Hier bin ich wieder mal. Ich muss mich ein bisschen entschuldigen, dass es so lange dauert – zum Ende des Jahres wächst mir die Arbeit immer über den Kopf, da hab ich oft nicht genug Ruhe, zu schreiben. Also seht es mir nach, wie immer gilt: Es geht auf jeden Fall weiter, auch wenns mal länger dauert :)
NickTessFan: Ja, Severus' Hilfe hin oder her… ich denke, eine 12 Jährige braucht einfach auch die Bestätigung ihrer besten Freundin, dass alles gut ist :)
Waljona: Freut mich sehr, wenns gefällt :D
Amelie: Es geht weiter ;) Langsam aber stetig!
ZauBaerin: Gelegenheit? Was meinst du? :D Unanständige Gedanken oder was? … Wenn ich könnte, wie ich wollte… aber Hermine ist halt – obwohl alles schon wieder recht gut ist – immer noch nicht wieder ganz auf der Höhe. Vor allem psychisch. Was da geht und was nicht… müssen wir noch herausfinden ^^
Viel Spaß also mit dem nächsten Chap :)
25. Gefühl
Severus erwachte, weil sein rechter Arm nahezu unerträglich kribbelte. Als er sich noch schlaftrunken bewegte, um sich den Arm zu reiben, bemerkte er, dass etwas Schweres auf seinem Arm lag.
Dann bemerkte er den sanften Duft, der ihn an der Nase kitzelte, und die leisen, tiefen Atemzüge direkt unter seinem rechten Ohr.
Hermine lag nicht nur in seinem Arm – sie lag quasi zur Hälfte auf ihm.
Und so angenehm das alles auch war… sie war schwer. Und sein Arm starb gerade ab.
Vorsichtig bewegte er sich, um seinen Arm freizubekommen.
Nur mühsam gelang es ihm, sie von sich herunter zu wälzen und natürlich wachte sie dabei auf. Verdammt.
Schlaftrunken blinzelte sie ihn an und schmiegte sich dann wieder an ihn – glücklicherweise ohne erneut seinen Arm platt zu drücken, in den das Leben gerade schmerzhaft zurückkehrte.
Er versuchte, sich zu entspannen und die ungewohnte Nähe zu genießen, was ihm immer besser gelang, je weniger sein Arm schmerzte.
Als die Schmerzen abgeklungen waren, gelang es ihm sogar zu gut... sein Körper reagierte nämlich in ganz und gar unangemessener Art und Weise. Er rückte seinen Unterleib etwas von ihr ab, damit sie es nicht bemerkte.
Sie nuschelte etwas Unverständliches und rückte nach.
Er erstarrte, als sie mit ihrer Hüfte seinen Unterleib berührte und nun erstarrte auch sie und schien plötzlich wach zu sein. Kaum sichtbar, aber doch merklich rückte sie ein Stück von ihm ab.
„Hermine…" Er versuchte, nicht zu gequält oder peinlich berührt zu klingen und sie sah auf.
Offensichtlich war die Situation ihr ebenso peinlich wie ihm.
„Ich… tut mir Leid, Sev. Ich wollte mich dir nicht aufdrängen."
„Ich… es tut mir Leid, wenn ich unangemessen reagiert habe. Ich wollte dich nicht erschrecken."
Das unangenehme Gefühl, ihr zu Nahe getreten zu sein, ließ das andere unangenehme Gefühl in seinen Lenden verklingen.
Zu seiner Überraschung legte sie ihren Kopf wieder auf seiner Brust ab.
„Du hast mich nicht erschreckt. Ich bin bloß…" Sie suchte nach Worten und verstummte erstaunt, als er die Arme um sie legte.
Eine Weile genossen sie schlicht die Nähe des anderen und schließlich wagte Hermine sich ganz weit vor – sie hob den Kopf und sah, dass er sie ansah. Als sie in seinen Augen keine Ablehnung lesen konnte, legte sie ganz vorsichtig ihre Lippen auf seine.
