Hallo an alle! Und hier kommt das nächste Kapitel von Gabrielle Lavandes Geschichte Harry Potter et la Clé de l'autre monde. Viel Spaß beim Lesen. Wie? Ihr wisst nicht, wer korrigiert hat? Verliebtindich, wer sonst?
Disclaimer: Wie immer, nichts gehört zu mir, beinahe alles gehört zu JK Rowling und der Warner Bros und weder ich noch Gabrielle verdienen Geld mit dieser Geschichte.
Anmerkung des Übersetzers: Da ich ab Freitag in Urlaub bin, kann ich euch nicht versprechen, dass ihr wie gewohnt am nächsten Sonntag das nächste Kapitel kriegt. Ich werde es natürlich versuchen, aber im schlimmsten Fall müsst ihr dann zwei Wochen warten. LG. Euer Ron.
Harry Potter und der Schlüssel zur anderen Welt
Kapitel 4: Willkommen in Transsylvanien:
Der Apparierkurs wurde jeden Tag interessanter und bald waren die zwölf Gruppenstunden vorbei. Harry hatte es gelernt, sich einfach in einem Raum zu bewegen und den genauen Ort seiner Landung zu kontrollieren. Cho und Seamus schafften es auch, sich herauszuhelfen, und Neville wurde mit jedem Tag besser, auch wenn seine Landung etwas zu hoch passierte und er mehrmals aus mehreren Metern Höhe fiel.
Harry war besonders froh über seiner Beziehung mit Cho. Er hatte keine Angst mehr, mit ihr zu reden. Noch besser, sie verstanden sich richtig gut und scherzten ständig miteinander.
„Der Kurs ist vorbei", rief Kapov aus, „und Ihre 12 Stunden Gruppeninitiation sind damit zu Ende. Sie sind alle bereit, mit der Einzelausbildung anzufangen, auch wenn manche unter Ihnen sich noch anstrengen müssen. Ab nächster Woche können Sie Termine für die Einzelausbildung vereinbaren und nach 10 Stunden Praxis die Prüfung versuchen. Bitte lassen Sie jetzt Ihr Büchlein abstempeln und viel Erfolg wünsche ich Ihnen allen!"
„Das ist schade, dass es schon vorbei ist", meinte Seamus. „Die gemeinsame Praxis war ganz nett."
„Das stimmt. Und ich werde euch übrigens lange nicht mehr sehen!", seufzte Cho. „Ich werde Hogwarts vermissen."
„Und was machst du jetzt, da du nicht mehr zur Schule gehst?", fragte Harry.
„Ich werde bei Besenknechts Sonntagsstaat arbeiten. Ich fange ganz unten an, als auszubildende Designerin."
„Das ist toll!", rief Harry aus. „Wir werden uns wiedersehen, wenn wir dieses Jahr Anzüge für den Ball einkaufen werden."
„Na ehrlich, dann würde mich keiner besuchen, wenn es nicht diese Bälle geben würde!", murrte sie. „Ich habe wirklich den Eindruck, dass mich jeder fallen lässt."
„Aber warst du nicht mit Michael Corner zusammen?", fragte Seamus.
„Dieses Jahr bleibt er in London, auch ihn werde ich nicht sehen."
Chos Gesicht verfinsterte sich plötzlich. Harry, Neville und Seamus sahen sich wortlos an, wohl bewusst, dass diese Frage das Mädchen traurig gemacht hatte.
„Aber ich werde sowieso nicht weit weg von Hogwarts sein", sprach Cho weiter und zwang sich zu lächeln, obwohl ihre Augen glänzten. „Und die Tatsache, dass ich nicht mehr in Hogwarts bin, heißt doch nicht, dass ich nicht mehr zur DA gehöre, oder? Die DA wird doch weiter gehen, nicht wahr?"
Harry blieb stumm. Er hatte nicht daran gedacht, dass die DA weiter gehen könnte.
„Das wird auf unseren neuen Verteidigungslehrer ankommen", antwortete Seamus mit einem hämischen Lachen. „Falls sie uns aus purer Verrücktheit wieder diese Umbridge aufhalsen, dann müssten wir vielleicht wieder mit unseren kleinen Treffen anfangen."
