Hallo an alle! Und hier kommt das nächste Kapitel von Gabrielle Lavandes Geschichte Harry Potter et la Clé de l'autre monde. Viel Spaß beim Lesen und vielen Dank an Verliebtindich für ihre Verbesserungsvorschläge und Korrekturen.

Disclaimer: Wie immer, nichts gehört zu mir, beinahe alles gehört zu JK Rowling und der Warner Bros und weder ich noch Gabrielle verdienen Geld mit dieser Geschichte.

Harry Potter und der Schlüssel zur anderen Welt

Kapitel 3: Apparierkurs

Lieber Ron,

ich hoffe, dass für dich alles gut läuft und dass dein Urlaub angenehm ist. Ich hatte gestern einen ziemlich gut ausgefüllten Abend: Tonks und Lupin begleiten uns nach Rumänien, Ginny und Luna haben ihre Prüfungsergebnisse bekommen (ich denke übrigens, dass dir Ginny gerne selbst von ihren Ergebnissen erzählen würde), Lupin ist Auror geworden. Kurz und gut, ich habe euch Tausende Dinge zu erzählen.

Mein Onkel hat mich heute zum Apparierkurs angemeldet und hat Hermine und dich auch mit angemeldet. Ich fange den Kurs morgen mit Neville an und werde die Prüfung zum Monatsende machen.

Du solltest dich am besten beeilen zu antworten, denn deine Mutter steht am Rand einer Nervenkrise,

„Nervenkrise?", fragte Mark. „Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben."

„Vielleicht, aber für Hedwig ist es eine lange Reise und Mrs Weasley wird tatsächlich eine Nervenkrise bekommen, wenn sie bei ihrer Rückkehr von Italien keine Nachrichten von Ron dabei hat."

daher empfehle ich dir, ihr eine Karte zu schicken. Hedwig wird sich freuen, sie ihr zu bringen.

Bis bald

Harry

PS: Mark grüßt euch auch und fragt dich, ob die Reise in einem Flugzeug nicht zu erschreckend ist.

„Hedwig! Komm her!"

Die Schneeeule, die in ihrem Käfig schlief, wachte plötzlich auf und landete auf dem Schreibtisch. Harry gab ihr einen Eulenkeks, den sie fraß, während er den Brief an ihr Bein hängte.

„Bringe das zu Ron! Und sei während der Reise vorsichtig."

Hedwig flog durch das Fenster ab und Harry, der seine Feder auf den Schreibtisch gelegt hatte, streckte sich aus.

„Es ist bald 01:00 morgens, und heute musst du um 10:00 im Apparierzentrum sein."

„Ich weiß", antwortete Harry, bedeckte das Gesicht mit beiden Händen und fiel auf sein Bett. „Ich bin erschöpft. Ich glaube, ich muss jetzt schlafen."

„Ich lass dich dann. Gute Nacht!"

„Gute Nacht, Mark. Und mach bitte das Licht aus, wenn du rausgehst", gähnte Harry.

„Warum?", fragte Mark. „Ich weiß, für dich wäre es zu viel verlangt, aufzustehen, da du dich gerade in dein Bett hast fallen lassen, aber du wirst jetzt Siebtklässler, als solcher darfst du zaubern. Du scheinst deine neue Freiheit nicht zu genießen. Eine Zauberstabbewegung reicht."

Harry war von dieser Bemerkung überrascht und blickte zu seinem Cousin hinauf. Das stimmte. Er war alt genug, dass er apparieren und Magie außerhalb von Hogwarts wirken durfte. Er ergriff den Zauberstab, der auf dem Nachttisch lag.

„Da hast du Recht. Ich hatte nicht daran gedacht. Danke!"

Harry zauberte das Licht aus und schlug durch Magie die Tür hinter seinem Cousin zu.

„Ich glaube, ich werde es bedauern, es dir gesagt zu haben."

