Hallo an alle! Und hier kommt das nächste Kapitel von Gabrielle Lavandes Geschichte Harry Potter et la Clé de l'autre monde. Einen herzlichen Dank an meine Betaleserin und an all meine Leser, die stummen wie die redseligen.
Disclaimer: Wie immer, nichts gehört zu mir, beinahe alles gehört zu JK Rowling und der Warner Bros und weder ich noch Gabrielle verdienen Geld mit dieser Geschichte.
Harry Potter und der Schlüssel zur anderen Welt
Kapitel 33: Einen Vater verlieren:
Draco war so schnell geflogen, dass er jetzt schon weit weg war. Auf seinem Feuerblitz hatte Harry große Schwierigkeiten, ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Die eisige Kälte dieser Januarnacht half auch nicht dabei: Harry war so schnell hinausgeflogen, dass er nicht an die Folgen gedacht hatte. Jetzt fingen seine nun bläulichen Hände an, ihm weh zu tun, und bei jedem Beschleunigungsvorgang schienen ihm Nadeln das Gesicht zu durchbohren. Er versuchte, Malfoy weiter im Auge zu behalten und der beißenden Kälte zu widerstehen, doch der Slytherin war schon hinter einer Wolke verschwunden. Harry suchte, doch vergeblich. Malfoy war bestimmt bereits weit weg.
„HARRY!"
„Mark!"
Mark flog mit großer Geschwindigkeit auf seinem Komet 320, dem Besen, den er zu Weihnachten bekommen hatte, und hielt neben Harry inne.
„Ich weiß, wo er hinfliegt!", sagte er.
„Aber..."
„Du hast deine Uhr auf deinem Bett vergessen. Es gab Platz für einen letzten Namen, also habe ich Malfoys geschrieben. So können wir seiner Spur folgen."
„Danke, Mark!", sagte Harry und streckte die Hand aus, um seine Uhr zu verlangen, die nach dem gleichen Modell erstellt worden war wie die Standuhr der Weasleys.
„Auf keinen Fall!", empörte sich Mark. „Ich komm mit dir!"
„Mark, ich meine es ernst! Onkel Neil wird sich unheimliche Sorgen machen, wenn er das Haus leer sehen wird. Gib mir diese Uhr und flieg zurück, um ihnen Bescheid zu sagen."
„Sie werden ohne Schwierigkeiten wissen, wo wir sind!", sagte Mark und wurde rot im Gesicht. „Ich habe ihnen meinen Spurfolger zurückgelassen. Als ich ein Baby war, haute ich ständig ab, so dass Mum einen Folger auf dieser Sicherheitsnadel zaubern musste, um mich schnell wieder zu finden."
Harry erblickte die kleine goldene Nadel am Hals seines Cousins.
„Du kannst nicht allein weg, ohne dass irgendjemand weiß, wo du steckst, also hast du keine Wahl. Ich folge dir."
„Gut, sehr gut!", sagte Harry nun leicht ungeduldig. „Du kommst mit."
„Es ist in der Richtung!", sagte Mark und wies nach Südosten.
Harry folgte seinem Cousin, der etwas höher flog. Auch wenn er neu war, war sein Komet 320 viel langsamer als der Feuerblitz von Harry, der anfing die Geduld zu verlieren.
„Komm schon! Schneller! Wir müssen ihn einholen!"
„Falls du es nicht bemerkt hast, ich habe nicht den gleichen Besen wie du!"
Harry beschleunigte plötzlich und stellte sich vor Mark.
„Halte dich an meinem Besen fest, du wirst mir den Weg weisen."
Mark gehorchte und Harry beschleunigte sofort.
„Wow, verdammt!", rief Mark aus. „Weiter in dieser Richtung!"
Harry spürte die Kälte nicht mehr: Seine Entschlossenheit war stärker. Sie flogen etwa eine halbe Stunde nach Süden. Die Wolken verschwanden allmählich und die Nacht war klar.
„Er hat nicht weit von der Küste gestoppt", sagte Mark. „Flieg langsamer, er ist nicht mehr weit."
Harry fing an, nach unten zu fliegen, und erblickte auf der Felsenküste, vom Vollmondlicht beleuchtet, das Motorrad, das ihm Sirius geschenkt hatte. Er machte einen plötzlichen Sturzflug.
„Du könntest Bescheid sagen, bevor du so was machst!", rief Mark aus, der sich verzweifelt an seinen Besen hängte.
Harry antwortete nicht, flog weiter hinunter und landete ein paar Meter von seinem Motorrad entfernt. Sie legten ihre Besen in nahen Büschen ab und suchten nach einer Spur von Malfoy.
„Dort oben", sagte Mark. „Licht."
Etwas weiter auf einem nahen Fels schien sich ein seltsames Licht zu bewegen. Plötzlich erkannte Harry eine Silhouette, die eine Höhle betrat.