„Aber der Raum der Wünsche wurde letztes Jahr aufgespürt, also können wir ihn nicht länger benutzen", fügte Neville hinzu.
„Ich habe aber eine Wohnung in Hogsmeade. Ihr könnt eure Treffen dort machen, wenn ihr es braucht. Das stört mich überhaupt nicht."
„Wir können aber nicht aus der Schule weggehen!"
„Es gibt immer einen Weg nach Außen von Hogwarts, Neville", lächelte Harry. „Wir sagen dir Bescheid, Cho, mach dir keine Sorgen. Ich werde dir regelmäßig Hedwig schicken."
„Und ich will auch unbedingt eine Karte aus Transsylvanien mit Nachrichten von allen! Wie geht es übrigens Ron und Hermine?"
„Normalerweise müssten sie bereits da sein und wir werden nach Rumänien reisen, sobald ich zu Hause bin. Sie haben mir einen ziemlich kurzen Brief geschickt, ich habe nicht viele Details bekommen, aber anscheinend geht alles gut..."
„Mr Potter! Kommen Sie bitte hierher und lassen Sie Ihr Büchlein abstempeln."
„Entschuldigen Sie!", antwortete Harry. „Ich muss weg. Bis bald! Kommst du zu uns, Neville?"
„Ja, sobald ich meinen Koffer von zu Hause geholt habe. Bis gleich!"
Harry verabschiedete sich mit einem letzten Handzeichen von seinen Freunden, griff wieder nach seinem Büchlein und stand fast sofort im Wohnzimmer der Evans.
„Harry!", rief eine bekannte Stimme aus.
Harry drehte sich um und sah, wie Hermine zu ihm ging, während Mark, Liliana, Ginny und Tante Selene auf dem Sofa saßen.
„Hermine! Wie geht es dir? Wie war der Urlaub?"
„Gut! Es war wunderschön. Die Zauberergemeinschaft in Italien ist sehr freundlich."
„Und... Ron?"
„Anscheinend", murmelte sie, „leidet er an Luftkrankheit und hat Schwierigkeiten, sich wieder gut zu fühlen. Er ist in deinem Zimmer, er erholt sich."
„Nein. Es geht, ich bin da."
Ron betrat das Wohnzimmer mit leichenblassem Gesicht.
„Ich verstehe das nicht", sagte Hermine. „Du fühlst dich so wohl, wenn du auf einem Besen sitzt, und sobald es ein Flugzeug ist, wirst du krank."
„Na, nächstes Mal reisen wir nach Zaubererart!", antwortete er und setzte sich auf den nächstbesten Stuhl. „Das ist schneller und... weniger Ekel erregend."
Es klingelte an der Tür.
„Das sind bestimmt Luna und ihr Vater. Ich mache ihnen auf", sagte Selene.
Plötzlich explodierte es im Kamin und Neville trat voller Ruß heraus, während er seinen schweren Koffer mit Schwierigkeiten hinter sich her zog.
„Je früher ich meinen Apparierschein habe, desto besser", sagte er, während er sich säuberte. „Hallo an alle!"
„Hallo Neville! Läuft der Apparierkurs gut?", fragte Hermine aufgeregt. „Ich habe es so eilig anzufangen. Wie ist es so?"
„Im Moment sind wir zu zweit und müssen uns präzise in einem Raum bewegen", seufzte Neville. „Die Person, mit der man zusammen ist, hilft einem bei der Landung. Seamus hat mich oft fangen müssen."
„Und du, Harry? Mit wem trainierst du?", fragte Ron.
„Die Landung ist schwierig, aber Cho hat wenige Gelegenheiten, mich zu fangen. Ich werde besser."
„Du trainierst mit Cho Chang zusammen?"
Harry drehte sich um und sah, wie Luna den Raum betrat, von ihrem Vater, Tonks, Lupin und Tante Selene gefolgt. Luna stellte ihren Koffer auf den Boden und wich Harrys Blick aus, als der Junge versuchte, sie zu küssen.
„Wir werden später noch mal darüber reden", murmelte Luna trocken.
„Was ist mit Ihnen los, Tonks? Sind Sie krank?", fragte Hermine.
Tonks sah nämlich genauso bleich aus wie Ron. Sie setzte sich in einen Sessel und seufzte tief.