„Bestimmt, Cousin", antwortete Harry mit einem Lächeln. „Gute Nacht!"

Harry hörte, wie sich Mark meckernd entfernte. Es ließ ihn lächeln. Sein Lieblingszeitvertreib war es geworden, seinen Cousin zu sticheln. Doch es hatte nichts mit Dudleys Schadenfreude zu tun, wenn er Harry quälte. Am nächsten Morgen wäre es schon vergessen.

Der Gryffindor drehte seinen Zauberstab zwischen seinen Fingern. Er machte sich Sorgen wegen des nächsten Tages. Er erinnerte sich an Fred und George Weasleys Enthusiasmus, als sie ihre Apparierprüfung bestanden hatten, und wenn er daran dachte, freute er sich darauf, das gleiche machen zu können.

Seine Augen fielen langsam zu, ohne dass er es merkte. Er wusste, dass er in dieser Nacht schon wieder von jenem Tag träumen würde. Der, an dem der Spiegel der Schatten zerbrochen war. Der, an dem Professor Snape versucht hatte, ihn zu ermorden, ehe seine Seele endgültig im Spiegel gefangen wurde, den ihm Sirius geschenkt hatte. Er erlebte wieder all diese Szenen und wünschte sich dabei, alles wäre so anders gelaufen.

Und dann kam der Moment, wo sich Harry verloren fühlte. Diese Szene, wo er entwaffnet war und versuchte, seinen Spiegel zu benutzen, um sich gegen einen Dementoren zu wehren, der den kleinen Gegenstand mit einer Handbewegung gegen die Wand geschleudert hatte. Diesmal hatte er zugeschaut, wie Sirius' letztes Geschenk an der Wand zerbrach, als würde die Szene im Zeitlupentempo geschehen. Kaum hatte der Spiegel die Steinwand berührt, als schon hunderte von Splittern langsam wegflogen und das Licht des Raums widerspiegelten. Harry fühlte, wie sich sein Herz zusammenzog, als er sah, wie die Überreste des Spiegels am Boden verstreut lagen. Doch sein Traum verlief ab dann auf eine seltsame Weise. Diesmal näherte sich der Dementor langsam. Was machte denn Neville? Er war doch in genau diesem Augenblick erschienen. Harry versuchte, den Namen seines Freundes zu schreien, damit er ihn rettete, doch kein Wort entkam seinen Lippen, während sich der Kuss des Dementors gefährlich näherte. Harry spürte eine eisige Kälte an seiner Wange. Es war vorbei. Er spürte schon, wie er sterben würde, als er einen Druck gegen seine Wange fühlte.

Dann stoppte der Traum plötzlich und verlief wieder anders, als wäre er im Nu an einen anderen Ort appariert. Er stand in einem alten, schlecht beleuchteten Haus aus Steinen. Ihm gegenüber stand eine junge Frau, die ihm den Rücken zugewandt hatte. Sie streckte seltsamerweise den Arm aus. Harry schritt nach vorne. Er war überrascht und sein Mund war weit geöffnet, doch er wusste nicht wieso. Die junge Frau drehte sich plötzlich zu Harry um. Harry fühlte zum zweiten Mal, wie sich sein Herz zusammenzog. Es war Aldysse Irre, die ihn mit ihren großen taubenblauen Augen streng anstarrte. Ein Blick, der ganz anders war als der, den sie im Denkarium hatte. Der blutrote tränenförmige Fleck zog seinen Blick an. Aldysse näherte sich Harry und sah ihm eindringlich in die Augen. Dann bemerkte er, wie sich ihr Mund langsam bewegte und ein kaum hörbarer Ton daraus kam:

„Danke."

Aldysses Augen schlossen sich und sie stürzte bewusstlos zu Boden. Sie war so steif, als wäre sie tot.

