So… in diesem Chap wird etwas genauer auf die Geschehnisse während der Schulzeit des goldenen Trios eingegangen ^^ Allerdings eine alternative Storyline, wie im ersten Chap schon erwähnt ;)

ZauBaerin: Na dann auch dir nochmal Glückwünsche nachträglich :D

Larah:Jap, das ist richtig.Er hat denVerhütungs"-Spruch angewendet, weil er von dem, was Ginny erzählte, ja nix wissen konnte. Und eine Diagnose hat er ja nicht gemacht ;) Den einzigen Spruch, den erdiagnosetechnisch" gemacht hat, ist, als Hermineaufgewacht" ist und laut Poppy Schmerzen zu haben schien. Da hat er sie auf Schmerzen untersuchthat aber keine gefunden. Von daher konnte er's tatsächlich nicht erkennen ;)

NickTessFan: Auch hier: Severus wusste ja von ihren kleinen Selbstmanipulationen nichts. Er hat bloß mitgedacht ;) Und zu den schuldig-nicht schuldig-Gedanken erfahren wir später noch eine Menge ^^

Bis dahin dann mal viel Spaß mit einem weiteren arbeitsreichen Chap für unsere beiden Helden

15.Zuhause

Harry und Ginny hatten sich erst mitten in der Nacht verabschiedet und Severus war ziemlich genau nach ihrer Abreise wieder in seiner Wohnung aufgetaucht, als hätte er nur darauf gewartet, dass die beiden verschwanden. Er sprach nicht mehr mit Hermine, sondern reichte ihr nur eine Phiole mit dem Luzidus-Trank und verschwand dann in sein Schlafzimmer.

Seufzend begab sie sich ebenfalls in ihr Zimmer, das wie gewohnt leuchtend hell wurde, kaum dass sie die Tür öffnete. Rasch machte sie sich bettfertig und ließ sich dann von dem Trank eine arbeitsreiche, jedoch gut verkraftbare Nacht bescheren.

Severus versorgte sie für den Vormittag mit den Lehrbüchern für Arithmantik und dem Buch „Eine Geschichte Hogwarts'", womit sie erst einmal reichlich zu tun hatte. Zu ihrer großen Freude half ihr die Lektüre des letzteren Buches ausgezeichnet bei der Erinnerungsrekonstruktion an Hogwarts, da hier viel von dem Wesen des Schlosses geschrieben stand. Es versetzte sie in nahezu euphorische Stimmung, dass die Sätze in ihr Erinnerungen wach werden ließen – Erinnerungen, die Severus während ihrer Rekonstruktion der ersten drei Jahre offensichtlich übersehen hatte – oder die ihrem Unterbewusstsein aufgrund der Banalität abhandengekommen waren.

Sie erinnerte sich an eine Treppe, die grundsätzlich absackte, sobald man auf ihr stand, an bestimmte Bilder und die Namen der dort Gemalten, an unwichtige, jedoch vorhandene Geister und an das Bild, wenn man vom Gryffindorturm aus auf die schneebedeckten Ländereien Hogwarts' hinunter sah.

In dieser Stimmung traf Severus sie nach dem Vormittagsunterricht an. Das Erste, was ihm zu seinem Erstaunen auffiel, war die eifrige Anspannung, mit der sie über dem großen, schweren Buch brütete. Ihm fiel auf, dass ihre Wangen vor Eifer hochrot waren und sich aus dem unordentlichen Dutt, mit dem sie ihre Haare aus dem Gesicht halten wollte, bereits viele Strähnen lösten – was sie jedoch nicht zu bemerken schien. Wie am Abend zuvor, als er sie lachen gesehen hatte, erkannte er DIE Hermine Granger in ihr, die er gekannt hatte.

„Hermine?"

Sie erschreckte sich zu seiner Überraschung nicht einmal, obwohl er den Raum leise betreten hatte.

Als sie aufsah und sich ein strahlendes Lächeln über ihrem Gesicht ausbreitete, wurde ihm etwas flau im Magen.

