Kapitel 1
Minerva McGonagall eilte in der Großen Halle auf und ab, in die Vorbereitungen zum Kampf vertieft. Die Schlacht von Hogwarts, dachte sie, jetzt ist es so weit. Schutzzauber sind gesprochen, die Ritterrüstungen bewachen das Schloss, die Schüler sind evakuiert… „Minerva?", fragte Madam Pomfrey die vorbeigehende Professor, „Sollten wir nicht anfangen, das Lazarett einzurichten? Das sollte vor Beginn des Kampfes vorbereitet sein…" Minerva zeigte keinerlei Regung und gab keine Antwort, stattdessen platzte sie hervor: „Ich wünschte, Albus wäre hier. Oder irgendjemand anderes, der die Führung übernehmen kann. Ich fühle mich hilflos." Poppy zuckte etwas unbeholfen mit den Schultern und murmelte: „Nun gut, dann übernehme ich die Lazarettvorbereitungen…" Sie wuselte geschäftig fort, Professor McGonagall blieb stehen und ging ihren eigenen Gedanken nach.
„Professor McGonagall?", wurde sie erneut abgelenkt. Die Professor fuhr herum. „Miss Lovegood?" „Ich habe Verstärkung für uns mitgebracht!" Erst jetzt bemerkte Minerva die vier Frauen hinter Luna. Sie zog scharf die Luft ein. Was sind das für Kreaturen?, fragte sie sich im Stillen. Alle waren überirdisch schön, blass, hatten langes Haar, auffällig gefärbte Augen und Kleidung, die aus Pflanzen gemacht schien. „Das sind Menglada, Freya, Rhia und Meredith", erklärte sich die Ravenclaw. Eine der Frauen trat hervor. Sie stach durch violett glühende Augen hervor, ihr schwarzes langes Haar stand in starkem Kontrast zu ihrer alabasterweißen Haut. „Professor", sprach sie mit fester Stimme, „Mein Name ist Menglada. Wir kommen aus dem Norden. Einige von uns haben den Widerstand einer Schülergruppe gegen die Todesser an der Schule unterstützt und wir sind bereit, an Hogwarts Seite in den Kampf gegen Voldemort zu ziehen."
Professor McGonagall hob überrascht die Hände. „Aber, meine Liebe, wie wollen Sie uns helfen?"
„Wir alle verfügen über große magische Fähigkeiten. Fähigkeiten, die weit über eure hinausgehen. Und wir sind bereit, diese Fähigkeiten im Kampf einzusetzen, obwohl wir sie eigentlich nur friedlich nutzen."
„Von welchen Fähigkeiten sprechen Sie?"
„Ich kann Illusionen erschaffen. Illusionen, die schmerzfrei betäuben und Illusionen, die so höllische Schmerzen erzeugen, dass selbst der Tod als angenehm erscheint."
„Ich", fiel eine Frau mit weißem Haar ein, „kann Wasser beliebig formen. Feine Tautropfen und Nebel sind ebenso mein Werk wie Fluten, Eis und Schneestürme. Ich bin Rhia."
„Und ich", fuhr die Frau mit dem Goldhaar und den roten Augen fort, „Bin Meredith, Gebieterin über das Feuer in all seinen Formen."
„Und sie alle wollen uns helfen?", Professor McGonagall schien überwältigt.
„Ja", ertönte die mehrstimmige Antwort.
Da drehte sich die Professor zur letzten Frau. „Aber – was ist mit Ihnen?"
„Ich bin Freya", erwiderte diese und strich sich das rote Haar aus der Stirn, „Ich bin noch zu jung für eine besondere Fähigkeit, meine ist noch unentdeckt."
„Aber", fiel Menglada ihr ins Wort, „Sie kämpft wie eine Assassine, wenn es drauf ankommt, kann mit Pflanzen und Tieren sprechen und ist eine Meisterin der Heilkunst."
„Menglada, genug!", brauste Freya auf, „Meister nennt sich nur ein Narr!"
Menglada presste die Lippen aufeinander, Freya zog verärgert die Augenbrauen zusammen.
