Hallo an alle! Und hier kommt das nächste Kapitel von Gabrielle Lavandes Geschichte Harry Potter et la Clé de l'autre monde. Viel Spaß beim Lesen. Ohne Verliebtindich wären die Kapitel nicht so gut geschrieben, also danke für ihre Korrekturen.
Disclaimer: Wie immer, nichts gehört zu mir, beinahe alles gehört zu JK Rowling und der Warner Bros und weder ich noch Gabrielle verdienen Geld mit dieser Geschichte.
Harry Potter und der Schlüssel zur anderen Welt
Kapitel 20:Das Unreparierbare reparieren:
Harry bahnte sich schnell einen Weg durch die noch dichte Menge und ließ die anderen zurück. Er lief die große Treppe hinauf, auf der Suche nach Cirkus. Ohne dass er sich dessen bewusst wurde, lenkten ihn seine Schritte direkt auf Professor Irres Büro zu, auch wenn er nicht wusste, wo er hin sollte. Das war der einzige Ort, wo er eine Chance hatte, Cirkus zu treffen und ihm von Ron zu erzählen. Er lief so schnell er konnte zum Büro seiner Lehrerin und stand bald vor der Tür.
Harry atmete tief ein und klopfte.
„Warten Sie bitte einen Augenblick!", sagte eine seltsam verstellte Stimme.
Nach ein paar Sekunden und eiligen Geräuschen hinter der Tür hörte Harry die Stimme seines Tutors.
„Herein!"
Harry machte die Tür auf und sah die beiden Tutoren, die beiderseits von Professor Irres Schreibtisch saßen. Cirkus saß auf der Lehrerseite mit den Füßen auf dem Schreibtisch, während Barbârum seine Maske zurechtrückte.
„Was ist los, Harry?", fragte Cirkus ruhig.
„Ron... Ron hat die Peitschende Weide gerade entwurzelt!"
„Was?", riefen beide Tutoren gleichzeitig aus.
„Wir haben ihm gesagt... tja... Sie wissen schon... und er hat mit Hermine gestritten!"
„Um Merlins Willen!", rief Barbârum aus. „Er musste echt zornig sein, um diesen Baum allein fällen zu können. Wo ist er?"
„Im Büro von Professor Dumbledore, denke ich. Professor McGonagall und Professor Irre waren auch bei ihm."
Barbârum holte seine Jacke von seinem Stuhl herunter und stand plötzlich auf.
„Dieser Kleine wird mich meine Stelle hier verlieren lassen, obwohl ich gekämpft habe, um sie zu bekommen!"
Barbârum griff nach einem Schlüsselbund und rückte seine Jacke zurecht.
„Ich hoffe, ich werde die Zeit haben, nach Hause zurückzukehren. Sie ist in letzter Zeit so sehr verärgert!"
„Deine Frau?", fragte Cirkus.
Barbârum hielt inne und starrte Cirkus an.
„Du kannst sagen, was du willst, ich werde meine Meinung nicht ändern", sprach der Geist weiter.
„Wenn es nur von mir abhinge...", seufzte Barbârum. „Na gut, ich laufe hin, bevor sie Ron verweisen. Wirst du mit Aldysse reden?"
„Und gerne noch mehr", lachte Cirkus.
„Also wirklich!", sagte Barbârum und knallte die Tür hinter sich zu.
Harry stand dann allein Cirkus gegenüber. Seine glänzende Maske nahm seinem Gesicht jeden Ausdruck, doch an der bloßen Stille im Raum spürte Harry eine gewisse Spannung.
„Setze dich, Harry", sagte Cirkus schließlich mit sanfter Stimme.
Harry setzte sich geistesabwesend vor seinen Tutoren. Er war sehr besorgt wegen Rons Zukunft. Vielleicht sollte er zu Dumbledore gehen, um es ihm zu erklären?
„Hör auf, dir Sorgen um Ron zu machen. Will... tja, Barbârum... kümmert sich schon darum... Du denkst zu laut und ich habe schon genug Sorgen."