Zunächst schien er etwas verdutzt, dann jedoch öffnete er leicht den Mund und erwiderte ihren Kuss – erst vorsichtig, aber als sie nicht schreiend zurück wich, wurde er mutiger und küsste sie fordernder.
Hermine fühlte sich wie betrunken. Schon damals, vor 13 Jahren, war Severs Snape ein guter Küsser gewesen… aber dort hatte keine tiefere persönliche Bindung dies beeinflusst. Jetzt war es wie ein Rausch.
Sie spürte, wie sein Körper wieder reagierte, doch sie ignorierte es und zeigte ihm durch beruhigendes Streicheln über seinen angespannten Hals, dass es sie nicht störte.
Er entspannte sich wieder und schloss sie noch fester in die Arme.
„Was tust du mit mir, Hermine?", murmelte er schließlich leise und sah sie ungläubig aus Augen an, die noch dunkler zu sein schienen als sonst.
Sie lächelte. „Fällt das schon unter Verführung eines Lehrkörpers?"
„Mindestens." Mit einem tiefen Seufzen vergrub er sein Gesicht in ihren Haaren und streichelte ihr mit einer Hand leicht über den Hals.
Sie genossen die neugefundene Nähe stillschweigend, bis es Zeit zum Aufstehen wurde.
Elena wachte schlaftrunken auf, als ihr in ein Hühnchen verzauberter Wecker sie an der Nase zupfte und gackerte.
Trotz des wüsten Vortages hatte sie nicht außergewöhnlich schlecht geträumt. Sie konnte sich an eine dunkle, bedrückende Zelle erinnern, in der Rabastan Lestrange saß und vor sich hin murmelte. Das Bild hatte ihr einerseits Angst gemacht und sie andererseits beruhigt, konnte der Mann in dieser Position ihrer Mutter doch nicht mehr wehtun.
Der zweite Traum, an den sie sich erinnern konnte, handelte von ihrer Mutter… und von Severus Snape. Die beiden lagen eng aneinander geschmiegt in einem Bett und irgendwann küssten sie sich sanft.
Elena klopfte sich energisch gegen die Stirn, um das Bild zu vertreiben. Jetzt träumte sie schon on ihrer Mom und Professor Snape. Und dann auch noch so etwas. Gruselig.
Gähnend stand sie auf und traf auf eine schlaftrunkene Lily, die ihr, trotzdem sie erst halb wach war, einen besorgt-fragenden Blick zu warf.
„Alles gut", murmelte Elena und ihre beste Freundin nickte beruhigt und taperte in den Waschraum.
Elena ließ die Traumbilder noch kurz nachwirken. In letzter Zeit träumte sie oft erschreckend real und oft hallten die Träume in ihr noch länger nach, als es normal war.
Über sich selbst den Kopf schüttelnd ging sie ebenfalls in den Waschraum.
Über den Vormittag beschäftigte Hermine sich mit den Formularen zur Anerkennung von Severus' Vaterschaft und Elenas Tochterschaft, die am Morgen per Ministeriumseule angekommen waren. Außerdem musste sie noch ein Schreiben an dieselbe Abteilung aufsetzen, in dem sie erklärte, dass sie Hermine Granger war und Elena Parker aus diesem Grund Elena Granger heißen musste.
Severus hatte es ihr überlassen, die Formalia über Elena auszufüllen, da sie diese nicht erst nachschlagen musste. Zudem verlangte das Ministerium von ihr, Severus' Vaterschaft zu bestätigen und zu begründen, warum er nicht schon bei Elenas Geburt als Vater anerkannt wurde.
Und so sog Hermine sich eine muntere Geschichte über ihre kurze Affäre, Severus' Spionagetätigkeit, ihre Abneigung gegeneinander und die Verfolgung durch Rabastan Lestrange aus den Fingern. Zufrieden bemerkte sie hinterher, dass alles zusammen passte.
Jetzt musste nur Elena noch ihre Zustimmung geben und Severus seine Formulare ausfüllen und unterschreiben. Dann konnte der Wust an Pergamenten abgeschickt werden.
