Hallo an alle! Hier ist das neue Kapitel von meiner Übersetzung aus dem Französischen: Harry Potter et le Miroir des Ombres, von Gabrielle Lavande. Danke an Verliebtindich, meine Betaleserin.
Disclaimer: Nichts gehört mir, alles gehört zu J.K. Rowling bis auf Neil, Selene und Fanely Evans, die zu Gabrielle Lavande gehören.
Spoiler: Die ersten fünf Bände.
Harry Potter und der Spiegel der Schatten:
Kapitel 28: Seltsame Bitte:
„Aber... ich dachte, dass die Prophezeiung die Waffe war?", sagte Harry.
„Das dachten wir! Und das dachte auch der Feind. Die Prophezeiung war wichtig, doch nicht so sehr wie der Spiegel. Und da jetzt der Feind weiß, dass die Prophezeiung zerstört worden ist, so wird er nicht woanders suchen!", antwortete Luna.
Der Vorteil lag also bei den Alliierten. Das war endlich eine beruhigende Seite bei diesem Problem. Nun durfte der Spion nichts von der Existenz des Spiegels der Schatten erfahren. Sonst gingen sie das Risiko ein, weitere Probleme zu bekommen. Viel schlimmere Probleme.
Sie suchten erfolglos andere Auskünfte über den Spiegel der Schatten in der Bibliothek.
So verliefen die Tage, ohne dass Harry sehr besorgt war. Alles ging gut. Sie hatten einen Vorteil – einen großen. Aber vor allem durfte der Feind nicht Bescheid wissen. Daher übte Harry jeden Abend Okklumentik und sehnte sich nach nichts mehr als sich zu verbessern, so dass er entschlossener war als je, als er am nächsten Donnerstag zu seiner Okklumentikstunde mit Dumbledore ging.
Er kam ein bisschen früher an und wartete vor der Statue, bis die Treppe erschien. Er schritt dann darauf zu, blieb aber plötzlich stehen. Ein Schüler lief gerade aus Dumbledores Büro herunter.
Mark war auch erstaunt, seinem Cousin auf der Treppe zu begegnen, aber er ging wortlos weiter. Als wäre nichts passiert.
Als er Dumbledores Büro betrat, war Harry allein im Zimmer.
„Professor Dumbledore?"
„Er kommt gleich an. Er ist zu seinen privaten Räumen gegangen. Er wird bald zurück sein."
Harry drehte sich zu Phineas Nigellus' Porträt um, der ihn angesprochen hatte.
„Oh! Danke."
„Bitte, mein Junge! Zur Zeit bekommt er viel Besuch. Mir kommt es vor, als wäre ich sein Sekretär! Zwischen der Leitung der Schule und den Sachen des Ordens ist er mit Arbeit überhäuft. Es wird ihn verrückt machen! Übrigens frage ich mich, ob er nicht bereits übergeschnappt ist."
„Warum sagen Sie das? Weil er meinen Cousin hier empfangen hat, obwohl er ein Slytherin ist?"
„Oh nein! Dumbledore empfängt oft seine Schüler, egal aus welchem Haus, ohne Unterschied. Eigentlich fängt er an, plötzlich laut zu reden. Er spricht nicht zu einer bestimmten Person, sondern er spricht einfach laut. Das gehört nicht zu seinen Gewohnheiten, laut zu denken. Also denke ich, dass er anfängt zu spinnen."
„Verrücktheit ist nicht unbedingt ein Fehler, mein lieber Phineas."
Dumbledore stand jetzt im Zimmer mit einem Bücherstapel in den Armen.
„Guten Abend, Harry! Bist du bereit für deinen Unterricht?"
„Guten Abend, Professor! Ja, ich bin bereit!"
Harry und Professor Dumbledore gingen beide in Stellung.
Dumbledore wirkte seinen Zauber auf Harry, der ein wenig widerstand, dann von der Gewalt des Zaubers überwältigt wurde und seine Erinnerungen wieder sah. Er stand wieder vor Snape.
„Sie werden das Experiment mit mir machen, Potter... Sind Sie so hochnäsig, dass Sie denken, Sie könnten schon beim ersten Versuch diesen Fluch wirken? Halsen ihn mir auf! JETZT!"
Harry versuchte, mit aller Kraft der mächtigen Gewalt von Dumbledore zu widerstehen. Er sah wieder, wie er einen Zauber auf Professor Snape wirkte. Einen verfehlten Cruciatusfluch. Einen bitteren Misserfolg.
„Erbärmlich, Potter... Mehr Hass! Mehr Entschlossenheit... SIE SIND EINE WAHRE NIETE! Wirken Sie DIESEN FLUCH RICHTIG!"
Harry unterlag einem mächtigen Zauber, aber Snapes' Erniedrigung war stärker. Nein, er wollte diese Erniedrigung nicht wieder erleben. Er wollte nichts von Dumbledores Mitleid.
Plötzlich erlosch die Wirkung von Dumbledores Zauber.