„Ich kann mich erinnern, Sev! An Einzelheiten, an die ich mich vorher nicht erinnern konnte. Dinge, die das Schloss betreffen. Bei jeder Seite habe ich das Gefühl, Hogwarts neu zu entdecken!"

Er nickte beifällig und vergaß sogar, sich über den Spitznamen zu ärgern. „Das klingt nach einer überraschend guten Entwicklung. Möglicherweise bist du schneller hier raus, als wir dachten."

Damit bremste er ihre Euphorie etwas. „Hier raus"… das klang, als wäre sie in einer Irrenanstalt. Doch sie sagte nichts dazu und lächelte nur unverbindlich weiter.

„Wie war dein Tag?"

Nun konnte er seine Verblüffung nicht mehr verstecken. „Wie bitte?"

Das entrang ihr ein Lachen.

„Wie dein Tag war. War er schlimmer als normale Tage oder möglicherweise sogar ganz erträglich? Hast du Gryffindor 100 Punkte abgezogen oder war es ein schlechter Tag und du liegst mit unter 50 im Rennen?"

Sie scherzte. Mit ihm.

Für einen Moment war er sicher, dass sie komplett wahnsinnig geworden war.

„Ich muss doch annehmen, dass ihr Gehirn nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen wurde, Miss Granger", hörte er sich seidig sagen. „Sonst wüssten sie, dass meine Tage grundsätzlich schlimm, nervig und anstrengend verlaufen. Aber zu ihrer Information: Sargnageljames hat heute mal wieder 20 Punkte in den Sand gesetzt, was mir zu äußerster Befriedigung gereichte. Mr. Longbottoms würdige Nachfolger waren mit jeweils 10, 5 und noch einmal 5 Punkten dabei und auf dem Gang zur großen Halle kam ich nicht umhin, zwei pubertierenden Siebtklässlerinnen aus Hufflepuff jeweils 5 Punkte wegen zu kurzer Röcke abzuziehen. Damit komme ich auf immerhin 50 Punkte. Ich schätze, das ist für die doch recht frühe Uhrzeit eine gute Bilanz."

Sie lachte zu seinem unendlichen Erstaunen wieder.

„Wusstest du eigentlich, dass äh… ich glaube, es war Fred mittlerweile vier Söhne hat? Der älteste wird dieses Jahr 11, du darfst dich schon auf seinen Hogwartsstart freuen. Harry und Ginny sagen, er mache seinem Vater alle Ehre."

„Merlin bewahre." Er verzog das Gesicht und sah sich dann um. „Hast du schon etwas zu Mittag gegessen?"

„Nein. Ich war beschäftigt."

„Natürlich." Seine Miene wandelte sich zu einem spöttischen Lächeln. „Das alte Granger-Leiden."

„Nicht alles hat sich verändert."

Doch, sagte das Stimmchen in seinem Kopf, als er sich mit fast körperlicher Anstrengung von ihrem Lächeln abwandte, alleshatsichverändert.Wirklichalles.

Grober als gewollt bellte er: „Dobby!"

Mit einem Plopp erschien der Hauself. „Professor! Was kann Dobby dem Professor und Miss Granger bringen?"

„Mittagessen für zwei. Und mach schnell, wir haben viel zu tun."

Er hatte kaum ausgesprochen, als auch schon mit Dobbys obligatorischem Knall ein reichhaltiges Mittagessen auf dem Couchtisch auftauchte.

„Iss ordentlich", wies er Hermine knapp an. „Gleich machen wir mit Legilimentik weiter."

Nun schon etwas weniger gut gelaunt nickte Hermine und sie aßen schweigend.

Als der Tisch wieder frei war, rückte Severus seinen Sessel so zurecht, dass er direkt vor der Couch stand und drang dann nach einem kurzen Nicken Hermines in ihre Gedanken ein.

Zu seiner großen Erleichterung sah es in diesen wieder normal aus. Nur dem geübten Legilimentiker fiel auf, dass Hermine nun zwar über reichlich Erinnerungen verfügte, diese jedoch noch nicht wieder so vielseitig waren, wie die eines normalen Menschen. Es fehlten noch ca. 16 Jahre Erinnerungszeit und das konnte man mit etwas Übung auch sofort sehen.

