Hallo an alle! Und hier kommt das nächste Kapitel von Gabrielle Lavandes Geschichte Harry Potter et la Clé de l'autre monde. Viel Spaß beim Lesen. Geschichte betagelesen. Stopp. Von Verliebtindich korrigiert. Stopp. Danke. Stopp.
Disclaimer: Wie immer, nichts gehört zu mir, beinahe alles gehört zu JK Rowling und der Warner Bros und weder ich noch Gabrielle verdienen Geld mit dieser Geschichte.
Harry Potter und der Schlüssel zur anderen Welt
Kapitel 12: Malfoys Rückkehr:
„In fünf Minuten nehme ich Ihre Aufsätze zurück", sagte Aldysse Irre.
Schon seit vier Tagen saß Harry den ganzen Tag auf diesem Stuhl im Prüfungsraum. Wie sie es ihnen versprochen hatte, hatte ihnen Aldysse Irre keine Überraschung wie den riesigen Minotaurus gemacht, der sie am ersten Tag willkommen geheißen hatte. Jedoch kamen Ron und er jeden Tag misstrauisch, um diese schriftlichen Prüfungen hier im Ministerium zu machen, aber jedes Mal lief es ohne Schwierigkeiten. Es gab viele mehr oder weniger schwierige und technische Fragen, doch immer wieder gab es ein paar, die ihn zum Lächeln brachten. Fragen wie jene, die er gerade fertig beantwortete: Was würden Sie tun, wenn ein Geist aus dem Tagebuch eines gefährlichen Magiers erscheinen würde?
All diese Fragen kamen bestimmt von seinen Aurorenfreunden, eine Art Augenzwinkern bei diesen Prüfungen. Jedoch waren sie dafür nicht ganz einfach: Nicht jeder hat einen Basiliskenfangzahn zur Hand, um Riddles Tagebuch zu zerstören.
„Die Zeit ist um", sagte Aldysse Irre und rief die Aufsätze mit einer Zauberstabsbewegung auf.
Ron, der die Feder in der Hand hielt, schien verärgert zu sehen, dass seine Kopie so schnell wegflog.
„Sie werden Ihre Ergebnisse von Ihren Tutoren bekommen, mit denen ich in Hogwarts arbeiten werde. Sie werden ständig bei Ihnen bleiben. Sie dürfen gehen, bis Montag."
Harry stand auf und streckte sich. Es war sein letztes Wochenende vor der Rückkehr nach Hogwarts. Die Ferien waren bereits vorbei.
Er ging durch die Tür und schaute Ron an, der sein Entwurfspergament irritiert anstarrte.
„Und? Wie ist es gelaufen?"
„Ich habe keine Zeit gehabt, fertig zu schreiben", sagte Ron. „Ich habe die Frage zu den Erklingen nicht beantwortet. Ich habe doch dieses Kapitel in Diese Monsters, die Ihre Nächte plagen wieder gelesen, aber ich konnte mich an nichts erinnern."
„Ich dachte, die schriftlichen Prüfungen wären schwieriger gewesen. Es gab nicht so viele Fragen zu Zaubertränken", sagte Harry zufrieden.
Ron antwortete nicht. Er war noch von seinen bekritzelten Pergamentstücken besessen.
„Es nützt nichts, deine Entwürfe noch mal zu lesen", bemerkte Harry. „Man könnte schwören, Hermi..."
Ron blickte kurz zu ihm, bevor Harry seinen Satz ausgesprochen hatte. Harry hörte auf zu lächeln und ging wortlos weiter. Ron warf all seine Notizen in die nächstbeste Mülltonne.
Der Weg zu den Evans verlief in einer schweren Stille und schien nicht enden zu wollen. Jede so winzige Anspielung auf Hermine machte Ron eine Stunde lang stumm. Sie apparierten wortlos ins Wohnzimmer der Evans.
„Wir sind da", sagte Harry.
„Und, wie ist es gelaufen?", fragte Selene Evans, die das Wohnzimmer betrat, während ihr Fanely nachtrippelte.
„Nicht schlecht", sagte Harry. „Ich denke, das sollte reichen."
„Und bei dir, Ron?"
„Tja", antwortete er nicht überzeugt. „Es kann gehen."
„Wir werden sowieso bald wissen, welche Ergebnisse ihr gehabt habt", sagte Tante Selene. „Aber vorher muss ich etwas Unangenehmes sagen."