„Malfoy! Was treibt er denn da?"
„Ich denke, dass er zu seinem Vater geht", sagte Mark. „Er redet im Schlaf. Er spricht von seinem Vater. Und es mag wohl sein, dass er sich hier versteckt. Ich frage mich, wie er wissen konnte, wo er ist."
„Es gibt eine Treppe hier", sagte Harry und ignorierte seine Bemerkung. „Lass uns gehen."
Harry und sein Cousin stiegen die unglaublich lange, steile und vereiste Treppe hinauf.
„Und was werden wir machen, wenn wir dort oben sind?", flüsterte Mark.
„Wenn sie sich treffen, dann heißt es, dass Malfoys Vater ihn um etwas bitten will. Er ist nicht so der Typ, der zärtliche Gefühle zu seinem Sohn zeigen würde."
Zehn Minuten später standen sie am Eingang der dunklen Höhle und hörten das Echo entfernter Stimmen.
„Lumos Minima", murmelte Harry.
Sein Zauberstab leuchtete schwach auf und er betrat geräuschlos und langsam die Höhle.
„Harry!", rief Mark flüsternd.
„Was?"
„Ich kann mit meinem Zauberstab nicht leuchten! Ich bin nur Zweitklässler!"
Harry blickte verärgert zum Himmel und seufzte.
„Gib!", sagte Harry und griff nach dem Zauberstab seines Cousins. „Lumos Minima."
Marks Zauberstab leuchtete auf.
„Nimm, und vergiss nicht „Nox" zu sagen, um ihn zu löschen."
„Alles klar, ich muss „Nox" sagen."
Und Marks Zauberstab löschte sich aus.
„Tut mir leid!", sagte Mark und verzog das Gesicht.
„Lass es gut sein und folge mir einfach!", seufzte Harry.
Sie gingen langsam zwischen den tropfnassen Wänden hindurch und versuchten dabei so leise zu sein wie möglich. Die Stimmen wurden allmählich lauter, bis sie verständlich wurden.
„... mich töten."
„Nein, Vater. Das kommt nicht in Frage!"
„Wir haben keine Wahl, Draco, wir müssen Lord Voldemort gehorchen. Er allein wird mich noch annehmen können. Wünschst du dir, deinen Vater im Knast zu sehen, Draco?"
„Ich wünsche mir noch weniger, ihn tot zu sehen."
„Mein Sohn, du musst verstehen, dass der Tod viel sanfter ist als das Leben hier. Weißt du, was ich deinetwillen erdulden musste? Du musst es tun und du musst mich begleiten. Es gibt keine Zukunft für dich, und für mich auch nicht."
Das Gespräch schien immer näher zu kommen. Harry löschte seinen Zauberstab aus und näherte sich langsam hinter einer Reihe von Stalagmiten. Weiter vorne, etwa zehn Meter entfernt, sprachen die beiden Malfoys und standen einander gegenüber an einem schwachen Feuer neben den Überresten von wahrscheinlich gejagten Tieren. Lucius Malfoy hatte sich unglaublich stark verändert: Er war mager, sein langes blondes Haar war vom Schmutz verdunkelt und seine schwarze Kleidungen vom Staub weiß.
„Vater, haben Sie nicht verstanden, dass ihm Ihr Schicksal unwichtig ist?"
„Ich weiß es, Draco, aber wenn wir List nutzen, wird er uns dort wieder an seine Seite nehmen und wir werden geschützt sein. Dann werden wir alle gegen ihn verbünden, wie ich es beinahe geschafft hatte, als er unerwartet zurückgekehrt ist."
Lucius Malfoy näherte sich seinem Sohn.
„Ich brauche nur ein paar Schritte nach draußen zu machen und die meisten Zauberer unserer Gesellschaft wären bereit, mich zu töten. Möchtest du, dass dein Vater von der Hand eines anderen wie ein Hund abgeschlachtet wird?"
„Ich kann es nicht", sagte Draco und senkte die Augen.
Lucius Malfoy nahm das Gesicht seines Sohnes unsanft in seine Hände und ließ ihn den Kopf heben.
„Ein Malfoy senkt nie die Augen, das habe ich dir bereits gesagt!", sagte der Todesser zwischen seinen Zähnen. „Sei stolz auf deinen Rang, auf deine Reinheit und auf das, was du zu Ehren deiner Familie tun musst!"
„Vater, ich...", wimmerte Malfoy.
„TU ES! TU ES, VERDAMMT NOCH MAL! WILLST DU NICHT, DASS ICH STOLZ AUF DICH BIN?"
Lucius Malfoy ergriff seinen Zauberstab und zielte damit auf seinen Sohn, der wegen der Bedrohung nach hinten schritt.
