Hallo an alle! Und hier kommt das nächste Kapitel von Gabrielle Lavandes Geschichte Harry Potter et la Clé de l'autre monde. Viel Spaß beim Lesen und danke an drei Personen insbesondere: Gabrielle, dafür, dass ich die Geschichte übersetzen durfte, Verliebtindich, dass sie meine Übersetzung verbessert hat, und Dich, Leser, dass Du sie liest und magst (und eventuell reviewst).

Disclaimer: Wie immer, nichts gehört zu mir, beinahe alles gehört zu JK Rowling und der Warner Bros und weder ich noch Gabrielle verdienen Geld mit dieser Geschichte.

Harry Potter und der Schlüssel zur anderen Welt

Kapitel 18:Unsere Zukunft ist kein Spiel:

Nach diesem ziemlich ereignisreichen Schuljahresbeginn verging der nächste Monat in Hogwarts eher normal. Die Tatsache, dass Neville nun in der Quidditch-Mannschaft war, hatte bei den Gryffindors Proteste verursacht. Was die Schüler aus den anderen Häusern betraf, so hatten sie angefangen, ihm ständig nachzuschauen und leise und spöttische Kommentare zu machen, als sie dies erfahren hatten. Harry war besorgt. Nevilles Gesicht war düsterer geworden, seitdem man in den Gängen von ihm sprach.

„Neville, bitte, mach nicht so ein Gesicht. Ich versichere es dir, du spielst sehr gut!", sagte ihm Hermine, um ihn zu beruhigen.

Neville seufzte und schaute auf seine Füße. Auch Harry spürte Mitleid mit ihm.

„Du wirst nicht mehr lange warten müssen, Neville. Du bist sehr gut, das versichere ich dir. Und keiner wird das Gegenteil sagen können, wenn wir in zwei Wochen gegen Slytherin gespielt haben. Du wirst es ihnen zeigen."

Neville drehte sich mit einem schüchternen Lächeln zu Harry um.

„Macht euch keine Sorgen meinetwegen", sagte er. „Ich bin daran gewöhnt. Und wir sind ja wegen etwas anderem gekommen."

Harry holte das Buch der Hoffnung aus seinem Rucksack, legte es auf den Tisch im Raum der Wünsche und seufzte.

„Wir lesen dieses Buch schon seit einem Monat und es hat uns nicht viel gebracht. Die Geschichte der Vorfahren der Hoffnung ist nicht gerade erfreulich."

„Es sind auch deine Vorfahren!", bemerkte Hermine.

„Wenn du glaubst, es würde mich mehr motivieren...", sagte Harry und schlug das Buch auf.

Im gleichen Augenblick ertönte der Alarmton. Harry schlug das Buch eiligst zu und ließ es unter den Schreibtisch fallen.

„Ihr seid schon wieder da?", fragte Ron, während er die Tür hinter sich zumachte, so dass der Alarmton verstummte.

Alle betrachteten Ron, ohne ein Wort zu sprechen. Er setzte sich auf das Sofa und sah sich um.

„Was ist los?", fragte er.

„Nichts, nichts!", antwortete Harry eilig.

Und schon wieder herrschte Stille. Rons Gesicht verwandelte sich.

„Ich störe euch?", fragte er mit trockener Stimme.

„Nein!", rief Hermine aus.

„Warum habt ihr also aufgehört zu sprechen?"

„Nun..."

„Harry, das war's, ich glaube dir nicht mehr!", rief Ron aus. „Schon seit einem Monat hätte ich meine Aurorprüfung haben sollen. Jene, die du angeblich mit unseren Ausbildern vorbereiten würdest, und ich habe überhaupt nichts gehabt."

„Aber..."

„Hör zu!", sagte Ron und stand plötzlich auf. „Ihr täuscht mich nicht, ich sehe euch seit einem Monat regelmäßig hierhin gehen und offensichtlich nicht zum Trainieren, da du nachher nie atemlos bist. Also sagt mir die Wahrheit: Ist es Voldemort? Warum weiß ich nicht Bescheid? Ist jemand tot oder am Sterben?"

Bei diesem letzten Satz hoben Harry, Hermine und Neville überrascht den Kopf. Diese Reaktion erstaunte wiederum den Rothaarigen, der sie musterte.

„Das ist es also? Jemand wird sterben?", fragte er erstaunt. „Harry, bist du es? In Transsylvanien haben wir gehört, wie Tonks sagte, du seist dem Tod nahe. Ist es das?"

Harry schüttelte heftig den Kopf.