„Ja!", antwortete sie trocken. „Wegen einer bestimmten Person!"
Ihr kalter Blick deutete auf Lupin als den Schuldigen ihres ganzen Übels.
„Also bitte, Nymphy! Ich bin nicht Schuld daran! Aber sie..."
Lupin hielt inne, als er bemerkte, dass ihn jeder im Raum neugierig ansah.
„Tonks hat eine Magenverstimmung."
„Ja, genau!", sagte Tonks genauso trocken wie vorher. „Ich muss mir den Magen mit irgendwas verdorben haben!"
Lupin seufzte tief.
„Ich will nicht meinen, dass uns euer Streit nicht interessiert", griff plötzlich Mr Lovegood ein, „aber Rumänien wartet auf uns. Und wenn ihr das Drachenschutzgebiet von Rons Bruder besichtigen wollt, bevor wir uns im Gasthof einfinden, müssen wir schon jetzt gehen!"
„Charlie hat mir gesagt, dass er uns um 18:30 erwartet."
„Und es ist bereits 17:45", seufzte David Lovegood. „Wenn wir uns sofort auf dem Weg zum internationalen Portschlüsselszentrum machen, können wir rechtzeitig ankommen. Lasst uns den Fahrenden Ritter nehmen."
„NEIN!", riefen Tonks und Ron gleichzeitig aus, die immer noch krank aussahen.
„Gut, dann flohen wir hin?"
Neville, der gerade dabei war, sich fertig zu säubern, stieß einen tiefen Seufzer aus.
„Warte David!", rief Tante Selene und wühlte in einem großen Koffer. „Ich muss irgendwo einen Portschlüssel dafür haben. Vor drei Jahren wollten wir im Sommer nach Amazonien, also hatten wir Monate vorher reserviert. Aber damals war ich im sechsten Monat schwanger und wir mussten darauf verzichten... Und da liegt er!"
Tante Selene zog eine mittelgroße Schatulle aus Holz aus dem Koffer und staubte sie mit einer Handbewegung ab.
„Um ihn zu benutzen, braucht man bloß, die Schatulle mit einem Alohomora aufzumachen, wenn jeder in der Nähe des Portschlüssels steht."
„Danke Selene", antwortete Mr Lovegood. „Ich denke, alle sind mit dem Portschlüssel einverstanden. Sammelt eure Koffer ein und stellt sie zusammen, damit wir nichts vergessen. Sobald wir da sind, müssen wir unseren Portschlüssel kaufen und die Formalitäten für die Rückkehr regeln. Beeilt euch! Charlie wird auf uns warten."
Alle versammelten sich um den Portschlüssel, während Tante Selene zum letzten Mal ihrem Sohn Ratschläge gab.
„Mum, ich weiß es alles!", seufzte er vor Ärger. „Ich werde aufpassen."
„Und du auch, Harry!", erwiderte Tante Selene. „Ich hoffe, alles wird gut gehen."
„Natürlich."
Sie verabschiedeten sich und griffen alle gemeinsam nach der kleinen Schatulle.
OoOoO
„Die Reisenden aus der Osterinsel werden darum gebeten, sofort zur Voodooaufspürtheke zu gehen, 4. Stock, Gang Nummer 3, Tür Nummer 2. Danke sehr."
Die Stimme hörte auf, in der riesigen hellgrünen Halle zu erklingen, die anscheinend als Wartesaal diente und in der zahlreiche Familien oder alleinstehende Zauberer und Hexen herumgingen.
„Setzt euch, ich werde unsere Tickets holen", sagte Mr Lovegood. „Tonks, es scheint, dass es dir immer schlechter geht. Du solltest zur Rettungsstelle gehen."
„Es geht", antwortete sie, obwohl ihr Gesicht leicht grünlich aussah.
„Ich bringe dich hin."
„Ich komme alleine zurecht, Remus!", antwortete sie heftig. „Ich brauche dich nicht."
Tonks stand plötzlich auf und marschierte wortlos davon.
„Also wirklich!", rief Mr Lovegood aus. „Ich weiß nicht, was du ihr angetan hast, aber da Tonks deine Tutorin ist, würde ich an deiner Stelle versuchen, dass sie dir verzeiht."