„Entweder du tust es, oder du bist zu feige und ich töte dich! Immerhin wird dich keiner töten wollen. Und ich denke nicht, dass du von einem anderen getötet werden möchtest. Mach dir keine Sorgen, du wirst dort einen guten Empfang bekommen. Du wirst Bellatrix wieder sehen."
„Nein...", zitterte Draco vor Angst.
„Du wirst mir später danken! Du wirst sehen, dass dort alles schöner ist. Auch deine Mutter wird kommen, du wirst nicht allein sein wie in Hogwarts."
Lucius Malfoy hob den Zauberstab und zielte weiter damit auf seinen Sohn.
„DRACO, FANG!"
Mark verließ sein Versteck und warf Malfoy seinen eigenen Zauberstab zu, den der Junge im Flug auffing. Lucius Malfoys Gesicht verzerrte sich vor Wut.
„Was heißt das, Draco? Du wagst es, deinen Vater zu verraten?"
„Er will sein Leben retten, das kann man doch verstehen, oder?", sagte Mark herausfordernd.
Harry umklammerte seinen Zauberstab fester, bereit anzugreifen, doch er zeigte sich nicht.
„Mark, willst du dich töten lassen oder was?", flüsterte er.
„SCHWEIGE, VERFLUCHTER VERRÄTER!", schrie Lucius Malfoy und zielte mit seinem Zauberstab nun auf Mark. „WIE VIELE SEID IHR?"
„Draco? Du weißt, dass du nichts mehr für ihn tun kannst", sagte Mark, ignorierte Lucius Malfoy und ging langsam auf sie zu. „Gib's auf."
„Er ist mein Vater..."
„... und er will dich töten! Wie kann ein Vater seinen Sohn töten wollen? Wirst du dich lange manipulieren lassen, weil er dein Vater ist, oder wirst du endlich für dich leben? Hast du jemals Entscheidungen allein getroffen, Draco? Hast du je die Lust verspürt, das zu tun, was du wolltest, und nicht das, was man dir befahl zu tun?"
„HÖR AUF!", schrie Lucius Malfoy. „Er ist MEIN Sohn! Du bist nur ein Taugenichts! Du bist ein Verräter, wie alle Evans!"
„Aber zumindest habe ich einen Vater, der mich frei lässt zu denken und meine eigenen Entscheidungen zu treffen."
Lucius Malfoy hob seinen Zauberstab, um Mark zu verfluchen, doch bevor Harry die Zeit hatte, aus seinem Versteck zu kommen, hatte Draco Malfoy seinen Vater mit dem Zauberstab entwaffnet, den ihm Mark gegeben hatte. Lucius drehte sich zu seinem Sohn um.
„DAS WAR'S ALSO! AUCH DU WILLST EIN VERRÄTER SEIN?"
„Nein", antwortete Draco.
„NUN WAS? DU VERTEIDIGST IHN, DU RESPEKTIERST DEINEN VATER NICHT MEHR?"
„Er... hat mich als sich gleich behandelt."
„Und ich will dich zum Rang eines Fürsten erheben. Hast du all deinen Ehrgeiz verloren, oder hat dich die Tatsache, dass du nur noch mit schlechten Zauberern verkehrst, endgültig feige gemacht?"
„Alles, was Sie wollen, ist Macht", sagte Mark plötzlich. „Ihnen ist Draco völlig egal, so lange er Ihren Befehlen gehorcht. Aber er ist nicht Ihr Hauself. Er weiß jetzt, was eine Familie ist. Er hat mit uns gelebt und bei Ihnen hat er es nie erlebt. Nie hat er sich als Mitglied einer Familie gefühlt. Für ihn sind Sie nur eine autoritäre Figur."
„HALT DIE KLAPPE, EVANS! HALT DIE KLAPPE! DU WIRST MEINEN SOHN NICHT MANIPULIEREN! ICH BIN ES, DER ENTSCHEIDET!"
„Gut, ich schweige!", sagte Mark, zuckte mit den Schultern und drehte den Blick zum Sohn um. „Draco muss seine eigene Entscheidung treffen. Er ist es, der sein Leben wählen muss."
Draco Malfoy sah seinen Vater an und blieb einen Augenblick lang still. Dann sah er mit Tränen in den Augen zu Mark. Schließlich zitterte er, drehte sich endgültig zu Mark um und ging auf ihn zu. Als er ihm seinen Zauberstab zurückgab, lächelte er ein wenig und sein Gesicht war von nervösen Zuckungen geplagt.
Lucius Malfoy schien plötzlich in eine rasende Wut zu geraten. Er lief zu seinem Zauberstab, der immer noch am Boden lag, hob ihn auf und drehte sich zu seinem Sohn und Mark um.
„VERRÄTER! VERRÄTER! DU BIST NICHT MEHR MEIN SOHN! DU BIST NICHTS MEHR! ICH HASSE DICH! ICH HASSE EUCH BEIDE! AVADA..."
