Hallo an alle! Und hier kommt das nächste Kapitel von Gabrielle Lavandes Geschichte Harry Potter et la Clé de l'autre monde. Viel Spaß beim Lesen. Würde sie 10 Euro pro korrigierten Fehler bekommen, wäre sie heute steinreich. Sie bekommt leider nur einen Dank, aber ihr könnt mir schon helfen, sie in Dankesworten reich zu machen. Sie? Verliebtindich, natürlich.
Disclaimer: Wie immer, nichts gehört zu mir, beinahe alles gehört zu JK Rowling und der Warner Bros und weder ich noch Gabrielle verdienen Geld mit dieser Geschichte.
Anmerkung von der Autorin: Die Sätze in kursiver Schrift hört Harry auf eine ganz bestimmte Weise.
Harry Potter und der Schlüssel zur anderen Welt
Kapitel 11: Kampf gegen den Minotaurus:
Harry war wie erstarrt, als er das riesige Biest sah, das ihm gegenüberstand. Die Faust des furchtbaren Minotaurus' hob sich plötzlich. Harry hatte kaum die Zeit zu reagieren und aus dem Weg dieser riesigen bedrohliche Hand zu laufen, die auf ihn zuflog. Schließlich prallte sie auf den Boden und ließ ihn stark beben.
Harry versuchte jede Bewegung vom Minotaurus zu überwachen und gleichzeitig nach Ron zu suchen.
„RON! RON!"
„ICH BIN AUF DER ANDEREN SEITE!"
Das riesige Biest, das offensichtlich frustriert war, sein Ziel verfehlt zu haben, brummte vor Wut. Ron und Harry kehrten ihm den Rücken zu und liefen weg von ihm, während es ihnen mit langen schweren Schritten folgte.
„Erinnerst du dich an die Kurse über mythologische Geschöpfe?", fragte Harry, als er neben Ron stand.
„Sagen wir mal, dass ich gerade jetzt einige Schwierigkeiten habe, mich zu konzentrieren... Argh!"
Das Biest, das anscheinend schneller geworden war, hätte Ron um ein Haar niedergetrampelt. Als er gespürt hatte, wie sich ihm der Fuß seines Gegners ihm näherte, war der Gryffindor hochgeschreckt. Ohne es überhaupt zu besprechen, trafen sie beide die Entscheidung sich umzudrehen und unter dem Minotaurus durch zu laufen, damit er Zeit damit verlor, sich umzudrehen.
„Was machen wir?", fragte Ron mit erstickter Stimme.
„Ich erinnere mich daran, dass es ein gewisser Theseus war, der einen Minotaurus besiegt hat, aber ich erinnere mich nicht mehr daran, wie!"
„Mir wäre lieber gewesen, wenn du dich an die ganze Geschichte erinnert hättest!"
Der Minotaurus ließ ein weiteres wütende Brummen von sich vernehmen.
„Ron, wird werden ihn betäuben!"
„Glaubst du, es wird reichen?"
„Ich weiß es nicht, aber wenn wir weiter laufen, werden wir schnell erschöpft sein. Gehe zu dieser Seite, ich gehe zur anderen. Auf drei!"
„OK!"
Ron lief nach rechts, während Harry nach links abbog. Da der Minotaurus nicht mehr wusste, wo er hinlaufen sollte, stoppte er. Harry fing an zu zählen:
„Eins... Zwei... Drei... STUPOR!"
Zwei Lichtstrahlen flogen gleichzeitig auf den Minotaurus zu. Harry hielt den Fluch lang genug, bis das Biest aufhörte, sich zu bewegen. Als alles ruhig zu sein schien, senkte er schließlich seinen Zauberstab.
„HARRY!", rief Rons Stimme von einer dunklen Ecke aus.
„ICH BIN HIER!"
Ron lief atemlos zu Harry.
„Ich weiß nicht, ob es reichen wird... es sieht etwas zu einfach aus", sagte er, während er wieder zu Atem kam.
Ein leises verärgertes Murren kam im gleichen Augenblick vom Biest und ließ sie hochschrecken.
