Wheeeee….Und munter geht es weiter. Alle, denen das letzte Kapitel zu düster war, dürfen jetzt ein bisschen aufatmen. Es freut mich, dass trotz der langen Pause noch so viele Leser dabei sind und mitfiebern :) Der letzte Absatz des vorherigen Kapitels wird hier noch einmal wiederholt, damit auch die auf dem selben Stand sind, die den kritischen Teil übersprungen haben.
Yusuria: Die Story wird auf jeden Fall beendet :) Also auch wenn's mal länger dauert: Nicht verzagen ;) Danke für die lieben Komplimente, hat mich sehr gefreut :) Sowas motiviert einen dann total, weiterzuschreiben!
NickTessFan: Ich glaube, Hermine ist ein unwahrscheinlich starker Charakter, mit sehr viel Zuversicht und Kraft. Auch in den „richtigen" Büchern ist sie ja immer die Motivierende, Unterstützende. Wenn irgendjemand so etwas überhaupt verarbeiten kann, dann sie. Und ich denke, wie sie schon selbst gesagt hat: Elena ist ihre Tochter, zu aller erst. Und dann erst alles andere. Und Sevi ist ein Held :D Auch wenn er es niemals einsehen würde ;)
ZauBaerin: Es tut mir Leid! :D Wenn du magst, setze ich eine förmliche Bitte um Entschuldigung für deinen Cheffe auf, in der ich die Schuld auf mich nehme ;) Das folgende Kapitel ist wieder ein kürzeres Schmankerl, da solltest du nur so ungefähr 5 Minuten zu spät kommen.
Fiirvogel: Danke *verneig*. Kompliment kann ich zurückgeben ;)
Und jetzt ab die Post. Denn nach der Dunkelheit folgt für gewöhnlich? Na? Genau… die
18.Dämmerung
Mit einem gequälten Wimmern warf Hermine Severus aus ihren Gedanken und brach zusammen. Ohne weiter nachzudenken packte er die Schluchzende und nahm sie fest in die Arme. Sie wehrte sich gegen ihn, kämpfte gegen ihn und schlug ihn, doch er hielt sie fest und ertrug, was sie ihm antat.
„Es ist gut, Hermine. Es ist in Ordnung. Schtscht. Nur Erinnerungen." Zärtlich flüsterte er die Worte in ihr Haar, während sie gegen seinen Rücken trommelte. Er wiegte sie leicht. „Nur Erinnerungen. Nur ein Nachhall. Keine Realität. Erinnerung, Hermine. Du bist sicher. Es ist in Ordnung. Es ist in Ordnung."
Er konnte im Nachhinein nicht sagen, wie lange sie so dort auf seiner Couch saßen. Das Feuer war schon längst herunter gebrannt und der Raum kalt. Sie schlug und weinte und ließ doch zu, dass er sie hielt.
Irgendwann erklang der Gong, der zum Frühstück rief, doch sie rührten sich nicht. Hermine war irgendwann verstummt, doch er wiegte sie weiter und flüsterte ihr beruhigende Worte zu. Er wusste, dass sie bei ihm war. Sie hatte sich nicht in sich zurückgezogen. Sie hatte sich den Erinnerungen gestellt und sie mit ihm gemeinsam angeguckt.
Er erwachte irgendwann, als jemand energisch an seine Wohnungstür pochte. Jetzt erst bemerkte er, dass er recht unbequem halb sitzend halb liegend auf dem Sofa hing, Hermine noch immer in den Armen. Ihr Gesicht war blass, ihre Augen geschwollen und doch atmete sie ruhig.
Er warf einen Blick auf den Couchtisch, doch beide Phiolen mit dem Trank zur Beruhigung des Geistes waren noch vollständig da. Umso mehr erstaunte es ihn, dass sie so völlig ruhig schlief.
Die Bilder aus ihrer Erinnerung drängten sich ihm wieder auf, doch er verscheuchte die Übelkeit und den Hass und versuchte, das Ganze analytisch zu betrachten. Hermine hatte geglaubt, zu sterben, als sie die Stimmen ihrer Freunde gehört hatte. Das mussten Harry und Ron gewesen sein, als sie sie nach Ende des Kampfes und des Siegs über Voldemort verzweifelt gesucht hatten.
Lestrange musste geflohen sein, nachdem er Hermine mit einem Fluch irgendwo in die Pampa geschickt hatte, um sie dort sterben zu lassen.
