Hallo an alle! Hier kommt das zweite Bonuskapitel, das von Gabrielle Lavande für Harry Potter et le Miroir des Ombres geschrieben wurde. Viel Spaß beim Lesen und vielen Dank an Verliebtindich für ihre Korrekturen.
Disclaimer: Nichts gehört mir, alles gehört zu J.K. Rowling bis auf Neil, Selene und Fanely Evans, die zu Gabrielle Lavande gehören.
Spoiler: Die ersten fünf Bände.
Harry Potter und der Spiegel der Schatten:
Bonuskapitel 2: Trennung zwischen Viktor und Hermine (Hermines POV):
„Hermine, wach auf!"
Schlaftrunken und mit schweren Augenlidern drehte sich Hermine zu ihrem Wecker um.
„Oh! Warum so früh?", fragte sie murrend.
„Es ist der Weihnachtsmorgen!"
Ginny saß nun auf Hermines Bett und rüttelte sie wach.
„Ja, alles klar! Ich stehe schon auf."
Hermine setzte sich in ihrem Bett auf und Ginny ließ sie frei.
„Seitdem wir hier sind, muss ich dich jeden Morgen aus dem Bett ziehen. Das gehört gar nicht zu deinen Gewohnheiten."
„Es ist, weil ich mich davor fürchte, Viktor zu begegnen, und dass uns dein Bruder sieht", sagte sie, indem sie sich die Augen rieb.
„Wenn du sofort mit ihm gesprochen hättest, so hättest du weniger Probleme gehabt. Du lässt die Dinge zu lange dauern."
„Ja, aber ich werde es ihm doch nicht heute sagen."
„Verdammt, wann denn dann? Ehrlich, an der Stelle meines Bruders könnte ich schon misstrauisch werden. Wenn du das dauern lässt, dann heißt es vielleicht, dass du ein bisschen an Viktor hängst."
Hermine drehte sich plötzlich zu Ginny um.
„Glaubst du, dass Ron das denkt? Glaubst du, dass er denkt, dass ich Viktor nichts sage, weil ich Gefühle für ihn habe?"
„Nun, was diese Art von Schlussfolgerungen betrifft, ist er etwas langsam, aber ich bin sicher, dass er es schließlich denken wird, wenn du nichts machst."
Hermine fing an, ins Leere zu schauen und sich vorzustellen, dass sie Ron verlassen würde. Aber mit Viktor zu reden schien ihr die schwierigste Sache auf der Welt, so wie die Enzyklopädie der Zauber und Zaubertränke in 234 Bänden in der Bibliothek zu lesen. Sie war riesig groß und sie fühlte sich lächerlich klein ihr gegenüber.
„Du solltest dich anziehen", sagte Ginny zu ihr. „Sie warten bestimmt auf uns mit dem Frühstück. Und wir müssen Geschenke auspacken. Was wirst du übrigens meinem Bruder schenken?"
„Einen ausschließlich für Hüter in Sonderanfertigung hergestellten Feuerblitz", antwortete sie, während sie immer noch ins Leere schaute.
„Ist das dein Ernst?"
Ginnys Überraschung zog Hermine aus ihrem Traum heraus.
„Ja! Natürlich ist das mein Ernst!", rief sie aus.
„Bist du in Gringotts eingebrochen oder was?"
„Natürlich nicht. Ich habe ein Konto, auf das meine Eltern mir jeden Monat Geld zahlen, seitdem ich drei Jahre alt bin. Da sie mir meine Schulbücher bezahlen, habe ich fast nichts ausgegeben."
Hermine stand auf und streckte sich aus.
„Eine Frage: Was schenkst du Viktor?"
Hermine drehte sich zu Ginny um und verzog seltsamerweise das Gesicht.
„Ein Abo für eine Quidditchzeitschrift."
„Du wirst meinem Bruder einen wunderbaren Besen und Viktor ein Abo schenken? Na denn! Du sollst dich auf ernsthafte Erklärungen mit Krum vorbereiten. Du wirst ihnen nicht entkommen können."
Hermine hatte plötzlich den Eindruck, als würde sie der Blitz treffen, und verzog noch mehr das Gesicht. Sie ging zum Stuhl vor ihrem Schreibtisch, um ihre Kleidung zu holen, als sie ein kleines Geschenk mit rotem Papier, einem golden schimmernden Band und einem Umschlag bemerkte, der direkt darunter lag.
„Was ist das denn?"
„Wovon sprichst du?", fragte Ginny.
„Da ist ein Geschenk mit einem Umschlag ohne Namen darauf."
„Dann mach es auf!"
„Das ist aber vielleicht nicht für mich."
„Für eine intelligente Person bist du ja nicht besonders pfiffig. Es lag auf deinem Schreibtisch, also ist es für dich."
Hermine ergriff den Umschlag und machte ihn auf. Darin war eine Weihnachtskarte mit einem Engel, der einen Stern in den Händen hielt und ständig herumflog. Hermine lächelte ein wenig und machte ihre Karte auf. Als sie das erste Wort las, erhellte sich ihr Gesicht.
„Ist es Ron?", fragte Ginny.