„Ich fürchte, dass es tatsächlich nicht reichen wird. Die Tür zum Raum ist verschwunden, und wenn wir wieder den gleichen Fluch auf ihn wirken, wird er sich daran gewöhnen und sich schneller davon befreien. Wir haben nur noch ein paar Sekunden, bevor er wieder erwacht. Was machen wir?"
Der Arm des Minotaurus' bewegte sich langsam, dann wurde ihre Aufmerksamkeit von einem starken Licht hinter ihm abgelenkt. Ein Schreibtisch war erschienen mit einem Käfig darauf.
„Was ist das?", fragte Harry überrascht.
„Ein Mäusekäfig!", rief Ron enttäuscht. „Glaubst du, dieses Biest fürchtet sich vor Mäusen?"
Der Minotaurus brüllte lauter denn je, während seine Beine bebten und er seine Arme langsam hob.
„Sie haben uns das gegeben, damit wir es benutzen", sagte Harry und behielt dabei das Monster im Blick.
„SIE HÄTTEN UNS DIE XXL-GRÖSSE GEBEN KÖNNEN!", schrie Ron.
Beide fingen an, vor dem Minotaurus nach hinten zu schreiten. Der Fluch würde bald nicht mehr wirken.
„Ich glaube, sie wollen, dass wir ihn kleiner machen", sagte Harry.
„Selbst, wenn wir es tun, wird der Zauber nicht lange genug wirken. Er wird den Käfig innerhalb von ein paar Minuten platzen lassen."
Ein zweiter Lichtstrahl erschien plötzlich hinter dem Monster, was Harrys Blick auf sich zog. Auf dem Schreibtisch mit dem Käfig stand nun auch ein Zaubertrankset mit Destillierkolben und Krügen, die noch krümmer waren als er je gesehen hatte.
„HARRY!", schrie Ron.
Harry, der auf das konzentriert war, was auf dem Schreibtisch stand, hatte nicht gesehen, dass das Biest wieder vollständig wach geworden war und ihn wie eine Ameise zertrampeln wollte. Er hatte kaum die Zeit, beiseite zu springen, um dem riesigen Fuß der Kreatur auszuweichen.
„AVIS!", rief Ron aus.
Sofort flogen etwa zehn Vögel aus Rons Zauberstab, was die Aufmerksamkeit des Minotaurus' ablenkte. Das Biest bewegte die Arme um sich, um die Vögel wie einfache Stechmücken wegzujagen.
„ALLES IN ORDNUNG, HARRY?", fragte Ron.
„Ja!", antwortete er, während er zu seinem Freund ging. „Was machen wir jetzt?"
„Ich weiß, was wir tun müssen", sagte Ron. „Wir müssen den Käfig mit einem Zaubertrank imprägnieren. Ich kenne die Formel, aber du musst dich um ihn kümmern."
Der Monster drehte sich um, als er die Stimmen hörte, und schenkte den beiden Jungen wieder seine Aufmerksamkeit. Harry und Ron liefen wieder los und der Minotaurus lief ihnen nach.
„Wie lange?", fragte Harry atemlos.
„Drei Minuten. Wird es gehen?"
„Los, geh!"
Harry drehte sich plötzlich zum Monster um, während Ron schnell zum Schreibtisch lief.
„RELASCHIO!"
Der Minotaurus verlor das Gleichgewicht und fiel zu Boden.
„MUMIFACIO!"
Ein langes Band aus Stoff wickelte sich um den Minotaurus, doch bald zerriss er wegen der Muskelkraft des riesigen Stiers. Harry fühlte sich gegen dieses Monster machtlos. Die Flüche hatten nur eine geringe Wirkung auf diese Muskelmasse. Aber Ron brauchte Zeit und das Monster würde nur Harry angreifen, wenn er die Aufmerksamkeit auf sich zog.
Der Mann mit Stierkopf stand sehr langsam auf, als hätte ihn der Fluch betäubt. Er brüllte vor Wut und warf seine Faust in Harrys Richtung.
„PETRIFICUS TOTALUS!", rief der Gryffindor ganz laut aus.
