So… nach langer Zeit geht es mal wieder weiter. Ich weiß, es hat gedauert, aber ich komm momentan selten zum Schreiben, zwischen Vollzeitpraktikum, Bachelorarbeit, Neuimmatrikulation und Wohnungsauflösung. RL jagt mich und lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Aber hier Kapitel 33 :) Ein Butterbier auf die Schnapszahl.

Yusuria: Schön, dass du am Ball bleibst :) Das freut mich!

Gäste: Ich würd euch ja gern mit Namen ansprechen, aber so bleibts erstmal bei Gäste :D Schön, dass ihr dabei seid ;) Severus kümmert sich schon um Elenas Zweifel ^^

Buffy66: Willkommen! Es freut mich, dass dir die Story gefällt :D Ich gebe nicht auf, es geht weiter :D Langsam, aber allmählich :)

Und weiter geht's :)

33. Konfrontation

Es war noch nicht ganz Mittag und Ginny war noch bei Hermine, als eine Eule nach Einlass verlangte.

„Das ist Rons Uhu", murmelte Ginny, als sie den vertrauten Vogel sah.

Hermine seufzte. „Das ging ja schnell."

Sie nahm dem Vogel die Pergamentrolle ab, belohnte ihn und ließ ihn gleich wieder frei. Sie glaubte nicht, dass sie unmittelbar nach der Lektüre des Briefes eine Antwort verfassen wollte. Nicht, wenn Ron sich noch immer als derselbe überemotionale Trottel entpuppte, der er schon immer gewesen war.

Überraschend gefasst brach sie das Siegel und entrollte den Brief. Unter Ginnys besorgtem Blick begann sie lautlos zu lesen.

Hermine,

ich habe heute Morgen (vermutlich genau wie du) die Zeitung gelesen. Ich kann nur eins sagen: Am Anfang hab ich nur gedacht, dass du geistig etwas umnachtet warst nach dem Überfall. Jetzt weiß ich nur noch eines: Du bist bei mir ganz tief unten durch, Hermine Granger. Unterirdisch. Bodenlos. Ich kann das kaum ausdrücken. Es grenzt schon an Krankheit, wenn man das Kind einer Affäre als das einer Vergewaltigung ausgibt, um besser dazustehen und vor allem: Um nicht aufzufliegen. Ich hätte nie gedacht, dass du so verlogen bist. So absolut auf deinen Vorteil bedacht. So… untreu! Ja, wir hatten Probleme. Aber Snape?! Ausgerechnet Snape?! Und dann lässt du dich nicht nur von ihm besteigen, sondern auch noch schwängern und lügst mich hinter dummdreist an…" Die Schrift war zunehmend hektischer und krakeliger geworden – ein untrügliches Zeichen dafür, dass Ron vor Wut beim Schreiben kaum hatte an sich halten können. „Ich hab von Anfang an gewusst, dass da was faul war. Dass sie nicht war, was du vorgabst, dass sie ist. Kein gesunder Mensch liebt das Ergebnis einer Vergewaltigung so sehr wie du dieses Kind geliebt hast. Ich hab von Anfang an geahnt, dass da was im Busch war! Kommt auf die Welt mit einem Wust schwarzer Haare. Du warst vermutlich erleichtert, dass sie nicht seine Nase geerbt hat? Sonst hättest du ein Erklärungsproblem gehabt! Aber so warst du ja fein raus, nicht wahr? Alle schön unter Schweigepflicht, neuer Name, alles super. Hermine Granger ist fein raus und von allen bemitleidet und bewundert dafür, wie stark und liebevoll sie ist, trotz allem was ihr so passiert ist. Herzergreifend.

Ich bin so unglaublich wütend, dass es dein Glück ist, dass ich nicht einmal in der Nähe von Schottland bin (denn ich bin sicher, dass du dich exakt dort gerade aufhältst).

Wir sind fertig miteinander, Hermine Granger. Für immer. Das war ein ‚Geniestreich' zu viel. Werd' ruhig glücklich mit deinem Schmierlappen und seiner Brut. Vielleicht kriegst du dann ja bald einen Snape Junior – jetzt wissen es ja eh alle und dein Auserwählter wird nicht jünger.

