Kapitel 2

Die Müdigkeit brachte sie dazu, sich widerstandslos neben das Mädchen zu legen, welches sich sofort an sie klammerte.
„Danke Bill", murmelte sie noch, dann fielen ihr die Augen zu.

Zu ihrer eigenen Überraschung schlief sie gut. Freya träumte von ihrem Garten, dem Wald hinter ihrem Hügel mit seinen großen, alten Bäumen und all seinen Tieren. Sie träumte davon, barfuß über die Wiesen zu laufen, am Strand mit den Wellen zu tanzen und über die von der Gischt glitschigen Steine zu springen. Doch dann rüttelte jemand an ihr. War das der Wind?
Ihre Heimat verblasste vor ihren Augen, stattdessen sah sie in Augen, die wie die See an einem windig sonnigen Tag weder blau, noch grau, noch grün waren… Es waren Bills Augen.
„Freya", sagte Bill ohne ein Lächeln, „Du solltest aufstehen, bitte, sieh Dir das lieber gleich an…" Sie rappelte sich auf. „Was ist denn geschehen?"
Bill deutete wortlos auf die Reihe aus Tragen, in der die Toten ohne Angehörige aufgebahrt lagen. Freya sah sie sofort. Der Schmerz fuhr ihr in die Glieder.
„Menglada", es war kaum mehr als ein Flüstern und doch klang der Name in ihrem Kopf nach. Menglada.
Ihre Beine schmerzten vom Schlaf auf dem harten Steinboden, doch sie rannte stolpernd zu ihrer Freundin, warf sich neben sie auf die Knie. Es bestand kein Zweifel – Menglada war tot. Ein grauer Schatten lag auf ihrer sonst so schneeweißen Haut, ihre violetten Augen glühten nicht mehr. Aber das war nicht alles. Neben Menglada ruhte Meredith, ebenso schön, ebenso tot. Und wiederrum neben Meredith lag Rhia. Die Schmerzen brannten sich tief in Freyas Herz. Sie hatte das Gefühl nicht atmen zu können, zu ertrinken. Obwohl sie am liebsten auch gestorben wäre, sang sie mit zittriger Stimme ihr Trauerlied, schloss ihren liebsten Freundinnen die Augen und hauchte jeder ein „Gun till do cheum, as gach ceàrn, fo rionnag-iùil an dachaidh", ins Ohr.
Gerade als sie sich von Rhia verabschiedete, spürte sie Firenzes warmen Atem im Nacken. „Was seid ihr?", fragte er erneut, sich diesmal auf alle Vier beziehend und mit Nachdruck. „Die Drei sind Baumlinge. Ich bin nur ein Halbling." Firenze lächelte sie warm an, als sie sich zu ihm drehte. „Obwohl ich ein ganzer Zentaur bin, werde auch ich für immer nichts als ein Halbling sein", er deutete auf den Übergang zwischen seinem Pferde- und dem Menschenkörper. Sie sah tief in seine unergründlichen Augen. „Geht es dir wieder besser?" „Ausgezeichnet. Das hast du sehr gut gemacht", seine Augen wanderten nun zu ihren Toten Gefährtinnen, „Wenn es irgendetwas gibt, das ich für dich tun kann…?" Freya legte ihre Fingerspitzen an die Schläfen. Darf ich ihn darum bitten?, fragte sie sich verzweifelt, Das ist so viel verlangt – aber es ist ihre letzte Hoffnung, vielleicht schaffen sie es…. „Es gäbe tatsächlich etwas." „Sag es einfach."
„Ein Baumling kann nicht überleben, wenn sein Baum stirbt. Doch er kann auch nicht sterben, solange sein Baum noch lebt. Aber es ist zu weit entfernt, ich…" Der Zentaur unterbrach sie: „Wenn ich einen Zweig oder eine Pflanze aus einem beliebigen Wald bei mir trage, kann ich mich dorthin versetzen."
Sie sah ihn prüfend an, dann nahm sie ihren Fünfstern ab und legte ihn um seinen Hals. „Der sollte dich direkt zu meinem Baum bringen. Ihre Bäume liegen nicht weit von meinem entfernt. Du wirst sie erkennen, glaub mir." „Was muss ich tun, wenn ich sie gefunden habe?" Freya hievte die schlaffen Körper hintereinander auf Firenzes Rücken.
„Du musst sie nur dem jeweiligen Baum übergeben. Du merkst schon, wenn es klappt." Firenze blickte auf den Fünfstern an seinem Hals herunter. „Du bist jetzt völlig schutzlos." „Sie brauchen ihn jetzt dringender als ich, glaub mir", erwiderte sie trocken. Firenze neigte ihr noch einmal den Kopf zu, dann verblasste er langsam, bis er ins Nichts entschwand.
