Hallo an alle! Hier ist das neue und letzte Kapitel von meiner Übersetzung aus dem Französischen: Harry Potter et le Miroir des Ombres, von Gabrielle Lavande. Das siebte Jahr wird unter dem Titel Harry Potter und der Schlüssel zur anderen Welt bald erscheinen, davor bekommt ihr aber noch zwei Bonuskapitel. Vielen Dank an Verliebtindich für ihre Korrekturen.
Disclaimer: Nichts gehört mir, alles gehört zu J.K. Rowling bis auf Neil, Selene und Fanely Evans, die zu Gabrielle Lavande gehören.
Spoiler: Die ersten fünf Bände.
Harry Potter und der Spiegel der Schatten:
Kapitel 60: Schuljahresende:
In diesem Ende Juni schien die Sonne. Kaum vier Monate waren vergangen, seitdem der letzte Angriff in London geschehen war. Seither, nichts mehr. Keine einzige Äußerung mehr von Lord Voldemorts Macht. Und das aus guten Gründen: Er war völlig gescheitert. Der Angriff war fehlgeschlagen. Liliana Wander hatte dank Dumbledore die Autoritäten gewarnt, dass der Angriff nicht dort war, wo man dachte, wie er verlaufen würde, und dass Zeitflüche eingestellt worden waren.
Zweiundachtzig Anhänger von Voldemort waren verhaftet worden. Alle waren vorher durch die neuen Untergeschosse von Askaban ausgebrochen, die sehr bald durch ein Geröllfluch zugemauert wurden. Zu den Gefangenen zählte man die Herren Crabbe und Goyle Sr, die ihre Zellen wieder gefunden hatten. Was ihre Kinder betraf, befanden sie sich in einem gut bewachten Ort. Die Untergeschosse des Zaubereiministeriums waren ausschließlich für sie zu einer Erziehungs- und Strafanstalt für Jugendliche geworden. Professor McGonagall besuchte sie, um ihnen ihre Hausaufgaben zu geben und ihnen zu erlauben, ihr Studium fortzuführen. Was die Malfoys betraf, so fand man weder vom Vater noch vom Sohn die geringste Spur.
„Sie sind einfach verschwunden, ich habe keine Nachrichten mehr von ihnen. Ich wusste nichts von ihrem Tun und Treiben. Weder bei meinem Mann noch bei meinem Sohn", hatte Narzissa während ihrer Befragung gesagt, die von den Medien sehr verbreitet worden war.
Eine sehr bestrittene Befragung.
„Ein Schluck Enthüllo wäre bei dieser Frau gar nicht schlecht gewesen!", hatte Ron ausgerufen.
Auch Bellatrix Lestrange und Peter Pettigrew waren verschwunden. Sie waren bestimmt zu Voldemort geflohen. Es blieben ihm nur wenige Verbündete übrig und er brauchte sie wahrscheinlich, um das wieder zu erobern, was er verloren hatte.
Harry lehnte an einer Wand der Großen Halle gegenüber und schaute auf die Uhr, die über den Doppeltüren hing. Die theoretische Zaubertränkeprüfung der ZAGs sollte bald zu Ende sein. Eine wichtige Prüfung für die Fünftklässler, die Auroren werden wollten. Harry erinnerte sich an seine Prüfungen vom vorigen Jahr, die etwas weniger ruhig verlaufen waren als dieses Jahr. Übrigens war es ja das erste Mal, dass Harry sein Jahr in dieser relativen Ruhe endete. Das gefiel ihm ziemlich gut. Die Türen der Großen Halle öffneten sich und die Fünftklässler gingen allmählich aus dem Raum hinaus. Harry sah Ginny, die sich ihm näherte.
„Na, wie ist diese Prüfung gelaufen?"
„Es geht!", rief sie aus. „Deine Tante hat uns gut vorbereitet. Sag mal, hast du Dean gesehen?"
„Ich habe ihn vor einer Viertelstunde draußen gesehen."
„Das kann ich nicht fassen! Ich schwöre dir, dass er es büßen wird! Bis nachher!"
Ginny entfernte sich mit einem letzten Gruß zu Harry, der ihr zulächelte. Er suchte dann nach Luna in der Menge, die aus der Halle kam, und erblickte sie schließlich, wie sie einige Entwurfsblätter in ihren Rucksack einräumte und eine Feder zwischen den Lippen hielt. Er bahnte sich einen Weg zu ihr.
„Ist es gut gelaufen?", fragte er.
