Hallo an alle! Und hier kommt das nächste Kapitel von Gabrielle Lavandes Geschichte Harry Potter et la Clé de l'autre monde. Viel Spaß beim Lesen. Verliebtindich und ich teilen uns die Arbeit sehr gut: Ich mache die Fehler, sie korrigiert sie. Dafür verdient sie euren und – natürlich – meinen Dank.
Disclaimer: Wie immer, nichts gehört zu mir, beinahe alles gehört zu JK Rowling und der Warner Bros und weder ich noch Gabrielle verdienen Geld mit dieser Geschichte.
Harry Potter und der Schlüssel zur anderen Welt
Kapitel 13: Tolles Jahr im Voraus:
„Der Zug fährt in fünf Minuten ab!"
„Lass uns schnell den Erstklässlern helfen", sagte Ron. „Komm, Hermine!"
Immer noch von dieser Reaktion überrascht stakste ihm Hermine wie ein Roboter nach.
„Geht rein", sagte Mrs Weasley und schob Ginny zu den Stufen zum Zug hinauf. „Ich hoffe, ihr habt nichts vergessen."
„Mrs Weasley, darf ich Ihnen eine Frage stellen?"
„Natürlich, Mark", antwortete Mrs Weasley ein bisschen erstaunt. „Was ist los?"
„Nun, Fred und George haben mir gesagt, dass sie vergessen haben, Ihnen ein Klo von Hogwarts zu schicken. Ich wollte wissen, ob Ihnen ein Klo vom Badezimmer der Vertrauensschüler oder ein normales Klo lieber wääääärööööööö Auauauauaua!"
Tante Selene zog ihrem Sohn die Ohren lang.
„Steige in diesen Zug ein", sagte sie mit ernstem Ausdruck.
„Es ist nicht schlimm, ich werde Fred und George fragen... Ich werde schon ein Mittel finden, um aus Hogwarts hinauszugehen und ihr neues Geschäft zu sehööööööööööööööööööön."
„Mark, ich wäre sehr erfreut, dich nach Durmstrang zu schicken", sagte Tante Selene und schob ihren Sohn in den Zug. „Ich kann dich während des Jahres verlegen."
„Ich spüre, dass deine Tante dieses Jahr viel mit Mark um die Ohren haben wird", fügte Mrs Weasley hinzu. „Wenn ich Fred und George finde, da wird es Krach geben. Ich wollte eben jenes Geschäft in Hogsmeade besichtigen. Kommt schon! Steigt ein! Der Zug wird abfahren."
Harry half Luna hoch und stieg selbst ein. Mit Ginny, Mark und Neville durchsuchten sie den Wagen nach einem freien Abteil.
„Da", sagte Ginny. „Es ist keiner drin."
„Ich lasse euch alleine", sagte Mark.
„Wo willst du hin?", fragte Luna argwöhnisch.
Mark seufzte.
„Bitte, meine Mutter wird das ganze Jahr da sein. Fange bloß nicht an."
„Mark", sprach Harry laut. „Sprich nicht so."
„Ich will bloß zu Liliana", antwortete Mark. „Ich habe sie schon lange nicht gesehen. Bis später."
Und Mark ging ruhig weiter.
„Tolles Jahr im voraus!", sagte Ginny.
„Willst du nicht zu Dean?", fragte Luna und setzte sich neben Harry. „Ich habe ihn nicht gesehen, wo ist er?"
„Mit Susan Bones", antworteten Neville und Ginny gleichzeitig mit trübem Ton.
„Ach", sagte Luna. „Ach..."
„Sie verbrachten ihre Ferien in Nachbarstädten..."
„In Irland", sagte Neville schließlich.
Luna drehte sich mit einem verlegenen Blick zu Harry um.
„Schlimme Zeit für Paare", flüsterte sie ihm zu. „Verheimlichst du mir nichts? Keine Cho Chang in deinem Koffer?"
Harry sah Luna aus den Augenwinkeln an.