Mit einem stummen Seufzer dachte er sich vor zu ihrer Mauer, durch die sie ihn – mittlerweile geübt – hindurch ließ. Dort begann er, ihre Erinnerungen an die verbleibenden Hogwartsjahre zusammen zu klauben.

Er erlebte die Quidditchweltmeisterschaft erneut und versuchte, nicht an das damals neuerwachte Grauen zu denken, sah Hermines Geturtel mit Viktor Krum im vierten Jahr, belächelte ihre Elfenbefreiungsversuche und die Gründung von S.P.E.W., spürte die Unruhe, die Hermine bei jeder von Harrys Aufgaben verspürt hatte, wie ein Echo nachhallen, war dabei, als Hermine sich zum ersten Mal in ihrem Leben intensiv aufputzte (und erlebte, wie zufrieden sie mit dem Ergebnis gewesen war) und so weiter und so fort. Das vierte Hogwartsjahr war bisher das Jahr, an das Hermine sich noch am klarsten erinnerte und obwohl das Jahr unter einem eher düsteren Stern stand, musste er fast lachen, als er die Erinnerungen an Rita Kimmkorn fand.

Das fünfte Jahr war gezeichnet von Erinnerungen an Dolores Umbridge und Dumbledores Armee. Es bereitete ihm noch jetzt fast Schmerzen, die krötenähnliche Frau bei ihren Machtspielchen zu beobachten. Im Prinzip war sie keinen Deut besser gewesen als Voldemort und es bereitete ihm ausgesprochenes Vergnügen, Hermine und Potter dabei zu beobachten, wie sie den Drachen in den Wald lockten, wo Umbridge von den Zentauren erwischt wurde. Er bewunderte Hermines Genie bei der Entwicklung eines Meldesystems für die DA und erlebte mit geheimer Genugtuung, wie Sirius Black starb. Trotz all der Schwierigkeiten während des Jahres erhielt Hermine schließlich natürlich ein Zeugnis mit durchweg perfekten Noten.

Das sechste Jahr wurde dominiert von den Erinnerungen an Krisenbesprechungen, Nachrichten über neue Angriffe und Überfälle der Todesser und dem zunehmenden Druck, unter dem Harry, Hermines bester Freund, stand. Die zahlreichen Erinnerungen an ihre Turteleien und schließlich sogar Knutschereien und Fummlereien mit Weasley hakte Severus mehr als flüchtig und schnell ab. Er erlebte, wie Hermine ihn immer wieder vor ihren Freunden und besonders Potter in Schutz nahm und sah schließlich gemeinsam mit ihr noch einmal den Angriff der Todesser auf Hogwarts, bei dem er sich auf die Seite der weißen Magier schlug und damit enttarnt wurde. Er sah noch einmal durch Hermines Augen, wie Menschen verletzt und Hogwarts zum Teil zerstört wurde. Er erlebte erneut, wie Dumbledore Harry schützte und seine Kräfte als mächtigster lebender Weißmagier entfesselte. Und er erlebte schließlich durch Hermines Erinnerungen erneut, wie die Todesser sich zurück zogen und doch in den folgenden Wochen mehr Präsenz denn je zeigten. Fleur Delacour und Bill Weasley heirateten im folgenden Sommer und er übersprang hastig die Erinnerungen an traute Stunden zwischen Hermine und Ron, in denen sie nicht nur verbal ihre Zukunft planten.

