Sooo… es geht weiter. Zu diesem Kapitel gibt es einige Ankündigungen zu machen:

Erst einmal entschuldige ich mich bei euch, dass es so lange gedauert hat. Das Kapitel ist ziemlich lang und war bisher am schwersten zu schreiben. Ihr werdet sehen, warum. Ich hoffe, die Länge entschädigt euch für die Wartezeit. Ab jetzt geht es hoffentlich wieder fixer voran.

Zum Zweiten werden wir hier auf die Szene im verbotenen Wald während des Endkampfes stoßen. Zu gegebenem Zeitpunkt gibt's einen Hinweis, damit zarte Gemüter den Teil überspringen können. Mit diesem Teil soll in keinster Weise in irgendeiner Form Gewalt verherrlicht werden. Viel mehr hoffe ich, durch dieses Kapitel für reale Kriege und deren grauenhafte Auswirkungen zu sensibilisieren. Das, was hier fiktiv und vermutlich nicht annähernd realistisch beschrieben wird, erleben Menschen und besonders Frauen jeden Tag. Ein Krieg hat immer Opfer, die mit der Sache nichts zu tun haben. Deshalb muss so etwas unbedingt vermieden werden. Ich kann aber verstehen, wenn jemand das nicht lesen will. Dafür dann der Hinweis. Die Szene wird für den Verlauf der Geschichte nicht in den Details wichtig sein. Ich will mir auch nicht anmaßen, dass Leid von Kriegsopfern in Worte fassen zu können. Das kann niemand, außer ihnen selber.

Gretaserebro: Freut mich, dass es dir gefällt :) Hier ist dann auch das nächste Kapitel. Schnell ist anders, aber ich hoffe, du bist trotzdem noch dabei.

Larah: Sie kann sich nicht daran erinnern, ob sie einen hat machen lassen oder nicht. Und weder Harry noch Ginny wissen das. Das wird sich erst im Laufe der Erinnerungsrekonstruktion ergeben.

NickTessFan: Die Mutter ist ohne Zweifel klar, ja ;) Hermine hatte die Idee ja auch… nur würde sie niemals so fordernd sein und ihn darum bitten.

Yusuria: Ja, die Presse ^^ Man weiß nicht, wie die sich drauf stürzen werden. Hermine hat Miss Kimmkorn ja gut unter Kontrolle… aber den Rest?

ZauBaerin: Zwei Kapitel sind besser als eins ;) Bist du sicher, dass du keinen Zugriff auf meine Platte hattest? Bundestrojaner und so? :D

So. Los geht's. Bitte anschnallen. Es wird turbulent.

17. Dunkelheit

Als sie nur schwieg, verdunkelte Severus' Blick, den er starr aufs Feuer gerichtet hielt, sich sichtlich.

„Ich verstehe das", meinte er schließlich mit kühler Stimme und erstaunt sah Hermine auf.

„Was verstehst du?"

„Dass du mein Angebot nicht annehmen willst. Du willst dich und Elena in keinster Form von mir abhängig machen."

Fast hätte Hermine über die Absurdität gelacht. Da saß sie da und überlegte, wie sie ihm ihre Dankbarkeit ausdrücken konnte, ohne sich lächerlich zu machen und er vermutete das exakte Gegenteil.

„Das stimmt nicht, Sev…"

„Nenn mich nicht so!" Sein Zischen klang gefährlich und er sprang auf.

Verblüfft starrte sie ihn an, fasste sich jedoch schnell.

„Könntest du deine Aggressionen bitte für einen Augenblick zurück schrauben und mich sprechen lassen?" Ohne es zu wollen hatte sie ihren „Mama"-Ton eingeschaltet, mit dem sie auch Elena zurechtzuweisen pflegte, wenn diese ihr im Streit ins Wort fiel. Sie sprach dann stets sehr ruhig und sehr bestimmt – und während Elena als kleines Mädchen entweder aufgestampft oder geschmollt hatte, benahm Severus sich dann doch wie ein Erwachsener. Allerdings… wie ein erwachsener Snape nun mal.

Er straffte sich, sodass er nun nahezu erdrückend groß über ihr aufragte und sah mit verschränkten Armen betont gleichgültig auf sie nieder.

„Dann sag um Merlins Willen, was du zu sagen hast, damit ich heute noch meine Ruhe habe."

Für einen Moment war sie versucht, ihm gezielt zwischen die Beine zu treten, einfach nur, um dieser überheblichen Haltung ein Ende zu machen. Doch sie beherrschte sich.

„Deine Beleidigungen sind völlig fehl am Platze, Severus… Lass mich ausreden! Du hast mich falsch verstanden. Mein Schweigen deutete nicht auf Abneigung hin, sondern im Gegenteil darauf, dass ich nicht wusste, wie ich dir am besten danken soll. Auch ich habe schon an diese Möglichkeit gedacht. Auch ich habe schon überlegt, ob es nicht am sinnvollsten wäre, deinen Vorschlag genauso durchzuführen. Aber niemals hätte ich dich darum gebeten! Wie kann ich von jemandem erwarten, so eine tiefgreifende Entscheidung zu treffen, nur um Elena und mir den Hals zu retten? Du redest von unserem Ruf, der auf dem Spiel steht?

Was wäre, wenn jemand anderes irgendwann einmal heimlich solch einen Test macht und heraus kriegt, dass du gelogen hast? Dein Ruf wäre für immer zerstört. Niemand würde dir mehr glauben. Das Wort von Severus Snape, Kriegsheld und Träger des Ordens des Merlins erster Klasse, hätte kein Gewicht mehr. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Hast du daran gedacht?"

Nun war es an ihm, verblüfft zu sein. Er hatte tatsächlich voller Überzeugung ihre Ablehnung erwartet.

Aber ihre braunen Augen, die ihn ernst und ruhig ansahen, waren vollkommen ehrlich und so konnte er an ihrer Darstellung nicht zweifeln.

„Ja", erwiderte er schließlich ruhiger. „Daran habe ich gedacht. Doch sei gewiss – was der Pöbel über mich denkt ist mir sogar gleichgültiger als Potters neuste Freundin. Du warst wirklich lange weg aus dem richtigen Leben, wenn du denkst, dass die Menschen mich jetzt als Helden feiern, nur weil ich Potter vor dem entscheidenden Kampf mit Tränken vollgepumpt habe." Er lächelte grimmig. „Sie haben ihren Zaubertrankunterricht nicht vergessen. Im Gegensatz zu dir wissen sie noch bestens, dass man mir nicht trauen sollte."

„Ich glaube, sie wissen gar nichts, Sev."

Sein Blick wurde entnervt. „Sie wissen zumindest eine wichtige Sache, Hermine Granger, nämlich, dass man mich nicht ‚Sev' nennt!"

„Tut mir Leid… ich hab mich so daran gewöhnt." Erleichtert, dass er seinen jähzornigen, kleinen Anfall wieder im Griff hatte, wagte Hermine, mit ihm zu scherzen.

„Vielleicht solltest du dir wieder angewöhnen, mich ‚Professor Snape' zu nennen, wie sich das für ehemalige Schülerinnen gehört."

„Bin ich das für dich, Professor Snape? Eine ehemalige Schülerin?" Sie konnte nicht anders als enttäuscht zu sein. Sie hatte gehofft – sich angemaßt – wenigstens so etwas wie „mit ihm befreundet" sein zu können. Immerhin kannte er in Kürze ihre gesamte Lebensgeschichte bis ins Detail. Welcher Freund konnte das schon von sich behaupten…

Ihre Frage bereitete ihm größtes Unbehagen, das stellte sie rasch fest. Seine gewohnte Reaktion auf unbequeme Situationen war: Arbeiten.

„Wir sollten mit der Legilimentiksitzung anfangen", warf er rüde ein. „Sonst wird es zu spät für heute. Ich will wenigstens bis zum Endkampf kommen."

Er sah etwas besorgt, wie augenblicklich die Farbe aus ihrem Gesicht wich und schalt sich selber einen Idioten. Entgegen seiner Gewohnheit nahm er neben ihr auf dem Sofa Platz und rief zur Sicherheit schon einmal einen leeren Eimer und zwei Phiolen mit dem Trank zur Stärkung des Geistes herbei, die er griffbereit auf den Glastisch legte. Dann sah er sie an.

„Denk daran: Nur eine Erinnerung. Nur ein Nachhall. Wenn du es partout nicht mehr aushältst, gib mir ein Zeichen. Aber wage es ja nicht, dich hinter deiner kleinen Mauer aus Seligkeit und Senilität zu verstecken. Ich werde versuchen, die Betrachtung der Erinnerungen nicht in die Länge zu ziehen. Aber du musst sie angucken, ihnen begegnen und mit ihnen abschließen. Daran führt kein Weg vorbei."

Hermine nickte, bemüht, sich die in ihr aufsteigende Übelkeit nicht ansehen zu lassen.

Ein leises „Legilimens" versetzte sie beide in Hermines Gedankenwelt.

Severus dachte sich rasch vor zu ihrer Mauer. Es kam ihm diesmal vor, als wehre sich ihr Unterbewusstsein stärker als die Male zuvor gegen ihn. Natürlich wollte Hermine mit den Dingen abschließen – aber unterbewusst fürchtete sie sich offensichtlich so sehr davor, dass ihre Mauer wesentlich stärker als sonst war.

Es kostete ihn einige Mühe hindurch zu gelangen und er begann, nach der ersten Zeit nach Hogwarts zu suchen. Was er fand, war absehbar gewesen.

Hermine war nach London in eine kleine Wohnung gezogen, unglücklicherweise gemeinsam mit dem Wiesel. Die erste Zeit nutzten sie ihre traute Zweisamkeit mehr als häufig aus – je mehr Erinnerungen an solche Schäferstündchen Severus fand, desto mehr hasste er Weasley dafür.

Dann häuften sich die Erinnerungen an Hermines Ausbildung zur Heilerin. Er musste fast schmunzeln, als er Erinnerungen fand, in denen Hermine stundenlang über ihren Lehrbüchern und darüber hinausgehender Literatur brütete. Er fand ein Gespräch mit dem Leiter des St. Mungos, in dem dieser ihr mittteilte, dass sie die Abschlussprüfung – wenn sie so weiter machte – schon nach einem Jahr ablegen könnte (Severus meinte zu wissen, dass die Grundausbildung sonst zwei Jahre dauerte). Das Gespräch spornte Hermine offenkundig noch mehr an und es kam im Verlauf zu einigen unschönen Streits mit Ron, dem ihre Lernerei „sogar nach Hogwarts!" gehörig auf die Nerven ging. Severus sah sie mit Genugtuung.

Ab dem Herbst wurden Hermines Erinnerungen an die Hochzeit und Besuche bei den Potters häufiger. Ginny Weasley hatte die Schule abgebrochen und wohnte nun mit Potter in Godric's Hollow. James Potter wurde geboren und vom Weasley-Clan gebührend gefeiert.