„Hör zu, Ron...", fing Hermine an, stand auf und ging auf ihn zu.

„Du bist es? Hermine!", sagte Ron langsam. „Bist du es?"

Rons Blick fing an zu glänzen. Sein Atem wurde gehackt.

„Darum also...", flüsterte er. „Darum hast du mich von dir zurückgewiesen?"

Hermine schnaubte.

„Ron. Raus hier!"

„Sag mir die Wahrheit!"

„Diese Geschichte geht dich nichts an und wird dich nie was angehen. Wenn du es wissen willst, ich wollte dich nicht leiden lassen. Da du aber starrsinnig bist, werde ich es dir offen sagen: Ich liebe dich nicht mehr und habe dich deshalb verlassen. Jetzt waren Neville, Harry und ich dabei, Dinge zu besprechen, die dich nichts angehen, und würden am liebsten alleine bleiben."

Ron versuchte, Harrys Blick auf sich zu locken, doch sein Freund blickte weg.

„Raus", wiederholte Hermine noch einmal.

Ron schritt nach hinten, dann drehte er sich um und ging durch die Tür hinaus.

Hermine drehte sich zu Harry und Neville um.

„Ich fürchte, er wird es nicht dabei bewenden lassen."

„Das hätten wir erwarten müssen", sagte Harry. „Wir hätten ihm von Anfang an Bescheid sagen müssen. Auch Luna. Sie sagt nichts, macht keine Bemerkungen, aber ich sehe wohl, dass sie weiß, dass wir ihr etwas verheimlichen."

„Warum sagt ihr also nichts?", fragte Neville. „Ich bin sicher, Dumbledore hätte nichts dagegen. Sie dürfen ja auch in diesen Raum. Er wusste bestimmt, dass wir es ihnen nicht lange verschweigen könnten."

„Du hast bestimmt recht", sagte Harry. „Ich werde aber zuerst mit Dumbledore darüber reden."

„Sie dürfen nichts wissen!", rief Hermine lebhaft aus.

Harry sah Hermine an. Diese plötzliche Reaktion wurde von einem leichten Händezittern begleitet, das sie sehr schnell unter Kontrolle brachte. Harry hatte jedoch die Zeit zu bemerken, dass etwas nicht stimmte.

„Ron hat recht, oder?", fragte Harry. „Du denkst, dass du der Schlüssel bist?"

Hermine setzte sich wieder in ihrem Sessel und neigte den Kopf nach hinten.

„Beim Festessen zum Schuljahresbeginn hat sich der Schlüssel als solcher wiedererkannt. Aldysse Irre selbst hat es empfunden", sagte sie. „Da ich von dieser Geschichte wusste, ist das Risiko, dass ich es bin, doch ziemlich groß. Aber das Wichtigste ist, das Buch zu lesen, um Voldemort endgültig zu besiegen. Wenn ich der Schlüssel bin, werde ich in Frieden sterben, wenn du bereit bist."

„Und Ron, denkst du, dass er bereit sein wird?", fragte Neville. „Glaubst du nicht, dass er diese letzten Momente lieber ganz genießen möchte?"

Nevilles Offenheit ließ Hermine sich wieder aufrichten.

„Du kannst das nicht verstehen, Neville!", seufzte sie. „Harry, bitte, fang an vorzulesen, sonst sind wir umsonst hierher gekommen."

Harry hob das Buch vom Boden auf und sah Hermine dabei an, doch sie blickte zum Fenster, als wollte sie seinen Blick meiden.

„Wenn ich mich richtig erinnere", sagte er und ließ seinen Blick über die Seite huschen, „waren wir bei der Geburt von Rê'um angekommen... ich lese weiter vor."

Rê'um wurde geboren. Die schwere Anwesenheit seiner Familie und sein Erbe als Nachfahre großer Zaubererherrscher bedrückten ihn bereits in den ersten Stunden seines Lebens. Er hätte ein normales Leben haben wollen, doch ist es in einer so außerordentlichen Familie wirklich möglich? Nein, niemals. Dieses Erbe war zu schwer, dass er es hätte tragen können. So viele Dinge kamen auf ihn an. Er war erzogen worden, um Gerechtigkeit, Liebe und Toleranz auszustrahlen. Doch in seinem Leben war weder Gerechtigkeit noch Toleranz, und noch weniger Liebe. Sein Leben war streng. Er lebte für die anderen, jedoch nicht für sich selbst.