Als ein knirschendes Geräusch erklang, zuckte er etwas zusammen, bis er bemerkte, dass er selber vor Wut mit den Zähnen geknirscht hatte. Soviel zu der analytischen Betrachtung.
Es klopfte wieder energisch. Dann erklang Albus' Stimme:
„Severus? Mach bitte sofort auf! Ich weiß, dass du da drin bist!"
Nun war Severus in einer prekären Situation. Entweder er stand auf, um zu öffnen und weckte Hermine… und holte damit vielleicht den Schrecken zurück… oder er blieb, wo er war und öffnete Albus mit Magie. Das wäre für ihn eine unangenehme Situation…
„Alohomora!" Resigniert befahl er seiner Haustür, sich zu öffnen und Albus trat ein.
Suchend sah er sich um und blickte milde erstaunt drein, als er Severus gewahrte, der sich so vorsichtig wie möglich aufsetzte, ohne Hermine dabei zu wecken.
„Schließ die Tür, Albus", zischte er. „Es muss nicht die ganze Schule meine Wohnung betrachten können."
„Was ist hier los, Severus? Ich vermisse dich seit gestern Nachmittag. Du hast gerade eben drei Unterrichtsstunden verpasst. Es ist nach Mittag."
„Ich habe mit Hermine eine ziemlich stressige Legilimentiksitzung durchgeführt." Severus rieb sich die Stirn, als die Flut an Bildern sich ihm wieder aufdrängte und Albus' Blick wurde verständnisvoll. „Nach ihrem ersten Zusammentreffen mit Lestrange haben wir aufgehört und sie ist komplett zusammen gebrochen."
„Dafür sieht sie jetzt erstaunlich entspannt aus."
„Das muss meine beruhigende Gegenwart sein." Severus' Stimme war ätzend vor Zynismus, doch Albus lächelte nur.
„Das vermute ich stark, Severus. Ich übernehme deinen Unterricht für heute. Ich nehme an, dass ihr gestern Abend mit Miss Parker eine ordentliche Einigung gefunden habt?"
Tatsächlich. Das war gestern Abend gewesen. Severus kam es vor, als wäre das Zusammentreffen zwischen Hermine und Elena in seinem Wohnzimmer und sein anschließendes Angebot an Hermine schon Jahrzehnte her.
„Ja", antwortete er schließlich. „Das haben wir."
„Gut. Dann lasse ich euch jetzt wieder in Ruhe. Bitte halte mich über Hermines Zustand auf dem Laufenden. Und… danke, Severus."
„Ja, ja. Geh jetzt, Albus. Und wenn du mir einen Gefallen tun willst, dann richte bitte Miss Parker aus, dass sie heute nicht herkommen sollte."
„Natürlich. Wirst du morgen deinen Unterricht wie gewohnt wahrnehmen können?"
„Ja."
„Nun gut. Dann gute Nacht." Albus lächelte und ging auf Zehenspitzen hinaus.
Entspannter nun ließ Severus sich wieder in die Polster sinken. Hermine an seiner Brust murmelte leise etwas und angespannt hielt er inne, um zu sehen, ob sie aufwachte, doch sie bewegte sich nur kurz und lag dann wieder still.
Er selber konnte jetzt nicht mehr schlafen. Nachdenklich ging er die Erinnerungen, die er mit ihr zusammen angesehen hatte, noch einmal durch.
Als sich ihm jedoch immer und immer wieder die Erinnerungen an den Endkampf aufdrängten, resignierte er schließlich und konzentrierte sich auf diese.
Der Cruciatustrank hatte nur zum Teil gehalten, was er halten sollte. Er hatte Hermine vor den psychischen Folgen des Fluches weitestgehend geschützt… doch was er in ihrer mittlerweile natürlich schon verblassten Erinnerung erlebt hatte, wies auf einen nur wenig abgeschwächten Cruciatus hin – zumal die Intensität in der Realität noch stärker war als in einer Erinnerung.
Für sie war es zu spät – trotzdem machte er sich eine mentale Notiz, den Trank noch einmal zu überarbeiten.
Er ging weiter durch die Erinnerung und stellte bei abschließender Betrachtung fest, dass Rabastan Lestrange offensichtlich bis zu dem Zeitpunkt, an dem Potter und Weasley penetrant Hermines Namen schreiend durch den Wald gelaufen waren, nicht gewusst hatte, dass Hermine Granger Hermine Granger und damit die beste Freundin von Harry Potter war.