Severus erbrach sich fast, als Ron – seinen neugeborenen Neffen auf dem Arm – sich strahlend an Hermine wandte und vorschlug, mindestens sechs oder sieben davon zu bekommen. Hermines Reaktion fiel zu Severus' unendlicher Erleichterung sehr verhalten aus und Severus spürte in der Erinnerung noch ihr innerliches Entsetzen nach. Er konnte es nur allzu gut nachvollziehen.

Irgendwann im Winter – Severus meinte sich zu erinnern, dass es im Dezember gewesen war – war dann das entscheidende Ordenstreffen, bei dem Dumbledore Hermine direkt auf ihre in der Schule erdachten Tränke ansprach und sie bat, zur (Weiter-)Entwicklung einiger Tränke für den Krieg einer Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Professor für Zaubertränke und seit ihrem letzten Schuljahr Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste zuzustimmen.

Severus erinnerte sich daran, wie wenig begeistert er selber gewesen war, als Dumbledore und Slughorn ihm den Vorschlag unterbreitetet hatten. Tatsache war jedoch, dass Slughorn nicht annähernd so gut war wie er selber und Miss Granger schon gute Vorarbeit geleistet und in 7 Jahren Schulzeit bewiesen hatte, dass sie nach ihm selber am besten Zaubertränke brauen konnte. Dass sie kein Studium zur Tränkemeisterin begonnen hatte, war ihm damals fast wie eine persönliche Beleidigung erschienen. Andererseits kam natürlich die Heilerausbildung ihrer sozialen Ader sehr gelegen.

Hermine willigte ein und so wurde der Samstagnachmittag ihr gemeinsamer Nachmittag – der sich oft bis spät in die Nacht ausdehnte. Die ersten Treffen um Neujahr herum fand Severus noch geprägt von seiner zynischen, genervten Art und ihrem neu entdeckten Sarkasmus, den sie ihm nun, da er nicht mehr ihr Lehrer war, nicht respektlos, aber doch wohl portioniert angedeihen ließ. Je mehr sie ihm Paroli gab und je weiter sie fortschritten, desto partnerschaftlicher wurde ihr Arbeitsverhältnis.

Severus erinnerte sich, dass er die Zusammenarbeit mit einem ihm nahezu gleichgestellten Partner irgendwann genossen hatte. Was sie an Wissen und Erfahrung noch nicht vorweisen konnte, hatte sie stets durch Intelligenz und Kombinierungsgabe wettgemacht und es fiel ihnen leicht, Probleme auszumachen und zu beheben. Im Frühjahr fand er die Erinnerung an den Fluch-Identifikations-Trank, den Hermine erfunden und mit seiner Hilfe praxistauglich entwickelt hatte. Im Nachhall der Erinnerung spürte er ihren Stolz, als sie den fertigen Trank erfolgreich testeten.

Er traf jedoch auch oft auf Wut und gelegentlich Frustration, wenn sie sich wieder einmal mit Weasley stritt, wenn wieder einmal jemand im St. Mungos seinen – meistens durch Todesser verursachten – Verletzungen erlag und wenn sie die Zeitung las, in der die gesamte Unfähigkeit des Ministeriums stets durch die Propagandanachrichten durchschimmerte.

An einem heißen Sommertag legte Hermine die Abschlussprüfung zur Basisheilerin mit Bravour ab und nahm quasi im selben Atemzug eine Fortbildung zur „Heilerin bei Fluch- und Trankschäden" sowie eine Stelle im St. Mungos auf.

An den Samstagen gingen sie in die Intensivtestung des Cruciatustrankes, wobei sie sich gegenseitig mit einer abgeschwächten Form des Fluches belegten.

Er erinnerte sich noch selber gut, wie sehr Hermines Zauberstabhand beim ersten Mal gezittert hatte, als sie den Fluch auf ihn warf. Um es ihr leichter zu machen, hatte er sich jeden Schmerzenslaut verkniffen und nur schweigend den Trank geschluckt, als sie den Fluch rasch wieder von ihm genommen hatte. Auch bei Hermine fand er diese Erinnerung – sie war ihr nur allzu deutlich im Gedächtnis geblieben. Hatte er wirklich so gezuckt unter den Schmerzen?

Dann hast du es ihr eindeutig nicht leichter gemacht, du Versager', zürnte seine innere Stimme ihm und wie üblich ignorierte er sie nach besten Kräften.

Er fand auch die Erinnerung an den ersten und einzigen Versuch an ihr selber, bei dem er sie mit dem abgeschwächten Fluch belegt hatte. Sie hatte damals ebenfalls keinen Laut von sich gegeben und schweigend den kurzen Schmerz ertragen, den er, geübt in der Ausführung des wahren Cruciatus, in seiner Intensität noch weiter beeinflussen konnte und deshalb so stark abgeschwächt hatte, wie er es für die Testung des Trankes grad noch akzeptieren konnte.

Als sie beide zufrieden mit den Ergebnissen des Trankes gewesen waren, hatte Hermine angefangen, ihn heimlich an ihren – von Todessern angegriffenen – Patienten zu testen und auch hier hatte der Trank sich bewährt. Die Erinnerung an ihren ersten Erfolg zeigte ihm, wie sie nach der deutlichen Verbesserung des Zustands des Patienten verhalten gejubelt hatte.

Ronald Weasley hingegen konnte sich in einer anderen Erinnerung offensichtlich nicht so ohne weiteres mit ihr über die Erfolge freuen.

„Du hängst nur noch im Krankenhaus oder bei Snape auf Hogwarts", schimpfte er, „bedeutet unsere Beziehung dir eigentlich überhaupt irgendwas?"

„Sei nicht dumm, Ron! Du weißt genau, dass Lernen und Wissen mein Leben sind! Natürlich bedeutet mir unsere Beziehung etwas! Aber Lernen und Wissen nun einmal auch!"

„Vielleicht solltest du mal ein richtiges Leben führen, Hermine, solange du noch kannst." Mit diesen bitteren Worten wandte Ron sich ab und als Hermines Trauer und Wut Severus überrollten, ließ er die Erinnerung fahren und ging weiter.

Die nächste Erinnerung, die er fand, war die an einen grauen Briefumschlag im Briefkasten von Hermines Londoner Wohnung.

Mit zitternden Fingern öffnete sie sie und fand ein Schreiben ihrer Tante Lettie, die ihr in zittriger Handschrift den Tod ihrer Eltern mitteilte. Erstarrt sank Hermine auf das Sofa, wo sie stumm auf den Brief starrte, bis Ron herein kam, um nach ihr zu sehen. Als er ihren Zustand bemerkte, eilte er zu ihr, nahm ihr den Brief aus der Hand, las kurz und nahm sie dann mit einem erschreckten Laut fest in die Arme. Sie ließ sich in seine Umarmung fallen, doch sie weinte nicht.

Die Erinnerung an die Beerdigung übersprang Severus wohlweislich.

Erst jetzt, in Hermines eigener Erinnerung, bemerkte Severus, wie erstarrt und steif sie an den nächsten paar Samstagen war. Sie arbeitete effizient wie immer, doch sie gab ihm weniger Konter, war schweigsam und teilnahmslos. Wieso war ihm das nicht aufgefallen?

Ihr 20. Geburtstag war eine eher ruhige Sache. Harry und Ginny kamen mit James, der, mittlerweile genau ein Jahr alt, ohne Halten durch die Wohnung krabbelte und die Gesellschaft dadurch ausreichend in Atem hielt. Severus übersprang die Erinnerung, sobald er konnte.

Anfang Oktober fand wieder ein Ordenstreffen statt, bei dem Albus verkündete, man wisse jetzt den ungefähren Zeitpunkt des Endkampfes – Voldemort plane, im Frühjahr 2000 Hogwarts in einer gewaltigen Endschlacht anzugreifen. An diesem Abend hatte Albus Severus schon vor dem Treffen zu sich bestellt und ihm die Anweisung gegeben, ab jetzt täglich mit Hermine Granger an Tränken und Zaubern zu arbeiten. Zu Snapes Erleichterung hatte Albus es übernehmen wollen, Hermine davon zu berichten.

Und tatsächlich – zum Ende des Treffens hin wies Album Hermine an, noch kurz mit ihm im Raum zu bleiben und verwirrt tat sie es.

Ernst sah er sie über die Ränder seiner Halbmondbrille hinweg an und legte die Fingerspitzen bedächtig aneinander.

„Ihre Arbeit mit Severus war bisher sehr zufriedenstellend, Hermine. Die Entdeckungen und Entwicklungen, die Sie gemacht haben, werden uns im Endkampf eine große Hilfe sein."

Hermine lächelte. „Vielen Dank. Wir tun, was wir können."

Albus nickte. „Ich weiß. Und wir sind zweifellos darauf auf Ihr Können angewiesen. Jetzt so kurz vor dem Kampf mehr denn je. Deshalb möchte ich, dass Sie sich täglich mit Severus treffen und an Ihren Forschungen weiter arbeiten."

„Aber, Direktor, das werde ich mit meinem Beruf kaum vereinbaren können. Wir arbeiten im Schichtdienst und Professor Snape kann nur nachmittags oder abends, unter der Woche, meine ich."

„Sie werden Ihren Beruf vorerst aufgeben müssen." Bedauernd sah Albus Hermine an und diese fuhr auf.

„Aufgeben? Aber, Direktor, ich bin…"

„Sie sind Mitglied des Ordens des Phönix, Hermine." Albus lächelte nachsichtig. „Sehen Sie, es ist so: In diesen Zeiten können wir nicht sein, was wir gerne wären, sondern wir müssen sein, was wir sein müssen." Verträumt blickte er in die Ferne. „Wenn das hier vorbei ist, Hermine, würde ich gerne wieder Eulen züchten… das ist ein heimliches Hobby von mir. Leider ist es auch recht zeitintensiv… weshalb ich es mir momentan nicht erlauben kann." Er verzog das Gesicht. „Außerdem mag Fawkes keine Eulen… nun ja. Es ist, wie es ist. Ihr Partner, Ronald Weasley, wird ab der nächsten Woche sein Quidditchtraining vorerst aussetzen und sich auf den Kampf vorbereiten. Wir alle haben unseren Platz in dem Spiel. Aber die Zeitspanne ist ja überschaubar. Und nach dem Kampf würde ich es mit Freuden sehen, wenn Sie sich wieder voll und ganz auf Ihre Arbeit als Heilerin konzentrieren."

Er lächelte Hermine milde an, die noch immer wie vom Donner gerührt da saß. Ihren Beruf, den sie über alles liebte, aufgeben und den ganzen Tag nur noch mit Snape in einem düsteren Kerker verbringen? Ein halbes Jahr lang? Lebendig begraben…

„Severus ist bereits informiert. Ebenso wie Ihr Arbeitgeber im St. Mungos. Er hat Verständnis dafür, dass ich Sie momentan nicht entbehren kann… natürlich ohne genau zu wissen, worum es geht. Sie können also gleich nächste Woche Montag anfangen."