„Das war sehr selbstlos von Dir." Freya fuhr herum. Vor ihr stand Bill Weasley. „Sie hätten das gleiche für mich getan." „Was ist das, ein Baumling?" Sie kichterte. „Baumling ist nur der kindliche Ausdruck für…"
Gellende Schreie unterbrachen sie. Ein Junge kam in die Halle gerannt, blutüberströmt. „Sie kommen", keuchte er noch und fiel dann leblos in sich zusammen. Freya schreckte auf. „Aber Voldemort hat uns doch einen ganzen Tag gegeben!", brauste sie verzweifelt auf. Bill musterte sie mitleidig. „Seit wann kann man Voldemort trauen?" Dann fuhr er herum und rannte mit dem Strom aus der Halle. Freya wollte sich gerade wieder auf ihren Posten begeben, als sie von Professor McGonagall abgefangen wurde. „Freya, nicht. Hier gibt es genug Verletzte, die zwar nicht mehr in der Lage sind zu kämpfen, Poppy aber sehr wohl zur Hand gehen können. Wir brauchen jetzt jede Kraft draußen im Kampf." Freya nickte. „Ich hole nur meine Klingen." Sie meinte die Professor schmunzeln zu sehen, als diese ohne ein weiteres Wort davoneilte.
Freya selbst bahnte sich den Weg zu ihrer Ledertasche und nahm Wurfmesser, Dolche, Schwert, Pfeil und Bogen an sich. Als sie sich ausreichend bewaffnet hatte, lief auch sie aus der Halle, um den anderen beizustehen.
Draußen war die Hölle los. Hatte sie den ersten Ansturm als gewaltig empfunden, übertraf diese Schlacht alles, was sie jemals erlebt hatte. Da sie am liebsten im Freien kämpfte, metzelte sie sich durch die Eingangshalle in den Hof und versuchte dabei so viele Todesser wie möglich zu erledigen.
Der Anblick, der sich ihr im Hof bot, war desillusionierend. Die Todesser mit all ihren abscheulichen Kreaturen waren definitiv überlegen, immer mehr Hexen und Zauberer fielen, der Kampf schien nur noch ein hoffnungsloses Abschlachten zu sein. Ohne weiter nachzudenken, warf sie sich in das Getümmel.
Freya machte ihrer Bezeichnung als „Assassinin" alle Ehre. Gnadenlos stach sie mit den Klingen zu, zerschnitt Kehlen, durchbohrte Herzen. Sie wirbelte herum, in einem tödlichen Klingentanz und hatte binnen weniger Minuten mehr Tote auf dem Gewissen, als manche Zauberer zusammen.
Doch plötzlich brach sie aus der Choreografie, einer ihrer Pfeile verfehlte sein Ziel. Bellatrix!, dachte sie grimmig. Dem Fluch ihres Kampfgegners ausweichend, sprang Freya katzengleich der schwarzen Hexe nach. Diese hüpfte irre gackernd in den kleinen Innenhof zur Linken. Freya folgte – und erstarrte. Das Scheusal zog eine Leiche mit sich. Die Leiche einer schönen jungen Frau mit silbrig blondem Haar. Es war die Leiche von Bills Frau.
Gleichzeitig hörte sie einen Aufschrei zur Linken. Freya fuhr herum und vergaß für einen Moment zu atmen. Bill, flüsterte sie stumm. Ihre Beine rannten schon in seine Richtung, ehe ihr Gehirn überhaupt den Befehl dazu geben konnte. Bill rannte nicht. Es schien, als würde er von einer Explosionswelle getragen, denn er schien sich kaum zu bewegen, so gestochen scharf konnte sie alles an ihm ausmachen.
Völlig unerwartet war er dann plötzlich doch da, sie war da und beide stießen zusammen. Freya, die um einiges leichter war als er, wurde durch den Zusammenprall zurückgeschleudert und landete recht unsanft auf allen Vieren. Bill taumelte ebenfalls, was ihr genug Zeit verschaffte, um aufzuspringen und ihn von hinten so zu packen, dass es ihm nicht möglich war, weiterzugehen. Eine Hand presste sie fest auf seinen Mund – wenn er schrie, würde Bellatrix sie bemerken, was ihren sicheren Tod bedeutete.