Das siebte Jahr stand unter dem Zeichen des Krieges. Voldemort wurde laufend stärker, infiltrierte das Ministerium und das dunkle Mal hing häufiger am Himmel als die Sonne. Die Mitglieder der DA waren nun ständige Mitglieder des Ordens des Phönix und damit deckten sich viele der Erinnerungen Hermines mit seinen eigenen. Dumbledore versuchte mit aller Macht, die Normalität zu erhalten und so waren es auch die üblichen Dinge, die Hermine beschäftigten: Lernen, Schule, Hausaufgaben. Zu seinem Leidwesen auch ihre Beziehung mit Ron, die sie hegte und pflegte. Es gab dauernd kleinere Scharmützel mit den Todessern, doch Voldemort selbst hielt sich bedeckt und sammelte weiter seine Kräfte, ohne den großen Schlag zu starten. Beeindruckt sah Severus, wie Hermine ihre eigenen Kriegsvorbereitungen getroffen hatte – sie wälzte stundenlang Bücher über Psychologie, Heilkunst und Muggelmedizin, tüftelte an Tränken herum und trainierte mit den anderen DA-Mitgliedern. Zudem bewarb sie sich im St. Mungos Hospital für eine Ausbildung zur Heilerin. Gegen Neujahr wurde Slughorn auf sie aufmerksam und nahm sie in seinen Club auf. Etwa zur gleichen Zeit beichtete eine in Tränen aufgelöste, gerade 16 jährige Ginevra Weasley Hermine, dass sie unerwartet schwanger geworden war. Das war das erste und einzige Mal, dass Harry Potter von Molly Weasley einen Heuler erhielt. Severus kannte die Szene in der großen Halle noch aus seiner eigenen Erinnerung und auch die Presse hatte damals nicht lange auf sich warten lassen.

Nachdem Hermine Vertrauen zu Slughorn gefasst hatte, erzählte sie ihm von ihrem Tranküberlegungen und er versprach ihr, diese zu überprüfen. Mit dieser Erinnerung vom Ende des Schuljahres beendete Severus die Sitzung.

Als er taumelnd vor Erschöpfung aus Hermines Gedankenwelt auftauchte und in ihr grünes Gesicht sah, war sein erster Reflex das Herbeirufen eines Eimers. Keine Sekunde zu früh, denn kaum hatte er den Eimer in Hermines Hände gedrückt, beugte sie sich darüber und erbrach sich heftig.

Sanft hielt er ihr die Haare aus dem Gesicht, während sie keuchend würgte, bis sich ihr Magen wieder einigermaßen beruhigt hatte.

Er beschwor rasch ein Glas Wasser und hielt es ihr hin. Dankbar spülte sie sich mit der Hälfte den Mund aus und stürzte die andere Hälfte herunter.

Angewidert ließ er den Eimer samt Inhalt verschwinden und sah sie an, während sie sich erschöpft zurück lehnte.

„Geht's wieder?"

„Ja…" Sie sah noch etwas grün um die Nase aus und war ansonsten totenblass, bis auf die tiefschwarzen Ringe unter ihren Augen, aber sie schien nicht erneut herumkotzen zu wollen.

„Offensichtlich war es keine gute Idee, dich vor der Sitzung zum Essen zu animieren."

Stumm schüttelte sie den Kopf.

Er rief zwei Phiolen mit Stärkungstrank herbei und gab ihr die eine, die andere trank er selber.

Als sie beide wieder etwas hergestellt waren, sahen sie sich an.

„Das dürfte aufschlussreich für dich gewesen sein", stellte er knapp fest und sie nickte.

„Ich sehe jetzt vieles klarer. Aber… wenn die Lage schon so zugespitzt war… wann war der Endkampf genau?"

„Ungefähr anderthalb Jahre nach deinem Abschluss, am 13.03.2000." Severus brauchte nicht nachzudenken, um auf das Datum zu kommen. Es war in seinen Kopf eingebrannt.

Hermine nickte erneut, diesmal nachdenklich. In ihrem Kopf wirbelten noch immer die vielen neuen alten Erinnerungen umher.

„Wieso hat Voldemort erst 2000 angegriffen?"

„Genau wissen wir das nicht. Nachdem ich als Spion ausgeschieden bin, hatten wir nur noch Spione in den äußeren Reihen, sodass wir nur erfahren haben, wann genau der Angriff stattfinden würde. Es wurde vermutet, dass Voldemort das Datum aufgrund des Jahres an sich ausgewählt hat: Das Millenniumsjahr war ja quasi prädestiniert dafür, der Beginn einer neuen Weltordnung und damit einer neuen Zeitrechnung zu werden." Severus verzog angewidert das Gesicht, während Hermine den Kopf wog.