David Lovegood entfernte sich schnellen Schrittes, während sich alle setzten und Lupin mit verzweifeltem Ausdruck sein Gesicht in seinen Händen verbarg. Alle Blicke starrten Professor Lupin an und keiner sprach, bis Ginny sich schüchtern meldete:
„Können wir Ihnen vielleicht helfen?"
Lupin blickte zu Ginny, seufzte und sagte schließlich ganz schnell:
„Stellt euch vor, ihr hängt an zwei verschiedenen Personen. Natürlich auf zwei verschiedene Weisen. Ihr verspürt tiefe Freundschaft zur einen, und zur anderen... andere Gefühle."
Lupin seufzte tief.
„Sie reden von Aldysse Irre?", fragte Luna.
„Nein. Tja, schon. Ja... Eigentlich findet Aldysse, dass ich zu viel Zeit mit Tonks zusammen verbringe."
„Wer ist Aldysse?", fragte Hermine.
„Lupins feste Freundin", antwortete Mark.
„Nein!", rief Lupin aus und wurde rot im Gesicht. „Nein, das stimmt nicht..."
„Ich vermute, Sie haben Tonks weitergesagt, was Ihnen Aldysse gesagt hat?", fragte Luna.
Lupin nickte.
„Dann ist es völlig normal, dass es Tonks übel nimmt", meinte Luna. „Sie ist Ihre Freundin. Sie arbeiten zusammen und Sie dürfen sie nicht fallen lassen, nur weil Ihnen Miss Irre sagt, dass Sie zu viel Zeit mit ihr verbringen. Es ist völlig normal, dass Tonks gekränkt ist. Sie hat Angst, Sie als Freund zu verlieren. Verstehen Sie?"
„Cho ist auch eine Freundin", murmelte Harry laut genug, damit ihn Luna hörte.
„Es ist anders", sagte Luna zwischen ihren zusammengepressten Zähnen. „Sie ist vor allem deine ehemalige feste Freundin. Und ich habe dir gesagt, dass wir später darüber reden."
Lupin blickte mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen zur Decke.
„Ich verstehe vor allem, warum sie verärgert ist. Wenn Tonks nur nicht meine Tutorin wäre, wäre alles viel einfacher..."
Harry versuchte vergeblich, Lunas Aufmerksamkeit zu bekommen. Jedes Mal wich sie seinem Blick aus, während sie mit Ginny und Hermine über Italien sprach.
„Ich habe unsere Tickets", sagte David Lovegood, der sich mit eiligen Schritten näherte. „Wir müssen jetzt losgehen."
Tonks kam in jenem Augenblick an, schaute ins Leere, sah aber deutlich gesünder aus.
„Es scheint, dass es Ihnen besser geht", sagte Ginny. „Sind Sie zum Krankenflügel gegangen? Haben Sie einen Trank für Ihre Magenverstimmung bekommen?"
„Nein", sprach Tonks mit matter Stimme. „Aber es geht mir besser."
„Dann gehen wir!", sagte Mr Lovegood. „Zweiter Stock, Gang Nummer 4, Tür Nummer 18. Dieser Ort ist ein wahres Labyrinth. Ein Glück, dass ich als internationaler Journalist schon öfters da gewesen bin."
Mit David Lovegood in Führung ging die kleine Gruppe die Gänge entlang, nachdem sie den Aufzug verlassen hatten. Schnell erreichten sie die Tür Nummer 18. Darüber stand ein leuchtendes Schild:
Rumänien, Naturschutzgebiet für Drachen, Cluj-Napoca, Transsylvanien. Bereitgestellter Portschlüssel.
„Wir können gehen", sagte David Lovegood. „Ausnahmsweise gibt es keine Verspätung bei der Portschlüsselannahme... Vergesst nicht, euer Ticket in diesem Kasten zu entwerten, bevor ihr reinkommt. Und ihr müsst einer nach dem anderen eintreten. Los, Luna, ich folge dir!"
Luna nahm ihr Ticket und steckte es in einen Kasten, der einem Briefkasten ähnelte. Die Tür öffnete sich automatisch vor ihr und schloss sich hinter ihr wieder. Dann war Mr Lovegood dran und die Tür schloss sich sofort.
„Nymphy, du kommst zuerst rein und ich als Letzter?", fragte Lupin.