„Ja", antwortete sie lächelnd.
Frage:
Meine sehr geliebte Hermine,
Ich wollte dir dieses Geschenk schon seit einer Weile geben, aber wegen der Ereignisse passte der Moment nie. Vielleicht passt es jetzt auch nicht, aber ich wollte, dass du weißt, was ich empfinde, und ich denke, dass es dir dieses Geschenk zeigen wird.
Ich weiß, dass du in einer schwierigen Lage bist, und vielleicht wird dir das, worum ich dich bitte, etwas kühn vorkommen. Ich möchte, dass du dieses Geschenk nicht als ein einfaches Weihnachtsgeschenk, sondern es als das annimmst, was es bedeutet, ein gegenseitiges Versprechen für eine kommende Beziehung, wenn unser Leben etwas ruhiger sein wird. Nimmst du dieses Geschenk als solches an?
Ich wünsche dir sehr frohe Weihnachten.
Viele liebe Grüße,
Ron.
„Oh! Das ist so süß!"
„Komm schon, mach es auf!", sagte Ginny sehr aufgeregt.
Hermine ergriff das Päckchen, nahm das Papier und das Band weg und machte die Schatulle sanft auf. Ginny blieb bewundernd mit offenem Munde stehen, als sie den fein gravierten Anhängerschmuck mit der Perle in der Mitte sah.
„Es ist wunderschön! Und dazu hat er noch unsere Initialen dahinter eingraviert."
„Es ist viel mehr als das! Nie hätte ich gedacht, mein Bruder wäre so... Mensch, er hat dir doch eine Gefühlsperle geschenkt."
„Eine was?"
„Eine Gefühlsperle. Weißt du nicht, was das ist?"
„Tja, nein", antwortete sie etwas verschämt.
„Das fasse ich nicht, Hermine! Stecke doch mal die Nase aus deinen Büchern heraus! Solche Schmuckstücke sind zur Zeit eine sehr bekannte Mode. Es ist eine sehr seltene Perle, und wenn du sie trägst, so leuchtet die Perle je nach dem, wie mächtig die Gefühle der Person, die sie dir schenkt, zu dir sind. Das hat eine sehr starke Bedeutung. Wenn man eine solche Perle auf einem Ring schenkt, ist es gewöhnlich für einen Heiratseintrag. Es ist nicht die Art von Schmuckstücken, die man nur so hin schenkt, und es ist auch nicht die Art von Schmuckstücken, die man nur so hin trägt. Ich kann mir gut Pansys Ausdruck vorstellen, wenn sie diese Perle sehen wird: Sie wird ganz verrückt werden! Sie, die glaubt, dass Ron Krum gegenüber nichts ist als ein herzloser Blödian, das wird ihr das Maul endlich stopfen."
Hermine hörte Ginnys langer Rede kaum zu, sondern schaute den Anhängerschmuck an, der an seiner Kette hing, und insbesondere die Initialen, die dahinter eingraviert waren.
„Trage ihn!"
„Was?", fragte Hermine, als würde sie von einem Traum erwachen.
„Trage ihn! Du wirst es sehen, sie wird glänzen. Entweder es ist ein weißes Licht, oder es schimmert in allen Farben... ich denke eher an den zweiten Fall."
„Und was ist der Unterschied?"
„Es ändert nichts zur Intensität der Gefühle, aber Ron hat die Perle wahrscheinlich beeinflusst, wenn er sie seit einer Weile besitzt, wie er es schreibt. Wenn es über zwei Monate her ist, so glänzt sie in allen Farben des Regenbogens. Das macht den Schmuck etwas wertvoller."
Mit einem Lächeln auf den Lippen bereitete sich Hermine vor, sich das Halsband umzuhängen.
„Und was wirst du Krum sagen, wenn er den Schmuck sehen wird?"
Hermine hielt plötzlich in ihrer Bewegung inne, dann zuckte sie mit den Schultern.
„Na, er wird ihn nicht sehen, wenn ich ihn unter meiner Bluse hängen lasse."
„Dir ist doch bewusst, dass du sehr schnell mit Krum wirst reden müssen, wenn du diesen Schmuck annimmst. Und wenn ich „schnell" sage, so heißt es, das heute der beste Tag wäre... vor allem, wenn man die Geschenke betrachtet, die du den beiden geschenkt hast."
Hermine seufzte tief.
„Dann werde ich es tun. Ron hat sich mir gegenüber so sehr bemüht und ich habe nichts für ihn getan. Ich bin es ihm wohl schuldig."
Hermine hängte das Halsband um ihren Hals und plötzlich glänzte es mit verschiedenen Farben, vom Roten über das Grüne und das Blaue bis zum Violetten.
„Über zwei Monaten, das hatte ich dir gesagt! Na, jetzt musst du dich anziehen, wir werden uns verspäten."
Hermine schaute, wie der Schmuck glänzte, während sie sich im Spiegel des Zimmers anschaute. Sie war glücklich und geriet zugleich in Panik. Sie musste einen Moment finden, um mit Krum zu reden, dachte aber, dass – egal, was sie an jenem Tag tun würde – es nur alles verschlimmern könnte.