In diesem Moment wurde Hermine klar, dass sie ein Soldat war. Und dass sie in den Krieg ziehen würde. Und: Dass ihre Entscheidungen für die Dauer des Krieges offensichtlich nicht mehr ihre eigenen waren.

„Keine Angst, Hermine." Albus tätschelte ihr die ineinander verkrampften Hände. „Sie werden weiter gute Arbeit leisten und wir werden den Krieg gewinnen."

So nett die Worte sicherlich gemeint waren: In Hermines Ohren klangen sie wie ein Befehl.

Sie nickte und erhob sich dann. „Ich muss jetzt gehen. Bis bald, Direktor."

„Passen Sie auf sich auf, Hermine." Er lächelte sie gütig an und sie fragte sich, warum sie wütend auf ihn war.

Severus beendete die Erinnerung hier – er konnte nachfühlen, wie sehr es Hermine aus der Bahn geworfen haben musste, festzustellen, dass Dumbledore der Feldherr war… und sie ein Soldat unter seiner Führung. Auch ihn hatte die Gewissheit, nicht mehr Herr über seine Entscheidungen zu sein, zunächst zutiefst verstört. Aber das war schon lange her und irgendwann gewöhnte man sich einfach an den Gedanken, niemals selber Feldherr zu sein, sondern immer nur ein ewiger Soldat.

Die nächsten Erinnerungen waren geprägt von Hermines Unmut über Dumbledore, den sie vor Ron nicht verstecken konnte, daraus resultierenden Streits mit ihrem Freund, der ihr Albernheit vorwarf und schließlich die nun intensivierte Zusammenarbeit mit Severus selber, die zunächst von der Angespanntheit der diktierten Verhältnisse geprägt war.

Die nun täglichen Übungsstunden bei ihm in Verteidigung gegen die dunklen Künste brachten Hermine oft an den Rand ihrer Frustrationsgrenze und auch darüber hinaus – sie konnte wohl in einem schulischen Umfeld die erforderlichen sehr guten Leistungen bringen, in einem „richtigen" Kampf mit Bedingungen, die nicht von der schüchternen Übungsatmosphäre einer DA geprägt waren, war Miss Granger, Alleskönnerin imperiale, jedoch schlicht weg überfordert. Er erinnerte sich, wie besorgt er deshalb gewesen war. Berechtigt, wie sich ja leider später heraus gestellt hatte.

Und recht bald fand er auch die Erinnerung an ihren ersten „Zusammenstoß". Hermine hatte sich zuvor wieder einmal heftig mit Ronald Weasley gestritten – die Erinnerung war geprägt von Geschrei und einem so erdrückenden Gefühl von Wut, dass Severus sie rasch fahren ließ.

Mit der entsprechenden Gefühlswelt im Schlepptau erreichte Hermine so die Kerker von Hogwarts und wurde von einem schülergestressten, schlecht gelaunten Snape empfangen, der sie umgehend in den Raum der Wünsche lotste, um mit ihr eine Übungsrunde einzulegen.

Entsprechend seiner Laune kamen auch seine Flüche und in ihrer Wut noch hilfloser kam Hermine nicht ein einziges Mal dazu, sich zu verteidigen. Als er sie wütend anfauchte, sich gefälligst zu konzentrieren, war es mit ihrer Beherrschung vorbei. Impulsiv tat sie das Erste, was ihr einfiel: Sie packte ihren Zauberstab fester und schleuderte ihn Severus zielsicher an den Kopf.

Als er bleich vor Wut seinen Zauberstab hob, breitete sie die Arme aus, als wolle sie sich kreuzigen lassen.

„Verfluchen Sie mich doch", fauchte sie. „Ich hab die Schnauze voll. Was Sie hier veranstalten ist keine Übung, sondern ein verdammtes Massaker! Ich habe es satt! Suchen Sie sich jemand anderes zum Anschreien! Ich wurde heute genug angeschrien!"

Seine Stimme war selbst in der leicht verblassten Erinnerung noch so ätzend und schneidend, dass der reale Severus fast vor sich selbst erschrak.

„Ihre Inkompetenz kennt heute wieder einmal keine Grenzen, Miss Ich-bin-so-perfekt. Wie wäre es, wenn Sie sich einfach in Scheiben schneiden und dem Dunklen Lord auf einem Tablett servieren. So wie Sie sich momentan gebärden, überstehen Sie das Schlachtfeld sowieso keine drei Minuten!"

„Und wenn schon! Das kann Ihnen doch völlig egal sein! Sie interessieren sich doch sowieso nur für sich selber!" Brüsk wandte sie sich ab, damit er die Wuttränen, die ihr nun in die Augen schossen, nicht sehen konnte.

Eine grobe Hand packte sie an der Schulter und riss sie herum und sie sah direkt in das kalte Gesicht des Zaubertränkemeisters.

„Ich interessiere mich für den Sieg", zischte er. „Ich interessiere mich dafür, dass die verabscheuungswürdige Kreatur dort draußen endgültig eliminiert wird. Der Gedanke allerdings, dass dieser Sieg von halbwüchsigen Kindern wie Potter und Ihnen abhängen soll, verursacht mir mehr Albträume als der Sieg der Todesser!"

Hermine wurde noch blasser. „Sie sind ein Bastard", flüsterte sie und versuchte, die Tränen aus ihren mittlerweile tränenblinden Augen wegzublinzeln. „Weil ich nicht so eine perfekte Kampfmaschine bin wie Sie, verachten Sie mich. Aber im Gegensatz zu Ihnen interessiere ich mich nicht nur für den Sieg und für einen verdammten Kampf, den ich vermutlich, wie Sie so schön sagen, ohnehin keine drei Minuten überleben werde! Wie armselig wären meine letzten Monate, wenn ich meine Gedanken nur auf mein bevorstehendes Ableben konzentrieren würde!

Wofür hassen Sie mich eigentlich? Dafür, dass ich jung bin oder dafür, dass ich nicht kämpfen kann?"

„Bei Merlins Sackhaaren, hören Sie gefälligst auf, sich selber zu bemitleiden!" Jetzt eher genervt als wütend starrte er sie an. „Wenn Sie hier nicht immer wie ein nervliches Wrack aufschlagen würden, könnten Sie durchaus kämpfen! Aber Sie verschwenden Ihre Energie ja lieber an Streits mit Ihrem rothaarigen Besenrutscher!"

„Das kann Ihnen doch völlig egal sein." Hermine wusste, sie klang wie ein trotziges Kind – genau das, was sie eigentlich nicht sein wollte, aber sie konnte nicht anders.

Über das Gesicht ihres Gegenübers huschte zunächst ein belustigtes Funkeln und endete dann jedoch in einem resignierten Ausdruck.

„Ja, Miss Granger. In einer perfekten Welt könnte es das. Leider ist diese Welt alles andere als perfekt und so gehört es nun mal zu einer meiner leidigen Aufgaben, Ihnen das Überleben beizubringen. Und diese Aufgabe verträgt sich nun mal nicht mit Ihren ständigen Stimmungstiefs."

„Das ist also alles? Und was ist mit unserer Zusammenarbeit? Die hat jawohl mit meinem Überleben nichts zu tun! Da sind Sie aber exakt derselbe Bastard wie hier!" Ihre Unterlippe bebte noch immer vor schlecht unterdrückter Entrüstung und nun huschte tatsächlich der Anflug eines Grinsens über das Gesicht des Professors.

„Ich muss Sie darüber aufklären, Miss Granger, dass ich nun mal immer ich bin. Von Dr. Jekyll und Mister Hyde ist hier keine Spur zu sehen… nun… vielleicht von Mister Hyde…" Übertrieben sinnierend sah er an ihrem Kopf vorbei ins Leere, bis er sich betont angestrengt wieder fing. „Tatsache ist, Miss Granger, dass Sie hier ein nervliches Wrack sind und nichts zustande kriegen, während dies im Labor erfreulicherweise komplett gegenteilig ist. Allein diese Tatsache erhält mir meinen klaren Verstand. Wobei Ihre Streitigkeiten mit dem Wiesel offensichtlich zunehmen und… nun ja… alles andere ab."

Hermine schnaubte und klang ihm dabei gar nicht so unähnlich. „Sie sind ein chauvinistisches Arschloch."

„Tatsächlich. Das wird ja immer besser. Ein Bastard, ein chauvinistisches Arschloch. Ich wusste gar nicht, dass Sie solche Wörter kennen, Miss Granger. Ich bin erschüttert… ja, zutiefst! Wenn Sie das allerdings dazu bringt, bessere Leistungen zu zeigen, dann werde ich diesen Pfad jedoch selbstverständlich weiterverfolgen." Er brachte seinen Mund nah neben ihr Ohr und sie erstarrte. „Ich glaube ja", flüsterte er ihr mit so betörend tiefer Stimme ins Ohr, dass sie für einen Moment geneigt war, ihre Wut zu vergessen, „dass Sie viel lieber mit mir Ihre Zeit verbringen als mit einem geistigen Tiefstapler wie Ihrem Mister Weasley."

„Sie sind wirklich…!" Empört hob Hermine die Hand, um ihm eine Ohrfeige zu verpassen, doch er sah es kommen, packte ihren Arm und zog sie in der gleichen Bewegung zu sich.

Als er seine Lippen fest auf ihre presste, sah sie zuerst rot. Dann meldete ihr wutvernebeltes Hirn zu ihrer völligen Fassungslosigkeit Wohlbefinden an und ihre leichte Gegenwehr verlor sich.

Ein Rest Misstrauen blieb jedoch, während er sie auf eine Art und Weise küsste, die sie Rons für gewöhnlich eher schlabbernde Küsse komplett vergessen ließ.

Ron. Der Name brachte einen Funken Verstand in ihr Hirn zurück und ihr Pflichtgefühl meldete sich. Nachdrücklich schob sie Snape von sich.

Belustigt sah er sie an und sie kam nicht umhin, bei seinem Anblick nahezu alle Bedenken wieder über Bord fallen zu lassen. Auf seinen sonst so blassen Wangen stand eine gewisse Röte, die sich auch auf seinen schmalen Lippen wiederfand. Er sah nahezu… lebendig aus. Und dabei ungefähr so gefährlich wie ein Todesengel. Und unglaublich erotisch.

Verdammt!

„Ich bin in einer Partnerschaft, Professor! Das geht so nicht!"

Er zuckte die Achseln. „Ihre sogenannte ‚Partnerschaft' ist jawohl nur ein hohler Klang von einer solchen oder irre ich mich? Ich habe ja mit festen Beziehungen nicht so die Erfahrung, doch ich meine mich zu erinnern, dass tägliche Streits und die Meidung des jeweils anderen bis zum Unvermeidbaren nicht gerade zu einer erfüllten Beziehung gehören."

Erschreckt sah Hermine ihn an. Woher wusste der Mann das in drei Hexen Namen bloß?

