Sevi trifft einen Entschluss…
Waljona: Willkommen :D Freut mich, dass dir die Geschichte so gut gefällt ;) Ich hoffe, du bleibst dabei :)
Yusuria: Erstmal: Auch dir ein Willkommen :D Und: Danke für die lieben Reviews ;) Die Erinnerungsaufarbeitung muss in diesem Chap noch warten – aber im nächsten werden wir schlauer, versprochen! (Und ich hab mich schon gefragt, wann die ersten Kuss-Schreie laut werden :D …abwarten! :D)
16. Wahrheit
Elena hatte lange über den Brief ihrer Mutter und James' Worte nachgedacht und schließlich fasste sie einen Entschluss.
Den nächsten Morgen verbrachte Hermine in banger Erwartung an die Legilimentikrunde mit Lesen. Pünktlich zum Mittagessen klopfte eine Eule ans Fenster und Winky, noch in schrecklicher Erinnerung an das letzte Mal, als eine Eule für Hermine gekommen war, eilte sofort zum Fenster und schnappte sich die empört kreischende Eule samt Brief. Erst als die treue kleine Hauselfe sowohl die Eule als auch den Brief gründlich auf Flüche untersucht hatte, durfte das Tier zu Hermine, um den Brief zuzustellen.
Es war – wie sich schnell herausstellte – eine Schuleule mit einem Brief von Elena.
Hermine schwante Böses und rasch öffnete sie das Kuvert.
„Hey Mom,
ich weiß, du wolltest mir alles später erklären. Aber ich merk doch, dass irgendwas nicht stimmt. Bitte, sag mir, was Sache ist. Ich mach' mir echt Sorgen. Von wem war denn der oberfiese Uhu? Ich hab versucht, dich über den Kamin zu erreichen, aber es hat nicht geklappt. Wo bist du? James meint, du hast Stress mit einem Mann. Aber das hast du doch nicht, oder? (James ist ein Idiot.)
Im Tagespropheten stand, dass Onkel Harry und seine Auroren zusammen mit Professor Dumbledore und Professor Snape drei Todesser geschnappt haben. Hast du da auch was mit zu tun?
Bitte, schreib mir. Wir haben uns so ewig nicht gesehen und ich vermiss dich.
Alles Liebe,
Elena"
Hermine konnte nicht anders, als einmal laut zu fluchen. Dann setzte ihr Gehirn wieder ein und sie las den Brief noch einmal mit einem leichten Stirnrunzeln. James Potter war ein vorlauter Naseweis – wenngleich seine Vermutung ja nicht mal so falsch war. Nur hatte sie tatsächlich andere Probleme, als er erwartete. Über die Bemerkung mit dem Uhu musste sie sogar etwas schmunzeln. Wie konnte sie auch nur annähernd erwarten, dass Severus Snape sich eine freundliche Eule anschaffen würde.
Stirnrunzeln rief bei ihr auch der Absatz über den Artikel im Tagespropheten wach. Offensichtlich hatten Harry und Albus den Einsatz geschickt so geschildert, dass Hermine nicht auftauchte.
Vorerst war ihr das ganz lieb. Es wäre grauenvoll gewesen, wenn Elena diese Dinge aus der Zeitung erfahren hätte.
Als hätte man nach ihm gerufen unterbrach Severus Snape schließlich ihre Gedankengänge, indem er, übelgelaunt wie immer nach einem Schultag, in den Kerker gerauscht kam.
Sie erhob sich sofort, den Brief in der Hand haltend und sah ihn unheilverkündend an.
„Wir haben ein Problem, Severus."
Elena saß gerade mit Lily in der großen Halle über ihren Geschichtshausaufgaben, als Professor McGonagall mit ernstem Gesicht auf sie zukam.
„Miss Parker?"
„Professor?"
„Kommen Sie bitte mit mir. Miss Potter kann ihre Sachen später mit hoch in den Turm nehmen."
Die beiden Mädchen tauschten fragende Blicke, aber Elena stand brav auf und folgte Minerva in ihr Büro.