Geh zum Teufel.

Ron."

Es fiel Hermine schwer, ruhig sitzen zu bleiben und nicht in Tränen auszubrechen. Obwohl Ron schon seit 12 Jahren keinen wirklichen Kontakt mehr zu ihr pflegte, war diese Formulierung von so schäumender Wut und so gärendem Abscheu wie ein Tritt in die Eingeweide. Sie hatte gut ohne den Ron ihrer Beziehung leben können, aber den Ron ihrer Freundschaft hatte sie stets vermisst. Von beiden jetzt diese offenkundige Verachtung zu erfahren, schmerzte viel tiefer, als sie es erwartet hatte. Ebenso wie Rons altbekannte Voreingenommenheit und seine Leichtgläubigkeit. Anstatt zunächst seine Schwester und seinen besten Freund nach ihrer Einschätzung zu fragen, glaubte er blindlinks einem Schundblatt, das schon zu seiner Schulzeit bekannt dafür gewesen war, nur Mist und verdrehte Realität zu präsentieren. Aber es passte gut in seinen Kram, also nahm er es als wahr. Das war so sehr Ron, dass es wehtat. Fast körperlich.

„Hermine?" Ginnys leise Stimme riss sie aus ihren Gedanken und eine warme Hand legte sich auf ihre Schulter.

Sie sah auf und in das Gesicht der Freundin. „Er hasst mich." Unwillkürlich kratzte sie sich über die Unterarme, als könnte der leicht ziehende Schmerz die aufkommenden Tränen vertreiben.

Ginny nickte betroffen. So etwas hatte sie erwartet. Da sie nicht wusste, was sie sonst tun sollte, zog sie die Freundin in eine liebevolle Umarmung, in welche die sich auch gerne fallen ließ.

Eine Weile saßen die Freundinnen umschlungen da, bis Hermine irgendwann aufsah.

„Danke, Gin. Es geht mir gut. Du solltest jetzt nach Hause apparieren… Harry kommt bestimmt bald zum Mittag heim."

Ginny nickte langsam und sah das blasse Gesicht Hermines prüfend an. „Bist du wirklich okay?"

„Ja… alles in Ordnung." Hermine versuchte ein verunglücktes Lächeln und Ginny verabschiedete sich nur wenig beruhigt – sie sah jedoch ein, dass Hermine offensichtlich jetzt Zeit für sich wollte.

Als sich die Tür hinter der Freundin schloss, brach Hermine in krampfartiges Schluchzen aus. Es schüttelte sie tränenlos, packte sie, würgte sie und ließ sie keine Luft holen und sie ließ sich zitternd und von Schluchzern geschüttelt am Rücken des Sofas entlang auf den Boden gleiten. Dort blieb sie sitzen und versuchte, der Umklammerung der Hyperventilation und der Schluchzer zu entrinnen, in dem sie sich immer wieder laut vorzusagen versuchte, das alles in Ordnung sei.

So fand Severus sie, als er eine kurze Stippvisite vor dem Mittagessen bei ihr einlegen wollte. Schockiert stürzte er zu ihr, ließ sie in eine Tüte atmen und sprach ihr besorgt zu, während er sie auf das Sofa verfrachtete.

Die Zeitung auf dem Tisch war sein erstes Indiz – den Brief gewahrte er erst auf den zweiten Blick und als er - ohne einen Blick auf das restliche Gekrakel zu werfen – die Unterschrift ansah, wurde ihm einiges mehr klar.

Er zog Hermine zu sich und wiegte sie so lange, bis sie ruhiger wurde und sich auch ihre Atmung beruhigt hatte.

Er kam nicht dazu, mit ihr über die Angelegenheit zu sprechen, denn ein penetrantes Klopfen am Fenster im Schlafzimmer, das er bis jetzt überhört hatte und das langsam gefährlich aggressive Züge annahm, ließ ihn irgendwann kapitulieren, als Hermine wieder ruhig atmete.

