Ich bin wieder da und es geht weiter :) Ich hoffe, mir sind in der Zwischenzeit nicht alle treuen Leser abhanden gekommen - Sev und Hermine wären arg betroffen (und ich erst!). Über eine Rückmeldung, ob ihr noch da seid und ob euch das Chap gefällt, würd ich mich deshalb natürlich wie immer super freuen ;)
Yusuria: Ich war auf einem Studentenaustausch ;) Und hier kommt die Antwort, wie sie es anstellen wollen! :)
Amelie: Die Abhörkette ist schon ziemlich fies :D Ich hätte meiner Mutter aber einen gehustet, wenn die sich sowas hätte einfallen lassen ;) Ich denke, Sev wird sich tapfer schlagen :D Er hat ja auch Voldi überlebt - da kriegt er doch so ein bisschen Vatersein gut hin ;))
Und weiter gehts! *ein bisschen indische (?) Kekse und Chai hinstell*
27. Veränderung
Als Severus nach seinem Unterricht in seine Wohnung kam und sich suchend umsah, fand er die Wohnung jedoch verlassen vor. Ein wenig besorgt eilte er durch die Räume und fand Hermine schließlich in seinem Labor, wo sie über einem Stapel Pergamente und Bücher brütete.
„Hermine?"
Sie sah auf. Ihre Wangen waren vor Eifer gerötet und in ihm wallte das dringende Bedürfnis auf, sie zu küssen – doch er verkniff es sich. Das wäre wirklich unangebracht.
„Severus! Ich hab eine Lösung gefunden!"
Aha. So lief also der Hase. Er ging zu ihr, zog sich einen Stuhl heran und setzte sich.
„Was genau?"
„Es ist so naheliegend. Albus hat mir den entscheidenden Wink gegeben." Sie blitzte ihn an und strich sich dann durch das glatte Haar.
„Die Bemerkung über deine Haare?"
Hermine nickte und Severus dachte nach. Dann machte es ‚Klick'.
„Aber doch nicht bei mir?"
Sie lachte über sein entsetztes Gesicht. „Nein. Ich werde Elenas DNA verändern. Nur die Geninformation zu ihren Haaren natürlich. Es gibt bloß ein Problem."
„Das da wäre?"
„Ich muss, um die DNA-Sequenz herauszufiltern und sie durch deine zu ersetzen, in mein Labor im St. Mungos."
Severus nickte und führte den Gedanken weiter: Mina Parker, Chefforscherin des St. Mungos, experimentierte mit DNA-Veränderungen, tauchte nach Wochen, ja, Monaten der Abwesenheit auf einmal auf, werkelte einsam für sich hin und tauchte wenige Tage später als Hermine Granger wieder auf. Das provozierte geradezu unangenehme Aufmerksamkeit.
„Wenn eine Untersuchung angeleiert wird, haben wir ein Problem."
Hermine nickte. „Man wird einen Bluttest machen wollen. Dann ist unser kleines Spielchen gelaufen."
„Kannst du nicht ihr gesamtes Erbgut verändern?"
„Nein. Elena ist so wie sie ist, weil sie aus meinem und seinem Erbgut besteht. Wenn ich die Hälfte ihres Erbguts verändere, kann das irreparable Schäden anrichten. Im schlimmsten Fall stirbt sie daran. Jeder Eingriff in das Erbgut ist letzten Endes eine Gefahr. Deshalb darf diese Methode niemals nur für Schönheitskorrekturen benutzt werden. Wir benutzen die Eingriffe für Krankheiten, die anders nicht heilbar sind. Dabei müssen wir den Wert der Heilung gegen den der möglichen Nebenwirkungen abschätzen… und uns manchmal gegen eine Heilung entscheiden."
„Welche Nebenwirkungen wird Elena haben, wenn du die Sequenz ihrer Haare veränderst?"
„Das kann unterschiedlich sein und sicher können wir das nie sagen. Vermutlich wird sie zunächst Haarausfall bekommen, was wir aber gut durch einige kleine Tränke und Tinkturen auffangen können. Haarwurzelschmerzen können auch eine Nebenwirkung sein. Im Großen und Ganzen nichts, was ihre Lebensqualität unbeeinflussbar beeinträchtigt."
Severus nickte erleichtert. Natürlich würde Hermine auch nie zum Schlechten ihrer Tochter entscheiden.
„Dann müssen wir dich so ins Labor hineinschmuggeln. Was genau musst du dort erledigen?"