„Wie lange werde ich noch büßen müssen?", fragte er und bewegte dabei kaum die Lippen.
Doch ein Schrei erklang im Wagen, so schrill dass alle aus dem Abteil hinausliefen. Pansy Parkinson schrie und hüpfte auf der Stelle und schüttelte dabei ihre Bluse, die sich seltsam bewegte.
„EIN DOXY! EIN DOXY!"
„Bewege dich nicht, Pansy", sagte eine Slytherin und zielte mit ihrem Zauberstab auf sie.
„BIST DU VERRÜCKT, DU WILLST MICH TÖTEN? AAAARGHHHHHHHHHH!"
„Verliere bloß nicht die Nerven", sagte Mark und ging aus dem Abteil. „Wenn du dich weiter so bewegst, wird er dich bestimmt beißen und wutsch! In weniger als fünf Sekunden bist du tot."
Pansy Parkinson hörte plötzlich auf, sich zu bewegen, verzog das Gesicht und fing an, leise zu weinen. Ihre Freundinnen sammelten sich um sie herum, als Aldysse Irre, Ron und Hermine ankamen, wahrscheinlich von den Schreien gewarnt.
„Was ist los?", fragte Letztere.
Professor Irre näherte sich langsam Pansy, die sie mit tränenfeuchten Augen ansah.
„Do... Doxy", sagte sie und verzog das Gesicht, während sie auf ihren Rücken zeigte.
Im gleichen Augenblick fiel eine kleine blaue Masse von der Bluse herunter. Harry beugte sich vor und erblickte eine Art Weichtier, das eine schleimige blaue Spur hinterließ. Es sah aus wie eine...
„Miss Parkinson, Sie sind Siebtklässlerin und kennen nicht einmal den Unterschied zwischen einer Nacktschnecke und einem Doxy."
„Aber... aber...", stotterte sie.
Pansy drehte sich zu Mark um und warf ihm einen drohenden Blick zu.
„Du bist es, Abschaum... Du hast mir gesagt, es wäre ein Doxy."
„Stimmt das, Mr Evans?", fragte Professor Irre und drehte sich plötzlich zu Mark um.
„Ja", antwortete Mark mit zarter Stimme. „Aber mit dieser Farbe habe ich echt geglaubt, es wäre ein Doxy gewesen. Ich würde keinem von meinem Haus etwas antun, Professor. Noch weniger Pansy."
„Sind Sie sicher?", fragte die Lehrerin und beugte sich argwöhnisch zu Mark herunter.
„Professor, ich möchte nicht das Risiko eingehen, mein Haus Punkte verlieren zu lassen", fuhr Mark mit unschuldigem Blick fort. „Es macht mich traurig, dass sie dies von mir denkt. Aber ich bewundere ihren Mut, dass sie trotz des Risikos, Punkte zu verlieren, jemand aus ihrem Haus anzeigt. Ich finde es echt gerecht und mutig von ihr. Übrigens Pansy, es tut mir Leid, dass ich mich so geirrt habe, aber ich muss gestehen, dass ein armer Zweitklässler wie ich in diesem Gebiet nur wenige Kenntnisse hat. Ich habe bloß Angst davor gehabt, dass dir etwas Schlimmes zustoßen könnte. Ich nehme es an, wenn Sie mich dafür bestrafen, Professor... Meine altersbedingten schwachen Kenntnisse sind an dieser Tragödie schuld."
Harry konnte sich sein leises Lachen nicht verkneifen und musste sich auf die Zunge beißen, um nicht laut aufzulachen. Er bemerkte, dass Luna die Lippen zusammenkniff und dass ihre Augen glänzten, während sich Ron auf die Faust biss. Hermine allein sah ernst und sogar streng aus.
„Wer hat also dieses eklige Ding blau gemalt?", fragte die Lehrerin.