Plötzlich begann Hermine sich zu regen und beanspruchte so seine Aufmerksamkeit. Er wappnete sich gegen einen erneuten Anfall, doch zu seiner unendlichen Überraschung geschah nichts dergleichen.
Aus verschlafenen Augen sah sie ihn an.
„Severus?"
„Guten Morgen."
Er wusste nicht, was er sonst noch sagen sollte und so sah er sie nur stumm an. Sie erwiderte seinen Blick langsam erwachend und sah sich dann schließlich um.
„Haben wir auf der Couch geschlafen?"
Er war versucht, zu lachen. „Ja. Augenscheinlich. Und ich muss sagen… ich werde zu alt für solche Späße."
Sie lächelte halb und sagte nichts.
„Dass wir überhaupt schlafen konnten, ist ein Wunder." Fragend sah er sie an. „Wie fühlst du dich?"
Nun richtete sie sich auf und hinterließ einen warmen Fleck an seinem Körper, der nun bedauerlich schnell auskühlte. Sie betrachtete ihre Hände, befühlte ihr Gesicht und ihren Oberkörper.
„Etwas verspannt", war ihre ehrliche Antwort, „aber ansonsten verblüffend gut. Das war eine schreckliche Sitzung. Lestrange noch einmal tun lassen, was er getan hat, war unerträglich."
Severus' Verblüffung nahm keine Grenzen. „Aber du hast es ertragen. Und… Hermine… du hast ihn beim Namen genannt."
Offensichtlich wurde ihr das jetzt erst bewusst und schließlich breitete sich ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht aus, dem man die Strapazen vom Vortag noch allzu deutlich ansah. Das Strahlen breitete sich wie Licht über sie aus und schien ihn zu wärmen.
„Und wenn man das Unheil beim Namen nennt, kann man es besiegen?"
„Du bist auf dem allerbesten Weg." Fassungslos schüttelte er den Kopf. „Niemals hätte ich das ausgerechnet jetzt erwartet. Du hast mich so eben beeindruckt, Miss Granger."
„Es ist noch nicht alles durchgestanden, Severus." Ihr Lächeln wurde ein wenig wehmütig. „Da sind noch Schatten. Aber irgendwie… jetzt gerade… bin ich geneigt, zuversichtlich zu sein."
„Das erleichtert mich ungemein." Auch er richtete sich nun auf und sackte mit einem Stöhnen etwas zusammen. „Ich bin allerdings nicht zuversichtlich, was die Gesundheit meines Rückens angeht."
Wie selbstverständlich nahm sie seinen Zauberstab, der neben ihm auf der Couch lag, wies auf seinen Rücken und bevor er noch einschreiten konnte, sprach sie einen leisen Spruch und der Schmerz in seinem Rücken verschwand augenblicklich.
„Was glaubst du, was du da tust", zischte er, sobald er sich wieder gefasst hatte und entriss ihr seinen Zauberstab.
„Dir deine Schmerzen nehmen." Sie lächelte, unbeeindruckt von seiner unfreundlichen Art. „Ich bin Heilerin, schon vergessen?"
Er schnaubte. „Bis gestern wusstest du davon nicht mehr besonders viel."
„Bis gestern hast du auch noch nicht mein Innerstes nach außen gekehrt, meine schlimmsten Albträume vor mir ausgebreitet und mich gezwungen, sie wieder zu durchleben. Bis gestern war da eine Mauer in mir drin. Aber heute, Sev, heute sind meine Erinnerungen noch nicht alle wieder da, aber ich spüre, dass da unglaublich viel Wissen ist, das wieder hervor kommen will. Unglaublich viele Erinnerungen. Viel mehr als die, die du gestern hervor gekramt hast."
„Dir fehlen ja auch noch knapp 13 Jahre."
„Nein, das meine ich nicht. Auch aus den Jahren, die wir gestern betrachtet haben. Mir fällt heute noch so unglaublich viel mehr ein als das, was wir gestern gesehen haben." Sie lächelte. „Zum Beispiel ein Gedicht."
„Bei Merlins Sackhaaren, keine Gedichte, bitte!"