„Gleich wer welche Gaben hat, wir können jede nur erdenkliche Hilfe gebrauchen", schloss Professor McGonagall, „Luna, bring doch bitte Rhia, Meredith und Menglada auf den Hof, dort sind sie am besten aufgehoben. Und Sie, Freya, kommen bitte mit mir. Sie können Madam Pomfrey, unserer Medi-Hexe helfen – im Lazarett werden Sie dringend gebraucht!"
Die Frauen nickten sich zum Abschied zu. Auch sie konnten nicht wissen, ob sie sich jemals wiedersehen würden.
Freya folgte Professor McGonagall, die nun emsig durch die Halle eilte und Madam Pomfrey ansteuerte. „Poppy, Verstärkung", bellte sie energisch. Die Medi-Hexe wandte sich ihnen zu.
„Wer ist das?", fragte sie die Professor eher misstrauisch.
„Das ist Freya aus dem Norden. Sie ist eine Bekannte Lunas."
„Oh, Luna…", das Gesicht der Heilerin hellte sich auf, „Als Freundin Lunas bist du auch bei mir willkommen! Na dann komm mal her, ich braue gerade die Basistränke… hast du Erfahrung in der Heilkunst?" „Ich denke schon, ein wenig", lächelte Freya.
Professor McGonagall ließ die beiden Heilerinnen allein. Sie wusste nicht genau, was sie von diesen Fremden halten sollte, aber irgendwie hatten sie es geschafft, ihr etwas Hoffnung zurückzugeben.
~.~.~.~.~
Freya war nervös. Zu gern hätte sie gewusst, wo Menglada, Meredith, Rhia und Luna jetzt gerade waren und ob sie den Ansturm unbeschadet überstehen konnten… Sie hatte Angst um sie.
„Noch fünf Minuten", teilte Madam Pomfrey mit. „Was ist dann?", fragte sie die Medi-Hexe, die direkt neben ihr am Kessel stand und eine schlammartige Brühe in kleine Fläschchen füllte. „Dann geht es los. Du-weißt-schon-wer gab uns bis Mitternacht Zeit, um Potter auszuliefern, ansonsten würde er uns auslöschen – uns alle." „Madam Pomfrey?" „Ja, mein Kind?" „Haben wir überhaupt eine Chance?" Das Gesicht der Medi-Hexe verfinsterte sich. „Das, meine Liebe, kannst Du mich nach dem ersten Ansturm noch einmal fragen."
Freya nickte düster. Sie hatte auch so verstanden.
Urplötzlich erschütterte eine gewaltige Explosion irgendwo im Schloss die Große Halle. Freya schreckte auf, straffte die Schultern. Sie war bereit. Adrenalin pumpte durch ihren Körper, sie musste sich ruhighalten. Das aufkommende, dumpf klingende Kampfgeschrei vor den Toren der Halle behagte ihr gar nicht.
„Freya? Wärst du so gut, dich an der Tür zu positionieren und die Verletzten anzunehmen?"
Freya sprang sofort los, ihre vor Nervosität verkrampften Muskeln schienen dankbar, sich bewegen zu dürfen. Sie öffnete die Tore der Halle – die Tore zum Lazarett.
Das Bild in der Eingangshalle war erschreckend. Der Ansturm lag kaum zehn Sekunden zurück und die Schlacht schien bereits im vollen Gange zu sein. Überall Zweikämpfe, Staub, Splitter, Flüche, Schreie.
Freya schaltete ab. Wenn sie jetzt der rachsüchtigen Assassine sich nachgab, wäre sie Poppy keine große Hilfe mehr und im Lazarett wurde sie schließlich dringend gebraucht.
Außerdem gefiel es ihr eigentlich nicht zu töten. Eigentlich…
Wie abgemacht positionierte sie sich neben der Tür. Freya blockte Flüche ab, die sich in ihre Richtung verirrten oder im Vorbeirennen auf sie abgezielt wurden und wich gerade einer gigantischen Spinne aus, als das erste Opfer herangezerrt wurde. Eine Schülerin zog ihre Freundin am Umhang durch die Eingangshalle. Sie schaffte es, Freya unversehrt zu erreichen, welche das bewusstlose Mädchen sofort entgegennahm.
„Dein Name?" „Ich bin Padma, bitte helfen sie mir, meine Freundin…" „Ich bin Heilerin, sei unbesorgt, ich helfe ihr sofort", murmelte Freya.
