Hallo an alle! Hier ist die nächste Folge meiner Übersetzung aus dem Französischen: Harry Potter et le Miroir des Ombres, von Gabrielle Lavande. Das Betaen hat die wunderbare Verliebtindich erledigt.
Disclaimer: Nichts gehört mir, alles gehört zu J.K. Rowling bis auf Neil, Selene und Fanely Evans, die zu Gabrielle Lavande gehören.
Spoiler: Die ersten fünf Bände.
Harry Potter und der Spiegel der Schatten:
Kapitel 9: Unruhe und Gefühle:
Harry fühlte einen Augenblick lang eine Wärmewelle auf seinem Kopf und er machte die Augen mit Schwierigkeit auf. Die Sonne blendete ihn. Tante Selene saß am Kopfende des Bettes.
„Geht es dir gut, Harry? Tut es dir nicht mehr weh?"
„Nein, es geht. Es kitzelt noch ein bisschen, aber das ist erträglich."
„Gut. Der Heiler hat gesagt, du darfst nicht sofort aufstehen. Du musst zwei Tage lang im Bett liegen. Du bist in Ohnmacht gefallen, nachdem du einen starken Schmerz empfunden hast. Dann bist du eingeschlafen. Offenbar bist du stark, weil der Heiler gesagt hat, du würdest mindestens vierundzwanzig Stunden lang schlafen und es ist erst elf Uhr morgens."
„Was ist dann passiert? Ist Malfoys Vater ausgebrochen? Weiß man, wo er steckt?"
„Ruhe, Harry!", sagte Tante Selene und legte das Kopfkissen bequemer hin. „Du bist nicht gekräftigt genug, dass du Fragen stellen darfst. Zuerst musst du etwas essen. Ich kehre zur Küche zurück und ich schicke Ron und Hermine zu dir, sie werden dir was zum Essen bringen. Nachher werden sie dir kurz erklären, was geschehen ist, und dein Onkel wird ein bisschen später hinzukommen und dir die Lage noch detaillierter erklären."
Selene ging also hinaus. Harry fühlte sich ein bisschen besser, da er wusste, dass man ihm über die Lage Bescheid sagen würde. In den letzten Jahren war er so oft ausgeschlossen worden, dass die Tatsache, dass man ihn wie einen Erwachsenen behandelte, ihn stärkte. Er fragte sich, wer das Ministerium hatte betreten können und sie angreifen wollen. Und warum waren laut Onkel Neil alle Leute, die am vorigen Tag anwesend waren, 'mögliche Ziele'?
In jenem Augenblick wurde die Tür aufgemacht und Hermine kam, gefolgt von Ron, mit einem Tablett herein.
„Geht es dir gut? Bist du nicht zu müde?", fragte ihn Hermine.
„Ja, es geht, macht euch darum keine Sorgen! Es ist doch nicht das erste mal, dass es mir passiert!"
„Stimmt, aber das ist das erste mal, dass du wegen deiner Narbe in Ohnmacht fällst", antwortete Ron.
Hermine legte das Tablett auf das Bett und setzte sich mit Ron auf Marks Bett. Harry aß ein bisschen von seiner Kürbissuppe und fragte seine Freunde:
„Nun? Wurde euch ein bisschen erklärt? Was ist gestern passiert?"
Hermine fing an:
„Na ja, nachdem du in Ohnmacht gefallen bist, haben dein Onkel und Mr Weasley ein außerordentliches Treffen mit allen Mitgliedern des Ordens und allen Auroren einberufen, einschließlich jenen, die bereits in Rente gegangen sind. Das Treffen hat nur eine halbe Stunde gedauert. Es scheint, dass sie schon lange erwartet haben, dass sich die Dementoren erheben. Nach dem, was wir verstanden haben, war der Dementor, der von Askaban verschwunden ist, derselbe, der hier im Ministerium außer Gefecht gesetzt wurde. Eigentlich wurden beide Taten synchronisiert, damit es mehr Chancen gab, dass die eine oder die andere erfolgreich wurde. Der Dementor war der Bote. Dein Onkel ahnte, dass so etwas passieren würde, darum bewachte Tonks die Eingänge ins Ministerium. Leider hat es die Ausbrüche nicht vermieden."
Ron ergriff dann das Wort:
„Beim Treffen haben sie eine Entscheidung getroffen. Wir werden alle im Ministerium wohnen. Und wenn ich alle sage, meine ich alle, die gestern da waren. Mein Vater hat mir auch gesagt, dass Hermines Eltern und die Familie deiner Tante, jener Squib, auch geschützt werden. Aber ich weiß nicht warum. Das ist alles, was wir wissen. Es war spät und wir sind ins Bett gegangen."
Harry stellte keine Frage, es nützte nichts, er würde keine Antwort bekommen. Dann sprach Hermine weiter.