Ihn traf fast der Schlag, als er am Fenster auf sage und schreibe 7 Eulen traf.

„Ihr kommt hier nicht rein", fauchte er sie durchs Fenster an und die erste Eule, der man die Ungeduld grade zu ansah, kreischte empört auf und hackte mit dem Schnabel auf die Scheibe ein.

Dann sah Severus fassungslos zu, wie der Vogel sich den Brief vom Bein rupfte und ihn einfach auf die Fensterbank fallen ließ.

Dann flog der hochmütige Kauz davon, nicht, ohne die anderen 6 Eulen heftig aufzuscheuchen. Severus wich unwillkürlich vor dem Herumgeflattere zurück, obwohl die sichere Scheibe dazwischen war.

Kaum war der Kauz verschwunden, drängten die anderen 6 sich zeternd und meckernd um das Fenster.

Schließlich gab der Zaubertränkemeister auf. Er zückte seinen Zauberstab wie ein Schwert und öffnete das Fenster unter wildem Fuchteln und Funken sprühen, um die Vögel draußen zu halten. Das Gezeter war ohrenbetäubend und wütend befreite er die Vögel mit einem kurzen Zauber von ihren Briefen und scheuchte sie dann davon. Von weitem konnte er schon die nächsten im Anflug auf sein Fenster sehen.

Er kannte keinen davon und ahnte schon, was für Nachrichten das waren.

Kurz sah er über die Briefe hinüber – es waren drei für ihn und vier an Hermine gerichtet… zweifellos Leserbriefe.

Schnaubend schloss er das Fenster, legte einen Umleitungszauber auf das Fenster, der die Vögel zwang, wieder dahin zu fliegen, wo sie hergekommen waren, und stapfte, die Briefe in der Hand, zurück zu Hermine, die etwas verloren im Wohnzimmer auf der Couch saß und auf den Couchtisch starrte.

Sie war etwas blass und wieder einmal machte Severus sich für seinen Geschmack viel zu viele Sorgen um sie. Immerhin hatte sie nicht geweint. Eine Hermine Granger heulte nur dann, wenn sie komplett am Ende war. Der hysterische Anfall deutete eher darauf hin, dass sie sich relativ schnell wieder fangen würde – trotzdem störte es ihn enorm, dass eine Nachricht von dem Wiesel so eine Wirkung auf sie haben konnte. Zweifellos hatte er ihr seinen Abscheu wegen ihrer vermeintlichen Treulosigkeit zum Ausdruck gebracht. Trottel.

„Du hast Post", schnarrte er und hielt ihr die Briefe hin.

Sie fuhr sich fahrig durchs Haar.

„Ich hab für heute genug Post bekommen", murmelte sie. „Von wem sind die Briefe?"

„Vermutlich von Fans und … dem Gegenteil."

„Leserbriefe."

„Ich vermute es."

„Lies du sie."

„Ich hab auch welche bekommen… und es sind noch welche im Anmarsch… aber ich habe einen Umleitungszauber aufs Fenster gelegt."

„Umleitungszauber…"

Für einen Moment klang sie fahrig, so wie „damals", als sie kein Gedächtnis gehabt hatte, und Angst umklammerte ihn für einen Moment. Gab es einen Schock, der stark genug war, um sie wieder in diesen Zustand zu bekommen? Und wenn ja, waren Übungen mit einem Irrwicht genug, um sie auf den Schock vorzubereiten, der vermutlich kam, wenn sie Lestrange gegenüber stand? Wenn schon ein geistig tieffliegendes Wiesel so etwas bewirken konnte?

Doch der Moment ging vorüber und sie fasste sich wieder und nickte bekräftigend.

„Eine gute Idee. Ich glaube nicht, dass ich die Meinung von wildfremden Leuten zu meinem vermeintlichen Leben wissen will."

„Soll ich die Briefe verbrennen?"

„Vielleicht sollte ich mir damit einen Eindruck verschaffen. Unter Umständen entscheide ich mich dann, direkt wieder einen neuen Namen anzunehmen, damit ich in diesem Leben nochmal in meinen Beruf zurück kehren kann, ohne dass die Patienten rückwärts aus dem Zimmer kriechen, nur weil sie mich verachten."