Padma selbst klaffte eine üble Wunde im Gesicht. Freya legte eine Hand auf die stark blutende Wunde, murmelte „Sian is rath màth na crùdha ort fhein is do chuideachd!" und stellte sich vor, wie sich die Wunde langsam schloss. Ein warmes Kribbeln entsprang ihren Fingerspitzen, kurz darauf zuckte Padma zurück. Ihre Wange war verheilt, doch sie schien es nicht wahrzunehmen. „Miss, meine Freundin!", drängte sie stattdessen, doch Freya unterbrach sie erneut. „Du wartest hier auf weitere Neuankömmlinge, ich übernehme sie schon!"
Freya legte sich das Mädchen über die Schulter, trug sie zu einer freien Bahre und fing augenblicklich an, sie zu behandeln. Als sie mit dem Mädchen fertig war, lagen bereits weitere Verwundete da. Freya blendete jetzt endgültig alles um sich herum aus und konzentrierte sich nur noch auf ihre Heilkräfte.
Ohne dass sie es merkte, bildete sich im Lazarett schon bald eine eigene Ordnung – Wunden zu Freya, Flüche zu Poppy.
Schreie, Stöhnen, Schmerz, Blut, Dreck. Je hektischer alles um sie herum wurde, desto mehr entspannte sie sich und ließ sich in ihre Arbeit fallen. Obwohl sie etliche heilen konnte, kam für manch andere doch jede Hilfe zu spät.
Ein junges Mädchen mit blonden Locken, ihr Name war Lavender, war einem Werwolf zum Opfer gefallen. Ihre völlig verstörte Freundin, Parvati, die exakt so aussah wie Padma, hatte sie kreischend hergeschleppt. Freya beugte sich über den leblosen, zerfleischten Körper. Das Mädchen atmete kaum merklich, aber ihre Verletzungen waren zu schwer, als dass Freya noch Hoffnung hatte. Selbst wenn sie sie retten könnte, wäre sie für immer entstellt, möglicherweise sogar behindert. Sie traf ihre Entscheidung. Schweren Herzens legte Freya ihre Hand auf Lavenders Brust und murmelte: „Bu toigh leat dul a chodladh."
Die einschläfernden tödlichen Worte erzielten ihre Wirkung sofort. Parvati neben ihr schrie auf, als Lavender rasselnd ihren letzten Atemzug tat, doch für sie konnte Freya ebenso wenig tun. Unter diesen Bedingungen wusste nicht einmal sie den Schmerz der Überlebenden zu lindern, obwohl sie Erfahrung mit dem Trösten hatte.
„So muss sie nie mehr leiden", das war das Einzige, was sie sich in der kurzen Zeit leisten konnte. Es war hart, aber nicht zu ändern. Es herrschte Krieg.
Sie stand auf und wandte sich ihrem nächsten Patienten zu. Es war ein rothaariger, sommersprossiger Junge. Seine Geschwister knieten neben ihm, beide ebenso rothaarig und sommersprossig wie er. Beide weinten bitterlich und unter Schluchzern. „Fred, Fred, sag doch was!", heulte der eine immer wieder. Ohne etwas zu sagen kniete auch sie sich neben Fred. Sie schloss ihm die Augen, strich einmal sanft durch sein Haar. „Jetzt sieht es aus, als würde er schlafen", sie versuchte Wärme und Trost in ihre Stimme zu legen.