Wölfisch grinste er sie an. „Abgesehen davon will ich Ihre ach so innige Beziehung ja gar nicht zerstören."

„Wieso haben Sie mich dann geküsst?"

Er zuckte die Achseln. „Ich hielt es für eine gute Idee."

Empört sah sie ihn an. „Das ist alles?"

Abermals zuckte er die Achseln. „Was soll ich Ihnen sagen, Miss Granger… mitunter bin auch ich mal spontan."

„Bastard!", spie sie ihm entgegen, winkte ihren Zauberstab mit einem stablosen Accio zu sich und verließ den Raum. Für heute hatte sie eindeutig genug geübt.

Severus ließ die Erinnerung fahren und überlegte für einen kurzen Moment, wie sie reagiert hätte, wenn er ihr eine zufriedenstellendere Antwort gegeben hätte.

Die folgende Zeit war sie kühl zu ihm, doch es kümmerte ihn nicht besonders, solange sie gute Arbeit leistete. Sie gab sich Mühe, ihre zunehmende Frustration vor ihm zu verbergen und ihm keine Angriffsfläche zu bieten. Daheim wuchs mit dem zunehmenden Druck auch die Anzahl der Streits mit Ron. Harry und Ginny versuchten oft zu intervenieren, doch sie mussten meistens kapitulieren vor den beiden Dickköpfen.

Bei einem besonders heftigen Streit im Dezember verließ Hermine die gemeinsame Wohnung und quartierte sich für die nächsten Nächte in einem Gasthof in der Winkelgasse ein.

Severus erinnerte sich noch an ihre wütende Verzweiflung und wie sehr er den Kopf darüber geschüttelt hatte, dass eine kluge Frau wie Hermine sich einer solch selbstzerstörerischen Beziehung aussetzte. Und hier fand er nun auch die Erinnerung an ihren zweiten „Zusammenstoß".

Sie hatten stumm, aber ohne Streit nebeneinander gearbeitet… angetrieben von der zeitlichen Nähe zum neuen Jahr und damit dem Endkampf. In Hermines Erinnerung fand er noch den Nachhall der vielen Gedanken, mit denen sie sich umgetrieben hatte. Existenz- und vor allem Todesängste.

Sie arbeiteten an einem Trank, der Harry Potter helfen sollte, seine Zauberkraft zu bündeln und zu verstärken. Die Formel hatten sie in mühsamer Kleinarbeit selbst entwickelt und die Zubereitung war nicht nur schwierig, sondern die Wirksamkeit auch noch immer unklar. Jeder Selbstversuch schlug bisher fehl.

Stumm besessen von der logischen Konsequenz der Trankzutaten und des Brauvorgangs wälzten sie Bücher, veränderten winzige Fragmente und verzeichneten doch keinen nennenswerten Erfolg.

Er spürte in der Erinnerung und hatte schon damals mitbekommen, dass Hermine, hochintelligent und arbeitswütig, trotz all ihrer Fähigkeiten langsam an ihre seelischen Grenzen stieß. Sie war erst 20 – viel zu jung, um die Bürde der Entscheidung eines Krieges auf ihren Schultern zu tragen – aber ihre Fähigkeiten waren in diesem Fall ihr Fluch. Sie war die Einzige, die ihm helfen konnte. Und sie wusste es, weshalb sie sich widerstandslos Dumbledores Plänen gefügt hatte.

An diesem Abend hatte sie offensichtlich die unsichtbare Grenze ihrer Frustrationstoleranz überschritten.

Wieder einmal verdarb der Trank und er sah sich in ihrer Erinnerung genervt aufstöhnen und fluchen.

Ein wütender Tritt seinerseits beförderte den kleinen Kessel quer durch den Raum und verteilte das nutzlose Gebräu quer durch den Raum.

„Hören Sie auf!", fauchte Hermine und sackte auf einen Stuhl. „Sie machen nur noch mehr Arbeit mit Ihren kindischen Aggressionsanfällen!"

„Das ist mein Labor!", fauchte er zurück. „Wenn es Ihnen nicht passt, gehen Sie einfach!"

„Das würde ich gern!"

Das war das erste Mal, dass sie ihn anschrie. Er hatte sie noch nie so aufgelöst erlebt.

„Ich würde gerne aufhören mit Ihnen in diesem stinkenden Keller zu hocken! Ich möchte einfach wieder meine Arbeit machen und nicht Tag für Tag Trankzutaten verschwenden!" Sie verbarg den Kopf in den Händen. „Ich wünschte, ich wäre einfach ein ganz normaler Muggel…"

Diese Aussage ausgerechnet aus ihrem Mund erschütterte ihn einigermaßen, aber ihre aktuelle Verzweiflung über die schiere Aussichtslosigkeit der Lage schien zu groß zu sein, um wirklich rational zu denken.

Er spürte ihre Überraschung, als er sich ruhig sagen hörte: „Auch Muggel erleben Tragödien und Kriege. Sie aber haben die Möglichkeit aktiv einzugreifen. Ihr Schicksal und das von uns allen zu beeinflussen. Und Sie wären nicht hier, wenn ich nicht glauben würde, dass wir das schaffen können."

Sie sah auf, fassungslos über das Kompliment. Dann lachte sie freudlos. „Ist es zu viel verlangt, wenn ich mir wünsche, dass mal irgendetwas funktioniert? Warum funktioniert nicht wenigstens dieser Trank, wenn mein Privatleben schon dafür auseinander bricht?"

„Weil wir etwas falsch machen."

Die pragmatische Antwort war so snapeisch, dass sie sarkastisch lächelte.

„5 Punkte für Slytherin für die treffende Analyse der Lage."

„Sie können keine Punkte vergeben, Miss Granger. Aber ich weiß die Geste zu schätzen." Er zog sich einen Stuhl heran und setzte sich zu ihr. Mit einem Schlenker seines Zauberstabs erschien eine Flasche Wein vor ihnen gemeinsam mit zwei Gläsern. „Machen wir eine Pause." Er goss jedem von ihnen einen Schluck ein und reichte ihr ein Glas.

Eher gleichgültig nippte sie daran. Er beobachtete sie aufmerksam.

„Sie müssen sich mal entspannen. Ich schlage vor, Sie machen morgen frei."

Nun war sie wieder komplett erstaunt. „Frei?", echote sie. „Der Endkampf steht vor der Tür und Sie wollen frei machen?"

„Nein. Ich mache nicht frei. Sie machen frei. Morgen. Den ganzen Tag. Keine Tränke, keine Übungen. Gehen Sie in die Winkelgasse, kaufen Sie sich irgendwas… was Frauen halt so machen, um einen netten Tag zu haben. Es ist mir gleich. Aber entspannen Sie sich."

Der Gedanke, der sie in diesem Moment durchzuckte, war auch nach der langen Zeit in ihrem Gedächtnis noch so klar, dass der die Erinnerung betrachtende Severus schockiert war. Sie konnte sich nicht entspannen. Ihre Eltern waren tot, ihr Privatleben schien in die Brüche zu gehen und ihr Tod stand mittlerweile ebenfalls direkt bevor. Und: Sie war völlig alleine, weil sie sich niemandem anvertrauen wollte oder konnte. Die Einsamkeit und der brennende Wunsch nach ein bisschen Geborgenheit machten es ihr noch schwerer, sich zu entspannen, was sich negativ auf ihre Arbeit und ihr Privatleben auswirkte und so befand sie sich in einem Teufelskreis aus Frustration, Angst und Hoffnungslosigkeit.

Jetzt erkannte er, warum sie damals getan hatte, was sie nun mal getan hatte.

Sie brach in Tränen aus und sein vergangenes Ich reagierte natürlich zunächst einmal geschockt.

Doch schließlich fasste er sich, besann sich auf seine wenigen zwischenmenschlichen Kenntnisse, rückte seinen Stuhl näher an ihren und tätschelte ihr vorsichtig den Kopf. Mit einem erstickten Laut ließ sie sich in seine Arme fallen und reflexartig schlang er diese um sie.

Seine Nähe war warm und beruhigend, er roch nach Kräutern und nach sich selber und Hermine erinnerte sich plötzlich an das angenehme Gefühl, von ihm geküsst zu werden.

Ohne weiter darüber nachzudenken hob sie den Kopf und zog ihn zu sich, um ihre Lippen auf seine zu pressen.

Seinen überraschten Laut erstickte sie so mit einem fordernden Kuss und er war ohnehin zu sehr ein Mann, als dass er Gegenwehr gezeigt hätte.

Seine Hände streichelten zunächst über ihren Rücken und gingen dann, als von ihrer Seite diesmal ebenfalls keine Gegenwehr kam, weiter. Liebkosten ihren Nacken, ihre Seiten, Hüften und schließlich ihren Hintern.

Mit einem gurrenden kleinen Laut schmiegte sie sich enger an ihn, wischte jeden Gedanken an Ron beiseite und ergab sich seinen streichelnden Händen, die sich nun rasch den Weg unter ihre Kleider bahnten, und seinen Küssen.

Zwei kleine Zauber später lagen ihre Kleider in einen dicken Teppich, einige Kissen und Decken verwandelt auf dem Boden und sie fand sich auf selbigem wieder, nackt und von einer fast verzweifelten Erregung gepackt.

Sie ließen sich nur wenig Zeit für ein intensives Vorspiel und als sie sich schnell und heftig ineinander und aufeinander bewegten, vergaß Hermine für den Augenblick alles andere.

Beide fanden sie viel zu schnell zu ihrem Höhepunkt und als sie ermattet aneinander geschmiegt auf dem Teppich lagen, sprach Severus, geistesgegenwärtig wie immer, laut und deutlich einen Verhütungszauber.

Der „echte" Severus, gefangen gewesen von der Intensität der Erinnerung, riss sich nun zusammen und ließ die Erinnerung fahren. Sie hatten beide genug gesehen.

An ihrem Verhältnis hatte sich auch nach diesem kurzen, außergewöhnlichen Treffen nichts verändert. Nun… doch… Hermine hielt es hinterher für albern, ihn weiter Professor Snape zu nennen und switchte deshalb auf „Severus". Zähneknirschend akzeptierte er es, doch einvernehmlich beschlossen sie, die „Sache" nicht mehr zu erwähnen.

In einer Erinnerung, die nur wenig später stand gefunden haben musste, erschien ein riesiger Blumenstrauß in Hermines Hotelzimmertür, der Hermine um Verzeihung bat und hinter dem schließlich ein zerknirscht drein blickender Ronald Weasley erschien.

Hermine, noch verwirrt und etwas erschreckt über sich selber wegen ihrer Ungebremstheit, nahm die Entschuldigung umgehend an und sparte auch ihrerseits nicht an solchen – obwohl sie, wie mit Severus besprochen, Stillschweigen einhielt und versuchte, die Sache zu vergessen.