„Wir benutzen dort einige Muggelmaschinen zur Entschlüsselung der Sequenzen. Ich muss die Sequenz finden, sie mit meiner abgleichen, die Unterschiede ausmachen und alles, was nicht meiner DNA entspricht, mit deiner ersetzen, die ich natürlich auch erst einmal ausfindig machen muss.. Den Ersetzungsprozess mache ich dann wieder hier – Elena muss dafür natürlich anwesend sein."
„Wie lange dauert die Analyse der Sequenzen?"
„Wenn ich mich beeile, ungefähr 10 Stunden." Hermine dachte nach. „Nachts ist im Labor niemand da. Jil, meine Assistentin, schließt das Labor um 18 Uhr. Momentan dürfte dort noch weniger gearbeitet werden, da ich nicht da bin…" Erst jetzt fiel Hermine etwas ein. „Wissen meine Arbeitgeber eigentlich, dass ich… einen Unfall hatte?"
„Ich glaube, Potter hat sie benachrichtigt", antwortete Severus zögerlich. „Ich bin allerdings nicht hundertprozentig sicher."
Hermine nickte und machte sich eine gedankliche Notiz, Harry danach zu fragen.
„Also gut. Eine Nacht sollte reichen." Sie warf einen Blick auf die große Standuhr in dem Labor. Es war kurz nach 18 Uhr. „Aber nicht mehr heute. Morgen. Und mit einigen Schlucken Haarwuchstrank sind Elenas neue Haare dann auch bis zur Verhandlung nachgewachsen. Ich habe schon ein Konzept ausgearbeitet, wie wir das machen."
Sie schob ihm einen Zettel mit Stichpunkten hin und er sah, dass es die Namen von Tränken und Tinkturen waren. Kurz vertiefte er sich in die Liste und nickte dann.
„Wir können schon beginnen, einen Teil der Tränke zu brauen."
Hermine lächelte. „Hatte Elena heute schon Projektstunde?"
„Heute Nachmittag hatten die Erstklässler aus Gryffindor und Hufflepuff Flugunterricht." Severus wusste, worauf Hermine hinaus wollte, und erlaubte sich ebenfalls ein schmallippiges Lächeln. „Dobby?"
Es puffte. Nach der obligatorischen Beinumarmung Hermines wandte Dobby sich an Severus. „Was kann Dobby für Professor Snape erledigen?"
„Ich habe eine ganz simple Aufgabe für dich, von der ich sicher bin, dass du sie richtig durchführen kannst. Sag Elena, dass ich sie im Kerker für ihre Projektstunde erwarte. Sie soll sich beeilen."
Dobby nickte und verpuffte.
Elena war kaum überrascht, als der Hauself bei ihr erschien und sie zum Zaubertrankprofessor beorderte, nur James, mit dem sie gerade für Verwandlung übte, sah entrüstet drein.
„Er behandelt dich wirklich wie seine Sklavin! Die Projektstunde ist ausgefallen, warum kann er es nicht dabei belassen?"
Sie machte eine abweisende Handbewegung. „Er hat bestimmt einen Grund dafür. Vielleicht soll ich ihm bei einem wichtigen Trank helfen." Vielleicht bei einem Vaterschaftstrank? Vor unterdrücktem Stolz begann ihr Herz, energisch zu pochen.
„Dreh nicht ab, El. Severus Snape fragt niemals irgendjemanden um Hilfe."
„Wenn er die als Sklaverei tarnen kann, dann bestimmt." Elena grinste ihn an und er zuckte die Schultern, sprachlos ob ihrer Schlagfertigkeit.
„Dann geh doch", maulte er schließlich. „Zaubertränke ist ja für dich eh viel wichtiger als Verwandlung."
„Jetzt sei nicht eingeschnappt." Sie piekte ihm vor die Brust und er schob ihre Hand weg. „Du könntest ja mal wieder Zeit mit Sarah verbringen."
James knurrte nur etwas Unverständliches und Lily, zwei Sessel weiter, wedelte hinter seinem Rücken wild mit den Armen, um Elenas Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wies dann verstohlen auf James und machte eine arrogante, wegstoßende Bewegung. Offensichtlich hatte Sarah James abserviert.
Elena unterdrückte ein boshaftes Grinsen.
„Sarah war eh eine dumme Nuss."
Wieder nur unverständliches Knurren und dann: „Hau endlich ab. Sonst massakriert Snape dich."
Sie nahm das als gnädige Entlassung und verschwand hinaus.