„Es gibt aber Dinge, die mich ärgern. Warum bewachte Tonks die Eingänge und warum schaute dein Onkel so zum Aufzug? Ehrlich! Es ist so einfach zu apparieren, wenn man ein Zauberer ist! Und warum werden meine Eltern überwacht? Ich beklage es ja nicht, ganz im Gegenteil, ich bin ein bisschen mehr beruhigt! Aber sie stellen doch kein Risiko für Voldemort dar!"
„Du hast Recht, Hermine! Du hast eine gute Beobachtungsgabe und du stellst dir die richtigen Fragen", sagte Onkel Neil, der gerade an der Zimmertür erschienen war. „Ich werde all deine Fragen beantworten. Komm, Mark, du wirst auch zuhören. Ich sehe nicht, warum du nicht Bescheid wissen dürftest."
Mark und sein Vater setzten sich auf zwei Stühle neben Harrys Bett.
„Ich werde versuchen, euch so viel zu sagen wie möglich", sagte er. „Aber ich kann euch nicht alles enthüllen. Es sind Staatsgeheimnisse. Ich werde mit zwei sehr einfachen Fragen anfangen, damit ihr versteht. Wie fühlst du dich, seitdem ich dich abgeholt habe, Harry? Ich meine, welches war das Hauptgefühl, das du empfunden hast, seit du hier wohnst?"
„Na ja, ich war sehr glücklich zu kommen und mit euch zu leben", antwortete Harry.
„Genau. Das wünschte ich. Ich wollte, dass du dich gut und wohl fühlst, weil du Lilys Sohn, mein Neffe bist und weil ich wollte, dass alles gut läuft. Was normal ist. Das ist meine Pflicht als Onkel. Kannst du mir jetzt sagen, was Voldemorts Gefühl war, als es dir gestern schlecht ging?"
„Er war glücklich. Sehr glücklich!", antwortete Harry.
„Aaaaach!", ließ Hermine vernehmen.
„Hermine, ich habe den Eindruck, dass du verstanden hast. Kannst du es ihnen erklären?", fragte Onkel Neil.
„Du erinnerst dich sicher, dass du letztes Jahr mit Snape Okklumentikstunden hattest, weil dein und Voldemorts Geist irgendwie verbunden waren? Dumbledore hatte es dir sogar am Ende letzten Jahres gesagt! Da du jedes mal leidest, wenn er glücklich ist, dann ist es das gleiche für Voldemort: Je glücklicher du bist, desto mehr leidet er. Es ist eine Art und Weise, ihn zu schwächen."
„Genau, Hermine, du hast alles verstanden!", fuhr Neil fort. „Nun ist das einzige Mittel, damit du glücklich bist, dass es allen Leuten um dich herum gut geht. Und dass alle glücklich und in guter Form sind wie du. Stell dir jetzt vor, etwas würde Hermines Eltern geschehen. Und Hermine wäre unglücklich. Wie würdest du dich fühlen?"
„Nun", sagte Harry und sah Hermine an, „es würde mir wirklich Leid tun, wenn sie unglücklich wäre."
„Darum werden alle Anwesenden von gestern hier wohnen und andere Leute geschützt werden wie Hermines Eltern. So wird alles gut gehen und alles wird getan werden, damit du glücklich bist. Manchmal gewinnt man einen Krieg nicht mit der Kraft eines Zauberstabs, Harry, manchmal gewinnt man einen Krieg mit der Kraft des Geistes."
„Aber was den Angriff im Ministerium betrifft...", brach Hermine ab.
„Du willst wissen, warum ich die Türen bewachen ließ, während ein Zauberer apparieren kann?"
„Ja."
„In der letzten Zeit haben wir viele Todesser verhaftet. Es bleiben nur wenige freie, selbst wenn Voldemort viele neue Verbündeten rekrutiert. Nun sind die Verbündeten, die er am einfachsten rekrutieren kann, die Gattinnen, Gatten, Söhne und Töchter verhafteter Todesser, die sich rächen wollen. Ein Kind oder ein Jugendlicher deines Alters kann nicht apparieren, aber er kann sich unsichtbar machen, wenn er es will. Ich glaube, dass du unsichtbar werden kannst, Harry? Du hast doch den Tarnumhang deines Vaters bekommen?"
„Dumbledore hat ihn mir während meines ersten Jahres in Hogwarts geschenkt."
„Also", sagte Ron, „denken Sie, dass Voldemort Kinder und Jugendliche rekrutiert?"
„Weißt du, Ron", antwortete Neil, „für Voldemort ist ein Leben nichts als ein Leben, und wenn es ihm helfen kann, wird er nie ablehnen. Ganz im Gegenteil!"
„Und haben Sie eine Ahnung von der Identität der Leute, die hier eingebrochen sind?", fragte Hermine.
„Einen Verdacht, würde ich sagen. Ich habe leider keinen Beweis. Überlegt ein bisschen: Die drei entflohene Häftlinge sind Lucius Malfoy, Crabbe und Goyle. Vier Leute sind letzte Nacht ins Ministerium eingebrochen. Wenn man weiß, dass zumindest ein Erwachsener dabei sein musste, um die Jüngeren zu überwachen... Wer könnte besonders diese drei Gefangenen befreien wollen?"