Harry schreckte aus dem Schlaf hoch. Er trug immer noch die gleiche Kleidung wie am vorigen Abend. Er war so schnell eingeschlafen, dass er keine Zeit gehabt hatte, sich umzuziehen. Laut der Standuhr, die im ganzen Haus schlug, war es 08:00. Dieser Traum hatte ihn schockiert. Er dachte nicht, dass ihn das Gesicht von Träne so sehr beunruhigt hatte, als er sie im Denkarium gesehen hatte, dass er einen solchen Albtraum gehabt hatte. Vielleicht war es eben diese Träne auf Aldysse Irres Wange, die ihm diesen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte.

„Es war bloß ein Traum. Nur ein Traum", wiederholte Harry sich.

Er seufzte tief und lachte plötzlich auf, dass ihn ein einfacher Traum so sehr erschreckt hatte. Manchmal sahen Träume so real aus, dass sich die Realität nun schwer im Geist wieder einprägte.

Harry stand schnell auf, zog sich um und ging langsam zur Küche hinunter. Der köstliche Geruch ofenfrischer Muffins führte ihn sicherer als seine schlaftrunkenen Augen. Tante Selene drehte Pancakes in der Pfanne um, während Onkel Neil frühstückte und dabei einen Ordner durchblätterte, aus dem Pergamentblätter herausschauten.

„Morgen!", gähnte Harry.

„Morgen, mein lieber Neffe. Na, ist man nicht mehr daran gewöhnt, so früh aufzustehen?"

„Ich werde mich sowieso daran gewöhnen müssen, früh aufzustehen. Während der Ferien werde ich schon ziemlich beschäftigt sein."

Harry gähnte wieder. Neil starrte ihn ernsthaft an.

„Du hast noch mal den gleichen Traum gehabt, oder?"

Harry zögerte einen Augenblick, dann antwortete er:

„Mach dir keine Sorgen, Onkel Neil. Ich bin daran gewöhnt."

„Harry!", seufzte er. „Du bist alt genug und du weißt, dass ich dich nicht zwingen will, aber jetzt steht deine Gesundheit auf dem Spiel. Das sind schon über zwei Jahren, dass deine Träume deinen Schlaf beeinträchtigen, und jeden Tag stehst du erschöpfter als am vorigen Tag auf. Vorher war es Voldemort, dann der Spiegel und jetzt diese Alpträume."

„Aber das ist bloß, weil ich gestern Abend spät ins Bett gegangen bin..."

„Ich will nichts hören! Diesmal besuchen wir einen Heiler, damit er dir etwas gibt und du normale Nächte durchschlafen kannst. Und Meckern hilft nichts!"

„Ja, Onkel Neil", murrte Harry.

„Vielleicht solltest du heute nicht zu deinem Apparierkurs gehen."

„Es wird gehen! Sobald ich gefrühstückt habe, werde ich mich besser fühlen."

Harry setzte sich an den Tisch, schenkte sich Kaffee ein und griff nach einem warmen Muffin. Plötzlich hörte man einen Höllenlärm im Wohnzimmer der Evans.

„AUA!", rief eine bekannte Stimme aus.

„Na. Anscheinend ist Neville gerade angekommen", sagte Harry schläfrig, während er seinen Milchkaffee umrührte.

„Um Merlins Willen!", rief Tante Selene aus. „Ich habe es vergessen, meinen Kessel vom Kamin zu nehmen."

Sie eilte zum Wohnzimmer, von ihrem Mann und ihrem Neffen gefolgt. Eine orange Flüssigkeit war auf dem Holzboden verteilt worden und Neville, der wieder aufstand, kämpfte wild gegen seine eigene Kleidung.

„Oh, Neville, beweg dich nicht!", meinte Tante Selene, öffnete einen Schrank voller Fläschchen und ergriff eines. „Nimm, trink schnell daraus."

Neville trank das Fläschchen in einem Zug aus und hörte plötzlich auf um sich zu schlagen.