Er konnte ein trockenes Lachen nicht unterdrücken. „Meine Schüler sind nie rückwärts aus dem Klassenzimmer gekrochen, obwohl sie mich verachtet haben. Aber der Anblick wäre vermutlich auch zu erheiternd gewesen."

„Du konntest ihnen Punkte abziehen."

„Wär doch mal ein Vorschlag fürs St Mungos."

„Lass es uns hinter uns bringen." Sie streckte die Hand aus und er legte die vier Briefe an sie hinein.

Gemeinsam öffneten sie jeder den ersten und begannen zu lesen.

Miss Granger,

ich möchte Ihnen auf diesem Wege meine Glückwünsche und meine Erleichterung über die Nachricht Ihres Überlebens ausrichten. Wie Sie Ihr Leben führen, ist Ihre Sache und ich bin der Meinung, dass Sie mit Professor Snape einen intellektuell nicht zu übertreffenden Mann gefunden haben. Ich bin sehr zuversichtlich, was die Zukunft Ihrer – nebenbei gesagt bildhübschen – Tochter angeht. Ich muss Sie allerdings freundschaftlich darauf hinweisen, dass ich zumindest es Ihnen mehr als übel nehmen würde, sollten Sie Professor Snape genauso behandeln, wie Ihren damaligen Gefährten.

Mit freundlichen Grüßen,

Bettina Hiller

Tränkemeisterin

Potions and Charmes

Wizard Lane, 41

Edinburgh"

Beeindruckt sah Hermine auf. „Dieser hier ist durchaus positiv. Offensichtlich hast du eine Verehrerin in Edinburgh. Allerdings enthält er die unmissverständliche Drohung, dass etwas passiert, sollte ich dir genauso mitspielen wie ich es angeblich bei Ron getan habe."

Severus schnitt ihr eine Grimasse. „Der hier enthält das genaue Gegenteil. Auch eine Frau, sie allerdings wünscht mir eine beeindruckende Anzahl von Flüchen an den Hals dafür, dass ich dich verführt und deinem Freund entfremdet habe und dass ich dir obendrein 12 Jahre lang offensichtlich nicht ausreichend zur Seite stand, um den Verbrecher frühzeitig zu fassen und dir ein normales Leben zu ermöglichen."

Hermine erstarrte. Die Tragweite seiner Worte erfasste sie siedend heiss. Natürlich. Daran hatte sie in ihrem grenzenlosen Egoismus nicht gedacht. Die Tatsache, dass ihr eine Affäre mit Severus Snape angedichtet wurde, wurde natürlich in der altmodischen Zaubererwelt zuerst ihr angelastet. Aber natürlich musste auch Severus' Ruf darunter leiden, dass er vermeintlich eine Affäre mit einer liierten Frau angefangen hatte und sich 12 Jahre lang nicht zu seinem Kind bekannt hatte – Tarnung hin oder her.

„Hör auf dir Gedanken zu machen", murrte er, als er ihre Gedanken an ihrem betroffenen Gesicht erriet. „Die Meinung von anderen schert mich einen feuchten Elfenmist."

Das zauberte ein leichtes Lächeln auf ihr Gesicht und sie nahm sich den nächsten Brief vor.

Dieser entpuppte sich als das genaue Gegenteil des ersten. Die Schreiberin beschimpfte sie auf heftigste, wobei Ehebrecherin (Welche Ehe?), Verräterin, schlechte Mutter und Schlampe noch die weniger heftigen Begriffe waren.

Sie legte den Brief weg, nachdem sie sich durch die erste Hälfte an Wutergüssen gearbeitet hatte.

Severus sah ihrem Gesicht den Inhalt des Briefes an und nickte, während er vielsagend auch den zweiten Brief schwenkte, der wohl offensichtlich auch nicht besonders positiv ausfiel.