Harry, Ron und Hermine blieben stumm. Draco Malfoy solltte also versucht haben, ins Ministerium einzubrechen.
„Vorsicht, Kinder!", fuhr Onkel Neil fort. „Ich habe nie gesagt, dass sie es waren! Ich wiederhole es, das ist nur ein Verdacht! Wir werden sie sowieso nächstes Mal, wenn es ein nächstes Mal gibt, tatsächlich anklagen können, egal, ob sie sichtbar sind oder nicht."
„Warum?", fragte Harry.
„Lupin kann wunderbare Dinge tun", sagte Onkel Neil. „Es ist schade, dass er ein Mal im Monat diese Behinderung hat. Er hat eine Karte hergestellt, auf der man alle Leute sehen und identifizieren kann, die das Ministerium betreten. Ich frage mich, warum er dieser Karte so einen komischen Namen gegeben hat: Er hat sie 'ministerielle Karte der Rumtreiber' genannt. Er hat mir gesagt, dass es ihn an die gute alte Zeit erinnerte."
„Diesmal", antwortete Harry, „werde ich es dir erklären, Onkel Neil."
Er wechselte einen mitwissenden Blick mit Ron und Hermine und erklärte also seinem Onkel, dass er selber solch eine Karte von Hogwarts besaß. Onkel Neil sah von dem verblüfft aus, was er hörte.
„Schließlich verstehe ich es besser", sagte er. „Jetzt findet alles eine Erklärung. Gut, Harry, ich muss dir noch Eines sagen. Ich weiß, dass du es nicht sehr mögen wirst, aber es ist notwendig. So! Ich werde dir nicht alles sagen, was hier passiert, vor allem, wenn es schlechte Nachrichten sind. Einerseits, weil es nötig ist, dass du glücklich und ohne Sorgen lebst, um Voldemort zu destabilisieren. Andererseits weiß ich nicht, da eure Geister verbunden sind, wie viel er von dem empfinden kann, was du fühlst oder sogar was man dir sagt. Er ist ein sehr erfahrener Zauberer, er kann mich vielleicht jetzt hören. Man weiß nie, Harry! Und vor allem, vor allem sollst du uns regelmäßig über das Bescheid sagen, was du mit deiner Narbe fühlst. Das ist höchst wichtig!"
„Alles klar, Onkel Neil. Ich verstehe", sagte Harry etwas enttäuscht.
„Wir werden dich jetzt in Ruhe lassen, du musst dich erholen. Und ihr", sagte er zu Ron, Hermine und Mark, „müsst eine Hochzeit vorbereiten."
Sie gingen alle zur Tür, aber Harry hatte plötzlich das Bedürfnis, über etwas zu reden, was ihn seit Sirius' Tod quälte.
„Onkel Neil! Darf ich ein Moment lang mit dir reden?"
„Ja, Harry! Geht hinaus, ich folge euch gleich."
Neil setzte sich wieder auf den Stuhl, von dem er sich gerade erhoben hatte.
„Ich höre zu."
„Nun, ich weiß, du wirst mir nicht alles sagen können, aber zumindest werde ich es versucht haben zu fragen. Sirius hat einen Schleier in der Mysteriumsabteilung durchquert. Und ich habe den Eindruck gehabt, ich hätte Leute hinter diesem Schleier sprechen hören. Könnte ich wissen, was das ist, oder zumindest etwas wissen?"
„Ich verstehe, dass du dir Fragen zum Tod deines Patenonkels stellst, Harry. Das ist etwas Natürliches. Ich kann dir nicht genau sagen, was das ist. Ich kann dir nur sagen, dass du tatsächlich bestimmt Stimmen, die aus diesem Spiegel kamen, gehört hast. Denn es ist ein Spiegel, Harry. Kein gewöhnlicher Spiegel, natürlich. Aber nur manche Leute können Stimmen hören. Das ist ein höchst gefährlicher Spiegel. Vor allem, Harry, verbiete ich dir, dich ihm zu nähern. Du würdest das Risiko eingehen, das gleiche Schicksal zu erleben wie dein Patenonkel, oder sogar schlimmer!"
„Ich verstehe nicht", sagte Harry. „Was kann schlimmer sein als der Tod?"
„Es tut mir Leid, ich darf dir nichts sagen."
Onkel Neil stand auf und wandte sich zur Tür.
„Ich hätte dir gerne mehr darüber gesagt, Harry. Aber ich darf nicht. Erhole dich jetzt. Die Hochzeit wird in einer Woche hier stattfinden. Immer noch aus Sicherheitsgründen. Aber mach dir keine Sorgen, ich denke nicht, dass ein anderer Angriff stattfindet. Die Verdächtigen sind zu gut bewacht."
Er verließ das Zimmer. Harry, der von den Ereignissen des letzten Tags immer noch erschöpft war, legte sich wieder hin.