„Oh, das tut mir Leid, Neville. Ich hatte vergessen, den Kessel wegzunehmen!"

„Es ist nichts, Professor Evans", antwortete er atemlos. „Es ist bloß, dass dieser Zaubertrank auf der Haut brannte."

„Oh ja! Das weiß ich!", antwortete sie. „Und das tut er immer noch, aber ich habe dir einen Trank gegen Brandwunden aus Salamanderblut gegeben."

„Na, das erinnert mich vage an etwas", lächelte Harry und erinnerte sich wieder an den ersten Unterricht mit Tante Selene.

„Hoffentlich mehr als vage", meinte Tante Selene, die offensichtlich von der Bemerkung ihres Neffen verärgert war. „Es würde dir gut tun, den Stoff deines Zaubertrankunterrichts zu wiederholen, denn es gehört nicht zu deinen Stärken, Harry. Und anstatt dich über das Los deines Freundes lustig zu machen, solltest du lieber deinem Onkel helfen, das Wohnzimmer zu putzen, während ich Nevilles Kleidung sauber mache."

Tante Selene verließ das Wohnzimmer, von Neville gefolgt.

„Also ehrlich!", rief Onkel Neil aus. „Deine Tante begnügt sich nicht damit, Dummheiten zu machen, sie schafft es sogar, dass es die anderen sind, die ihre Dummheiten wieder gut machen."

Harry lächelte, als er den Blick seines Onkels traf.

„Ich bin nicht sehr begabt für Putzzauber, du schon?"

Der Gryffindor schüttelte den Kopf und prustete dabei los.

„Tja, nicht schlimm!", rief Onkel Neil und zückte seinen Zauberstab. „Wir putzen grob und deine Tante wird sich um die Feinheiten kümmern. Sie wird schon wieder meckern, aber gerade das macht sie so reizend."

Beide lachten, dann griff Harry zu seinem Zauberstab und fing an, den Raum mit seinem Onkel zu putzen.

„Kommst du heute ins Ministerium?", fragte Harry. „Hast du jemanden gefunden, der dich als Minister ersetzen kann?"

„Ich muss eine Menge Dinge regeln. Im Moment versuchen die verschiedenen Juniorminister und ich die Lage in den Griff zu bekommen. Ich tue mein Bestes, um Arthur Weasley zu überzeugen, meine Stelle zu übernehmen, aber er ist sich noch nicht ganz sicher."

„Und könnte sonst keiner die Stelle übernehmen?"

„Wenn ich ehrlich mit dir sein muss, es geht so weit, dass ich beinahe Percy fragen würde, ob er daran interessiert wäre!"

Harry entkam ein Ausruf.

„Beruhige dich, das war bloß ein Scherz! Dafür ist er nicht reif genug. Aber vielleicht wird es Arthur dazu bringen, die Stelle zu übernehmen, wenn er sieht, dass ich so verzweifelt bin."

„Und dann? Was wirst du machen, wenn du einen neuen Minister gefunden hast?"

„Gute Frage", seufzte Onkel Neil. „Ich weiß es nicht. Vielleicht werde ich ein Sabbatjahr nehmen und mich um Fanely kümmern. Selene wird in Hogwarts sein und es freut mich nicht besonders, Molly darum zu bitten, sich noch ein weiteres Jahr um Fanely zu kümmern, auch wenn sie es mir bereits vorgeschlagen hat. Und ich habe einen anderen Vorschlag bekommen, aber..."

„Das war's!", rief Tante Selene aus, als sie mit Neville wieder eintrat. „Nevilles Kleidung ist gereinigt und alles ist... beinahe sauber. Ihr seid wirklich nicht begabt."

„Tut mir Leid, Schatz, aber die Jungs und ich müssen gleich weg."

„Übrigens, wie kommt man zum Apparierzentrum, Mr Evans?", fragte Neville.

„Das ist sehr einfach. Hast du dein Büchlein dabei?"

„Ja."