Keiner wagte es zu antworten. Pansys finsterer Blick richtete sich auf Mark, der mit den Schultern zuckte. In ihren Augen konnte man sehen, dass sie sich seiner Schuld sicher war. Doch sie konnte nichts sagen, aus Furcht, ihr Haus Punkte verlieren zu lassen.
„Miss Parkinson, ziehen Sie sich bitte um, Ihre Bluse ist mit blauen Flecken beschmutzt. Mr Evans, bitte entsorgen Sie dieses Ding. Und jeder soll bitte gleich von diesem Gang verschwinden."
Aldysse Irre ging mit eiligen Schritten dorthin zurück, wo sie herkam, und stieß dabei ein paar Leute an... darunter Draco Malfoy, der hinten im Gang erschien. Langsam leerte sich der Gang und Geflüster wurden hörbar. Malfoy ging mit langsamen Schritten den Gang entlang und senkte dabei den Blick. Er sah nicht einmal zu Harry hoch und ging wortlos weiter. Pansy hielt an der Tür zu ihrem Abteil an. Malfoy verlangsamte seinen Schritt noch, während Mark die Nacktschnecke vom Boden holte. Der Junge richtete sich auf, als Malfoy vor ihm stand, und versperrte ihm den Weg.
„Oh", rief Mark spöttisch aus. „Ein Weichtierfreund für diese liebe blaue Nacktschnecke."
Malfoy seufzte und blickte seitlich zu Pansy, die sich plötzlich in ihr Abteil stürzte und die Tür zuknallte.
„Hau ab", sagte Malfoy verärgert. „Ich habe keine Lust mit einer Niete wie einem Zweitklässler zu reden."
„Verzeihen Sie mir, verehrter Vertrauensschüler", sagte Mark. „Das stimmt, dass Sie in Ihrer Umgebung viele Freunde haben, die mit Ihnen reden möchten. Aber in diesem genauen Augenblick bemerke ich nur eine riesige Leere um Sie herum. Genieße es, ich werde dieses Jahr vielleicht die einzige Person sein, die es annehmen wird, dich anzusprechen. Betrachte es als eine Ehre, die es schade wäre abzulehnen."
Malfoy schnaubte und versuchte vergeblich weiter zu gehen. Mark versperrte ihm schon wieder den Weg.
„Mark", sagte er. „Geh woanders hin."
„Gute Idee!", rief Mark spöttisch aus. „Ja, hervorragende Idee! Sag mir, wo soll ich hingehen, um einen großen Blonden zu finden, der aus Askaban ausgebrochen ist und einen verräterischen Abschaum gezeugt hat?"
„Genug, Mark", sagte Hermine deutlich. „Geh zurück ins Abteil."
Mark schaute Hermine überrascht an, doch Malfoy blickte noch verärgerter zum Mädchen.
„Ich brauche dich nicht, Granger."
Malfoy drehte sich zu Mark um und schaute ihm direkt in die Augen.
„Dass du mich hasst, kann ich fassen. Schlimmer noch, dein Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit. Dass du versuchst, mich zu ärgern, du sollst wissen, dass mich deine bloße Anwesenheit anwidert und ärgert. Aber wage es nie wieder, mir mit meinem Vater zuzusetzen, du Taugenichts."
Malfoy stieß Mark an und ging weiter, ehe er stehen blieb und hinzufügte:
„Suche nie wieder Streit mit Pansy. Sie wusste nichts und ist mir bloß blind gefolgt. Das weißt du genauso gut wie ich."
„Hör auf, Malfoy", antwortete Mark. „Deine kleine Nummer des Ritters, der seine Schöne verteidigt, ist nicht glaubwürdig. Du hast ihr von Anfang an die Wahrheit verheimlicht. Wenn du nur ein wenig Zuneigung zu ihr empfinden würdest, hättest du sie nicht all das erleben lassen und ihr dabei die Wahrheit verheimlicht. Der Unterschied zwischen dir und Pansy ist, dass Pansy Respekt verdient. Du nicht."
Malfoy drehte sich nicht einmal um und ging weiter.