Freya sah auf. Himmel, das waren ja… Zwillinge! Der Tote Fred und der kleinere der beiden anderen Brüder waren Zwillinge. Nichts schmerzte mehr, als der Verlust eines Zwillings. Der Verbliebene tat ihr so leid, dass sie sich vornahm, später noch einmal nach ihm zu sehen. Doch jetzt fehlte ihr dazu die Zeit, es ging weiter, immer weiter…
Sie kam zu einem Zentaur. Er lag am Boden, unfähig aufzustehen, Blut strömte aus einer Wunde an seiner Flanke. „Keine Sorge, das habe ich ganz schnell wieder", versprach sie ihm und machte sich daran, seine Wunde zu heilen. „Ihr seid nicht wie sie", unterbrach der Zentaur ihre Gedanken, „Ihr seid anders." „Das bin ich. Und bitte nennen Sie mich einfach Freya." „Erfreut, Freya. Dann nenne mich Firenze. So sag mir doch, Freya, was bist Du?" Sie schmunzelte über seine Direktheit. „Ich bin eine…"
Doch ihre Antwort wurde von einer ohrenbetäubend dröhnenden, hohen und kalten Stimme verschluckt, die durch das ganze Schloss schallte: „Ihr habt gekämpft. Heldenhaft gekämpft. Lord Voldemort weiß Tapferkeit zu schätzen. Doch ihr habt schwere Verluste erlitten. Wenn ihr mir weiterhin Widerstand leistet, werdet ihr alle sterben, einer nach dem anderen. Ich will nicht, dass dies geschieht. Jeder Tropfen magisches Blut, der vergossen wird, ist ein Verlust und eine Verschwendung. Lord Voldemort ist gnädig. Ich befehle meinen Streitmächten, sich sofort zurückzuziehen. Ihr habt einen Tag. Schafft eure Toten mit Würde fort. Versorgt eure Verletzten. Harry Potter, ich spreche nun direkt zu dir. Du hast deine Freunde für dich sterben lassen, anstatt mir selbst entgegenzutreten. Ich werde einen Tag lang im Verbotenen Wald auf dich warten. Wenn du nach Ablauf dieses Tages nicht zu mir gekommen bist, dich nicht ergeben hast, dann beginnt die Schlacht von neuem. Diesmal werde ich selbst in den Kampf ziehen, Harry Potter, und ich werde dich finden, und ich werde jeden Einzelnen, ob Mann, Frau oder Kind, bestrafen, der versucht hat, dich vor mir zu verstecken. Einen Tag."
Die Stimme verklang, ein Echo hallte ihr nach. Einen Tag. Einen Tag. Weinen, Flüstern, Panik breiteten sich aus wie ein Feuer. Wie aus einer Eingebung heraus, fing Freya plötzlich an zu singen, dasselbe Lied wie nur wenige Stunden zuvor in ihrer Küche. Sie sang erst ganz leise, mehr um sich selbst Mut zu machen, aber als sie spürte, wie schleichend wieder Ruhe einkehrte und immer mehr Menschen zuhörten, wurde sie ein wenig lauter. Firenze war der erste, der mit einstimmte. Immer und immer wieder sang sie das gleiche Lied und bald kam die halbe Halle dazu. Sie sangen die Schulhymne, weitere gälische Lieder, Hits aus dem Radio, alles, was ihnen in den Sinn kam.
Freya nickte Firenze zu, dann ging sie weiter ihrer Aufgabe nach – doch sie hörte nicht auf zu singen.
Obwohl sie nur einen Tag Zeit bekommen hatten und noch mehr als genug Arbeit vor ihr lag, ließ Freya sich nun doch etwas mehr Zeit für ihre Patienten. Viele brauchten ihre Heilkräfte ebenso sehr wie Trost und Zuspruch und sie versuchte, soviel davon zu geben, wie sie nur konnte. Sie sang, bis ihr die Stimmenbänder versagten.
Die Morgendämmerung trug bereits erste Sonnenstrahlen durch die riesigen Glasfenster der Großen Halle, als sie mit dem Gröbsten fertig war. Freya taumelte vor Erschöpfung, Hunger, Durst und Müdigkeit. Fast alle Überlebenden hatten sich in der Halle versammelt. Viele standen oder saßen in Grüppchen zusammen, betrauerten die Toten, aßen, versuchten etwas zu schlafen. Auch sie hätte gern irgendwo Anschluss gesucht, sich ausgeruht, aber zuvor musste sie noch etwas dringendes erledigen. Sie ließ den Blick durch die Halle schweifen, suchte die Gruppen nach flammend roten Schöpfen ab…
Da – relativ weit vorne saßen sie. Der Leichnam war nicht mehr zu sehen, Freds Familie umringte ihn, um Abschied zu nehmen. Der andere Zwilling kniete an seinem Gesicht, eine Frau, vermutlich die Mutter, lag bebend über seiner Brust. Ein Mann mit tränenüberströmtem Gesicht, der Vater, strich ihr beruhigend übers Haar. Nur einer aus der Gruppe weinte nicht. Er fiel Freya sofort auf, denn er sah eher ungewöhnlich aus.