„AVADA KEDAVRA!"
Ein mächtiger Lichtstrahl schoss direkt hinter Harry und traf Lucius Malfoy voll im Herzen. Er stürzte zu Boden.
„NEIN! NEIN! WARUM HABEN SIE DAS GETAN? NEIN!", schrie Draco und stürzte zur Leiche seines Vaters.
Harry drehte sich um und erblickte seinen Onkel Neil, der seinen Zauberstab vor sich hin streckte und einen Blick hatte, den Harry bei ihm noch nie gesehen hatte. Er hatte ihn bereits wütend gesehen, doch jetzt war es anders. Der Wut schien von einer gewissen Traurigkeit ein wenig abgeschwächt zu werden.
„NEIN! Nein... nein... er wusste nicht mehr, was er tat!", weinte Draco über der Leiche seines Vaters. „Er war nicht mehr er selbst. Jetzt wird es nur schlimmer werden! Er wird noch mehr leiden!"
Mark kniete sich neben Draco und legte eine Hand auf seine Schulter. Neil Evans hatte sich immer noch nicht bewegt. Er senkte langsam den Zauberstab, seufzte tief und schloss die Augen. Harry stand auf, um zu ihm zu gehen, doch sein Onkel näherte sich der Leiche dessen, den er gerade getötet hatte. Seine Schritte, die in der Höhle widerhallten, waren so laut und so schwer wie die Totenglocke einer Kirche. Er hielt ein paar Meter vorher inne und sah traurig zu, wie der Sohn um seinen Vater trauerte.
„Draco, es tut mir leid, aber..."
„Sie sind alle tot", schnüffelte Draco und unterdrückte seine Tränen. „Alle Todesser. Sie haben sich gegenseitig getötet. Und er wollte sterben, um bei ihnen zu sein. Er wollte, dass ich ihn töte, um die andere Welt zu erreichen, denn nur jene, die natürlich oder von der Hand eines anderen gestorben sind, können dorthin."
Draco drehte sich mit tränenroten Augen und nassen Wangen zu Neil Evans um.
„Bald wird Lord Voldemort bei ihnen sein und dann werden unsere beiden Welten keine einzige Chance mehr haben. Dort ist ihre Macht riesig. Sie werden alles tun, um das Tor zu zerstören, und dann wird alles vorbei sein. Da mein Vater nun dort ist, wird es nur noch wenige Tage dauern, bis es so weit ist."
Spoiler (nicht lesen, wenn ihr ein wesentliches Element nicht kennen wollt):Die Symbolik dieser Szene ist für mich extrem wichtig und ihr werdet bald verstehen, warum: Nehmt den Dialog zwischen Malfoy Sr. und Jr. und Mark und bringt ihn in unsere aktuelle Welt rüber, also „ein Junge, der einem Vater seinen Sohn stiehlt". Auch wenn es hier nicht das Thema ist, es ist umso schwieriger für Schwule, ihr Comingout zu machen, wenn sich die Eltern dagegen streben. Wir haben Lucius, der völlig dagegen ist, und Neil, der es mehr oder weniger gut akzeptiert, jedoch mit ein bisschen Traurigkeit. Eltern kommen nie ganz heil aus einer solchen Enthüllung.
Die Geschichte wird weiter so laufen und zwischen Mark und Draco wird sich eine tiefe Freundschaft entfalten. Manche werden noch mehr dabei sehen, vor allem in den letzten Kapiteln, und das muss ich sagen, das ist völlig absichtlich. Wenn ihr eine bloße Freundschaft sehen wollt, könnt ihr sie gerne weiter so sehen. Wenn ihr mehr dabei sehen wollt, könnt ihr es auch. Immerhin kann Neil in diesem Augenblick schon gespürt habe, dass die Liebeswahl seines Sohne „anders" ist als bei den anderen. Aber was Mark betrifft, so hat er das Glück, einen verständnisvollen Vater zu haben.
Also könnt ihr die Geschichte so interpretieren wie ihr wollt, es wird an der Sache nur wenig ändern, doch das Einzige, worüber ihr nun sicher seid, ist, dass Mark und Draco überleben werden, und wenn man bedenkt, wie viele sterben werden, haben sie richtig Glück.
Und was ist mit Liliana, werdet ihr mich fragen? Nun... sagen wir mal, dass sie mir gut gedient hat, aber jetzt brauche ich sie nicht mehr, also wird sie nicht mehr erscheinen (sie wird auch nicht sterben)... Aber naja, Mark ist erst zwölf Jahre alt... In so einem Alter ist es wenig wahrscheinlich, dass es ernst gewesen ist...
For C&L, my friends: a difference can't destroy it. Always together, always love, always friendship. You are so cute!