Ron war so euphorisch, dass er ihr leichtes Unbehagen kaum bemerkte und sie unter Aufwand all seines Charmes wieder nach Hause quatschte… und natürlich auch in sein Bett.

Severus würgte und ging weiter.

An einem Tag irgendwann nach Neujahr gelang der Trank zum ersten Mal und Hermine schöpfte Hoffnung.

Ron gab sich Mühe, ihre ständige Abwesenheit zu akzeptieren, zumal auch er nun – unmittelbar vor dem Endkampf – stark eingespannt war.

In einer Sitzung des Ordens verkündete Albus, dass Voldemort plane, im März anzugreifen. Die Todesser waren dazu angehalten, die Angriffe bis dahin zurück zu fahren, um ihre Kräfte zu sammeln.

Ginny beichtete Hermine, im dritten Monat schwanger zu sein.

Severus konnte darüber nur den Kopf schütteln. Sie hatten damals nicht gewusst, ob Harry den Endkampf überleben würde… ja, ob überhaupt irgendjemand den Endkampf überleben würde, und trotzdem schwängerte er seine blutjunge Frau ununterbrochen.

Auch Hermine war erschreckt über die Verkündigung ihrer Freundin und der Nachhall ihrer Gedanken ging in eine ähnliche Richtung wie seine.

Damit fiel Ginny als Kämpferin aus – ein Verlust für die weißen Magier, denn sie war geschickt und begabt.

Die restliche Zeit vor dem Kampf war Hermine so klar im Gedächtnis geblieben, dass Severus Unmengen von Erinnerungen fand, deren genaue Erforschung er Hermine überließ. Es drängte ihn zum Endkampf – er hatte schon genug Zeit mit der Betrachtung anderer Erinnerungen verschenkt. Vermutlich war es schon mitten in der Nacht.

In der Nacht vor dem Kampf hielt er an. Es war kalt in dieser Erinnerung und er bemerkte rasch, dass Hermine sich offensichtlich in Hogwarts auf dem Astronomieturm aufhielt. Hier wehte ein eisiger Wind und sie zog fröstelnd ihren Umhang fester um sich. Er spürte Unruhe und Angst. Sie murmelte Verteidigungs- und Angriffssprüche vor sich hin und ging im Geiste auch die dazu gehörenden Zauberstabbewegungen durch.

Der Wind löste einige wilde honigbraune Locken aus ihrem Pferdeschwanz und nun erinnerte Severus sich, in welcher Szene er nun gelandet war. Der Grund für seine Bedenken. Ihr letztes Zusammentreffen vor dem Kampf.

Er hatte sich damals auf die Suche nach Hermine gemacht, um mit ihr noch einmal alles durchzugehen und die Trankauswahl für Potter zusammen zu stellen. Alle Ordensmitglieder befanden sich im Schloss und so war es ein Leichtes für ihn gewesen, sie schließlich auf dem Astronomieturm aufzuspüren.

Sie sah auf, als er an sie heran trat.

„Es ist zu kalt, um hier oben herum zu stehen."

Sie zuckte die Achseln. „Die Kälte befreit meinen Kopf."

„Und ruiniert Ihre Gesundheit."

„Und wenn schon. Vielleicht bin ich morgen ohnehin tot."

Er schnaubte. „Also sind Sie hier her gekommen, um sich selbst zu bemitleiden? Erbärmlich, Hermine, erbärmlich."

„Denken Sie doch, was Sie wollen."

„Schon immer. Kommen Sie jetzt. Wir müssen noch die Tränkeauswahl für Potter zusammenstellen und Ihre Aufgabe für morgen durchgehen."

Für einen kurzen Moment wollte sie sich widersetzen, doch mittlerweile war ihr so erbärmlich kalt, dass sie einfach stumm an ihm vorbei ging. Zufrieden folgte er ihr und gemeinsam gingen sie in die Kerker hinab, wo auf dem Arbeitstisch fein säuberlich aufgereiht 13 Tränke standen.

„Ich habe mir im Prinzip schon ein System ausgedacht", erklärte er ihr. „Diese drei", er schob sie an eine Stelle des Tisches, „wird er genau in dieser Reihenfolge nach einander einnehmen… in einem zeitlichen Abstand von exakt jeweils 10 Minuten. Der letzte Trank hebt die Wechselwirkungen der ersten beiden auf. Diese vier Tränke", er nahm vier Phiolen und schob sie mit etwas Abstand neben die Gruppe der ersten drei, „nimmt er zwei Stunden später. Spätestens ab da braucht er dringend den Trank gegen Übelkeit." Er nahm eine weitere Phiole mit dem Trank gegen Übelkeit und stellte ihn mit einigem Abstand zur zweiten Gruppe auf. „Der Trank zur Bündelung der Kräfte steht jedoch in Wechselwirkung mit dem Trank gegen Übelkeit", er nahm den Bündelungstrank, stellte ihn auf und fügte eine weitere Phiole hinzu, „und in Wechselwirkung zu dem ersten Trank. Dieser Trank hier hebt die Nebenwirkungen von beiden auf und verhindert die Wechselwirkung. Die müssen direkt hintereinander weg eingenommen werden. Und diese drei sind simple Stärkungstränke. Einer für den Geist, einer für den Körper und einer für die Konzentration. Die haben weder Wechselwirkungen noch Nebenwirkungen."

Hermine nickte. Harry würde sich hinterher vermutlich so elend fühlen, wie noch nie in seinem Leben… falls er den Kampf gewann. Aber das mussten sie einfach in Kauf nehmen.

Sie warf einen Blick auf das große Regal, das seit neustem im Kerker stand. Auf den Regalböden standen Unmengen von Tränken. Der eine Boden war komplett bedeckt mit dem Cruciatus-Trank. Der zweite Boden beherbergte die Fluch-Identifikations- und verschiedene Heiltränke. Auf dem dritten Boden fanden sich Stärkungstränke für die Kämpfer wieder. Die extra für den Kampf entwickelten, empfindlichen Brandtränke standen auf dem untersten Boden. Ihre Phiolen waren so dünn, dass sie bei schon bei leichter Erschütterung zerbrachen. Mit dem kurzen zauberstablosen Befehl „cremare" auf eine Person geworfen entzündeten sie sich sofort mit magischem Feuer und verbrannten den Unglücklichen in Sekunden. Hermine war nicht stolz auf diese Erfindung, aber sie würde ihnen helfen.

„Was, wenn die Todesser auch Tränke haben?"

Er lächelte grimmig. „Sie haben das, was ich für sie gebraut habe. Und da ich schon länger nicht mehr unter ihnen weile, wird das nicht mehr allzu viel und vor allem nichts Unbekanntes sein. Zumindest darum brauchen wir uns also nicht zu sorgen." Sein Blick fiel auf sie. „Sie wissen, was Ihre Aufgabe morgen ist?" Mit einem Wink seines Zauberstabes flog eine Phiole zu ihm. „Der Ignorierzauber wird Sie nur für mich sichtbar machen."

Sie nickte. „Ich benutze die Brandtränke und heile unsere Leute. Kein Zweikampf."

Er nickte ebenfalls. „Auf keinen Fall. Sie könnten es schaffen, sich zu verteidigen, wenn irgendein Todesser Sie angreift… aber wenn jemand vom inneren Zirkel es schafft, wird es schwierig für Sie."

Für einen kurzen peinvollen Moment schloss Hermine die Augen. ‚Versagerin!', schrie die gemeine kleine Stimme in ihrem Kopf und sie schaffte es nicht mehr, dagegen anzudenken. Sie taugte nicht zum Zweikampf. Nur dazu, hinterhältig Menschen abzufackeln und zu heilen. Mit letzterem hätte sie leben können… zu schaffen machte ihr jedoch die erste Aufgabe. Es war feige.

„Sie sollten jetzt schlafen gehen. Der Tag morgen wird sehr früh anfangen."

„Ich kann jetzt nicht schlafen."

„Dann legen Sie sich nur hin."

„Ich möchte mich nicht hinlegen."

Severus – der aus der Erinnerung – stöhnte entnervt. „Was wollen Sie dann?"

Sie überlegte kurz, wimmelte alle blöden Ideen wie „Weltfrieden" oder ähnliches ab und sagte dann zögernd: „Trinken wir Tee?"

Er seufzte und winkte sie dann nach nebenan in sein Wohnzimmer. Sie war bisher einige wenige Male hier drin gewesen… er hatte unglaublich viele Bücher, die ihnen bei ihrer Forschung sehr weiter geholfen hatten.

Nun dirigierte er sie zu der Couch und setzte mit einem Wink seines Zauberstabs Wasser über dem Feuer auf.

„Wie läuft's mit dem Wiesel? Ich hab den Eindruck, er gibt sich jetzt mehr Mühe…" Er musste sich Mühe geben, interessiert zu klingen und Hermine war sofort klar, dass er sie nur ablenken wollte.

„Es ist in Ordnung", gab sie ausweichend an. Sie hatte nicht vor, ihre Beziehung mit Snape zu bequatschen. Er war schließlich nicht ihre beste Freundin. „Es ist keine gute Zeit für Beziehungen."

„Das scheint Ihren Freund Potter ja nicht davon abzuhalten, seiner Frau ein Kind nach dem anderen anzuhängen."

Sie zuckte die Achseln. „Er hat das sicher nicht forciert. Es ist einfach passiert. Und er kann vermutlich ohnehin besser kämpfen, wenn er weiß, dass zumindest Ginny in Sicherheit ist."

Severus nickte. „Das könnte sein. Emotionale Bindungen sind für einen Kampf nicht besonders gesund."

„Das sehe ich anders. Ich glaube, dass nur die emotionalen Bindungen uns im Kampf nicht zu Monstern werden lassen."

„Genau darin sehe ich das Problem." Seine Stimme klang sanft, als würde er einem dummen Kind etwas erklären. „Die Todesser, Hermine, sind Monster. Es wäre also für uns gesünder, ebenso zu handeln wie sie. Ohne Skrupel. Ohne Erbarmen. Sonst sind wir verloren."

„Ich glaube daran, dass Barmherzigkeit immer der richtige Weg ist, Severus. Auch gegenüber Todessern. Nicht jeder von ihnen ist nur ein Monster. Sie sollten das besser als jeder andere wissen."

Er lächelte grimmig. „Sollte ich das? Woher wollen Sie wissen, dass ich nicht selber ein Monster bin… wenn gleich auch eines, dass sich für die richtige Seite entschieden hat?"

„Ein Monster würde sich nicht für unsere Seite entscheiden. Zu viele Skrupel, zu viele emotionale Bindungen, zu wenig Machtbestreben." Sie schnitt ihm eine Grimasse und er verdrehte die Augen. „Ein Monster würde sich nicht zu einem Werkzeug von Dumbledore machen lassen, sondern selber nach der Führung streben."