Die Tür von Pansys Abteil öffnete sich, was Marks Blick anzog und den Jungen lächeln ließ.
„Du hast gehört?", fragte Mark.
Pansys Gesicht erschien an der Tür.
„Nacktschnecke mit Vanillegeschmack und Lebensmittelfarbe", fuhr Mark fort und reichte ihr dabei die Nacktschnecke, die sich wand. „Tut mir Leid, ich zielte auf diese verfluchte Millicent, die gerade dabei war, ihr Gift auszuspucken. Sie ist weggelaufen, sobald sie das Wort Doxy gehört hat. Man sieht, wo die wahren Freunde sind, wenn man in Gefahr ist. Bist du nicht sauer auf mich?"
Pansy Parkinson schüttelte den Kopf. Doch dann merkte sie, dass Harry und die anderen sie anschauten und sie ging wieder rein und knallte die Tür hinter sich zu.
„Tja...", seufzte Mark. „Es ist noch nicht geschafft. Anscheinend kann nichts den Stolz eines Slytherins besiegen. Und mit all dem habe ich Liliana nicht mal gesehen."
Mark drehte sich um, um weiter zu gehen.
„Mark", rief Hermine. „Kannst du bitte einen Augenblick lang ins Abteil kommen? Ich muss euch etwas sagen. Ich werde nicht lange brauchen."
Widerwillig ging Mark zurück in das Abteil. Alle außer Hermine setzten sich dicht beieinander und die Schulsprecherin betrachtete ihre Mitschüler, nachdem sie die Tür zugemacht hatte.
„Ich darf euch eigentlich nicht viel sagen. Die Lehrer haben mir verboten, darüber zu reden, und sie haben nicht viele Details gegeben. Aber provoziert Malfoy nicht zu sehr, und vor allem sollt ihr ihn nicht zu einem Duell herausfordern."
„Das solltest du ihm sagen", sagte Harry. „Wer hat mich schon all diese Jahre ständig provoziert?"
„Nicht das meinte ich", fuhr Hermine fort und zog einen Zauberstab aus ihrer Tasche heraus. „Aber eine entwaffnete Person darf man nicht schlagen."
„Das ist Malfoys Zauberstab?", fragte Luna.
Hermine nickte und setzte sich neben Neville. Harry schaute den Zauberstab in den Händen seiner Freundin an, als wäre es ein Unheil bringender Gegenstand. Das Holz dieses Zauberstabs war so dunkelbraun, dass es schwarz wirkte... so schwarz wie Malfoys Seele.
„Er wurde beschlagnahmt", fuhr Hermine fort. „Offensichtlich ist das Vertrauen des Ministeriums zu Malfoy schon begrenzt. Ich gebe ihm seinen Zauberstab für den Unterricht, wenn er ihn braucht, und ich nehme ihn am Ende des Tages zurück. Es ist Professor Irre, die mich darum gebeten hat, seinen Zauberstab zu behalten. Und so wie ich es verstanden habe, wurde ich eben deswegen dazu ernannt, weil er mich besonders verabscheut."
„Das ist deutlich", sagte Ginny schließlich. „Das wird ein wunderschönes Jahr sein..."
„Es freut mich auch nicht wirklich", seufzte Hermine. „Es ist eine weitere Arbeit."
„Es wird bestimmt noch schlimmer sein als diese ganzen Muggeldings, die du im Sommer lernen musstest", sagte Neville.
„Es gibt bloß viel zu lernen", sagte Hermine und lächelte ihm zu. „Dafür hast du mir geholfen. Jetzt ist es so, als müsste ich mich um ein Säugling kümmern."
Harry sah einen Augenblick lang vor seinem inneren Auge das lustige Bild von Malfoy mit einem Schnuller und einer Rassel. Die gute Nachricht war, dass Malfoy ohne Zauberstab nicht viel tun konnte. Das Beste zu tun war nicht, ihn zu provozieren, obwohl er entwaffnet war, sondern ihn vollständig zu ignorieren. So wäre es für jeden besser.