Harry betrachtete Cirkus, der die Füße wieder auf den Schreibtisch legte.
„Entspanne dich, Harry. Ron wird nicht einfach so weg sein. Zumindest denke ich nicht, dass ihn Dumbledore verweisen wird."
Harry machte es sich bequemer auf seinem Stuhl. Er starrte Cirkus' starke Hand und das Dreieck auf deren Rücken an.
„Du stellst dir Fragen?"
Harry schaute überrascht zu Cirkus hinauf.
„Hast du entdeckt, wer der Mensch ist?", fragte Cirkus weiter und griff nach einer Tüte voller Bertie Botts Bohnen.
Harry schüttelte den Kopf.
„Weißt du, du solltest ein bisschen mehr auf die Details achten, Harry. Denn mein Aurorkollege Remus Lupin hat dir ein wunderbares Indiz unter die Nase gerieben und du hast keine Neugier gezeigt. Ein guter Auror muss auf alles achten. Das sagte deine Mutter ständig."
Harry blieb stumm und beobachtete den Mann, der ihm gegenüber saß, oder eher gesagt diese Maske, die immer unergründlicher zu sein schien. Wer war er bloß, dass er so von seiner Mutter sprach?
„Du willst wissen, wer ich bin, nicht wahr?"
Harry nickte geistesabwesend.
Dann hob Cirkus die Maske langsam von unten, um eine Bohne zu essen, und rückte sie wieder zurecht auf seinem Gesicht, ohne von seiner Identität irgendetwas zu zeigen.
„Es ist weder für dich noch für mich eine gute Sache, denn ich werde vielleicht gezwungen werden, wieder weg zu gehen. Und ich bin sowieso..."
„... nicht wirklich der, den du kennst", artikulierte Harry langsam und erinnerte sich dabei an einen seiner Träume. „Das wollten Sie gerade sagen, oder?"
Cirkus stellte die Füße wieder auf den Boden und setzte sich besser hinter dem Schreibtisch.
„Du hast von dieser Situation geträumt, richtig?", fragte er. „Und es ist nicht das erste Mal, das es dir passiert?"
„Stimmt", sagte Harry etwas verwirrt. „Das hat dieses Jahr angefangen."
„Ich hätte nie gedacht, ich würde das eines Tages sagen, aber du solltest Professor Trelawney um Hilfe bitten."
Harry hob eine Augenbraue.
„Wenn du Vorahnungen hast, ist sie leider die einzige, die du fragen kannst", sagte Cirkus mit einem schiefen Lächeln. „Und was deine Mutter betrifft, ich habe sie gekannt... wie eigentlich viele Auroren. Unterschätze nie, wie beliebt deine Eltern waren, Harry. Alle Auroren kennen einander und behalten sehr starke Bande... Außer Tonks, die seltsamerweise völlig verschwunden ist, seitdem sie gekündigt hat."
Harry senkte den Kopf, etwas enttäuscht.
„Wenn es nur an mir hinge, Harry", sagte Cirkus langsam, „wären hier viele Sachen anders. Und Bellatrix Lestrange wäre tot für das, was sie gerade jetzt tut."
„Lestrange?", staunte Harry und stand plötzlich auf. „Ist sie zurück? Wo ist sie?"
Cirkus stand langsam auf, ging zur Wand und lehnte seine Stirn daran.
„Warum habe ich nie gelernt zu schweigen?", murmelte er.
„Sagen Sie es mir! Wo ist sie?", empörte sich Harry.
Cirkus drehte sich zu ihm um und legte seinen Zeigefinger auf die silbernen Lippen seiner Maske. Worte erklangen dann in Harrys Kopf.