„Was ist los?", fragte Harry, der in Panik geriet. „Ist jemand verletzt worden?"
„Nein, es ist nichts Schlimmes", antwortete sie lächelnd. „Setzt euch."
Harry und Ron setzten sich auf das Sofa, während Selene zur Treppe ging.
„Mark!", rief sie. „Kannst du bitte einen Augenblick kommen?"
„Ich bin gleich da!"
Tante Selene setzte sich auf einen Sessel Ron und Harry gegenüber und setzte Fanely auf ihren Schoß.
„Ich will zischender Wiesbiss", sagte das Mädchen.
„Nein, und frage deinen Bruder nicht danach, er wird dir keine mehr geben. Du wärst beinahe durch das Fenster geflogen."
„Nein! Ich will."
Mark lief herein.
„Was ist los?", fragte er.
„Zischender Wiesbiss", sagte Fanely.
„Tut mir Leid, Schwesterherz, ich habe keine Lust darauf, dich vom Schrank herunterzuholen. Aber du solltest zu Dad gehen, er sitzt in seinem Büro und ich glaube, dass er in einer Schublade Schokofrösche hat."
Fanely sprang von den Knien ihrer Mutter herunter und lief in den Gang hinaus.
„In diesem Haus wird nicht gelaufen!"
Selene seufzte verärgert und drehte sich zu ihrem Sohn um.
„Setze dich bitte, Mark", sagte sie. „Du bist direkt betroffen."
Mark sah Ron und Harry verständnislos an. Er setzte sich an ihrer Seite und bereitete sich vor, seiner Mutter aufmerksam zuzuhören.
„Ich muss euch eine schlechte Nachricht geben und ich glaube, dass auch ihr diesen Beschluss nicht verstehen werdet, den der Schulrat von Hogwarts getroffen hat. Ich war dagegen, aber ich bin nicht die Einzige, die mitentscheiden darf... und tja... er hat eine Menge Leute angezeigt, also kann man schon denken, dass er sich geändert hat... und McGonagall ist sicher, dass er ehrlich ist, also ist es schon ein gutes Zeichen."
„Mum, sag schon, was du uns sagen willst!", seufzte Mark.
„Ja", sagte sie, holte tief Luft und verzog das Gesicht. „Draco Malfoy kehrt nach Hogwarts zurück."
„WAS?", riefen alle drei Jungen gleichzeitig.
„Aber dieser Verräter ist geflohen", sagte Harry. „Wo ist er? Und wo steckt sein Vater? Und warum kehrt er zurück?"
„Ruhe... Ruhe...", sagte Tante Selene. „Auch mir wäre es lieber gewesen, wenn er Crabbe und Goyle Jr. in ihrer Anstalt für straffällige junge Zauberer begleiten würde. Draco Malfoy hat jedoch mehrere Monate lang das Zaubereiministerium informiert, ohne dass irgendjemand davon Bescheid wusste. Er hat vor einer Menge Angriffe gewarnt, zu denen er genaue Informationen hatte. Anscheinend ist er mehrere Monate lang auf der Flucht gewesen, um seinen Vater aufzufinden, hat ihn jedoch nicht gefunden."
„Das sagt er!", rief Ron aus.
„Ja, auch mir ist es seltsam vorgekommen, Ron", sagte Tante Selene. „Professor McGonagall hat ihn sich aber Prüfungen unterziehen lassen, um zu wissen, ob er log, und anscheinend lügt er nicht. Ich denke, dass wir Professor McGonagall vertrauen können, oder?"
Harry antwortete nicht, war aber gar nicht froh. Er war sicher gewesen, dass er Malfoy nie wiedersehen würde, außer in einer Strafvollzugsanstalt für junge Zauberer, und jetzt würde er ihn in Hogwarts wiedersehen.
„Er scheint seinen Handel zutiefst zu bedauern. Er wollte nur seinen Vater retten, was gut verständlich ist. Und jetzt weiß er, dass er im Lager von Du-Weißt-Schon-Wem nicht erwünscht wird, und ihr könnt sicher sein, dass er ihnen keineswegs helfen wird."
„Und sein Vater?", fragte Harry. „Er wird seinem Vater folgen, egal, was er tut."