Ein langer Lichtstrahl flog auf das Biest zu, das stolperte und ein paar Meter vor dem Schreibtisch fiel, was manche Zaubertränke fallen ließ. Harry versuchte, den Fluch so lange zu halten wie er es konnte.
„ICH BIN FAST FERTIG!", schrie Ron. „ICH IMPRÄGNIERE DEN KÄFIG MIT DEM GEBRÄU!"
„SCHNELL!"
Doch diese einfache Worte hatten gereicht: Harrys Konzentration war geringer geworden und das Monster stand auf, nachdem es sich vom Fluch befreit hatte, und griff mit schneller Bewegung nach Ron, dem ein schmerzhafter Schrei entfuhr.
„HARRY!", rief er aus, während er von der Hand des Monsters zerdrückt wurde.
„RON!"
Harry ließ den Zauberstab kurz rotieren.
„CRUCIO!"
Vor Pein krümmte sich das Monster zusammen und seine Hand öffnete sich. Ron fiel plötzlich zu Boden und stand gleich danach wieder auf.
„JETZT!", schrie er mit verzogenem Gesicht.
Harry stoppte den Cruciatusfluch und machte eine weitere Zauberstabbewegung. Gleichzeitig wirkten Harry und Ron denselben Zauber.
„REDUCTO!"
Blaue Lichtstrahlen flogen von den Zauberstäben auf den Minotaurus zu, der zuerst nur langsam kleiner wurde. Doch plötzlich beschleunigte sich der Vorgang und der Minotaurus war bald klein genug, dass er in einer Hand liegen könnte.
Harry hielt den Fluch, während Ron den Käfig holte. Dann senkte er den Zauberstab und Ron steckte den Minotaurus, der leise Laute von sich gab, die nichts mit dem Brüllen zu tun hatten, das er vorher ausgestoßen hatte, in den Käfig.
„Das war's", seufzte Ron, der vor dem Käfig kniete.
Im gleichen Augenblick verwandelte sich der Raum wieder. Der Schreibtisch und das Zaubertrankset verschwanden. Der Raum sah nun genauso aus wie der, in dem Lupin seine letzte Aurorprüfung gemacht hatte. Eine alt aussehende Tür erschien wieder in diesem dunklen Raum, wo nur die Mitte beleuchtet war und zwei Stühle standen.
Harry und Ron waren von der Prüfung so sehr erschöpft, dass sie sich nicht mal bewegt hatten. Ein Klicken überraschte sie und sie richteten ihre Zauberstäbe zur Tür, deren Klinke langsam gedreht wurde. Aldysse Irre trat ein, damit beschäftigt, zwei Akten miteinander zu vergleichen, und blickte nicht zu ihnen hoch.
„Ihre Prüfung ist vorbei", sagte sie mit einer Stimme, die für Harry seltsam erklang.
Aldysse Irre, die immer noch die Akten anstarrte, ließ einen Schreibtisch erscheinen und legte sie darauf. Dann blickte sie hoch zu Harry und starrte ihn an.
„Das war lustig, nicht war?", sagte sie.
Ihre Stimme klang immer noch seltsam, als würde sie unendlich widerhallen.
„Das hätte ich nicht so ausgedrückt", sagte Harry, während er seinen Zauberstab senkte.
„Was? Was ist los?", flüsterte Ron Harry zu. „Was hättest du nicht so ausgedrückt?"
Harry drehte sich überrascht zu Ron um.
„Hast du sie nicht sprechen hören?", fragte er und zeigte auf ihre Lehrerin.
Ron schüttelte den Kopf.
„Miss Irre hat nicht mal den Mund aufgemacht, seit sie hier angekommen ist."
„Er kann uns nicht hören, Mr Potter", sagte eine offenbar verzerrte Stimme.
Diese seltsame Stimme ging von sehr hoch bis sehr tief, so dass sie irreal klang. Sie schien aus dem Nichts zu kommen und Harry konnte, obwohl er sich umsah, niemanden entdecken.
„Harry, was ist los?", fragte Ron mit beängstigter Stimme.
„Es gibt jemanden!", antwortete Harry. „Hörst du nicht?"
„Nein!", rief Ron aus.