„Nein", sagte sie und blickte zu Boden. „Kein Protokoll. David ist drinnen, er kann es schaffen."
Sie hob den Kopf und Harry konnte sehen, wie Tränen ihr Gesicht herunterliefen, obwohl sie ein verkrampftes Lächeln zeigte.
„Tonks, fühlen Sie sich nicht gut?", fragte er. „Sie sollten wirklich zum Krankenflügel gehen."
Tonks antwortete nicht und blickte zu Lupin, der in jenem Augenblick auch sah, dass sie weinte.
„Nymphy? Was ist denn los?"
Tonks zerfloss in Tränen, während Lupin sie linkisch in seine Arme nahm, um sie zu trösten.
„Geht! Wir folgen euch", sagte Lupin und entfernte sich ein bisschen.
Alle schauten einander verständnislos an, dann traf Hermine die Entscheidung einzutreten, von Ginny, Ron, Liliana und Mark gefolgt.
Harry beobachtete von Weitem Lupin und Tonks, die immer noch viel weinte. Lupin blickte einen Augenblick lang zu Harry, dann ergriff er Tonks am Arm und führte sie zu einem anderen Gang rechts von dort. Harry trat dann ein. Er entwertete sein Ticket und betrat einen blauen Raum mit elf Sesseln in der Mitte, von denen schon acht eingenommen worden waren.
„Und?", fragte David Lovegood. „Warum hat Tonks angefangen zu weinen?"
„Keine Ahnung", antwortete Harry. „Sie weinte immer noch, als ich weggegangen bin."
„Ich hoffe, es geht ihr gut", sagte Ginny. „Für eine bloße Magenverstimmung sah sie recht blass aus."
Die Tür öffnete sich in genau diesem Augenblick. Tonks, die ihre Tränen wegwischte, war gerade dabei nervös zu lachen.
„Macht doch nicht so einen Ausdruck. Mir geht es gut."
„Tonks, Sie haben plötzlich angefangen zu weinen!", rief Harry aus. „Es ist schon normal, dass wir uns Sorgen machen."
„Es ist nichts, das versichere ich euch. Mir tut mein Magen übrigens viel weniger weh."
Lupin trat selber ein und die Tür schloss sich hinter ihm.
„Lasst uns losgehen! Es gibt weitere Reisende, die hinter uns warten", sagte er. „Alles in Ordnung, Nymphy?"
Tonks nickte.
„Dann lasst uns losgehen!"
Jeder setzte sich auf einen Sessel und Harry sah sich um, während eine Stimme erklang.
„Sehr geehrte Hexen und Zauberer, bitte machen Sie es sich auf Ihrem Portsessel bequem und bleiben Sie bis zum nächsten Aufruf sitzen."
„Unsere Sessel sind Portschlüssel?", fragte Harry.
Doch Harry sah sich um und es saß keiner mehr um ihn herum. Er schien plötzlich mitten in einem Wirbel zu sitzen, wo sich alles um ihn herum drehte, aber nichts ihn berührte. Dann endete nach zwei Minuten der Wirbel und Harry sah Luna im gleichen Sessel sitzen, in dem sie vor ihrer Abreise saß. Nur die Umgebung war anders: Die Wände waren mit blutroter Farbe bemalt.
„Willkommen in Cluj-Napoca, Sie dürfen nun aufstehen und zum nächsten Ausgang gehen. Das rumänische Zaubereiministerium wünscht Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in Transsylvanien."
„Das ist richtig schnell!", rief Hermine aus.
„Und viel besser als ein Flugzeug, nicht?", drängte Ron.
Das Portschlüsselzentrum, wo sie gelandet waren, war nicht so groß wie in London. Sie fanden schnell den Ausgang und merkten, dass das Zentrum eigentlich ein kleines Schloss war.
„Ronald Bilius Weasley wird zur Empfangstheke gebeten. Ronald Bilius Weasley."
Alle drehten sich zu Ron um, der vor Scham errötete.
„Charlie liebt es, meinen zweiten Vornamen zu benutzen, wenn wir in aller Öffentlichkeit sind."
Harry bemerkte dann, wie Charlie, dessen Haar flammenrot war, breite Handbewegungen machte, während er zu ihnen schritt.