„Sie ist überall. Sie hört alles. Sie spioniert uns aus. Daher schweige, und vor allem frage nicht mehr, Mitglied vom Orden des Phönix. Glaube mir, bei den plümpsten Fallen ist Geduld höchste Tugend. Die Geduld des Ordens ist das Geheimnis seines Erfolgs. Wer unbedacht rennt, rennt ins eigene Verderben. Erinnere dich an Sirius Black."
Harry blickte zur ausdruckslosen Maske seines Tutors hinauf. Beim Namen seines Paten spürte er, wie sich sein Herz vor Kummer verkrampfte.
„Geh weiter, Harry. Geh mit deinen Freunden weiter. Sie sind wertvolle Hilfen, die wir dir nicht wegnehmen werden. Ron wird hier bleiben, dass garantiere ich dir."
„Sir..."
„Keine Widerrede, Harry. Du bist unsere einzige Chance gegen Voldemort. Mehr denn je trägt der Nachfahre der Hoffnung seinen Namen zu Recht. Du bist die Hoffnung aller Zauberer und Hexen und jedes Mitglied des Ordens wird sein Bestes tun, damit du erfolgreich bist. Alles ruht auf deinen Schultern und wir werden alles in Bewegung setzen, damit du Erfolg hast."
Harry fiel wieder auf seinen Stuhl. Nie hatte er begriffen, wie wichtig seine Rolle war. Cirkus' Worte ließen ihn zur Realität zurückkehren. Er spürte jetzt die große Verantwortung, die seine war. Wie eine schwere Last, die er kaum tragen konnte.
„Es wurde Zeit, dass du es verstehst. Du bist der Nachfahre der Hoffnung. Du musst daher sehr schwere Verantwortungen auf dich nehmen."
Harry drehte sich zu Cirkus um und stand auf.
„Ich möchte... wissen, wie es Ron geht", sagte Harry, der das Zimmer so schnell wie möglich verlassen wollte, als könnte er damit seinen Verantwortungen entfliehen.
„Dann geh, Harry... und entschuldige mich."
Harry lächelte seinem Tutor schüchtern zu, ging hinaus und schloss die Tür hinter sich. Er lehnte sich mit einem Seufzer daran, dann ging er weiter zum Gryffindor-Turm in der Hoffnung, Nachrichten von Ron zu bekommen.
Als er um eine Ecke bog, bemerkte Harry, wie Hermine und Barbârum miteinander redeten. Er beschleunigte seinen Schritt und sah Barbârum fragend an.
Der maskierte Mann seufzte, sein Gesicht zu Hermine gewandt.
„Was ist los? Und was ist mit Ron?"
„Er wird nicht verwiesen", sagte der Tutor langsam. „Aber... aber er darf kein Auror mehr werden. Aldysse Irre hat ihn als... zu impulsiv eingeschätzt, als jemand, der seine Gefühle nicht kontrollieren kann."
„Aber er bleibt also hier?"
„Er will nicht bleiben", antwortete Hermine langsam. „Er will... er will trotzdem weg."
„Wie bitte?"
„Er denkt, dass es nichts nützt, weiter zu lernen, wenn er kein Auror werden darf. Er will lieber weg."
„Aber wir müssen ihn daran hindern! Es ist ein Fehler!", schrie Harry mit einem Anflug von Panik in der Stimme.
„Es ist seine Entscheidung", sagte Barbârum langsam. „Er ist gerade dabei, seinen Koffer zu packen. Er verlässt die Schule heute Abend."
Ohne zu überlegen, lief Harry weiter zum Gryffindor-Turm und ließ die anderen hinter sich, während Hermine seinen Namen schrie.
Er lief die Treppe so schnell hoch wie er konnte und erreichte den Turm unglaublich schnell. Er rannte durch das Porträtloch und die Treppe hinauf zu seinem Schlafsaal, dessen Tür er ungestüm öffnete.
Ron stand allein da. Sein Koffer lag weit offen auf seinem Bett und er war gerade dabei, die Kleidungsstücke hineinzulegen, die in seiner Kommode lagen. Er richtete sich ein bisschen auf, als er sah, wie Harry in Eile herein kam.