Das Schicksal wollte aus ihm einen der mächtigsten Zauberer machen, die je gelebt hatten. Bei seiner Geburt landete die wohlwollende Schwalbe bei ihm und schenkte ihm alle Mächte der Natur. Eine wunderbare Macht schien ihn umhüllt zu haben wie ein weißes Tuch einen Säugling. Das öffentliche Leben war ihm widerlich, seine Wut kochte in ihm. Er kannte sich selbst so schlecht, sah in sich nichts als das Spiegelbild, das ihm jene zurückschickten, die ihn umgaben: Einen Mann, der den anderen Liebe und Hoffnung zurückgab. So dass ihm die Gabe, die ihm das Leben geschenkt hatte, ihm die schlimmste Verwünschung war. Er war alles für die anderen und nichts für sich selbst.

Bis zu seinem elften Geburtstag, als der Vogel das Nest verließ, von diesem Durst nach Freiheit getrieben, so jung und doch so vorbelastet durch das Leben. Dieses Kind verleugnete seinen Namen bis zum Tag seiner Neutaufe... Dieses Kind bin ich.

„Das wird bald interessant werden", sagte Hermine und zog einen Notizblock und einen Stift aus ihrem Rucksack. „Lies weiter vor, Harry."

Meinem Abflug folgte eine lange Zeit der Meditation mit den Geistern und den Menschen, die sich schon in einem tiefen Wald weit von der gierigen Welt zurückgezogen hatten.

Zu diesen unreinen Zeiten war der Krieg voll im Gange. Der Boden bebte unter meinen Füßen. Die Menschen ruinierten die Harmonie der Völker wegen ihrer Gier. Sie verwiesen die immateriellen Geister aus ihrer Gesellschaft. Ihrer Meinung nach waren sie nichts als Moralprediger. Dem Reichtum entgegen war ihre Weisheit nichts.

Auch die Geister waren voller Groll. Die Sünde des Neides bemächtigte sich plötzlich ihrer. Neid wegen des Nichtbesitztums. Neid wegen der Tatsache, dass sie nichts kontrollieren, nichts manipulieren konnten. Neid auf die Stofflichkeit.

In diesem Wald traf ich auf Estencela, die bald zu meiner besten Freundin wurde. Sie war tief geschwächt, als sie zu uns kam. Sie hatte die Fähigkeit, in den Menschen und den Geistern zu lesen, all ihre Gedanken. Für die, die sie nicht kannten, war es ein Segen. Doch es war ihr unerträglich, alle Entsetzlichkeiten des Krieges zu kennen. Die Menschen hatten ihr die schlimmsten Foltern erleiden lassen und die Zauberer hatten sie von sich zurückgewiesen, da sie fanden, dass sie zu freundlich zu den weiseren und besonneneren Geistern war und zu viel Mitleid mit ihnen empfand.

Sie war außerordentlich intelligent und wurde von den Geistern unserer Welt gemocht, denn ihre Weltanschauung war völlig immateriell. Hätte sie es gekonnt, wäre sie bestimmt ihren Leib losgeworden. Doch zu dieser Zeit war es völlig unmöglich. Denn ein Mensch, der seinen Leib verlor, verlor auch seinen Geist ins Nichts, da der Körper ohne Seele und die Seele ohne Körper nicht überleben konnte.

Die Welt wurde von Neid gepackt. Unsere kleine Gemeinschaft allein, mitten im Wald, behielt ihre Ruhe und ihren Frieden. Schön und sanft war unser Wald.

Schnell wuchs unsere Gemeinschaft. Sich nach Ruhe sehnende Geister, Menschen, die die Gier von sich zurückwarfen, kamen zu uns.

Warel kam eines Tages im Herbst. Er war der Außenseiter von uns allen. Er blieb in einem Seidenkokon, saß oft in einem Baum und blieb in voller Übereinstimmung mit der Natur. Lange war mir seine Macht unbekannt. Für mich war er ein Außenseiter in einer Gemeinschaft von Außenseitern. Nie hätte ich geahnt, dass er solch eine kräftige Macht besaß. Er kontrollierte die Zeit, ohne sie fassen zu können. Er erzählte mir seine Geschichte. Von den Menschen gequält, die die Zeit kontrollieren wollten. Von den Geistern gequält, für die seine Macht die schrecklichste aller Verwünschungen war. Ich war zu seinem Vertrauten geworden, ich verstand ihn. Auch ich war als Kind gequält worden.