„Miss Parker, Sie sollen sich umgehend bei Professor Snape melden. Er hat etwas von großer Dringlichkeit mit Ihnen zu besprechen. Das könnte etwas dauern – welche Fächer haben Sie nachher noch?"
„Äh… wir haben Kräuterkunde und eigentlich Flugstunde. Aber Madame Hooch sagte, dass die Stunde wegen des schlechten Wetters ausfallen muss."
„Ausgezeichnet. Ich entschuldige Sie bei Professor Sprout. Bitte gehen Sie jetzt."
Verwirrt nickte Elena und trat den Weg in die Kerker an. Hatte sie etwas angestellt? War Professor Snape sauer, weil die Projektstunde am Vortag schon wieder ausgefallen war? Immerhin war er nicht erschienen, nicht sie!
Innerlich gegen einen Streit gewappnet klopfte sie an die Bürotür, doch es kam kein „Herein". Stattdessen legte sich eine große Hand auf ihre Schulter und sie zuckte zusammen und fuhr herum. Groß und finster ragte ihr Zaubertrankprofessor vor ihr auf – nur sein Gesichtsausdruck ließ nicht auf eine Strafe schließen.
„Miss Parker. Pünktlich wie immer. Bitte folgen Sie mir."
Sie gingen ein Stück den Gang entlang bis zu einem Wandteppich, der sich unter Snapes Gemurmel öffnete und ihnen den Weg in eine Wohnung wies – augenscheinlich seine.
Fasziniert und noch viel verwirrter folgte Elena ihm hinein und ihre Verwirrung wuchs ins Unermessliche, als niemand anderes ihr entgegen kam als ihre Mutter.
Hermine hatte gemeinsam mit Severus beschlossen, dass es am sinnvollsten war, Elena eine Light-Version der Geschehnisse zukommen zu lassen. So nah wie möglich an der Wahrheit, aber eben noch nicht komplett. Über ihre Vergangenheit wollte sie nach Möglichkeit schweigen – zu unklar waren ihr selber noch viele Dinge.
Sie hatte nicht den Ansturm aus Gefühlen erwartet, der sich in ihr ausbreitete, als ihre Tochter folgsam hinter dem Professor ins Zimmer kam. Sie war ein gutes Stück gewachsen, wie Hermine sofort bemerkte. Ihr Mädchen wurde erwachsen.
Mit wenigen Schritten war sie bei ihrer Tochter und nahm das völlig überraschte Mädchen fest in den Arm.
„Mom!" Nach ihrer anfänglichen Verwirrung erwiderte Elena die Umarmung und schließlich schien die Freude überhand zu ergreifen, denn sie schmiegte sich eng an ihre Mutter. „Was machst du hier?"
„Das besprechen wir jetzt gleich." Hermine lächelte und schob Elena dann eine Armlänge von sich, um sie noch einmal zu betrachten. „Du bist ja riesig geworden. Was mischen sie euch hier bloß ins Essen?"
Elena kicherte und streckte sich stolz ein wenig. „Ich bin schon größer als Lily! Und von den anderen Gryffindorerstklässlerinnen sind nur Letitia und Sophie größer als ich!"
„Das muss doch ein Wachstumszauber sein!" In einem plötzlichen Impuls zog Hermine Elena wieder an sich und ihr Blick kreuzte sich kurz mit dem von Severus.
Besorgt sah er, dass sie offensichtlich wieder kurz vor dem Weinen stand, denn ihre Augen glänzten verdächtig.
Hermine jedoch war in diesem Moment einfach nur unendlich dankbar und glücklich darüber, die Möglichkeit zu haben, ihre Tochter im Arm zu halten und zu wissen, dass sie beide lebten und gesund waren.
Sie küsste zärtlich die weichen Locken ihrer Tochter, doch die hatte offensichtlich schon genug gekuschelt und wollte nun Antworten.
„Was wolltest du mir jetzt sagen, Mom?"
Ihre Mutter seufzte innerlich. Das Kind war genauso schlimm wie sie. „Komm, wir setzen uns hin."