Hermines dritter Brief enthielt diesmal die Worte einer offensichtlich hin und hergerissenen Dame, die einerseits froh über Hermines Überleben und ihre Gesundheit war, andererseits jedoch tief enttäuscht über Hermines Verhalten war, da Hermine offensichtlich während des Krieges für sie so etwas wie ein Idol gewesen war. Sie schrieb, dass sie drei Jahre unter ihr in Hogwarts gewesen sein.

Für sich selbst beschloss Hermine, der Frau, die ehrlich betroffen schien, eine freundliche Antwort zu schreiben, die zwar die Wahrheit nicht aufklärte, aber die Lüge etwas abmildern würde.

Severus' dritter Brief war überraschenderweise von einem Mann und noch viel überraschender war, dass er von Neville Longbottom war. Am überraschendsten allerdings war der Wortlaut.

Sehr geehrter Professor Snape,

ich habe heute in der Zeitung von Ihnen und Hermine gelesen… nach einem heftigen Schock über die Tatsache, dass Hermine lebt, wohlauf und eine mir bekannte Heilerin im St Mungos ist, ohne dass ich es in 12 Jahren erkannt habe, bin ich über die Maßen erleichtert und erfreut über all das. Ich habe gelesen, dass sie verfolgt wurde und sich verstecken musste… und da erst vor kurzem der letzte Lestrange festgesetzt wurde und sie sich jetzt zurück in ihr richtiges Leben bemüht, vermute ich hier einen Zusammenhang?" Severus pfiff unwillkürlich kurz durch die Zähne – ein so ungewohnter Laut von ihm, dass Hermine ihn verwundert ansah, doch er winkte ab. Er wollte erst zu Ende lesen. Verblüffend, wie treffend Longbottom die Schlüsse gezogen hatte. „Von daher bin ich besonders froh, dass sie einen so kompetenten Beschützer wie Sie hatte – ohne anbiedernd wirken zu wollen. Ich habe neben Ihnen gekämpft, Sir… Sie sind der Beste. Abgesehen vielleicht von Harry Potter macht Ihnen im Duell niemand etwas vor. Hermine und auch ihre Tochter – Himmel, Hermine hat eine Tochter! – sind bei Ihnen in sicheren Händen. Ich möchte Ihnen dafür danken. Danke für alles, was Sie getan haben, um Hermine und ihrer Kleinen zu helfen.

Bitte übermitteln Sie Hermine meine besten und herzlichsten Grüße, ich werde sie noch persönlich kontaktieren.

Mit den besten Grüßen,

Neville Longbottom,

Herbologiemeister"

„Dieser hier ist interessant", erwähnte er gespielt beiläufig, nachdem er seine Verwunderung überwunden hatte und Hermine, die bereits auch den vierten Brief, der wieder nur Vorwürfe und Beschimpfungen enthielt, beiseitegelegt hatte, sah auf.

„Interessant aufgrund der kreativen Beschimpfungen oder interessant aufgrund haltloser Bewunderung?"

„Weder noch." Ohne sie weiter auf die Folter zu spannen las er vor und Hermines Miene wandelte sich von belustigt-überrascht zu fassungslos-erstaunt, als sie den Namen des Verfassers hörte.

„Neville Longbottom schreibt dir so einen Brief?! Gib her!"

Er reichte ihr den Brief und sie warf einen Blick auf die Schrift.

„Tatsächlich. Der ist wirklich von Neville. Ich glaub es ja nicht." Sie hielt kurz inne und warf noch einmal einen Blick auf das Geschriebene. „Beeindruckend, wie er die richtigen Schlüsse gezogen hat."

„Er hat vermutlich ein Auge auf alles, was mit Lestrange zu tun hat. Vermutlich wird er auch als Zeuge heran halten – die Longbottoms sind die bisher populärsten Opfer. Deshalb ist ihm auch entfallen, dass auch Macnair und Travers gefangen genommen wurden. Er hat nur Augen für Lestrange."

„Verständlicherweise." Hermine starrte immer noch völlig fassungslos auf das Blatt Papier. „Aber dass er ausgerechnet dir schreibt…"

„Er muss dich wirklich gern haben – so gern, dass er alle Abscheu überwindet und mir dankt."