„Wenn ihn Du-Weißt-Schon-Wer findet, wird er ihn töten", sagte Tante Selene. „Wenn es das Ministerium ist, wird er sowieso im Gefängnis sterben. Sein Sohn hat einen sauberen Umhang, Lucius aber nicht."
Harry seufzte. Die bloße Vorstellung, Malfoy in den Gängen von Hogwarts wieder zu treffen, war ihm zuwider.
„Das bringt mich zu einer Frage", fuhr Tante Selene fort und sprach zu ihrem Sohn. „Professor Dumbledore gewährt dir eine Gunst, Mark. Er weiß, dass das letzte Jahr für dich als Slytherin schwierig gewesen ist und dass du es für die anderen getan hast und nicht für dich selbst. Ausnahmsweise wirst du dieses Jahr die Prüfung des Sprechenden Huts wieder machen dürfen. Es ist ein großer Beweis von Anerkennung und du bist der Einzige in der Geschichte von Hogwarts, der es tun durfte. Was hältst du davon?"
„Aber... Aber...", stotterte Mark. „Wenn Malfoy was im Schilde führt... könnte ich... könnte ich..."
„Mark!", rief Tante Selene aus. „Möchtest du bitte endlich aufhören, den Superhelden zu spielen? Es wird Zeit, dass du an die Schule denkst. Du hast hervorragende Fähigkeiten und doch hast du nur mittelmäßige Noten."
„Aber... eigentlich... ist es nicht das... Ich will bei den Slytherins bleiben!", rief er aus.
„Was?", rief Harry aus.
„Ihr habt echt zu viele Vorurteile", sagte Mark. „Wisst ihr, am Ende des letzten Schuljahres sind viele Slytherins zu mir gekommen, um mir zu sagen, dass sie mich für das bewunderten, was ich getan hatte. Sie sind nicht alle böse und grausam. Eigentlich gab es am Ende des Jahres wahrlich zwei Lager in unserem Haus: Eines war für Voldemort, aber blieb eher diskret, und das andere ganz gegen ihn... Und ich habe den Ruf vieler Slytherins wieder verbessert. Ich fühle mich wohl bei ihnen und habe keine Lust, sie im Stich zu lassen, auch wenn in diesem Haus nicht jeder perfekt ist... Aber ich glaube, es ist in allen Häusern gleich... Keiner ist perfekt! Ich will bei ihnen bleiben."
Tante Selene sah ihren Sohn argwöhnisch an.
„Du versprichst mir, dass du nicht wegen Malfoys Rückkehr in Slytherin bleibst."
„Ehrenwort!", rief Mark aus.
„Du wirst es nicht bereuen, nicht in Ravenclaw oder in Gryffindor wie Harry zu sein."
„Niemals."
„Du wirst besser arbeiten."
„Ich werde es versuchen."
„Du führst nichts im Schilde."
Mark verzog das Gesicht.
„Mark...", sagte Tante Selene. „Heck nichts aus."
„Gut... ich werde nicht den Superhelden spielen... reicht es?"
„Mark!"
„Oh Mum! Vertraue mir bitte", sagte Mark. „Ich bitte dich um diese Gunst. Ich bin ein Star für sie. Ich bin derjenige, der ein anderes Bild vom Haus gegeben hat. Es kann nur gut für die Allianz der Häuser sein, wenn ein Slytherin wie ich sich mit den Gryffindors, den Ravenclaws und den Hufflepuffs gut versteht... Das ist eine Öffnung für einen Brüderschaftsgeist in Hogwarts. Wenn ich den ersten Schritt mache, werden die anderen mir folgen. Ich bin ziemlich einflussreich geworden."
Ron brach plötzlich in lautes Gelächter aus.
„Warum lachst du?", fragte Harry.
Ron hörte einen Augenblick lang auf zu lachen und richtete sich auf.
„Ich bin ein Star! Ich bin ziemlich einflussreich geworden", ahmte er Mark nach. „Er klingt wie Percy."
Auch Harry lachte auf.
„Alles klar, verspottet mich...", sagte Mark offenbar gekränkt. „Wenn ich einem deiner Brüder ähnlich bin, Ron, dann bestimmt nicht Percy. Na, Mum, darf ich in Slytherin bleiben?"