„Meine Herren, bitte!", rief Aldysse Irre.
Harry drehte sich plötzlich um.
„Hörst du sie jetzt?", fragte er Ron.
„Ja."
„Meine Herren, hören Sie mir zu!", sagte Aldysse Irre lauter. „Ich muss Ihnen eine Frage stellen, also setzen Sie sich bitte."
Harry und Ron nahmen einen Stuhl und gehorchten. Aldysse Irre griff nach ihrem Zauberstab und zielte auf den kleinen Käfig, wo der Minotaurus noch vor Wut leise schrie.
„Evanesco."
Der kleine Käfig verschwand, von einer kleinen silbernen Rauchwolke ersetzt.
Aldysse Irre nahm einen Stuhl, setzte sich Ron und Harry gegenüber und nahm die beiden Akte vom Pult.
„Meine Frage ist einfach: Sind Sie bereit, Ihre Ausbildung weiter zu machen, obwohl Ihnen klar ist, dass dies eine bloße Übung war? Überlegen Sie gut, bevor Sie antworten."
„Aber natürlich werden sie weitermachen, Aldysse", sprach wieder die verzerrte Stimme.
Harry stand plötzlich auf. Diesmal war er sicher: Die Stimme kam von hinter ihm.
Ron hatte sich nicht bewegt. Überrascht machte er die Augen weit auf und schüttelte den Kopf als Bestätigung, dass er nichts hörte.
„Mr Cirkus, Sie sind es nicht, der Mr Potters Entscheidung treffen soll."
Aldysse Irre stand dann von ihrem Stuhl auf. Harry sah sich weiter um, ohne irgendwas zu sehen. Auch Ron stand auf und fing an, nach einer Bewegung im Dunkeln zu suchen, obwohl er nichts gehört zu haben schien. Diesmal war es sicher, jemand war da und Aldysse Irre hatte diese Stimme gehört. Ron aber nicht.
„Sie haben es gehört?", fragte Harry.
Miss Irre lächelte bestätigend.
„Ich glaube, dass Sie mit Ihrer Ausbildung weitermachen werden?", fuhr sie fort. „Beide?"
Sie sah Harry und dann Ron an.
„Ich halte Ihre Stille für ein Ja", sagte sie schließlich. „Ich stelle Ihnen also die beiden Auroren vor, die Sie während des kommenden Jahres beaufsichtigen werden. Herr Cirkus und Herr Barbârum, bitte!"
Harry schaute hinter sich. Schritte erschallten und zwei Männer erschienen. Beide trugen eine Maske – die eine war dunkelgrau, die andere bläulich. Außer dieser Maske konnte sie nichts voneinander unterscheiden. Lange blonde Haare, die zu einem Pferdeschwanz gebunden wurden, Handschuhe, ein weißes Hemd und blaue Jeans. In einer Hand hielten sie ihren Zauberstab, in der anderen, eine Akte.
„Da Sie die meisten Auroren hier kennen", sagte Professor Irre, „und da sie seltsamerweise alle Ihre Tutoren werden wollten, habe ich die Entscheidung getroffen, ihre reale Identität zu verheimlichen. Sie dürfen Ihnen nichts sagen, wer sie sind, und wenn sie es tun, werden sie sofort gefeuert. Aus dem gleichen Grund dürfen Sie nicht versuchen zu wissen, wer sie sind. Ist es deutlich?"
Harry und Ron nickten. Harry starrte die beiden Männer an, die ihm gegenüber standen und sie zu beobachteten schienen.
„Sie werden bald entdecken, dass auch ihre Stimme von einem Zauber verstellt wurden", fuhr sie fort. „Und was Sie betrifft, meine Herren Tutoren, ich verbiete Ihnen, in Ihren Noten Ihre Auszubildenden zu begünstigen."
Der Mann mit der grauen Maske näherte sich Harry und musterte ihn.
„Er weiß Bescheid, aber Mr Weasley nicht!", sagte der Mann.
Harry spürte, dass dieser Mann nicht physisch sprach, als würden sich seine Worte direkt in seinen Kopf einprägen und dort erschallen. Ron hatte nicht reagiert. Offenbar hörte er diese seltsame Stimme nicht.