„Und warum ausgerechnet der 13.03.?"

„Das liegt auf der Hand. Am 13.03.1942 legte Tom Vorlost Riddle seinen Geburtsnamen für immer ab und wurde Lord Voldemort – zunächst insgeheim und nach seiner Schulzeit dann ganz offen. Am selben Tag ermordete er seinen Vater und seine Großeltern. Nur der innerste Kreis wusste um die Bedeutung dieses Datums."

Severus schüttelte leicht den Kopf, wie, um die Erinnerungen abzuschütteln. Dann warf er einen Blick auf seine altmodische Taschenuhr und stöhnte entnervt auf.

„Bei Merlins Sackhaaren. Es ist fast 6 Uhr abends. Ein Wunder, dass Dumbledore noch nicht vor der Tür stand, um mich persönlich zur Projektstunde zu zerren."

„Vielleicht stand er da und ist wieder gegangen, als keiner geöffnet hat." Hermine grinste. Das euphorisch beschwingte Gefühl war zurückgekehrt, nachdem ihre Übelkeit verschwunden war und ihr Kopf sich nicht mehr wie ein Kreisel drehte. Ihr Kopf war so voller Gedanken, dass ihr trotzdem fast schwindelig wurde und sie kam nicht umhin das Gefühl köstlich zu finden. Es war, als wäre sie wieder fast vollständig. Natürlich stand ihr der schwerste Part noch bevor – doch die dröhnende Fülle von Gedanken in ihrem Kopf hinderte ihre schlimmen Erinnerungen davor, zu deutlich in den Vordergrund zu treten.

Severus knurrte nur etwas Unverständliches und rief dann nach Dobby, der augenblicklich erschien und sofort zu jammern begann, als er Hermine sah.

„Miss Granger sieht erschöpft aus. Professor Snape lässt sie zu hart arbeiten! Sie muss sich entspannen! Dobby wird sich darum kümmern müssen." Er schickte Snape einen strengen Blick und nur dessen Gesichtsausdruck hielt Hermine davon ab, breit zu grinsen. Ein Hauself, der streng guckte, war irgendwie… kurios.

„Zweimal Abendessen", peitschte der aufgebrachte Zaubertrankmeister dem Hauselfen nun entgegen und der reckte würdevoll die Nase in die Luft.

„Dobby muss sich diesen Ton von Professor Snape nicht gefallen lassen. Dobby ist ein freier Elf!"

„Das ist doch…!"

„Severus? Bitte." Hermine lächelte den wütenden Professor beschwichtigend an und bevor er sich noch fassen konnte, wandte sie sich liebenswürdig an Dobby. „Er ist ein bisschen gestresst. Bitte, Dobby."

Sofort wurde der Blick des glubschäugigen, kleinen Elfen milder. „Für Miss Granger tut Dobby alles!" Und mit einem, wie Severus sich wutentbrannt sicher war, übertrieben lauten Knall verschwand der Hauself.

„Verdammtes Ungeheuer", fauchte er vor sich hin und milde tadelnd sah Hermine ihn an.

„Du hättest ruhig netter sein können. Er macht sich nur Sorgen."

„Deine Erziehungsarbeit kannst du deiner Tochter angedeihen lassen", zischte er sie wütend an. „In meiner Wohnung benehme ich mich, wie ich will!"

Sie konnte sich ein spöttisches Heben der Augenbraue nicht verkneifen, als sie seinen Trotzkopf mit dem ihrer Tochter verglich. Vielleicht waren die beiden doch verwandt. Fehlte nur noch, dass er mit dem Fuß aufstampfte.

Es knallte rechtzeitig wieder, bevor sie etwas erwidern konnte, und Dobby erschien mit einem wahren Festmahl bei ihnen. Nachdem Hermine ihm herzlich gedankt hatte, apparierte er wieder und sie aßen schweigend.