An der Klassentür im Kerker hing ein Zettel, der sich zu einem Schmetterling faltete, als Elena an ihn heran kam. Aufgeregt flatterte er vor ihr her und lotste sie so tiefer in den Gang hinein, bis kurz vor den Wandteppich, der zu Professor Snapes Räumen führte. Hier war tatsächlich noch eine schwere Tür, die Elena vorher noch nie bemerkt hatte.
Der Schmetterling legte sich auffordernd auf die Tür und Elena klopfte.
„Herein!" Die übliche, schnarrende Aufforderung.
Sie trat ein und sah nur wenig überrascht, dass ihre Mom ebenfalls in dem Labor war.
Es war nur ein kleiner Raum – offensichtlich das Privatlabor des Tränkemeisters.
„Komm herein und schließ die Tür, Elena."
Sie folgte der Aufforderung.
„Guten Abend", sagte sie dann artig und ihre Mutter breitete die Arme nach ihr aus.
Kurz ließ sie sich in eine Umarmung ziehen und machte sich dann neugierig los.
„Was machen wir hier?", wandte sie sich wissbegierig an Severus und er zog die Augenbrauen hoch.
„Deine Mutter hat sich eine Lösung für unser kleines Testproblem ausgedacht."
„Echt? Und was machen wir, Mom?"
„Wir ändern die Geninformation deiner Haare."
„Wirklich? Machst du sie mir glatt, Mom? So wie Professor Snapes Haare?"
Hermine schmunzelte erst über das begeisterte Gesicht ihrer Tochter und dann über das entgeisterte Gesicht des Professors, der offensichtlich nicht glauben konnte, dass jemand seine Haare schön fand.
„Nein, Elena. Deine Haare bleiben lockig – ich hab dir das schon einmal erklärt."
Sofort verschwand die Begeisterung und Elena zog einen Flunsch.
Hermine lachte und klärte ihre Tochter dann auf.
Noch immer etwas enttäuscht, dass ihre Locken nicht glatt werden sollten, stimmte Elena dem Vorschlag schließlich jedoch trotzdem zu und sie begannen gemeinsam, die Tränke zu brauen.
Severus genoss die Arbeit mit den beiden Frauen unerwarteter Weise. Zwar ging es nicht annähernd so ruhig von statten, wie er es sonst gewohnt war, sondern Hermine und Elena redeten und scherzten beim Brauen, doch es störte ihn kaum. Sie bezogen ihn völlig selbstverständlich in ihre Unterhaltung mit ein und als Elena ihn irgendwann wieder übermütig „Severus" nannte, entfloh ihm tatsächlich ein Lächeln ob des erstaunten Blicks, den Hermine ihm zu warf.
Der nächste Abend kam schneller als erwartet – Hermine und Severus hatten am Abend zuvor nachdem Elena gegangen war, noch einen genauen Plan ausgetüftelt, wie sie es anstellen wollten, ungesehen ins St Mungos zu kommen, und alle wichtigen Tränke fertig gestellt.
Von Colin Creevey hatte Hermine noch nichts gehört und sie hoffte sehr, dass er sich ihres Vertrauens würdig erwies und keinen Unfug machte.
Elena war nur kurz vorbei gekommen und Hermine hatte ihr die Kette geschenkt mit den Worten, dass es ein verfrühtes Ostergeschenk sei. Sie kam sich schlecht dabei vor, beschloss aber, die Kette in eine normale umzuwandeln, wenn das alles vorbei war.
Elena war zwar erstaunt gewesen, denn bis Ostern war es ja doch noch ein Weilchen hin, hatte sich jedoch angemessen gefreut und die Kette gleich umgelegt. Hermine hoffte, dass sie die Kette regelmäßig trug.
Von Harry war eingetroffen, was Hermine am Morgen von ihm erbeten hatte: Sein Tarnumhang. Hermine hatte ihn über ihre Pläne informiert und er hatte mit keinem Wort durchblicken lassen, ob ihm die Idee missfiel, sondern ihr nur jedwede Unterstützung zugesichert.
„Bist du fertig?" Severus steckte den Kopf zu ihrer Zimmertür herein, wo sie gerade alles Wichtige einpackte.
„Ja, sofort." Hermine packte die drei Phiolen mit den Haaren sorgfältig in ihre Umhängetasche und zog dann den schwarzen, engen Umhang an, den Severus ihr hinhielt und von dem er ein größeres Pendant trug.
Er würde Schmiere stehen, während sie im Labor arbeitete.
Schwungvoll legte er ihr den Tarnumhang um und streifte dabei absichtlich in einer sanften Geste ihre Wange.
„Bald ist es vorbei."
Sie lächelte ihn an und nickte. „Langsam fange ich auch an, dran zu glauben."