Er war groß und schlank, hatte das lange rote Haar in einem Zopf zusammengeknotet und trug einen Schlangenzahnohrring, der im Sonnenlicht blitzte. Sein Gesicht war von mehreren großen Narben entstellt und doch machte ihn das nicht hässlich, sondern fügte sich in sein Gesamtbild ein. Auf den ersten Blick tippte Freya auf Werwolfkrallen, aber völlig sicher war sie sich auch nicht. Er hielt ein junges Mädchen im Arm, den Haaren nach zu urteilen seine kleine Schwester. Hinter ihm, die Arme um seinen Hals geschlungen, stand eine junge Frau, ungefähr in ihrem Alter, mit silbrig blondem Haar – vermutlich seine Freundin. Sie schien sehr schön zu sein, einige umherstehende Männer starrten sie unverhohlen an. Freya war sich plötzlich unsicher, ob sie einfach so stören durfte. Doch dann rang sie ihre Zweifel nieder und kniete sich neben Fred auf den Boden. Sie wusste nicht, ob man sie verstehen würde, flüsterte aber leise: „Gun till do cheum, as gach ceàrn, fo rionnag-iùil an dachaidh." Die Mutter unterbrach ihr Schluchzen, sah auf und blickte erst Freya flüchtig an, dann den Sohn mit den langen Haaren. „Gälisch", erwiderte dieser, ohne dass sie etwas gefragt hatte.
Der andere Zwilling sah Freya nun einmal prüfend in die Augen, bevor er ihr mit brüchiger Stimme mitteilte: „ Ich bin George Weasley, das hier ist mein Zwillingsbruder…" „Fred", beendete sie für ihn, „Ich weiß. Ich bin Freya, eine Heilerin aus dem Norden."
Sie konnte die Blicke, die sich in ihren Rücken bohrten, als sie sich nun über Fred beugte, förmlich spüren. Sie küsste sanft seine eiskalte Stirn, bat noch einmal die Große Mutter auf Gälisch, ihn zu sich zu nehmen und flüsterte dann „Dtagann Oighearbláthanna".
Kaum hatte sie gesprochen, schwebten Eisblumen auf Freds Leiche nieder – aus dem Nichts.
Eigentlich wollte Freya, ohne noch einmal aufzusehen, wieder gehen und die Weasleys in Ruhe trauern lassen, doch das Mädchen gurgelte unter Tränen: „Bitte, bitte sing wieder! Es war so schön. Wenn Du singst tut es nicht so weh!" Sie sah das Mädchen prüfend an, dann quälte sie ihre wunden Stimmbänder und sang wieder. Erst als Freds Körper gänzlich mit den Eisblumen bedeckt war, ließ sie ihr Lied leise verklingen. Das Mädchen war in den Armen ihres Bruders eingeschlafen.
„Freya", die Stimme der Mutter klang rostig, „Du hast gewiss Hunger." Sie wollte den Kopf schütteln, doch die Frau reichte ihr einfach eine Scheibe Brot und sie war zu hungrig, um sie abzulehnen. „Iss. Ich bin Molly." „Danke, ich…" „Nein", unterbrach der Vater sie, „Wir danken dir. Unhöflich, uns nicht vorzustellen. Mein Name ist Arthur Weasley, dies sind meine Tochter Ginny und meine Söhne Bill, Percy, George und… Fred."
Freya verschlang das Brot in Rekordzeit. Kaum hatte sie genüsslich den letzten Krümel verputzt, forderte der Langhaarige, Bill, sie auf, noch zu bleiben. Seine Stimme klang müde, aber sehr freundlich. „Du solltest schlafen. Der Tag wird für uns alle hart – insbesondere für dich. Leg dich hier mit zu Ginny. Ich werde dich rechtzeitig wecken. Ihr alle solltet schlafen – ich bleibe wach und passe auf."
Sie hatte eigentlich beabsichtigt, der Familie zu helfen, nun war es andersherum, das machte Freya etwas traurig. Doch die Müdigkeit brachte sie dazu, sich widerstandslos neben das Mädchen zu legen, die sich sofort an sie klammerte. „Danke Bill", murmelte sie noch, dann fielen ihr die Augen zu.