„Ich werde meine Entscheidung nicht ändern", sagte er langsam.
„Ich verstehe nicht, warum du weggehst! Ron, es ist ein Fehler!"
Ron seufzte.
„Meine Brüder haben es ja geschafft, ohne ihr Studium beendet zu haben."
„Du weißt doch, was ich meine, Ron. Hermine..."
„Ich will nichts mehr von ihr hören!"
„Darum gehst du weg?", fragte Harry.
Ron senkte die Augen.
„Es ist nicht nur deswegen... Ich kann sowieso kein Auror mehr werden. Es nützt nichts, weiterzumachen."
„Aber wir brauchen dich, Ron... Jedes Jahr mussten wir schreckliche Dinge durchmachen. Wie werde ich es dieses Jahr denn schaffen, wenn du nicht dabei bist, du weißt doch, dass dieses Jahr alles auf dem Spiel steht."
Ron lächelte.
„Du weißt genauso gut wie ich, dass du mich nicht brauchst."
„Das stimmt nicht, Ron! Schon in unserem ersten Jahr hier hast du gesehen, dass wir ohne dich den Stein der Weisen nie hätten retten können."
„Schach!", sagte Ron spöttisch. „Also wirklich..."
„Ron, es gibt nicht nur das! All diese Jahre lang hätte ich ohne euch nichts geschafft. Lass mich jetzt nicht allein."
Ron hörte einen Augenblick lang auf, seine Sachen aufzuräumen, und setzte sich auf den Bettrand.
„Hermine wird dir viel besser helfen als ich. Ich bin nie sehr intelligent gewesen. Ich bin sicher, dass ihr euch ohne mich heraushelfen könnt. Und du kannst ja jederzeit nach mir rufen."
Harry sah Ron mit einem plötzlich sehr strengen Ausdruck an.
„Du Feigling", sagte er langsam.
Ron hob den Kopf.
„Ja, du hast richtig gehört", sprach Harry mit trockener Stimme weiter. „Du sagst, es fehlt Hermine an Mut, aber du bist noch schlimmer, da du weggehst."
„Das ist überhaupt nicht das Gleiche."
„Ja, du hast Recht. Das ist nicht das Gleiche, Ron. Hermine dachte, du würdest sterben, und hat doch den Mut gehabt, dich jeden Tag zu sehen. Sie hat es trotz ihrer Gefühle zu dir geschafft, ruhig zu bleiben. Aber du bist ein Feigling. Du fliehst."
„Ganz im Gegenteil", sprach Ron ein wenig lauter. „Wenn ich weggehe, ist es, um zu vermeiden, hier noch was anderes zu brechen und mich an ihr abzureagieren. Aldysse Irre hat es selbst gesagt, ich kann mich nicht kontrollieren. Es ist für alle besser, wenn ich weggehe."
„Quatsch!"
„Harry, lass mich bitte in Ruhe!", sagte Ron und machte seinen Koffer gewaltsam zu. „Ich habe keinen Bock darauf, dass wir jetzt streiten. Das war mir mit Hermine mehr als genug."
„Du kannst dich nicht kontrollieren, stimmt's?", sagte Hermine, die plötzlich an der Türschwelle stand.
Ron blieb einen Augenblick lang mit offenem Munde da stehen, dann fing er wieder an, seinen Koffer zu füllen und ignorierte Hermine dabei völlig.
„Fang das, Harry!", sagte Hermine.
Hermine warf ihm einen kleinen Gegenstand zu, den er geschickt fing. Es war ein Vertrauensschülerabzeichen.
„Was ist..."
„Ron geht weg, wir brauchen einen neuen Vertrauensschüler", sagte sie emotionslos. „Es war sein Abzeichen."
„Aber ich will es nicht!", rief Harry aus. „Ich habe schon genug Sorgen!"
Hermine ignorierte Harrys Bemerkung völlig und ging drei Schritte auf Rons Bett zu.