„Nun, es ist auch ein Portschlüssel. Praktisch, oder? Er ist auf 09:50 gestellt, das heißt in weniger als zwei Minuten. Hast du deins, Harry?"

Harry zog das Büchlein aus seiner Tasche heraus.

„Ich lasse euch alleine", sagte Onkel Neil. „Accio Muffins!"

Der Teller mit Muffins flog direkt in seine Hand.

„Es wäre schade, sie kalt werden zu lassen", meinte Onkel Neil. „Nehmt doch einen mit, Jungs."

Harry hatte kaum die Zeit, zu einem Muffin zu greifen, und schon beförderte ihn der Portschlüssel. In der nächsten Sekunde stand er in einem riesigen blütenweißen Raum mit ein paar verschiebbaren Trennwänden aus Holz und einer Bühne in der Mitte. Etwa zwanzig Leute betrachteten den Raum und Harry erblickte Seamus, der zu ihnen kam.

„Hallo! Ich habe mich gefürchtet, ich würde allein hier sein. Es beruhigt mich, euch zu sehen."

„Wir sind doch nicht die einzigen von Hogwarts. Und es gibt auch manche, die letztes Jahr Siebtklässler waren."

„Hallo!"

Harry drehte sich um und sah Cho Chang.

„Cho! Hallo!", rief Seamus aus. „Hast du deine Apparierprüfung noch nicht gemacht?"

„Nein, ich bin im Dezember geboren und die Regeln sind sehr streng. Die Prüfung darf man frühestens mit 16 Jahren und 10 Monaten versuchen. Und selbst dann wird der Apparierschein nicht vor dem siebzehnten Geburtstag ausgegeben."

„WAS?", rief Seamus aus. „Ich bin in Oktober geboren. Das heißt, ich darf nicht vor meinem Geburtstag apparieren, auch wenn ich meine Prüfung vorher bestehe?"

„Genau!"

„Oh nein! In Hogwarts kann man nicht apparieren! Das heißt, ich werde erst ab den Weihnachtsferien apparieren können."

„Leider ja! Aber beklage dich lieber nicht. Zumindest wirst du nicht zusammen mit Freunden sein, die alle ihren Schein haben und ständig aufgeregt von den Lernstunden reden."

Im gleichen Augenblick erschienen zwei Männer in der Mitte des Raums, beide mit einem purpurnen Umhang. Alle Blicke wandten sich zur Bühne um und einer der Männer hustete heftig, um Ruhe zu bekommen. Der andere fing dann an zu sprechen:

„Liebe Zauberer und Hexen, ich stelle mich vor: Ich bin Julius Dispear und das hier ist mein Kollege Hektor Kapov. Wir sind Ihre Ausbilder und Prüfer für ihren Apparierkurs. Sie wissen, warum Sie hier sind, daher werde ich Ihnen nutzlose Erklärungen ersparen. Die Ausbildung beinhaltet zwölf Stunden gemeinsame Praxis und mindestens zehn Stunden Einzelpraxis. Es gibt kein Maximum. Viele Leute müssen die Prüfung etwa zehn Male versuchen und dabei um die hundert Stunden Unterricht nehmen. Ich hoffe, das wird nicht bei Ihnen nicht der Fall sein."

„Da kann man nicht sagen, dass es sehr ermutigend ist", murmelte Seamus.

„Gut, lassen Sie uns mit der ersten Übung anfangen. Bilden Sie bitte Zweiergruppen."

„Neville", sagte Seamus, „wollen wir zusammen arbeiten?"

„Ja, warum nicht."

Cho und Harry drehten sich zueinander um. Eine Verlegenheit, die er nicht verstand, hinderte ihn daran, Cho vorzuschlagen, zusammen zu arbeiten. Jedoch überwand er diese Verlegenheit und fragte:

„Wollen wir zusammen sein?... Tja... arbeiten wir zusammen?"