Seine rechte Augenbraue zuckte in die Höhe und er wandte sich ab.
„Lass uns gehen."
Sie seufzte innerlich, nickte jedoch und folgte ihm – den Tarnumhang über den Kopf ziehend – hinaus in die Schule.
Wieder einmal war das Abendessen in vollem Gange, sodass sie unbehelligt hinaus kamen.
Als sie die Schule hinter sich gelassen hatten und durch den kalten Wind über die Ländereien stapften, zog Hermine sich den Umhang vom Kopf, sodass Severus sie wieder sehen konnte.
Er bedachte ihre Erscheinung – ein Kopf, der ohne Körper über den Boden zu schweben schien – mit einem spöttischen Blick.
„Ihr Outfit wirkt unkomplett, Miss Granger."
„Ist mein Kopf nicht ohnehin das Wichtigste?" Sie lächelte ihn schelmisch an und er erlaubte seinen Mundwinkeln ein nichtssagendes Zucken, während er innerlich mit sich übereinkam, dass ihr Kopf ohne ihren Körper ihn wenigstens nicht ganz so nervös machte… obwohl dieser Mund… Er unterdrückte ein Kopfschütteln über sich selber und schritt etwas raumgreifender aus.
Am Apparierpunkt streckte er wie selbstverständlich die Hand nach ihr aus und sie ergriff sie, ohne weiter darüber nachzudenken.
Sein Griff war fest und sicher, als er apparierte.
Das Krankenhaus war wie erwartet geschlossen, drinnen machten nur noch die Nachtschwestern ihre Runden auf ihren Stationen und nur in der Notaufnahme war noch Betrieb – da diese jedoch einen separaten Eingang hatte, machten Severus und Hermine einen großen Bogen um selbigen. Ihr Weg führte sie zu einem Seiteneingang für Angestellte, der nur mit Zauberstabkennung durchschritten werden konnte.
Severus sah Hermine an. „Hast du ihn dabei?"
„Natürlich, Sev. Was denkst du von mir?" Hermine griff in ihre Umhängetasche und beförderte einen Zauberstab zu Tage.
Kopfschüttelnd sah Severus ihr zu, wie sie ihn auf das Erkennungsfeld legte. „Du bist wirklich die gerissenste Hexe, die ich kenne."
Das Feld leuchtete kurz grün auf und die Tür öffnete sich mit einem leisen Klicken.
Hermine lächelte Severus triumphierend zu und trat ein.
„Marge wird ihn heute Abend nicht vermissen."
Severus folgte ihr und murmelte währenddessen etwas Unverständliches in seinen nicht vorhandenen Bart, von dem Hermine nur „gerissen… einer Putzfrau den Zauberstab klauen… unmögliches Weibsbild…" vernahm.
Sie lachte leise, während sie den Tarnumhang über Severus und sich warf.
„Sie bekommt ihn ja wieder. Wenn wir hier fertig sind, schicke ich ihn direkt zurück zu ihr und sie wird sich nicht mal daran erinnern, dass er gefehlt hat. Außerdem hat sie mir einen freien Abend zu verdanken, das ist jawohl ein guter Deal."
„Leise jetzt", murmelte Severus in ihr Ohr und sie konnte nicht verhindern, dass sie eine Gänsehaut bekam.
Wieso musste dieser verdammte Umhang auch so klein sein?
Der Zaubertrankmeister schob sich hinter sie und schlang einen Arm um ihre Schultern… offiziell, damit sie nicht zu weit auseinander gerieten, um den Umhang nicht zu verlieren. Inoffiziell… nun… nur, damit sie nicht zu weit auseinander gerieten. Der Umhang war ihm völlig gleichgültig. Er hätte die Aktion auch ohne das verhinderte Stück Fußmatte gemacht. Aber der Umstand, dass es ihn zwang, Hermine nah bei sich zu haben, ohne es erklären zu müssen, machte es erträglich.
„Geh vor", schnurrte er ihr ins Ohr und spürte zufrieden, wie sie leicht erschauerte.
Folgsam setzte sie sich in Bewegung und führte ihn in die zweite Kelleretage, wo die Laboratorien waren. Das Schicksal meinte es gut mit ihnen, denn sie begegneten keiner Menschenseele.
„Okay. Wir sind da. Hier ist mein Labor." Hermine wies auf eine Tür, die genauso hässlich grün gestrichen war, wie alle anderen.
„Mina Parker", stand auf dem Schild. „Forschungsleiterin St Mungos Hospital"
„Beeindruckend", spöttelte Severus und zuckte zusammen, als sie ihm kräftig auf den Fuß trat.