„Mr Potter, Sie stecken voller Überraschungen", sagte Aldysse Irre.
Harry drehte sich zu ihr um.
„Haben Sie das Buch?", fragte sie, ohne die Lippen zu bewegen.
Auch sie sprach nicht direkt zu ihm. Ihre Worten kamen direkt in seinem Kopf an, als würde er die Gedanken der anderen hören.
Harry nickte. Er drehte sich zu Ron um, der das Ganze argwöhnisch beobachtete. Aldysse drehte sich zum Rothaarigen um.
„Mr Weasley", sagte sie mit deutlicher Stimme, „Ihr Tutor wird Mr Barbârum sein. Er wird in Kürze ein Einzelgespräch mit Ihnen führen. Zuerst werde ich Ihnen erklären, wie Ihre Ausbildung laufen wird. All Ihre schriftlichen Prüfungen werden Sie während dieser Woche hier machen. Ich verspreche Ihnen, dass Sie im Ministerium keine praktische Prüfung mehr haben werden. Da Sie nun Siebtklässler in Hogwarts sind, werden auch Ihre Tutoren dort wohnen. Im Laufe des Schuljahres werden Sie Ihre normalen Unterrichtsstunden haben, aber auch praktische Prüfungen. Diese Prüfungen können um jede Uhrzeit stattfinden, daher empfehlen wir Ihnen, Ihren Zauberstab ständig bei sich zu behalten. Wegen Ihres Status werden Sie dieses Jahr mehr Freiheiten haben. Ihre Prüfungen können Sie mitten in den Verbotenen Wald führen, um eine Pflanze zu holen, die Sie zum Beispiel für einen Zaubertrank brauchen werden. Sie werden auch von der Ausgangssperre befreit."
Ron schaute Harry mit einem offensichtlich hoch erfreuten Ausdruck an.
„Glauben Sie nicht, dass es eine gute Nachricht wäre", fuhr Aldysse fort. „Ihre Tutoren werden Ihnen sowieso wie Schatten folgen und werden ständig wissen, wo Sie sich befinden, und zwar dank diesem Pergament."
Aldysse Irre zog ein altes Pergamentstück aus ihrer Tasche, das sie auf den Schreibtisch legte und auf das sie mit ihrem Zauberstab zielte.
„Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin."
Die Karte wurde dann von Linien bedeckt.
„Meine Karte...", murmelte Harry.
„Nein, Mr Potter, das ist nicht Ihre Karte, sondern eine genaue Kopie von der, die Ihnen Mr Malfoy gestohlen hat. Sie wurde mir von Mr Lupin anvertraut. Und selbst wenn es Ihre Karte wäre, würde ich sie als Ihre Lehrerin beschlagnahmen. Es gibt Informationen, die Sie nicht entdecken dürfen."
Harry seufzte.
„Gut, es wird Zeit, dass wir Ihnen von Ihrer ersten Prüfung berichten. Mr Barbârum, bitte begleiten Sie Mr Weasley in mein Büro, wo Sie sein Gespräch führen können. Ich werde einen kurzen Augenblick hier mit Mr Cirkus und Mr Potter bleiben."
„Folgen Sie mir", sprach Barbârums verzerrte Stimme zu Ron.
Ron folgte seinem Tutor und schloss die Tür hinter ihnen. Harry spürte, wie in ihm eine gewisse Ängstlichkeit anstieg. Er vertraute diesen Leuten nicht... Umso weniger diesem Cirkus.
„Gut, fangen wir mit den wichtigen Sachen an, Mr Potter", sagte Professor Irre und sah ihn dringlich an. „Wie haben Sie gewusst, dass Sie die Hoffnung sind?"
Harry erstarrte bei dieser plötzlichen Frage.
„Aldysse!", sagte Mr Cirkus. „Seien Sie nicht so brüsk. Vielleicht wäre es vernünftiger, ihm zu erklären, warum er uns hören kann, auch wenn wir nicht sprechen."
Aldysse seufzte und setzte sich wieder.