Susan Bones hatte sie in einem kurzen Schreiben an Dennis Creevey verwiesen, der mittlerweile in der Abteilung für Familienangelegenheiten bei Magiern und magischen Wesen den Führungsposten innehatte. Hermine erinnerte sich noch an den kleinen, dürren Jungen mit dem mausbraunen Haar, den sie nach ihrer Schulzeit nie wieder gesehen hatte.
Und so adressierte sie die Unterlagen alle an ihn und nicht an die zuständige Sachbearbeiterin und fügte ein vertrauliches Schreiben hinzu, in dem sie ihre Identität noch einmal kurz offenlegte und ihn eindringlich bat, die Anerkennung von Elena als Severus' Tochter oben auf die Agenda zu setzen, damit das Ganze noch vor den Verhandlungen über die Bühne gehen konnte. Außerdem bat sie ihn, die Informationen streng vertraulich zu behandeln, damit nicht die Presse schon vor dem großen Knall Wind davon bekam.
Rita Kimmkorn war die schlimmste Reporterin gewesen, die Hermine je erlebt hatte… trotzdem hieß das nicht, dass sie anderen Journalisten mehr vertraute.
Seufzend legte sie die Feder nieder, nachdem sie schwungvoll mit „Hermine Granger" unterschrieben hatte. Es war ungewohnt, das nach so vielen Jahren wieder zu tun. Hermine Granger gehörte in ein Leben, das es nicht mehr gab. All ihre Erfahrungen und ihre Geschichte gehörten zu Mina Parkers Leben. Hermine Granger war in jener Nacht im verbotenen Wald gestorben…
‚…und wieder belebt worden!', rief sie sich streng zur Ordnung. Niemand konnte mit gespaltener Persönlichkeit alt werden. Ob sie jetzt Hermine Granger oder Mina Parker hieß – sie war und blieb stets eine Person. Eine Summe aus Erfahrungen, Erlebnissen und sich selbst. Und zumindest das konnte Hermine mit ihren wiedererlangten Erinnerungen sagen: Sich selbst hatte sie in all der Zeit nie verloren. Trotz der Namensänderung.
Für einen kurzen Moment fragte sie sich, ob Severus ihr zustimmen würde… und schüttelte dann über sich selbst lächelnd den Kopf.
Wer hätte gedacht, dass der griesgrämige Zaubertrankmeister ihr jemals so den Kopf verdrehen würde?
Ob das, was sie teilten, schon eine Beziehung war?
Hermine seufzte erneut. Was für Gedanken. Wie ein dummes Schulmädchen. Dabei gab es wirklich Wichtigeres zu erledigen.
Schließlich wussten sie noch nicht, wie der Vaterschaftstest so zuverlässig gefälscht werden konnte, dass er auch vor Gericht bestand. Denn auch der Gamot verfügte über einen Zaubertrankmeister, der im Zweifelsfall dazu berufen werden würde, den Test ebenfalls durchzuführen, sollten Zweifel an Elenas Abstammung aufkommen – vielleicht sogar gesät durch Lestrange.
Ein Schaudern schüttelte Hermine. Sollte er darauf pochen, dass Elena sein Kind war, könnte das für sie alle unangenehm werden, wenn das Testergebnis nicht zuverlässig ausfiel.
Und so schnappte Hermine sich alle Bücher aus Severus' Regalen, die ihr möglicherweise helfen konnten, und begann, zu arbeiten.
Im Zaubertränkeunterricht verhielt der Professor sich wie immer, obwohl Elena ihm immer zwischendurch verstohlene Blicke zuwarf.
Immer wieder stieß Lily sie an, wenn es zu auffällig wurde.
„Man könnte meinen, du bist in ihn verknallt", zischte sie ihr schließlich zu. „Hör auf, ihn anzustarren!"
Elena fuhr zusammen und nickte.
„Gibt es da etwas zu bereden, die Damen?"
Elena hatte ganz vergessen, wie schnell Snape war – innerhalb eines Augenschlags hatte er den Raum durchgequert und sich vor ihnen aufgebaut.
„Nein, Sir", murmelte sie und er warf ihr einen warnenden Blick zu.