„Wenn du dich nicht kontrollieren kannst, dann komm und kämpfe", sagte sie.
Ron lächelte spöttisch und füllte seinen Koffer ruhig weiter.
„Komm und kämpfe", fuhr Hermine fort.
Harry starrte Hermine an, die sehr ernsthaft war. Dann erinnerte er sich an seinen Traum. Ron hatte sich nicht einmal bewegt.
„Komm und kämpfe gegen mich, wenn es das ist, was du willst", wiederholte Hermine mit entschlossener Stimme. „Komm, wenn du dich rächen willst!"
Ron füllte seinen Koffer weiter, als wäre er taub. Hermine seufzte vor Wut, dann zückte sie ihren Zauberstab aus ihrer Tasche und zielte damit auf Ron.
„Hermine!", rief Harry aus.
„Expelliarmus!"
Ron sprang rechtzeitig beiseite, doch der Zauber hatte sein Himmelbett getroffen, das zusammenstürzte.
Der Rothaarige sah Hermine einige Augenblicke lang ausdruckslos an, dann griff er mit einer schnellen Bewegung nach seinem Zauberstab und ging zur Tür.
„Wir gehen nach draußen."
„Ron, hör auf!", rief Harry aus.
Doch Ron war schon hinaus, von Hermine dicht gefolgt. Sie liefen die Treppen herunter.
„Hört auf! Ihr seid verrückt! Hermine, du wirst dafür verwiesen werden!"
„Harry, ich bitte dich, mische dich nicht ein!", rief Hermine aus. „Es geht nur uns etwas an."
„Aber das ist dumm!"
Weder Ron noch Hermine antworteten. Bald standen sie vor dem riesigen Loch, das die Peitschende Weide zurückgelassen hatte und grob mit Schutt gefüllt worden war. Ron und Hermine stellten sich einander gegenüber, während Harry etwas abseits zu einem großen Baum ging, der von dem starken Wind bebte.
„Ich habe als erste angegriffen, du bist also dran", sagte Hermine und starrte Ron an.
„Du bist lächerlich, willst du verwiesen werden?"
„Es geht nur mich etwas an. Du willst dich rächen, dann greif an. Ich fürchte mich nicht vor dir."
Ron lachte laut auf.
„Du bist zum Lachen. Hör doch mit dem Blödsinn auf und geh für den Unterricht Lernen, ich muss meinen Koffer zu Ende packen."
Ein roter Lichtstrahl schoss aus Hermines Zauberstab, doch Ron wich ihm aus.
„Du bist ein dummes Kind! Was willst du bloß beweisen? Ich habe keinen Bock darauf, gegen jemanden wie dich zu kämpfen. Du bist es nicht wert."
Hermine schoss sofort mehrere mächtige Zauber zu Ron.
„VERTEIDIGE DICH!", schrie sie und wirkte einen letzten Zauber, der Rons Arm leicht einritzte.
„RON!", rief Harry aus.
Er wollte auf sie zulaufen, doch eine Hand legte sich auf seine Schulter und er drehte sich um.
„Greif nicht ein", murmelte Cirkus.
„Aber..."
„Vertrau mir und schau dorthin... hinter die Hecke."
Harry blickte zur Hecke und erblickte zwei Leute, die dahinter versteckt waren und die Szene beobachteten. Harry musste die Augen zusammenkneifen, um sie wieder zu erkennen. Es waren Barbârum und Aldysse Irre.
Harry schaute wieder zu seinem Tutoren hoch, der seinen Finger auf den Mund legte, damit er schwieg.
„Hermine! Du hast nichts verstanden!", rief Ron aus. „Ich habe keinen Bock darauf mit dir zu reden, noch weniger gegen dich zu kämpfen. Ich will dich einfach nicht mehr sehen, also hat das Ganze hier keinen Sinn, es sei denn, du willst mich töten und im Knast landen."