„Dann bitte schön, Cirkus!", sagte sie, während sie auf ihren Stuhl schaukelte. „Für mich ist es ein bisschen kompliziert!"
Cirkus legte die Akte und seinen Zauberstab auf einen Stuhl. Dann zog er seinen linken Handschuh aus und zeigte Harry den Rücken seiner Hand. Auf der lädierten Hornhaut war ein Dreieck eingeprägt, wie eine rötliche Narbe, die vor kurzem erschienen wäre.
„Ich bin der Geist", sagte Cirkus. „Ich bin von der anderen Welt zurückgekehrt. Ich habe die Macht, alles zu hören, was Sie denken, und zu sprechen, ohne den Mund aufzumachen. In meiner Anwesenheit können die Nachfahren der vier Zauberer telepathisch miteinander kommunizieren. Aus diesem Grund können Sie mich und Miss Irre hören. Mit Ihnen ist es schwieriger, denn Sie wurden von einem hervorragenden Okklumentiklehrer unterrichtet. Aber Sie schreien im Innern Ihres Geistes, Sie wollten unbedingt mit uns sprechen, also konnte ich Sie hören. Ich kenne all Ihre Gedanken, all Ihre Befürchtungen."
Harry hörte Cirkus aufmerksam zu. Diese Worte klangen wie eine Totenglocke. Wie eine Warnung.
„Cirkus", sagte Professor Irre, die dabei war, die Farbe ihres Nagellacks magisch zu ändern. „Wenn Sie mit dieser Stimme sprechen, sind Sie besonders beunruhigend."
„Wer ist denn daran Schuld?", sagte Cirkus mit offenbarem Ärger. „Nicht ich habe ich darum gebeten, diese lächerliche Kleidung zu tragen."
„Was mich betrifft, so finde ich, dass sie Ihnen richtig gut passt", antwortete sie lächelnd.
Cirkus seufzte hinter seiner Maske. Professor Irre stand auf und ging auf Harry zu.
„Er klingt eher rau, aber alles in allem hat unser kleiner Cirkus ein liebevolles Herz", sagte Aldysse und schaute Harry an. „Er ist nicht so ernsthaft wie er es scheint."
Harry war etwas verwirrt. Er wusste nicht, ob er sich vor den zwei entspannten Leuten vor ihm fürchten oder ihnen vertrauen sollte.
„Ich möchte wissen...", sagte Harry langsam.
„Tut mir Leid!", griff Aldysse Irre ein. „Das ist heute nicht das Thema. Sie haben gerade eine Prüfung gehabt und ich muss Ihnen schon Ihre Ergebnisse geben, oder?"
„Aber..."
„Es nützt nichts zu drängen", sagte Professor Irre mit einem strengeren Ton. „In dieser Sache werden Sie schnell begreifen, dass sich die Beziehung zwischen Geist, Mensch, Tod und Hoffnung auf zwei Dinge begrenzen: Einander und den Schlüssel zu finden. Wir sind jetzt drei von vier und wenn wir den Menschen gefunden haben, werden wir uns endlich um das Wichtige kümmern können. Wenn Sie es noch nicht wissen, heißt es, dass Sie Ihr Buch noch nicht gelesen haben. Dann lesen Sie es und Sie werden zu gehöriger Zeit wissen, was Sie wissen müssen. Das gilt für mich genauso sehr wie für Sie und für Mr Cirkus. Das Schicksal hat es schwieriger gemacht, als wir es erwartet hätten, aber wir werden es schaffen. Unser Gelingen liegt daran."
„Welches Gelingen?", fragte Harry.
„Lesen Sie, Mr Potter! Es wird Sie davon abhalten, nutzlose Fragen zu stellen", sagte Aldysse Irre und setzte ihre Brille auf die Nase. „Mr Cirkus, darf ich Ihre Noten zu Mr Potters Eingriff bei seiner ersten Prüfung sehen?"
Cirkus gab Professor Irre wortlos seine Akte. Er musterte Harry anscheinend sehr aufmerksam. Die Maske aber ließ keine Rührung, keine Gefühle durch... keine einzige Mimik, die gezeigt hätte, was Cirkus dachte. Sie ließ nichts Menschliches durch.