„Das halte ich auch für besser. Der Trank verlangt nach Konzentration. Und es gibt keine Extrawürste für Sie, Miss Parker."
Seine Stimme klang nicht gemein und Elena verstand, dass er sie darauf hinweisen wollte, dass sich im Unterricht nichts ändern würde. Sie würde weiterhin seine Schülerin bleiben.
„Ich denke trotzdem", er dehnte die Worte genüsslich, „dass Sie heute Abend zur Strafarbeit erscheinen sollten. Ich denke, wir hängen das direkt an die Projektstunde an… wie klingt das, Miss Parker?"
Sie ächzte innerlich. Immer ließ er das Arschloch raushängen.
„Klingt nicht gut, Sir", murmelte sie und er zog die Augenbrauen hoch.
„Wie war das?"
„Klingt wunderbar, Sir!", gab sie lauter zurück und meinte, in seinen Augen ein belustigtes Blitzen zu sehen, bevor er sie anknurrte und dann zum nächsten Tisch weiter ging, um noch jemanden zur Sau zu machen.
Lily warf ihr einen schrägen Blick zu. „Ihr scheint euch ja hinreißend zu verstehen…"
„Miss Potter! Sie kommen nach Miss Parker zu mir! 18 Uhr, nachsitzen!"
Lily ächzte leise und senkte den Kopf wieder über ihren Kessel. Irgendwie hatte sie das untrügliche Gefühl, dass sie nicht nur nachsitzen musste, um Professor Snape als Vater anzuerkennen.
Elena verkniff sich ein Kichern und kümmerte sich wieder um ihren Trank (den sie im Prinzip ohnehin im Schlaf brauen konnte).
Während der Projektstunde ging Professor Snape nicht auf die Vatersache ein, sondern machte endlich wieder einmal richtig Unterricht.
Er legte ihr ein Trankrezept vor und befahl ihr, anhand der Zutaten herauszufinden, wofür der Trank sein konnte.
Elena war ein bisschen enttäuscht, denn sie liebte am Brauen besonders die praktische Arbeit, während die theoretische für sie mehr ein notwendiges Übel war. Aber Professor Snape betonte stets, wie wichtig eine gute Theorie für einen guten Trank war und Elena war sicher, dass ihre Mutter ihm sofort zustimmen würde.
Also analysierte sie, wie ihr geheißen.
„Das ist ein Trank, um etwas zu erkennen", wagte sie schließlich einen ersten Versuch und Professor Snape, der selber über einigen Dokumenten brütete, sah auf.
„Das geht in die richtige Richtung. Was soll erkannt werden?"
Sie zuckte die Achseln und er nickte ihr zu, als Zeichen, dass sie weiter suchen sollte.
Sie seufzte innerlich. Immerhin war sie auf dem richtigen Weg.
Als ein Blick auf seine Taschenuhr ihm sagte, dass die Projektstunde fast vorbei war, stand er auf, zog sich einen Stuhl heran und setzte sich zu Elena an ihren Tisch. Sie sah auf.
Zufrieden bemerkte er, dass alle Zutaten fein säuberlich mit Wirkungsweisen und Anwendungsgebieten auf ihrem Pergament aufgelistet waren.
„Bist du schon weiter gekommen?"
„Ich denke, es handelt sich um einen Trank, der eine bestimmte Person erkennen soll." Das war ein bisschen geraten – aber Elena begann zu ahnen, um welchen Trank es sich hier handelte.
Ein schmales Lächeln erschien auf dem Gesicht des Professors.
„Richtig. Das ist das Rezept für den Vaterschaftstest. Zwei entscheidende Zutaten hab ich dir vorenthalten – sie stehen nicht auf dem Zettel, um es dir nicht zu einfach zu machen."
„Haare", schätzte Elena und er nickte.
„Eines von dir und eines von dem mutmaßlichen Vater. Wofür hast du dich entschieden?"
Sie zögerte und suchte nach Worten, während seine dunklen Augen auf ihr ruhten.