„Was ich will, ist, dass du dich an mir abreagierst, wenn du verärgert bist", sagte Hermine. „Dieser Baum hatte das nicht verdient, was ihm geschehen ist. Ich bin bereit, dir einen Cruciatusfluch aufzuhalsen, damit du gegen mich kämpfst."
„Pah, du wirst es nicht tun. Du wirst es nicht schaffen, wenn du keinen Hass verspürst."
Hermine stellte sich Ron entgegen in Angriffsposition, aber der Rothaarige bewegte sich nicht. Harry blickte flehentlich zu Cirkus, damit er den Kampf beendete.
„Wenn sie es schafft, darf sie den Fluch wirken. Wir werden nicht eingreifen."
Hermines Zauberstab fing an zu glänzen und in ihren Händen zu zittern. Das Mädchen machte eine leichte Bewegung und sprach den Fluch.
„CRUCIO!"
Der Lichtstrahl schoss zu Ron, der sich nicht bewegt hatte, und wirkte nicht.
„Du weißt genauso gut wie ich, dass man einen Cruciatusfluch nur wirken kann, wenn man seinen Gegner hasst. Tatsache ist, dass ich dich genauso sehr hasse wie du mich. Egal, was ich sagen mochte, es ist so."
Hermine fing plötzlich an zu beben.
„Egal, ich kann dich mit anderen Flüchen angreifen."
„Dann tu es", sagte Ron einfach. „Aber ich werde dir die Freude nicht machen anzugreifen."
Hermine schnaubte und schoss eine Menge einfacher Flüche, denen Ron auswich, ohne seinen Zauberstab auch nur einmal zu benutzen. Allmählich näherte er sich Hermine.
„Das, was du tust, ist nutzlos. Du bist zu verwirrt, dass du einen Fluch richtig wirken könntest. Du erschöpfst dich umsonst."
„Und auch du erschöpfst dich!", rief Hermine aus. „Ich werde dich schließlich treffen, egal, ob ich verwirrt bin oder nicht!"
Plötzlich wich Ron einem letzten Lichtstrahl aus, zückte seinen Zauberstab und entwaffnete Hermine mit einem einzigen Expelliarmus, so dass ihr Zauberstab ein paar Meter weiter fiel.
Hermine lief zu ihrem Zauberstab, doch Ron ergriff fest ihren Arm. Sie waren jetzt aneinander geschmiegt. Hermines Kopf war gerade unter dem von Ron. Sie waren so nah beieinander, dass sie das Herz des jeweiligen anderen klopfen spüren konnten.
„Hör auf, du tust mir weh!", rief Hermine aus.
„Das ist nicht zu fassen! Ich bin es, der verletzt ist, und doch bist du es, die sich beklagt. Accio Zauberstab."
Hermines Zauberstab flog zu Rons Hand und er schob ihn hinter sein Ohr.
„Gut, jetzt hörst du mit deinem Spielchen auf", sagte er mit trockener Stimme. „Du hast für heute genug gemacht. Geh zur Schule zurück und bleib in deinem Zimmer, ich will dich ab jetzt nicht mehr sehen."
„Wenn du glaubst, dass ich mich nicht dagegen wehren werde, irrst du dich!", sagte Hermine und zückte Malfoys Zauberstab aus ihrer Tasche, mit dem sie auf Rons Brust zielte. „Wenn ich es möchte, könnte ich dich auf der Stelle töten."
„Ein Fluch aus dieser Distanz wäre auch für dich tödlich", sagte Ron und senkte die Augen zu Hermine.
„Na und? Was werde ich wirklich verlieren, wenn wir beide sterben?"
Hermine hob glänzende Augen zu Ron hinauf. Der Junge blieb stumm und ergriff Malfoys Zauberstab zwischen seinem Daumen und seinem Zeigefinger. Hermine wehrte sich nicht.
„Du bist nichts als ein starrsinniges Mädchen... aber du bist mutig", sagte Ron. „Ich will trotzdem nicht, dass wir uns wiedersehen. Ich werde es nicht schaffen, dir zu verzeihen. Ich gehe weg und weder du noch Harry könnt mich daran hindern."