Das Geschirr verschwand von selber, als sie fertig waren und Severus lehnte sich in seinem Sessel zurück.

Mit einem Wink seines Zauberstabes rief er die Tüte herbei, die Ginny am Vorabend mitgebracht hatte. Prüfend warf er einen Blick hinein und wies dann mit seinem Zauberstab auf die Tüte. „Exhibere omnis."

Brav nacheinander schwebten die verkleinerten Gegenstände aus der Tüte und legten sich auf sein Geheiß vor ihnen auf den Teppich.

„Augere omnis!"

Vor ihren Augen wuchsen die Gegenstände auf die ursprüngliche Größe. Es waren verschiedene Bücher dabei, Fotoalben, Bilderbücher, Spielsachen, Notizhefte, ein Baseball und verschiedene Ansichtskarten. Eine Spieluhr fand sich, eine Sanduhr, ein Orden des Merlins erster Klasse, verschiedene Parfumflakons und eine Jogginghose. In einer Schatulle, die Hermine neugierig öffnete, fand sie einige filigrane Schmuckstücke, in einem Döschen, das Severus neugierig öffnete, fand er zu seinem Entsetzen ein paar kleine Zähne.

„Zähne?" Angewidert hielt er Hermine die Dose hin und sie brach in Gelächter aus, als sie seinen Gesichtsausdruck sah.

„Das sind die Milchzähne, die Elena zuerst ausgefallen sind. Bei Muggelkindern ist es Brauch, diese unter das Kopfkissen zu legen und in der Nacht kommt dann die Zahnfee, nimmt den Zahn mit und bringt stattdessen ein kleines Geschenk. Ich hab sie als Andenken für Elena aufgehoben."

„Widerlicher Brauch", murmelte er, bemerkte jedoch erfreut, dass Hermine offensichtlich keine Schwierigkeiten hatte, sich augenblicklich an die Geschichte zu der Dose zu erinnern. Offensichtlich ging sein Plan auf.

Hermine stellte die Dose mit den Milchzähnchen beiseite und nahm eine silbrig glänzende Kette aus der Schmuckschatulle. Ein funkelnder Anhänger in Herzform mit mehreren kleinen Diamanten hing daran.

„Die ist von meiner Granny. Sie war ihr Hochzeitsgeschenk damals und gab sie irgendwann meiner Mom, kurz bevor sie geheiratet hat. Als meine Eltern gestorben sind, ging sie in meinen Besitz über. Aber ich glaube, ich habe sie noch nie getragen."

Er horchte auf. „Deine Eltern sind tot?"

„Ja. Ich erinnere mich daran. Es war kurz nach meinem Abschluss, glaub ich. Eine im Angesicht des Krieges fast banale Sache. Sie sind Skifahren gegangen und haben in einer Berghütte übernachtet. Es war allerdings noch früh in der Saison und der Besitzer der Hütte hatte vergessen, den Ofen zu warten. Er war defekt und man fand sie später. Der Rauch hatte sie einfach im Schlaf überrascht… Kohlenmonoxid, weißt du? Ich hatte immer Angst davor, dass die Todesser sie mal in die Finger kriegen könnten. Mein Trost bei der ganzen Sache war, dass sie nichts gespürt haben, sondern einfach nicht mehr aufgewacht sind."

Severus war einigermaßen erschüttert, das zu hören. Er hatte das nicht gewusst. Während ihrer Zusammenarbeit kurz vor dem Krieg war ihm nicht aufgefallen, dass Hermine irgendwie anders war als sonst. Offensichtlich hatte sie mit dem ihr angeborenen Selbstschutzmechanismus den Unfall gut verkraftet.

Hermine lächelte ihn etwas traurig an. „Ich war ein spätes Kind, Severus. Meine beiden Eltern waren schon über 40, als ich auf die Welt kam. Sie hatten ein gutes Leben, denke ich. Und sie sind zusammen gestorben auf ungrausame Weise. Ich habe ein wenig gebraucht, um es zu akzeptieren…aber so läuft es nun einmal. Unfälle passieren. Und meine Eltern waren immer überzeugt davon, dass es ein Leben nach dem Tod geben wird. Deshalb glaube ich, dass es ihnen jetzt gut geht. Und dass sie bei mir sind."

