Hallo an alle! Hier ist das neue Kapitel von meiner Übersetzung aus dem Französischen: Harry Potter et le Miroir des Ombres, von Gabrielle Lavande. Danke an Verliebtindich für ihre Korrekturen :-)
Disclaimer: Nichts gehört mir, alles gehört zu J.K. Rowling bis auf Neil, Selene und Fanely Evans, die zu Gabrielle Lavande gehören.
Spoiler: Die ersten fünf Bände.
Harry Potter und der Spiegel der Schatten:
Kapitel 16: Erster Zaubertränkeunterricht:
Harrys Tag begann mit drei Stunden Zaubertränke. Das war für ihn die Gelegenheit, mit seiner Tante ein Gespräch zu führen, und er traf die Entscheidung, am Ende des Unterrichts mit ihr zu reden.
„Guten Morgen an alle! Ich bin Professor Evans und werde Ihre neue Lehrerin für Zaubertränke sein. Professor Snape hat mir im Großen und Ganzen erklärt, wie Ihre Leistungen stehen und wie weit Sie im Lehrplan sind. Ich will ganz offen sprechen: Sie werden den Stoff ganz ernsthaft wiederholen müssen."
Ron flüsterte Harry ins Ohr:
„Snape muss ihr gesagt haben, dass wir erbärmliche Noten hatten."
„Ich denke nämlich, dass die Art und Weise, wie Sie arbeiten, völlig umgedacht werden muss. Und ehrlich gesagt, glaube ich, dass Sie hier wahrscheinlich nicht viel gelernt haben, denn wenn ich nach Ihrem Lehrplan vom letzten Jahr urteilen kann, frage ich mich wirklich, wie Sie all das pauken konnten, was Ihnen Professor Snape beigebracht hat."
Die Schüler, die im Raum saßen, sahen einander überrascht an.
„Ich kritisiere nicht die Pädagogik von Professor Snape, aber laut dem, was ich lesen konnte, wäre ich an Ihrer Stelle schon längst auf meinem Tisch eingeschlafen."
Alle Schüler fingen an, mit einem Lächeln auf den Lippen aufmerksam zuzuhören.
„Obwohl die Kunst der Zaubertränke subtil und sehr umständlich ist, interessiert es mich nicht, dass Sie einen Zaubertrank dumm nachbrauen, der an der Tafel steht, selbst wenn es notwendig ist, um eine nötige Basis zu lernen. Doch zu Ihrem Niveau ist es Zeit, dass Sie Ihre eigenen Experimente durchführen. Also werden Sie während des ganzen Jahrs alle zwei Wochen in Dreiergruppen arbeiten. Die Gruppen werden natürlich fest sein! Ich werde Ihnen entweder ein Thema, oder Pflichtzutaten, die Sie benutzen müssen, oder noch ein präzises Ergebnis nennen, das Sie erreichen müssen. Sie werden auf einem Pergament den Zaubertrank und seine Effekte aufschreiben. Dann, nachdem ich es Ihnen erlaubt habe und ERST dann, dürfen Sie ihn brauen, aus dem einfachen und guten Grund, dass ich die Wände dieses Klassenzimmers nicht wieder aufbauen will."
Es wurde im Klassenzimmer ein bisschen gelacht.
„Natürlich werde ich Sie den Zaubertrank zu Ende brauen lassen, selbst, wenn ich weiß, dass Sie einen Irrtum begehen. Das ist eine sehr schwierige Aufgabe und selbst die fleißigsten unter Ihnen werden es nicht unbedingt schaffen. Wir werden also anfangen. Ihre heutige Aufgabe ist es, einen Zaubertrank mit Salamanderblut darin zu brauen, dessen Ziel es wäre, jene, die ihn trinken würden, gegen Brandwunden unempfindlich zu machen, selbst Brandwunden, die von einem Drache verursacht werden. Sie dürfen anfangen!"
Sofort hob Hermine die Hand.
„Ja, Miss Granger?"
„Professor Evans, ich habe in einem Buch gelesen, dass Salamanderblut die Folgen von Brandwunden verschlimmert. Sind Sie sich dessen sicher, was Sie fragen?"
„Das stimmt, Miss Granger! Ich sehe, dass Sie in guten Büchern lesen. Dennoch bestätige ich die Tatsache, dass dieser Zaubertrank Salamanderblut beinhalten muss, und zwar mindestens einen Viertelliter."
Hermines Gesicht war entsetzt. Zum ersten Mal in seinem Leben sah Harry Hermine in einer Lage, die für sie völlig unmöglich zu lösen schien.
Der Zaubertränkeunterricht war viel lebendiger als gewohnt. Während Hermine unter Harrys und Rons amüsierten Blicken verzweifelt vor einem Haufen zerknitterter Pergamentstücke stand, testeten Dean Thomas, Seamus Finnigan und Lavender Brown gerade einen Zaubertrank.