Dann kam Kilandrin zu uns. Er war ein Kind des Krieges, ein Kind des Todes. Der einzige Überlebende in seiner Familie. Er sprach wenig, war offenbar traumatisiert. Von einem Heer von Menschen erzogen, die ihn nutzten, um gegen die Geister zu handeln, konnte er in Meilen einen Tropfen Blut riechen. Er war schwach und manipulierbar. Doch tief in ihm kochten ein tiefer Zorn und eine Wut, die er vom Krieg geerbt hatte. Wir hatten seinen Körper etwa zwanzig Meilen weg von unserem Wald entdeckt. Er atmete kaum. Nie erzählte er mir von seiner Geschichte.

Er verursachte riesige Probleme in unserer Gemeinschaft. Wegen seiner Erziehung hatte er sehr feste Meinungen über die Geister. Wir brachten ihm alles bei. Wir trösteten ihn.

Estencela insbesondere fasste Zuneigung zu ihm. Wie eine Mutter umarmte sie ihn, wie eine Schwester wurde sie zu seiner Vertrauten. Sie ließen es nicht dabei bewenden.

Er hätte sie hassen müssen, denn sie war mit den Geistern verbündet. Aber er liebte sie. Tief. Heftig. Eine so reine, so frische Liebe, dass ich auf sie neidisch war.

Der Frieden in unserem Wald dauerte nicht lange. Die Pest des Krieges kam und bald wurden Estencela, Warel, Kilandrin und ich uns dessen bewusst, dass nichts mehr getan werden konnte, um den Frieden in dieser Welt herrschen zu lassen. Also sprachen wir Tage lang, um die Lösung zu finden. Sie erschien uns als deutlich: Wir mussten Menschen und Geister trennen.

Wir sammelten all unsere Mächte, um eine neue Welt zu erschaffen. Wir brauchten dafür mehrere Monate. Dann kam der entscheidende Tag. Wer musste zu dieser neuen Welt gelangen?

Da wir uns nicht über diesen Punkt einigen konnten, haben wir uns wieder an die Arbeit gemacht und unsere Mächte benutzt. So wurde beschlossen, dass die Geister in die neue Welt reisen würden, dass die sterblichen Menschen jedoch in der Gestalt eines Geistes hinreisen würden, wenn ihr kranker oder müder Leib schwach werden und sterben würde.

Als dies getan wurde, kam die Zeit zur Trennung. Für uns vier war es ein seelischer Schmerz. Doch für Estencela und Kilandrin war es noch schlimmer.

Es wurde beschlossen, dass Warel in der zeitlichen Welt bleiben und die Menschen vertreten würde. Seine Macht wurde als nützlicher bei ihnen empfunden.

Kilandrin, der dem Tod empfindlich war, entschloss, dass er die Tor zwischen beiden Welten bewachen würde.

Estencela, die unter der Meinung der Menschen ihr entgegen litt, wollte bei den Geistern bleiben.

Alle hatten ihre Stelle gefunden. Doch ich war verloren. Ich fühlte mich weder Mensch noch Geist. Ich wollte für mich selbst und nicht für die anderen leben. Doch wie immer wurde mein Schicksal für mich beschlossen.

Nachdem der Schlüssel gefunden wurde, kümmerte sich Warel um die Welt der Menschen. Er spürte schon, dass diese Trennung provisorisch war. Er wusste, dass Geister und Menschen eines Tages einander brauchen würden.

Kilandrin stellte sich vor das Tor und wartete auf die Ankunft der Geister.

Estencela, was sie betraf, musste zur anderen Welt. Doch ihr Leib erlaubte es ihr nicht, sie zu betreten. Darum blieb nur noch eine Lösung übrig: Sie musste sterben.

Kilandrin lehnte es ab, jene zu töten, die er liebte. Warel, der die Menschen vertrat, war als zu sehr mit der Welt der Sterblichen verbunden empfunden, dass er den Geist angreifen könnte. Estencela wollte sich umbringen, doch die Vertreter der Geister waren dagegen: Es wäre ein Beweis ihrer Schwäche gewesen und es kam überhaupt nicht in Frage, irgendeine Schwäche den Menschen entgegen zu zeigen.

Blieb nur noch ich. Ich war das Symbol der Gerechtigkeit und der Hoffnung für alle Völker. Mit einer letzten Freundschaftsgeste sah mich Estencela an und sagte:

Wenn ich zurückkehre, Rê'um, so werde ich dafür sorgen, dass du dieses eine Mal als erster den Vorteilen meiner Rückkehr genießen darfst. Du hast so viel für die anderen getan, es wird Zeit, dass man etwas für dich tut."