Nach außen unberührt, innerlich jedoch sehr aufgewühlt, sah Severus sie an. Seine Augen schienen schwärzer als sonst zu sein. „Du bist ein außergewöhnlicher Mensch, Hermine Granger." Überraschenderweise fiel es ihm leicht, diese Worte auszusprechen. Sie war außergewöhnlich.


Bis zum späten Abend beschäftigten sie sich nun mit den Gegenständen und Hermine erzählte ihm ohne weiter darüber nachzudenken zu jedem Gegenstand die Geschichte, sah mit ihm Fotoalben an, erklärte Schnappschüsse und merkte kaum, wie mühelos sie sich erinnerte. Den Orden, den sie posthum erhalten hatte, würdigte sie kaum eines Blickes und umso mehr drängte es Severus, die Geschichte dazu zu erfahren.

Und schließlich überwand er sich und wog das schwere, goldfarbene Metall in der Hand. „Was ist mit ihm? Ich habe damals nur mitbekommen, dass eine Reihe von Magiern und Hexen posthum geehrt wurden."

Sie schenkte dem Orden einen ungnädigen Blick. „Ja, das Ministerium war sehr eifrig dabei, Orden posthum zu verteilen. Selbst, wenn es keine Leichen gab. Es hat niemanden interessiert, Severus. Ich war nicht tot. Aber keine offizielle Stelle hat nach mir gesucht, als ich verschwunden war. Sie haben mich schlicht und einfach für tot erklärt, während ich in einem Muggelkrankenhaus im Koma lag. Man hätte mich schon früher gefunden, wenn Harry und Ron etwas Unterstützung bekommen hätten."

Der Tränkemeister nickte. Hermine hatte Recht. Die damalige Regierung hatte sich die Sache einfach gemacht. So wie vieles anderes auch.

Kurzentschlossen wechselte er das Thema. „Morgen werden wir den ersten Schwank deiner… unangenehmeren Erinnerungen erreichen. Ich bin zuversichtlich, dass du das gut verkraftest. Wenn das der Fall ist, werde ich dir morgen Abend deinen Zauberstab zurückgeben. Ich glaube nicht, dass du für dich oder irgendwen sonst damit eine Gefahr wärst."

Ein Lächeln huschte über Hermines Gesicht, auch wenn ihr schon wieder schlecht wurde bei dem Gedanken an morgen. „Dein Vertrauen ehrt mich."

Er nickte ernst. „Enttäusche es nicht."

„Ich gebe mir Mühe."

„Je schneller du den Anblick von du-weißt-schon-wem erträgst, desto schneller können wir ihn für immer hinter Gitter bringen. Momentan sitzen er und seine Kumpels in Azkaban ein – bis zur Verhandlung."

Nun doch erschrocken sah Hermine ihn an. Die Verhandlung hatte sie völlig verdrängt. „Muss ich dahin?"

„Hermine, also bitte. Natürlich musst du dahin. Du bist Hauptanklägerin in dem Prozess. Nur deinetwegen wurden die drei überhaupt gefasst."

„Das reicht doch." Ihr versuchtes Lächeln fiel kläglich aus. „Kann ich nicht einfach zuhause bleiben?"

„Und den Kopf in den Sand stecken? Ich hoffe schwer, dass du die Frage nicht ernst meinst."

„Nein… natürlich nicht…" Natürlich war Hermine sich darüber im Klaren, dass sie zu der Verhandlung musste. Aber sie freute sich wirklich nicht darauf. Abgesehen davon war sie sich sicher, den Anblick von IHM nicht zu überstehen. Vermutlich würde sie bei seinem Anblick einfach wieder wahnsinnig werden.

Die Bilder drängten sich ihr wieder auf, während sie ins Feuer starrte und sie gab ein würgendes Geräusch von sich. Während vor ihrem inneren Auge die Erinnerungen flackerten, merkte sie nicht, wie Severus sie besorgt beobachtete.