Ohne auf seinen entsetzten Ausruf zu hören, setzte Hermine sich gerader hin und erhob den Zeigefinger, um ihn zum Schweigen zu bringen. Dann begann sie leise zu reklamieren:
„Wenn Du denkst es geht nicht mehr,
kommt irgendwo ein Lichtlein her.
Ein Lichtlein wie ein Stern so klar,
es wird Dir leuchten immer da.
Wird zeigen Dir den Weg zurück,
den Weg zu einem neuen Glück.
Drum glaub daran - verzage nie,
es geht schon weiter - irgendwie.
Und mit Willen, Kraft und Mut,
wird dann alles wieder gut
Du mußt nur immer fest dran glauben
und laß Dir nur den Mut nie rauben.
Es gibt für alles einen Weg,
und sei's auch nur ein kleiner Steg..**
also gut… ich hör schon auf."
Sie lachte über seinen betont gequälten Gesichtsausdruck. „Das ist ein Gedicht von einer deutschen Dichterin. Sie ist keine Hexe, aber dem Gedicht haftet eine gewisse Magie an, findest du nicht?"
„Es hat was."
„Du bist ein Miesepeter. Das Gedicht war in einem kleinen Gedichtband drin, den Ginny mir zum 21. Geburtstag geschenkt hat. Sie wusste schon, warum. Diese paar Zeilen haben mir oft weiter geholfen nach Elenas Geburt. Immer wenn ich verzweifelt war, hab ich mir eingeredet, dass irgendwann ein Licht kommt."
„Und? Kam das Licht?"
„Ja. Ich denke schon." Sie lächelte sanft.
„Dann beglückwünsche ich dich dazu."
„Geht es dir nicht gut, Sev?"
„Ich wundere mich noch, dass es dir so gut geht…" während ihn noch immer die Bilder beherrschten, sobald er in ihr blasses Gesicht sah. Ihre schockierend gute Laune konnte nicht auf ihn übergehen, denn in ihm wüteten noch Hass und Abscheu.
„Ich weiß auch nicht, woran das liegt", antwortete sie ehrlich. „Mir ist, als wäre ich aus der Dunkelheit geradewegs in die Dämmerung eingetaucht. Und mit jedem Augenblick wird es heller."
„Du bist sehr poetisch heute."
„Severus. Ich danke dir."
„Es gibt nichts zu danken."
„Doch, das gibt es." Sanft legte sie ihre Handfläche auf seine Brust, als wolle sie etwas beschwören. „Du hast selber schon so viele grauenvolle Erinnerungen." Ihr Blick umwölkte sich etwas. „Jetzt hast du nicht mehr nur noch deine eigenen Erinnerungen, sondern auch noch meine obendrauf. Kein Wunder, dass es dir nicht gut geht."
„Bemitleiden kann ich mich selber, danke, Hermine. Ich wusste schon, was ich tue. Glaub mir, auch ich habe erstaunlicherweise heute Morgen ruhig geschlafen." Er rutschte an die Sofakante und sie nahm ihre Hand von seiner Brust. „Wir sollten frühstücken. Albus war gerade hier… wir haben das Mittagessen verpasst."
„Tatsächlich?" Sie sah überrascht drein. „Du brauchst Fenster in deinem Kerker, Sev. Man weiß hier nie, wie spät es ist."
„In diesem Raum ist kein Platz für Fenster", muffelte er – ungnädig wie immer, wenn sie irgendetwas an ihm oder seinen Besitztümern kritisierte. „Mein Schlafzimmer hat ein Fenster, das reicht."
Sie lächelte nur milde und stand dann etwas schwankend auf. „Ich geh mal ins Bad. Dann könnte ich durchaus einen Kaffee vertragen."
Er grummelte etwas in seinen nicht vorhandenen Bart und sie verschwand im Badezimmer.
Während er ihr hinterher starrte, fragte er sich, an was sie sich schon wieder alles erinnern konnte, ob ihm die nächsten Legilimentiksitzungen vielleicht erspart bleiben konnten und ob sie ihn nun wieder verlassen würde.
Der Gedanke machte ihn irgendwie seltsam betroffen und unruhig. Also rief er Dobby und orderte zweimal ein verspätetes Frühstück für eine Viertelstunde später.
Hermine brauchte 20 Minuten im Badezimmer und er wackelte schon unruhig von einem Bein aufs andere. Nicht nur, weil der Kaffee kalt wurde, sondern auch, weil ihn seine Blase drückte. Verdammtes Weibsbild, das sein Bad besetzte. Er sollte sie doch rausschmeißen, damit er sein Bad wieder für sich hatte… oder ein zweites Badezimmer organisieren.