Seine Miene verschloss sich. Er hasste es, Befehle von Dumbledore entgegen nehmen zu müssen – Gewöhnung hin oder her. Und Dumbledore wusste das. Trotzdem tat er es immer wieder. Er war nun mal der Anführer. Irgendeiner musste es ja tun. Und trotzdem hasste er es.

„Meinen Sie, ich kann hinterher meinen Beruf wieder aufnehmen?" Bittend sah sie ihn an – erhoffte sich eine Bestätigung.

Wieder konnte er nur mit den Schultern zucken. „Wenn Dumbledore Sie dann nicht mehr braucht… möglicherweise."

Etwas enttäuscht wandte sie sich wieder dem Feuer zu. „Ich tu es einfach", murmelte sie. „Dumbledore ist der Anführer des Ordens, aber nicht mein Vater."

Severus lächelte freudlos. „Ich arbeite nun schon sehr lange für Dumbledore… und ich will Ihnen Ihre Hoffnungen ja nicht nehmen… aber Dumbledore hat wesentlich mehr Macht über Sie als Ihr Vater."

Ihr Blick wurde traurig, als ihre Gedanken an ihre Eltern abschweiften. Er sah es, doch er bezog es nur auf ihre Enttäuschung über seine Worte.

„Besser Dumbledore als Voldemort", meinte er knapp und schenkte ihnen dann Tee ein.

„Es wird gefährlich morgen für Sie sein", sagte sie schließlich leise und er nickte.

„Möglicherweise."

„Versprechen Sie mir, vorsichtig zu sein."

„Ich warte seit fast 30 Jahren auf diesen Tag, Hermine. Ich kann nicht versprechen, vorsichtig zu sein. Außerdem würde Ihr Leben auch ohne mich weiter gehen. Möglicherweise angenehmer."

Empört fuhr sie auf. „Wie können Sie so etwas sagen! Wir sind vielleicht nicht die besten Freunde, aber ich achte und respektiere Sie! Ich hätte niemals so viel über Zaubertränke gelernt, wenn jemand anderes mein Lehrer gewesen wäre."

Ein Grinsen huschte über sein Gesicht. „Das kann gut sein. Andererseits hätten Sie sich vermutlich ohnehin alles selber beigebracht. Nein, Hermine, ich verspreche nur, so viele Todesser in die Hölle zu schicken, dass es sich verdammt noch mal lohnt, ihnen dorthin zu folgen. Es wird mir ein Vergnügen sein."

Stumm sah Hermine ihn an und fuhr sich mit der Hand durch die Locken. Dann hielt sie ihre Teetasse an ihre Wange als wolle sie sich wärmen.

Eine Weile sagten sie beide nichts.

Irgendwann brach Hermine das Schweigen, in dem sie ihm ihre Tasse hinhielt und sagte: „Lassen Sie uns anstoßen, Severus."

„Worauf?"

„Auf den Untergang Voldemorts. Auf das Leben. Auf eine gute Tasse Tee. Und auf unsere Zusammenarbeit." Sie lächelte etwas verunglückt und hielt ihm weiter diese Tasse hin.

Mit einem schmalen Lächeln nickte er. „Also gut. Stoßen wir darauf an."

Mit einem leisen Klacken stießen ihre Tassen zusammen.

Der Tee war jedoch noch zu heiß und so trank keiner von ihnen. Stumm sahen sie sich an und schließlich meinte Hermine: „Severus… was da letztens passiert ist…"

Fragend sah er sie an, bis er darauf kam, was sie meinte. „Wir wollten es doch dabei belassen", erwiderte er steif. „Es war eine Maßnahme zum Stressabbau. Mehr nicht."

„Ja. Das stimmt. Aber es war schön." Sie nahm all ihren Mut zusammen. „Und ich würde es gerne wiederholen. Jetzt. Ich stehe momentan sehr unter Stress."

„Darum sollte sich Ihr wiedergefundener Freund kümmern."

Sie schüttelte rasch die sich ihr aufdrängenden Schuldgefühle ab. „Der ist selber so dermaßen unter Stress, dass er gar nicht in der Lage wäre, jetzt an etwas anderes zu denken. Außerdem geht es mir nicht um Liebe oder um Zuneigung. Stressabbau."

„Ich habe Sie völlig falsch eingeschätzt, Miss Granger." Er lächelte schmallippig. „Woher wissen Sie denn, dass ich nicht auch unter Stress stehe?"

Sie zuckte die Achseln. „Sie wirken nicht so. Und ich kenne Sie schon ein Weilchen. Sie freuen sich auf morgen. Sie wollen kämpfen und es beenden. Egal was es kostet. Deshalb sind Sie nicht gestresst."

Ein wenig überrascht wirkte er schon. Aber das war Hermine Granger. Was hatte er also erwartet? Natürlich erkannte sie, wie es in ihm aussah. Aber warum auch nicht. Wenn sie also unbedingt wollte.

Und so stellte er bloß schlicht seine Tasse ab und breitete die Arme ein wenig aus, einladend, wie er hoffte.

Sie nahm die Einladung an und kam zu ihm.

Dieses Mal fielen sie nicht übereinander her wie Verhungernde. Dieses Mal erlebten sie bewusster, ließen sich mehr Zeit, bauten Stress ab. Während sie sich bewegten, bemerkte Severus durch den Schleier der Erregung irgendwann, dass sie weinte. Doch er sagte nichts, hielt sie nur etwas fester und schwor sich im Geheimen, sie zu beschützen. Sie würde den morgigen Tag überleben. Und sie würde ein wunderbares Leben führen.

Dem realen Severus wurde übel, als seine Erinnerungen sich mit ihren vermischten und ihm wieder vor Augen führten, wie grauenhaft er versagt hatte.

Durch den Schleier der Legilimentik fühlte er, wie etwas seine Hand berührte und sie dann festhielt. Ihre Hand. Gefangen in ihren eigenen Erinnerungen konnte oder wollte sie nichts sagen, doch sie hatte offensichtlich seine Gedanken mitbekommen und versuchte ihn zu beruhigen.

Seltsam berührt wandte er sich wieder der Erinnerung zu und sah zu, wie sein früheres Ich und Hermines schließlich nur kurz ermattet nebeneinander lagen und dann in stummem Einverständnis wieder zur Arbeit zurückkehrten. Es waren nur wenige Tränke, die noch zu Ende gebraut werden mussten und während Severus diese Arbeit übernahm, begann Hermine, Trankpakete in kleinen Taschen zusammen zu zaubern, um die Kämpfer und sich selber damit ausrüsten zu können.

Die Erinnerung zeigte nicht Severus' Verhütungsspruch, den er Hermine während der Arbeit leise gemurmelt und von ihr unbemerkt in den Rücken geschossen hatte.

Aber vielleicht hatte er einen Fehler gemacht… er benutzte den Spruch ja nicht sehr häufig. Und vielleicht… ganz vielleicht…war etwas über eine Stunde schon lange genug gewesen, um den Verhütungsspruch zu spät kommen zu lassen.

Die Szene verschwamm vor seinen Augen, als er zu einem Teil kam, an den Hermine sich nicht mehr gut erinnerte.


(Ab hier kann jeder, der den Kampf und Hermines Zusammentreffen mit Lestrange nicht lesen möchte, das Lesen abbrechen. Wir sehen uns dann im nächsten Chap wieder… hoffentlich)


Das nächste Mal wurde das Bild wieder klar, als sie zur letzten Abschlussbesprechung in der großen Halle zusammen fanden. Es war am Vormittag und da Severus vermutete, dass Voldemort die gesamte symbolische Tragweite des Tages nutzen wollte, würde der Kampf vermutlich erst am Nachmittag losgehen. Voldemort hatte seinen Vater und seine Großeltern im Laufe des Nachmittags getötet – von daher würde er vermutlich auch den Endkampf gegen Nachmittag beginnen.

Aus diesem Grund begann Harry nun erst, mit angewidertem Gesicht einen Trank nach dem anderen zu trinken – bis auf die letzten drei, die er erst bei Beginn des Kampfes nehmen sollte, um ihre volle Wirksamkeit gewährleisten zu können.

Hermine verteilte die Tranktaschen inklusive eines Gedächtniszaubers für die vorhandenen Tränke und ihre Wirksamkeiten. Sie erklärte die Wirkungsweise des Brandzaubers und ihre Aufgabe im Kampf, damit alle darauf gefasst sein konnten.

Ein letztes Mal wurden Zaubersprüche geübt, Taktiken durchgesprochen und gute Freunde lagen sich in den Armen und verabschiedeten sich voneinander. Dankten einander und entschuldigten sich für vergangenes Unrecht.

Die sichtbar schwangere Ginny, die zu den zurückbleibenden Frauen, Kindern, Kranken und Alten gehörte, stand am Rande eines Nervenzusammenbruchs und Madame Pomfrey verpasste ihr schließlich einen Trank zur Beruhigung des Geistes, um ihr Kind zu schonen.

Der kleine James verstand nicht, was um ihn herum vor ging, ließ sich jedoch von der Unruhe der anderen anstecken und brüllte ununterbrochen.

Hermine hätte ihn und alle anderen schreienden Kinder am liebsten hinaus geworfen, so sehr zerrten sie an ihren Nerven, und Merlin sei Dank musste Dumbledore einen ähnlichen Gedanken gehabt haben, denn er komplimentierte alle „Zuschauer" schließlich sanft, aber nachdrücklich hinaus in ihre sicheren Unterkünfte, in denen sie den Ausgang des Kampfes abwarten sollten.

Als Ruhe eingekehrt war, wandte er sich mit ausgebreiteten Armen an seine Kämpfer.

„Meine Lieben!"

Alles wandte sich ihm zu. Er lächelte in die Runde.

„Ich bin froh, dass ihr heute alle da seid. Heute ist der Tag, an dem wir uns von Voldemort und seinen Machenschaften befreien werden. Heute Nacht können wir alle wieder ohne Angst leben. Unsere Kinder und Enkelkinder werden aufwachsen und den Namen Voldemort nur noch in Geschichtsbüchern und aus den Geschichten ihrer Eltern kennen. Er wird zu einem Mahnmal an uns alle werden, was geschehen kann, wenn wir jemanden seinem Hass und seiner Wut überlassen. Er ist es schon jetzt. Aber wir dürfen nicht vergessen. Niemals." Ernst sah er in die Runde. „Ich weiß nicht, wie viele von uns heute für unsere Sache fallen müssen. Ich bete, dass es niemanden oder wenigstens so wenig wie möglich trifft… aber das steht nur in den Sternen. Aber wenn ich heute sterbe, sterbe ich mit dem Wissen, dass es eine gute Sache war, für die ich sterbe. Die beste."

Beifälliges Murmeln erklang.

Dumbledore wandte sich Harry zu, der blass und ernst drein blickend ein Stück weiter neben ihm stand.

„Harry Potter. Heute Abend glauben wir an dich. Heute Abend werden wir alles tun, damit du tun kannst, wofür du auserwählt wurdest. Und heute Abend wirst du Voldemort vernichten… mit uns an deiner Seite." Er lächelte. „Was auch immer geschieht, Harry… denk immer daran, dass du uns schon viele Male gerettet hast. Du wirst es noch einmal schaffen. Und dann wird es vorbei sein."