Sie grüßte Warel freundlich, doch mit der Distanz, die zwischen den Menschen und den Geistern, die sie vertraten, notwendig war.

Sie drehte sich zu Kilandrin um, kontrollierte einen Teil ihrer Macht in ihrer Hand, legte sie gegen sein Herz und sprach zu ihm:

Selbst in der anderen Welt wirst du meine Gefühle empfinden. Ich schenke dir einen Teil meiner Macht. Achte gut darauf."

Estencela drehte sich zu mir um und winkte mir, dass sie bereit war. Ich ergriff meinen Zauberstab und tötete sie kaltblütig.

Harry hielt inne und schaute seine Freunde an. Er fühlte einen Kloß im Hals. Nach einer stillen Zeit sprach Hermine:

„Wir werden hier aufhören und versuchen, die Dinge ein bisschen deutlicher zu machen", sagte sie mit schwacher Stimme.

Sie blickte wieder zu ihrem Notizbuch, wendete die Seiten und kritzelte hier und da ein paar Wörter.

„Wir haben mehr Informationen über die vier Zauberer", fuhr sie fort. „Rê'um war also die Hoffnung und ich denke... tja... nach dem, was er geschrieben hat... denke ich, dass seine Geschichte und deine etwa gleich sind, zumindest am Anfang."

Etwas verwirrt nickte Harry.

„Das hat er selbst am Anfang des Buchs gesagt", bemerkte er mit schwacher Stimme. „So ist mein Leben, so wird auch deines sein."

„Das stimmt", sagte Hermine. „Und wenn wir diese Stelle mit Godric Gryffindors Worten vergleichen, scheinen beide etwa gleich zu sein. Ihr stammt tatsächlich aus derselben Familie."

In völliger Stille blätterte Hermine wieder in ihrem Notizbuch.

„Was Estencela betrifft... also den Geist... Rê'um musste sie töten. Sie konnte perfekt in den Gedanken der anderen lesen. Genau wie Cirkus mit uns. Aber Estencela hatte keine Kinder, denn ein Geist kann kein Nachfahre haben. Cirkus ist also kein Nachfahre von Estencela. Es ist Estencela, die Cirkus' Leib in Besitz genommen hat und ihren Geist mit Cirkus' Geist teilen muss."

„Sie hätte ein Kind mit Kilandrin haben können, oder?", fragte Neville.

„Es scheint mir wenig wahrscheinlich", antwortete Hermine. „Sonst hätte sie nicht Kilandrin, sondern eher ihrem Kind einen Teil ihrer Macht geschenkt. Übrigens weiß ich nicht, ob ihr bemerkt habt: Kilandrin bekommt einen Teil der Macht seiner Freundin, um Estencelas Gefühle zu empfinden. Kilandrin wird Einfühler genauso wie Professor Irre."

„Wenn ich die Ereignisse richtig verstehe", sprach Neville weiter, „Sind Rê'ums Nachfahren Godric Gryffindor, Harrys Mutter und Harry selbst. Kilandrins Nachfahren sind also Salazar Slytherin und Aldysse Irre?"

„Nun ja, logischerweise", sagte Hermine.

„Also wäre Aldysse Irre mit Voldemort verwandt, richtig?", bemerkte Harry.

„Ich fürchte schon", sagte Hermine. „Ich mag es nicht, Vorurteile zu haben, aber diese Verbindung gefällt mir nicht."

Harry seufzte.

„Ich habe Schwierigkeiten, daran zu glauben", sagte Harry. „Wir müssten es prüfen. Sie scheint mir vertrauenswürdig zu sein."

„... Sie ist trotzdem in Slytherin", bemerkte Neville.

„Gut... Dann werden wir Professor Irres Fall betrachten müssen", sagte Hermine. „Bleibt Warel, der die Menschen vertritt und der Vorfahren von Helga Hufflepuff ist. Das ist jemand, der die Zeit kontrollierte, ohne sie fassen zu können. Was soll das denn heißen? Und wer könnte solch eine Macht besitzen?"

Im gleichen Augenblick klopfte es an der Tür. Harry räumte das Buch schnell in eine Schublade, während die Tür aufgemacht wurde und der Alarmton erklang.

„Professor Dumbledore?", erstaunte sich Harry.

„Hallo!", sagte Professor Dumbledore. „Ich bin begeistert zu sehen, dass Sie dieses Buch ernst nehmen. Haben Sie Fortschritte gemacht?"

„Ja... ja...", sagte Harry immer noch überrascht.

