Hallo an alle! Hier ist das erste Kapitel der Fortsetzung von Gabrielle Lavandes Geschichte Harry Potter et le Miroir des Ombres. Dieser zweite Teil von Gabrielle Lavandes Geschichte wurde im Original Harry Potter et la clé de l'autre monde betitelt. Ich hoffe, diese Fortsetzung wird euch so sehr gefallen wie der erste Teil und wie sie mir gefallen hat. Danke an Verliebtindich, meine Betaleserin.
Disclaimer: Alle Orte und Charaktere, die ihr schon aus den Büchern von J.K. Rowling kennt, gehören zu ihr und zur Warner BrosTM. Die anderen Charaktere gehören zu Gabrielle Lavande. Nichts gehört zu mir außer der Übersetzung.
Harry Potter und der Schlüssel zur anderen Welt.
Kapitel 1: Weit weg vom Ligusterweg:
„Harry! Mark! Es ist Abendessenszeit! Neil kommt gleich zurück!"
„Ich komme, Tante Selene!"
Harry kam so plötzlich aus seiner Träumerei, dass sich ein großer Tintenfleck auf dem Pergament ausbreitete.
„Mensch!"
Allein in seinem Zimmer an seinem Arbeitstisch sitzend zerriss er sein Pergament und warf es weg. Er würde seinen Brief nach dem Abendessen wieder schreiben.
Harry atmete tief ein und aus, dann beugte er sich an sein Fenster und schaute in der Ferne auf das Dach eines kleinen Hauses einige Straßen von hier entfernt. Dieses Haus vom Ligusterweg Nummer vier war gleichzeitig so weit weg und so nah. Er lächelte unwillig. Am heutigen Tag hatte er dieses Haus seit schon einem Jahr verlassen und seither hatte er keine Nachrichten seiner Bewohner bekommen. Gar keine. Das überraschte ihn nicht. Wie hätte es auch anders sein können? Er hatte fünfzehn Jahre lang dort gelebt, ohne als ein echtes Familienmitglied betrachtet zu werden. Schließlich war er ein Hauself. In den Augen seines Onkels, seiner Tante und seines Cousins Dudley war er nichts mehr wert. Und da er wieder daran dachte, erinnerte er sich daran, dass ihm dieses Haus nur Probleme verursacht hatte, er hatte dort fünfzehn schreckliche Jahre gelebt. Natürlich bedauerte er es nicht, dass er Hogwarts betreten hatte, noch bedauerte er alle Leute, die er dort getroffen hatte, umso weniger seine Freunde, dennoch war er sich in jenem Augenblick bewusst, dass sich alles ab dem Tag verbessert hatte, als Onkel Neil und Mark durch die Tür vom Ligusterweg Nummer vier eingetreten waren. In diesem verfluchten Haus hatte er mit Leuten gelebt, die ihn nicht liebten, er hatte die Rückkehr des Mörders seiner Eltern, den Tod seines Patenonkels Sirius erlebt, ohne zu wissen, dass er in diesem anderen Haus, wo er sich gerade befand, ein anderes Leben hätte leben können. Ein angenehmeres Leben mit Leuten, die ihn lieben würden, und in dem alles ganz gut zu sein schien. Kurz und gut, ein Ort, wo alles normal war und wo ein echtes Familienleben herrschte.
„HARRY! WAS MACHST DU DENN DA? WARTEST DU DARAUF, DASS STINKBOMBEN VOM HIMMEL FALLEN?"
„JA! ICH KOMME, ICH KOMME!"
Harry seufzte. Eigentlich war in seinem Leben die Normalität ganz relativ. Immerhin gab es nichts Normaleres als einen Zauberer in einer Zaubererfamilie. Jedoch war ein Zaubererhaus in einer Muggelumgebung etwas anders. Man konnte nicht sagen, dass das Haus der Evans' ganz zu den Nachbarhäusern passte. Das war etwa wie jener Stinkbombenregen, etwas, was die Landschaft in einem Viertel entstellen würde, wo sich alle Häuser ähnelten. Vielleicht mochte Harry dieses Haus daher. Übrigens hatte er es seit seiner Kindheit immer geliebt, so weit er sich erinnern konnte, ohne zu wissen, wer darin lebte. Es stimmt aber, dass man dieses Haus nur bewundern kann, wenn man fünf Jahre alt ist.
Er bemerkte eine Gruppe von Kindern der Nachbarschaft, die auf dem Bürgersteig dem Haus gegenüber spielten.
„Nehmen wir das Schloss ein und wir werden die Prinzessin vom großen brüllenden Drachen befreien!", rief einer unter ihnen aus.