Als er nach einigen Sekunden stummer Beobachtung bemerkte, wie Hermine sich augenscheinlich in ihren Erinnerungen verlor, bereute er schon, die Sache angesprochen zu haben.

„Hermine", rief er leise ihren Namen und sie wandte ihm halb den Kopf zu, ohne jedoch den Blick vom Feuer abwenden zu können.

Schließlich streckte er zögern die Hand aus und berührte sie sanft an der blassen Wange.

Erst die Berührung ließ sie aufschrecken und ihn ansehen. Zu seinem völligen Entsetzen sammelten sich nun Tränen in ihren Augen.

Sie würde doch nicht…?

Und da geschah es auch schon.

„Ich schaff das nicht, Sev." Sie brachte den Satz noch im Brustton der Verzweiflung heraus, dann brach sie in Tränen aus.

Argh. Er schaffte das auch nicht. Nicht, wenn sie weinte. Nicht, wenn er trösten musste. Er konnte nicht trösten! Er war nicht nett!

Mit schier übermenschlicher Anstrengung erhob er sich aus seinem Sessel, setzte sich neben Hermine aufs Sofa und zog sie ungeschickt an sich.

Er erwartete eigentlich, dass sie ihn wie am Vortag von sich stoßen würde, doch offensichtlich brauchte ihre Psyche die Berührung eines menschlichen Wesens mehr, als sie davon abgestoßen wurde. Leise schluchzend lehnte sie sich in seine Arme und ungelenk streichelte er ihr den Rücken.

„Du bist doch auf einem guten Weg. Bisher klappt doch alles gut."

„Aber morgen nicht mehr. Morgen… ich hab Angst vor morgen, Sev…"

Er hielt sie etwas fester, immer damit rechnend, dass sie ihn im nächsten Moment wegstieß. „Auch morgen werden deine Erinnerungen nur Erinnerungen sein, Hermine. Wir werden die Erinnerungen zusammen ansehen und du wirst die ganze Zeit wissen, dass es nur Erinnerungen sind. Und wenn wir dann irgendwann in die Verhandlung gehen, wirst du auch dort wissen, dass das alles vorbei ist. Egal wie es ausgeht, du wirst nie wieder in Gefahr sein."

Sie erwiderte nichts darauf, aber er spürte, wie sie sich langsam beruhigte. Er wusste, dass Hermine Granger eigentlich keine Heulsuse war. Umso mehr zeigte der kurze Anfall, wie es in ihr aussah.

Als er den Eindruck hatte, dass sie wieder in Ordnung war, ließ er sie los und setzte sich wieder in seinen Sessel.

Für einen Moment sah sie aus, als wollte sie ihn zurück halten, doch sie tat es nicht und starrte nur wieder ins Feuer. Als keiner etwas sagte, stand sie schließlich auf.

„Ich gehe ins Bett."

Er nickte und levitierte eine Phiole Luzidus-Trank zu sich. Sie nahm ihn schweigend entgegen und hob ein Fotoalbum mit Kinderfotos von Elena auf. Mit beiden Gegenständen ging sie in ihr Zimmer.

Severus sah ihr nachdenklich nach und wiederholte in Gedanken nochmal das Gespräch, das sie vor ihrem Zusammenbruch geführt hatten. Sie hatte „zuhause bleiben" wollen. Das meinte seinen Kerker.

Aber natürlich war es nur eine Phrase für ihren aktuellen Aufenthaltsort. Er schüttelte über sich selber den Kopf und starrte dann auf die vielen persönlichen Gegenstände von Hermine, die nun überall herumlagen. Er würde sie morgen in ihr Zimmer bringen. Sein Blick fiel noch einmal auf die kleine Box mit den Zähnen und erneut schüttelte es ihn. Widerlich.

Mit diesen Gedanken erhob er sich und ging ebenfalls in Bett.

So. hat mir irgendwie ein bisschen die Formatierung zerschossen. Ich hoffe, es ist jetzt alles korrekt und es war alles lesbar. Review? :D *lieb guck*