„Na, Neville, was hast du in den Ferien gemacht?", fragte Ron plötzlich.
Neville sah Ron etwas überrascht an und stotterte:
„Hermine hat mir Muggelbücher zu Kräuterkunde gegeben... Ich habe ein bisschen gelesen, ein paar Pflanzen gepflegt. Ich habe nichts Fesselndes getan."
„Ah", seufzte Ron. „Es ist gut. Du hast dich nicht zu sehr gelangweilt."
Harry sah Ron aus den Augenwinkeln an... Ron verhielt sich sehr seltsam heute.
„Nein...", antwortete Neville. „Wenn ich nichts zu tun hatte, habe ich ein wenig für Hermine recherchiert..."
Das Gespräch ging einen Weg, der anfing Harry zu missfallen. Der Junge spürte in Rons Stimme einen Anflug von Vorwürfen. Er änderte daher das Thema.
„Übrigens, wann bekommst du deine Ergebnisse, Hermine?"
„Im Laufe des Monats", antwortete sie. „Aber schließlich würde ich viel lieber eine Karriere in der Zaubererwelt machen, auch wenn ich nicht genau weiß, was."
„Warum hast du also all das getan?", fragte Ginny.
„Einfach zum Spaß."
Das Gespräch im Zug war angenehm und belebt und Ron lächelte, auch wenn er in eine Stummheit vertieft war, die Harry besorgte.
OoOoOoO
„Erstklässler, hierher!", rief Hagrid auf dem Bahnsteig von Hogsmeade aus.
„Hallo Hagrid", sagte Harry.
„Ach, hallo ihr alle", sagte Hagrid mit seiner tiefen Stimme. „Schön, dass ihr da seid! Harry, du musst dich beeilen. Professor Dumbledore will eiligst mit dir sprechen."
„Warum, was ist los?"
„Er hat gesagt, es würde um eine Überraschung unter deinem Kopfkissen gehen... Ich habe ihn vielleicht nicht richtig verstanden."
Harry blickte kurz zu Neville und Hermine, die das Gespräch gehört hatten.
„Was ist los?", fragte Luna. „Du weißt, was es bedeutet?"
„Ist es das Buch, das du zu deinem Geburtstag bekommen hast?", fragte Ron. „Ist es Dumbledore, der es dir geschenkt hat?"
Die Lage fing an misslich zu werden und Harry wusste nicht, was er antworten konnte.
„Ich verstehe nicht, warum er mich zu sich ruft", sagte er schließlich schlicht.
„Eine spezielle Kutsche wartet auf dich hinter dem Bahnhof", sagte Hagrid. „Beeile dich, bevor alle da sind."
Harry ging hinter den Bahnhof und blickte dabei ein letztes Mal zu Hermine und Neville, die immer noch überrascht aussahen. Es war also Dumbledore, der ihm dieses Buch gegeben hatte!
Der Junge stieg allein in die Kutsche. Der Weg erschien ihm als besonders kurz. Er war in träumerische Gedanken vertieft, bis er die Schule erreichte. Er ging langsam die Treppe hinauf, schob die riesige Tür, die noch zu war, auf und betrat das sonst so laute Gebäude, das heute seltsam still war. Harry ging mit eiligen Schritten zur großen mittigen Treppe. Jeder Schritt hallte laut in dieser riesigen Eingangshalle wider. Darüber hinaus schien der Raum für einen Septemberanfang seltsam kühl zu sein.
Plötzlich erklang ein Pfiff und fast sofort überflutete eine ganze Welle von Dementoren die Eingangshalle. Hunderte von ihnen fingen an, um Harry herum unglaublich schnell zu schweben.
Ohne zu überlegen, ergriff Harry seinen Zauberstab in einer schnellen Bewegung.
„Expecto Patronum!"