Als sie herauskam, wurde sie unartikuliert von einem unrasierten Tränkemeister angegrummelt und zur Seite geschoben. Erstaunt sah sie ihm nach, als er ins Bad rauschte.
Sie nutzte die Zeit, die er im Bad verbrachte, um sich umzuziehen und so erschienen sie gleichzeitig zum Frühstück, wo er zunächst den Kaffee wieder heiß zauberte.
„Mit welchem Zauber hältst du eigentlich deine Haare so glatt?", richtete er nach einer Tasse Kaffee schließlich das Wort an sie.
Überrascht sah sie auf und fuhr sich dann reflexartig durch die glatten Strähnen, die sie noch offen trug.
„Es ist kein Zauber. Ich habe an meiner DNA herum gepfuscht."
Schockiert sah er sie an. „Du hast was?"
Sie zuckte die Achseln. „Ich habe meine Gene verändert. Die Informationen über Haarfarbe und -struktur sind in etwa 11 Genen vermerkt. Ich habe mir entsprechende Literatur besorgt, die Gene ausgemacht und mithilfe eines in der Heilmagie gebräuchlichen Spruches die Geninformation zur Haarfarbe und -struktur verändert."
„Was ist das für ein Spruch?" Sie war wirklich unglaublich. Pfuschte einfach so in ihre eigene DNA!
„Wir benutzen ihn in der mikrobiologischen Heilkunst zur Prävention von Erbkrankheiten. Dabei machen wir uns viele Erkenntnisse der Muggel über die Gene und die DNA zu Nutze. Bei der sogenannten Bluterkrankheit handelt es sich zum Beispiel um eine an das X-Chromosom gebundene Erbkrankheit. Wir isolieren die falsche Information aus dem Gen, die zu der Krankheit führt und verbessern sie zur richtigen Information. So wie du die Aufsätze von deinen Schülern korrigierst. Das ist natürlich nicht ganz so einfach, wie es jetzt klingt, aber wir können das. Genau das habe ich mit meinen Haaren gemacht. Ich habe mir die Information zu dieser Haarstruktur und –farbe geholt und meine Gene angepasst. Eigentlich wollte ich meine Haare blond machen, aber ehrlich gesagt fühle ich mich brünett besser."
Wieder einmal war er fassungslos. Diese Frau war ein Genie. Unbestreitbar.
„Das ist sehr interessant. Wieso hab ich davon noch nie gehört?"
„Wir machen das noch nicht sehr lange. Das Verfahren ist seit ungefähr 3 Jahren einsatzfähig. Wir haben damals an Mäusen und Ratten getestet, bis es geklappt hat, aber wir konnten noch keine Publikation auf den Weg bringen."
„Ich dachte, du wärst Heilerin."
Sie lachte. „Das bin ich auch. Mit Leib und Seele. Aber du weißt doch, ich bin eine Alleswisserin. Und wir kriegen nun mal vom Ministerium Forschungsgelder… und wenn ich die gut angewendet wissen will, verbrauche ich sie am besten selber oder nicht?"
„Ein gutes Argument. Also bist du auch die Oberforscherin am St. Mungos?"
„Das kann man so sagen, ja."
Er nickte und überdachte das System. Genial. Ohne Zweifel. Doch dann fiel ihm noch etwas ein:
„Du sagst, das System ist seit 3 Jahren einsatzfähig. Du bist aber schon länger untergetaucht. Wie hast du das vorher gemacht?"
„Gezaubert." Sie verzog das Gesicht. „Es war grauenhaft. Nach jeder Haarwäsche musste ich Farbzauber und Strukturzauber erneuern, weil meine Haare wirklich Biester waren. Wenn ich durch einen Regenguss kam, fingen sie wieder an sich zu kräuseln. Fürchterlich. Jetzt sehe ich nach einem Schauer furchtbar angeklatscht und wie ein begossener Pudel aus, aber die Haare sind glatt wie Spiegel." Sie lächelte. „Elena weiß, dass sie ihre Locken von mir hat und zwischendurch hat sie mich auch mal bekniet, ihre Haare glatt zu machen, weil Locken doch schon mehr Arbeit sind. Aber ihre sind schön seidig und glänzen, während meine damals einfach nur nach explodiertem Buschwerk aussahen."