Dann löste sie sich von ihm und verschaffte sich erneut mit dem Zauberstab der Putzfrau Zutritt zu ihrem Labor. Finster bemerkte sie, dass die üblichen Schutzbanne, die sie auf das Labor zu legen pflegte, nicht vorhanden waren. Jil war zu nachlässig. Sie hatte vermutlich zu lange ohne Aufsicht gearbeitet… alles musste man selber machen, wenn es richtig gemacht werden sollte.
Ein seltsam warmes Gefühl des Nachhausekommens überkam sie, als sie mit der Hand über die vertrauten, blitzsauberen Oberflächen und Gerätschaften strich. Ihr Reich.
Mit einem Wink ihres Zauberstabes ließ sie die Deckenstrahler entflammen und warf ihren magiegestützten Computer an. Als alle notwendigen Gerätschaften betriebsbereit waren, machte sie sich ans Werk.
Sie hatte die notwendigen Vorgänge schnell in die Wege geleitet – es hatte kaum zwei Stunden gedauert, die Haare einzulesen. Was nun jedoch Zeit in Anspruch nahm, war die Entschlüsselung der DNA-Sequenzen.
Der Computer zeigte für alle drei Haare eine Bearbeitungszeit von insgesamt 9 Stunden an – länger als erwartet.
Während der Computer rechnete, ging sie wieder hinaus zu Severus, der auf dem Gang Wache hielt.
„Und?"
„9 Stunden sagt der Computer."
Er ächzte. „Geht das nicht schneller?"
„Nein. Nicht mal mit einem magiebetriebenen PC. Die Entschlüsselung der einzelnen Sequenzen ist sehr aufwändig und braucht viel Rechenleistung. Mein Haar dürfte relativ schnell gehen, da die Grundstruktur schon gespeichert ist – wenngleich auch nur mit der ursprünglichen DNA. Die Veränderungen sind jedoch nicht so gigantisch, dass es viel Zeit brauchen wird. Eure Haare brauchen mehr Zeit."
„Und was machen wir jetzt neun Stunden lang?"
„Um den Computer brauchen wir uns nicht zu kümmern… der kommt erst einmal ohne uns aus."
Nachdenklich starrte Hermine vor sich hin, bis sie schließlich eine aberwitzige Idee hatte.
„Ich wüsste da was", meinte sie vorsichtig.
„Das klingt nicht, als würde ich es begrüßen."
„Das weiß ich nicht… also… vermutlich nicht. Severus, vier Stockwerke über uns liegen die Longbottoms."
Ihm entfloh ein Stöhnen. „Ich hab's gewusst."
„Bitte, Sev." Sie legte ihre Hand auf seinen Arm und sah ihn bittend an. „Bitte, lass uns nur einmal schauen, ob du es schaffst, Zugang zu ihnen zu bekommen. Wenn es nicht klappt, gehen wir wieder."
„Das ist Zeitverschwendung, Hermine!"
„Vielleicht. Aber lass es uns wenigstens versuchen."
Als er sich genervt abwenden wollte, nahm sie sanft sein Gesicht in die Hände und zwang ihn, sie anzusehen.
„Ich will dir keine Pflichten auferlegen, Severus Snape. Es gibt noch andere Legilimentiker auf der Welt. Aber keiner hat es bisher probiert. Du bist den Longbottoms nichts schuldig… wirklich nicht… aber… ich war schon einmal nahe davor, nie wieder zurück zu finden, Sev. Es ist grauenhaft. Man ist völlig allein und überall sind schreckliche Bilder. Es gibt keinen Kontakt mehr zur richtigen Welt, nur noch dich und deinen ganz persönlichen Horror. Und man findet keinen Weg. Es ist die komplette Hilflosigkeit, verstehst du?"
Severus starrte sie an und unter ihren Worten kam das nagende Gefühl der Schuld zurück.
„Ich möchte nur einen Versuch, Severus. Nur einen einzigen. Wenn es nicht klappt, gehen wir und kommen nie wieder zurück."
Der flehende Blick aus ihren braunen Rehaugen machte ihn weich.
„Was, wenn man uns entdeckt?", wagte er einen letzten Einwand, wohlwissend, dass sie auch diesen hinweg fegen würde.
„Obliviate."
Er seufzte tief. „Also gut. Ein Versuch. Nur einer. Und wenn sie Blödsinn machen, gehen wir sofort wieder."
„In Ordnung. Danke, Sev."
Und? Review? :D