Bill versuchte sich ihrem Griff zu entwinden und er war stark, aber sie krallte sich krampfhaft an ihm fest und wie von Zauberhand lösten sich die Ranken von ihrer Tunika und wanden sich wie Stahlseile um seine Brust.
Freya brachte ihre gesamte Kraft auf und schaffte es letztendlich doch, Bill aus der Gefahrenzone hinter einen der Büsche am Rande des Hofes zu zerren. Sie rang ihn nieder und presste ihn unerbittlich mit dem Rücken an die Steinmauer.
Dann erst murmelte sie ein paar Worte, die ihn verstummen ließen und nahm endlich die Hand von seinem Mund. Obwohl er keinen Ton hervorbrachte, konnte sie doch seinen Lippen ablesen, dass er „Fleur" schreien wollte.
Ein weiterer kleiner Zauber lähmte ihn und in der Sicherheit, dass er nichts unüberlegtes mehr tun konnte, richtete sich Freya so weit auf, wie nötig, um über den Busch hinweg zu spähen.
Bellatrix hatte Fleur lieblos auf einen Berg aus Leichen geworfen, vermutlich eine Ansammlung ihrer „Errungenschaften" in diesem Kampf. Nun zündete sie diesen Berg mit einem Strahl Feuer aus ihrem Zauberstab an und tanzte dann laut lachend und singend um ihr kleines Freudenfeuer herum.
Das Feuer war auch durch den Busch hindurch mehr als gut zu erkennen. Angewidert wandte Freya den Blick ab und sah zu Bill hinab. Seine Lippen formten noch immer einen Schwall stummer Worte, er schien zu schreien, wehrte sich gegen die Fesseln und war dennoch nicht imstande sich loszumachen. Was sollte sie nur tun? Sie sann schon so lange auf Rache an Bellatrix! Aber… sie konnte Bill jetzt nicht so zurücklassen…
Sie kniete sich vor den Mann am Boden. „Bill", flüsterte sie eindringlich und sanft zugleich, „Sieh mich an, Bill." „Fleur", formte er. „Bill", murmelte sie jetzt niedergeschlagen, „Fleur ist… tot. Du kannst nichts mehr für sie tun. Du kannst ihr nicht mehr helfen. Es ist zu spät."
Gequält legte er den Kopf in den Nacken; sie hätte schwören können, dass er heulte wie ein Wolf, bekäme er einen Ton hervor.
Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände, zwang ihn, sie anzusehen. „Bill. Oh Bill, du kannst nichts dafür, es…" Bill verbarg, ohne ihr eine Antwort zu geben, den Kopf an ihrer Brust und zitterte von tonlosen Schluchzern geschüttelt.
Sie konnte nicht schätzen, wie lange sie beide dort verharrten. Es war Professor McGonagall, die sie fand, während sie Yaxley niederstreckte.
„Freya, was…?" „Bellatrix hat Fleur so gut wie vor seinen Augen getötet", murmelte sie ruhig, um ihn nicht zu erschrecken. „Gehen Sie, Freya. Nehmen Sie ihn mit. Wir werden verlieren und sterben, alle. Es gibt keine Hoffnung mehr." Die Züge der Professor verzogen sich bei diesen Worten voller Schmerz, doch sie ließ die Zwei zurück, um weiterzukämpfen.
Freya sah ihn an. Bill zeigte keinerlei Regung. Fast schien es, als wäre sein Körper nicht länger von einer Seele bewohnt, sondern leer und leblos.
Sie war etwas überfordert, gleichzeitig schmerzte es sie unbeschreiblich, ihn so zu sehen.
Sie hatte ihn als Ruhe verbreitende, Trost spendende, charismatische Instanz empfunden, jetzt wirkte er völlig zerschmettert.
Ganz vorsichtig, als könnte sie ihn zerbrechen, berührte sie seine Schulter mit dem Finger. Eine Reaktion blieb völlig aus. Da sie nicht das Gefühl hatte, als würde er weglaufen oder schreien, befreite sie ihn von ihren Lähm- und Stummzaubern.
Sie nahm seine Hand und half ihm auf, er folgte ihr auch, als sie ein paar Schritte ging, aber all das tat er mechanisch und abgehackt.
Sie hielt seine Hand, als sie gingen. Freya entfernte ihre Schritte mit Absicht von dem noch glühenden Leichenberg, Bellatrix war verschwunden.
Alle Schutzzauber Hogwarts waren durchbrochen, sodass sie mühelos mit den richtigen Worten verschwinden konnte, Bill an ihrer Hand nahm sie mit sich.