„Hallo!", sagte er. „Es freut mich, euch alle zu sehen. Alles in Ordnung?"
Alle nickten und bald forderte sie Charlie auf, ihm zu folgen.
„Lasst uns gleich gehen. Hier wird es früh Nacht und es gibt viele Vampire. Wir werden direkt zu eurem Gasthof gehen, er liegt sehr nah von hier. Er ist vor kurzem geöffnet worden, aber er sieht gemütlich aus. Die Gegend empfängt viele Touristen und da kann man die besten Drachensteaks im ganzen Land essen. Morgen werden wir die Zeit haben, alles zu besichtigen. Aber vorher muss ich euch etwas geben."
Charlie öffnete seinen anscheinend beladenen Rucksack und zog daraus Pfähle, die er weitergab.
„Geschenk von den Einheimischen."
„Wie charmant!", rief Hermine aus und verzog dabei das Gesicht.
„Das ist vor allem sehr nützlich", erwiderte Charlie mit ernstem Ausdruck. „Es ist Hochsaison für Tourismus und die Vampire lieben die wenig vorsichtigen Touristen. Behaltet ihn bei euch. Es ist noch Tag und das Risiko ist gering, aber der Wald ist finster. Man weiß nie."
„Ich sehe, dass die Gegend gastfreundlich ist", fügte Neville hinzu.
Als sie das Schloss verließen, konnte Harry von Weitem große angekettete Drachen sehen, die am Himmel flogen und breite rote Flammen ausspieen. Sie setzten sich in eine Kutsche und fuhren das Drachenschutzgebiet entlang in einem düsteren Wald, dessen Bäume knorrig waren, als würden sie sich vor Schmerzen krümmen.
„Ist das nicht wunderschön?", fragte Charlie mit glänzenden Augen. „Ich werde es euch morgen besichtigen lassen. Und hier liegt euer Gasthof."
Ein riesiges Steingebäude war am Horizont zu sehen. Die Wände waren von Fackeln beleuchtet und die meisten Fenster waren bereits geschlossen.
„Die Wirtin ist Mrs Báthory. Sie ist eine Squib und kommt aus Ungarn, aber sie kann fließend Englisch. Zumindest hat man's mir erzählt."
Die Kutsche hielt vor dem Gasthof und die Reisenden stiegen einer nach dem anderen aus.
„Die Nacht ist nicht sicher in der Gegend", fügte Charlie hinzu. „Es tut mir Leid, dass ich euch so früh verlassen muss, aber ich muss schnell zum Schutzgebiet zurück, denn die Vampire fangen an, in Gruppen anzugreifen. Bis morgen!"
Charlie ließ den Zaum der Pferde zischen, wendete die Kutsche und verabschiedete sich mit einem letzten Gruß von ihnen.
„Dieser Ort ist unheimlich", sagte Neville und zitterte.
„Mach dir keine Sorgen, Neville!", rief David Lovegood und schlug ihm hart auf den Rücken, was ihn hochschrecken ließ. „Charlie übertreibt bloß. Wenn ihr in Geschichte der Zauberei aufgepasst hättet, wüsstet ihr, dass die meisten Vampire 1734 während der Großen Blutjagd hingerichtet wurden."
„Warum hätte er uns also all das gesagt?", fragte Mark besorgt.
„Schöne Worte für die Touristen, mein Junge. Na los! Kommt rein. Die meisten Gasthöfe in Transsylvanien haben Vampirabwehrzauber. Da kann man in aller Ruhe schlafen."
Sie betraten den Gasthof, wo ein riesiger Tisch stand, der so lang war wie der Saal. Um den Raum herum waren düstere Gemälde über das Fangen von Vampiren und mittelalterliche Foltermethoden ausgestellt. An der hinteren Wand neben einem dunklen Gang hing ein riesiger Spiegel, so dass der Raum viel größer zu sein schien als er tatsächlich war.
„Diese Gemälde haben einen zweifelhaften Geschmack", sagte Liliana. „Ein Glück, dass es Muggelgemälde sind, die sich nicht bewegen."
„Ich habe sie von meiner Familie geerbt."
Eine junge, geschmackvoll gekleidete Frau mit Porzellangesicht trat vom dunklen Gang in den Raum herein. Sie sprach gut, aber mit einem starken Akzent.