Ron ließ Hermines Arm los und ging zwei Schritte nach hinten. Er griff wieder nach Hermines Zauberstab und reichte ihr die beiden Waffen.
„Geh weg", sagte er mit einer schwachen Stimme. „Und nimm das zurück."
Hermine griff nach den Zauberstäben und ließ Ron dabei nicht aus den Augen.
Aldysse Irre und Barbârum verließen dann ihr Versteck. Vom Geräusch überrascht drehte sich Ron um und sah sie. Dann blickte er verständnislos zu Hermine.
„Gut, sehr gut, wir werden hier aufhören", sagte Aldysse Irre. „Ich muss gestehen, dass ich dieser Nachprüfung gegenüber skeptisch war, aber ich sehe ein, dass ich mich geirrt hatte."
Harry näherte sich Ron, von Cirkus dicht gefolgt. Rons Lippen bewegten sich und Harry las darauf diese wenigen Wörter:
„Was ist denn all das?"
Harry lächelte.
„Sagen wir mal, dass wir, statt Ihre Ausbildung zu beenden", fuhr Aldysse Irre fort, „das in etwa fünfzig Stunden Nachsitzen verwandeln werden... mit Professor Sprout, da es scheint, dass Sie Bäume so sehr mögen."
Ron sah Aldysse Irre verständnislos an.
„Ich verstehe nicht ganz...?"
„Miss Granger hat uns gesagt, dass Ihr „Wahnsinn" überhaupt nicht zu Ihren Gewohnheiten gehört, und sie hat uns darum angefleht, Ihnen eine zweite Chance zu geben, wenn sie beweisen konnte, dass Sie Ihre Emotionen kontrollieren können... und ich muss gestehen, dass mich Ihre Kaltblütigkeit, als Ihnen Miss Granger einen Cruciatusfluch aufgehalst hat, beeindruckt hat. Zwar einen versagten, aber sie hat es zumindest versucht."
„Und?"
„Und wenn Sie es wünschen, können Sie hier Ihre Ausbildung weitermachen, unter der Bedingung, dass Sie doch wohl verdiente Strafarbeiten erledigen. Wie entscheiden Sie sich?"
Ron sah Harry mit einem schiefen Lächeln an, dann blickte er zu Hermine, die ausdruckslos da stand, und sein Lächeln verschwand.
„Ich bleibe", sagte er und lächelte Harry wieder zu.
„Gut!", sagte Professor Irre. „Das freut mich. Mit dieser überraschenden Kaltblütigkeit werden Sie ein wunderbarer Auror sein, davon bin ich überzeugt."
„Danke, Professor."
„Gut, dann lassen wir Sie Ihren Koffer wieder auspacken. Und viel Erfolg weiterhin!"
Aldysse Irre und die beiden Tutoren gingen zum Schloss zurück, während Harry Ron gratulierte.
„Es freut mich, dass du bleibst."
„Ja. Es war eine seltsame Prüfung. Aber auch ich bin froh, dass ich bleibe."
Ron drehte sich zu Hermine um, die die Augen senkte.
„Ich..."
Ron seufzte.
„Ich gestehe, dass ich nicht mehr weiß, was ich denken soll. Aber ich habe trotzdem immer noch keine Lust, mit dir zu reden."
„Du kannst denken, was du willst, es ist mir egal. Ich wollte bloß nicht irgendwie dafür verantwortlich sein, dass du die Schule verlässt. Lass uns es dabei bewenden."
Nach einigen Augenblicken schwerer Stille fuhr Hermine fort.
„Harry, kannst du Ron bitte sein Abzeichen zurückgeben? Nicht, dass du kein guter Vertrauensschüler wärst, aber..."
„Sehr gerne!", fiel ihr Harry ins Wort.
Hermine lächelte schüchtern und ging zum Schloss.