„Einverstanden", sagte Tante Selene. „Ich habe nichts dagegen, wenn es nicht dafür ist, um Malfoy auszuspionieren. Los mit euch! Ihr solltet euch vor dem Abendessen die Hände waschen. Es ist in zehn Minuten fertig. Mark, wenn du bitte Ron und Harry ihre Schulsachen für dieses Jahr geben möchtest."
„Das mache ich, Mum."
Mark, Ron und Harry standen auf und gingen zur Treppe, während Tante Selene in die Küche zurückkehrte.
„Mark", fragte Harry, „bist du sicher, dass du nur aus den Gründen, die du genannt hast, in Slytherin bleibst?"
Mark stieg die Stufen langsam hinauf und lächelte kurz.
„Nicht genau", antwortete er.
„Mark."
„Es ist nicht das, was du denkst, Cousin", sagte Mark. „Dieses Jahr werde ich mich ein bisschen amüsieren. Ich werde mich entspannen. Es wird genial sein."
Mark drehte sich plötzlich zu Ron um.
„Du hast die Tradition nicht fortführen wollen, also werde ich es tun."
„Oh, sag mir bitte nicht, dass..."
„Ich werde Fred und George Weasleys Ruf gewachsen sein", fügte Mark mit einem schelmischen Blick hinzu. „Malfoy sollte sich lieber gut benehmen, denn dieses Jahr bin ich es, der ihm schwer zu schaffen machen wird."
„Mark, ich bin Vertrauensschüler und..."
Doch Mark hatte schon sein Schlafzimmer betreten und die Tür hinter sich geschlossen.
„Ich ahne, dass er auch uns zu schaffen machen wird", seufzte Ron, während er die Tür von Harrys Zimmer aufmachte.
Sofort flog eine kleine goldbraune Eule heraus und landete auf Harrys Schulter.
„Hermine", sagte Harry, ohne sich seines Schnitzers bewusst zu sein.
„Ja, anscheinend hast du Nachrichten von ihr bekommen", sagte Ron tonlos. „Da ist ein Brief auf deinem Bett."
Harry ging auf sein Bett zu und holte den Umschlag, auf dem Für Harry und Ron stand. Er schaute dabei die kleine Eule auf seiner Schulter an, doch sie starrte Ron an, der sich auf sein Bett fallen ließ und zur Decke hinauf schaute.
„Der Brief ist für uns beide", sagte Harry, bevor er ihn vorlas.
Liebe Harry und Ron,
ich hoffe, dass es Euch gut geht. Ich habe schon lange keine Nachrichten bekommen und ich wunderte mich, ob Eure Prüfung gut gelaufen ist.
Ich habe bei den Longbottoms gelernt und konnte daher diese Woche meine Muggelprüfungen schreiben. Neville hat mir beim Lernen viel geholfen. Die Muggel brauchen aber mehr Zeit zum Korrigieren, also werde ich erst später Bescheid wissen.
Ich habe meinen Brief aus Hogwarts bekommen und dieses Jahr werde ich Schulsprecherin sein. Es ist eine große Verantwortung. Luna hat mir gesagt, dass der Schulsprecher in Ravenclaw ist.
Es ist schade, es wäre mir lieber gewesen, wenn du ernannt worden wärst, Ron. In den letzten Jahren hast du viel gearbeitet. Du hattest es reichlich verdient. Ich hätte trotzdem so gerne mit dir weiter gearbeitet. Ich werde nicht sauer auf dich sein, wenn du nicht länger mit mir sprechen willst. Ich vermisse deine Freundschaft sehr.
Ich denke oft an euch. Ich freue mich darauf, euch Montag wiederzusehen.
Bis bald
Hermine
Harry faltete den Brief.
„Schulsprecherin", sagte er und lächelte der Eule zu. „Es überrascht mich nicht."
Die Eule ließ einen leisen Schrei vernehmen. Harry schaute zu Ron, der sich nicht bewegt hatte.
„Ich werde Hermine antworten", sagte Harry langsam. „Willst du ihr etwas schreiben."
Ron schnaubte laut.
„Sag ihr bloß Hallo von mir."
Die Eule hickste.
Harry ging zu seinem Schreibtisch, Hermine auf seiner Schulter, und öffnete eine Schublade, um ein Pergament zu holen. Dann tat er, als würde er langsam schreiben.
„Hermine, ich muss dir etwas zeigen", flüsterte er ihr zu.