Harry lächelte wieder. Wenn sie wüssten, was ein echter Drache ist, so würden sie viel weniger lachen, und trotz der legendären Wutanfälle, die ihn im Viertel berühmt machten, ähnelte Onkel Neil einem Drachen überhaupt nicht. Denn jener „brüllende Drache" konnte nur Onkel Neil sein.
Was das Schloss betraf... Das war nicht ganz so groß, wenn man es mit Hogwarts verglich, aber es sah jedoch ähnlich aus. Bis auf die Tatsache, dass die Mauer nicht bräunlich waren, wie sich jeder vorstellt, wenn es um Schlösser geht, sondern leuchtend malvenfarbig mit violetten Ziegelsteinen. Aber es gab ja zwei nicht ganz hohe Türme, die von einer zackigen Mauer getrennt waren, in der eine Eichentür zu sehen war.
„Das Werk eines Verrückten. Das ist ein Verrücktenhaus!", rief die Nachbarschaft aus.
'Verrückt und stolz darauf', dachte Harry. Komischerweise fühlte er sich mit diesem Ausdruck richtig am Platz.
Und jene Prinzessin... Fanely? Nein, sie ging beinahe nie aus... Das war zu riskant. Sie war etwas zu 'seltsam' für die Muggelnachbarschaft. Sie ging nur äußerst selten aus und nur mit möglichst viele Kleidungsstücken an. Eine dreijährige Metamorphmagus war etwas zu jung, um ihre Macht zu kontrollieren, und Tante Selene blieb bei ihr während des Tags. Harry dachte an eine andere Prinzessin, die hatte kommen sollen... Daher drängte man so sehr, dass er nach unten ging!
Harry ging die Treppe zu seiner Tante herunter und traf sie, die wahrscheinlich zu ihm hinaufstieg.
„HAR... Ach, endlich hast du dich dazu entschlossen, herunter zu gehen!", fügte Tante Selene etwas leiser hinzu. „Dein Onkel sollte bald ankommen aber jeder ist schon da!"
„Das glaube ich, verstanden zu haben! Luna ist hier?"
„Ruhe, mein Herr! Luna steht im Garten mit Ginny, Neville und Mark. Aber zuerst begleitest du mich zum Wohnzimmer, wir haben andere Gäste, so weit ich weiß."
„Ja, natürlich, Tante Selene, aber..."
„Aber ihr habt Hogwarts erst vor fünf Tagen verlassen und zwei Minuten mehr werden dich nicht umbringen", antwortete Selene ironisch. „Die Jugendlichen! Ich hoffe, dass Mark nicht so sein wird wie du, wenn er so alt sein wird."
„Ohne dich zu kränken, Tante Selene, in seinem Alter hatte ich keine 'Liliana', wenn du verstehst, was ich meine", sagte Harry, indem er seine Tante aus dem Augenwinkel ansah.
Tante Selene seufzte tief.
„Eben das beängstigt mich."
Harry folgte seiner Tante ins Wohnzimmer. Die Eltern seines Freundes Ron, Arthur und Molly Weasley, waren mit Staub bedeckt und reinigten ihre Kleidung mit einem Glas in der Hand, während Frank und Alice Longbottom neben ihnen standen. Auf der anderen Seite des Raums saßen David Lovegood, Tonks, die ihre langen blauen Haare zu einer braven Frisur gekämmt hatte, so wie Professor Lupin und Professor Moody auf den blauen Sofas mit Sternmotiven, die die Evans' so sehr mochten, und lachten laut... tja, wenn man „laut lachen" sagen darf, was Professor Mad-Eye Moody betraf. Aber er sah ja weniger düster aus als sonst. Harry schritt zuerst zu ihnen, um sie zu grüßen.
„Guten Abend!"
„Guten Abend, Harry!", rief Tonks aus, bevor sie in ein lautes Gelächter ausbrach, das sie hinderte zu atmen.
„Na denn, Nymphy, bleib anständig! Hallo, Harry!", sagte Remus, der sein Lachen einen kurzen Moment verkniff, bevor er es nicht länger anhalten konnte.
„Um Merlin! Wenn man bedenkt, dass diese beiden da Auroren sind!", fügte Moody hinzu. „Ehrlich, Sie brauchen nur wenig, um aus der Fassung gebracht zu werden!"
„Professor Lupin, Sie sind Auror geworden?"
Professor Lupin versuchte vergeblich, Harry zu antworten. Nun hielt er sich den Bauch und versuchte, wieder zu atmen.
„Ja", sagte schließlich David Lovegood, dessen Augen intensiv glänzten. „Tja, außer der einigen Tage im Monat, wenn er ein grausames blutrünstiges Ungeheuer wird."
Bei diesen Worten lachten Tonks und Lupin umso lauter, während Moody ein breites Lächeln hatte.