Sie zog sich an und ließ ihren Schmuck unter ihrer Bluse hängen, dann atmete sie tief ein und ergriff eine Feder und ein Stück Pergament.
Antwort:
Sehr geliebter Ron,
Du hast mir das schönste und das wunderbarste Weihnachtsgeschenk gegeben und ich nehme es mit Freude an. Ich weiß, dass die Lage auch für dich unangenehm ist und dass ich bis dahin nichts getan habe, damit sich alles arrangiert. Es wird sich aber arrangieren, wenn es noch nicht der Fall ist, wenn du diese Worte lesen wirst.
Ich hoffe, dass dir mein Geschenk so sehr gefallen wird wie mir deines, denn es stellt die gleichen Gefühle dar, die du zu mir hast.
Mit vielen lieben Grüßen,
Hermine.
„Können wir gehen?", fragte Ginny.
„Augenblick noch. Ich werde einen Zauber wirken, damit dieser Brief in seinem Geschenk landet."
Hermine machte es, steckte ihren Zauberstab wieder in ihre Tasche und machte die Tür des Zimmers auf. Viktor Krum, der gerade klopfen wollte, erschien ihr gegenüber. Hermine blieb mit offenem Munde stehen.
„Hallo, Hermine!", sagte er, indem er sie auf die Wange küsste. „Dürfte ich einen Augenblick mit dir reden?"
Hermine blieb eine Weile weiter mit offenem Munde stehen und fing an zu stottern.
„Hm... tja... hallo... ja klar... wir werden reden."
„Hallo Viktor. Ich lasse euch zusammen... Ich wünsche euch ein schönes Gespräch."
Hermine sah Ginny drängend an, während Letztere Krum lächelnd anschaute. Sie schlich sich hinaus.
„Na, komm herein", sagte Hermine, indem sie die Tür weiter aufmachte. „Alles in Ordnung?"
„Na, ja, ja", sagte Krum.
„Setze dich bitte. Was kann ich für dich tun."
„Eigentlich wollte ich mit dir über unsere Beziehung reden."
Hermine blieb wie angewurzelt stehen und setzte sich schließlich Krum gegenüber, der gebeugt auf seinem Stuhl saß.
„Ja... ich höre dir zu."
„Du weißt, dass ich dich sehr mag und dass ich sehr froh bin, mit dir im Urlaub zu sein."
Hermine nickte linkisch.
„Seitdem ich aber da bin, habe ich den Eindruck, dass du nicht mehr die gleiche bist. Dass du nicht die gleiche Person bist, der ich schreibe."
„Ach!", rief Hermine aus.
Sie fühlte, wie sich ein Kloß in ihrem Hals bildete.
„Also bin ich gestern zu Harry und Ron gegangen, um sie zu fragen, ob sie bemerkt hätten, dass du dich mit mir anders verhältst."
„Und..."
„Und sie haben mir gesagt, dass du ganz normal bist. Dass du oft zur Bibliothek gehst, wie damals, als wir uns kennen gelernt haben."
Hermine lächelte verkrampft und wartete darauf, dass Viktor weitersprach.
„Also habe ich gedacht, dass du dich schließlich nicht verändert hast. Dass ich es vielleicht bin, der sich geändert hat... Ich bin nicht mehr in der Schule, ich arbeite. Und wir sind weit weg voneinander, also fühlen wir uns nicht sehr wohl, wenn wir uns wiedersehen. Wenn ich Ron von dem reden höre, was ihr mit Harry zusammen in der Schule erlebt, habe ich den Eindruck, dass ihr euch sehr gut miteinander versteht und dass wir solche Dinge nie werden erleben können. Siehst du, wo ich hinwill?"
„Ja, ich sehe."
„Also verstehst du, dass ich wieder weg und mit meiner Familie die Weihnachtsferien verbringen möchte. Wir sollten einander nur weiter als Freunde schreiben, was denkst du darüber?"
„Ich wäre davon begeistert", sagte Hermine mit einem breiten Lächeln.
Viktor Krum seufzte tief.
„Ich bin froh, dass du es gut aufnimmst! Ich fürchtete mich so sehr vor deiner Reaktion und vor der Tatsache, dass du meinetwegen leiden könntest. Aber ich habe gedacht, dass du dich mit Ron und Harry so viel besser verstehst als mit mir. Da wir übrigens über Ron reden: Ich denke, dass er eine leichte Zuneigung zu dir empfindet, weil er immer verstört aussieht, wenn ich mit ihm über dich rede."
„In der Tat?", fragte Hermine mit einem unschuldigen Ausdruck.
„Ja, in der Tat, das versichere ich dir", antwortete Krum. „Ich bin mir sicher. Weise den armen Kerl bitte nicht zu schnell zurecht. Er wäre zutiefst enttäuscht, er ist ein braver Junge."
„Ich werde mich darum bemühen, nett zu ihm zu sein", sagte Hermine lächelnd. „Gehen wir zu den anderen? Ich verhungere."
Hermine und Viktor verließen das Zimmer und gingen zur Eingangshalle, wo jeder zum Auspacken der Geschenke wartete.