Zu Elenas Erstaunen setzten sie sich zu dem bisher stumm in seinem Sessel sitzenden Zaubertrankprofessor. Hermine nahm ihre Hände und sah sie ernst an.
„Hör zu, Elena. In letzter Zeit sind viele Dinge passiert. Du hattest Recht mit der Vermutung aus deinem Brief. An der Aktion mit den Todessern war ich auch beteiligt. Dabei wurde ich allerdings verletzt und konnte dir deshalb ein Weilchen nicht schreiben."
Als Elena erschreckt auffahren wollte, hob Hermine die Hand.
„Jetzt geht es mir wieder gut, wie du siehst. Ich bin noch nicht wieder ganz fit, aber Professor Snape hilft mir, damit ich schnell wieder auf dem Damm bin. Ich werde allerdings bald noch zu dem Prozess gegen die drei gehen müssen, weil ich Zeugin gegen die Kerle bin."
Hermine zögerte und sah Severus hilfesuchend an und er nickte ihr bestärkend zu. Elena registrierte erstaunt diesen vertrauten Austausch zwischen den beiden.
Ihre Mutter drückte ihre Hände etwas fester und sicherte sich so wieder Elenas Aufmerksamkeit.
„Es gibt da noch mehr, was ich dir sagen muss." Hermine atmete tief durch. „Wir heißen nicht ‚Parker', Schatz. Mein Name ist auch nicht Mina, sondern eigentlich ‚Hermine Granger'… und deiner ‚Elena Granger'."
Elenas Augen wurden kugelrund. „Also hast du mit Onkel Harry gegen Voldemort gekämpft?"
„Ja, Engel. Onkel Harry und ich sind, wie du weißt, schon seit der Schulzeit befreundet. Und ich finde – auch im Anbetracht der letzten Geschehnisse – hast du jetzt das Recht, die Wahrheit zu erfahren."
„Ich heiße Elena Granger?"
Hermine nickte und Elena sah nachdenklich drein.
„Wieso haben wir unter einem falschen Namen gelebt?"
„Nach dem Krieg wurde ich von einem der Todesser verfolgt, die jetzt gefangen sind. Er wusste, wie ich hieß und wie ich aussah, also musste ich beides ändern." Hermine lächelte. „Du kennst doch die Fotos von mir aus Hogwarts, als ich so alt war wie du."
„Ich find dich aber jetzt nicht so viel anders."
„Naja, ich bin ja auch deine Mom." Hermine lächelte. „Wir hätten auch weiter ‚Granger' heißen können, aber dann hätten wir uns immer verstecken müssen und das wollte ich für dich nicht. Deshalb hab ich beschlossen, dir nicht zu sagen, wer wir wirklich sind, um dich damit zu beschützen. Ich hoffe, du kannst mir das verzeihen."
Elena zuckte die Achseln. „Ich glaub, das krieg ich hin. Aber, Mom, wenn der schon die ganzen Jahre hinter dir her war, warum habt ihr den denn dann nicht schon viel früher in eine Falle gelockt?"
Hilflos zuckte nun Hermine die Achseln. „Das ist eine gute Frage, Engel. Ich kann es dir nicht beantworten." Das war tatsächlich die Wahrheit. Hermine erinnerte sich nicht daran. Vermutlich hatte sich ihre Sorge erneut um Elena gedreht. Sie hatte wahrscheinlich nicht riskieren wollen, dass dem Kind etwas passierte. „Tatsache ist bloß, dass wir Granger heißen und dass demnächst die ganze Zauberwelt erfahren wird, dass ich nicht tot bin, wie sie geglaubt haben – sondern höchst lebendig."
Elena kicherte. „Das wird bestimmt ein Schock."
„Für einige bestimmt." Spöttisch dachte Hermine an die Ministerialen, die sie nur allzu schnell und allzu leichtfertig für tot erklärt und dann vergessen hatten. „Professor Snape war auch ganz geschockt."
Der bisher unbeteiligt dasitzende Zaubertrankmeister schnaubte durch seine überdimensionale Nase und Elena traute sich, zu grinsen.