„So! Jetzt, Mr Thomas, sollen Sie das Doxygift hinzugeben und dann... ALLE IN DECKUNG!"
Sofort sprangen alle Schüler unter ihre Tische und der Inhalt von Deans Kessel explodierte im ganzen Klassenzimmer. Eine rote und schleimige Flüssigkeit floss die Wände hinunter.
„Gut! Zumindest haben Sie erfahren, dass man nie Doxygift mit dem gemahlenen Horn eines Einhorns mischen darf."
Professor Evans ging dann zum Tisch von Malfoy, Pansy Parkinson und Goyle.
„Lassen Sie mich die Formel auf Ihrem Pergament lesen... hmm... ja... ich sehe. Darf ich Ihnen eine Frage stellen?"
„Ja", antwortete Malfoy mit einem Lächeln auf den Lippen.
„Möchten Sie ehrlich einen Krater von über drei Kilometern Tiefe an der Stelle dieser Schule sehen? Denn das ist es, was geschehen würde, wenn Sie diese Formel benutzen. Denken Sie darüber nach, was Sie schreiben."
Die Hälfte des Klassenzimmers prustete los, während Malfoy vor Wut wetterte. Professor Evans richtete sich zu Harrys Tisch.
„Lassen Sie mich Ihre Formel lesen."
Hermine reichte ihr das Pergamentstück.
„Ich weiß, dass etwas fehlt", griff Hermine ein, „aber wenn man Ölbaumrinde nimmt, wird es die Wirkung der Alraunenblätter aufheben. Und wenn ich an der Stelle vier Milliliter Schildkrötentränen gebe, dann gehen wir das Risiko ein, dass der Kessel explodiert."
„Das ist nämlich ein schwieriges Dilemma. Dennoch sind Sie sehr nah. Mr Potter, haben Sie vielleicht eine Idee?"
Harry las die Liste der Zutaten aufmerksam durch.
„Vielleicht könnte man an der Stelle der Alraunenblätter eine Messerspitze voll Lavapulver nehmen!"
„Das ist nämlich eine interessante Idee. Mr Weasley, ein Vorschlag?"
Ron überlegte einen Augenblick lang.
„Wenn wir Lavapulver nehmen, gehen wir das Risiko ein, Juckreiz und Hautausschlag zu verursachen, da der Zaubertrank Feenpulver beinhaltet."
„Das stimmt, Mr Weasley."
„Dieser Zaubertrank ist unmöglich", sagte Hermine mir einem verzweifelten Ausdruck.
„Es sei denn...", murmelte Ron.
„Ja, sprechen Sie weiter, Mr Weasley."
„Es sei denn, man fügt Zucker hinzu."
Verdutzt sahen Harry und Hermine Ron an.
„Nun, versuchen Sie mal, Mr Weasley. Brauen Sie diesen Zaubertrank und sagen Sie mir dann Bescheid."
Professor Evans ging zu anderen Tischen.
„Zucker? Bist du verrückt, Ron?", sagte Hermine leise.
„Ich glaube, ich habe das irgendwo gehört. Fred und George sollen mit fünf Jahren einen starken Hautausschlag gehabt haben. Meine Eltern haben nie gewusst, warum, und ich glaube, dass ich gehört habe, meine Mum hätte ihnen einen sehr zuckerigen Zaubertrank gegeben. Meine Großmutter hatte den Zaubertrank gebraut und laut ihr sollte Zucker den Hautausschlag aufheben, der von magischen Zutaten verursacht wird."
„Aber ich weiß nicht, wie der Zucker mit den anderen Zutaten wirkt."
„Auf jeden Fall", sagte Harry, „müssen wir es ja versuchen."
Als der Zaubertrank bereit war, riefen sie Professor Evans herbei, die den Inhalt des Kessels aufmerksam betrachtete.
„Aufmerksamkeit, bitte! Wir werden einen Test durchführen. Mr Weasley, trinken Sie ein wenig von dem Zaubertrank, den Sie gerade gebraut haben, und kommen Sie dann hierher."
Ron tat mit etwas Sorge wie gebeten und stellte sich in die Mitte des Podests.
„Miss Granger, nehmen Sie bitte Ihren Zauberstab mit und nähern Sie sich."
Hermine holte ihren Zauberstab aus ihrem Rucksack und stellte sich auch auf das Podest.
„Gut! Jetzt, hören Sie mir zu. Mr Weasley, vor allem dürfen Sie sich nicht bewegen. Wenn ich es sagen werde, wird Miss Granger dank ihrem Zauberstab eine mächtige Stichflamme zu Ihnen werfen."