„Ja", antwortete Cho lächelnd. „Ja, das wird sehr gut sein."

„Da Sie nun alle in Gruppen sind", fing Julius Dispear an, „möchte ich, dass sich jeder vor eine Wand stellt und zwar einer auf jeder Seite. Dann müssen Sie auf unsere Anweisungen warten."

„Wollen wir uns dorthin stellen?", fragte Cho und zeigte auf eine Trennwand in der Nähe der Bühne.

Harry nickte und sie gingen jeder zu einer Seite der Trennwand.

„Das Prinzip im Apparieren ist einfach", sagte Hektor Kapov. „Derjenige, der appariert, muss die Augen schließen und die Person visualisieren, vor der er apparieren wird. Wie Sie sehen, ist dieser Raum blütenweiß und Sie haben deshalb keinen sichtbaren Anhaltspunkt. Sie müssen daher ihren Partner visualisieren, um zu ihm zu kommen, also jenseits der Trennwand. Sie werden also entscheiden, wer als erster die Übung versucht, dann wird der andere an der Reihe sein."

„Willst du anfangen?", fragte Harry.

„Mir wäre es lieber, wenn du anfangen würdest, falls es dich nicht stört", antwortete Cho auf der anderen Seite der Trennwand.

„Erster Schritt!", rief Mr Kapov aus. „Der Apparierende muss die Augen zu machen und die Person visualisieren, vor der er apparieren will. Dann muss er die Hände auf die Trennwand legen, sich ausschließlich auf die Person auf der anderen Seite konzentrieren und langsam atmen. Nach etwa zwei bis drei Minuten muss er schnell blinzeln und dabei den Vornamen der Person sprechen, zu der er kommen will. Erinnern Sie sich daran, dass Sie sehr konzentriert sein müssen und dass es normal ist, wenn Sie es nicht beim ersten Versuch schaffen."

Harry folgte den Anweisungen und begann Cho zu „visualisieren", während er die Hände gegen die Trennwand presste. Er atmete tief und ruhig. Als er dachte, dass es Zeit war zu apparieren, blinzelte er und murmelte dabei „Cho". Er spürte, wie etwas Kaltes auf seinem Kopf und seinen Körper entlangglitt, als würde er schmelzen. Im nächsten Augenblick hörte Harry einen ohrenbetäubenden Krach und verlor das Gleichgewicht. Als er die Augen aufmachte, saß er auf dem Boden, Cho gegenüber.

„Nicht schlecht!", sagte Cho und half Harry wieder aufzustehen.

„Das war tatsächlich ziemlich gut", sagte Julius Dispear. „An der Landung werden Sie jedoch arbeiten müssen, Mr... Harry Potter!"

Der Blick des Ausbilders verweilte einen langen Augenblick auf Harrys Narbe, bis der Sturz einer Trennwand seine Aufmerksamkeit ablenkte: Neville war gefallen und hatte dabei die Trennwand mit zu Boden gerissen.

„Ich bin dran!", rief Cho aus.

Harry ging wieder zu seiner Stelle und hörte, wie Cho auf der anderen Seite der Trennwand atmete. Er bereitete sich vor, sie erscheinen zu sehen, und blieb auf der Hut. Plötzlich ertönte ein Krach und Cho befand sich gerade vor ihm, landete aber nicht richtig. Harry ergriff sie noch rechtzeitig, damit sie nicht fiel.

„Vorsicht!"

„Oh! Danke! Es ist seltsam. Aber auch lustig. Wollen wir es noch mal versuchen?"

Harry und Cho trainierten weiter nacheinander, und je weiter es ging, desto einfacher kam es ihnen vor und desto kürzer war die nötige Zeit zum Konzentrieren. Am Ende der Stunde beendeten die Ausbilder den Kurs.