Ihre Mutter lächelte leicht, wurde dann jedoch wieder ernst. „Elena – ich weiß, dass das für dich sicher etwas schwer verdaulich ist und dass sich jetzt möglicherweise ein bisschen was ändert. Vor allem während der Prozesse, wenn die Presse Wind von uns beiden bekommt. Aber ich möchte, dass du erst einmal mit niemandem außer Professor Snape, Professor Dumbledore und Professor McGonagall darüber sprichst. Und mit mir natürlich. Aber bitte sag Lily und James und deinen anderen Freunden noch nichts davon. Das soll noch ein bisschen unser Geheimnis sein, ja?"
Nach kurzer Überlegung nickte Elena. Hermine hielt ihr auffordernd den kleinen Finger hin und das Mädchen hakte ihren ein. Sie schüttelten sich in dieser Haltung kurz die Hände und damit war das hoch und heilige Versprechen zwischen ihnen amtlich.
Elena warf einen Blick zu ihrem Zaubertrankprofessor, der das Ritual stirnrunzelnd betrachtet hatte, beugte sich dann zu ihrer Mutter und flüsterte ihr etwas ins Ohr.
Die sah etwas unwillig drein. „Man flüstert nicht zu zweit, wenn nur drei Personen in einem Raum sind, Elena. Du kannst das, was du sagen willst, entweder laut sagen oder wir besprechen das später."
Elena zog einen Flunsch und Severus zog belustigt die Augenbrauen hoch. Offensichtlich wollte Elena nicht laut wiederholen, was sie leise gesagt hatte, und zog es vor, zu schweigen. Hermine lächelte leicht.
„Dann unterhalten wir uns später über das Thema, wenn du magst."
„Heißt das, ich darf wiederkommen?"
„Da musst du Professor Snape fragen. Es ist seine Wohnung."
Bittend richteten sich die rehbraunen Augen der kleinen Miss Granger auf Severus. „Professor Snape, Sir… darf ich bitte?"
Die Höflichkeit, mit der die Bitte vorgetragen war, und der flehende Blick machten es Severus Snape unmöglich, sie zu enttäuschen und so nickte er.
Mit einem Jubelschrei fiel Elena ihrer Mutter um den Hals. Die tätschelte sie lächelnd, sagte jedoch: „Aber nicht zu oft. Du sollst dich auf die Schule konzentrieren und du musst an unser Geheimnis denken. Außerdem fällt es auf, wenn du dauernd bei Professor Snape herumlungerst."
„Ach, es denken sowieso alle, ich wär seine neue Lieblingsschülerin." Erschreckt schlug Elena sich die Hände vor den Mund, als sie sich über den Klatsch und Tratsch der Schüler verplappert und dabei vergessen hatte, dass der gefürchtete Professor nur eine Armlänge von ihr entfernt saß.
Hermine lachte hell auf und Professor Snape zog seine Augenbrauen so hoch, dass sie fast unter seinem Haaransatz verschwanden.
„So. Denken das alle, Miss Parker?"
„Miss Granger!", verbesserte sie ihn vorsichtig und das Funkeln in seinen Augen wurde belustigt.
„Ich bin nicht gut darin, mich auf wechselnde Anreden einzustellen, Miss Parker. Solange nicht offiziell ist, dass ihre Mutter noch lebt, nenne ich Sie weiter Miss Parker. Und da Sie sicherlich wissen, dass ich niemals Lieblingsschüler haben, sollten Sie sich darauf einstellen, dieses Status' in naher Zukunft enthoben zu werden."
Elena sah ihn erschreckt an, doch Hermine lachte nur.
„Das würde bedeuten, dass du das Geschwätz der Kinder beachtest. Unprofessionell, Herr Professor."
Er wog bedächtig den Kopf. „Das ist ein Argument. Ich glaub, ich werde Sie einfach in den Projektstunden noch etwas mehr schwitzen lassen, Miss Parker."
Man sah der jungen Gryffindor an, dass sie nicht wirklich begeistert war. „Muss das sein, Sir?"