„Er hat dich nie verabscheut, Sev… er hatte immer schreckliche Angst vor dir. Aber im Grunde hast du Recht."

„Angst?" Severus tat erstaunt. „Wie könnte man vor mir Angst haben?"

„Wo du doch so ein Philanthrop und Kinderfreund bist." Sie klang spöttisch-belustigt und Severus bemerkte zufrieden, dass ihr Schock über den Wieselbrief offensichtlich abgeflaut war.

„Aber sicher. Ich liebe Kinder. Am liebsten habe ich sie englisch mit einem Glas trockenem Rotwein und ein paar Folienkartoffeln."

Als Antwort schlug sie nur spielerisch nach ihm. Dann wurde sie ernst.

„Was machen wir jetzt, Sev?"

„Was meinst du?"

„Jemand hat mich verraten und jetzt wird ein Haufen hirnloser Artikel über uns alle verfasst. So etwas lasse ich ungerne auf mir sitzen. Und wenn Elena davon erfährt…"

„Sie weiß es längst."

Hermine erstarrte. „Und?! Wie hat sie reagiert? Warum sagst du das erst jetzt? Wie geht es ihr? Sollen wir sie her holen? Geht es ihr gut?"

Er hob beschwichtigend die Hände und berichtete ihr von seinem Gespräch mit Elena und seinem Eindruck, dass sie den Rummel bisher gut verkraftete.

Ihr besorgtes Gesicht glättete sich etwas, als sie hörte, wie Elena aufgetreten war, wenn gleich ihr auch die Tatsache, dass ihre Tochter offensichtlich zweifellos eine Seherin war, sauer aufstieß.

„Du willst also mit ihr einen Vielsafttrank brauen?" Ihre rechte Augenbraue zuckte in die Höhe und Severus musste ein Lächeln unterdrücken. Der skeptische Ausdruck stand ihr gut.

„Nun, mit deinem Einverständnis natürlich nur. Aber da du selber nicht ganz unbedarft in der Sache bist…"

Sie errötete leicht. „Ich war immerhin in der zweiten Klasse", grummelte sie.

„Nun, in der ersten warst du ja zu beschäftigt damit, unsere Rätsel zu knacken."

„Erinnere mich bloß nicht daran." Sie seufzte. „Also gut. Aber ich will mitkommen."

„Wen genau willst du dabei kontrollieren?"

„Euch beide. Du warst noch nie mit Elena unterwegs, Severus… sie ist manchmal etwas übereifrig. Und als 12 Jährige eine Erwachsene zu imitieren, dürfte auch für Elena schwierig bis unmöglich sein. Und ich möchte nicht, dass du ihre Fähigkeiten überschätzt. Sie ist sicherlich ein hochintelligentes kleines Ding, aber sie ist trotzdem erst 12."

Severus nickte. Das war alles richtig. „Na gut. Dann wird das ein Gemeinschaftsunternehmen von uns dreien."

„Und was machen wir, wenn wir die guten Frauen gefunden haben?"

„Dann jagen wir ihnen Angst ein."

Nachdenklich sah Hermine Severus an. Sie wusste, dass er es ernst meinte und seltsamerweise war es ihr sehr recht. Hier stand nicht nur ihr Ruf auf dem Spiel oder der von Severus. Hier stand vor allem die Unbeschwertheit ihrer Tochter auf dem Spiel, die mit weiteren aggressiven Artikeln möglicherweise bald auch speziell auf ihre Person gerichtet durchaus in Mitleidenschaft gezogen werden konnte. Hermine erinnerte sich nur zu gut an die Zeit mit Rita Kimmkorn und was sie besonders Harry alles angetan hatte. Dieser hatte die Presse bis heute in schlechter Erinnerung und mied alles, was mit Zeitung zu tun hatte, so gut es ging, besonders was seine Kinder betraf. Hermine wusste, dass es nur selten jemand schaffte, ein Bild von Lily oder James in einer Klatschzeitschrift zu veröffentlichen.