Er beugte sich zu seinen Schulsachen und zum großen Kessel, in dem das Buch der Hoffnung lag. Er nahm es und legte es auf den Tisch.
„Ich habe es an meinem Geburtstag bekommen."
Harry setzte Hermine auf den Schreibtisch neben dem großen Buch und öffnete es auf den ersten Seiten. Hermine hüpfte auf das Buch, beugte sich dazu, und sah dann Harry mit großen Eulenaugen an.
„Also habe ich angefangen, es zu lesen, aber..."
„Harry, du sprichst mit dir selbst", sagte Ron und stand von seinem Bett auf. „Das ist was Neues."
„Ich dachte bloß laut", sagte Harry und legte die Arme auf das Buch, damit Ron nichts sehen konnte.
„Schreibe deinen Brief fertig, ich werde deiner Tante helfen, den Tisch zu decken", sagte Ron und ging zur Tür. „Ich rufe dich herunter, wenn es fertig ist."
Harry nickte und Ron schloss die Tür hinter sich. Sofort ergriff der Gryffindor seinen Zauberstab und verschloss sie magisch. Hermine verwandelte sich dann zurück.
„Was ist das für ein Buch?", fragte Hermine, während sie es eilig durchblätterte.
„Ich weiß nicht, wer es mir geschenkt hat", antwortete Harry. „Ich habe es nach der Feier unter meinem Kopfkissen gefunden. Es gab keine Karte. Und ich verstehe kein Wort von dem, was geschrieben wird, es ist so schwierig."
„Du kannst es lesen, Harry?", fragte Hermine.
„Das sind schwierige und bildhafte Worte... Ich habe viele Schwierigkeiten."
„Aber... Harry... Ich sehe nichts."
„Wie bitte?", sagte Harry.
„All diese Seiten sind leer. Nichts ist geschrieben. Außer auf dem Deckel."
„Du siehst nichts?"
„Gar nichts", bestätigte Hermine. „Du sollst der Einzige sein, der es lesen kann. Das muss von einem Zauber verursacht worden sein. Hast du etwas erfahren?"
„Eigentlich nicht wirklich", sagte Harry. „Ich habe keine Zeit gehabt es zu lesen und ich hoffte, du könntest es an meiner Stelle machen, denn ich gestehe, dass es mir schwer fällt, mich darauf zu konzentrieren. Aber ich habe etwas Anderes erfahren. Ich weiß, wer der Geist ist."
„Harry!", rief Ron von den unteren Stufen der Treppe her.
„Ich komme", sagte Harry.
„Und wer ist es?", fragte Hermine leise.
„Ein gewisser Cirkus. Er wird dieses Jahr mein Tutor sein. Er wird in Hogwarts sein."
„Es ist ein Auror."
„Anscheinend", sagte Harry. „Aber unsere Tutoren sind maskiert und ihre Stimmen verzerrt. Darüber hinaus ist er dazu fähig, in meinen Gedanken zu lesen. Ich bin mir sicher, dass ich ihn kenne."
„Sie würden ihn nicht maskieren, wenn es nicht der Fall wäre", bemerkte Hermine.
„Ich glaube, dieser Cirkus ist Snape. Er war ein Legilimentor."
„Aber er hat den Geist verloren!", rief Hermine aus. „Er ist bestimmt in St-Mungo."
„Wir wissen nichts davon, ich habe ihn dort ja nicht besucht! Er hat gesagt, dass er mir sehr nah war, als der Spiegel zerbrochen ist."
„Aber keiner würde ihn sich dir nähern lassen, wenn es der Fall wäre", bemerkte Hermine. „Er ist es nicht."
„Harry", rief Ron wieder aus. „Wir warten alle auf dich."
„Ja, ich komme."
Harry seufzte und sah Hermine an.
„Sie sind ja blöd genug, dass sie Malfoy nach Hogwarts zurückkehren lassen, also warum nicht Snape."
„Malfoy!", sagte Hermine schockiert. „Du meinst, dieses stinkende Ungeziefer?"
„Meine Tante hat mir eben Bescheid gesagt", sagte Harry. „Anscheinend hätte er dem Ministerium geholfen..."
„HARRY!"
„Geh hin", sagte Hermine. „Du wirst es mir später erzählen. Bis Montag."
Harry wollte gerade seine Tür aufmachen, als Hermine seinen Arm ergriff.
„Und Ron. Wie geht es ihm?"