„Gut. Wenn Sie mit dem Buch fertig sind, komm in mein Büro, damit wir darüber reden. Heute bin ich nicht dafür gekommen."

Dumbledore setzte sich auf dem Sofa neben Neville, der wie die anderen höflich aufgestanden war.

„Setzen Sie sich!", sagte Dumbledore. „Ich wollte bloß mit Ihnen über Mr Weasley reden."

„Ron?", erstaunte sich Hermine. „Was ist los? Ist ihm etwas geschehen?"

„Oh nein, machen Sie sich keine Sorgen, Miss Granger!", antwortete der Schulleiter. „Er kam zu meinem Büro, weil er sich um Sie drei Sorgen machte und sich völlig nutzlos fühlt, obwohl er weiß, dass gerade etwas Schlimmes los ist."

„Ron hat mit Ihnen gesprochen?"

„Ja, Harry. Es ist nicht seine Art, seine Sorgen mit einem seiner Lehrer zu besprechen, aber diesmal macht er sich wirklich sehr große Sorgen um Sie und es entschied ihn, mit mir zu sprechen."

„Wir wollten es ihm nicht sagen, Professor", sagte Hermine. „Wenn er der Schlüssel wäre..."

„Ron ist nicht der Schlüssel", griff Dumbledore ein. „Und Sie auch nicht, Miss Granger."

„Woher wissen Sie das?", fragte Harry.

„Weil der Schlüssel zu mir gekommen ist, um sein Buch zu bekommen", sagte Dumbledore ruhig.

„Sie... aber... wer ist es?", stotterte Harry.

„Wenn ich es Ihnen sagen dürfte, würde ich es tun", sagte Dumbledore und stand auf. „Jedoch müssen die vier Zauberer entdecken, wer der Schlüssel ist, wenn die Zeit reif ist. Vielleicht wäre es an der Zeit, Mr Weasley und den anderen Leuten, die Zugang zu diesem Raum haben, die Wahrheit zu sagen. So könnten sie viele Sorgen los werden. Nichtsdestotrotz muss ich etwas sagen: Harry, du enttäuschst mich."

„Professor... inwiefern habe..."

„Ein Auror muss allem misstrauen. Du warst überrascht, mich hier zu sehen, und doch hast du mir von all dem erzählt, obwohl ich dir ausdrücklich gesagt hatte, dass der einzige Ort, wo du mit mir darüber reden darfst, in meinem Büro ist und dass ausschließlich Miss Irre, Mr Cirkus und Mr Barbârum hier mit dir sprechen dürfen. Was sagt dir, dass ich der wahre Professor Dumbledore bin?"

Harry wusste nicht, was er antworten sollte.

„Glücklicherweise für dich ist es keine Prüfung für deine Aurorenausbildung, denn du wärst kläglich gescheitert. Das gilt auch für Sie beide, Miss Granger und Mr Longbottom. Wenn Sie dem Orden des Phönix beitreten möchten, sind Sie nicht auf dem richtigen Weg."

Professor Dumbledore ging mit langsamen Schritten auf die Tür zu.

„Sie dürfen Mr Weasley, seiner Schwester und Miss Lovegood davon erzählen, und bleiben Sie bei dem, was das Buch sagt und worum man Sie bittet. Diese Geschichte ist nicht nur für dich oder den Schlüssel ein Risiko, Harry. Es ist die Welt, die gefährdet ist. Denn die einzige Lösung, um das Böse zu vertreiben, ist, dass sich die vier Zauberer und der Schlüssel endlich finden. Du solltest mit deinem Tutor reden, Harry. Er kann dir Einiges über die Geisterwelt sagen. Vielleicht wirst du diese Sache nachher ernster nehmen?"

Dumbledore hielt vor der Tür inne und drehte sich zu seinen drei Schülern um.

„Ich will Ihnen nicht als streng erscheinen, aber Sie dürfen es nicht wie ein Spiel betrachten. Wir sind weit davon entfernt."

Die Standuhr im Raum der Wünsche läutete acht Uhr abends. Dumbledore lächelte.

„Acht Uhr", sagte er. „Es ist Zeit für Mr Weasleys Prüfung. Ich habe mit Professor Trelawney um eine sehr seltene Schokofroschkarte über eine ihrer Vorahnen gewettet. Ich hoffe, ich werde gewinnen."

Dumbledore verließ den Raum und schloss die Tür hinter sich. Harry war bitter. Nach Dumbledores Bemerkungen über ihn war es an der Zeit, sich in Frage zu stellen.