Wenn euch die Geschichte bis hierher gefallen hat, hinterlasst mir doch einen Kommentar! Auch für Verbesserungsvorschläge bin ich offen! Danke :)

KAPITEL 3

„Ein…paar…Tage…", sagte ich. Stolz darauf so viele Silben auf einmal gesagt zu haben. „Nicht…sicher…" Und schon wieder drei Silben. Ich war echt gut!

„R, ich kann hier nicht so lange mit dir bleiben. Ich sterbe vor…", sie hielt Inne und blickte mich an, dann formulierte sie ihren Satz nochmal um: „Naja,… ich hab totalen Hunger…"

„Supermarkt!", antwortete ich ihr so entschlossen wie es meine Zombiestimme es mir irgendwie möglich machte. „Mor…gen" Nach einer Pause fügte ich noch hinzu: „Nacht…nicht…sicher!"

Sie nickte. „Ja, lass uns bis morgen warten, R. Mir ist es auch lieber die Zombies zu sehen, die mich zerfleischen wollen." Langsam stand sie auf, drehte sich zum Fenster des Flugzeugs und blickte hinaus. „Hier sind ganz schön viele von deiner Sorte…", sagte Julie seufzend.

Dann drehte sie sich wieder zu mir und fügte entschuldigen hinzu: „Naja, eben leider nicht wie du, sondern eher von der menschenfressenden Variante." Ich bemerkte, dass sie überlegte. Dann setzte sie sich in einen der Flugzeugsessel.

Ich lies mich auch in einen der Sessel gleiten. Natürlich auf der anderen Seite des Ganges. Ich wollte ihr keine Angst einjagen und sie vor allem nicht wieder zum Weinen bringen.

„Warum, R?", fragte sie dann nach ein paar Minuten Stille. „Warum hast du mich nicht gegessen? Sondern mich gerettet?"

Ich zuckte mit den Schultern.

„Hör auf mit diesem Schulterzucken, R. Diese Geste ist einfach so was von nichtssagend."

Abermals zuckte ich mit den Schultern. Was sollte ich auch groß darauf antworten? Ich mochte Julie und das von Anfang an… sogar ziemlich. So sehr, dass ich ihr nicht wehtun wollte, sondern sie stattdessen retten wollte. Sie in Sicherheit bringen wollte. Aber war es nicht etwas überstürzt ihr das alles nach so kurzer Zeit zu sagen?

Sie seufzte. „Na gut, R, ist okay, wenn du mir das nicht sagen willst. Hauptsache du überlegst es dir nicht bald anders." Sie sah mich prüfend an.

„Nie…mals", sagte ich. „Pass…auf dich….auf!"

Kurzzeitig konnte ich wieder Verblüffung in ihrem Gesicht erkennen. Dann noch kürzer etwas anderes. Aber bevor ich erkennen konnte, was diese Mimik mir sagen sollte, sprang sie auf und ging hastig nach hinten.

„Wow…", hörte ich ihre Stimme aus dem hinteren Teil des Flugzeuges.

Ich stand ebenfalls vom meinem Sessel auf, folgte ihr nach hinten und fand sie kniend vor meiner Plattensammlung wieder. Ja, ich muss zugeben, mein Musikgeschmack war nicht schlecht. Ich hatte einige wirklich gute Schallplatten.

Vorsichtig kniete ich mich ihr gegenüber auf der anderen Seite des Kartons mit den Schallplatten hin. Sie blickte mich kurz mit einem leichten Lächeln auf ihren Lippen an. Scheinbar hatte sie keine Angst mehr vor mir. Sehr schön. Es lief klasse…zumindest für ein erstes Date zwischen einem Untoten und einem Menschen.

Begeistert blätterte sie die Schallplatten durch.

Okay, Großer, du kannst einen weiteren Schritt wagen, sagte ich mir ermutigend.

Langsam streckte ich meinen Arm aus, tat so als würde ich nach einer bestimmten Platte suchen und legte meine Hand wie unabsichtlich auf ihre.

Sie schnappte kurz nach Luft und zuckte leicht zusammen. Unsere erstaunten Blicke trafen sich kurz. Sofort zog ich meine Hand zurück.

Verdammt, doch noch zu früh! Beschämt sah ich nach unten in den Karton, um sie nicht weiter ansehen zu müssen und fischte eine der Platten heraus. Das war eine meiner Lieblingsplatten. Sie lies mich so lebendig fühlen, wenn ich sie anhörte.