„Mmm... Oh, entschuldige!", sagte sie, indem sie ihre Feder wegnahm. „Ja, es geht! Es war die letzte Prüfung. Ich bin froh, dass es vorbei ist... Oh, ich muss dir was zeigen!"
„Warte, wir werden die anderen draußen treffen. Das wird so besser sein."
Luna nickte und schloss ihren Rucksack wieder. Sie gingen zum Park, wo Hermine, Ron, Mark und Liliana gerade die Leckereien aßen, die ihnen Fred und George geschickt hatten.
„Ron, du bist ekelhaft!"
„Oh, ich liebe aber den neuen Duft dieser Nacktschnecken... Du solltest eine mit Zitronengeschmack probieren, sie sind lecker und bewegen sich viel mehr als vorher."
„Ich glaube eben, dass man vorsichtig sein muss, denn eine ist schlecht runtergelaufen", sagte Mark, indem er sich den Bauch hielt.
„Es ist, weil du den ganzen Tag lang zu viele Süßigkeiten isst", sagte Luna, indem sie sich ins Gras setzte.
„Nun?", fragte Hermine Luna.
„Nun sollte es gehen. Das war nicht sehr schwierig. Übrigens haben wir bald Ferien und wir sollten aufhören, über Hausaufgaben und Prüfungen zu reden."
„Das heißt also, du bittest Hermine darum, bis September zu schweigen", sagte Ron, während er eine Nacktschnecke mit Kirschengeschmack herunterschluckte.
„Hey!", sagte Hermine und verpasste Ron einen Schlag auf den Kopf.
Der Rothaarige verschluckte die Nacktschnecke und fing an zu ersticken und zu hüsteln.
„Das wird dir eine Lehre sein, dass du keinen Blödsinn sprechen sollst!"
„Mensch, ich habe bloß gescherzt!", sagte er, indem er seinen Atem wieder fand. „Verflixt, du weißt sehr wohl, dass ich das nicht dachte, was ich sagte."
„Ja."
„Warum schlägst du mich dann?", sagte Ron, indem er eine andere Schachtel von Ron Slug zu sich holte.
„Um dir meine Zuneigung zu zeigen, wenn dein Mund voll ist."
Ron sah Hermine lächelnd an und legte die Schachtel wieder hin.
„Okay, ich esse keine mehr. Mir sind die traditionellen Zuneigungsbeweise viel lieber."
Hermine lachte.
„Ich möchte euch etwas zeigen", sagte Luna.
Sie suchte in ihrem Rucksack und zog eine Sonderausgabe des Klitterers heraus. Dann zeigte sie den Titel auf der ersten Seite.
Herkunft und Geschichte des Spiegels der Schatten: Von seiner Entstehung bis zu seiner Zerstörung. Von Luna Lovegood mit dem Beitrag von David Lovegood.
„Herzlichen Glückwunsch!", sagte Harry. „Dein erster Artikel und er steht schon auf der ersten Seite einer Sonderausgabe."
„Vielen Dank! Mein Vater hat mir sogar eine Woche Urlaub in Transsylvanien geschenkt, um das zu feiern. Er geht für eine Reportage dahin. Übrigens seid ihr alle eingeladen, mitzukommen und den Artikel mitzuschreiben."
„Eine Woche beim Graf Dracula... Während der Ferien sollte man sich eher erholen, oder?", sagte Ron.
„Oh, Ron!", sagte Harry. „Sag mir nicht, dass dir eine kleine Vampirenjagd nicht gefällt. Du bist es doch, der sagt, dass wir trainieren sollen, Auror zu werden."
„Nun, ihr wisst ja zumindest, was ihr später tun wollt", murrte Hermine.
„Hattest du nicht eine Idee?", fragte Harry.
„Doch, aber ich werde es nie schaffen."
„Du?", rief Ron aus. „Du bist in allen Fächern hervorragend, du kannst alles tun, was du willst!"
„Tja... Um eine Unsägliche zu werden, muss man auch manchmal schweigen können und ich habe mich nicht davon abhalten können, euch zu sagen, dass Snape der Spion war, obwohl mich Dumbledore darum gebeten hatte zu schweigen, als wir in St.-Mungo zu Besuch waren. Wenn ich bedenke, dass ich in der Mysteriumsabteilung arbeiten wollte! Jetzt bin ich völlig gescheitert! Also frage ich mich, ob ich nicht schließlich eine Karriere bei Gringotts machen werde. Ich werde mich um den Stand der Kobolde zur gleichen Zeit kümmern können wie um BELFER."