„Gut, Harry. Du hast ganz offensichtlich geübt. Deine Unterrichtsstunden mit Professor Snape sind anscheinend ziemlich besonders. Ihr lernt den Cruciatusfluch?"
„Ja", antwortete Harry schüchtern.
„Ich war nicht besonders dafür, dass ihr solche Unterrichtsstunden bekommt. Wie auch immer hat mich unser lieber Minister davon überzeugt. Schließlich hatte er vielleicht Recht... Man kann viel lernen, wenn man der Pädagogik von Professor Snape folgt. Konzentriere dich bitte, Harry. Bist du bereit?"
Harry nickte und sofort wirkte Dumbledore einen zweiten Zauber. Er widerstand dem Zauber so sehr wie er es konnte, ließ aber einige Erinnerungen entkommen. Er sah sich wieder, wie er in einem Buch las.
„Spiegel der Schatten... der plötzlich verstorbenen Zauberer... Onuphrius Calius..."
Der Kampf gegen seine Emotionen war furchtbar, während Lunas Gesicht wieder in seinen Erinnerungen erschien.
„Das ist eine Waffe... eine Waffe..."
Harry kämpfte so stark gegen den Zauber, dass Dumbledore nicht widerstehen konnte.
„Gut. Sehr gut! Jetzt widerstehst du sehr mächtigen Zaubern... Bald wirst du meine Unterrichtsstunden nicht mehr brauchen. Vor allem, Harry, musst du weiter üben."
„Ja, Professor."
„Gut, aber bevor du weggehst, möchte ich dich einiges fragen."
Harry vermutete, dass ihn Dumbledore über das befragen würde, was er über den Spiegel der Schatten wusste. Das schien deutlich.
Auf Dumbledores Einladung hatte sich Harry in einen Sessel gesetzt und Professor Dumbledore setzte sich ihm gegenüber.
„Ich sehe, dass Miss Lovegood sehr treffende Anmerkungen macht. Das erstaunt mich nicht, immerhin ist sie eine Ravenclaw."
Harry antwortete nicht und wartete darauf, dass Dumbledore weiter sprach.
„Ich denke, dass es für dich deutlich ist, Harry, aber ich will die Dinge klar stellen. Das, was du über den Spiegel der Schatten entdeckt hast, ist natürlich völlig geheim. Deine Freunde und du müsst es also verschweigen."
„Ja, Professor."
„Ich möchte auch eines wissen. Haben Sirius oder deine Eltern seit unserem letzten Unterricht mit dir Kontakt aufgenommen?"
„Ja, einmal. Mein Dad, um mir zu sagen, dass ich Ihnen vertrauen sollte."
„Und glänzte dein Spiegel so wie das vorige Mal?"
„Ja. Naja, das hat mir Ron gesagt. Er hat mir gesagt, dass es auch eine Art purpurnen Dampfes gab."
Mit einem ernsthaften Ausdruck stand Dumbledore sanft von seinem Sessel auf.
„Gut. Harry, das ist nicht alles. Ich muss dich um etwas bitten."
Harry wurde von diesem letzten Satz überrascht.
„Ich weiß, dass das, worum ich dich bitten werde, ein schwerfallender Verdienst ist. Ich werde direkt zur Sache kommen. Ich müsste mir den Spiegel ausleihen, den Sirius dir geschenkt hat."
Harry war wie betäubt. Das war sein Spiegel und das einzige Mittel, damit seine Eltern oder Sirius mit ihm Kontakt aufnehmen konnten.
„Aber, Professor Dumbledore, ich..."
„Entschuldige, Harry, dass ich dich so unverblümt darum bitte. Ich weiß, dass du daran hängst. Aber ich muss etwas prüfen. Ich will ihn bloß ausleihen! Ich werde ihn nur für kurze Zeit behalten... Ich kann dir nicht sagen, wie lange genau, aber ich versichere dir, dass ich mich gut um ihn kümmern werde."
Harry war verzweifelt. Er vertraute Dumbledore, aber diese plötzliche Bitte brachte ihn aus der Fassung. Er wusste weder, was er tun noch was er antworten sollte, und Dumbledore bemerkte sehr schnell, dass er zögerte.
„Ich denke, dass du Zeit brauchst um zu überlegen, Harry. Das ist ja ganz normal. Ich werde dich über meine Bitte nachdenken lassen."
Dann hob der Professor den Kopf zum Himmel und sprach mit lauterer Stimme:
„Ich möchte bitte, dass ihr für die nächsten Schritte unserer Aktion möglichst schnell mit ihm redet. Wir werden ein bisschen später wieder darüber reden können. Aber seid vorsichtig!"
Harry verstand nicht, mit wem Dumbledore gerade sprach. Er drehte sich zu Phineas Nigellus um, der seinen Finger gegen seine Schläfe tippte.
„Nun, Harry! Du darfst gehen! Geh zu deinen Freunden zurück!"
Harry ging mit einem verdutzten Ausdruck zur Treppe. War Dumbledore völlig verrückt geworden?