Immer noch den Blick vor Scham gesenkt ging ich zum Plattenspieler und legte die Platte auf.

Als ich mich umdrehte und Julie anblickte, lächelte sie mich an und setzte sich in den Schneidersitz. Ihr Lächeln wurde breiter als sie die Klänge von „Sultans of Swing" von „Dire Straits" erkannte.

„Das Lied ist super, R!", rief sie freudig auf und wippte im Takt mit.

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R versuchte zurückzulächeln und setzte sich dann gegenüber von mir hin. Meine Furcht, Trauer und Sorgen schienen wie weggeblasen. Selbst an Perrys Tod musste ich nicht denken. Nach etwa der Hälfte des Liedes wurde mir jedoch bewusst, was ich hier gerade tat. Ich saß mit einem Zombie in seiner Boeing 767 und wir hörten gemeinsam Schallplatten.

„Was bist du nur für Wesen?", platze es aus mir heraus.

R starrte mich an. Wieder dieses Achselzucken.

„Auf jeden Fall bist du anders als die anderen… besser."

R lächelte mich an. Beschämt versuchte er seine schwarzen Haare zu richten.

Er war schon irgendwie niedlich.

Ich erschrak als ich mich bei diesem Gedanken ertappte.

Oh mein Gott, Julie! Du kannst doch keinen Untoten als niedlich bezeichnen! Noch dazu hatte er dich gezwungen hier in dieses Flugzeug mit ihm zu gehen! Gut, er wollte dich scheinbar nur vor den anderen beschützen, aber trotzdem war das nicht in Ordnung!

Um ihn nicht weiter ansehen zu müssen und auf andere Gedanken zu kommen streckte ich meine Beine aus und legte mich auf den Rücken. Leider brachte diese Aktion gar nichts, denn R tat es mir gleich und legte sich auf den Rücken neben mich hin. Im Augenwinkel konnte ich erkennen, dass er mich wieder anstarrte.

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„R, hör bitte auf mich dauernd so anzustarren…", sagte Julie ohne ihren Blick von der Decke abzuwenden.

„S…Sorry….", brachte ich etwas peinlich berührt heraus, wendete nun meinen Blick von ihr ab und sah mir die graue, triste Flugzeugdecke an. Ich konnte einfach nichts tun, immer musste ich sie mit meinem starren Zombieblick anglotzen. Ich konnte ja einfach nicht anders schauen…

Ich wollte etwas zu ihr sagen, doch dann hielt ich es für richtiger zu schweigen und einfach nur den Klängen, die aus dem alten Plattenspieler neben uns dudelten, zuzuhören. Sie in ihren Gedanken versunken; ich in meinen.

Ein paar Lieder zogen an uns vorbei. Vorsichtig blickte ich hinüber zu Julie. Ihre Augen waren geschlossen, ihre Atmung war ruhig und gleichmäßig. Sie schien zu schlafen. Leise stand ich auf und nahm die Schallplatte vom Plattenspieler. Ich wollte, dass sie weiterschlief. Schlafen war gut für Menschen. Träumen war noch besser. Leider konnte ich als Zombie weder das Eine noch das Andere. Ich holte ihr ihr Kissen und die Decke. Behutsam deckte ich sie zu und versuchte ihren Kopf leicht anzuheben, um das Kissen darunter zu schieben. Zum Glück schien sie sehr tief zu schlafen, denn sie schmatze nur leise und drehte sich anschließend zur Seite.

Ich beschloss nun auch endlich meinen eigenen Hunger zu stillen. Ich hatte mir etwas von Perrys Gehirn in den Taschen meines Hoodies mitgenommen. Ich freute mich darauf es zu essen. Es war fast wie träumen. Ich konnte seine Erinnerungen sehen und auch fühlen. Gefühle - das war so etwas Schönes!

Ich ging als nach vorne in das Cockpit des Flugzeuges, holte ein Stückchen von Perrys Gehirn aus meiner Pullitasche und setzte mich in den Pilotensitz. Mit der noch freien Hand drückte ich einen kleinen Knopf auf der Unterseite des Sitzes und ließ die Lehne nach hinten kippen. Ich steckte mir das Stückchen Organ in den Mund und begann darauf zu kauen…