„Ich denke, ich mache mit. Ich glaub, ich will einfach vergessen, dass dieser Mann mein Vater ist… das kann ich aber nur, wenn ich stattdessen einen anderen habe… offiziell… verstehen Sie, was ich meine?"
Er nickte. „Ja. Und ich kann es nachvollziehen."
Erleichtert leuchtete ihr Gesicht auf. „Okay. Also was machen wir dann mit dem Test?"
Er lächelte über ihren Eifer und ignorierte das durchaus warme Gefühl in seiner Bauchgrube, für das es überhaupt keinen Grund gab. Es war nur eine Zweckanerkennung.
„Wir müssen ihn oder mein Haar so modifizieren, dass er das richtige Ergebnis zeigen wird. Unsere Schwierigkeit ist aber, dass die Möglichkeit besteht, dass das Gericht einen eigenen Test vornehmen will."
„Wir können ihnen dann den Trank nicht einfach schicken, ja?"
„Nein. Sie haben selber einen Tränkemeister, der… ausreichend begabt für diesen Test ist."
„Also müssen wir was mit Ihrem Haar machen."
Er nickte. „Deine Mutter überlegt sich grade was."
Elena grinste. „Wenn Mom los legt mit überlegen, dann klappt das auch."
…schließlich war sie die klügste Mom der Welt. Severus erinnerte sich nur zu gut an ihre Aussage und fragte sich, warum ihm die Erinnerung weit weg wie aus einem anderen Leben vorkam. Irgendwie hatte sich innerhalb kurzer Zeit so viel verändert.
Ihm fiel noch etwas ein – ein Gedanke, den er weiter verfolgen wollte.
„Hast du immer noch lebensechte Träume, Elena?"
Erstaunt sah sie auf. „Was meinen Sie?"
„Träumst du Dinge, die dir Angst machen oder die so real wirken, als wärst du dort?"
Sie zögerte und dachte an den Traum, in dem sie den Professor und ihre Mom zusammen gesehen hatte.
„Manchmal", wich sie aus und merkte trotzdem, dass sie rot wurde.
Er zog die Augenbrauen hoch. „Was genau hast du denn geträumt?"
Sie wurde noch röter.
„Ich hab letzte Nacht von… ihm geträumt. Er saß in einem dunklen, gruseligen Raum und war gefesselt. Es war sehr kalt dort."
„Lestrange in Azkaban." Also hatte sie weiterhin Visionen – es war also keine kurzfristige Verbindung mit Hermines Gedanken gewesen. „Was noch?"
„Gar nichts", wich sie aus und er sah sie streng an.
„Gar nichts ist aber kein Grund rot wie Elfenwein zu werden."
Prompt wurde sie noch röter.
„Ich hab von meiner Mom geträumt", murmelte sie und Severus ahnte Schlimmes. „Und… von Ihnen."
Bei Merlins Eiern. Hoffentlich hatte sie nicht die Zukunft gesehen, sondern nur die Gegenwart… wobei selbst das für eine Zwölfjährige vermutlich erschreckend gewesen war – ihr Zaubertranklehrer in inniger Knutscherei mit ihrer Mutter.
„Tatsächlich?", presste er hervor und sie nickte.
„Sie haben sich geküsst."
Er sackte in sich zusammen und rieb sich die Stirn. „Verflucht seien deine Gene, Mädchen."
Erschreckt sah sie auf. „Wieso?"
„Du bist eine Seherin."
„Eine was?"
„Eine Seherin. Du bist jemand, der Dinge sehen kann, während sie geschehen, oder manchmal auch Dinge, die möglicherweise noch passieren werden."
„Also war alles, was ich geträumt hab, echt?"
„Nun, auch Seherinnen haben normale Träume, die nichts zu bedeuten haben. Aber Träume, die dich emotional besonders mitnehmen, die dir besonders real vorkommen… das sind in der Regel Visionen."
„Und was ist, wenn ich das gar nicht will?"