Ein großer silberner Hirsch stieg von seinem Zauberstab auf und lief im ganzen Raum herum. Die Dementoren machten dann eine seltsame Bewegung, explodierten und ließen nur einen glänzenden Staub zurück, der um Harry herum schwebte, als wäre ein Zauber plötzlich aufgehoben worden. Harry sah sich um. Nichts mehr. Alles war verschwunden und wieder ruhig. Aber wie...
„Siehst du, ich hatte es dir doch gesagt", sagte eine seltsame und verzerrte Stimme hinter Harry.
Harry drehte sich plötzlich um und sah, wie Cirkus' silberne Maske und Professor Irre ruhig auf ihn zugingen.
„Alles klar, alles klar, er kann einen perfekten Patronus heraufbeschwören", sagte Aldysse Irre mit verärgertem Ton. „Ich gestehe, dass es beeindruckend ist."
Professor Irre seufzte verärgert, während sie die Treppe zu Harry hinaufstieg, der immer noch Schwierigkeiten hatte zu fassen, was los war.
„Ich mache das nur ungern", sagte sie.
„Du musst aber gestehen, dass ich Recht hatte und dass es nichts dagegen einzuwenden gibt."
„Ja, gut, alles klar, ich gebe ihm die höchste Note. Ihre zweite praktische Prüfung ist vorbei, Potter."
„Was?", erstaunte sich Harry. „Das war eine Prüfung?"
Cirkus brach in ein düsteres Gelächter aus, während Aldysse Irre schon wieder seufzte.
„Hast du das gehört, Aldysse?", fragte Cirkus zwischen zwei Lachanfällen. „Für ihn ist es so gewöhnlich und einfach, dass ihm die Schwierigkeit der Übung als gleich Null erscheint."
„Alles klar, ich habe verstanden!", murrte Professor Irre. „Ich gebe ihm 100 auf 100 Punkten... Es ist das erste und letzte Mal."
„Aldysse! Du bist eine schlechte Verliererin", sagte Cirkus. „Und darüber hinaus ist es ein doppelter Rekord... schau mal!"
Cirkus streckte den Arm zu Professor Irre aus.
„4,12 Sekunden", fuhr der maskierte Mann fort. „Ich habe gewonnen! Ich will meine Belohnung... Lass uns morgen Abend sagen."
„Einverstanden", murrte Aldysse Irre wieder.
Harry blickte amüsiert zur Szene.
„Sie sind es, die mich hierher haben kommen lassen? Das war eine List?"
„Nein", antwortete die Lehrerin mit ernstem Ausdruck. „Dumbledore wartet auf Sie."
„Es war bloß eine Kleinigkeit, um dich ein wenig zu verspäten, mein lieber Harry", sagte Cirkus, als wollte er den wunden Punkt weiter berühren. „Geh hin! Laufe! Er wartet auf dich."
Cirkus war plötzlich viel sympathischer in Harrys Augen geworden. Er konnte nicht Snape sein, jetzt war es sicher. Er lief schnell die Treppe mit leichterem Herzen weiter hinauf, obwohl ihm das, was ihn erwartete, ein bisschen Sorgen bereitete.
Er erreichte die Statue, die sofort von selbst die Treppe erscheinen ließ. Er stieg langsam zu Dumbledores Büro hinauf, holte oben Luft und klopfte an die Tür.
„Komm herein, Harry."
Harry drehte den Knopf und betrat langsam das Büro des Schulleiters, der gerade an seinem Schreibtisch saß und in Akten vertieft war.
„Guten Abend, Professor."
„Guten Abend, Harry", sagte er, indem er aufstand und auf ihn zuging. „Nun, sag mir, hat Mr Cirkus seine Wette gewonnen?"
Harry nickte und lächelte.
„Professor Irres größter Fehler ist, allem zu misstrauen, seitdem ihre Einfühlung mit einem Zaubertrank begrenzt wurde. Auch wenn es ihre Laune verschlechtert, man muss schon gestehen, dass sie mit all diesen Leuten um sie herum völlig verrückt geworden wäre. Deine Tante ist wirklich begabt in Zaubertränken. Ich hätte sie viel früher einstellen müssen."