Die beiden lokalisierten sich in Freyas Garten. Sie kam auf den Füßen auf und ein warmes Gefühl der Geborgenheit durchströmte sie, als sie ihr kleines Häuschen erblickte.
Dann fiel ihr plötzlich Bill ein. Sie drehte sich zu ihm um. Er war einige Meter von ihr entfernt aufgekommen, lag auf dem Boden und rührte sich nicht.
Sofort sprang sie zu ihm. Er hatte die Augen geschlossen, atmete aber ruhig. Fast, als habe er einfach nicht mehr die Kraft gehabt, sich länger auf den Beinen zu halten.
Mit Mühe hob sie ihn sich auf die Schulter, zerrte und schleppte ihn die letzten Meter zu ihrem Häuschen.
Drinnen legte sie ihn erst einmal auf dem Bett ab. Ein kurzer Blick auf seine gesundheitliche Verfassung zeigte ihr, dass er zwar keine schlimmen, aber doch einige Verletzungen aufwies. Freya entfachte ein Feuer in der Feuerstelle, suchte die entsprechenden Salben und Kräuter zusammen und machte sich an die Behandlung. Vorsichtig schälte sie ihn aus seiner Kleidung und wusch ihn mit warmem Wasser. Dann bestrich sie sanft seine Wunden mit Heilsalbe und flüsterte dabei ihre magischen Worte. Anschließend wickelte sie frische Leinentücher um die schlimmeren Stellen und sang dabei, damit er gut schlafen konnte. Als sie ihre Arbeit beendet hatte, wusch sie sich die Hände und setzte sich dann auf einem Schemel neben sein Bett. Er sah fast friedlich aus, wie er so mit geschlossenen Augen dalag. Freya strich ihm vorsichtig das Haar aus der Stirn, nahm seine Hand und ließ ihn schlafen.
Auch wenn er es vielleicht nicht bewusst merkte, spürte sie doch, dass er ihre Nähe jetzt brauchte.