„Da kann man leider nichts gegen tun. Eine besondere Fähigkeit zu haben ist auch immer mit besonderer Verantwortung verbunden, Elena. Einer Verantwortung, der man sich nicht entziehen kann. Guck dir deine Mutter an. Ihre Intelligenz ist ihr schon oft ziemlich unbequem gewesen, aber sie kann sie glücklicherweise nicht abstellen. Du wirst nicht jede Nacht irgendwelche Visionen haben und schreckliche Bilder sehen… seien es jetzt Bilder von Verbrechern im Gefängnis, von Gewalttaten oder auch nur davon, wie dein Zaubertranklehrer deine Mutter küsst."
„Das war gar nicht so schrecklich", erwiderte sie vorlaut und er sah sie erstaunt an. „Ich wusste sowieso, dass Sie in meine Mom verknallt sind."
„Du bist ein erschreckend freches Ding", murmelte er, konnte aber nicht anders, als zu lächeln. Soso… war er also verknallt in ihre Mom. Und der Dreikäsehoch hatte das vor ihm selbst erkannt. „Als Strafarbeit für Naseweisheit wirst du dich in die Bibliothek setzen und mir fünf Zoll Pergament über Seherinnen abliefern."
„5 Zoll?" Elena ächzte leise.
„Wenn du jammerst, werden es 10."
„Sie sind echt gemein."
„Und du bist echt frech. So haben wir beide unsere Fehler."
Sie schnitt ihm eine Grimasse und er wunderte sich erneut, wie einfach es für ihn war, mit dem Mädchen auf einer vertrauten Basis umzugehen.
„Professor Snape?" Sie sah ihn an, während sie langsam ihre Sachen zusammen packte.
„Anwesend."
„Ich find's echt cool, dass Sie mein Vater werden."
„Ach ja?"
„Ja. Dann dürfen die Slytherins mich nicht mehr ärgern. Und Sie können mit mir gefährliche Zaubertränke brauen."
„Deine Mutter würde mir den Kopf abreißen." Er konnte nicht anders, als zu schmunzeln. Wenn man sie so hörte, war alles sehr simpel.
„Ist meine Mom jetzt Ihre Freundin?"
„Meine Freundin? Wieso das denn?"
„Na, weil Sie sie doch geküsst haben und so."
„Du meinst… Partnerin?"
„Ne. Ich mein, ob Sie jetzt mit meiner Mom gehen."
„Ich glaube, das sind Synonyme für die gleiche Sache. Das weiß ich noch nicht, Elena. Das ist eine Sache, die deine Mom und ich klären, wenn wir Zeit dafür haben."
„Wann ist das?"
„Nach der Gerichtsverhandlung gegen die drei Todesser."
„Okay."
„Du kannst jetzt gehen. Und vergiss nicht den Aufsatz!"
„Na gut. Gute Nacht, Professor Snape."
„Gute Nacht. Und Elena?"
„Ja?"
„Du darfst mich Severus nennen, wenn keine Schüler dabei sind."
„Echt?"
„Ja. Schließlich bin ich bald offiziell dein Vater. Da ist ‚Professor Snape' unpassend, findest du nicht?"
Sie kicherte. „Stimmt. Du darfst mich dann Ella nennen, wenn du willst… Severus." Sie kicherte erneut, so seltsam war das Gefühl, den gefürchteten Professor zu duzen und mit Vornamen anzureden.
Er sah säuerlich drein. „Ich denke, Elena gefällt mir besser."
„Na gut. Gute Nacht… Dad."
Bevor er etwas erwidern konnte, war sie nach draußen geflitzt.
Er blieb einen Moment stumm sitzen, ob dem seltsamen Gefühl, das sich seiner bemächtigte, als ihre letzten Worte im Raum nachhallten. Natürlich hatte sie das in scherzhaftem Übermut gesagt… aber irgendwie ahnte er – ohne dafür ein Seher sein zu müssen – dass Elena Parker Granger sich nicht mit einem pro forma Vater zufrieden geben würde. Schon gar nicht, wenn dieser der… „Freund" ihrer Mutter war.
Und Severus war plötzlich überzeugt, dass er letzteres – egal, wie lächerlich er die Bezeichnung fand – ziemlich gerne sein würde.