„Zweifellos hast du damit Recht." Er erlaubte sich ein schmallippiges Lächeln und sie gab ihm einen Klaps auf den Arm.
„Das war nicht nett. Aber leider wahr. Natürlich werde ich ihre DNA nicht verändern. Aber ich weiß, dass sie ihre Haare ohnehin liebt."
Severus hob nun beiläufig seinen Zauberstab und verwundert sah Hermine ihn an.
„Accio Hermines Zauberstab."
Sie lächelte, als ihr Zauberstab unversehrt und ganz der Alte in seiner Hand landete. Ohne großes Getue reichte er ihn ihr und mit einem leisen Dank nahm sie ihn entgegen.
Das längliche Stück Holz schien sie zu begrüßen und lag leicht bebend in ihrer Hand. Entzückt schwang sie ihn ein wenig und betrachtete die kleinen Vögel, die zwitschernd aus ihm hervorbrachen und dann verpufften.
Severus beobachtete sie dabei und sagte dann schließlich: „Ich weiß nicht, an wie viel du dich erinnerst. Aber es scheint nun von alleine zurück zu kommen. Offensichtlich haben wir durch die gestrige Betrachtung die Macht der Erinnerungen über dich zerstört. Wenn du noch Legilimensbedarf hast, können wir gerne weiter machen. Aber so betrachtet würde ich sagen, dass du das nicht mehr benötigst."
Sie nickte und sah dann mit leichtem Schrecken auf. „Muss ich jetzt in mein Haus zurück?"
Die Vorstellung missfiel ihr offensichtlich ebenso sehr wie ihm, doch er wollte nicht weiter darüber nachdenken, was das bedeuten mochte.
Er wog seine folgenden Worte gut ab. „Nun… wir wissen nicht, wie stabil du wirklich bist. Wir müssen noch einige Tests machen, um sicher zu gehen, dass du den Verhandlungen gewappnet bist. Es wäre nicht besonders hilfreich, wenn du bei Lestranges Anblick mit einem Nervenzusammenbruch ins St. Mungos eingeliefert werden musst. Die akute Macht der Erinnerungen scheint gebrochen zu sein, aber wir wissen nicht, ob du nicht noch immer eine posttraumatische Belastungsstörung hast, die bei der ersten Gelegenheit Probleme macht. Ich schlage deshalb vor, dass du mindestens bis zu den Verhandlungen hier bleibst."
Sie sah unbestreitbar erleichtert aus. „Ja", stimmte sie ihm sofort zu, „das wird das Beste sein."
In einhelligem Schweigen beendeten sie ihr Frühstück und bevor Severus schließlich noch Dobby rufen konnte, räumte Hermine den Tisch beschwingt mit einem Wink ihres Zauberstabes ab.
Spöttisch sah er sie an, sagte jedoch nichts.
Sie grinste. „Es dämmert mir, Sev, es dämmert."
Klingt doch alles super, nech? Geb's Merlin, dass das so bleibt :)
**Das Gedicht ist übrigens von Roswitha Rudzinski und lautet in der vollen Fassung so:
Wenn Du denkst es geht nicht mehr,
kommt irgendwo ein Lichtlein her.
Ein Lichtlein wie ein Stern so klar,
es wird Dir leuchten immer da.
Wird zeigen Dir den Weg zurück,
den Weg zu einem neuen Glück.
Drum glaub daran - verzage nie,
es geht schon weiter - irgendwie.
Und mit Willen, Kraft und Mut,
wird dann alles wieder gut
Du mußt nur immer fest dran glauben
und laß Dir nur den Mut nie rauben.
Es gibt für alles einen Weg,
und sei's auch nur ein kleiner Steg.
Es gibt nunmal nicht nur gute Zeiten,
das Leben hat auch schlechte Seiten
Doch wie bist Du stolz, wenn Du's geschafft,
aus Sorgen und Nöten - mit eigener Kraft,
herauszukommen, was Du nie geglaubt,
da man Dich sooft schon der Hoffnung beraubt.
Doch die Hoffnung auf ein besseres Leben,
die lasse Dir bitte niemals nehmen.
Denn wenn Du denkst es geht nicht mehr,
kommt irgendwo ein Lichtlein her.
Ich find das Gedicht unwahrscheinlich schön und aufbauend. Vielen Dank dafür, Frau Rudzinski :)