„Hier sind Ihre Noten, Mr Potter. Auf 100 Punkte. Zur Gesamttechnik gebe ich Ihnen 16 von 20 Punkten. Sie hätten den Cruciatusfluch früher wirken können, statt simple Zauber zu wählen. Zur Koordinierung der Bewegungen mit einem Partner gebe ich Ihnen 13 von 20 Punkten. Ihr letzter mündlicher Eingriff hätte Ihren Partner beinahe gefährdet. Empfindlichkeit der Gefahr gegenüber, 19 von 20. Es war hervorragend, ich habe nichts zu sagen. Eingriffsschnelligkeit, 12 von 20. Hätte Sie Ihr Freund nicht gewarnt, so wären Sie von der Kreatur zertrampelt worden. Aufgewecktheit, 10 von 20. Sie haben tatsächlich den Käfig benutzt, aber Sie sind bei der Formel nutzlos gewesen. Sie sollten den Stoff zu ihrem Zaubertränkeunterricht wieder lernen. Es ist ein Zaubertrank aus dem zweiten Schuljahr und Sie haben nicht mal daran gedacht... Sie haben also insgesamt 70 von 100 Punkten. Das ist passabel aber es reicht nicht. Um Auror zu werden, verlangen wir mindestens 75 von 100 als Durchschnittsnote. Sie werden diesen Rückstand einholen müssen. Sie dürfen nach Hause gehen, um sich zu erholen. Morgen um die gleiche Uhrzeit fangen Ihre schriftlichen Prüfungen an. Und an Ihrer Stelle würde ich ernsthaft Zaubertränke lernen."
Aldysse Irre faltete ein Pergamentstück in ein Flugzeug und berührte es dann mit dem Zauberstab. Das Flugzeug flog sofort ab und durch die Tür, die sich öffnete und hinter ihm wieder schloss.
„Ich frage mich bloß, warum Ihr Freund Ron nicht Bescheid weiß", fragte sie, während sie zur Tür ging. „Doch hätte ich nach dem gedacht, was man mir über Sie erzählt hat, dass Sie wüssten, wie es ist, wenn man in Unwissenheit behalten wird. Ist es nicht frustrierend zu wissen, dass einem der beste Freund eine so wichtige Sache verheimlicht wie den künftigen Tod einer nahen Person?"
Harry blieb sprachlos. Er schaute, wie Aldysse Irre ihm schelmisch zulächelte und hinausging.
„Bis morgen!", sagte sie.
Und sie schloss die Tür hinter sich. Harry und Cirkus blieben alleine.
„Sie hat soviel Stil!", sagte Cirkus. „Es ist wunderbar."
Er drehte sich zu Harry um.
„Es ist schade, dass ich Ihnen nicht sagen darf, wer ich bin", fuhr er fort. „Der Geist in mir hat reichlich Zeit gehabt, mit Ihrer Mutter zu sprechen. Sie bittet Sie darum, nicht zu sehr auf sie sauer wegen dem zu sein, was sie getan hat. Ich meine, dass sie Ihnen dies gegeben hat."
Cirkus zeigte auf Harrys Narbe.
„Sie... Sie haben sie gekannt? Wie?"
„Am Tag, an dem sich die vier Zauberer getrennt haben, ist der Geist zur anderen Welt hingekommen. Dafür hat die Hoffnung den Geist eigenhändig getötet. Das musste er. Da der Geist ermordet worden war, befand er sich hinter dem Spiegel der Schatten. Als der Spiegel zerbrach, habe ich diese Welt verlassen und die anderen weggehen lassen."
„Aber... ich habe Sie an dem Tag nicht gesehen, an dem der Spiegel zerbrochen ist!"
„Ja", sagte Cirkus. „Und doch war ich Ihnen so nah."
Stille herrschte einen Augenblick lang.
„Ich sollte Ihnen all das nicht sagen", fügte Cirkus hinzu. „Sie sollten jedoch wissen, dass diese Narbe, wenn Sie im Moment nur deren schlechten Seiten sehen, in der Tat ein Segen ist."