Harry nickte wieder, als er sich an die Schweineherde in Transsylvanien und an die Art und Weise erinnerte, wie Professor Irre reagiert hatte.
„Eine letzte Frage, bevor wir zu einem anderen Thema kommen. Wieviel Zeit hast du für deine zweite Prüfung gebraucht?"
Harry sah einen schelmischen Funken in Dumbledores Augen.
„4,12 Sekunden", sagte Harry amüsiert.
„Hervorragend", rief Dumbledore aus und drehte sich zu einem der Gemälde seines Büros um. „Dippet! Gehen Sie bitte zu Professor Flitwick und sagen Sie ihm, dass er mir eine Partie Bowling schuldig ist. Harry hat es in 4,12 Sekunden geschafft."
Professor Dippet lächelte Professor Dumbledore zu und verschwand aus seinem Gemälde. Professor Dumbledore bat Harry sich zu setzen und fügte mit einem träumerischen Ausdruck hinzu:
„Schon lange warteten wir darauf, dass Schüler eine Ausbildung zum Auroren machen. Bei den Lehrern und den Tutoren sorgt es für viel Aufregung. Wir wetten nie Galleonen, sondern eher Zeit. Ich erinnere mich, dass Professor McGonagall eines Tages etwa hundert Aufsätze von Professor Sinistra und Professor Binns korrigieren musste, nachdem deine Mutter deinen Vater vom See zurückholen musste, wo die Meerleute versuchten, ihn an den Riesenkraken zu verfüttern."
Harry freute sich beim Gedanken an die Szene am Seeboden.
„Aber wir sind nicht dafür da, Harry, um darüber zu sprechen", sagte Professor Dumbledore weiter. „Ich wollte bloß wissen, ob du angefangen hast, dein Buch zu lesen?"
„Sie sind es, der es mir geschenkt hat?"
Dumbledore öffnete die unterste Schublade seines Schreibtischs und zog daraus ein ziemlich dickes und schweres Buch, das er Harry zeigte.
Der Schlüssel. Band 5.
Harry sah Professor Dumbledore mit aufgerissenem Mund an und wollte ihn gerade um die Erlaubnis bitten, es aufzumachen, als der Schulleiter eingriff:
„Mach es auf."
Harry machte das Werk sanft auf und fing an, die Seiten durchzublättern. Doch es gab nur weiße, von der Zeit abgenutzte Seiten.
„Der Schlüssel ist die einzige Person, die diese Seiten lesen kann", sagte Professor Dumbledore. „Kein Zauber kann die hier geschriebenen Worte erscheinen lassen und glaube mir, ich habe alles versucht. Sowie übrigens alle Schulleiter von Hogwarts seit Generationen. Diese Bücher gehörten zu Godric Gryffindor. Wie hat er sie bekommen? Wir wissen nichts davon. Die Antwort steht laut unserer neuesten Kenntnissen weder im Buch des Todes, noch des Menschen oder des Geistes. Darum warten wir ungeduldig darauf, dass du dein Buch ernsthaft anfängst zu lesen. Er wird dir bestimmt zahlreiche Antworten geben. Darf ich?"
Dumbledore streckte die Hand nach dem Buch aus und räumte es wieder weg.
„Laut dem, was man mir gesagt hat, könnte es sein, dass dieses Buch ziemlich komplex ist und, wie es dieser lieber Cirkus so gut sagt, dass es das beste Schlafmittel ist, das je erfunden wurde."
Harry nickte.
„Ich habe versucht, es zu lesen, aber ich habe den Eindruck, dass jeder Satz einen versteckten Sinn hat", sagte Harry. „Mit jedem Wort könnte man sich Hunderte von Fragen stellen."