„Er versteht es nicht und ich auch nicht", sagte Harry. „Es geht mich nichts an, aber ich ertrage es nicht, ihn sich den ganzen Tag lang dem Kummer hingeben zu sehen. Du musst mit ihm reden."
Harry ging durch die Tür, ohne ein Wort hinzuzufügen, und ließ Hermine alleine zurück.
OoOoOoO
„Harry, du hast Hedwig vergessen", sagte Tante Selene, während sie dem Kofferträger die Koffer gab.
„Sie ist im Abteil für die Tiere."
An jenem ersten September war der Bahnsteig vom Gleis neundreiviertel wie jedes Jahr voll von Schülern. Für Harry war es sein siebtes und auch letztes Jahr. Es machte ihn ein bisschen nostalgisch, diesen Bahnsteig wieder zu sehen. Er sah wieder, wie er mit elf Jahren da in einer neuen Welt stand, die er kaum entdeckt hatte. Er wunderte sich, was geschehen wäre, wenn ihn Hagrid nie mit seinem rosa Regenschirm bewaffnet abgeholt hätte.
„Harry, hör auf zu träumen, der Zug fährt in zehn Minuten", sagte Ginny, indem sie ihn im Rücken schob.
„Nostalgisch?", fragte Luna und küsste ihn auf die Wange.
Sie war gerade wie ein Engel hinter ihm erschienen.
„Ein bisschen", sagte er und nahm ihre Hand. „Es ist mein letztes Jahr hier."
„Hermine! Da sind sie!", rief Neville atemlos aus. „Hallo ihr alle."
Hermine kam an, ihr neues Schulsprecherinnenabzeichen glänzend auf die Brust gepinnt. Ihr Haar war zu einem Pferdeschwanz gebunden und sie schien richtig viel um die Ohren zu haben.
„Hallo", sagte sie. „Ich wollte bloß Hallo sagen, ich muss ein paar Vertrauensschüler finden, damit sie mir helfen."
„Da bin ich", sagte Ron und kam mit einem schweren Koffer an. „Was ist los?"
Hermine sah Ron plötzlich an, als wäre sie von dieser freundlichen und natürlichen Reaktion überrascht.
„Die Erstklässler verladen ihre Koffer in ihrem Abteil, statt sie den Kofferträgern zu geben", antwortete sie mechanisch.
Ron seufzte.
„Na super", sagte er. „Gehen wir hin, bevor der Zug abfährt. Wir werden auf weitere Vertrauensschüler treffen, die uns helfen werden."
„Apropos weitere Vertrauensschüler", sagte Mark, „da steht unser geliebtester."
Draco Malfoy war auf dem Bahnsteig erschienen, von seiner Mutter begleitet. Die Leute entfernten sich aus seinem Weg, als wäre er an Pest erkrankt. Geflüster erhoben sich unter den Schülern, die ihn aus den Augenwinkeln anschauten.
Physisch war Draco Malfoy außer einer schlecht behandelten Narbe auf der linken Wange derselbe. Doch seine bloße Art zu gehen zeigte, dass ihn ein wichtiges Ereignis zutiefst erschüttert hatte. Sein Ausdruck war nicht mehr hochnäsig und sein Schritt nicht mehr selbstsicheren. Jetzt ging er langsam, senkte den Blick und gab seinen Koffer dem Kofferträger, ohne ihn wirklich anzusehen. Er stieg in den Zug, ohne auch nur einmal seine Mutter anzusehen oder sich von ihr zu verabschieden.
„Welch eine bewegende Familienszene", sagte Mark. „Und welch ein begeisterter Empfang. Ein wunderbarer Vertrauensschüler, der unser Haus so gut darstellt."
„Er hat nur das, was er verdient", sagte Ron.
Narzissa Malfoy ging so schnell weg wie sie gekommen war.
„Es wird das schlimmste Jahr seines Lebens sein", sagte Luna. „Ich frage mich, ob er den Mut haben wird, es zu Ende zu machen. Er wird für das büßen, was er getan hat."
Harry seufzte. Der Fall der Malfoys stand vor seinen Augen. Vom Ruhm zur Scham heruntergefallen, Harry hatte seinen schlimmsten Feind nicht wieder erkannt. Ohne Stolz war Draco Malfoy nur noch der Schatten von seinem ehemaligen Selbst.