„Ich heiße Sie recht herzlich willkommen. Ich bin Beth Báthory, die Wirtin dieses Gasthofs."
„Guten Abend. Ich bin David Lovegood, von der Zeitschrift Der Klitterer. Ich komme mit all diesen Leuten für eine Reportage, und vor allem zum Urlaub. Gibt es genug Zimmer für uns alle?"
„Natürlich", antwortete Mrs Báthory. „Sie sind alleine im Gasthof. Meine letzten Kunden sind heute abgereist."
„Perfekt. Wir würden bitte fünf Zimmer mit jeweils zwei Betten und ein Einbettzimmer brauchen."
„Ihre Zimmer werden vorbereitet und Ihr Gepäck hochgebracht", sagte Mrs Báthory. „Bis dahin schlage ich Ihnen vor, sich zu setzen, das Essen ist bald fertig. Ujuary!"
Ein buckliger, mürrisch aussehender Hauself erschien fast sofort.
„Ja, Madam?"
„Bringe das Gepäck hoch."
„Ja, Madam."
Der Hauself schnipste mit den Fingern und die Koffer schwebten nach oben und in den Gang hinein.
„Möchten Sie vielleicht Hilfe?", fragte Hermine den Hauselfen.
Das Geschöpf drehte sich rasch um, blickte mit seinen großen hellgrauen Augen zu Hermine hoch und eilte in den Gang. Ron seufzte.
„Du musstest es ganz einfach tun, was?", murmelte er.
„Sieh doch den armen an", erwiderte Hermine genauso leise. „Er ist so sehr malträtiert worden, dass er jetzt buckelig ist. Das ist doch deutlich, oder?"
„Ich lasse Sie sich an den Tisch setzen", sagte Mrs Báthory. „Ich werde die Küche über Ihre Ankunft informieren."
Mrs Báthory machte einen Knicks, ehe sie in den Gang verschwand.
„Das scheint mir nicht ganz schlecht zu sein", sagte Mr Lovegood.
Das Feuer im Kamin erwärmte diesen großen kalten Steinraum kaum. Alle setzten sich still und warteten, bis sie vor dem Gasthof Gewieher hörten.
„Na, heute Abend werden wir am Tisch zu zwölft sein!", rief Mr Lovegood aus, als er durch das Fenster blickte. „Anscheinend ist gerade eine junge Frau angekommen."
Die Tür des Gasthofs wurde aufgemacht und die junge Frau trat ein und zog die Kapuze ihres langen grünen Mantels herunter.
„Endlich habe ich euch gefunden!"
„Aldysse!"
Lupin, der die Fassung offensichtlich verloren hatte, stand plötzlich von seinem Stuhl auf, während Aldysse Irre ihren Reiseumhang an den Kleiderhaken hängte. Harry merkte, dass an der Stelle ihres Muttermals unter ihrem rechten Auge ein Pflaster war, das die rote Träne bedeckte, die ihr ihren Spitznamen eingebracht hatte.
„Hallo Remus! Erfreut, mich zu sehen?", fragte sie und küsste ihn auf die Wange.
„Überrascht wäre richtiger", stotterte er. „Was machst du hier?"
„Nun, ich wollte bloß schauen, wie dein Praktikum läuft!", antwortete sie mit glücklicher Stimme. „Ich bin die stellvertretende Leiterin des Aurorenausbildungszentrums und komme, um zu prüfen, wie es deine Tutorin mit dir schafft. Alles in Ordnung, Tonks?"
Tonks seufzte und machte sich nicht mal die Mühe, die Frage zu beantworten.
„Kannst du uns einander vorstellen, Remus?", fragte sie genauso übermäßig erregt wie ein dreijähriges Kind vor einem riesigen Lutscher.
„Ja...", antwortete Lupin mit zögernder Stimme. „Was hast du an deiner Wange?"
„Was?", fragte sie. „Oh, das! Mein Muttermal brennt und juckt mich manchmal. So vermeide ich, meine Wange wegen des zu vielen Kratzens zu reizen. Mach dir keine Sorgen."
Lupin stellte Aldysse jedem einzeln vor. Harry fand sie besonders aufgeregt für eine Person, die als gewaltsam beschrieben wurde. Sie verhielt sich eigentlich mehr wie ein Kind.