Harry nickte bloß, unfähig, etwas darauf zu erwidern. Hermine konnte förmlich sehen, wie seine Schultern sich unter der Last der Freiheit der gesamten Zauberwelt schier bogen. Sie fand, dass Dumbledore es nicht noch einmal extra hätte erwähnen brauchen. Harry wusste mit Sicherheit sehr genau, dass er nicht zum Kirschkernweitspucken hier war.

Dumbledore hob wieder die Arme – eine Geste, die bei jedem anderen lächerlich gewirkt hätte. Bei ihm nicht. Nicht in diesem Moment, als der alte Großvater von ihm abfiel und der Magier zum Vorschein kam, vor dem Voldemort sich fürchtete.

„Wenn sie kommen, werden wir sie erwarten! Wenn sie angreifen, werden wir sie zurück schlagen! Wenn sie versuchen, uns zu vernichten, werden wir sie besiegen! Heute geht es zu Ende!" Er wies zur Tür. „Also lasst uns hinausgehen und auf sie warten."

Das war weniger ein Vorschlag als vielmehr ein Befehl und so setzte sich die Gruppe murmelnd in Bewegung. Dumbledore setzte sich mit Harry an die Spitze und die anderen folgten auf dem Fuße. Severus jedoch hielt Hermine zurück – nicht ohne einige misstrauische Blicke von Ron zu bekommen.

„Ich werde jetzt den Ignorierzauber auf Sie sprechen."

Sie nickte.

„Denken Sie daran, dass Sie niemand außer mir sehen kann. Sie müssen darauf achten, nicht von herumfliegenden Flüchen getroffen zu werden. Wenn es zu eng wird, ziehen Sie sich für einen Moment aus dem Geschehen zurück."

Sie nickte wieder.

Mit regungsloser Miene hob er den Zauberstab und konzentrierte sich auf sie. Diese selektive Art des Zaubers war kompliziert, verlangte hohe Konzentration und war nur schwer auf sich selber zu sprechen.

Das leichte Kribbeln in ihrem Körper verriet ihr, dass der Fluch nun wirkte.

„Gut." Er steckte den Zauberstab wieder in seinen Ärmel. „Dann lassen Sie uns gehen."

Sie war froh, dass er ein so wenig emotionaler Mensch war. Emotionen konnte sie so kurz vor dem entscheidenden Kampf einfach nicht ertragen.

Draußen hatten die anderen sich schon formiert. Sie konnten nur noch Severus sehen und so stellte Hermine sich etwas abseits von ihnen auf und starrte zur Grenze des Hogwartsgeländes hinab. Bald würden sie kommen.

Ihr Zauberstab wog schwer in ihrer nervösen, feuchten Hand. Am liebsten hätte sie geweint und sich irgendwo verkrochen. Wenn man in Büchern von Kriegen las, wirkten die Krieger immer wie Helden, die keine Angst hatten vor irgendetwas. Aber hier war es anders. Sie las in den Gesichtern der anderen dieselbe schlecht unterdrückte Angst wie bei sich selber. Nur Dumbledore und Snape wirkten ruhig, ja fast gelassen. Keine euphorischen Reden feuerten die Menge an und verwandelten die Versammelten in wütende Berserker. Sie standen und warteten wie Opferlämmer – kein besonders angsteinflößender Anblick für die Todesser.

Plötzlich flog ein schlanker Vogel blitzschnell aus dem Dickicht auf die Menge zu, bohrte sich elegant vor Dumbledore in den Boden und zeigte dort seine wahre Gestalt: Es war ein Pfeil, an den eine Pergamentrolle befestigt war.

Dumbledore hob das Pergament auf, entfaltete es, überflog es kurz und lächelte dann. „Das ist eine Nachricht von den Zentauren. Die Sterne zeigten ihnen an, dass es Zeit sei, zu kämpfen. Sie werden uns heute beistehen!"

Beifälliges, erleichtertes Murmeln erklang. Die Zentauren waren gefährliche Gegner, wenn sie sich denn einmal dazu bereit erklärt hatten, zu kämpfen. Sie würden eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Todesser spielen.

Aus dem Wald erklang ein Dröhnen und Hermine zuckte zusammen. Doch sie erkannte den Klang schnell als den der Hörner der Zentauren und so beruhigte sie sich für einen kurzen Moment wieder.

Für einen kurzen Moment. Denn die Zentauren hatten Alarm geblasen. Ein Rauschen erfüllte die Luft und plötzlich schossen Todesser auf Besen aus dem Wald, gefolgt von einem Schwarm der Vogelpfeile.

Noch bevor die ersten Flüche ausgesprochen werden konnten, fegten die Pfeile die Hälfte der fliegenden Todesser von ihren Besen.

Das fing ja gut an, dachte Hermine sich motiviert und wog vorsichtig die erste Brandbombe in der Hand.

Die übrigen fliegenden Todesser wurden nun so rasch wie möglich von ihren Besen herunter gefegt – Hermine erwischte einen mit einem Stupor – er sah sie ja nicht zaubern. Der Sturz brach ihm vermutlich das Genick.

Nun verdunkelte sich der Waldrand. Die Todesser kamen, angeführt von Voldemort und seinen Getreuen. Das eisige Gesicht mit der flachen Nase und dem Schlangenantlitz widerte Hermine ebenso sehr an, wie es ihr Angst machte, doch sie blieb wo sie war und wappnete sich für den Kampf.

Die Todesser in den hinteren Reihen waren offensichtlich mit den Zentauren im Wald in einen Kampf verwickelt und so kam der gesamte Trupp schon etwas zersprengt an.

Als Voldemort seine graue, knochige Hand hob, formierte die Gruppe sich jedoch rasch zu einer keilförmigen Gruppe, deren Seiten auf seinen Wink hin schneller marschierten und sich so zu einem schmalen V vorarbeiteten, sodass Voldemort – nur umgeben von seinen engsten Getreuen – ganz hinten lief.

„Er schickt das Fußvolk vor", murmelte jemand und unbewusst nickte Hermine, obgleich niemand es sehen konnte.

Dann gab Dumbledore ein Zeichen und die weißen Magier stürmten vor. Harry und Dumbledore hielten sich zurück, doch nun schloss sich auch Hermine kurzentschlossen den Kämpfern um. Sie sah, wie Severus schon in den ersten 30 Sekunden zwei Todesser in die ewigen Jagdgründe fluchte.

Dann stand plötzlich jemand mit einer silbernen Maske vor ihr und sie warf die Brandbombe in ihrer Hand mit dem gemurmelten Fluch auf den Ahnungslosen.

Erschreckte Schreie halten unter den Todessern auf, als der Mann in Flammen aufging und mit einem Aufkreischen innerhalb von Sekunden verbrannte. Mit blankem Grauen in den Augen starrte Hermine auf das schwelende Häufchen Asche – dann rissen die Schreie der Kämpfenden sie aus ihrer Erstarrung und sie machte kurz entschlossen weiter.

Die Todesser waren nun schwerer zu erwischen – sie waren gewaltig auf der Hut, als sie bemerkten, dass ein Unsichtbarer umher schlich und sie anzündete. Sie warfen nun so hektisch mit Flüchen um sich, dass Hermine mehr als einmal nur knapp einem Fluch entkam.

Trotzdem huschte sie nun wie ein Geist übers Feld und heilte und verbrannte, soviel sie konnte. Als ihr schließlich die Brandbomben ausgingen, überkam sie eine merkwürdige Erleichterung.

Sie fuhr nun fort, mit Flüchen um sich zu werfen, wenn nicht gerade irgendwo jemand fiel. Dann eilte sie sofort zu demjenigen, flößte Tränke ein und sprach Heilzauber. Obwohl ihre Patienten sie nicht sehen konnten, schalteten sie schnell und machten nicht weiter auf sie aufmerksam, um nicht irgendeinen aufmerksamen Todesser zu alarmieren.

Irgendwann knackte es plötzlich und Hermine fuhr herum. Sie stand nahe dem verbotenen Wald, in dem noch immer die Zentauren aus dem Dickicht unter den Todessern und Kreaturen wüteten. Mit lautem Knacken brach ein Riese röhrend und tobend aus dem Unterholz, gespickt mit den Pfeilen der Zentauren. Sie wich etwas zurück, um nicht in Gefahr zu laufen, unter seine riesigen Plattfüße zu kommen. Aus den Augenwinkeln sah sie im Schein der sinkenden, blassen Märzsonne, wie Molly Weasley von einem Incarcerus-Fluch getroffen wurde und gefesselt zu Boden sank. Rasch lief sie, von dem Ignorier-Zauber geschützt, zu ihr und hob den Fluch auf. Molly konnte sie nicht sehen, war jedoch nur kurz überrascht, murmelte ein „Danke" in den leeren Raum und fuhr fort damit, Flüche um sich zu schmeißen.

Schnell brachte Hermine sich aus der Schusslinie und fuhr fort zu befreien, zu heilen und zu schützen. Einmal erhaschte sie einen kurzen Blick auf Severus, der wie ein Besessener Todesser ausschaltete und sich gleichzeitig verteidigte. Harry und Dumbledore konnte sie in dem Dunst aus Zauberei und Staub nicht ausmachen… doch sie mussten irgendwo im Zentrum des Kampfes sein und zu Voldemort durchdringen.

Für einen Moment gestattete sie sich den spöttischen Gedanken, dass Severus wie ein Löwe kämpfte – im nächsten Moment jedoch wurde sie von einem wuchtigen Fluch ins Kreuz getroffen und fiel auf die Knie.

Als jemand sie dann plötzlich irritiert ansah, erstarrte sie. Sie war sichtbar.

Schon begannen die ringsum kämpfenden Todesser, auch nach ihr Flüche zu werfen.

Und trotz der Übungsstunden war Hermine in diesem Moment vor lauter Schreck über ihre Enttarnung nicht in der Lage, sich zu wehren. Ihre Kompetenz in fast allem machte ausgerechnet davor ausgerechnet in diesem Moment halt.

Und so schlug sie sich mehr schlecht als recht zum Rande des Waldes durch, wo es etwas ruhiger zuging, und entging mehr als einmal nur haarscharf gleißenden, meistens grünen Blitzen. Ihre Skrupel, unverzeihliche Flüche anzuwenden, erschwerten ihr die Sache zudem, denn obgleich sie mit den Brandbomben schon getötet hatte, konnte sie in sich nicht den Hass für einen starken Unverzeihlichen aufbringen.

Ein schriller Schrei ließ sie zu dem Schlachtfeld herum fahren und erstarren. McGonagall war in die Knie gegangen und sackte schließlich vorne über.