Hermine würde niemals zulassen, dass jemand ihrer Tochter dasselbe antat, was Harry angetan worden war. Sie war eine Löwin und beschützte, was sie liebte… damals wie heute.

„Vielsafttrank braucht viel Zeit…"

„Nicht, wenn ich einen Vorgangsbeschleuniger habe, der die Wirksamkeit nicht verändert, den Brauzeitraum jedoch nach Zugabe enorm rafft."

„Du hast einen Vorgangsbeschleuniger?" Erstaunt sah Hermine auf. „Das ist unmöglich! Er würde das Gleichgewicht des Trankes völlig durcheinander bringen."

„Nicht, wenn man ihn richtig einsetzt und ihn vor allem richtig braut."

„Du kannst einen Vorgangsbeschleuniger so zusammen mischen, dass er wirkt und nichts verändert?"

„Du bist nicht die einzige, die sich Neues ausdenkt, Löwin."

Es war das erste Mal, dass er einen Kosenamen für sie benutzte und Hermine möchte den Klang seiner Stimme bei der Aussprache des Namens sofort.

„Das ist wunderbar, Sev. Du musst mir genau zeigen, wie du das gemacht hast."

„Gerne. Aber zurück zum Thema… hast du nächsten Donnerstagnachmittag schon etwas vor?"

„Donnerstag." Hermine dachte nach. „Du hast frei, Elena hat keinen Unterricht und alle Büros sind noch besetzt." Sie nickte. „Klingt gut." Der Gedanke daran, einen Vielsafttrank innerhalb von drei Tagen zu brauen machte sie schwindelig. Was für unendliche Möglichkeiten sich mit einem solchen Beschleuniger auftaten…

„Gut. Wir können Elena nachher informieren. Sie kommt direkt hierher."

„In Ordnung. Ich möchte ohnehin von ihr selbst hören, dass alles in Ordnung ist. Und wenn ich den Eindruck habe, dass dem nicht so ist, gibt es Donnerstag ein Blutbad."

Sie klang festentschlossen und Severus lächelte schmal.

„Ich behalte mir vor, dich zurück zu halten, wenn nötig. Ich möchte nicht bei deiner Anklage Zeuge sein."

„Wir verwischen unsere Spuren gut." Sie wackelte vielsagend mit den Augenbrauen und lächelte dann. „Danke für die Aufmunterung, Severus."

„Gern geschehen. Ich nehme an, das Wiesel hat dir seine Ungehaltenheit signalisiert."

„Im Kern ist das richtig, ja. Die Art und Weise war nicht so gewählt."

„Der Mann ist ein Trottel, Hermine, und wird es immer sein."

„Ich weiß." Sie sah nun etwas bedrückt drein. „Aber weh tut es trotzdem. Er war mein Freund."

Severus nickte, schwieg jedoch. Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte.

Schließlich schüttelte sie den Kopf. „Ist auch egal. Ich vergesse den Brief einfach und mach weiter wie bisher. Ist ja nicht so als wären wir noch dicke Freunde – wir haben quasi seit 12 Jahren kaum ein Wort mehr miteinander gewechselt."

„Das ist vielleicht das Beste."

„Ja."

„Accio Aufzeichnungen Vorgangsbeschleuniger."

Hermines Augen funkelten wieder auf, als ein Stapel Pergamente zu Severus geflogen kam, die er ihr in die Hände drückte.

„Das sind die Unterlagen. Ich habe drei Phiolen mit Trank im Schrank stehen – du bist gerne eingeladen, mit einer davon die Aufzeichnungen nachzuvollziehen und einige Tests zu machen. Ich muss jetzt wieder los."

„Wunderbar. Danke, Sev." Sie wartete gar nicht, bis er aufgestanden war, um zu gehen, sondern drückte ihm einfach nur rasch einen Kuss auf die Wange und rauschte dann mit Feuereifer ab ins Labor.

Severus erwischte sich dabei, wie er ein wenig versonnen hinter ihr her sah und der Wärme auf seiner Wange nachspürte. Dann erhob er sich, um eine weitere Generation von Landplagen zu erziehen.

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