„Ich denke, dass du ja diesen Status als Auror wohl verdientest, da du den schlimmsten Drachen gegenübersitzen musstest! Nicht wahr, Remus?", fügte David Lovegood hinzu und prustete los.
Harry bat nicht um Erklärungen, die wegen der Lachanfälle lang und schwierig gewesen wären. Die Gäste schienen sich nicht einmal bewusst zu werden, dass sich Harry von ihnen entfernte, um die Longbottoms und die Weasleys zu treffen.
„Guten Abend, Harry!", sagte Molly Weasley. „Na, wie geht es dir?"
„Gut! Und Ihnen?"
„Oh, der Fuchsbau ist viel zu groß für drei Leute. Seitdem die Zwillinge in der Nähe ihres Ladens eingezogen sind und Ron im Urlaub ist, sieht das Haus ganz leer aus. Übrigens denke ich, dass er mich vergessen hat, dieser kleine Undankbare hat mir noch keine Eule geschickt. Er hätte ja an uns, seine Eltern, denken können, ich habe ihm doch erlaubt, mit den Grangers Urlaub zu machen."
„Nicht doch, Molly!", rief Arthur Weasley aus. „Er ist erst seit zwei Tagen weg und er kommt in etwas mehr als eine Woche wieder. Lass ihm Zeit, sich zu erholen! Vor allem, weil es Muggel sind, sie haben nicht die gleichen Transportsmittel wie wir. Sie sind ja vielleicht nicht einmal angekommen."
„Und wo sind sie eigentlich hingegangen?", fragte Alice Longbottom.
„Nach Norditalien", antwortete Rons Vater. „Sie wissen, sie haben diese fliegenden Dinge genommen, die uns Probleme machen, was den Luftschutz unserer Quidditchstadien betrifft."
„Ein Flugzeug", sagte Harry.
„Das ist es! Danke, Harry!"
„Um Merlin!", rief Frank Longbottom aus. „Und fürchtet er sich nicht davor, diese Dinge zu benutzen?"
„Bitte reden Sie nicht länger darüber!", sagte Mrs Weasley. „Ich zittere schon genug für ihn und die Tatsache, dass ich keine Nachrichten von ihm bekomme, beängstigt mich umso mehr. Sag mal, Harry, hast du Nachrichten bekommen?"
„Keine", antwortete Harry. „Aber machen Sie sich keine Sorgen, ich denke, dass alles gut geht. Vielleicht hat er dort, wo er ist, Schwierigkeiten, eine Eule zu finden, da er Pig nicht mitnehmen konnte. Ich schrieb ihm eben einen Brief, bevor ich heruntergekommen bin. Wenn ich damit fertig bin, werde ich ihm Hedwig schicken. Er wird mir ganz sicher antworten und ich werde Ihnen Nachrichten von ihm geben."
„Danke Harry", antwortete Mr Weasley, der seiner beängstigten Frau gegenüber seine Dankbarkeit zeigte. „Du solltest die anderen draußen treffen."
„Ja, ich gehe zu ihnen", antwortete er, indem er sich mit einer Handbewegung von ihnen verabschiedete.
Harry wandte sich zur großen Fensterfront, durch die er Mark, Neville, Luna und Ginny erblickte, die um einen großen Kirschbaum im Garten der Evans' standen und miteinander sprachen. Er machte die Glastür auf und eilte zu seinen Freunden.
„Na, endlich würdigt es mein lieber Cousin, sich zu zeigen! Wenn ich dir sofort Bescheid gesagt hätte, dass Luna da war, dann wärst du hinuntergestürzt."
„Und ich würde immer noch oben sitzen, wenn mich die Nachbarn nicht benachrichtigt hätten, dass du da bist, Luna."
„Deine Nachbarn?", fragte Luna.
„Kinder, die in der Gegend spielten... ich werde es dir erklären!", sagte er, indem er sie schnell küsste.
„Na, jedenfalls ist es nett für uns!", rief Ginny aus. „Der Herr würde nicht hinunterkommen, um die anderen zu treffen."
„Sprich keine Blödheiten! Ich schrieb gerade an Ron und ich wollte meinen Brief fertig schreiben, bevor ich hinunterkam... und übrigens habe ich ihn nicht mal beendet."
„Oh! Dann soll ich mich verbeugen, dass man dich so früh unter uns sieht?", fügte Ginny hinzu, indem sie eine Verbeugung machte.
„Bitte, Miss! Na, wie geht's Susan?", fragte Harry Neville. „Meine Tante wollte sie einladen, aber offenbar sind die Bones' im Urlaub."
„Ich habe keine Nachrichten", sagte Neville traurig.