Unterdessen standen Harry und Voldemort sich im letzten Duell gegenüber. Feuerten ihre Flüche ab. Voldemort fiel.

~.~

Man hatte sie augenblicklich informiert und ihre Tasche mitgebracht. Natürlich freute sie sich, aber die Verluste waren zu groß.
Mrs. Weasley kam ihren Sohn so schnell wie möglich besuchen, doch es war Freya ein Leichtes, sie davon zu überzeugen, dass es das beste wäre, wenn Bill vorübergehend bei ihr bliebe, da sie sich medizinisch sehr gut um ihn kümmern konnte.
Firenze hatte ihr das Pentagramm zurückgebracht. Er hatte die Bäume gefunden und mehrere Tage dort im Wald verbracht. Seine Wunde war ganz verheilt, er schien zutiefst beeindruckt von der Magie der Baumlinge.
Einmal kurz war Freya nach den Bäumen gucken gegangen. Sie machten große Fortschritte. Es würde ihre Freundinnen maximal ein Jahr kosten, um wiederzukommen.
Mrs. Weasley war ihren Sohn besuchen gekommen, schon mehrmals. Mit der Zeit hatte sie es aufgegeben. Freya versprach, ihr sofort Bescheid zu geben, sollte sich etwas tun.
Ansonsten tat sich nichts. Bill lag einfach nur da, schon seit beinahe einer Woche. Weder hatte er die Augen geöffnet, noch sonst irgendein Zeichen von sich gegeben. Das einzige Lebenszeichen von ihm war der sich kontinuierlich und gleichmäßig senkende Brustkorb.
Freya war davon überzeugt, dass dieser Schlaf ein Schutzmechanismus war und dafür sorgte, dass Bill die Dinge aus seinem Bewusstsein verbannte, die ihn vielleicht in den Wahnsinn treiben könnten.

~.~

Wochen gingen ins Land, Bill hatte noch nichts getan. Die ganze Welt stand Kopf, doch davon bekam Freya in ihrer abgeschiedenen Idylle nichts mit.
Da Bill schlafend keine Nahrung aufnehmen konnte, sah sie nun mit an, wie er langsam aber sicher abmagerte. Er war blass, dürr und doch wurde er nicht wach.
Molly war natürlich sofort dafür gewesen, ihn einfach so zu wecken, doch Freya hatte versucht ihr zu erklären, dass dieser Schlaf einen Grund haben musste und Bills Psyche sich damit vermutlich vor dem Untergang schützte.
Allerdings überdachte sie diese Meinung langsam. Sie saß Tag und Nacht an seiner Seite, in der Hoffnung, dass sich sein Zustand endlich verbessern würde.
Nachdem er einen gesamten Monat geschlafen hatte, beschloss sie, dass es an der Zeit war zu handeln, bevor es zu spät würde.
Nur stand sie jetzt vor einem ebenso großen Problem – sie schaffte es einfach nicht, ihn zu wecken. Schütteln, lautes Ansprechen, nicht einmal kaltes Wasser hatten geholfen.
Sie versuchte auf die absurdesten Weisen, Bill endlich wieder wachzubekommen, aber es nützte alles nichts.
Er brachte sie schier zur Verzweiflung. Schließlich ergriff sie drastische Maßnahmen. Durch Mrs. Weasley erfragte sie sich Fleurs Pafum – Rosenduft.
Also hängte sie im ganzen Schlafzimmer Rosensträuße auf, bis der Geruch das ganze Haus erfüllte.
Und tatsächlich – nach nur wenigen weiteren Tagen schlug Bill zum ersten Mal die Augen auf.

Freya saß gerade auf einem Schemel an seinem Bett und stickte Ranken auf eine neue Tunika. Ihre Kleidung war im Kampf völlig zerstört worden und obwohl sie gerne Kleider trug, hatte sie das Bedürfnis, sich eine neue zu fertigen. Sie war in Gedanken versunken, aber dann änderte sich plötzlich die Spannung im Raum. Sie sah auf – Bill war erwacht.
Obwohl sie ihm am liebsten jubelnd um den Hals gefallen wäre, bewegte sie sich langsam und bedächtig, damit er nicht erschrak. Suchend fuhren seine Augen durch den Raum und obwohl seine Blicke etwas bedröppeltes an sich hatten, schien er gleichzeitig merkwürdig aufgeweckt. „Bill?", flüsterte sie sanft, „Du hast geschlafen. Es ist vorbei. Alles wird wieder gut." Bill sah sie zwar an, als sie mit ihm redete, aber sie hatte nicht das Gefühl, als würden seine Augen sie wirklich erfassen. Auch zeigte sein Gesicht keinerlei Reaktion, keine Regung, nichts. Er mochte körperlich am Leben sein, aber gleichzeitig war er tot. Gebrochen.
Freya verließ schweigend den Raum – diesen Anblick konnte sie nicht eine Sekunde länger ertragen.