Aldysse Irre setzte sich schließlich am Tisch neben Lupin.
„Und, und, Tonks! Wie läuft's? Gefällt dir dein Amt als Tutorin?"
Tonks seufzte noch einmal und antwortete:
„Eigentlich ist es perfekt, dass du da bist, Aldysse, denn ich wollte nach meiner Rückkehr aus Rumänien meine Kündigung einreichen."
Die Gespräche, die am Tisch angefangen hatten, verstummten plötzlich.
„Warum?", fragte Aldysse. „Das ist schade!"
„Eigentlich kündige ich als Tutorin, aber auch als Aurorin."
Diese Ansage war so überraschend, dass alle – außer Lupin, der seltsam gelassen wirkte – mit offenem Mund sitzen blieben.
„Tonks! Tun Sie es nicht!", rief Hermine aus.
„Ich habe einen Heiler besucht, bevor wir hierhin gereist sind", sagte Tonks und ignorierte Hermines Bemerkung. „Er hat mir eine lange Erholung in der kalten und feuchten Luft Schottlands verschrieben. Ich kündige aus gesundheitlichen Gründen."
Tonks höchst neutrales Gesicht passte überhaupt nicht zur Schwere ihrer Aussage.
„Tonks! Sind Sie so schwer krank? Ist es schlimm?", fragte Harry besorgt.
Tonks drehte ihr Gesicht zu ihm um und lächelte ihm zu.
„Nein! Macht euch keine Sorgen", sagte sie. „Das ist reine Überanstrengung. Das Jahr war schwierig und ich werde ein Sabbatjahr nehmen."
„Ich hoffe, es wird dir gut gehen, meine arme Tonks!", sagte Aldysse. „Du sagst mir Bescheid, alles klar?"
„Natürlich, Aldysse", sagte Tonks und kniff plötzlich die Augen zusammen. „Aldysse... Deine Wange!"
Aldysse Irre berührte ihre Wange und plötzlich ging das Pflaster über der Träne in Flammen auf.
„Aldysse!"
Doch sie reagierte nicht mehr auf die gesprochenen Worte. Sie stand geistesabwesend auf und ging wie ein Roboter um den Tisch herum.
„Nähert euch ihr nicht!", sagte Tonks plötzlich. „Sie hat eine Krise. Ihr dürft sie auf keinen Fall unsanft behandeln!"
Harry beobachtete Aldysse und stand auf, als sie ihm gegenüberstand. Ihr Blick war kalt und streng zugleich. Sie ignorierte alles, was um sie herum geschah, als wäre sie hypnotisiert.
„Harry, beweg dich nicht mehr!", sagte Tonks.
Träne ging auf den Gang zu, als Mrs Báthory ihr gegenüber erschien. Aldysse hob die Hand und öffnete sie, mit der Handfläche zur Wirtin gerichtet. Mit seltsamer und mechanischer Stimme sprach Träne:
„Gräfin Erzsébet Báthory, 1560 geboren, Sie haben Tausende von Opfern ermordet. Doch das Kind des Schicksals wird nicht Ihres sein. Kehren Sie dorthin zurück, wo Sie herkommen!"
Ein Pfahl, der auf dem Tisch lag, schwebte plötzlich hoch und trieb sich ins Herz von Mrs Báthory hinein, die zu Asche zerfiel.
Aldysse nickte kurz. Dann drehte sie sich zu Harry um, lächelte ihm zu und ging auf den riesigen Spiegel zu. Noch einmal hob Träne den Arm zum Spiegel und sofort, als sie die Handfläche geöffnet hatte, zersprang der Spiegel mit einem Höllenlärm. Reflexartig machte Harry einen Schritt nach vorne und erinnerte sich: Er hatte diese Szene bereits erlebt.
Aldysse Irre drehte sich plötzlich zu Harry um, näherte sich ihm und sah ihn mit stechenden taubengrauen Augen an. Als sie ihn erreichte, murmelte sie bloß ein Wort:
„Danke."
Träne fiel plötzlich zu Harrys Füßen, ohne dass er irgendeine Bewegung machte, um sie zu fangen. Der Schock hatte ihn erstarren lassen.