Cirkus ging mit eiligen Schritten zur Tür.
„Weasley wird binnen einiger Minuten mit seinem Gespräch fertig sein. Sie sollten vor dem Aufzug auf ihn warten."
Cirkus lief durch die Tür hinaus und schloss sie hinter sich. Doch Harry wollte es nicht dabei bleiben lassen. Er wollte mehr wissen. Er wollte alles über seine Eltern wissen. Über alles, was Cirkus wusste, was in dieser Welt geschehen war. Er wollte auch Nachrichten von Sirius.
Harry versuchte seinen Tutor einzuholen und rannte zur Tür, um sie zu öffnen. Doch der Gang war leer. Keiner war in der Nähe.
Nachdem er durch die leeren Gänge gelaufen war, kam Harry vor dem Aufzug an. Ron war noch nicht da.
Er war bestürzt. Er dachte an so viele Dinge gleichzeitig. Was wusste Cirkus über seine Eltern? Und wer versteckte sich hinter dieser so kalten Maske? Und Aldysse Irre. Warum wich sie dem Gespräch aus?
„Harry?"
Ron war gerade vor Harry angekommen und zog ihn aus seinen Gedanken.
„Alles in Ordnung?"
„Ja, alles in Ordnung."
„Na, was ist geschehen?", fragte Ron, indem er den Aufrufknopf drückte.
„Nichts Besonderes", antwortete Harry, der immer noch verwirrt war.
„Und deine Note?"
„Meine Note?"
„Du hast doch deine Note bekommen? Wir waren dafür da!", rief Ron aus.
„Ich habe 70 bekommen, und du?"
„72."
Harry erinnerte sich dann an Professor Irres letzten Satz. Ron wusste nicht, was los war, aber eines Tages würde er die Wahrheit kennen. Er könnte sauer auf ihn werden, dass er ihm nichts gesagt hatte.
„Harry, was ist los?", fragte Ron.
„Was?", schreckte Harry hoch.
„Du hast dort drüben diese Stimmen gehört und ich weiß nicht, was gesagt wurde, aber du bist ganz bleich geworden! Verdammt noch mal, warum willst du mir nichts sagen? Du bist seltsam in letzter Zeit!"
„Nein!", antwortete Harry linkisch. „Es ist bloß, dass Cirkus es geschafft hat, sich in meinen Kopf einzuschleichen."
„Er ist ein Legilimentor wie Snape?"
„Snape... Snape", wiederholte Harry.
Auch er konnte die Gedanken der anderen lesen. Er war allerdings da gewesen, als der Spiegel zerbrochen worden war. Aber es konnte nicht Cirkus sein. Es war unmöglich. Er war jetzt völlig regungslos. Wahrscheinlich im St. Mungo.
„Harry!", rief Ron noch einmal aus. „Harry, verheimlichst du mir etwas?"
„Nein! Natürlich nicht."
Harry sah Ron an und versuchte, auf seinem Gesicht nichts von seiner Sorge zu zeigen.
„Cirkus ist ein mächtiger Legilimentor", lächelte er. „Und die Tatsache, dass er es geschafft hat, sich in meinen Kopf einzuschleichen, hat mich verwirrt. Ich denke, dass ich wieder Okklumentik üben sollte."
„Joa", sagte Ron schließlich mit wenig überzeugter Stimme.
Die Tür des Aufzugs öffnete sich und sie betraten ihn wortlos.
„Sag mal! Was meinst du, wenn wir zur Winkelgasse gehen würden?", fragte Harry, um das Gesprächsthema zu ändern. „Ich würde mir gerne ein Buch zu den Basiszaubertränken besorgen. Wenn ich meine Tante darum bitte, wird sie schon wieder sagen, dass ich in ihrem Fach nicht genug arbeite. Wie hast du dich übrigens an diesen Trank erinnert?"
Rons Gesicht wurde plötzlich finster.
„Dieser verfluchte Krätze knabberte an seinen Gittern", sprach er mit schwacher Stimme. „Hermine hatte mir vor langer Zeit diese Formel beigebracht, um mir zu helfen."