„Wir sind für heute fertig!", rief Kapov aus. „Vergessen Sie nicht, dass der nächste Kurs morgen um dieselbe Zeit ist. Ihr Portschlüssel wird automatisch aktiviert, sobald Ihr Büchlein von einem von uns abgestempelt wurde. Bis morgen!"

Cho stellte sich in die Schlange, um ihr Büchlein abgestempelt zu bekommen, und Harry stellte sich gerade hinter sie.

„Es ist gut gelaufen, oder?", fragte sie.

„Ja, das war lustig."

Harry bemerkte, dass sich Chos Gesicht plötzlich verändert hatte.

„Alles in Ordnung?", fragte er.

„Ja... tja... ich wollte mich bei dir entschuldigen."

„Wofür?", fragte er und sah sie überrascht an.

„Vor zwei Jahren habe ich dich nicht wirklich korrekt behandelt. Als wir... uns getrennt haben."

„Ich bin auch nicht sehr taktvoll gewesen. Ich hatte damals ziemlich viele Sorgen und du hattest dich auch noch nicht von Cedrics Tod erholt."

„Ja, das stimmt", antwortete Cho melancholisch. „Bist du nicht sauer auf mich?"

„Warum wäre ich auf dich sauer? Das ist schon zwei Jahre her."

„Aber wir haben seitdem keine Zeit gehabt, miteinander zu reden, daher fragte ich mich... Tja, es ist nicht schlimm, da doch schließlich alles gut geht. Fährst du diesen Sommer irgendwo in den Urlaub?"

„Ja, nach Transsilvanien. Lunas Vater hat mich dort für eine Woche eingeladen."

„Du gehst mit Luna hin? Das ist schön."

„Miss, Sie sind dran", sagte der Ausbilder.

„Oh, ja. Verzeihung. Bis morgen, Harry!"

„Bis morgen."

Cho ließ ihr Büchlein abstempeln und verschwand sofort. Harry näherte sich dem Schreibtisch.

„Gut, Mr Potter! Sie haben Ihre Übung heute gut geschafft. Sie müssen an der Stabilisierung beim Landen arbeiten, aber Sie sind sehr gut. Viel Glück für nachher."

„Danke", antwortete er, während er sein Büchlein wieder in die Hand nahm.

Sofort stand er mitten in seinem Wohnzimmer, wo Tante Selene dem Kamin gegenüber stand und den vom Zaubertrank verschmutzten Teppich fertig putzte.

„Schon zurück!", rief sie aus. „Und, wie ist es gelaufen?"

„Gut", sagte Harry. „Es ist schwierig, aber ich habe die erste Übung geschafft."

„Das ist eine gute Sache. Du solltest dich vor dem Mittagessen ein bisschen hinlegen. Heute Nachmittag werden wir für deine Reise einkaufen, wenn es dir passt."

„Okay, danke."

Harry ging die Treppe langsam hinauf und betrat sein Schlafzimmer. Da erblickte er eine Eule, die auf dem Tisch saß und eine Nachricht am Bein trug. Er nahm ihr den Umschlag ab und erkannte Lunas Schrift.

Lieber Harry,

ich wollte wissen, wie dein erster Apparierkurs gelaufen ist. Sag mir Bescheid.

Liebe Grüße

Luna

Harry lächelte. Er griff nach seiner Feder und einem Pergamentstück und fing an zu schreiben.

Liebe Luna,

es ist ganz gut gelaufen, auch wenn ich bei der Landung Probleme habe. Aber ich bin nicht der Einzige. Neville ist wegen seiner Ungeschicklichkeit aufgefallen. Was Cho betrifft, so wäre sie jedes mal gefallen, wenn ich sie nicht aufgefangen hätte.

Harry stoppte und überlegte. Vielleicht war dieser letzte Satz nicht passend. Es würde Luna nicht gefallen, wenn er von Cho sprach. Er nahm ein weiteres Pergamentstück, schrieb einen kurzen Brief und band ihn an das Bein der Eule, die sofort abflog.