamer wurde und trotz heftigen Atmens gefühlt immer weniger Sauerstoff in ihre Lungen bekam.

Als er sie packte und zu Boden riss, schrie sie, wie sie noch nie in ihrem Leben geschrien hatte. Dann wurde ihr vom Sauerstoffmangel schwarz vor Augen.


Eine gewaltige Ohrfeige ließ sie mit einem wilden Schrei aufwachen.

Severus stand mit besorgtem Gesicht über sie gebeugt und musterte ihre vor Panik weit aufgerissenen Augen, als sie keuchend wieder in der Wirklichkeit ankam. Das Buch, über dem sie eingeschlafen war, lag noch dort auf dem Boden, wo es hingefallen war.

„Hermine. Ich bin es. Severus. Du hast nur geträumt."

Sie versuchte sich aufzusetzen, in dem Versuch, das Gefühl der Atemlosigkeit zu besiegen und merkte dabei, dass ihre Gliedmaßen zu sehr zitterten, um ihr zu gehorchen.

Severus jedoch registrierte den Versuch, packte sie kurzerhand unter den Armen und zog sie so mit einem kraftvollen Ruck in eine sitzende Position.

Kaum, dass sie saß, wandt sie sich aus seinem Griff. „Fass mich nicht an", flüsterte sie hilflos und verschränkte die Arme in einer Art schützender Selbstumarmung um ihren Oberkörper. Er sollte sie nicht berühren. Niemand sollte sie berühren! Nie wieder.

Er sah sie nun noch besorgter an. „Was hast du geträumt?"

Ihre aufgerissenen Augen, aus denen die Panik zu seiner Besorgnis nicht weichen wollte, starrten ihn an.

„Vom Krieg", flüsterte sie schließlich. „Von der letzten Schlacht. Ich habe gesehen, wie McGonagall gefallen ist. Und dann war er da und hat mich gejagt. Ich konnte mich nicht wehren… ich habe versagt, Severus. Ich war nicht in der Lage, mich gegen ihn zu verteidigen…"

Fast wünschte er sich, dass sie weinen würde, damit er sie trösten konnte – denn selbst mit so einer Situation konnte er besser umgehen, als mit dem kalten Grauen, mit dem sie ihn ansah. Aber sie weinte nicht. Ihre aufgerissenen Augen waren trocken und schienen noch immer nicht wieder ganz in der wirklichen Welt zu sein.

Mit einem nonverbalen Zauber rief er eine Phiole mit dem Trank zur Beruhigung des Geistes herbei und hielt sie Hermine hin.

„Du solltest das trinken. Die Potters werden gleich hier sein." Seine Stimme klang ungewohnt sanft, drang jedoch nicht weiter zu ihr vor und ihre Arme schienen sich nicht aus ihrer Umklammerung lösen zu wollen.

Und so hielt er ihr den Trank selber an die Lippen und zu seiner Überraschung ließ sie zumindest zu, dass er ihr den Trank einflößte.

Er konnte zusehen, wie der Trank zu wirken begann und ihre Verspannung sich löste. Die eisige Angst wich langsam einer etwas trägen Ruhe. Sanft strich er ihr eine glatte Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Geht es dir jetzt besser?"

Sie nickte und atmete tief durch. „Wann geht das vorbei, Severus?" Ihre Stimme klang ruhig, aber Severus hörte trotzdem die bleierne Traurigkeit heraus, die in ihr mitklang. „Wann kann ich wieder schlafen, ohne schreckliche Bilder dabei zu sehen und ohne vorher irgendwelche Tränke einnehmen zu müssen?"

Mit ernstem Gesicht ging er vor ihr in die Hocke. „Du musst dir ein wenig Zeit lassen, Hermine. Vor nicht mal 10 Tagen standst du noch am Rande des Wahnsinns. Kein Organismus ist stark genug, um so lange Qualen einfach so wegzustecken."

„Aber du… du warst stark genug."

Fast hätte er gelacht. „Das ist Unsinn. Es war nicht Voldemorts Wille, mich in den Wahnsinn zu foltern. Was ich bekommen hab, waren kleine, wohlausgesuchte Portionen Grausamkeit, um mir ins Gedächtnis zu rufen, wem ich die Treue zu halten hatte. Meistens waren sie schmerzhaft – mitunter auch sehr verstörend, aber niemals war ich derselben geballten Menge an Folter ausgesetzt wie du. Das kann niemand einfach so wegstecken. Dass es dir das erste Mal gelungen ist, erstaunt mich schon hinreichend."

„Ich lag fast zwei Monate lang im Koma."

„Trotzdem. Du hast keine schweren, psychischen Schäden davon getragen, wie es zu erwarten gewesen wäre."

Sie sah ihn ein wenig nachdenklich an. Dann nickte sie. „Das muss am Cruciatustrank gelegen haben."

In Severus' Gesicht leuchtete Verstehen auf. „Du hast ihn vorher genommen?"

Hermine dachte an ihren Traum zurück und nickte. „Gleich nachdem der Ignorier-Zauber aufgelöst worden war."

Severus nickte. Dann hatte er ihr offensichtlich doch schon damals indirekt das Leben gerettet, als er den Trank entwickelt hatte. Wenigstens etwas.

„Diese Szene aus deinem Traum", begann er dann zögernd, „war das eine neue Erinnerung?"

Die junge Frau nickte. „Bisher habe ich immer nur davon geträumt, was im Anschluss passiert ist An die Schlacht an sich hatte ich bis gerade eben noch keine Erinnerungen."

„Ich weiß, es wird dir nicht so erscheinen… aber das ist gut. Deine Erinnerungen kommen von alleine zurück. Das bedeutet, dass du auf einem guten Weg bist."

„Wundervoll." Ihre Stimme troff nur so von finsterem Zynismus, der eigentlich sein Gebiet war. „Dann kann ich ja gespannt sein, was mein Unterbewusstsein noch so an Horrorerinnerungen für mich parat hat."

„Zynismus steht dir nicht, Hermine." Kurz sah er sie streng an, während in seinem Inneren jedoch die Sorge wütete. Er hoffte sehr, dass ihre aktuelle Depression durch den Traum bedingt war und ihr Optimismus rasch wieder zum Vorschein kommen würde, denn er wusste aus eigener Erfahrung, dass die persönliche Einstellung sehr zu einer Genesung beitragen konnte… oder sie verhindern konnte. „Irgendwann sind alle schlechten Erinnerungen aufgearbeitet und es bleiben nur noch die guten übrig."

„Ich bin gespannt." Müde sah sie an ihm vorbei ins Feuer und für einen Moment war er versucht, sie einfach rauszuschmeißen, nur um nicht mehr den optimistischen Krankenpfleger spielen zu müssen. Er war nicht für diese Rolle gemacht.

Gerade rechtzeitig klopfte es kräftig an der Tür und er atmete innerlich auf. Es war einer der seltenen Momente, in denen er Potter für sein Timing dankbar war.