„Vielleicht kannst du deinen UTZ in Zaubertränke schon nächstes Jahr machen, wenn er dir in den Projektstunden so viel beibringt, Elena." Hermine grinste über Elenas entsetztes Gesicht und beruhigte sie dann: „Das würde der Professor nie zu lassen. Er hat so wenig gute Schüler, dass er den Unterricht ohne die paar vermutlich nicht aushalten würde."
„Wahr gesprochen, Miss Granger", nickte der Zaubertrankmeister mit verzogenem Gesicht. „Viel zu wahr."
Severus ahnte, dass Elena noch einige Fragen auf der Zunge brannten, die sie aber vor ihm nicht stellen wollte oder sich nicht traute… deshalb ließ er seine beiden Schützlinge recht bald alleine, nachdem die Smalltalkthemen, die man mit einer Zwölfjährigen ansprechen konnte, erschöpft waren.
Elena lebte förmlich auf, als der gestrenge Professor nicht mehr dabei war. Egal, wie sehr sie ihn mochte und bewunderte – in seiner Gegenwart konnte sie einfach nicht vertraut mit ihrer Mutter umgehen.
„Was ist jetzt, Mom?"
„Was genau meinst du, Engel?" Hermine wusste genau, dass Elena auf ihre geflüsterte Frage von vorhin anspielte, aber sie wollte es ihr nicht zu leicht machen.
„Wieso wohnst du hier? Bei Professor Snape, mein ich. Es gibt auch Gästezimmer in Hogwarts. Das weiß ich vom kopflosen Nick." Elena sah entschuldigend drein, als wolle sie die Absonderlichkeit ihrer Frage entschuldigen: „Magst du den Professor?"
Nun musste Hermine wieder ein Lachen unterdrücken, um Elena nicht vor den Kopf zu stoßen. „Schau, Engel, es ist so. Ich hab dir doch gesagt, dass ich verletzt wurde, als wir die Todesser gefangen haben."
„Ja."
„Nun, ich wurde nicht nur ein bisschen verletzt. Ich war fast tot. Madame Pomfrey hat getan, was sie konnte, aber sie ist schon alt und nicht mehr an solcher Art Verletzungen gewöhnt. Aber Professor Snape war, wie du weißt, lange Jahre unser Spion gegen Voldemort und er hatte oft mit Verletzungen wie den meinen zu tun. Deshalb bin ich zu ihm in den Kerker gezogen, damit er mir hier helfen konnte.
Ich konnte nicht in ein Gästezimmer ziehen, weil noch niemand wissen soll, dass ich lebe. Deshalb unser Geheimnis. Wir müssen das genau planen, weil uns die Presse sonst die Hölle heiß macht. Nicht nur mir, sondern auch dir. Und ich will ehrlich zu dir sein: Wir halten das auch deshalb noch geheim, weil ich noch nicht wieder ganz gesund bin. Verstehst du?"
„Ja." Elena war blass geworden, während Hermine gesprochen hatte. Ihre Mutter wäre beinahe gestorben und sie hatte nichts davon gewusst.
Zärtlich strich Hermine ihr durchs Haar. „Mach dir keine Sorgen, Schatz. Jetzt wird alles gut." Sie lächelte verschmitzt. „Und um deine Frage zu beantworten: Ja, ich mag Professor Snape. Er ist manchmal etwas miesepetrig, aber ansonsten ein guter und vor allem sehr selbstloser Mensch."
„Und selbstlose Menschen sind gut?"
„Ja. Er tut unglaublich viel für andere, ohne je dabei an seinen Vorteil zu denken. Außerdem ist Professor Snape einer der intelligentesten Menschen, die ich kenne. Deshalb rede ich gerne mit ihm."
„Ich glaube, er weiß alles", murmelte Elena und nun musste Hermine doch wieder lachen.
„Kein Mensch weiß alles. Aber er weiß ziemlich viel, da hast du Recht."
„Genau wie du."
„Ja, so ungefähr. Wir sind beide zwei unerträgliche Alleswisser, nicht wahr?"