Ron sprach kein Wort aus, aber der Ausdruck seines Gesichtes und sein Lächeln waren genug um zu verstehen, was er dachte.
„Da wir von Unsäglichen reden", sagte Mark, „Dad hat es abgelehnt, seine ehemalige Stelle im Zaubereiministerium wieder zu übernehmen. Er möchte lieber ein Sabbatjahr nehmen, wenn alles im Ministerium geregelt sein wird."
„Und gibt es immer noch niemanden, der ihn als Minister ersetzen könnte?", fragte Liliana.
„Nein... Zur Zeit ist es das Rat des Ordens des Phönix, der die wichtigen Entscheidungen trifft. Mein Vater möchte, dass Rons Vater die Stelle als Minister übernimmt, aber er scheint sich dafür nicht entscheiden zu wollen."
„Er hatte so viel Arbeit als Juniorminister, dass er noch über den Vorschlag nachdenkt", sagte Ron. „Und das, obwohl Mum sehr drängt."
„Zur Zeit ist es keine einfache Stelle", fügte Hermine hinzu. „Wie für die Stelle als Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste... Es gibt nur wenige Freiwillige. Ein Glück, dass McGonagall bis jetzt die Unterrichtsstunden übernommen hat."
„Seht mal! Wenn man vom Troll spricht!", rief Mark aus. „McGonagall kommt zu uns."
Professor McGonagall ging durch den Park von Hogwarts. Sie lenkte einen riesigen Reisekoffer mit ihrem Zauberstab.
„Guten Tag, Professor!", riefen sie alle einstimmig aus.
„Guten Tag!", antwortete sie. „Ich habe eben nach Ihnen gesucht. Mr Potter und Mr Weasley, wenn Sie mir bitte folgen möchten."
„Natürlich, Professor", antwortete Harry.
Er warf Ron, der sich auch fragte, warum sie McGonagall herbeigerufen hatte, einen Blick zu. Sie folgten ihr zu ihrem Büro. Sie stellte ihren Koffer in eine Ecke des Raums und setzte sich in ihren Sessel.
„Setzen Sie sich, bitte."
Harry und Ron gehorchten.
„Ich habe Sie wegen Ihres Karrierenwunsches herbeigerufen. Nächstes Jahr werden Sie Ihr letztes Jahr in Hogwarts machen, aber Sie haben gewünscht, Auroren zu werden. Ich muss Sie also davon benachrichtigen, dass Ende August eine besondere Prüfung auf Sie wartet. Irgendwie eine Art Ausscheidungsprüfung."
„Und was ist diese Prüfung?", fragte Ron beängstigt.
„Es gibt ein paar schriftliche Prüfungen, aber vor allem Kämpfe gegen verschiedene unheilvolle Geschöpfe."
„Unheilvolle Geschöpfe?", fragte Harry.
„Ja! Trolle, Irrwichte, Vampire..."
„Vampire?", wiederholte Ron.
„Nun ja, Mr Weasley! Aber machen Sie sich keine Sorgen, erfahrene Auroren werden da sein, um Sie zu führen. Diese Prüfung dient vor allem dazu, dass Sie wissen, was Sie erwarten sollen, wenn Sie weiter so machen. Das ist irgendwie ein Mittel, den Angsthasen abzuraten. Aber während der letzten Jahre haben Sie viel Schlimmeres erlebt, nicht wahr? Ich denke, dass diese Prüfung für Sie gut laufen könnte. Jedenfalls vertraue ich Ihnen völlig. Übrigens haben Sie dieses Jahr den Quidditchpokal von Hogwarts noch einmal gewonnen. Sie haben den Willen zu siegen und das ist das Wesentliche."
Professor McGonagall stand auf.
„Gut, jetzt muss ich viele Hausarbeiten korrigieren. Sie sollten zurück zu Ihren Freunden."
Harry und Ron standen auf und McGonagall begleitete sie bis zur Tür.
„Ich hoffe, Mr Potter, dass Sie von Professor Snapes Zustand nicht zu sehr traumatisiert sind. Vielleicht werden wir ja eines Tages das Mittel finden, ihn zu heilen, wissen Sie."
„Ich zweifle daran", sagte Harry. „Da beide Spiegel nun zerbrochen worden sind, ist die Welt, die darin existierte, bestimmt verschwunden. Das ist, was mir Professor Dumbledore gesagt hat. Ich weiß nicht, wie er zurückkehren könnte."