Das ganze Klassenzimmer hielt den Atem an. Hermine sah Professor Evans verzweifelt.
„Machen Sie sich keine Sorgen, Miss Granger, ich bin da, wenn es nötig wird. Sind Sie bereit?"
„Nein", antwortete Hermine verängstigt.
„Nun, Miss Granger. Konzentrieren Sie sich. Haben Sie keine Angst, ich bin da."
Hermine sah mit glänzenden Augen zu Ron.
„Ich kann... Ich kann das nicht machen."
„Miss Granger, ich verspreche Ihnen, dass ich eingreife, wenn irgendein Problem auftritt."
Harry spürte dann, wie sein Herzschlag sich beschleunigte. Rons Lippen hatten sich bewegt, er flüsterte leise:
„Tu es, Hermine. Ich vertraue dir."
„Ich... ich..."
„Miss Granger, es gibt kein Risiko, ich werde meinen Zauberstab fest umklammern. Egal, was passiert, ich kann eingreifen."
Harry wurde sich dessen bewusst, dass etwas auf Hermines Gesicht glänzte. Eine Träne floss langsam herunter. Ron lächelte ihr zu. Sie zielte dann mit ihrem zitternden Zauberstab auf ihn.
„Miss Granger?... Hermine?"
„Ich... Ich... ICH KANN ES IHM NICHT ANTUN. ICH KANN ES RON NICHT ANTUN!"
Hermine ließ ihren Zauberstab fallen und lief weinend aus dem Klassenzimmer.
„HERMINE!", rief Ron aus.
Er sah Professor Evans einen Augenblick lang an und sie nickte, um ihm zu erlauben, ihr nachzulaufen, was Ron sofort tat. Harrys besorgten Blick traf den seiner Tante, die ihm beruhigend zulächelte.
„Gut, da Miss Granger diesen Zauber nicht wirken konnte, was verständlich sein kann, werde ich Ihnen sagen, was hätte geschehen sollen. Der Zaubertrank Ihrer drei Mitschüler war perfekt. Der Zucker in ihrem Zaubertrank erlaubte nicht nur, die irritierende Wirkung mancher Zutaten aufzuheben, sondern dank der komplementären Wirkung des Zuckers und des Horns eines Einhorns wären die Flammen erträglicher gewesen. Die Versuchsperson, Mr Weasley, hätte nichts anders gefühlt als eine warme und angenehme Brise. Sie müssen also Eines daraus lernen: Manchmal kann die einfachste Zutat erstaunlich wirken. Ich gebe also zwanzig Punkte für Gryffindor. Schreiben Sie die Formel auf, die jetzt an der Tafel steht, und dann dürfen Sie zum Mittagessen gehen."
Harry schrieb seine Notizen ab und, da alle anfingen, das Klassenzimmer zu verlassen, holte er Hermines Zauberstab und räumte die Sachen seiner Freunde ein. Bald blieben nur noch seine Tante, die an ihrem Arbeitstisch saß, und er selbst zurück. Er entschloss sich dann zu reden.
„Professor Evans, darf ich mit Ihnen sprechen?"
„Ja, Harry, ich höre dir zu."
„Also, es geht um Mark und die Tatsache, dass er in Slytherin ist. Ich mache mir ein bisschen Sorgen um ihn."
„Ach! Darum machst du dir Sorgen?", antwortete Tante Selene lächelnd. „Du weißt doch, dass alle Mitglieder einer selben Familie nicht unbedingt im selben Haus landen."
„Ja, aber er hat sich verändert. Er spricht böse zu mir, sieht mich seltsam an und hat angefangen, mit Leuten zu verkehren, die ihm Übel tun könnten, wie Malfoy. Der hat ihn im Zug angegriffen."
„Ich denke, Harry, und jetzt spreche ich als deine Tante, dass mein Sohn gut genug erzogen ist, dass er weiß, was er tun soll oder nicht. Jetzt musst du anerkennen, dass die Rivalität zwischen Slytherin und Gryffindor stark ist und dass, wenn einer Kampfgeist hat, dann ist es wohl Mark. Er hat es immer verabscheut zu verlieren und will sich immer revanchieren. Er ist so hartnäckig wie sein Vater. Also mach dir keine Sorge um ihn, es geht ihm perfekt! Du solltest zum Mittagessen gehen.
Harry, der von dieser Antwort enttäuscht war, bereitete sich also vor, wegzugehen.
„Oh, Harry! Als mein Neffe, kannst du mir ehrlich antworten? Wie hast du diesen Unterricht gefunden?"
„Interessant und originell!", antwortete er mit einem Lächeln. „Jedenfalls sehr instruktiv."
Harry grüßte seine Tante zum Abschied und verließ das Klassenzimmer.