„Das hat man mir auch gesagt", fuhr Dumbledore fort. „Daher werde ich dir eine passende Lösung vorschlagen. Ich denke, dass es Zeit wird, dass du auf eigenen Füßen stehst, ohne dass ein Lehrer oder irgendein anderer Erwachsener da ist, um dir zu helfen. Ich habe beschlossen, dass die Schüler, die zum Auroren ausgebildet werden, einen eigenen Praxisraum haben werden, der damals Raum der Wünsche genannt wurde und in den sie und zwei Leute ihrer Wahl während des ganzen Jahres jederzeit kommen dürfen. So wirst du vielleicht deine Zeit damit verbringen, dein Buch mit zwei Personen zu lesen, die dir helfen werden, es zu verstehen. Wie Miss Granger und Mr Longbottom, zum Beispiel. Hier sind ihre Genehmigungen."
Dumbledore gab Harry zwei Pergamentstücke.
„Danke."
„Danke dir, Harry", sagte Dumbledore schließlich. „Ich bin noch nicht fertig. Es ist natürlich klar, dass du zum Team gehörst. Ich rede vom Orden des Phönix."
„Wirklich?", rief Harry mit einem Lächeln aus.
„Natürlich", sagte Dumbledore und lächelte zurück. „Zu einem geheimen Zweig noch dazu, denn die Mitglieder wissen unterschiedlich viel über die verschiedenen Themen... du wirst schnell entdecken, warum. Wenn du also zum Beispiel von einem Ereignis erzählen willst, das du in deinem Buch entdeckt hast, darfst du ausschließlich drei Personen davon erzählen. Professor Irre und Mr Cirkus per Telepathie, wie du es bereits getan hast, oder mir in diesem Büro und ausschließlich in diesem Büro. Die Informationen dürfen so wenig herumlaufen wie möglich. Wenn du zu einem deiner Mitschüler etwas sagen willst, darfst du es darum auch nur im Raum der Wünsche tun. Er wird von einem Zauber überwacht und nur jene, die eine Genehmigung haben, dürfen hinein. Das ist sehr wichtig."
Harry nickte. Endlich betrachtete man ihn nicht mehr wie ein Kind, sondern man achtete ihn und behandelte ihn wie ein Mitglied des Ordens des Phönix.
„Darf ich Sie etwas fragen?"
„Ich höre zu."
„Wissen Sie, wer der Mensch und der Schlüssel sind?"
„Wir haben keine Gewissheit, was den Schlüssel betrifft", seufzte Dumbledore. „Ich hoffe, das Buch der Hoffnung wird uns mehr präzisieren und wird uns ein Mittel geben, wie wir sein tragisches Schicksal vermeiden könnten. Was den Menschen betrifft, ist sie bereits in Hogwarts. Aber leider, Harry, musst du selbst herausfinden, wer sie ist, wenn du willst, dass alles funktioniert. Das steht in den Büchern. Du musst dein eigenes Buch lesen."
„Sie."
„Ja... sie", sagte Dumbledore schließlich. „Der Mensch ist eine Frau. Ich habe sie wieder erkannt. Sie hat ihr Mal und ihr Buch."
In diesem Augenblick klopfte es an die Tür.
„Herein."
Die Tür wurde langsam aufgemacht und Ron erschien mit schlampiger Kleidung.
„Man hat mir gesagt, ich soll zu Ihnen, Professor."
„Natürlich", sagte Dumbledore und stand auf. „Harry, wir werden später darüber reden, wenn es dir nichts ausmacht. Ich muss Mr Weasley sagen, dass er im Raum üben kann. Das Festmahl sollte bald anfangen. Du solltest zu den anderen gehen."
„Ja, Professor."
Harry ging zur Tür und winkte Ron zu, der an der Stirn eine beeindruckende Beule hatte. Während er die Tür zumachte, hörte er noch diese letzten Worte:
„Nun, Mr Weasley? Wieviel Zeit haben Sie für Ihre letzte Prüfung gebraucht?"
„15,32 Sekunden. Ich bin überrascht worden und bin die Treppe runtergefallen."