„Das weiß man nie, Mr Potter. Wer weiß, was uns die Zukunft bereithält... Egal, was Professor Trelawney darüber sagt."
Harry lächelte ihr zu und verließ dann den Raum und Professor McGonagall schloss die Tür wieder hinter sich.
„Verfluchte Bengel!", rief sie mit einer anders klingenden Stimme aus.
Mit eiligen Schritten ging sie auf ihren Koffen zu und machte ihn auf. Drinnen lagen etwa hundert grünliche Fläschchen. Sie ergriff eines und las die Etikette:
VIELSAFTTRANK
„Warum muss das so ekelhaft sein?"
Sie machte das Fläschchen auf und suchte dann nach einem kleinen Beutel in ihrer Tasche. Sie zog eine Haarlocke daraus und ergriff ein einziges Haar, das sie in den Zaubertrank gab.
„Aufs Wohl dieser lieben McGonagall, dass sie mir die Möglichkeit gegeben hat, die neue Verwandlungslehrerin zu werden. Ich wünsche Ihnen, diesen lieben Schniefelus in der Hölle zu treffen."
Mit verzogenem Gesicht trank sie den Zaubertrank mit einem Schluck aus.
oOoOoOo
„Endlich sind Ferien", sagte Ron.
Der Hogwarts-Express hielt im Bahnhof King's Cross und der Bahnsteig war mit Eltern gefüllt, die auf ihre Kinder warteten.
„Nicht ganz, Ron", sagte Hermine. „Für deine Prüfung Ende August musst du noch viel lernen."
„Wir werden in zwei Wochen lernen, wenn wir in Transsylvanien sind", sagte Harry fröhlich. „Jedenfalls ist für mich die Hölle der Ferien vorbei. Keine Tante Petunia, kein Onkel Vernon und kein Cousin Dudley mehr."
„Oh, sprich nicht zu schnell", sagte Mark. „Ich erinnere dich daran, dass wir nicht mehr im Ministerium wohnen. Wir werden zu unserem ehemaligen Haus zurückkehren müssen, ganz nah an Tante Petunias. Wir gehen also das Risiko ein, Dudley zu begegnen."
„So lange ich nicht ständig mit ihnen verkehren muss, ist mir der Rest völlig egal!", sagte Harry. „Schau mal, Mark! Onkel Neil wartet dort auf uns mit Rons und Hermines Eltern und Lunas Vater."
Sie zogen ihre Koffer hinter sich her, um ihre Familien zu treffen.
„Und, war das Jahresende nicht zu schwierig?", fragte Onkel Neil, indem er Marks Koffer nahm.
„Oh nein, Dad. Aber ich bin dennoch ganz froh, zurückzukehren. Wo ist Fanely?"
„Bei deiner Mutter! Sie wartet im Auto auf uns. Wir haben nicht mehr die Möglichkeiten, die uns das Ministerium bot. Also keine Fahrer mehr. Und dieses Jahr werden wir nicht in den Urlaub fahren können, weil wir eine Menge Sachen mit dem Orden des Phönix regeln müssen."
„Es ist schade... Dad... ähm..."
„Was ist los?"
„Nun... ich dachte, dass du dich ärgern würdest, weil wir dir nichts über Harrys Spiegel und dem, was ich mit Malfoy trieb, gesagt haben. Glaub mir, es tut mir Leid."
Zur großen Überraschung aller brach Onkel Neil in lautes Gelächter aus.
„In Merlins Namen! Im Gegenteil sollte ich euch danken, dass ihr mir nichts gesagt habt. Das hätte mich noch mehr gestört und ich hätte mir noch mehr Sorgen gemacht. Und glaube mir, Mark, Minister sein heißt ständig Sorgen haben. In letzter Zeit ärgerte ich mich, sobald irgendeine Fliege im Büro herumflog. Für meine Gesundheit war es besser, dass ich diese Arbeit sofort aufgab."
„Also bist du nicht sauer auf uns?", fragte Harry.
„Natürlich nicht, da alles gut geht! Ich könnte mich aber ärgern, wenn wir nicht sofort von diesem Bahnhof weggehen. Die Atmosphäre ist erstickend!"
Harry seufzte vor Erleichterung. Er verabschiedete sich von Ron, Hermine und Luna und sie versprachen, sich sehr oft zu treffen und einander Nachrichten zu geben, bevor sie nach Transsylvanien reisen würden. Er spürte, dass es die besten Ferien sein würden, die er je gehabt hatte.