Hermine wurde kalt. Heftig zitternd und angespannt hastete sie zu den Bäumen und versteckte sich schließlich hinter einer großen Eiche. Sie schalt sich einen Feigling und versuchte, ihrer Panik Herr zu werden, um sich wieder nützlich machen zu können.

Der Ignorierzauber war nun keine Option mehr – er war in seiner Machart zu komplex, als dass sie ihn in aller Eile auf sich selber sprechen könnte und Severus war nicht in Sicht.

Glücklicherweise war sie ja einigermaßen auf diesen Fall vorbereitet. Sie wies mit ihrem Zauberstab auf ihr kleines Umhängetäschchen und rief sich mit einem Accio eine Phiole Cruciatustrank daraus herbei.

Mit einem Zug leerte sie die Phiole und steckte sie, nachdem sie sie wieder verkleinert hatte, wieder ein. Dann fasste sie ihren Zauberstab fester und trat hinter dem Baum hervor.

Dann erstarrte sie. Vor ihr stand ein Mann. Groß, kräftig, schwarzhaarig, in einer schwarzen Robe. Ein Todesser. Rabastan Lestrange. Sie kannte ihn aus einigen Erinnerungen. Auf seinem Gesicht, von dem die Maske im Gefecht schon verloren gegangen war, entstand ein unangenehmes Lächeln und mit erhobenem Zauberstab kam er näher auf sie zu.

„Wen haben wir denn da?" Seine Stimme war tief und klang wie das Knurren eines wütenden Tigers.

Hermine wich zurück und reagierte dann. „Impedimenta!"

Er blockte den Fluch lässig ab. „Ist das alles, was du kannst, Mädchen?" Geschickt schoss er ihr einen Todesfluch direkt vor die Füße und lachte, als sie erschreckt zurück sprang – weiter in den Wald hinein, in den sich die letzten Sonnenstrahlen des Tages nur gedämpft verirrten.

Mit wachsender Panik schoss sie erneut den ersten besten Fluch, der ihr einfiel, auf ihn ab… und sah verzweifelt, wie er in Gelächter ausbrach, über ihren plumpen Versuch, sich mit einem Wabbelbeinfluch gegen einen Todesser zu verteidigen. Dann sprach sie kurzentschlossen einen Protego und rannte los – in den Wald hinein, in der Hoffnung, die Zentauren würden ihr helfen.

Lestrange lachte wieder und folgte ihr dann.

Hermine war keine Sportlerin. Sie war ein Bücherwurm, jemand, der geistige Arbeit liebte – und obwohl sie mit ihrer Figur keinerlei Probleme hatte, war nun mal ihre Kondition nicht die beste. Normalerweise hasste sie rennen… doch nun rannte sie um ihr Leben.

Der Todesser hinter ihr jedoch war viel größer als sie, wesentlich kräftiger und hatte offensichtlich mit dem Laufen weniger Probleme als sie.

Rasch holte er sie ein, während sie trotz der Aufwendung all ihrer Energie langsamer wurde und trotz heftigen Atmens gefühlt immer weniger Sauerstoff in ihre Lungen bekam.

Als er sie packte und zu Boden riss, schrie sie, wie sie noch nie in ihrem Leben geschrien hatte. Dann wurde ihr vom Sauerstoffmangel schwarz vor Augen.

Sie kam wieder zu sich, als ein Zauber mit Gewalt Luft in ihre Lungen presste. Hektisch blinzelte sie die schwarzen Flecken vor ihren Augen weg und erstarrte, als ihr die Situation bewusst wurde.

Sie war nun ungleich weiter vom Waldrand entfernt als zuvor. Hier war es schon fast vollständig dunkel, doch trotzdem konnte sie die Gestalt ausmachen, die drohend und überlegen über ihr stand und sie unheilvoll anlächelte.

„Was für eine nette Abwechslung", schnurrte Rabastan Lestrange ihr zu. „Ich hatte kaum zu hoffen gewagt, dass ich den Kampf in so angenehmer Gesellschaft verlassen würde… crucio!"

Der Schmerz war gemein, brannte sich durch ihre Nerven und Muskeln, ließ sie zusammenbrechen und wimmern. Trotz des Trankes.

Ich bin totototototototot, war ihr einziger Gedanke. Totototot. Gefoltert, vergewaltigt, ermordet. Wo waren die Zentauren?

‚Der Cruciatustrank', meldete ihr Gehirn, ‚lässt zu, dass du trotz des Fluches in der Lage bist, die Situation zu analysieren.' Was ihr nur bedingt positiv erschien.

Lestrange hob den Zauberstab und betrachtete interessiert den Haufen Mensch am Boden. „Interessant. Du bist hart im Nehmen. Das macht die Sache spannender."

Ihr Kopf flog beiseite und ihre Lippe sprang auf, als er ihr kraftvoll ins Gesicht schlug.

„Schrei für mich, kleines Mädchen." Er schnurrte wieder und Hermine wurde inmitten ihres schmerzumnebelten Gehirns übel.

‚Sei stark', feuerte sie sich selbst an. ‚Nur ein Kerl. Nur ein bisschen Schmerz. Dann Ende. Sei stark.'

In diesem Moment – ganz plötzlich – hatte sie keine Angst mehr davor, zu sterben. Sie hatte nur noch Angst davor, wie lange es dauern würde.

Offensichtlich fand er den Effekt seines Schlages befriedigender als den des Cruciatus und so ließ er nun Schläge und Tritte auf Hermine einprasseln, bis sie sich schluchzend am Boden krümmte.

Dann hielt er inne. Fast gemächlich entledigte er sich seiner Robe. Sie wehrte sich nur schwach gegen ihn – halb bewusstlos von der Prügel. Als er in sie eindrang, registrierte ihr Hirn diesen Schmerz nur noch als einen von vielen, die in ihrem Körper tobten. Aus dem einen offenen Auge, das noch intakt war, registrierte sie wie aus weiter Ferne sein geiferndes Gesicht. Als er schließlich fürs Erste von ihr abließ, war ihr Körper eine einzige, große, pochende Wunde. Es war nicht mehr wichtig. Sein nächster Angriff würde sie töten. Ende, aus. Sie freute sich darauf.

„Vielleicht doch nicht so hart im Nehmen", drang seine spöttische Stimme an ihr Ohr. „Du musst ein Schlammblut sein – richtige Hexen sind härter im Nehmen. Wollen wir doch mal gucken, was du hier in der netten kleinen Tasche hast, damit der Spaß nicht gleich vorbei ist."

Die Tasche. Heiltränke. Verflucht. Sie brachte nur ein heiseres Stöhnen hervor und schloss dann auch ihr einigermaßen heiles Auge, als die Bewusstlosigkeit sie endlich überkam.

Sie erwachte wieder hustend und würgend, weil jemand ihr einen Trank in den Rachen geschüttet hatte. Um sie herum war es vollständig dunkel.

„Die brauchst du jetzt nicht mehr", lachte eine ihr wohlbekannte spöttische Stimme und mit einem lauten Knirschen zerstörte er offensichtlich ihre Tasche. „Du bist wach, das reicht mir."

Während sie zunehmend wacher wurde und wieder freier atmen konnte, versuchte sie panisch, in der vollkommenen Finsternis etwas auszumachen. Infolge des Trankes sprang jedoch auch der analytische Teil ihres Gehirns wieder an und riet ihr, sich vom Ursprung der Stimme zu entfernen.

Sie versuchte, ohne ein Rascheln fortzukrabbeln, doch kaum hatte sie sich aufgerafft, packte eine große Hand sie an ihrem Fußknöchel und zog sie mit einem Ruck einen halben Meter zurück. Sie landete auf dem Bauch und schlug sich das Kinn am Waldboden auf. Dann fühlte sie sich ruckartig umgedreht. Sie japste vor Schmerz, als sie auf den zahlreichen Hämatomen auf ihrem Rücken landete.

Zwei große Hände fuhren gierig über ihren Körper, doch nun begann sie sich zu wehren. Heftig schlug sie mit ihren Händen in die undurchdringliche Dunkelheit über sich und erwischte tatsächlich ihren Peiniger mit den Fingernägeln im Gesicht.

Es gab ein unschönes Ratschen, als sie ihm die Fingernägel durchs Gesicht zog und er fluchte leise.

Sie bereute die Aktion relativ schnell, als wieder Flüche und Schläge auf sie einprasselten. Noch während er sie mit dem Cruciatus bearbeitete, vergewaltigte er sie erneut. Die Intensität des Fluches war diesmal deutlich gesteigert – der Trank ließ offensichtlich langsam nach.

Nun, es war nicht mehr wichtig.

Hermine brannte – doch es war, als würde sie sich langsam von dem Feuer in ihrem Körper entfernen. Wenn das sterben war, war es recht angenehm. Der Schmerz ließ nach, die dichte Dunkelheit nahm zu. Eine gute Sache.

Durch den Schleier, der ihre Welt umgab, hörte sie die Stimmen ihrer Freunde ihren Namen rufen. Gut. Harry und Ron waren offensichtlich auch tot. Dann waren sie drüben wenigstens zusammen. Das Zucken ihrer Mundwinkel, als sie andeutungsweise lächelte, tat weh, doch das war alles nicht mehr wichtig.

Der Cruciatus verschwand plötzlich. Offensichtlich war sie tatsächlich ziemlich tot. Die Rufe wurden lauter.

Ein unterdrückter Fluch erklang.

Tja, der Drecksack hatte wohl nicht damit gerechnet, dass sie einfach abkratzen würde. Pech gehabt, Arschloch.

Dann traf ein Fluch sie in die Brust und löschte ihr Bewusstsein aus.


Mit einem gequälten Wimmern warf Hermine Severus aus ihren Gedanken und brach zusammen. Ohne weiter nachzudenken packte er die Schluchzende und nahm sie fest in die Arme. Sie wehrte sich gegen ihn, kämpfte gegen ihn und schlug ihn, doch er hielt sie fest und ertrug, was sie ihm antat.

„Es ist gut, Hermine. Es ist in Ordnung. Schtscht. Nur Erinnerungen." Zärtlich flüsterte er die Worte in ihr Haar, während sie gegen seinen Rücken trommelte. Er wiegte sie leicht. „Nur Erinnerungen. Nur ein Nachhall. Keine Realität. Erinnerung, Hermine. Du bist sicher. Es ist in Ordnung. Es ist in Ordnung."

Er konnte im Nachhinein nicht sagen, wie lange sie so dort auf seiner Couch saßen. Das Feuer war schon längst herunter gebrannt und der Raum kalt. Sie schlug und weinte und ließ doch zu, dass er sie hielt.

Irgendwann erklang der Gong, der zum Frühstück rief, doch sie rührten sich nicht. Hermine war irgendwann verstummt, doch er wiegte sie weiter und flüsterte ihr beruhigende Worte zu. Er wusste, dass sie bei ihm war. Sie hatte sich nicht in sich zurückgezogen. Sie hatte sich den Erinnerungen gestellt und sie mit ihm gemeinsam angeguckt...