Grinsend nickte Elena und kuschelte sich dann an ihre Mutter, die sie bereitwillig in den Arm nahm.
„Ich mag Professor Snape auch, Mom."
„Na siehst du. Dann sind wir ja schon zwei." Hermine lächelte und drückte ihre Tochter an sich.
Bis zum Abendessen blieben sie, wo sie waren, und Elena erzählte Hermine alles aus ihrem Alltag und vom Unterricht. Als es Zeit fürs Abendessen war, schickte Hermine Elena fort.
Severus kam herein, unmittelbar nachdem Elena gegangen war. „Habt ihr euch ausgesprochen?"
„Ja. Ich denke, Elena kann damit erst einmal umgehen. Sie ist erstaunlich verständnisvoll und vernünftig für ihr Alter."
„Das stimmt. Das liegt vermutlich daran, dass sie deine Tochter ist."
„War das ein Kompliment?" Hermine lächelte, doch der Zaubertrankmeister machte eine abweisende Handbewegung.
„Ich habe nachgedacht, Hermine." Er ließ sich überraschend schwer in seinen Sessel fallen und starrte ins Feuer.
Erwartungsvoll sah seine Patientin ihn an.
Er schnitt dem Feuer eine Grimasse, während er nach Worten suchte und sagte dann schließlich gepresst: „Wir wissen beide noch nicht, ob du meine Vaterschaft bei Elena je hast testen lassen. Höchstwahrscheinlich hast du es getan, wenn ich dich richtig einschätze – und das Ergebnis wird negativ gewesen sein." Er atmete tief durch und Hermine wartete gespannt und etwas ängstlich, ohne zu wissen warum, darauf, dass er weitersprach. „Ich habe nachgedacht. Wenn die Verhandlungen sind, wird die Presse dabei sein. Sie werden Elena sehen und fragen, wer ihr Vater ist. Wenn du keine plausible Antwort dafür hast, werden sie spekulieren… und am Ende richtig liegen. Sie werden Elena wie eine Aussätzige behandeln und dich wie eine Verrückte."
Hermine wurde blass, doch sie nickte. Genau das hatte sie sich auch bereits überlegt.
Severus sah auf seine Hände und wägte seine nächsten Worte genau ab. „Wenn du das willst, Hermine, werde ich einen Vaterschaftstest fälschen. Er wird positiv ausfallen und meine Vaterschaft bei Elena bestätigen. Auch das wäre weder zuträglich für deinen, noch für ihren Ruf, aber die Reaktionen von außen würden weniger vernichtend und verstörend für Elena ausfallen. Wir können ihre Geburt als Konsequenz unromantischer Zusammenstöße, einer quasi nicht existenten, kurzzeitigen Affäre erklären. Ob du Elena jemals die Wahrheit erzählst, ist natürlich dir überlassen."
„Aber Severus… wenn du Elena als deine Tochter anerkennst…"
Er lächelte grimmig. „Ich weiß. Sie ist dann erbberechtigt und kann von mir finanzielle Unterstützung erhoffen. Aber ich weiß, dass weder sie noch du das ausnutzen werdet." Seine Miene wurde wieder gleichmütig. „Ich habe keine Kinder, Hermine. Ich vermied es bisher, mich fortzupflanzen und ich bin sicher, du verstehst, warum. Ich habe zudem nicht vor, diesen Umstand in nächster Zeit zu ändern. Und ohne euch in irgendeiner Form falsch schmeicheln zu wollen: Ich kenne Elena jetzt eine Weile." Er stockte, sprach dann jedoch rasch weiter: „Wenn ich jemals eine Tochter bekommen hätte, hätte sie wie Elena sein sollen. Deshalb denke ich, kann ich mit den Konsequenzen leben."
Das saß. Hermine war sprachlos. Vergeblich suchte sie nach Worten, aber ihr fiel nichts ein, was im Angesicht seines Angebots angemessen gewesen wäre.
Tja… da hat Sevi sich offensichtlich auch so seine Gedanken gemacht. Was haltet ihr von der Idee? ^^