„An deiner Stelle würde ich nicht so traurig sein", erwiderte Ginny. „Sie wird dir eine kleine Karte schicken. Auch Dean hat Zeit gebraucht, bis er mir eine geschickt hat... Aber ich glaube, dass ihn mein Heuler ein wenig hat reagieren lassen. Mach dir also keine Sorgen. Und wo ist sie?"
„In Irland. In der Gegend von Dundark."
„Dann ist es ganz normal! Dean hat Familie dort und in Irland wirkt die Post langsamer. Er selbst hat es mir in seinem Brief gesagt, denn er ist auch dort, aber in einer anderen Stadt namens Drogheba. Er wollte die irische Mannschaft trainieren sehen, um besser Quidditch zu spielen. Er hat mir gesagt, dass er uns Fotos mitbringen wird."
„Auch ich habe das getan, als ich jung war! Die Reise nach Irland war eine meiner schönsten."
„Guten Abend Mr Evans!", sagte Luna, indem sie sich zu Harrys Onkel umdrehte, der eben bei ihnen appariert war.
„Hallo! Hallo an alle! Sag mal, Mark, ist deine Mum nicht zu wütend? Ich musste einen Umweg machen."
„Da Arthur Weasley schon seit einer Weile da ist, so fragte sie sich, warum du zu spät bist."
„Ich musste aber jetzt dahin gehen, sonst würde es für Harry schwieriger werden. Nimm das, Harry!"
Harry ergriff ein kleines rotes Büchlein, das ihm sein Onkel zugeworfen hatte.
„Was ist..."
„Mach es doch auf, du wirst verstehen!"
Harry machte das Büchlein auf der ersten Seite auf und las:
Apparierenlehrbuch
„Apparieren? Aber ich..."
„Du bist noch keine siebzehn Jahre alt, aber am Ende des Monats wirst du es werden, und da deine Ferien zwischen deinem Aufenthalt in Transsylvanien in anderthalb Wochen und deine Revision für die Aufnahmeprüfung als Auror ziemlich belastend sein werden, so habe ich gedacht, dass du die Apparierprüfung an deinem siebzehnten Geburtstag machen solltest. Vertraue mir, wenn du bis dahin regelmäßig übst, dann wirst du einfach bestehen. Das ist viel weniger schwierig als es scheint. Und das ist sehr wichtig, in deinem Alter die Prüfung zu machen."
„Ich hoffe es", fügte Neville hinzu. „Meine Eltern haben mir das gleiche Büchlein gegeben, sobald ich in Londen aus dem Hogwarts-Express gestiegen bin. Ich fange meine Ausbildung morgen an."
„Gut! Ich denke, dass Harry mit dir dahin kommen könnte. Ich habe davon profitiert, um Ron und Hermine anzumelden, wie mich ihre Eltern darum gebeten haben, aber ich denke, dass sie der Schnellausbildung werden folgen sollen, da auch sie ihre Prüfungen Ende August haben."
„Aber Hermine macht die Aurorprüfung nicht. Jedenfalls hat sie es mir nicht gesagt!", erstaunte sich Harry.
„Sie macht sie auch nicht!", rief Luna aus. „Ich wusste nicht, dass Sie Bescheid wussten, Mr Evans. Wie haben Sie das gewusst?"
„Selene hat es mir gesagt. Als Lehrerin in Hogwarts weiß sie solche Sachen."
„Und... hm... Dürfte man Bescheid wissen?", fragte Ginny.
„Ich glaube, dass Hermine die Nachricht nicht allen geben wollte, bevor sie es Ron gesagt hatte. Daher hat sie es dir nicht gesagt, Ginny."
„Was gesagt?"
„Sie macht die Muggelprüfungen."
„Was?", rief Mark aus. „Sind ihr die UTZ-Prüfungen am Ende des Jahres nicht genug?"
„Man sieht wohl, dass du Hermine nicht richtig kennst", erwiderte Harry. „Das ist sie Ebenbild."
„Ich glaube vor allem, dass sie in Panik gerät", sagte Ginny. „Sie weiß immer noch nicht, was sie später machen will, also erweitert sie die Möglichkeiten."
„Das denke ich auch", fügte Luna hinzu. „Sie fürchtet sich nicht vor den Prüfungen noch vor der Tatsache, auf die Ergebnisse zu warten, sondern sie gerät in Panik, wenn sie sich fragt, was sie später tun wird."
„ZU TISCH!", schrie Tante Selene vom anderen Ende des Gartens her.
„Wir sollten gehen, bevor meine Frau die ganze Stadt hereinkommen lässt", sagte Onkel Neil.
Die Kinder, die auf der Straße spielten, fingen plötzlich an, alle zusammen zu schreien. Jener „brüllende Drache" war schließlich vielleicht doch nicht Onkel Neil.
